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Stromschnellen: Roman
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Stromschnellen: Roman

Bonnie Jo Campbell
E-Buch Text: 399 Seiten
Erschienen bei Piper (com), 16.04.2013
ISBN B00ADL53OY
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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Elsa ungeheuer
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44 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

kunst, elsa, den haag, freundschaft, texas

Elsa ungeheuer

Astrid Rosenfeld
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.02.2013
ISBN 9783257068504
Genre: Zeitgenössische Literatur

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Knapp am Herz vorbei
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108 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 36 Rezensionen

willie sutton, bankräuber, new york, gefängnis, usa

Knapp am Herz vorbei

J.R. Moehringer , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Fischer (S.), Frankfurt, 01.02.2013
ISBN 9783100496034
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

New York, Winter 1969: Willie Sutton, einst berühmtester Bankräuber Amerikas, wird aus dem Gefängnis entlassen. Ein Reporter und ein Fotograf begleiten ihn an seinem ersten Tag in der Freiheit und fahren mit ihm gemeinsam die Stationen seines Lebens ab. Nach und nach erfahren sie Stück für Stück, wer Willie Sutton eigentlich war und was ihn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum meistgesuchten Mann Amerikas machte.

Der Roman zeichnet das außergewöhnliche Lebensbild Willie “The Actor” Suttons nach, beginnend mit einer Jugend im irischen Armenviertel Brooklyns und einer unglücklichen Großen Liebe, später dann erster erfolgreicher Raubzüge in Banken und Juweliergeschäften, die der meist verkleidete Sutton derart raffiniert durchführte, dass nie jemand verletzt oder auch nur ein einziger Schuss abgefeuert wurde. Während der großen Bankenkrise anvancierte Sutton zu einer Art “modernem Robin Hood” unter der Bevölkerung und festigte seinen Kultstatus durch spektakuläre Ausbrüche aus zwei Gefängnissen. Polizeiberichte und Zeitungsartikel zeichneten ein Bild eines kultivierten Gentleman-Gangsters, der über die Maßen belesen war, regelmäßig ins Kino ging und Theater besuchte und zudem Bücher schrieb, darunter zwei verschiedene Autobiographien.

Meine Meinung:

J.R. Moehringer ist mit den Geschichten und Legenden rund um den großen Willie Sutton aufgewachsen und hat für diesen Roman recherchiert, so viel er über ihn herausfinden konnte. Nur wenige Details sind erwiesen, vieles basiert auf Zeitungsberichten, Erzählungen von Beobachtern oder Nachfahren Suttons. Was aber im Vagen bleibt, vor allem über Suttons privates Leben, zeichnet Moehringer behutsam und glaubhaft nach, trifft dabei genau den richtigen Ton für das New York Anfang des 20. Jahrunderts, einer Ära des schnellen Geldes und großer Hungersnöte, der Börsencrashs und des zerbröckelnden American Dreams.

“Knapp am Herz vorbei” ist Moehringers Versuch, sich einem Helden seiner Kindheit anzunähern und ihn in seinem Roman zu würdigen, wie es der große Bankräuber sicher selbst gern gelesen hätte. Dabei bleibt er die gesamte Zeit über glaubhaft und man zweifelt keine Sekunde, dass sich alles genau so zugetragen haben könnte.

Fazit:

Großartig erzählte und hervorrangend recherchierte Lebensgeschichte; eine Hommage an einen außergewöhnlichen Mann.

  (5)
Tags: banken, bankräuber, brooklyn, börsencrash, gefängnis, new york, willie sutton   (7)

  

 

Der Weg des Falken
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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

afghanistan, leben, iran, kindheit, mittelasien

Der Weg des Falken

Jamil Ahmad , Giovanni Bandini , Ditte Bandini
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 19.02.2013
ISBN 9783455403947
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Der Weg des jungen Tor Baz ist von seiner Geburt an steinig – die Liebe seiner Eltern darf nicht sein und nur der Zufall will es, dass er die blutige Rache ihrer Stammesväter überlebt. Heimatlos reist er von Ort zu Ort, tritt am Rand fremder Geschichten als kurzer Gast auf und verschwindet ebenso schnell wieder, streift am Weg verstreute Schicksale beinahe unbemerkt und lenkt den Lebensweg anderer plötzlich in eine ungeahnte Richtung. Durch ihn erfährt man Geschichten über Liebe, Tod, Hinterlist, Mut und Weisheit aus den entlegendsten Winkeln einer Welt, die wir so noch nie gesehen haben – der Grenzregion zwischen Pakistan, Afghanistan und dem Iran.

Meine Meinung:

“Der Weg des Falken” ist eine kostbare kleine Sammlung von Geschichten aus einem Teil der Welt, der uns heutzutage meist als Kriegsschauplatz in den Medien präsent ist; Ländern, in denen scheinbar Angst und Terror geboren werden. Jamil Ahmad nimmt uns jedoch mit auf eine Zeitreise in die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, zu Menschen, die zwischen Mittelalter und Moderne leben, Nomaden, die ihre Traditionen im Widerstand gegen die neuen politischen Bestimmungen bewahren wollen. Wir erfahren von Stammesfehden und uralten Traditionen, Hochzeiten und Ehrenmorden, Karawanenzügen und Sklavenmärkten, weisen Männern und mutigen Frauen, Mullahs, Händlern, Spitzeln, Gauklern, Häuptlingen, Soldaten und Hirten. Alle Geschichten sind in sich abgeschlossen, manche spinnen einen dünnen Faden zur nächsten weiter und immer wieder taucht Tor Baz auf, der in dieser weiten, bedrückenenden, schönen und beängstigenden Welt seinen Platz finden muss.

Fazit:

Ein einmaliger Einblick in einen fremden und durch und druch vielfältigen Teil der Welt, über den wir bisher noch viel zu wenig wissen.

  (7)
Tags: afghanistan, iran, mittelasien, pakistan   (4)

  

 

Der amerikanische Architekt
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15 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

ground zero, new york, 9/11, architekt, architektur

Der amerikanische Architekt

Amy Waldman , Brigitte Walitzek
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 04.02.2013
ISBN 9783895614910
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

New York, 2004: Eine Jury ist zusammengekommen, um über den besten Entwurf für eine Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge vom 11. September abzustimmen. Nach langen Diskussionen einigt man sich endlich auf den Gewinner. Der Umschlag mit dem bisher anonymen Namen wird geöffnet – und die Jury-Mitglieder müssen schockiert feststellen, dass es sich bei ihrem Gewinner um einen Muslim handelt.

Es entflammt ein heftiger Disput um die Person des Architekten und die Bedeutung seines Entwurfs und weitet sich, kaum dass das streng vertrauliche Ergebnis zur Presse durchgesickert ist, über die gesamte Stadt und schließlich bis über die Landesgrenzen aus. Clarie Burwell, innerhalb der Jury Vertreterin der Hinterbliebenen der Opfer, ist eine der wenigen, die sich voller Überzeugung für den begabten wie auch komplizierten Architekten einsetzt. Doch als der Druck von aufgebrachten Familienmitgliedern, skruppellosen Journalisten, machthungrigen Politikern und radikalen Aktivisten immer größer wird, beginnt auch sie, zu wanken.

Meine Meinung:

Das Jahr hat gerade erst begonnen und schon habe ich einen meiner absoluten Lieblingstitel 2013 entdeckt: “Der amerikanische Architekt” hat mich in jeder Hinsicht überzeugt, ein Buch wie ein Paukenschlag, ein Blick in die Seele einer zerrütteten Nation, ein politisch-kulturelles Panorama über die Vorurteile und Ressentiments der heutigen Zeit und das alles erzählt mit einer Ehrlichkeit, die einem Schwall kalten Wassers gleichkommt.

Waldman, die vor der Veröffentlichung ihres Romans “Der amerikanische Architekt” als Journalistin für die New York Times gearbeitet und selbst aus Afghanistan und New York in den Wochen nach den Anschlägen von 9/11 berichtet hat, erweist sich als brillante Erzählerin. Jedes Wort sitzt, die verschiedenen Personen, durch die Waldman die Geschichte aus unterschiedlichsten Blickwinkeln erzählt, sind vielschichtig und glaubhaft gezeichnet. Die Entwicklungen, die im Laufe der Handlung immer drastischere Ausmaße annehmen, sind absolut überzeugend geschildert und es fällt schwer, sich daran zu erinnern, dass es sich trotz authentischer Einzelheiten um eine fiktive Geschichte handelt. Tatsächlich gibt es Parallelen zu wahren Ereignissen, zum Beispiel erinnert die Debatte um die Gedenkstätte an jene um das islamische Kulturzentrum Park51 in Lower Manhattan, die nicht lange, nachdem Waldman ihren ersten Manuskriptentwurf fertig hatte, in der Öffentlichkeit entbrannte. Ein weiterer Beweis für die Aktualität und Relevanz dieses Romans.

Das Kunststück, das Amy Waldman mit ihrem Roman gelingt, ist, den Leser trotz aller Sympathien, die er für den Architekten Mohammad Khan, die junge Hinterbliebene Claire oder einen der anderen Protagonisten entwickelt, nie ganz auf eine Seite zu ziehen und das Kalaidoskop immer ein Stück weiterzudrehen, um ihn zu einer neuen Sichtweise der Dinge zu zwingen, seine eigene zuvor gefasste Meinung zu hinterfragen und auch in die Köpfe der anderen Parteien hineinzuschauen. Das ist provokativ, nicht immer angenehm, ungemein spannend und bringt einen zum überdenken eigener Moralvorstellungen. Amerikanische Leser werden sich beim Lesen besonders herausgefordert fühlen, vorgefasste Meinungen und eingeschränkte Sichtweisen zu überdenken. Nach der Lektüre des Buches ist mir aber klargeworden, dass uns der Grundgedanke alle angeht und gerade in der heutigen Zeit des Terrors, der Konflikte zwischen West und Nahost, aber auch dem Zusammenleben verschiedener Kulturen und Glaubensrichtungen auf engstem Raum Akzeptanz ein Wort ist, dass wir uns ganz groß auf die Fahnen schreiben sollten.

Zusammenfassend (und ohne vom Inhalt zu viel vorwegzunehmen) möchte ich sagen, dass ich “Der amerikanische Architekt” inhaliert habe und kaum aus der Hand legen konnte. Dieses Buch ist eine absolute Empfehlung quer durch die Geschmäcker und Lesegewohnheiten, denn das Thema ist ein globales und rüttelt Fragen und Vorstellungen wach, die sich spätestens im Laufe der letzten zehn Jahre in unseren Köpfen festgesetzt haben – und bietet die Chance, Altes zu überdenken und neue Ansätze zu finden. Waldman greift niemals offen Partei und regt ihre Leser an, im Verlauf der Geschichte ihre persönlichen Wahrheiten und Überzeugungen zu finden, denn von der großen Erleuchtung ist unsere Gesellschaft noch weit entfernt.

Fazit:

Lesen! Lesen! Lesen!

  (6)
Tags: 11. september, 9/11, architektur, ground zero, islam, new york, religion   (7)

  

 

Der amerikanische Architekt
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15 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

ground zero, new york, 9/11, architekt, architektur

Der amerikanische Architekt

Amy Waldman , Brigitte Walitzek
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 04.02.2013
ISBN 9783895614910
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

New York, 2004: Eine Jury ist zusammengekommen, um über den besten Entwurf für eine Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge vom 11. September abzustimmen. Nach langen Diskussionen einigt man sich endlich auf den Gewinner. Der Umschlag mit dem bisher anonymen Namen wird geöffnet – und die Jury-Mitglieder müssen schockiert feststellen, dass es sich bei ihrem Gewinner um einen Muslim handelt.

Es entflammt ein heftiger Disput um die Person des Architekten und die Bedeutung seines Entwurfs und weitet sich, kaum dass das streng vertrauliche Ergebnis zur Presse durchgesickert ist, über die gesamte Stadt und schließlich bis über die Landesgrenzen aus. Clarie Burwell, innerhalb der Jury Vertreterin der Hinterbliebenen der Opfer, ist eine der wenigen, die sich voller Überzeugung für den begabten wie auch komplizierten Architekten einsetzt. Doch als der Druck von aufgebrachten Familienmitgliedern, skruppellosen Journalisten, machthungrigen Politikern und radikalen Aktivisten immer größer wird, beginnt auch sie, zu wanken.

Meine Meinung:

Das Jahr hat gerade erst begonnen und schon habe ich einen meiner absoluten Lieblingstitel 2013 entdeckt: “Der amerikanische Architekt” hat mich in jeder Hinsicht überzeugt, ein Buch wie ein Paukenschlag, ein Blick in die Seele einer zerrütteten Nation, ein politisch-kulturelles Panorama über die Vorurteile und Ressentiments der heutigen Zeit und das alles erzählt mit einer Ehrlichkeit, die einem Schwall kalten Wassers gleichkommt.

Waldman, die vor der Veröffentlichung ihres Romans “Der amerikanische Architekt” als Journalistin für die New York Times gearbeitet und selbst aus Afghanistan und New York in den Wochen nach den Anschlägen von 9/11 berichtet hat, erweist sich als brillante Erzählerin. Jedes Wort sitzt, die verschiedenen Personen, durch die Waldman die Geschichte aus unterschiedlichsten Blickwinkeln erzählt, sind vielschichtig und glaubhaft gezeichnet. Die Entwicklungen, die im Laufe der Handlung immer drastischere Ausmaße annehmen, sind absolut überzeugend geschildert und es fällt schwer, sich daran zu erinnern, dass es sich trotz authentischer Einzelheiten um eine fiktive Geschichte handelt. Tatsächlich gibt es Parallelen zu wahren Ereignissen, zum Beispiel erinnert die Debatte um die Gedenkstätte an jene um das islamische Kulturzentrum Park51 in Lower Manhattan, die nicht lange, nachdem Waldman ihren ersten Manuskriptentwurf fertig hatte, in der Öffentlichkeit entbrannte. Ein weiterer Beweis für die Aktualität und Relevanz dieses Romans.

Das Kunststück, das Amy Waldman mit ihrem Roman gelingt, ist, den Leser trotz aller Sympathien, die er für den Architekten Mohammad Khan, die junge Hinterbliebene Claire oder einen der anderen Protagonisten entwickelt, nie ganz auf eine Seite zu ziehen und das Kalaidoskop immer ein Stück weiterzudrehen, um ihn zu einer neuen Sichtweise der Dinge zu zwingen, seine eigene zuvor gefasste Meinung zu hinterfragen und auch in die Köpfe der anderen Parteien hineinzuschauen. Das ist provokativ, nicht immer angenehm, ungemein spannend und bringt einen zum überdenken eigener Moralvorstellungen. Amerikanische Leser werden sich beim Lesen besonders herausgefordert fühlen, vorgefasste Meinungen und eingeschränkte Sichtweisen zu überdenken. Nach der Lektüre des Buches ist mir aber klargeworden, dass uns der Grundgedanke alle angeht und gerade in der heutigen Zeit des Terrors, der Konflikte zwischen West und Nahost, aber auch dem Zusammenleben verschiedener Kulturen und Glaubensrichtungen auf engstem Raum Akzeptanz ein Wort ist, dass wir uns ganz groß auf die Fahnen schreiben sollten.

Zusammenfassend (und ohne vom Inhalt zu viel vorwegzunehmen) möchte ich sagen, dass ich “Der amerikanische Architekt” inhaliert habe und kaum aus der Hand legen konnte. Dieses Buch ist eine absolute Empfehlung quer durch die Geschmäcker und Lesegewohnheiten, denn das Thema ist ein globales und rüttelt Fragen und Vorstellungen wach, die sich spätestens im Laufe der letzten zehn Jahre in unseren Köpfen festgesetzt haben – und bietet die Chance, Altes zu überdenken und neue Ansätze zu finden. Waldman greift niemals offen Partei und regt ihre Leser an, im Verlauf der Geschichte ihre persönlichen Wahrheiten und Überzeugungen zu finden, denn von der großen Erleuchtung ist unsere Gesellschaft noch weit entfernt.

Fazit:

Lesen! Lesen! Lesen!

  (6)
Tags: 11. september, 9/11, architektur, ground zero, islam, new york, religion   (7)

  

 

An den Ufern des goldenen Flusses
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54 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

venezuela, historischer roman, dschungel, isabel beto, krieg

An den Ufern des goldenen Flusses

Isabel Beto
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.12.2012
ISBN 9783499259777
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

1815: Vor der Küste Venezuelas kämpfen die junge Deutsche Janna Sievers und ihr Verlobter Reinmar ums Überleben, als die Seuten Deern in Seenot gerät. Das junge Paar wird getrennt – und Janna findet sich völlig entkräftet and den Ufern des Orinocos wieder, wo sie kurze Zeit später Strandräubern in die Hände gerät. Der undurchsichtige Halb-Indio Arturo rettet sie und nimmt sie mit in seinem Boot. Janna hofft, mit seiner Hilfe nach Angostura zu kommen und dort Reinmar wiederzufinden. Doch Arturo verfolgt ganz andere Pläne. An den Quellen des Orinocos will er einen sagenhaften Inka-Schatz finden und ist bereit, dafür alles zu opfern.

Meine Meinung:

Nach ihrem Brasilien-Roman “Die Bucht des grünen Mondes” musste ich unbedingt auch Isabel Betos neuestes Werk lesen, das uns diesmal nach Venezuela zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts entführt. Auch diesmal tauchte ich ein in eine reich ausgestaltete Welt voller Exotik, Abenteuer und Leidenschaft, die dem Genre “Sehnsuchtsliteratur” vollkommen gerecht wird. Wieder einmal liefert sie eine spannende, unvorhersehbare und romantische Geschichte, die das Flair einer vergangenen Epoche und eines uns fremden Landes versprüht und dabei bis ins Detail recherchiert und überzeugend erzählt ist. Ihre Charaktere sind griffig und dreidimensional, besonders das tragende Paar Janna und Arturo, deren Liebesgeschichte sich einfühlsam und glaubhaft entwickelt und bei mir das ein oder andere Herzflattern verursacht hat.

Wenn ich überhaupt etwas zu bemängeln habe, dann, dass ich mir in den Wirren der Besatzungs-Episode im letzten Drittel ein wenig von der unbeschwingteren Leichtigkeit der Flussfahrt gewünscht hätte und dass das ansonsten sehr hilfreiche kleine Glossar im Anhang noch um ein paar Worte reicher gewesen wäre (ein paar Mal habe ich nach Wörtern gesucht, die nicht noch einmal aufgeführt waren). Dies hat meiner Freude beim Lesen jedoch keinen Abbruch getan.

Es bleibt nur zu sagen, dass unter all den “Sehnsuchtsschmökern”, die derzeit mit ihren mehr oder minder blumigen Covern den Markt bevölkern, Isabel Betos Südamerika-Schmöker auf jeden Fall in die oberste Liga gehören. (Die Cover ihrer Bücher mag ich zum Glück sehr.)

Denn - was man leider in einigen Sehnsuchtsschmökern zu lesen bekommt:

- eine austauschbare Pappmaché-Heldin, die in eine am Handlungsrand herumdümpelnde Liebesgeschichte mit blassem Helden stolpert, eingebettet in eine flache und vorhersehbare Handlung, die man schon hundertmal gelesen hat,

- vage Landschaftsbeschreibungen, die einem weismachen wollen, man befände sich hier und dort auf der Weltkarte, aber man hat Mühe, dies dem Autor abzunehmen; schlechte Recherche, falsche Fakten und Stirnrunzel-Momente.

Was man mit Isabel Betos Büchern bekommt:

- starke und eigenwillige Charaktere, mitreißende Liebesgeschichten und Handlungen, die spannungsreich und unverbraucht sind und immer wieder überraschen.

- realistische und zum Schwärmen anregende Naturbeschreibungen voller schillernder Details und dazu hervorragend recherchierte geschichtliche und gesellschaftliche Hintergründe, die einem das Gefühl geben, genau in diesem Augenblick dabei zu sein.

Fazit:

Wer sich in ein exotisches Land entführen und nicht nur von einer berauschenden Liebesgeschichte, sondern auch einem packenden Abenteuer voller unverhoffter Wendungen mitreißen lassen möchte, sollte zu Isabel Betos “An den Ufern des goldenen Flusses” greifen.

  (11)
Tags: auswanderer, befreiungskampf, dschungel, flussfahrt, indios, südamerika, venezuela, wildnis   (8)

  

 

Solange die Nachtigall singt
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204 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

wald, jäger, liebe, mord, jugendbuch

Solange die Nachtigall singt

Antonia Michaelis , Kathrin Schüler
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.09.2012
ISBN 9783789142932
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

“Weinen blinde Schneiderpuppen nachts?”

Der junge Tischlergeselle Jari begibt sich auf eine Wanderung in der Lausitz, am Ranade der Zivilisation, hinein in die unberührten Wälder, in denen die Grenzen zwischen Deutschland, Polen und Tschechien verwischen.

Im Wald begegnet er der schönen und geheimnisvollen Jascha, die ihn mitnimmt zu ihrem Haus, ein Paradies in aller Abgeschiedenheit. Jari beginnt, sich in einem Strudel aus trügerischer Schönheit zu verlieren und wird zum Jäger, dem kein Opfer zu groß ist, um die Schönheit und seine Liebe zu schützen.

Meine Meinung:

Nach dem atemberaubenden “Märchenerzähler” musste ich auch Anonia Michaelis’ nächsten großen Roman lesen. Wieder ist es beinahe unmöglich, das Buch zu bewerten, ohne zu viel vom Inhalt vorwegzunehmen. In “Solange die Nachtigall singt” legt sie – wenn überhaupt möglich – ein noch düstereres, noch unheimlicheres, schwärmerisches, packenderes, überraschenderes und phantasievolleres Werk vor.

Abermals habe ich mich wie in einen Sog hinabgezogen gefühlt. Schönheit und Schrecken liegen hier so dicht beieinander, dass man beim Lesen beinahe konstant eine Gänsehaut hat. “Solange die Nachtigall singt” ist ein Mystery-Thriller voll unvergleichlicher Phantasie und Fabulierlust, eine Geschichte über Liebe und Hass, ein Blick in die tiefsten menschlichen Abgründe, und alles inmitten wunderbar unberührter Natur. Noch mehr als im “Märchenerzähler” spielt die Autorin hier mit den krassesten Gegensätzen und schafft es, sie so kunstvoll miteinander zu verweben, dass man wie verzaubert ist und nicht mehr mit dem Lesen aufhören kann.

Aufgrund der wirklich düsteren Handlung, einiger Elemente, die schon beinahe ins Horrorgenre gehen und verschiedener explizierter Szenen würde ich das Buch auf alle Fälle erst ab siebzehn, achtzehn empfehlen.

Ich weiß nicht, ob man den “Märchenerzähler” und “Solange die Nachtigall singt” miteinander vergleichen kann. Obwohl sich viele Stilelemente und auch ein paar Ausgangsideen ähneln, gefällt mir persönlich die “Nachtigall” fast noch besser. Der Wald, die Farben, die immer wiederkehrenden Märchenelemente (die Zahl drei spielt eine bedeutende Rolle), das ebenso undurchschaubare wie überraschende Handlungsgeflecht und dieses allgegenwärtige Gänsehautgefühl sind eine Mischung, die mich vollends in ihren Bann geschlagen hat.

Fazit:

Wie Antonia Michaelis dieses Gruselmärchen zwischen Traum und Realität heraufbeschwört, ihre Leser ebenso wie Jari selbst ahnungslos durch den Wald stolpern lässt und dabei so geschickt mit Trug und Wahrheit, mit Sympathie und Antipathie ihrer Charaktere spielt, ist wahrlich Meisterklasse.

  (10)
Tags: drillinge, horror, lausitz, mord, märchen, schönheit, thriller, wald   (8)

  

 

Die Vermessung der Welt
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(61)

96 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

gauß, humboldt, deutschland, wissenschaft, mathematik

Die Vermessung der Welt

Daniel Kehlmann
Fester Einband: 379 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 18.11.2009
ISBN 9783499253034
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags:  

  

 

Der Atem der Welt
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(19)

38 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 14 Rezensionen

walfang, schiffbruch, london, tiger, meer

Der Atem der Welt

Carol Birch , Christel Dormagen
Fester Einband: 393 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 01.09.2012
ISBN 9783458175445
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

London, 1857: das Leben des achtjährigen Jaffy nimmt eine ungeahnte Wende, als er furchtlos dem bengalischen Tiger entgegentritt, der der Menagerie des berühmten Importeurs Charles Jamrach entlaufen ist.

Der Geschäftsmann ist beeindruckt von dem Mut des Jungen und nimmt ihn unter seine Fittiche; von nun an arbeitet Jaffy als sein Handlanger und entwickelt dabei ein besonderes Interesse und Gespür für Tiere. Als sein bester Freund Tim auf einem Walfänger anheuert, um auf einer Insel im Indischen Ozean nach einem “Drachen” zu suchen, den ein reicher Auftraggeber haben möchte, schließt er sich ihm ohne zu überlegen an. Die beiden brechen zu einer Fahrt ins Ungewisse auf, die ihre Welt für immer verändern wird.

Meine Meinung:

Erwartet habe ich einen historischen Abenteuerroman, bekommen habe ich mit “Der Atem der Welt” letzendlich viel mehr. Carol Birch erzählt die Geschichte einer tiefen Freundschaft, ihre Erzählung versprüht auf jeder Seite wilde Fabulierlust und die Liebe zum Reisen und Erforschen neuer Welten. Ihre Schreibe ist dabei rauh und traumwandlerisch, gleichzeitig poetisch und manchmal pefekt-unfertig. Sie erzählt aus der Sicht eines jungen Mannes, der in das Erwachsenwerden hineinkatapultiert und vom Schicksal hin und her geworfen wird wie ein kleines Boot auf den Wellen der Weltmeere. Ich war absolut gefesselt von dem Abenteuer, das Jaff und Tim bestehen müssen und konnte mich selbst dann nicht loseisen, als ihre gemeinsame Reise eine katastrophale Wende nimmt und unfassbare Ausmaße annimmt.

Vielleicht hätte ich mir ein wenig mehr äußerliche Beschreibungen der einzelnen Personen, vor allem der Besatzung des Schiffes, gewünscht, denn so bin ich anfangs immer wieder ein wenig ins Stolpern gekommen beim Zuordnen der Namen und Dienstgrade. Das soll aber auch mein einziger Rüpel bleiben.

Birch liefert eine pannende, überraschende Geschichte, die dazu auch noch herausragend geschrieben und ein Hohelied auf das Menschsein ist, das Leben und Überleben. Und die Freundschaft, die selbst in der dunkelsten Stunde besteht – und darüber hinaus.

Fazit:

Ein bombastischer und emotional fordernder Roman, der niemanden ungerührt zurücklassen wird. Für mich verdient auf der Shortlist des Man Booker Prize 2011 gelandet und eine Leseempfehlung an alle, die nicht zu zart besaitet sind und sich auf eine unvergessliche Weltreise voller Schönheit und Schrecken einlassen wollen.

  (8)
Tags: exotische tiere, kannibalismus, komodovaran, schiffbruch, walfang, weltreise   (6)

  

 

Der ungeladene Gast
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(29)

55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

england, landadel, familie, geister, landsitz

Der ungeladene Gast

Sadie Jones , Brigitte Walitzek
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DVA, 03.09.2012
ISBN 9783421045553
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Frühjahr 1912: Auf dem heruntergekommenen Landsitz Sterne laufen die Vorbereitungen für Emerald Torringtons zwanzigsten Geburtstag auf Hochtouren. Doch mit der Ankunft der Gäste gerät etwas ins Rollen, das keiner der Anwesenden aufzuhalten vermag. Auf einem Nebengleis in der Nähe des Anwesens, so heißt es, habe es ein schreckliches Eisenbahnunglück gegeben. Die Pflicht der Hausbesitzer ist es nun, die Überlebenden vorübergehend bei sich aufzunehmen. Die Passagiere, die kurze Zeit später auf Sterne eintreffen, werfen den sorgfältig geplanten Abend komplett über den Haufen. Unter ihnen ist ein äußerst merkwürdiger Mann, der Emeralds Mutter von früher zu kennen scheint. Und so steht der Gesellschaft eine denkwürdige Nacht bevor, die neimanden unverändert zurücklassen wird …

Meine Meinung:

Was bin ich froh, über dieses Buch gestolpert zu sein. Ich hatte zuvor noch nichts von Sadie Jones gelesen und wusste auch von der Handlung her nicht, auf was ich mich einlassen würde. Völlig ahnungslos tauchte ich in die Geschichte ein und wurde fortgetragen von einem Sog, der mich erst auf der letzten Seite wieder freigegeben hat.

“Der ungeladene Gast” quillt über vor fabelhaften Ideen und wartet mit glänzenden Charakteren auf. Kunstvoll und unwiderstehlich erschafft Jones das Bild einer zerbröckelnden Adelsfamilie, die alles daran setzt, den schönen Schein und ihre Würde zu bewahren, während in einer Folge von unerwarteten und skurrilen Zwischenfällen alles um sie herum im Chaos versinkt.

Sadie Jones richtet das Ganze so wunderbar süffig und triefend vor Ironie und Schadenfreude an wie die kunstvoll arrangierten Festspeisen in der Küche von Sterne. Immer wieder dachte ich beim Lesen: “Das liest sich wie ein Film! Das muss ein Film werden!”

Fazit:

“Der ungeladene Gast” ist ein hypnotisierendes Buch mit ungeheurer Sogkraft. Eine eine köstliche Ständesatire, ein Kammerspiel voll unverhoffter Verstrickungen und eine düstere Gänsehautgeschichte in einem. Phänomenal!

  (11)
Tags: england, geister, grusel, landhaus   (4)

  

 

Sam und Emily
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(42)

164 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

liebe, zufall, jugendbuch, gewalt, familie

Sam und Emily

Holly Goldberg Sloan , Barbara Lehnerer , Bernadette Ott , Holly Goldberg Sloan
Fester Einband: 428 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.08.2012
ISBN 9783401065182
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Als Emily dem siebzehnjährigen Sam das erste Mal begegnet, merkt sie gleich, dass er anders ist. Was sie nicht weiß: zusammen mit seinem jüngeren, autistischen Bruder Riddle und seinem kriminellen Vater lebt er ein Landstreicherleben. Er hat keine feste Bleibe, geht seit Jahren nicht mehr zur Schule und ernährt sich meistens von dem, was er in Müllcontainern findet. Dabei kümmert er sich aufopferungsvoll um seinen introvertierten und chronisch kranken Bruder.

Noch bevor mehr aus Emilys und Sams zarten Annäherungsversuchen werden kann, überschlagen sich die Ereignisse und ehe es sich Sam versieht, befindet er sich mit seinem Bruder auf der Flucht in den Mittleren Westen – und plötzlich geht es um Leben und Tod.

Meine Meinung:

“Kleine Geschichte vom Glück des Zufalls” spielt mit den Wechselwirkungen des Schicksals und den kleinen und großen Ereignissen im Leben, die irgendwie untrennbar miteinander verknüpft sind und auf verschlungen Pfaden und doch unmittelbar unsere Zukunft beeinflussen. Holly Goldberg Sloan legt ein beeindruckendes Debüt vor, eine warmherzige Geschichte über den Wert von Familie und Freundschaft und gleichzeitig einen packenden Thriller, der uns unverhofft mitnimmt in die Wildnis und in Abgründe, in die uns die Habgier, Selbstsucht und Neid hinabreißen. Der Roman ist modernes Märchen und unaufdringliches Gesellschaftsbild, besonders in Bezug auf die armerikanische Arm-Reich-Schere.

Mit den Brüdern Sam und Riddle hat die Autorin absolut überzeugende Charaktere geschaffen. Auch Clarence, ihr Vater, von Beruf Dieb und Menschenfeind, ist ein unangenehm dreidimensionaler Charakter. Ein bisschen auf der Strecke bleibt dabei leider Emily, die für mich als Protagonistin nicht ganz so fühlbar wurde wie die anderen. Daher eine halbe Kaffeetasse Abzug.

Fazit:

Eine Liebeserklärung an den Zusammenhalt der Familie und ein packender Abenteuerroman in einem. Vom Verlag als Liebesgeschichte getarnt, aber in Wirklichkeit noch viel mehr als das – ein Roman über zwei Brüder, über Armut und Reichtum, Mut, Selbstlosikeit und Zuversicht. Und darüber, dass jeder seines Schicksals eigener Schmied ist.

  (13)
Tags: armut, autismus, diebstahl, familie, häusliche gewalt, liebe, wildnis   (7)

  

 

The Longest Way
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(6)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

the longest way, reisen, christoph rehag, reisebericht, china

The Longest Way

Christoph Rehage
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Malik, 01.06.2012
ISBN 9783890293868
Genre: Sonstiges

Rezension:

An seinem 26. Geburtstag bricht Christoph Rehage zu einer ungeheuerlichen Wanderung auf: von seiner Studentenwohnung in Beijing aus soll es durch ganz China und Mittelasien bis ins heimatliche Bad Nenndorf gehen. Mit dreißig Kilo auf dem Rücken macht er sich auf dem Weg – jeden einzelnen Meter will er dabei zu Fuß zurücklegen. Regelmäßig berichtet er auf seinem Blog über seine Reise. Seinen preisgekrönten Timelapse-Kurzfilm “The longest way”, den er auf Youtube hochläd, sehen sich über 2 Millionen Menschen an. Was er unterwegs erlebt hat und warum er seine Reise nach 4646 Kilometern abbrach, erzählt er in diesem Buch.

Meine Meinung:

Ich habe Christoph Rehages Reisebericht aus purer Neugierde zur Hand genommen; das großartige Video, das seine Reise so populär gemacht hat, habe ich erst danach entdeckt. Ich bin nicht sicher, was ich erwartet habe von einem jungen Typen, der einfach so losläuft, allein, ein Jahr lang, durch ein Land wie China. Aber ich hätte bestimmt nicht gerechnet mit dieser Flut von Eindrücken, die Rehage heraufbeschwört, seinen Begegnungen mit den interessantesten Charakteren und den außergewöhnlichen Freundschaften, die er schließt.

Am Wegesrand findet er Geschichten vom alten und vom neuen China, einem Land, dass von Jahrtausende alten Kaiserreichen, wüsten Kriegszügen, der Großen Mauer, Tschingis Khan, Mao, Kommunismus, Kulturrevoltion und Wiederaufbau erzählt. Er läuft mit offenen Augen durch die Welt und findet immer wieder das Besondere im Alltäglichen. Da er fließend Chinesisch spricht, kommt er mit der Landbevölkerung ebenso ins Gespräch wie mit den Städtern. Er trifft andere Reisende, Geschäftsleute und Wanderarbeiter, Schulkinder, Mönche, Bauern, Postituierte und Wahrsager.

Rehage beschreibt das alles elegant und nüchtern, voller Klarheit und doch getragen von einer ganz eigenen Poesie, angereichert mit einer Fülle von Wissenswertem über chinesische Geschichte, Kultur, Religion und Mythologie, denn Christoph Rehage hat neben Kameraführung auch Sinologie studiert. Alles ist so organisch in die Schilderung seiner Erlebnisse hineingewebt, dass es sich liest wie aus einem Guss. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Bericht über eine zwölfmontaige Wanderung, die streckenweise immer wieder auch beschwerlich und eintönig wurde, kein einzige Mal ermüdend zu lesen ist. Ich habe “The longest way” in einem Rutsch gelesen, geradezu verschlungen. Und am Ende sogar ein bisschen geweint.


Fazit:

“The longest way” hat mich mitgerissen und immer wieder erstaunt. Ein absoluter Pageturner, der sich mit seiner erzählerischen Kraft wie ein Abenteuerroman liest. Ganz klar eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr und eine absolute Empfehlung! Ich bin so begeistert, dass ich mir nach einiger Überlegung auch den großartigen Bildband zur Reise gekauft habe.

Also: lest dieses wunderbare Buch und schaut euch auch unbedingt Christoph Rehages Kurzfilm an.

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Tags: china, reisebericht, reisen, the longest way, wandern, zu fuß   (6)

  

 

Everlasting
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486 Bibliotheken, 5 Leser, 4 Gruppen, 141 Rezensionen

liebe, zeitreise, zukunft, zeitreisen, tagebuch

Everlasting

Holly-Jane Rahlens , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 421 Seiten
Erschienen bei Wunderlich, 09.03.2012
ISBN 9783805250160
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Die Zukunft, 2264. Der junge Historiker und Spezialist für die tote Sprache Deutsch, Finn Nordstrom, bekommt ein außergewöhnliches Forschungsprojekt übertragen: Er soll die 250 Jahre alten Tagebücher eines deutschen Mädchens übersetzen, das sie in den Jahren vor der Apokalypse, dem “Dark Winter” 2018, geschrieben hat.

Zuerst weiß Finn nicht, was er mit dem banalen Geschreibsel eines zu Beginn ihrer Aufzeichnungen dreizehnjährigen Mädchens anfangen soll, doch bald nimmt ihn der Witz und Charme der jungen Eliana ganz gefangen. Mitten in der Übersetzung steckend, wird ihm von seinen Vorgesetzten überraschend mitgeteilt, dass er nicht nur die historischen Tagebücher studieren, sondern auch in die Zeit zurückreisen soll. Der geheimnisvolle Auftrag führt ihn in das Berlin kurz nach der Jahrtausendwende – in die Jahre zwischen 2003 und 2011. Überrascht stellt er fest, dass sein Forschungsprojekt in direkter Verbindung mit der Tagebuchschreiberin Eliana steht. Als er plötzlich vor ihr steht, kann er nicht länger an Zufälle glauben …

Meine Meinung:

“Everlasting” hat mich wirklich und wahrhaftig überrascht. Ohne große Erwartungen habe ich angefangen zu lesen und fühlte mich bald hineinversetzt in eine faszinierende, komplex erdachte Zukunft, die die Menschen zu funktionierdenden, logisch denkenden Pragmatikern gemacht hat. Dinstancen können innhalb von Minuten überwunden werden, man wohnt auf Long Island, arbeitet in Greifswald, feiert abends in Prag. Androiden erledigen die alltäglichen Aufgaben, Menschen kommunizieren über einen im Kopf vernetzten Computer und laden regelmäßig Sicherheitskopien ihrer Erinnerungen herunter, um später möglicherweise in einem Klon weiterzuleben. Die Gesellschaft ist eine gut geölte Maschinerie, der jedoch im Laufe der Jahrhunderte etwas Wichtiges abhanden gekommen ist: die Fähigkeit, zu lieben.

Finn fühlt sich nicht richtig wohl in der “besten aller möglichen Welten”, ihm fehlt etwas, er weiß nur nicht, was das ist. Mit seiner Arbeit an Elianas Tagebüchern und den Zeitreisen, auf die er unter strengen Auflagen und ausgestattet mit minimalen Informationen geschickt wird, ändert sich sein Leben vollkommen.

“Mir kam der Gedanke, dass die Endlichkeit unseres Lebens, das Wissen, dass wir sterben werden, das Fundament war, auf dem Generationen ihr Leben aufgebaut hatten. Jetzt jedoch standen wir an einem Scheideweg. Wir flirteten mit der Unsterblichkeit. Meine Generation würde möglicherweise ewig leben können, aber auf dem Weg in die Unendlichkeit hatten wir absurderweise das Geschenk des Lebens aus den Augen verloren.”

Holly-Jane Rahlens liefert hier eine Zukunftsvision ab, die ihresgleichen sucht. “Everlasting” bringt frischen Wind in die Genres SciFi, Dystopie und Liebesgesgeschichte und trifft einen ganz eigenen Ton. Endlich mal etwas Neues, endlich einmal unverbrauchte Ideen! Finn ist ein großartiger Protagonist, dessen Reise ich atemlos verfolgt habe. Die Autorin beschwört ein hochtechnisiertes und gefühlskaltes Bild der Zukunft herauf, spinnt eine überzeugende Liebesgeschichte quer durch die Zeiten und liefert zugleich eine Liebeserklärung an die Sprache und das geschriebene Wort ab. Von dieser Art Geschichten darf es künftig gerne mehr geben!

Fazit:

Eine unkonventionelle und mitreißende SciFi-Geschichte mit einem kräftigen Schuss Romantik. Eine halbe Kaffeetasse ziehe ich hab, weil die dicht erzählte Geschichte zum Ende hin etwas abflacht. Nichtsdestotrotz eine absolute Empfehlung!

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Tags: liebesgeschichte, science fiction, sprache, tagebuch, zeitreisen   (5)

  

 

Ein ungezähmtes Leben
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73 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 14 Rezensionen

usa, lehrerin, emanzipation, ranch, texas

Ein ungezähmtes Leben

Jeannette Walls , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 365 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 16.02.2010
ISBN 9783455402506
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Als Lily Casey 1901 in einer lehmigen Wohnhöhle in Texas zur Welt kommt, besitzt ihre Familie so gut wie nichts. Das weite Land und das freie Leben ohne Nachrichten, Strom oder fließendes Wasser machen aus dem kleinen Wildfang eine starke junge Frau, die von Kindesbeinen an wilde Pferde zureitet, mit elf die Hilfsarbeiter auf der Farm ihres Vaters anleitet und mit fünzehn ihre erste Stelle als Dorfschullehrerin mitten im Nirgendwo antritt. Ihr ganzes Leben hindurch beweist sie sich gegen die Widrigkeiten eines der unbarmherzigsten Gebiete der USA, in einer von Männern dominierten und von Kriegen gebeutelten Zeit – und lässt sich nie darin entmutigen, ihren eigenen Weg zu gehen.

Meine Meinung:

Jeannette Walls zeichnet in diesem Buch die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Lily Casey Smith nach, wobei sie sich vor allem auf die zahlreichen Erzählungen ihrer Mutter stützt. Es handelt sich hier also im weitesten Sinne um einen “biographischen Roman”.

Was diese Frau alles erlebt hat, ist einfach unglaublich. Von kleinauf muss sie sich um sich selbst und ihre Familie kümmern und lernt, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Ihr Mut und ihr unerschütterlicher Glaube an sich selbst lassen sie sogar die auswegslosesten Situationen durchstehen. Als Lehrerin, Dienstmädchen, Pokerspielerin, Schnapsschmugglerin, Buschpilotin und Rancherin kämpft sie sich durch die harte Männerwelt des Wilden Westens und schöpft in ihrem Leben stets aus dem Vollen.

Fazit: Eine beeindruckende Lebensgeschichte und ein Page-Turner. Ein Buch, dass mich zum Nachdenken über mein eigenes Leben und das meiner Vorfahren bringt. Ein größeres Kompliment kann man einem Buch wohl nicht machen. Definitiv eines meiner Lesehighlights 2012!

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Tags: biographie, emanzipation, familiengeschichte, frauenschicksal, pioniere, schicksal, wilder westen   (7)

  

 

Der Märchenerzähler
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1.069 Bibliotheken, 20 Leser, 12 Gruppen, 172 Rezensionen

märchen, liebe, mord, anna, drogen

Der Märchenerzähler

Antonia Michaelis , Kathrin Schüler
Fester Einband: 446 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 25.01.2011
ISBN 9783789142895
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Abel Tannatek ist ein Außenseiter, Schulschwänzer, Drogendealer. Alle nennen ihn nur den “polnischen Kurzwarenhändler”. Wider besseres Wissen verliebt sich Anna rettungslos in ihn - und in das Märchen, dass er seiner kleinen Schwester Micha erzählt. Denn was niemand sonst weiß: Abel ist ein Märchenerzähler, der aus Worten Bilder webt.

Doch das dichte Netz aus Geheimnissen, in das Abel sich hüllt, hält Anna auf Distanz. Als sie merkt, dass viel mehr in seinen Märchen steckt als reine Fiktion, ist bereits nichts mehr so, wie es einmal war. Der erste Mord geschieht. Und Anna weiß nicht mehr, wem sie trauen kann.

Meine Meinung:

“Der Märchenerzähler” war bisher immer eines dieser Bücher, um die ich herumgeschlichen bin, deren Cover meinen Blick wiederholt eingefangen hat, bei dem ich immer wieder an Rezensionen hängengeblieben bin, ohne das Buch jemals zu kaufen. Ich dachte, es sei nichts für mich und hab mich schließlich dazu überreden lassen, es doch endlich zu lesen.

Was für ein Glück.

“Der Märchenerzähler” ist anders als so ziemlich alle Jugendbücher (oder besser: Bücher für junge Erwachsene), die ich bisher gelesen habe. Antonia Michaelis schreibt so dicht und eindringlich, dass ihre Geschichte einen mitreißt wie ein Sog. Ihre Sätze sind leicht und bunt gewebt und gleichzeitig unglaublich schwermütig und düster und von einer wunderbaren Poesie durchdrungen. Es gibt nicht viele Autoren, die so eindringlich und gewandt erzählen können.

Anonia Michaelis gelingt der große Spagat zwischen Sozialdrama und einer hauchzarten Liebesgeschichte, eingebettet in ein grenzenlos fantasievolles Märchen, das Träume und Realität miteinander verknüpft.

Es ist beinahe unmöglich, das Buch zu bewerten, ohne auf die Handlung einzugehen. Es gibt zu vieles, das wichtige Dinge vorweg nehmen würde. Nur so viel: “Der Märchenerzähler” ist grau und zugleich voller Farben, klirrend kalt und glühend heiß, schmerzvoll und berauschend, trostlos und schillernd, erschütternd und voller Hoffnung. “Der Märchenerzähler” ist Coming-of-age Geschichte, Drama, Liebesgeschichte und knallharter Thriller.

Vielleicht ist das Buch nicht vollends perfekt. Der Prolog steht mit seiner etwas bemüht blumigen Sprache im Schatten der restlichen Erzählweise, es kommt vor, dass die Dialoge stellenweise etwas zu glatt wirken und die Leonard Cohen Liedtexte wollen sich nicht recht in den Textfluss einfügen. Doch all das zählt nicht wirklich. Nicht, wenn diese Geschichte so mitreißend, überraschend, wunderschön und erschütternd ist, dass sie einem förmlich das Hirn wegbläst.

Fazit: Was zu sagen bleibt, ist also nur noch: Lesen. Es gibt sicher nicht viele Bücher, die man irgendwann mal gelesen haben sollte. Aber dieses gehört für mich ganz eindeutig dazu.

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Tags: drogen, gewalt, liebesgeschichte, mord, märchen, sozialdrama, vergewaltigung   (7)

  

 

Insurgent
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89 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

dystopie, veronica roth, liebe, insurgent, divergent

Insurgent

Veronica Roth
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Childrens Books, 01.05.2012
ISBN 9780062024046
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

[4.5 Sterne]
Nach dem Angriff der Erudite auf die Abnegation und der Simulations-Attake, die die Dauntless zu willenlosen Mördern gemacht hat, liegt Tris’ Welt in Trümmern. Die Fraktionen sind auseinandergebrochen, unzählige Überläufer haben sich den Erudite angeschlossen. Nachdem ihre Eltern ihr Leben für sie geopfert haben und sie nicht über den Verlust ihres Freundes Will hinwegkommt, den sie erschießen musste, kämpft sie mit ihrer Trauer und dem tiefen Gefühl der Schuld.

Während die Erudite stetig an Macht gewinnen, versuchen die zersprengten Überbleibsel der Fraktionen hektisch, zwischen Überläufern und Verrätern ihrem Gegner die Stirn zu bieten. Tris muss sich für eine Seite entscheiden – und wenn das bedeutet, die Menschen, die ihr am meisten bedeuten, für immer zu verlieren.

Meine Meinung:

Hinweis: wie all meine Rezensionen ist auch diese – nach bestem Gewissen – Spoiler-frei!

Auch den zweiten Band von Roth’s atemberaubender Dystopie habe ich förmlich inhaliert. Im Grunde macht sie fast alles genauso richtig wie schon im ersten Teil. Ihre Schreibe quillt über von geballter Kraft und ausdrucksstarken Bildern. Ihre Charaktere sind absolut überzeugend. Die Handlung sprüht vor Einfallsreichtum. Und noch viel mehr als in “Divergent” wird der Leser wieder und wieder von unerwarteten Wendungen überrascht. Fast alles an diesem Buch ist perfekt. Fast.

Warum ich trotz aller Begeisterung eine halbe Kaffeetasse abziehen muss? Nun, ich liebe “Insurgent”, aber was mir ein wenig gefehlt hat, war der stramm gezogene rote Faden, dem die Handlung im ersten Teil noch geglichen hat. Auch “Insurgent” hat einen roten Faden, der sich jedoch um die Fraktions-Gebäude und mehrere Häuserblocks zu winden scheint, bevor er das Ende erreicht. Schwer zu beschreiben. Ich glaube, eine andere Rezensentin hatte ihre eigene Kritik als “meckern auf hohem Niveau” bezeichnet, eine Umschreibung, der ich mich gern anschließe.

Am besten steigt man in “Insurgent” ein, gleich nachdem man “Divergent” gelesen hat, da Veronica Roth bewusst auf eine wiederholte Schilderung der letzten Ereignisse verzichtet (mir war die kurze Zusammenfassung auf ihrer Website sehr hilfreich, denn ich hatte in den letzten Monaten die Namen der meisten Nebencharaktere sowie deren Fraktionen vergessen – was jedoch wichtig für den weiteren Handlungsverlauf ist). Aber auch, wenn man (wieder) gut im Bilde ist über Tris’ Welt, muss man sich gut konzentrieren, um zu erfassen, welche Fraktionen gerade mit wem kooperieren und welche Gruppe gerade wo Unterschlupf gefunden/ sich einer anderen Gruppe angeschlossen hat oder dem Simulations-Serum unterworfen ist. Roth entwirft das alles sehr präzise und wirklich gut durchdacht, aber es ist … ein wenig viel. Man merkt, dass sie gleichzeitig einen ganzen Haufen Fragen und Rätsel aufwirft und ihre Charaktere in bestimmte Richtungen schickt, bevor es zum großen Finale im letzten Band kommt. Das Ganze erzählt sie so überzeugend, verblüffend und unwahrscheinlich mitreißend, dass man von einem Kapitel zum nächsten hastet. Dabei muss man jedoch ständig seine Gedanken sortieren, in verschiedene Schubladen stecken und beschriften, um den Anschluss nicht zu verpassen oder schlimmstenfalls etwas total durcheinander zu bringen.

Was bleibt, ist also ein großartiger zweiter Teil voller Spannung, toller Charaktere und emotionaler Abgründe, den man eine Spur bedachter lesen muss, als man es möchte, um mit der verzwickten Handlung mithalten zu können.

Fazit: “Insurgent” bemüht den Erudite-Teil in uns, in dem kunstvollen Handlungsgeflecht einen klaren Blick zu behalten und rauscht dabei schnell wie ein Zug durch die düstere Handlung, ohne dass man man weiß, wo er halten wird.

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Tags: dystopie   (1)

  

 

Rules of Attraction
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(9)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

liebe, drogen, mexiko, carlos, high-school

Rules of Attraction

Simone Elkeles
Fester Einband: 326 Seiten
Erschienen bei Walker & Co, 27.04.2010
ISBN 9780802720856
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Are we about to get in trouble?"
Als Carlos Fuentes (17 Jahre, Latino, Draufgänger mit Gang-Vergangenheit) nach Colorado zu seinem Bruder Alex zieht, ist er fest entschlossen, sein eigenes Ding durchzuziehen. Sein Leben ändert sich allerdings schlagartig, als er an seiner neuen Schule auf Kiara trifft.
Kiara ist alles andere als das, was Carlos als "sexy" bezeichnen würde. Sie trägt weite Schlabbershirts und Wanderschuhe, hat die Haare immer in einem praktischen Pferdeschwanz zusammengebunden und kümmert sich nicht die Bohne darum, was Jungs von ihr denken. Kein Wunder also, das Carlos' heißer Südländer-Charme ohne Wirkung an ihr abprallt. Augenscheinlich, jedenfalls.

Als die Polizei bei einer Kontrolle Drogen in Carlos' Spint findet, steht er kurz davor, in den Jugendknast zu wandern - wer glaubt schon einem von oben bis unten mit Bandenparolen tätowierten Latino, der seine Unschuld beteuert? In letzter Sekunde ergibt sich jedoch ein rettender Ausweg für ihn - er darf weiterhin die Schule besuchen, wenn er an einem Aufbauprogramm für gefährdete Jugendliche teilnimmt - und wenn er unter das Dach von Professor Westford zieht, der vorübergehend zu seinem Vormund erklärt wird und zu allem Überfluss auch noch Kiaras Vater ist.

Carlos bleibt nichts anderes übrig, als in das Haus der weißen Spießerfamilie zu ziehen - und findet bald heraus, dass in der toughen Kiara einiges mehr steckt, als er zuerst vermutet hat.

Meine Meinung:

Sie hat es schon wieder getan! Simone Elkeles schafft es wie keine andere, die Schmetterlinge Amok laufen zu lassen. Bei "Rules of Attraction" sprühen die Funken, es knistert, es wird richtig heiß - und das alles ist dabei so gut geschrieben, dass man durch die Geschichte rast und viel zu Schnell am Ende angelangt ist.

Wie schon in "Perfect Chemistry" sind es die Hauptpersonen - hier Carlos und Kiara - die derart starke Stimmen entwickeln und einen in ihrer Komplexität so intensiv in das Geschehen ziehen, dass das Lesen einem Rausch gleichkommt. Elkeles kennt ihre Protagonisten so gut, dass man sie genau vor sich sehen kann, dass man in ihren Kopf sehen zu können glaubt. Genau diese überzeugende Darstellung ist es, die die Anziehung zwischen den beiden so spürbar macht.

Es gibt nicht viele Bücher, in denen Liebesgeschichten derart überzeugend und originell geschrieben sind. Elkeles schreibt solche Bücher. Bücher, in denen man sich fallen lassen und gleichzeitig mit den Protagonisten verlieben kann.

Fazit: "Rules of Attraction" steht "Perfect Chemistry", dem wunderbaren ersten Band der Fuentes-Trilogie, in nichts nach. Wer sich mal wieder so richtig in einem Buch verlieben - und dabei einen mitreißende und hervorragend geschriebenen Jugendroman lesen - will, sollte zu diesem Buch (und den anderen von Simone Elkeles) greifen. Ich empfehle ausdrücktlich die Originalfassung, die meiner Meinung nach auch hervorragend mit gutem Schul-Englisch gelesen werden kann. Come, fall in love! :)

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Tags: latino, liebe, macho, mexico, stottern   (5)

  

 

Julischatten
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(52)

111 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

liebe, indianer, alkohol, drogen, jugendbuch

Julischatten

Antje Babendererde
Fester Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Arena, 24.01.2012
ISBN 9783401065892
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Simona ist sechzehn, hat eine feuerrote Igelfrisur, trägt verrückte Klamotten und eckt überall an. Und sie hat ein großes Alkoholproblem. Als sie eines Nachts halb ertrunken aus dem Dorfteich gefischt wird, stellen ihre Eltern sie vor die Wahl: entweder Entzugsklinik oder sechs Wochen in der Abgeschiedenheit des Pine Ridge Indianerreservats bei ihrer Tante. Sim entscheidet sich für die Verbannung nach South Dakota.
Im Res ist nichts, wie Sim es sich von den Erzählungen ihrer Tante vorgestellt hat. Die Gegend ist einsam und trostlos, das einst stolze Volk der Lakota ein Haufen bettelarmer und von Drogenproblemen gebeutelter Menschen, die in verwahrlosten Trailern leben.
Doch dann lernt sie den charismatischen Jimi und den blinden Lukas kennen, zwei unzertrennliche Freunde, die Sim das Leben im Reservat näherbringen und ihr Dinge zeigen, die auf den ersten Blick verborgen schienen. Diese Begegnung ändert Sims Leben und die Freundschaft der beiden für immer.

Meine Meinung:

Es fällt mir schwer, zu erklären, warum nach all den vorangegangenen Büchern dieses hier eins meiner liebsten ist. Vielleicht, weil "Julischatten" in all seinen Eigenschaften die Essenz dessen ist, was Antje Babendererdes Werke ausgezeichnet. Selten war ihre Schreibe derart intensiv, die Schilderungen so real, die Geschichte so eindringlich. Antje Babendererde hat kein Geheimnis daraus gemacht, wie besonders nahe ihr ihr letzter Besuch in Pine Ridge gegangen ist. Für die Recherche zu diesem Buch hat sie zwei Monate im Reservat verbracht. Dieser Aufenthalt muss vor allem sehr bedrückend und hoffnungslos gewesen sein, denn das ganze Buch wird trotz vieler heiterer Stellen von einer spürbaren Schwere getragen.
In diese zerrüttete und aus den Fugen geratene Welt mitten im Nirgendwo passt Sim als Hauptfigur hervorragend. Überhaupt ist sie in meinen Augen eine von Babendererdes interessantesten und vielschichtigsten Figuren. Sims Unangepasstheit, die Probleme mit ihren Eltern und ihrer Umwelt, aber vor allem ihre Probleme mit sich selbst erzählt sie absolut überzeugend und im Laufe der Handlung taucht man als Leser immer tiefer ein in ihre Seele und versucht genauso wie Sim herauszufinden, welchen Weg sie gehen soll. Wer sie sein will, wie sie sich selbst akzeptieren und sich anderen öffnen kann. Ob und wie sie Dinge verändern kann und wofür es sich zu kämpfen lohnt. Selten hat ein Autor die Komplexität des Erwachsenwerdens derart konzentriert und überzeugend auf den Punkt gebracht.
Auch Jimi und Lukas sind einzigartige und mitreißende Charaktere. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und sind gleichzeitig durch ihre tiefe Freundschaft untrennbar. Die einzigartige Bindung der beiden macht den Roman neben der vielschichtigen Liebesgeschichte zu etwas ganz Besonderem.

"Julischatten" vereint all das, was Antje Babendererde Fans an ihren Büchern lieben und ist gleichzeitig noch viel mehr als das. Dieses Buch ist erschütternd in seiner Direktheit und atemberaubend in den Beschreibungen der Landschaft. Es beflügelt mit seiner herzergreifenden Liebesgeschichte und rührt durch seine Grausamkeit zu Tränen. "Julischatten" ist träumerische Sehnsucht, harte Realität und poetische Melancholie zugleich.
Ich habe dieses Buch in einem Rutsch verschlungen und frage mich, wie dick ein Buch von Antje Babendererde sein muss, um bei mir Erschöpfungserscheinungen auszulösen. 480 Seiten sind definitiv nicht genug.

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Tags: alkohol, drogen, indianer, indianerreservat, liebe, pine ridge, south dakota   (7)

  

 

THE WINTER ROSE
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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

london, industrialisierung, emanzipation

THE WINTER ROSE

Jennifer Donnelly
Fester Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Publishers, 07.08.2006
ISBN 9780007191314
Genre: Sonstiges

Rezension:

London, 1900: India Selwyn Jones ist eine wohlerzogene junge Dame aus reichem Hause, die eigentlich ein unbeschwertes Leben haben könnte. Aber India hat ihren eigenen Kopf: als eine der wenigen weiblichen Absolventinnen hat sie gerade ihren Doktor der Medizin bestanden und träumt von einem Krankenhaus im Londoner Elendviertel Whitechapel, das sich um arme Frauen und Kinder kümmert. Ihre erste Anstellung in einer Arztpraxis ist allerdings mehr als ernüchternd und ihr Verlobter, Freddie Lytton, ein aufstrebender Politiker, sähe es am liebsten, wenn sie ihre Ambitionen ganz schnell vergessen und ihn so schnell wie möglich heiraten würde. Nur Ella, eine junge Krankenschwester, bestärkt India in ihren Träumen und wird zu ihrer engen Verbündeten. Als India jedoch dem kriminellen Bandenboss Sid Malone begegnet, ändert sich alles …

Meine Meinung:

Was bleibt zu sagen, außer dass “The Winter Rose” seinem Vorgänger “The Tea Rose” in nichts nachsteht? Die Handlung setzt nur wenige Jahre nach dem Ende des ersten Buches ein und schildert diesmal Indias Geschichte. Gegen alle Widerstände setzt sie sich für die hoffnungslos arme, hungernde und bildungsferne Arbeiterklasse Londons ein, während ihr jeder in ihrem Umfeld Steine in den Weg zu legen scheint. Ohne es zu ahnen, wird sie dabei immer enger in Netz aus Habgier, Macht und Betrug eingesponnen, aus dem es bald kein Entrinnen mehr zu geben scheint.

Donnelly versteht es erneut wie keine andere, hervorragend Recherchiertes eindrucksvoll zu einem spannenden Plot zu verarbeiten. Dabei nimmt sie offengelassene Stränge aus ihrem vorherigen Buch wieder auf und erzählt auch die Geschichte von Fiona, Joe und natürlich Charlie weiter, der schon am Ende von “The Tea Rose” die Identität des Sid Malone angenommen und alle Kontakte zu seiner Schwester abgebrochen hatte. Gleichzeitig geht es auch mit Seamie weiter, der in diesem Buch das erste Mal Bekanntschaft mit der spritzigen Willa macht, deren Geschichte im Abschlussband der Trilogie, “The Wild Rose”, erzählt werden wird.

Es ist einfach bemerkenswert, wie es Donnelly schafft, über Hunderte von Seiten ihre Geschichte so ambitioniert und in unverminderter Qualität zu erzählen. Auch dieser Roman sprüht wieder vor Fabulierlust und ist erneut so realistisch geschildert, dass man einfach nur den Hut ziehen muss vor der immensen Recherchearbeit, die den Büchern vorangegangen sein muss.

Wer die “Teerose” gelesen hat, wird auch “Die Winterrose” lieben – selbstverständlich sind die Geschichten so erzählt, dass man sie auch unabhängig voneinander lesen kann – aber sie sind als eine Art Familiensaga angelegt und macht gleich doppelt Spaß, wenn liebgewonnene Charaktere wieder auftauchen und man ihre Schicksale weiter mitverfolgen kann.

Fazit:

Meine Begeisterung, die ich beim Lesen der “Tea Rose” empfunden habe, übertrug sich mühelos auf die “Winter Rose” und bleibt ungebrochen. Donnelly ist eine grandiose Erzählerin!

  (8)
Tags: emanzipation, industrialisierung, london   (3)

  

 

Die Bucht des grünen Mondes
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(87)

149 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 57 Rezensionen

brasilien, kautschuk, liebe, amazonas, indianer

Die Bucht des grünen Mondes

Isabel Beto
Flexibler Einband: 541 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 22.11.2011
ISBN 9783499257018
Genre: Historische Romane

Rezension:

Berlin, 1896: Gegen ihren Willen wird Amely von ihrem Vater nach Manaus in Brasilien geschickt, wo sie den steinreichen Kautschuk-Baron Kilian Wittstock heiraten soll. In der feucht-schwülen Hitze des Dschungels angekommen, fühlt sie sich bald von ihrem herrschsüchtigen Ehemann und dem dekadenten Lebenswandel der weißen Oberschicht erdrückt. Erst, als sie dem Indianer Aymáho begegnet und mit seinem Stamm im Dschungel lebt, beginnt sie, eine verborgene Leidenschaft in sich zu entdecken. Doch Aymáho ist nicht der, der er zu sein scheint …

Meine Meinung:

Der etwas abgenudelte Genrestempel „Vor exotischer Kulisse“ wird dem Roman von Sabine Wassermann, die hier erstmals unter ihrem Pseudonym Isabel Beto schreibt, nicht gerecht. Denn „Die Bucht des grünen Mondes“ ist weit mehr als der hundertfünfundachtzigste Aufguss eines Frauenschicksals vor bunt ausstaffiertem Hintergrund. Alles ist so außerordentlich gut recherchiert und so glaubwürdig in Szene gesetzt, dass ich gar nicht anders konnte als völlig in dieser Geschichte zu versinken. Die ganze Story scheint die Farben und Gerüche Brasiliens lebendig werden zu lassen und, vor allem, den Geist ihrer Zeit zu atmen. Endlich mal wieder ein Roman, der nicht nur von sich behauptet, „historisch“ zu sein und bei dem in Wirklichkeit Zeit und Setting „auf alt getrimmt“ und x-beliebig austauschbar sind.

Hinzu kommen noch die wirklich gekonnt geschriebenen Dialoge – realitätsnah und so gut eingesetzt, dass man alles wie einen Film vor sich sieht. Die Einblicke in das Leben der Ureinwohner Brasiliens, die wir in den Abschnitten aus Aymáhos Perspektive gewinnen, haben mir sehr gut gefallen, alles wirkt unglaublich realistisch und auch die Gedankenwelt der Indianer ist absolut überzeugend eingefangen. Die Autorin glänzt hier mit einer Fülle an Fachwissen und dem ein oder anderen geschichtlichen Aspekt, der einen vor Verblüffung stutzen lässt. (Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass sich reiche weiße Frauen damals vor lauter Prunksucht sogar ihre Zähne mit Gold und Diamanten schmückten?) Nie hat man auch nur ansatzweise das Gefühl, Wissen aus Sach- oder Fachbüchern vermittelt zu bekommen. Alles ist so geschickt eingewebt in die Geschichte und wirkt so überzeugend, als würden wir wirklich alles durch Aymáhos Augen wahrnehmen. Genauso überzeugend ist auch Amelys Welt und ich konnte ihre Abscheu vor Kilian und der dekadenten Welt der Kolonialherren, in der Indianer nicht mehr wert sind als Tiere, sehr gut nachempfinden.

Alles ins allem ist „Die Bucht des grünen Mondes“ genau so, wie ich sie mir gewünscht habe – eine hervorragend recherchierte Geschichte, die die Exotische Luft eines fremden Landes atmet, mit starken Figuren, einem feinfühligen, unverbrauchten Schreibstil und – vor allem – voller unerwarteter Wendungen, die man nie hätte erahnen können. Eine halbe Kaffeetasse ziehe ich ab, weil mir das Problem mit der Sprachblockade in der Mitte des Buches etwas zu schnell gelöst wurde und das Ende etwas ausführlicher hätte sein können. Aber das ist ein Luxusktritikpunkt!

Fazit: Diese Geschichte ist wie der Amazonas – mitreißend, farbenprächtig, exotisch, voller verschlungener Windungen, mit Gefahren an beiden Ufern und unerwarteten Ereignissen hinter jeder Biegung!

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Tags: amazonas, brasilien, historisch, indianer, kautschuk, regenwald, südamerika   (7)

  

 

Divergent
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(95)

140 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 36 Rezensionen

dystopie, veronica roth, divergent, gesellschaft, chicago

Divergent

Veronica Roth
Fester Einband: 487 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Childrens Books, 03.05.2011
ISBN 9780062024022
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Fear doesn't shut you down; it wakes you up."

In der düsteren Zukunftsvision Chicagos, in der die 16-jährige Tris lebt, ist die Gesellschaft in fünf Fraktionen unterteilt: Candor (die Ehrlichen), Abnegation (die Selbstlosen), Dauntless (die Mutigen), Amity (die Friedfertigen) und Erudite (die Wissenden).

Tris ist eine gebohrene Abnegation - doch nun heißt es für sie und alle Gleichaltrigen, die Fraktion zu wählen, in der sie von nun an leben will. Diese Entscheidung lässt sich, einmal getroffen, nicht mehr rückgängig machen und könnte sogar zum Bruch mit ihrer Familie führen. Denn die Fraktion geht vor Blut.

Alle Prüflinge müssen einen Eignungstest über sich ergehen lassen, der den Charakter jedes Einzelnen ergründet und die am wahrscheinlichsten passende Fraktion aufzeigt. Tris' Test verläuft jedoch nicht so, wie er sollte; ihr Ergebnis ist nicht eindeutig. Tris ist Divergent, eine "Unbestimmte" und somit eine Gefahr für die Regierung.
Gegen alle Erwartung entscheidet sich Tris, die Abnegation zu verlassen und sich den Dauntless anzuschließen. Nun heißt es, alles zu geben, um die gefährlichen Initiationstests zu bestehen, denn sollte sie versagen, droht ihr ein Leben als Fraktionslose. Und sollte herauskommen, dass sie eine Unbestimmte ist, ist nicht nur ihr Leben in Gefahr, sondern auch das derer, die sie liebt ...

Meine Meinung:

"Divergent" hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Wenn ich versuche, dieses Buch zu beschreiben, fallen mir eigentlich Superlative ein. Es ist mit Sicherheit die beste Dystopie, die ich bisher gelesen habe, eines meiner mitreißendsten Leseerlebnisse dieses Jahres und für mich eine der am großartigesten erzählten Geschichten seit Langem.

Die Autorin ist erst Anfang zwanzig? Unglaublich. "Divergent" ist so hervorrangend komponiert, die Charaktere so einprägsam gezeichnet und das Ganze so erstklassig geschrieben, dass mir echt die Kinnlade heruntergeklappt ist. Die Frau kann schreiben! Jeder Satz sitzt, kein Wort wirkt austauschbar. Und erst die Dialoge! Punktgenau, realitätsnah und von großer emotionaler Wucht. Hier wird nicht geschwafelt und herumlamentiert oder aber bruchstückhafte Satzfetzen ausgetauscht. Man sieht alles vor sich, man kann die Szenen fühlen, die Menschen sehen. Großes Kino. 3D-Kino, mindestens. Eines dieser Bücher, in denen man nicht eine einzige Sache ändern wollen würde.

Doch zurück zur Geschichte. Allein schon die Grundidee ist hervorragend ausgedacht: Um die Gesellschaft vor einem weiteren verheerenden Krieg zu schützen, haben sich die Menschen in fünf Lager gespalten, die jeweils eine der stärksten Tugenden des Menschen zu ihrer Lebensphilosophie gemacht haben. Die Theorie dahinter: wenn man sein ganzes Leben danach ausrichtet, nur sein Bestes in seiner am stärksten ausgeprägten Tugend zu geben, kann es keine kriegerischen Auseinandersetzungen mehr geben. Dass die Wirklichkeit etwas anders aussieht, dürfte keine allzu große Überraschung sein.

Was aber Veronica Roth's Geschichte erst richtig mitreißend macht, sind ihre großartig gezeichneten Figuren. Tris ist eine der stärksten Held(inn)en seit langem und genau so, wie ich sie mag. Stark, verletzlich, zweifelnd, kämpferisch, liebenswert, sperrig, werzweifelt, mutig, klug. Tris' Gedankengänge und innere Konflikte sind so überzeugend und bildstark geschrieben, dass man völlig in der Geschichte aufgeht. Während des Lesens habe ich Tris so, so lieb gewonnen. Endlich mal wieder eine Hauptfigur, die ihr Salz wert ist! Um so fieberhafter habe ich natürlich ihre langsam aufkeimende Romanze mit dem geheimnisvollen Four verfolgt. Haaaach. Und wieder bleibt mir nichts anderes zu sagen als: endlich ein Kerl, der einen richtig, richtig umhaut. Roth schmeißt hier nicht, wie leider viele ihrer Kolleginnen, mit Klischees um sich, bis man diesen "Ach, du schon wieder"-Effekt hat, dieses Gefühl, den selben romantischen Helden aus dem letzten und vorletzten Buch schon wieder vor sich zu haben. Nein, sie serviert uns Four, der nur Four sein und der nur zu Tris gehören kann. Jawohl.^^

Bevor ich mich jetzt noch überschlage, beende ich lieber meinen Lobgesang. Nur so viel: wer bis hierhin nicht genug bekommen hat, kann sich auf zwei weitere Teile der Trilogie freuen - der nächste soll "Insurgent" heißen. Und für Filmjunkies heißt es Daumendrücken: Summit Entertainment hat sich bereits die Rechte an dem Buch gesichert.

Fazit: Sowohl Verlag als auch Kritiker preisen "Divergent" beharrlich als "das neue Hunger Games". Für mich ist ganz klar: "Divergent" ist BESSER!

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Tags: dystopie   (1)

  

 

Perfect Chemistry
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ya, jugendliche, love gangs, gangs, liebe

Perfect Chemistry

Simone Elkeles
Fester Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Walker & Co, 23.12.2008
ISBN 0802798233
Genre: Sonstiges

Rezension:

Brittany Ellis ist augenscheinlich all das, wovon jedes Mädchen nur träumen kann: sie hat das makellose Aussehen eines Models, kommt aus reichem Elternhaus, ist eine der besten und beliebtesten Schülerinnen an der Schule, Head Cheerleaderin und obendrein mit dem Quaterback der Football Mannschaft zusammen.

Alex Fuentes ist augenscheinlich all das, wovor Mütter ihre Töchter schon immer gewarnt haben: er ist tätowiert, nimmt angeblich Drogen, hat den Ruf eines gewalttätigen Draufängers, ist Mitglied in einer Gang und obendrein auch noch Latino.

Als die beiden als Partner in ein Chemie-Projekt gesteckt werden, fliegen erst einmal die Fetzen – bis sie erkennen, dass mehr hinter dem äußeren Schein steckt, als sie anfänglich geglaubt haben.

Meine Meinung:

Wer bei „Perfect Chemistry“ eine banale Liebesgeschichte erwartet, kann sich auf einige Überraschungen gefasst machen: Simone Elkeles’ Roman ist in seiner spritzigen und flotten Schreibweise, den lebendigen Figuren, den knackigen Dialogen und nicht zuletzt dem brisanten Grundthema ein absoluter Pageturner. Ich habe das Buch eher inhaliert als gelesen.

Es macht einfach unheimlichen Spaß, die Geschichte sowohl aus Brittanys Perspektive, bei der in Wirklichkeit zu Hause einiges schief läuft, als auch aus Alex’ Sicht, der sich in seiner Gang behaupten muss, zu verfolgen. Spätestens hier wird ersichtlich, was für eine großartige Autorin Elkeles ist: Brittanys Angst, den Erwartungen ihrer Eltern nicht gerecht zu werden und ihre Bemühungen, Tag für Tag die Rolle der Highschool Queen zu spielen, ist ebenso eindrücklich wie Alex’ Sorge um seine Familie und das Hadern mit seiner alles andere als rosigen Zukunft. Und gerade weil diese beiden Figuren so kantig, so greifbar gezeichnet sind, bilden sie ein geradezu explosives Gemisch. Hier treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Nicht umsonst ist für die Schüler der Fairfield High klar: die reichen Northsiders mit ihren Villen am Lake Michigan und die Southsiders, die jenseits der Schienen leben und zum Großteil aus Latinos bestehen, passen nicht zusammen. Oder etwa doch?

Was kann ich zu diesem großartigen Buch noch sagen, außer, dass man es sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte? „Perfect Chemistry“ ist Kopfkino pur und liest sich fast schon wie ein spannender Highschool-Filmklassiker, ohne jedoch unter allzu viel Kitsch, amerikanischer Prüderie oder 0/8/15-Dialogen zu leiden.

Fazit: „Perfect Chemistry“ brilliert durch eine treffsichere und jugendlich frische Sprache und die großartige Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren. Elkeles beschäftigt sich dabei mit gängigen Klischees und wirft sie gehörig über den Haufen. Unkonventionell, mitreißend, LESEN!

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Tags: highschool, latino, liebesgeschichte   (3)

  

 

The Tea Rose
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jack the ripper, tee, london, liebe, armut

The Tea Rose

Jennifer Donnelly
Flexibler Einband: 756 Seiten
Erschienen bei St Martins Pr, 01.03.2004
ISBN 0312993560
Genre: Sonstiges

Rezension:

London, 1888: Fiona Finnegan, Tochter eines Dockarbeiters, lebt mit ihrer Familie in ärmsten Verhältnissen im Londoner Elendviertel Whitechapel. Fiona arbeitet hart in der Teefabrik von William Burton, um die paar Shilling, die sie verdient, zum Familienunterhalt beizusteuern. Was sie beiseitelegen kann, spart sie, um mit ihrer Jugendliebe Joe eines Tages einen eigenen Laden aufzumachen.

Doch dann geschehen mehrere schreckliche Ereignisse auf einmal: Joe wird gegen seinen Willen in die Ehe mit einer anderen Frau manövriert und Fionas Mutter wird Opfer des Whitechapel Mörders. Als ihr Vater, Anführer der Gewerkschaft und Verfechter besserer Löhne für die Dockarbeiter ums Leben kommt, ahnt sie, dass nur Burton dahinter stecken kann. Ehe sie es sich versieht, schwebt sie selbst in höchster Lebensgefahr. Zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Seami und der Hilfe des netten Nicholas Soames, der die beiden am Hafen aufgabelt, gelingt es ihr, eine Passage nach Amerika zu bekommen. Dort angekommen, stellt sich ihr einzig überlebender Verwandter Michael als hoffnungsloser Trinker heraus. Verzweifelt versucht Fiona, seinen Lebensmittelladen zu retten und bekommt unerwarter Hilfe.

So beginnt ihr Aufstieg in der New Yorker Gesellschaft als erfolgreiche Geschäftsfrau. Ihr ganzer Antrieb ist dabei insgeheim die Vernichtung William Burtons. Doch während ihre edlen Teestuben immer erfolgreicher werden und sie sogar beginnt, ihr eigenes Teeimperium aufzubauen, kann sie einen nicht vergessen: ihre große Liebe Joe.

Meine Meinung:

Lange bin ich um „Die Teerose“ herumgeschlichen, endlich habe ich sie gelesen – und bin einfach nur hin und weg. Donnelly beschwört vor den Augen des Lesers ein London herauf, das vor Armut und Schmutz starrt, voller Korruption und Ausbeutung ist. Die Ärmsten der Armen fristen ein jämmerliches Dasein in schimmeligen, rattenverseuchten Absteigen, während sie sich von früh bis spät kaputt schuften, um sich und ihre Familien irgendwie über Wasser zu halten.

Fiona ist eine fleißige und amitionierte junge Frau, überzeugt davon, dass sie es in ihrem Leben zu etwas bringen kann. Gemeinsam mit Joe träumt sie von einer sorgenfreien Zukunft. Schnell habe ich diese optimistische Protagonistin, die sich so liebevoll um ihre Familie kümmert, ins Herz geschlossen. Um so mehr litt ich auch, als sie von einem Schicksalsschlag nach dem anderen getroffen wird. Spätestens hier legt man das Buch kaum noch aus der Hand. Sie Seiten fliegen nur so vorbei, während man Fiona auf ihrer Überfahrt nach Amerika begleitet und den sympathischen Nicholas kennenlernt, der sich als Fionas Ehemann und Vater von Seami ausgibt, damit die beiden eine Passage bekommen.

Mit Einsetzen der Handlung in New York erblüht Donnellys Schreibe zu voller Kraft. Hier wird eine Stadt beschrieben, die explosionsartig wächst, in der alles in Bewegung ist und nichts unmöglich scheint. Die Autorin schreibt so bildgewaltig, dass man sich fühlt wie in einem Film. Die Beschreibung der Charaktere ist dabei genauso realitätsnah wie die mitreißenden Dialoge.

Hinzuzufügen seien da noch die ausgezeichnete Recherche der Autorin rund am das Leben in London und New York um 1900. Ob es um die Kriminalität in den Londoner Unterschichten geht oder den Lebensttil der gehobenen Gesellschaft in der Neuen Welt, nie hat man auch nur einen Moment das Gefühl, die Autorin wisse nicht genau, wo von sie da schreibe.

Fazit: Was bleibt zu sagen? Ein 700-Seiten-Schmöker über die Emanzipation einer jungen Frau? Auch, aber was den Leser bei der „Teerose“ erwartet, ist weitaus mehr: ein detailliertes Gesellschaftsbild um 1900, eine farbenprächtige Studie des damaligen Handels in all seinen Facetten, liebevoll gezeichnete Charaktere, großartige Dialoge und Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Was sind schon 700 Seiten, wenn man solchen Spaß beim Lesen hat?

PS: Jedem, der sich traut, möchte ich die englische Ausgabe des Buches empfehlen. Donnellys Sprache ist einfach unvergleichlich und es wäre schade, diesen schönene Londoner Slang nicht im Original zu lesen.

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Tags: auswanderer, jack the ripper, tee   (3)

  

 

Das Tal - Die Katastrophe
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493 Bibliotheken, 3 Leser, 10 Gruppen, 58 Rezensionen

college, das tal, jugendbuch, thriller, krystyna kuhn

Das Tal - Die Katastrophe

Krystyna Kuhn
Flexibler Einband: 308 Seiten
Erschienen bei Arena, 09.08.2010
ISBN 9783401064734
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Katie West plant schon seit Monaten, ihrer geheimen Leidenschaft an den Steilhängen rund um das Tal nachzugehen und wagt sich an ein Unterfangen, an dem bereits in den Siebzigerjahren acht Studenten vom „Grace College“ scheiterten: die Besteigung des „Ghost“.
Schnell ist eine erfahrene Bergführerin aus dem nahegelegenen Ort Fields gefunden, doch um eine Gruppe mit der vorgeschriebenen Mindestanzahl der Personen zu bilden, muss sich Katie an Julia und die anderen wenden. Nach anfänglicher Skepsis schließt sich die Mehrheit ihrer Mitbewohner an – jeder aus einem anderen Beweggrund. Julia will herausfinden, was ihr Vater in den Siebzigern hier zu suchen hatte. Benjamin will Hammeraufnahmen für seine Kamera. Und auch Chris und David kommen mit – wegen Julia?
Als plötzlich der geheimnisvolle Paul Forster auftaucht und sich der Gruppe anschließt, würde Katie das Ganze am liebsten wieder abblasen – doch es ist zu spät, das Schicksal hat sich bereits entschieden. Denn Katies Vergangenheit lässt ihr keine Ruhe.

Meine Meinung:

Am ersten Band der „Das Tal“-Serie hatte ich noch einiges auszusetzen, weshalb ich positiv überrascht war, wie viel besser mir der zweite Band gefallen hat. Ich hatte den Eindruck, dass sich Krystyna Kuhn endlich warmgeschrieben und den richtigen Zugang zu ihrer eignen Geschichte gefunden hat.
Die Figuren, die ich im ersten Teil noch als zu scherenschnittartig und eindimensional empfand, entwickeln hier ein glaubwürdiges Eigenleben und interagieren viel besser miteinander. Hilfreich war es diesmal auch, dass ich mit Katie als Hauptprotagonisten viel besser zurecht kam als mit Julia im ersten Teil. Katie ist zwar auch eher von der verschlossenen Sorte, jedoch viel willensstärker und entschlossener als Julia. Mit ihrer Wut und ihrer Trauer konnte ich mich sehr gut identifizieren, zumal ihre Vergangenheit, über die man viel mehr erfährt als über Julias, für mich viel glaubwürdiger, überraschender und auch spannender war.

Hinzu kommt, dass hier auch die Story viel besser entwickelt wurde. Die Handlung kommt unglaublich schnell in Fahrt und lässt einen gar nicht mehr los. Der Spannungsbogen ist wohl eher ein „Spannungsanstieg“, denn das Buch endet mit einem wahren Knall, der einen ganz hibbelig zurücklässt und UNBEDINGT nach dem dritten Band verlangt.

Auch in diesem Teil sind mir noch ein paar Schnitzer aufgefallen, zum Beispiel fehlt der Autorin auch diesmal ein wenig das Gefühl für Timing, wenn es darum geht, dass sich Charaktere das erste Mal treffen und kennenlernen. Es ist einfach unglaubwürdig, wenn jemand einen anderen, nachdem er ihn erst ein paar Stunden kennt und kaum ein Wort gewechselt hat, schon beim Spitznamen nennt und mit ihm redet, als würden sie sich schon Wochen kennen. Die ein oder andere Logikfrage wäre vielleicht auch zu diskutieren, wenn man Lust und Spaß dran hat, aber bei all der Spannung überfliegt man diese Stellen einfach und kümmert sich nicht weiter darum.

Fazit: Wie dem auch sei. Ich hatte einen Mordsspaß mit „Die Katastrophe“ und werde mir bestimmt auch die beiden Folgebände besorgen. Schade eigentlich, dass wir das nächste Buch sicher wieder aus einer anderen Perspektive lesen (diesmal Rose?), weil ich Katie so ins Herz geschlossen habe und – vor allem – unbedingt wissen muss, wie sich ihre Geschichte weiterentwickelt. Aber wir werden sehen … ;)

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Tags: thriller   (1)

  

 
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