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Wo die Nacht beginnt
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(48)

173 Bibliotheken, 17 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

london, hexen, vampire, magie, liebe

Wo die Nacht beginnt

Deborah Harkness , Christoph Göhler
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 01.03.2013
ISBN 9783764504670
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Marcus nahm ihre Finger. Er drückte die Lippen auf ihren Handrücken und blickte ihr dabei tief in die Augen. "Bis morgen. Und schließen Sie gut hinter mir ab. Sie wollen doch nicht in Schwierigkeiten kommen." Dr. Whitmore trat rückwärts aus dem Raum, schenkte ihr ein letztes Lächeln und verschwand leise pfeifend aus ihrem Blickfeld.
Phoebes Hand bebte. Dieser Mann - dieser merkwürdige Mann mit den blendend blauen Augen und den unverschämten Manieren - hatte sie geküsst. An ihrem Arbeitsplatz. Ohne ihre Erlaubnis.
Und sie hatte ihm nicht einmal eine Ohrfeige verpasst, die letzte Waffe wohlerzogener Diplomatentöchter, wenn sie sich unerwünschten Avancen erwehren müssen.
Sie steckte bereits in Schwierigkeiten. 

-

INHALT:
Gemeinsam mit dem Vampir Matthew, ihrem Ehemann, ist die Hexe Diana in die Vergangenheit zurückgereist, um das mysteriöse Manuskript Ashmole 782 in ihren Besitz zu bringen, bevor ihm die ersten drei Seiten entnommen werden können - denn von diesem Buch und den fehlenden Blättern erhoffen sich alle magischen Wesen die Antworten auf ihre existenziellen Fragen. Doch Matthew ist in dem frühen Jahrhundert ein anderer, was nicht nur Schwierigkeiten in ihrer Beziehung mit sich bringt. Und damit nicht genug: Neider, missgünstige Freunde und Feinde drohen ihr Glück zu zerstören...


MEINE MEINUNG:
Deborah Harkness konnte letztes Jahr mit ihrem Debüt "Die Seelen der Nacht" triumphieren und eine große Menge an Lesern völlig begeistern, weil sie Wissenschaft und Fantasy mit einer unglaublichen Leichtigkeit verbindet. Mit "Wo die Nacht beginnt" wagt sie sich nun in die Gefilde der Zeitreisen. Erzählt wird die Geschichte dabei wieder aus der Ich-Perspektive von Diana, wobei ab und an ein unterstützendes Kapitel aus der personalen Sicht einer anderen Figur eingeschoben wird. Der Schreibstil ist ebenso flüssig wie im Vorgängerband und kann besonders mit den schönen, detailreichen, aber niemals ermüdenden, Beschreibungen beeindrucken.

Diana ist noch immer eine absolut sympathische Protagonistin, mit der man sich sowohl in den leichten als auch in den schweren Momenten identifizieren kann. Sie ist dickköpfig und mutig, kann aber auch verletzlich und liebevoll sein. Zwischendurch wirkt sie etwas zu gutmütig, darüber kann man aber leicht hinwegsehen. Matthew ist zwar im 15. Jahrhundert in der Tat ein anderer, da er sich, wie damals üblich, Frauen gegenüber oft als Bestimmer sieht, dennoch sieht er seine Fehler ein, was ihn - obwohl er es eigentlich nicht ist - so menschlich macht. Er ist so ein Charakter, dem man einfach alles verzeihen muss und der aufgrund seiner Ecken und Kanten noch liebenswürdiger wird.

Viele der in Band 1 auftauchenden Figuren nehmen im Nachfolger nun eine Statistenrolle ein, dafür lernt man eine Menge neuer Personen kennen - vor allem historische Persönlichkeiten, die noch heute eine Bedeutung haben. So trifft man den etwas chaotischen William Shakespeare sowie den von Eifersucht gequälten Christopher Marlowe, aber auch die Queen selbst kommt nicht zu kurz. Matthews Neffe Gallowglass wurde mir der liebste - etwas gewalttätig und seinem Onkel treu ergeben, aber in erster Linie hilfsbereit und witzig. Alle Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und nie nur schwarz oder weiß, was wunderbar mitzuerleben ist.

In der Geschichte selbst gelingt es Deborah Harkness wieder mit absoluter Brillanz, Fakten und Fiktion so miteinander zu verbinden, dass sie eine fesselnde, mitreißende Geschichte ergeben. Nicht nur wurde hier zu vielen bekannten Charakteren recherchiert, sondern Gebäude, Umgangsformen und Kleidung werden ebenfalls genau wiedergegeben. Und auch in Sachen Fantasy geht es hier einige Schritte voran - denn nachdem Diana jahrelang durch einen Bann daran gehindert worden war, ihre Kräfte zu gebrauchen, kann sie nun endlich lernen, richtig zu hexen. Dabei kommt sie auch ihrer eigentlichen Bestimmung auf die Spur, einer Bestimmung, die allerdings wieder einige Gefahren birgt. Langeweile? Fehlanzeige!

Obwohl ich ansonsten eigentlich kein Fan von Zeitreise-Geschichten bin - da sich Paradoxa einfach partout nicht vermeiden lassen und daher immer wieder nicht zu beantwortende Fragen auftauchen -, so gelingt es der Autorindennoch wunderbar, einen darüber hinwegsehen zu lassen, weil der Rest so unglaublich stimmig ist. Denn neben den Intrigen, den Gefahren und den phantastischen Elementen kommt auch die Romantik nicht zu kurz. Die Beziehung zwischen Diana und Matthew gestaltet sich zwar schwierig, die beiden halten aber wunderbar zusammen und sorgen weiterhin für einiges Kribbeln. Bis zum Ende bleibt der Spannungsbogen kontinuierlich oben, dann endet das Werk in einem offenen, aber nicht zu reißerischen Schluss, nach dem man am liebsten sofort weiterlesen würde - gerade weil es eben kein Cliffhanger ist, jedoch noch wichtige Fragen beantwortet werden müssen. Jetzt heißt es: Warten auf Band 3!

FAZIT:
Deborah Harkness gelingt es auch im 2. Band ihrer "All Souls"-Trilogie, "Wo die Nacht beginnt", wissenschaftliche Fakten, Fantasy und Romantik zu einem wahnsinnig spannenden, fesselnden und mitreißenden Roman zu verbinden. Zwar kann auch sie die Zeitreise-Paradoxa nicht auslöschen - das Phänomen erklärt sie aber so glaubwürdig, dass man darüber gern hinweg sieht, und die wunderbaren Charaktere überwiegen diesen Aspekt außerdem. Daher 5 Punkte und eine dringende Empfehlung!

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Wo Milch und Honig fließen
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55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

religion, england, familiengeschichte, glaube, drama

Wo Milch und Honig fließen

Grace McCleen , Barbara Heller
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DVA, 11.03.2013
ISBN 9783421045461
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Später sannen wir über den Sündenfall nach, der vor sechstausend Jahren passiert ist, zweitausend Jahre von uns zu Jesus, sagte Vater, und viertausend von Jesus zu Adam, und ich sann über die Frage nach, warum ich wieder Bittergemüse essen musste, und sagte gar nichts. Aber mein Gesicht schien etwas zu sagen, denn Vater sagte: "Tausende von afrikanischen Kindern wären froh um dieses Essen." Ich wollte gerade sagen: "Dann wünschte ich, wir könnten's ihnen schicken", da hörten wir im Flur Glas splittern.

INHALT:
Die zehnjährige Judith ist Tochter eines religiösen Zeugen Jehovas und in Sachen Sprachvermögen für ihr Alter so weit fortgeschritten, dass sie eine höhere Klasse besucht - doch beide Aspekte wirken sich wenig positiv auf ihr Leben aus: Sie und ihr Vater werden beschimpft und beleidigt, sie selbst unter ihren Schulkameraden ausgeschlossen. Zuhause baut sie sich aus weggeworfenen Dingen ein "Land der Zierde", in dem sie nicht allein ist. Als ihr ein Mitschüler etwas Schlimmes androht, wünscht Judith sich, dass die Schule wegen Schnee ausfällt, und spielt genau das in ihrer Modellwelt nach. In der Nacht schneit es tatsächlich, und das Mädchen hat sein erstes Wunder bewirkt. Doch nicht aus allem gut gemeinten entsteht auch Gutes...

MEINE MEINUNG:
Grace McCleens "Wo Milch und Honig fließen" ist schon von der Erzählweise her etwas besonderes. Protagonistin ist die zehnjährige Judith, die aus der Ich-Perspektive im Präsens ihre Erlebnisse mit dem Leser teilt. Dabei wird perfekt auf die naiven, unerfahrenen Gedanken eines Kindes eingegangen, sodass dieser Aspekt sehr authentisch wirkt. Gleichzeitig ist das junge Mädchen für sein Alter so weit fortgeschritten, dass Themen wie Religion, Mobbing, Schuld oder Tod nicht selten mit einfließen, auch wenn gleichzeitig ebenfalls auf eher kindliche Problematiken wie Einsamkeit oder gemeine Klassenkameraden eingegangen wird.

Judith ist eine gleichwohl niedliche wie intelligente Protagonistin, die, obwohl sie durchaus philosophische Fragen stellt und recht erwachsen scheinende Gedankengänge hat, immer authentisch wirkt. Ihr Leben ist nicht einfach, besonders, weil sie sich in ihre eigene Fantasiewelt zurückgezogen hat - denn durch ihre religiös erzogene Art und ihre Wortwahl wirkt sie auf viele Menschen seltsam. Ihr Vater sorgt für sie und lehrt sie seine eigene Sichtweise im Hinblick auf Gott und die Bibel, ist dabei allerdings nicht sonderlich liebevoll. Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit und wird später dezent thematisiert. Er macht wohl die größte Wandlung von allen durch; seine Handlungen sind nicht immer nachvollziehbar und gleichzeitig sind sie es doch, aufgrund seines schweren Schicksals kann man sich der Sympathien für ihn auf jeden Fall aber nicht erwehren.

Eine Helferin in der Not wird für Judith schließlich ihre neue Lehrerin, die sich für sie einsetzt, mit ihr spricht und immer versucht, sie aufzumuntern. Man erfährt nicht viel über sie, da sie allerdings sozusagen Judiths einzige Freundin wird, schließt man sie schnell ins Herz. Sonstige Figuren wie der Mobber Neil, der dem Mädchen das Leben zur Hölle macht, oder der ungläubige Mike, der dennoch ein Freund des Vaters ist, machen das Buch aufgrund ihrer Vielschichtigkeit besonders, denn nicht alles ist, wie es scheint. Viele der Figuren entpuppen sich im Laufe der Geschichte anders als man es erwarten würde, was klasse zu beobachten ist.

Das Thema Religion selbst ist sehr dominant und sowohl für Atheisten als auch für Christen auf verschiedene Art und Weise sicherlich schwer zu verdauen: Für Atheisten, weil besonders das erste Drittel aus vielen Bibelzitaten und religiösem Denken besteht, auch, wenn Judith des Öfteren humorvoll damit umgeht; für Christen, weil der letzte Teil des Buches dann doch eher sehr kritisch wird. Lässt man sich auf das Ganze allerdings erst einmal ein, erwartet einen eine fantasievolle, an manchen Stellen bedrückende, dafür aber auch in vielerlei Hinsicht schöne Geschichte von Mut, eigenem Denken, Mobbing und der Kraft der Gedanken.

Ob man nun wie Judith daran glaubt, dass Gott zu ihr spricht und ihr hilft, Wunder zu vollbringen, oder ob man eher der Meinung ist, dass das alles sehr passende Zufälle sind, bleibt einem selbst überlassen. Klar ist aber, dass der Fortgang der Geschichte einen nicht unberührt lässt, denn Judiths Probleme wachsen mit ihren Wundern, so sehr, dass sich schließlich sogar ihr sonst so in die Bibel vertrauender Vater Gedanken darüber macht, ob das Leben so weitergehen kann. Die Entwicklung sowohl der Story als auch der Figuren ist wunderbar zu verfolgen und mündet in einem schönen, gut durchdachten Ende, das den gesamten Roman sehr passend ausklingen lässt.

FAZIT:
"Wo Milch und Honig fließen" von Grace McCleen ist von der Grundgeschichte her sehr religiös und daher anfangs etwas schwergängig. Mit der Zeit aber lernt der Leser die wunderbare junge Judith kennen, die man in ihrer kindlichen Naivität mit dem gleichzeitigen Scharfsinn nur ins Herz schließen kann, ebenso, wie die Geschichte selbst zu berühren vermag. 4 verdiente Punkte für dieses besondere Buch!

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Wir sind verbannt
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23 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

epidemie, krankenhaus, impfstoff, verzweiflung, selbstjustiz

Wir sind verbannt

Megan Crewe , Birgit Salzmann
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Fischer KJB, 01.02.2013
ISBN 9783596854530
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

"Mom ist mal kurz weggegangen", antwortete ich. "Was ist denn los?"
Er seufzte, und einen Augenblick dachte ich, er würde es mir nicht sagen. Im Hintergrund hörte man andere Stimmen murmeln, doch ich konnte keine davon richtig verstehen. "Dad...", fing ich an.
"Ich weiß noch keine Einzelheiten", sagte er da plötzlich ganz ruhig, "und hier reißen sich gerade alle ums Telefon, so dass ich im Moment nicht lange sprechen kann. Aber die Regierung ist zu dem Schluss gekommen, dass das Gebiet hier ein zu großes Risiko darstellt. Sie riegeln die Insel ab."
--

INHALT :
Als Kaelyn auf die Insel ihrer Kindheit zurückkehrt, hat sie eigentlich vor, sich mit ihrem ehemaligen besten Freund Leo zu vertragen. Doch dieser fährt aufs Festland, bevor sie den Mut dazu findet - und sie will auf seine Rückkehr warten. Doch dann greift eine schreckliche und extrem aggressive Krankheit um sich: Erst juckt es, dann kommen Niesen und Husten hinzu, gefolgt von einem drastischen Herabsetzen der Hemmschwelle - und schließlich dem Tod. Die Menschen um Kaelyn herum sterben. Und als die Insel abgeriegelt wird, fragt sie sich, ob sie Leo je wiedersehen wird...

MEINE MEINUNG:
Nach ihrem Debüt "Der Geist an meiner Seite" wagt sich die amerikanische Autorin Megan Crewe mit "Wir sind verbannt" ins Gefilde der Jugendthriller rund um eine Epidemie und deren Ausmaße. Der Schreibstil ist dabei sehr flüssig zu lesen und lässt den Leser durch die Ich-Perspektive an Kaelyns Gefühlswelt teilhaben. Der Roman selbst ist in Form eines Briefes an ihren besten Freund gehalten, weshalb diese ihn bzw. den Leser des Öfteren mit "Du" anspricht. Dies trägt dazu bei, dass man sich beinahe wie mittendrin fühlt, wodurch eine Identifikation mit den Figuren von Anfang an möglich ist.

Kaelyn ist eine absolut sympathische Protagonistin, die man schnell ins Herz schließt. Sie ist oftmals eher ruhig, besonnen, und hilfsbereit, kann aber auch stark und dickköpfig sein, wenn es darauf ankommt. Sie besitzt einen ausgeprägten Beschützerinstinkt und fast schon ein Helfer-Syndrom, dies wirkt aber beinahe nie übertrieben. Im Laufe der Handlung lernt sie den jungen Gav kennen, den man als Leser ebenso schnell lieb gewinnt. Die beiden sind sich in mancherlei Hinsicht sehr ähnlich und passen daher toll zusammen. Er ist ebenso eine Helfer-Natur wie sie und ein absoluter Gutmensch, trotzdem ist er nicht perfekt sondern im Gegenteil sehr menschlich, was ihn lebendig macht.

Kaelyns Familie besteht außer ihr aus ihrem schwulen Bruder Drew, der zwar seinem Vater gegenüber etwas zornig auftritt, für seine Verwandten aber eine deutliche Liebe hegt; ihrem viel beschäftigten Vater, der sich unglaublich um die Menschen auf der Insel sorgt; und ihrer ängstlichen, fürsorglichen Mutter. Besonders nahe kommt man aber ihrer kleinen Cousine Meredith, die sich zuckersüß und kindlich-naiv jedem einen Weg ins Herz bahnt. Nach einiger Zeit kommt es für die Protagonistin ansonsten sozusagen zu einer Zweckgemeinschaft mit Tessa, Leos Freundin, die sich aber bald zu einer guten Freundschaft entwickelt, da die beiden sich wunderbar ergänzen. Keine der Figuren ist schwarz-weiß gezeichnet oder sonderlich klischeehaft, weshalb man gern von ihnen liest.

Die Geschichte selbst ist natürlich nicht überragend neu: Irgendwo bricht eine Epidemie aus, es kommt zu Massenpaniken, Toten, Selbstjustiz und allerlei anderen Problemen. Trotzdem gelingt es der Autorin wunderbar, die Geschichte spannend und glaubwürdig rüberzubringen. Die Fakten sind gut recherchiert, der Krankheitsverlauf durchdacht und neuartig; viel dreht sich darum, ein Mittel zu finden und irgendwie zu überleben. Der Spannungsbogen hält sich beinahe kontinuierlich in der Höhe, auch, weil immer wieder schlimme Dinge passieren. Anders als in vielen anderen Werken werden hier auch Familie und Freunde der Protagonistin nicht verschont, was das Ganze noch viel authentischer macht.

Einige Wendungen sind natürlich vorhersehbar und etwas stereotyp, darüber sieht man bei der spannungsgeladenen Atmosphäre aber meistens gern hinweg. Eine Liebesgeschichte gibt es hier auch, allerdings nicht ganz so wie erwartet. Außerdem ist diese eher ruhig und spielt sich im Hintergrund ab, weshalb sie zwar für Lichtblicke und einige kleinere romantische Szenen sorgt, sich aber nicht plötzlich als Hauptaspekt herausstellt. Es geht eben um den Überlebenskampf, und dieser ist erschreckend und mitreißend gestaltet. Bis zum Ende spitzt sich die Lage immer weiter zu, neue Probleme tauchen auf, der Leser wird in Atem gehalten - bis das Werk beinahe abrupt, aber nur beinahe, in einem absolut gut gesetzten, wenn auch anstrengenden, Cliffhanger endet, der eines auf jeden Fall bedeutet: Band 2 muss her!

FAZIT:
"Wir sind verbannt" von Megan Crewe ist ein gut recherchierter und spannender Thriller um eine Epidemie, der vor allem mit den Figuren punktet. Die Liebesgeschichte hält sich im Hintergrund und die Story selbst überzeugt auch, war mir allerdings zwischenzeitlich etwas zu klischeehaft und vorhersehbar. So gibt es von mir sehr, sehr gute 4 Punkte - und ich freue mich auf Band 2, der im Herbst auf Deutsch erscheint.

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Tags: epidemie, impfstoff, krankheit, mord, selbstjustiz, tod, überleben   (7)

  

 

Wellentraum: Roman
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(22)

50 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

selkie, dämon, margred, meer, meerjungfrau

Wellentraum: Roman

Virginia Kantra
E-Buch Text
Erschienen bei Knaur eBook, 02.10.2012
ISBN B0089NVPP4
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Du bist ganz nass", schimpfte Lucy, als würde sie mit einem Kind sprechen. "Was hast du dir dabei gedacht? Es regnet."
Margred blinzelte. Ihr Kopf hämmerte. Aber durch den Nebel in ihrem Gehirn konnte sie die Veränderung im Himmel über ihrem Kopf spüren, den Wechsel im Luftdruck, die Bewegung des Wasserdampfes.
Das Anschwemmen von Magie.
Halb blind vor Schmerz und Triumph hob sie das Gesicht und lächelte. "Nicht mehr lange", entgegnete sie.
--

INHALT:
Magred ist eine Selkie, ein Kind der See, und damit unsterblich. Nur um ihr Verlangen nach Nähe und Sex zu stillen kommt sie an Land. Bei einem ihrer Ausflüge begegnet sie Caleb, mit dem sie eine leidenschaftliche Nacht verbringt. Doch danach vergisst sie ihn nicht, wie sonst, sondern eine ihr unbekannte Sehnsucht treibt sie zurück zu ihm, der schon auf sie gewartet hat. Doch dort wird sie überfallen und der Möglichkeit beraubt, ins Meer zurückkehren zu können. Ein Kampf gegen einen gefährlichen Feind steht bevor...

MEINE MEINUNG:
Selkies sind möglicherweise die letzten Fantasiewesen, die noch nicht im Übermaß in phantastischen Romanen aufgetaucht sind. So besitzt Virginia Kantras Geschichte von Beginn an einen ganz eigenen Flair. Erzählt wird sie sowohl aus der personalen Sicht Magreds als auch Calebs und wechselt zwischenzeitlich in die anderer Figuren oder gar des Feindes. Dadurch erhält der Leser nicht nur einen perfekten Einblick in die Gedanken und Emotionen beider Hauptpersonen, sondern kann sich kaum noch losreißen, weil es mitreißend ist, die Geschehnisse aus verschiedenen Perspektiven zu erleben und so vieles besser nachvollziehen zu können.

Maggie ist ein Kind der See und lässt sich, wie sie immer wieder beschreibt, normalerweise von der Strömung treiben. Das Wasser ist ihr Element und ihr Leben, doch gleichzeitig möchte sie bei Caleb bleiben, was ihre innere Zerrissenheit auslöst. Sie ist anders als die Menschen, was man ihr in ihrer Denkweise manchmal anmerkt, dennoch besitzt sie eine sympathische Art, die einen gerne von ihr lesen lässt. Auch Caleb weiß zu überzeugen. Seine freundliche, sorgenvolle und gleichzeitig leidenschaftliche Art machen ihn zu einem wunderbaren Protagonisten. Er geht ganz in seiner Polizeiarbeit auf und fürchtet sich noch immer vor den Erinnerungen an sein Zeit im Irak. Dennoch ist er sehr menschlich und gerade durch die Macken absolut glaubwürdig.

Aber auch Nebenfiguren wie Calebs alte Freundin Regina, die einmal auf eine Beziehung zwischen beiden hoffte, oder deren laute und griesgrämige Mutter Antonia können auf ganzer Linie überzeugen. Calebs Schwester Lucy ist eine schüchterne, gutmütige Frau mit einem bisher noch nicht ganz geklärten Geheimnis und sein Vater ein Alkoholiker, seit seine Mutter diesen verlassen hat. Und auch der Bösewicht des Buches besitzt tatsächlich ein zwar nicht komplett nachvollziehbares, aber doch recht einleuchtendes, Motiv. Nur die Bewohner der Unterwasserwelt, die Magred verlassen hat, wirken eindimensional, das mag aber daran liegen, dass sie nur einen kurzen Auftritt haben.

Virginia Kantra hält sich nicht lange auf, sondern beginnt ihre Geschichte sofort mit Magreds Verlangen nach einer leidenschaftlichen Nacht und ihrem Treffen mit Caleb. Eine frühere erotische Szene habe ich in einem Buch bisher noch nicht erlebt, dennoch stört dieser Aspekt nicht großartig, da die Umschreibungen angenehm zu lesen sind. Außerdem ist genau das Ausgangspunkt für den Rest des Romans: Maggies Wiederkehr an den Strand und die darauf folgende Gefahr durch ihren Feind. Besonders viel geschieht im Grunde gar nicht und dennoch reißt das Werk von Anfang an mit. Die Details stimmen einfach, die Liebesgeschichte ist schön, aber nicht kitschig, und die Umstände stimmig.

Natürlich hat der Gegner nichts Gutes im Sinne und wen er sich als Wirt [also Körper, um in diesem zu agieren] ausgesucht hat, wird schnell klar. Trotzdem ist der Spannungsbogen durch weitere Konflikte - wie Maggies Unfähigkeit, die Wahrheit zu sagen oder Calebs Trauma - und einen Mord die gesamte Zeit über im oberen Bereich. Der erwartete Showdown bleibt am Ende nicht aus und ist dramatisch und fesselnd, wenn auch in gewisser Weise vielleicht ein wenig dick aufgetragen. Das Problem wird dennoch gut gelöst, sodass der Roman mit einem schönen, zufriedenstellenden Ende ausklingt. Auf ein Wiedersehen würde ich mich mit den Kindern der See auf jeden Fall freuen!

FAZIT:
"Wellentraum" ist ein wunderbarer Adult-Fantasy-Roman über Selkies, Magie und Liebe. Gut charakterisierte Figuren, eine durchdachte Story und viel Spannung lassen den Leser ein paar Stunden eintauchen in die Welt von Caleb und Magred. Band 2 bis 6 sind auf englisch bereits erschienen - da freue ich mich auf die deutschen Übersetzungen!

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Tags: dämon, gefahr, leidenschaft, liebe, meer, mord, see, selkie, sex, wasser   (10)

  

 

White Horse
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(91)

213 Bibliotheken, 5 Leser, 9 Gruppen, 66 Rezensionen

seuche, dystopie, endzeit, white horse, liebe

White Horse

Alex Adams , Birgit Reß-Bohusch
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.09.2012
ISBN 9783492702522
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

In diesem Moment greift das Schicksal ein und lässt mich in ein Loch stolpern. Mein Knöchel knickt um. Ein heftiger Schmerz jagt durch mein Schienbein, und ich falle. Das Letzte, was ich sehe, ist eine Frau, die aus der Schwärze taucht, mit schrecklich vernarbtem Gesicht und wild flatterndem Haar.
Die Medusa von Delphi.
--

INHALT:
Die Welt wie wir sie kannten steht am Abgrund. Eine schreckliche Seuche hat 90% der Menschheit dahingerafft. 5% sind immun. Und 5% Monster. Dennoch macht sich Zoe auf den langen Weg von Amerika nach Griechenland, auf der Suche nach dem Vater ihres ungeborenen Kindes. Doch nicht nur die lauernden mutierten Monstern lauern ihr auf - auch von den Menschen selbst geht große Gefahr aus. Und Zoe kann sich nicht sicher sein, ob sie es schafft...

BUCHAUFMACHUNG:
Das düstere Cover mit dem Mädchen, das seitlich zum Betrachter auf einem verlassenen Platz steht, gibt die Stimmung des Buches perfekt wieder. Auch der sich abzeichnende Regen besitzt einen Bezug zur Geschichte. Auf der Rückseite ist dasselbe Motiv zu sehen, nur steht die junge Frau, wahrscheinlich Zoe, dieses Mal abgewandt. Besser geht kaum!

MEINE MEINUNG:
An "White Horse" hatte ich aufgrund der Story, der aufwendig gestalteten Webseite und der Unmengen an positiven Rezensionen arg hohe Erwartungen und dementsprechend auch befürchtet, dass es diese nicht würde halten können. Meine Angst war jedoch unbegründet: Denn Alex Adams zeigt uns mit ihrem Debüt, dass es auch noch innovative Dystopien gibt.

Die Geschichte wird geprägt von düsteren Beschreibungen, verstörenden Metaphern und beunruhigenden Gedankengängen. Zoe erzählt dem Leser aus der Ich-Perspektive im Präsens die Ereignisse, was es einem unmöglich macht, der Grausamkeit zu entgehen. Unterteilt ist das Buch in 3 Teile darin in den einzelnen Kapitel in "Damals" und "Jetzt". So wird der Leser einerseits in die völlig veränderte Welt hineingeworfen, bekommt andererseits allerdings auch nach und nach die Details der Katastrophe geliefert, was die Spannung nie abebben lässt: Schließlich möchte man unbedingt wissen, was genau geschehen ist.

Zoe ist reine realistisch dargestellte Protagonistin, mit der man sich so gut wie immer identifizieren kann. Ihre Gefühle versucht sie wegzuschließen, um nicht noch mehr verletzt zu werden. Dennoch ist sie sensibel und setzt sich für ihre Mitmenschen ein, besitzt aber auch einiges an Stärke und weiß sich in vielen Situationen zu helfen. Andererseits wirkt sie manchmal schlicht zu gut, etwa, wenn eine Weggefährtin sie so sehr an ihre Schwester erinnert, dass sie ihr nichts vorwirft und ihr alles durchgehen lässt. Der Mann, nach dem sie auf der Suche ist, ihre große Liebe Nick, lässt den Leser etwas zwiegespalten zurück. Er ist sympathisch und die Gefühle für Zoe wirken echt, aber er ist zwischenzeitlich auch sehr abweisend und fast schon kalt. Gleichzeitig kann man dies aufgrund seiner vielen Verluste und dessen, was er mit ansehen musste, auch nachvollziehen.

Auf ihrem Weg nach Griechenland begegnet Zoe einigen Menschen und findet so Weggefährten, die aber alle nur für kurze Zeit bleiben. Da ist der namenlose Schweizer, der sie zwar verteidigt, allerdings grausame Fantasien hegt, kaltblütig mordet und offensichtlich verrückt ist. Oder die naive Lisa, die von ihr vor ihren Verwandten gerettet wird, aber dennoch nie besonders viel Dankbarkeit zeigt und sich stattdessen dem Schweizer ausliefert. Oder Morris, Zoes Freundin in der Vergangenheit, die ihr zur Seite steht und durchaus für einige lichte Momente sorgt. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und wirken durch die geringe Schwarz-Weiß-Zeichnung äußerst lebendig.

Neu ist bei "White Horse", dass die Protagonistin tatsächlich etwas mit dem Niedergang der Menschen zu tun hat. Zwar hat sie es nicht ausgelöst, aber bei der Entwicklung spielte sie eine große Rolle - und sie war eine der ersten, die es bemerkte. In den Rückblicken erfährt man nach und nach, wie es dazu kam und vor allem, wer für das Ganze verantwortlich ist. Das Motiv dafür war für mich allerdings arg weit hergeholt und geradezu unverständlich - ein paar mehr Erklärungen wären hier schön gewesen. Ansonsten aber ist die Weise, in der die Informationen gegeben werden, perfekt gewählt, denn so sind die Details nicht geballt, sondern fließen perfekt ein. In der Vergangenheit lernt man nicht nur Nick kennen, mit dem die Protagonistin eine sanfte und komplett unkitschige Liebesgeschichte verbindet, sondern auch ihre Familie und ihre Freunde.

Allerdings fällt eines auf: Nicht nur im Damals, sondern auch auf ihrer Reise, sterben unglaubwürdig viele der Menschen, die Zoe kennen lernt. Dass es die dahinrafft, die von der Krankheit betroffen sind, ist klar. Dass aber so viele Personen durch andere Dinge im Laufe der Handlung getötet werden - sodass man es schon fast voraussagen kann - war für mich nicht ganz nachvollziehbar. Dafür jedoch versteht Alex Adams es wunderbar, den Leser zu fesseln und ihm immer wieder den Atem stocken zu lassen. Die zu Monstern mutierten Menschen kommen selten vor, sind eher eine im Hintergrund lauernde Bedrohung - aber auch hier wird klar, dass nicht alles so ist wie es scheint. Dass die Krankheit nicht immer zu Unmenschen macht. Und so kann auch das Ende mit einem überraschenden Detail vollständig überzeugen - erschreckend und gut. Gelungen eben.

FAZIT:
"White Horse" kann im Grunde als alleinstehende Dystopie betrachtet werden. Trotzdem freue ich mich auf Band 2, denn von dieser Welt würde ich gern mehr lesen. Alex Adams hat glaubwürdige Charaktere in allen Schattierungen geschaffen und weiß sowohl zu fesseln als auch zu schockieren. Nur die vielen unnötigen Tode und das Motiv für das Auslösen der Seuche fand ich etwas enttäuschend, daher ein Punkt Abzug. Ganz sicher aber einer der besseren Endzeit-Romane! 4 Punkte.

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Tags: endzeit, flucht, grauen, monster, reise, schwangerschaft, tod, verlust   (8)

  

 

Wie Zuckerwatte mit Silberfäden
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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

mode, jenny, jugendbuch, london, outfit

Wie Zuckerwatte mit Silberfäden

Sophia Bennett , Sophie Zeitz
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 01.11.2012
ISBN 9783551311900
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:  
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Wir beide, irgendwann
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693 Bibliotheken, 9 Leser, 4 Gruppen, 193 Rezensionen

facebook, zukunft, liebe, freundschaft, josh

Wir beide, irgendwann

Jay Asher , Carolyn Mackler , Knut Krüger
Fester Einband: 395 Seiten
Erschienen bei cbt, 01.08.2012
ISBN 9783570161517
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

„Kannst du rüberkommen?“ Emma klingt, als sei sie den Tränen nahe. „Meine Mom und Martin sind gerade spazieren. Nimm also ruhig den Ersatzschlüssel, um ins Haus zu kommen.“
„Willst du mir nicht erst mal sagen, was los ist?“
„Ich habe das Gefühl, dass die Website echt ist“, antwortet Emma. „Und ich bin unglücklich.“
„Das hört man. Aber warum?“
„Ich meine, in der Zukunft. Ich werde niemals glücklich sein.“
--

INHALT:
Vor einem halben Jahr hat Josh Emma seine Liebe gestanden – seitdem hat die Freundschaft der beiden einen deutlichen Knacks bekommen. Dies ändert sich erst, als Emma einen Internetanschluss bekommt und auf eine Internetseite namens Facebook gelingt. Die offensichtlich ihre Zukunft zeigt! Sie bittet ihren Freund seit Kindertagen um Hilfe. Denn während ihm eine rosige Ehe mit dem hübschesten Mädchen der Schule vorausgesagt wird, scheint sie unglücklich zu sein. Josh und sie beginnen, bewusst kleine und große Entscheidungen zu treffen, die ihr späteres Leben verändern sollen und merken dabei nicht, wie alles langsam aus dem Ruder läuft und ihnen über den Kopf wächst...

BUCHAUFMACHUNG:
Der Hintergrund aus sechs verschiedenen Farben von rosa bis zu blau wirkt ansprechend und wie ein Eyecatcher, weil er definitiv heraussticht. Silhouetten zweier Personen, die wahrscheinlich Josh und Emma darstellen sollen, geben durch den Herzluftballon und den Kuss einen kleinen Einblick auf einen Aspekt des Buches, sagen ansonsten allerdings nicht allzu viel aus. Hier hätte ich mir vielleicht einen deutlicheren Bezug auf das Phänomen Internet beziehungsweise Facebook gewünscht...

MEINE MEINUNG:
„Wir beide irgendwann“ ist der 2. Roman von Jay Asher, nun in Verbindung mit der Autorin Carolyn Mackler. Nach dem Bestseller-Debüt ist es klar, dass an dieses Buch hohe Erwartungen geknüpft sind – besonders, da es schon vor Erscheinen in aller Munde war. Letztendlich kann man sagen: Ein nettes, unterhaltsames Jugendbuch, aber viel mehr nicht.

Die Geschichte wird in der 1. Person im Präteritum immer wieder abwechselnd aus Joshs und aus Emmas Sicht erzählt, sodass man sich mit beiden sehr schnell identifizieren kann. Sie sind leicht zugängliche Charaktere und durch flüssig eingebaute Beschreibungen der Emotionen gut zu verstehen. Der Stil ist für ein Jugendbuch angemessen, nicht zu umgangsprachlich, aber deutlich auf Teenager zugeschnitten – nur fehlt hier etwas das Besondere, das ihn unvergesslich macht.

Beide Protagonisten wissen noch nicht genau, was sie vom Leben erwarten, aber Emma ist besonders unschlüssig. Nachdem sie ein paar kleinere Hinweise darauf entdeckt hat, dass sie unglücklich sein könnte, beginnt sie, bewusst Dinge zu verändern, was immer wieder für Probleme sorgt. Sie ist liebenswert und hat ihre Ecken und Kanten, manchmal jedoch ist sie fast schon unglaubwürdig impulsiv. Josh ist eher der Ruhige, Nette. Ihn hat man schnell gern, weil er für seine Freunde da ist und selbst nach dem Korb seiner besten Freundin noch versucht, gute Mine zu machen.

Die Autoren scheinen jedoch auch ein Händchen für Nebencharaktere zu haben – insbesondere Emmas beste Freundin Kellan wirkt sehr originell und dennoch glaubhaft. Sie isst pausenlos Pommes frites und gibt alles, um die Freundschaft des Vierergespanns, dem noch Tyson angehört, aufrecht zu erhalten. Dieser ist vielleicht noch ein wenig ratloser wenn es darum geht, was er will. Dennoch wirkt er sympathisch durch seine große Klappe. Selbst kleine Nebenfiguren wie Emmas [Ex]Freund Graham oder Joshs Zukünftige Sidney sind gut durchdacht. Einzig und allein Schwarm Cody war mir zu konstruiert und vorhersehbar.

Die Storyline ist definitiv mal etwas ganz anderes, denn 1996 angesiedelt findet sich hier allerlei damals Aktuelles wieder, das auch die heutige Generation noch kennen dürfte. Facebook als zukünftiges Element und treibendes Mittel einzusetzen ist da sehr interessant und sorgt für einige Spannung. Natürlich sind viele Entwicklungen, besonders die zwischenmenschlichen, sehr voraussehbar, aber die Veränderungen, die sich aufgrund kleinerer Entscheidungen ergeben, sind wunderbar durchdacht und machen eindeutig Freude. Nur die Statusmeldungen auf Facebook sind oftmals etwas gestelzt – in einer solchen Form würde sich niemand dort ausdrücken und schon gar nicht über derartige Themen. Das geht von verschwundenen Ehemännern über unpünktliche Babysitter, was zwischenzeitlich reichlich unglaubwürdig wirkt.

Was mit Josh und Emma im Laufe des Buches passiert, ist natürlich von Anfang an klar, aber dennoch sehr schön zu verfolgen. Die Gefühle der beiden waren mir allerdings des Öfteren zu spärlich ausgeführt. Besonders seine Verliebtheit in sie wird beinahe nie richtig deutlich, meistens nur durch Rückblicke oder Erinnerungen, was ich ein wenig schade finde. Durch die interessanten Verwicklungen und das Warten auf die Auflösung des Ganzen – die zwar relativ offen, aber definitiv zufriedenstellend ausfällt – bleibt man jedoch die gesamte Zeit über gefesselt dabei, bis man das Buch am Schluss mit einem Lächeln zuklappen kann.

FAZIT:
„Wir beide, irgendwann“ konnte mich vielleicht durch die etwas spärlichen Emotionen und die Vorhersehbarkeit einiger Ereignisse nicht ganz so begeistern wie viele andere Leser, ein schönes Jugendbuch für zwischendurch mit in den Einzelheiten hohem Originalitätsfaktor ist es aber allemal. 4 Punkte!

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Tags: facebook, gegenwart, liebe, social network, veränderung, zukunft   (6)

  

 

Wie viel Leben passt in eine Tüte?
LOVELYBOOKS-Statistik

(95)

228 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 50 Rezensionen

tod, trauer, liebe, krebs, survival kit

Wie viel Leben passt in eine Tüte?

Donna Freitas , Christine Gallus
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Gabriel Verlag/Thienemann, 01.08.2012
ISBN 9783522303125
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

"Rose", sagte Will und legte mir seine Hand auf den Arm. "Ich unterhalte mich wirklich gern mit dir." Er sah mich an. "Es macht mir Spaß."
Eiskalte Winterluft strömte durch die halb offene Tür in den Wagen und ich fröstelte, doch ich erwiderte noch einmal den Blick seiner blauen Augen. "Mir auch", antwortete ich.
Wills Hand verweilte einen Moment auf meinem Arm, und als er sie schließlich wegnahm, stieg ich aus. Als ich zum Haus zurückging und mich mit jedem Schritt weiter von ihm entfernte, spürte ich seine Berührung, als wären seine Finger immer noch da.
--

INHALT:
Seit ihre Mutter an Krebs gestorben ist, hat sich Rose so weit zurückgezogen wie nur irgend möglich. Sie hört keine Musik mehr, vermeidet Besuche im Stadion und kann Berührungen nicht mehr ertragen. Doch dann entdeckt sie etwas, was ihre Mutter ihr hinterlassen hat: Eines ihrer Survival Kits, für die sie berühmt war, mit allerlei Dingen gefüllt, die Rose helfen sollen. Und alle führen sie auf irgendeine Weise zu Will Doniger, der bei der Gartenpflege hilft und dessen Vater ebenfalls an Krebs starb. Er ist es, der Rose endlich wieder glücklich macht und zum Lachen bringt. Aber auch er trägt sein Päckchen und scheint es einfach nicht loswerden zu können...

BUCHAUFMACHUNG:
Die Gestaltung des Werkes ist sehr viel origineller als es auf dem Bild zuerst scheint - der Umschlag besteht nämlich nur aus einer weißlichen Hülle, die noch etwas von der orangen Buchfarbe durchschimmern lässt und so rosafarben erscheint. Darin sind die Buchstaben des Titels ausgestanzt, sodass diese sich orangefarben abheben. Originell in seiner Schlichtheit und eindeutig wunderschön!

MEINE MEINUNG:
Zwar habe ich letztens erst ein Jugendbuch gelesen, in dem es zu großem Teil um den Tod eines Familienmitglieds ging, dennoch konnte ich auch von "Wie viel Leben passt in eine Tüte?" nicht die Finger lassen - solche Werke sind oftmals so berührend und schön, dass es traurig wäre, sie nicht zu lesen. Und auch hier bin ich wieder froh, auf mein Bauchgefühl gehört zu haben, denn dieser Debütroman überzeugt fast komplett.

Donna Freitas besitzt einen jugendbuchtypischen Stil mit relativ wenig Umgebungsbeschreibungen - wenn, dann aber sehr gezielt und athmosphärisch - und einem großen Anteil an Gefühl. Dies passt natürlich zur Geschichte um Verlust, Trauer und Liebe. Dabei lässt sich das Buch einfach so weglesen, die flüssige Art und die von Anfang an stimmige Hauptperson, in die man sich durch die Ich-Perspektive perfekt hineinversetzen kann, lassen einen kaum stocken und immer weiterlesen. Einzig und allein, dass die Autorin ganz oft Tage oder Wochen überspringt, obwohl Rose eigentlich noch etwas Bestimmtes vorhat, störte mich zwischendurch etwas, weil es wirkt, als wäre hier etwas gestrichen worden.

Rose ist eine sympathische Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt. Sie ist seit dem Tod ihrer Mutter sehr zurückgezogen, was sehr gut nachzuvollziehen ist - ihre Gedanken und Emotionen werden immer sehr glaubwürdig beschrieben. Man leidet und lebt mit und erlebt ihre gesamten Höhen und Tiefen. Zwischenzeitlich wird sie recht ichbezogen, aber dennoch ist sie die meiste Zeit über eine Figur, mit der man sich perfekt identifizieren kann. Will Doniger, der Junge, mit dem sie zuvor nie auch nur ein Wort gewechselt hat und der ihr im Laufe des Buches eine große Stütze wird, hat es selbst nicht leicht. Auch sein Vater ist verstorben und er trauert noch immer. Er ist in der Öffentlichkeit sehr schüchtern, ansonsten aber ein freundlicher, offenherziger und sehr süßer Typ, weswegen man ihn schnell gern hat, mit all seinen Ecken und Kanten.

Aber auch die Nebenfiguren sind wunderbar ausgearbeitet. Angefangen von Roses indischer Freundin Krupa, die immer für sie da ist, sie nie im Stich lässt und alles tut, damit es ihr wieder besser geht. Oder ihrem Bruder Jim, einem liebenswürdigen junger Mann, der genau wie sie nicht weiß, wie er mit seiner Trauer umgehen soll. Großmutter Madison ist immer sehr rau und eher unfreundlich, aber damit versucht sie nur, die Familie zusammenzuhalten, was sie sehr sympathisch macht. Und der Vater, der mit seinem Verlust einfach nicht umgehen kann und diesen im Alkoholkonsum ertränkt. All diese Figuren und noch ein paar mehr bevölkern das Buch und machen es so lebendig.

Die Geschichte selbst wird durch das Survival Kit, das ihre Mutter Rose hinterlassen hat, sehr originell. Es dreht sich eben nicht nur um die Trauer und das Leben mit dem Verlust, sondern auch um Fantasie und darum, herauszufinden, was es mit den Dingen in der Tüte auf sich hat. Alle haben eine besondere Bedeutung und helfen Rose, weiterzumachen und mit all dem ein wenig leichter umzugehen. Dabei hilft ihr natürlich Will, der anfangs sehr schweigsam und abweisend ist. Schon nach kurzer Zeit bemerkt man aber, was er ihr gibt und umgekehrt. Die beiden bieten sich Halt und Liebe, was wunderschön mitzuverfolgen ist. Er hat definitiv seine Fehler, aber diese sind immer glaubwürdig und machen ihn im Grunde nur noch sympathischer.

Mit der ruhigen, schönen Art schafft Donna Freitas es mit ihrem Roman sicherlich, Mut zu geben, ja, vielleicht sogar Trost zu spenden. Denn auch hier schafft es Rose, sich aus der Trauer wieder herauszukämpfen und endlich wieder Glück zu empfinden. Der Halt durch ihre Familie und ihre Freunde wird wunderbar dargestellt, in manchen Szenen auch so berührend, dass einem das Wasser tatsächlich in den Augen steht. Emotional ist es auf jeden Fall! Etwas klischeehaft und typisch wird es kurz vor Ende noch einmal, aber auch dieser Aspekt wird glaubwürdig eingesetzt und sehr zufriedenstellend aufgelöst - sodass am Ende wohl nur Wohlgefallen zurückbleibt über ein Buch, das Höhen und Tiefen zeigt, und das auf eine sehr berührende Weise.

FAZIT:
"Wie viel Leben passt in eine Tüte?" ist emotional mitreißend, ruhig geschrieben und besitzt eine sehr sympathische Protagonistin sowie ebenso liebenswürdige Nebencharaktere. Dabei geht die Autorin intensiv, aber sanft, mit dem Thema Tod um und schafft es, den Leser lange nicht mehr loszulassen. Sehr zu empfehlen! 4,5 Punkte.

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Tags: familie, freunde, glück, liebe, pfingstrosen, stern, survival kit, tod, trauer, tüte, verlust   (11)

  

 

Wenn es dunkel wird
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(17)

45 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 13 Rezensionen

thriller, alkohol, mord, stalker, eifersucht

Wenn es dunkel wird

Manuela Martini
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.09.2012
ISBN 9783401066080
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

"Und was sollen wir dann deiner Meinung nach tun?" Claas sah ihn stirnrunzelnd an. Julian öffnete die Augen, er zuckte mit den Schultern. "Wir ignorieren die Mail einfach."
"Ab in den Papierkorb oder wie?", sagte ich.
Julian nickte und dabei sah er mich das erste Mal richtig an.
Wir hätten auf ihn hören sollen. Aber wir hatten nicht die Nerven dazu.
--

INHALT:
Von ihrem Freund Claas wird Melody in das Strandhaus von zwei seiner Freunde eingeladen, das an der französischen Mittelmeerküste gelegen ist. Begeistert sagt sie zu und freut sich auf ein paar entspannte Wochen - besser kann man die Ferien ja kaum verbringen! Doch schon kurz nach der Ankunft entwickeln sich Spannungen unter den vier Jugendlichen und die Situation spitzt sich langsam und unaufhaltsam immer weiter zu. In einem Rausch von Drogen und Alkohol passiert schließlich etwas Schreckliches und sie wissen nur einen Ausweg: Alles vertuschen...

BUCHAUFMACHUNG:
Wie bei den Arena-Thrillern üblich ist die Gestaltung sehr einfach gehalten. Der Hintergrund ist pink-rosa mit kleinen Rosen-Ornamenten, ins Auge fallen die Motten in Weiß- und Lilatönen, die gut zur Dunkelheit passen. Am oberen Rand des Covers wurde die Farbe so eingesetzt, dass es wirkt, als wäre sie leicht abgeschabt, was einen tollen Eindruck vermittelt. Insgesamt passt die Aufmachung nicht perfekt zum Inhalt, macht aber definitiv neugierig.

MEINE MEINUNG:
Mit Jugend-Thrillern kann ich normalerweise eher nichts anfangen, obwohl ich selbst erst 16 bin - oftmals wird in diesen zu großer Wert auf Gefühle und eine Liebesgeschichte gelegt, was viel von der Atmosphäre zerstört. So war ich auch bei "Wenn es dunkel wird" erst einmal arg skeptisch. Doch nach nur wenigen Seiten war ich schon wie gebannt mitten in der Geschichte und wurde so tatsächlich positiv überrascht.

Manuela Martini hat ihren Roman in einer sehr ungewöhnlichen Schreibweise verfasst. Die Rahmenhandlung bildet ein Video, das auf Youtube in mehreren Teilen hochgeladen wurde und von dem ein auktorialer Erzähler berichtet. Darin erzählt ein Mädchen von den Geschehnissen des letzten Sommers, die sie nie wieder losgelassen haben. Dabei wird aus der Ich-Perspektive im Präteritum geschrieben und der Leser immer wieder mit "Du" angeredet, was so eine Wirkung besitzt, als werde man als Zuschauer direkt angesprochen beziehungsweise wäre direkt dabei. Dies setzt die Autorin kontinuierlich um und vermittelt damit eine ganz besondere Atmosphäre.

Melody ist eine Protagonistin, die einen sehr zwiegespalten zurücklässt. Anfangs ist sie durchaus sympathisch, ein bisschen altklug und sicherlich zickig, aber alles in allem ein normales Mädchen. Je weiter die Handlung jedoch voranschreitet, desto eifersüchtiger, aggressiver und unmöglicher wird sie. Das löst im Leser ein befremdliches Gefühl aus, gleichzeitig bleibt sie jedoch so gut wie immer glaubwürdig, sie verhält sich menschlich, weswegen man sich identifizieren kann. Claas, ihr Freund, ist ein Macho sondergleichen, obwohl er dafür gar keinen Anlass hat. Er ist ein Streber und Angeber, benimmt sich seinen Mitmenschen gegenüber oftmals schrecklich und hat so manches Mal eine Ohrfeige verdient. Die ganze Zeit scheint es, als würde er die Ruhe behalten - in Wirklichkeit aber verliert er zuerst die Kontrolle.

Tammy und Julian sind beide von Aussehen und Körper her nahezu perfekt. Besonders Tammys Charakter leidet dagegen sehr. Sie ist egozentrisch, zickig und unhöflich, dazwischen aber auch ängstlich und verletzlich. So bleibt sie glaubwürdig, denn man weiß nie: Wie hätte man selbst sich verhalten? Julian erscheint recht sympathisch, da er die besseren Eigenschaften geerbt hat, aber er verbirgt von Anfang an etwas. Was das ist, wird dem Leser allerdings schnell klar und wem seine Gefühle gelten, bleibt nicht lange verborgen. Dies macht ihn so wütend und unberechenbar, dass es den Leser durchaus zu schockieren vermag. Alle 4 Hauptpersonen wurden wunderbar ausgearbeitet, nur Yannis, der Polizist aus dem Ort, hat meiner Meinung nach etwas gelitten, da er zwar undurchschaubar und interessant wirkt, dies am Ende allerdings nicht aufgelöst wird.

Manuela Martini besitzt eindeutig eine Gabe dafür, die drohende Gefahr und damit auch die Atmosphäre immer stärker anschwellen zu lassen, Letztere wird im Laufe der Handlung beinahe schon erschreckend drückend. Zwischen den Jugendlichen herrschen Spannungen, alle 4 bekommen sich immer wieder in die Haare - und dann ist da auch noch das Buch des Autors, der vorher in dem Haus lebte und irgendwann spurlos verschwand. Seine Texte stacheln die Teenager auf zu großen Dummheiten und schließlich zum größten Fehltritt überhaupt. Bis dieser geschieht dauert es zwar etwa 250 Seiten, dennoch kommt in dieser Spanne keine Langeweile auf. Die gesamte Zeit über stellt sich die Frage, was noch geschehen wird und wer der unheimliche Stalker ist, der sie zu verfolgen scheint.

Natürlich bleiben die Gefühle nicht außen vor - Mel fühlt sich ziemlich schnell zu Julian hingezogen und himmelt ihn an. Das stört aber nur geringfügig, da es tatsächlich wichtig für die Handlung ist und sie selbst erkennt, wie schrecklich sie sich aufführt, während sie doch nichts dagegen tun kann. Auch Tarotkarten spielen in dem Thriller eine Rolle und geben dem Ganzen einen kleinen übernatürlichen Touch - denn diese passen immer perfekt zur jeweiligen Person. Jenen Aspekt hat die Autorin sehr passend eingewoben, sodass es noch fesselnder wird. Tatsächlich steigt der Spannungsbogen kontinuierlich an - jedenfalls bis zu der Rückfahrt nach Deutschland. Die Ereignisse danach sind meiner Meinung nach wieder deutlich zu vorhersehbar; wer hinter diesen steckte, war mir schnell klar. Dennoch schaffte die Schreibweise es auch hier, mich dabei zu behalten - bis das geradezu erschütternde Ende, das man so erahnt, aber dennoch nicht erwartet hat und dass einen so für einen Moment tatsächlich sprachlos zurücklässt, mich zufrieden zurückließ.

FAZIT:
Manuela Martini hat es mit "Wenn es dunkel wird" tatsächlich geschafft, mich zu fesseln - und das gelingt bei Jugend-Thrillern so gut wie nie! Die Geschichte ist originell und gut mit der Rahmenhandlung verwoben, die Hauptcharaktere sind glaubwürdig ausgearbeitet und die Atmosphäre ist dicht und fesselnd. Bis auf das etwas vorhersehbare Ende ein absolut gelungener Roman! Gute 4 Punkte.

  (9)
Tags: alkohol, eifersucht, mord, rausch, stalker, thriller   (6)

  

 

WEREWORLD - Die Rückkehr der Wölfe
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(2)

17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

abenteuer, könig, werbär, freundschaft, lykanthropen

WEREWORLD - Die Rückkehr der Wölfe

Curtis Jobling , Andreas Helweg
Flexibler Einband: 447 Seiten
Erschienen bei cbj, 22.03.2012
ISBN 9783570401101
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Als er mit dem Fuß an einer Wurzel hängen blieb, fluchte er. Er wollte den Fuß lösen, das was er für eine Wurzel gehalten hatte, packte fester zu. Drew riss voller Entsetzen die Augen auf. Mit einem scharfen Ruck wurde der junge Mann brutal zurückgerissen und Gretchen rutschte von seinen Schultern, während er selbst in den Nebel gezerrt wurde.

INHALT:
Drew wächst wie ein ganz normaler Junge gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Trent auf der Farm seiner Eltern auf. Doch schon immer spürte er, dass an ihm etwas anders ist und dass sein Vater ein seltsames Misstrauen gegen ihn hegt. Als das Haus von einem schaurigen Wesen überfallen wird, bricht das Tier in ihm heraus: Drew verwandelt sich in einen Werwolf. Doch gegen das Monster kann er nichts ausrichten und so flieht er ihn den Wald.
Erst, als er dort auf einen Kundschafter und seinen Lehrling trifft und von diesen zu Herzog Bergan mitgenommen wird, erlebt er wieder menschliche Nähe. Drew erfährt: Es gibt noch einige mehr, die ihre Gestalt wandeln können wie er, aber sie alle werden unterdrückt. Doch kurz darauf wird der von König Leopolds Häschern gefangen genommen - denn dieser will auch den letzten Wolf vernichten. Und Drew begreift, dass er der Einzige ist, der dem Schrecken ein Ende bereiten kann...

BUCHAUFMACHUNG:
Das Cover zeigt das Auge eines Wolfes mit ein bisschen grauem Fell, was für die Art von Buch nicht ungewöhnlich ist. Allerdings hätte sich hier ein wenig mehr Mühe gegeben werden können, denn Drews Augen beispielsweise werden bernsteinfarben, wenn er sich verwandelt. Der Titel allerdings hebt sich durch das Weiß mit dem blauen Schatten sehr gut ab. Insgesamt hübsch anzusehen, aber nicht innovativ. Nur die Karte vorne im Buch ist sehr hilfreich, um sich zu orientieren und die Abenteuer der Personen so nachzuvollziehen.

MEINE MEINUNG:
Mein letztes Werwolf-Buch ist schon eine ganze Weile her und aufgrund des spannenden Klappentextes freute ich mich daher sehr auf die "Wereworld". Tatsächlich ist schon der Einstieg fesselnd und es bleibt die meiste Zeit über sehr spannend und originell, allerdings wird die Geschichte nicht von einigen Schwächen verschont...

Curtis Jobling gelingt gleich von Anfang an ein interessanter Start. Sein Schreibstil ist prägnant, meist in kurzen Sätzen gehalten, die allerdings nicht stören. Sie passen zum Protagonisten, aus dessen Sicht die meiste Zeit über in der 3. Person Präteritum geschrieben wird. Zwischenzeitlich werden allerdings mittendrin auch mal in die Gedanken und Gefühle einer anderen Person aufgezeigt. Dies gelingt jedoch so fließend und trotzdem deutlich, dass es nie zu Verwirrungen kommt.

Drew ist ein sehr sympathischer Charakter. Mit seinen 16 Jahren ist er auffallend nachdenklich, dennoch wird klar, dass er eine außerordentliche Stärke und einigen Mut besitzt. Es trifft ihn schwer, dass er sein Elternhaus verlassen und sich in die gefährliche Welt begeben muss, doch schafft er es durch Klugheit und seine Willensstärke oft sehr gut, sich aus gefährlichen Situationen hinauszumanövrieren. Wegbegleiter auf seinen unfreiwilligen Abenteuern werden dabei der junge Eberlord Hector, der durch seine ruhige und freundliche Art besticht, sowie dessen Cousine Gretchen, die sich von einer launischen Zicke zu einer netten jungen Frau mausert.

Auch einige andere Charaktere stehen im Laufe der Handlung auf Drews Seite und werden zumeist durch klare Eigenschaften geprägt - diese sind aber zum Teil auch etwas klischeehaft, wie beispielsweise der gutmütige, freundliche Werbär Herzog Bergan. Auch die Bösen sind doch in vielerlei Hinsicht eher einfache Stereotypen, die ohne Motiv grausam sind, wie unter anderem die Handlanger und Folterer des Königs oder dessen Sohn. Diese blieben mir definitiv zu blass, aber vielleicht wird da in den folgenden Bänden noch mehr herausgeholt.

Die Geschichte selbst weiß in vielen Punkten gut zu fesseln und zu unterhalten. Mit seinen präzisen und bildlichen Beschreibungen liefert der Autor ein klares Bild der Orte, an die die Figuren kommen und auch der Gefahren, denen sie sich stellen müssen. Dabei bleiben die Kämpfe nicht aus und diese sind ebenso glaubhaft und spannend wie der Rest. Es geht zwischenzeitlich auch etwas blutig zu, was ich für ein Buch dieser Art aber durchaus als normal erachte. Auch die Verwandlung von Drew in sein anderes Wesen und die Zwiespalte, in denen er steckt, werden so deutlich geschildert, dass es sich anfühlt, als würde man als das selbst erleben.

Die Gefühle bleiben allerdings ebenfalls nicht auf der Strecke. Freundschaften werden geschlossen und auch ohne eine Liebesgeschichte - die ich in den folgenden Bänden aber durchaus für möglich halte - werden Zuneigungen und Sympathien durchaus deutlich. Natürlich darf der Endkampf bei einem solchen Buch nicht fehlen und dieser ist durchaus sehr fesselnd, sehr actionreich und vor allem recht gewalttätig. In erster Linie ist dies wohl ein Jungenbuch, was weibliche Leser aber nicht abschreckend sollte. Zum Schluss kommt es zumindest zu einer freudigen Überraschung, ansonsten ist das Ende relativ vorhersehbar, wenn auch nicht ganz logisch: Dass der Junge eine solche Fülle an Verletzungen so gut übersteht ist eigentlich unmöglich. Dennoch macht das Ende Lust auf mehr, denn es ist ganz klar - der nächste Kampf steht schon bevor.

FAZIT:
Der 1. Teil der "Wereworld"-Reihe, "Die Rückkehr der Wölfe" [wobei dieser Titel irreführend ist; es ist schließlich nur einer], weiß durchaus zu fesseln und kann mit sympathischen Charakteren, einem guten Weltentwurf und spannenden Kämpfen punkten. Nur einige Nebenfiguren, insbesondere die Bösewichte, blieben mir zu blass und das Ende ist an einigen Stellen recht berechenbar und unlogisch. Dennoch fühlte ich mich gut unterhalten und werde mir sehr wahrscheinlich Band 2 zulegen, der im März 2013 erscheint. 3,5 Punkte, hier aufgerundet auf 4.

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Tags: abenteuer, freundschaft, kampf, könig, lykanthropen, werbär, werwolf   (7)

  

 

Wer hat Angst vor Jasper Jones?
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(34)

74 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

rassismus, australien, tod, jasper, jugendbuch

Wer hat Angst vor Jasper Jones?

Craig Silvey , Bettina Münch
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.09.2012
ISBN 9783499216138
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Merkwürdig, sich vorzustellen, das Laura Wishart heute Nachmittag ahnungslos und sorgenfrei durch Corrigan hätte spazieren könnten, mit ihren Freundinnen, ihrer Schwester. Stattdessen ist sie am Grund dieses dunklen Teichs verankter, mit eben jenem Seil, mit dem sie gelyncht wurde. Laura Wishart wurde von der Erde verschluckt, um nie zurückzukehren.
--

INHALT:
Eines Nachts klopft der berüchtigte Tunichtgut Jasper Jones an Charlie Bucktins Fenster, um ihm auf einer Lichtung im Wald etwas zu zeigen. Fasziniert von diesem Jungen und voller Erwartung folgt Charlie ihm - und bekommt so Laura Wishart zu Gesicht. Tot. Erhängt an einem Ast. Die beiden ahnen, dass es jemand anderes gewesen sein muss und versuchen, herauszufinden, wer. Doch das ist nicht das einzige Problem: Lügen, Verleumdungen und Rassismus machen Charlie, seiner Familie und seinen Freunden das Leben schwer. Und er muss lernen, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden und zu sich selbst zu finden...

BUCHAUFMACHUNG:
Der Farn sowie das Gesicht des Jungen, auf das der Schatten der Pflanze fällt, passen insofern zur Handlung, da das Mädchen im australischen Busch gefunden und durch die düstere Darstellung der Person die geheimnisvolle Aura deutlich wird. Dennoch weckt die Gestaltung kein wirkliches Interesse - dafür ist sie zu allgemein und glatt schon langweilig. Da ergibt das amerikanische Cover schon mehr Sinn.

MEINE MEINUNG:
"Wer hat Angst vor Jasper Jones?" ist schon wegen seiner vielschichtigen Thematik und seines originellen Schauplatzes ein etwas anderes Jugendbuch, weshalb ich mich auf die Lektüre sehr freute. Nun muss ich aber sagen, dass mir zu viel angerissen und zu wenig ausführlich behandelt wurde, sodass es für mich so gut wie nie wirklich fesselnd wurde...

Erzählt wird die Geschichte passenderweise aus der Ich-Perspektive von Charlie selbst, sodass schneller Nähe aufgebaut werden kann als es bei einer personalen Sicht möglich wäre. Seine Gedanken sind nicht immer klar und präzise, was aber für einen 13jährigen Jungen normal ist und ihm so Menschlichkeit verleiht. Der Stil allerdings ist nicht einfach. Zwar in gut verständlichen Sätzen gehalten, aber oftmals von einer Präsenz und vor allem Tiefsinnigkeit, dass besonders jüngeren Lesern hier einiges entgehen dürfte. Die Altersangabe ist meiner Meinung definitiv zu niedrig angesetzt. Die Schreibweise zieht in die Geschichte hinein und lässt durch Metaphern, Vergleiche und wunderschöne Beschreibungen alles sehr deutlich vor dem inneren Auge entstehen, stört manchmal aber auch den Lesefluss.

Charlie ist ein ganz normaler Jugendlicher mit einigen flotten Sprüchen, viel Unsicherheit und großen Träumen von eigenen Büchern und dem Entfliehen aus dem Alltagstrott. Anfangs ist er sehr schüchtern und vor allem verängstigt, wird aber im Laufe durch die Ereignisse reifer und weiß sich am Ende selbst zu helfen. Jasper Jones ist ebenso ein eigentlich völlig umgänglicher, gefühlvoller Mensch, der nur durch Gerüchte und Beschuldigungen den Ruf des Bösewichtes hat. In Wirklichkeit macht er sich große Sorgen und möchte nur eines: Endlich raus aus dieser Stadt. Er ist weder stark noch schwach und hat Ecken und Kanten, was ihn sehr glaubwürdig werden lässt.

Aber auch ansonsten hat Craig Silvey bei seinen Charakteren ganze Arbeit geleistet: Keine einzige Figur wirkt jemals auch nur ansatzweise blass. Da ist Jeffrey Lu, Charlies ausländischer bester Freund, der viel Spott und Rassismus über sich ergehen lassen muss, aber nie seine Stärke verliert und immer wunderbar herzerfrischend fröhlich ist. Oder Eliza Wishart, Lauras Schwester, die freundlich und gutmütig ist, aber ein Geheimnis zu hüten scheint. Und letztendlich auch der gefürchtete Jack Lionel, der eine Frau umgebracht haben soll und doch so ganz anders ist als gedacht. Selten habe ich überraschendere Figuren kennen lernen dürfen, was mich an diesem Buch wirklich begeistert hat.

Ansonsten aber scheint der Autor sehr viele Themen auf einmal in ein einziges Buch einfließen lassen zu wollen und schneidet so dabei einiges nur sachte an. Rassismus, Freundschaft und Mut spielen große Rollen und bei allen drei Aspekten gibt es entscheidende Schlüsselstellen. Jasper Jones, der Namensgeber des Buches, kommt aber beispielsweise viel zu wenig vor. Nach dem anfänglichen Ausflug zum Ort des Todes von Laura Wishart dauert es über 100 Seiten, bis wir den Jungen wiedertreffen und auch danach taucht er immer wieder nur sporadisch zu tiefgründigen Gesprächen auf, was das Ganze fast schon unnötig erscheinen lässt. Stattdessen wird ein Cricketspiel gespielt - das allerdings trotz der vielen Fachwörter durchaus spannend ist -, die Liebe gefunden und ein feiger Anschlag auf den Nachbarn verhindert. Die Suche nach dem Mörder von Laura geht beinahe gar nicht voran und wird kaum jemals erwähnt, was schade ist.

Stattdessen ergeht sich Charlie in endlosen Wiederholungen dessen, was er gesehen und getan hat und langweilt so allmählich. Die vielen Beschreibungen sind schön, aber ermüdend und wenn nichts geschieht, außer dass Weltanschauungen preisgegeben und Familienstreits ausgefochten werden, dann passiert es leicht, dass auch mal Seiten überblättert werden. Der Tod des Mädchens kommt viel zu kurz und wird bis zum Schluss nicht ausführlich durchleuchtet; schließlich kommt die Auflösung von einer Person, von der man lange schon wusste, dass sie eine Ahnung hat. Diese ist durchdacht und schockierend, wirkt aber ein wenig wie schnell dahin erzählt. Zwar endet das Buch mit einem mutigen Akt von Charlie, um sich und seine Freunde zu beweisen, dennoch war einiges davor sehr enttäuschend, weshalb es mir wohl nicht in Erinnerung bleiben wird.

FAZIT:
"Wer hat Angst vor Jasper Jones?" greift viele wichtige Themen auf und besticht durch perfekte Charaktere, die das Buch lebendig machen und den Leser wenigstens ein bisschen zu fesseln wissen. Allerdings sind es zu viele Aspekte auf zu wenigen Seiten, vieles wird stark vernachlässigt und trotz der Wandlung einiger Figuren weiß ich nun nicht genau, was ich von all dem halten soll. Es war vielleicht einfach nicht das Richtige für mich. Knappe 3 Punkte.

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Tags: familie, freundschaft, geheimnis, liebe, rassismus, tod   (6)

  

 

Wolfszeit
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(59)

167 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

frankreich, bestie, wolf, wölfe, liebe

Wolfszeit

Nina Blazon
Fester Einband: 567 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 24.02.2012
ISBN 9783473400706
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Bevor sie reagieren konnte, schnellte der Kolben am Holz hoch und traf ihre Wange. Sie taumelte zur Seite und stürzte. Vor ihr vollführten Bäume, Felsen und Haus einen verrückten, schwankenden Tanz. Und in der schwarzen Fensteröffnung tanzte ein Gesicht mit. Sie kannte es gut. Und es war nicht das von Thomas.
--

INHALT:
Thomas Auvray kommt von Versailles in den Gévaudan, um das Verhalten der Bestie zu studieren, die dort schon seit Monaten wütet und die Jäger an der Nase herumführt: Sie lässt Fallen zuschnappen und taucht immer wieder innerhalb kürzester Zeit an verschiedenen Orten auf. Thomas quartiert sich im Schloss von Besset ein und trifft dort eines Tages auf Isabelle, die sofort eine ungeahnte Faszination auf ihn ausübt - und die einen Angriff des Tieres überlebt hat. Mit ihrer Hilfe kommt er einigen Dingen auf die Spur und der Aufdeckung der Vorgänge immer näher. Doch dann verschwindet Isabelle...

BUCHAUFMACHUNG:
Auf dem beige-braunen Hintergrund des Covers ist ein sehr schöner, brauner Wolf abgebildet, der zum Titel passt, aber nicht so recht zum Inhalt - schließlich ist ja im Grunde von Anfang an klar, dass es sich nicht um einen normalen Wolf handelt. Die Verschnörkelung unter dem Tier gibt der Gestaltung das gewisse Etwas und besteht aus Dornenranken, bei denen ich gleich daran denken musste, wie Thomas in der Geschichte darin landet.
Im Buch selbst findet sich eine anschauliche und hilfreiche Karte der Gebiete, in denen das Buch spielt.

MEINE MEINUNG:
Nina Blazon gehört mit Fug und Recht zu meinen Lieblingsautorinnen, weshalb ich mich natürlich umso mehr gefreut habe, ihr neustes Werk lesen zu dürfen. Schon der Klappentext klingt toll - die Geschichte der Bestie des Gévaudan neu erzählt. Das Werk ist keines ihrer Fantasybücher, sondern mehr ein Historienthriller, weiß dabei aber genauso zu fesseln.

Der Roman beginnt recht langsam und erzählt von Thomas' Leben in Versailles, seiner Reise in den Gévaudan und seiner Arbeit dort, die anfangs allerdings hauptsächlich aus dem Zeichen von Pflanzen besteht, beziehungsweise bestehen soll. Von Anfang an jedoch ist seine Neugier zu groß, um tatenlos herumzusitzen und so stellt er Nachforschungen an und versucht, die Tathergänge zu rekonstruieren. Ab da kommt Spannung auf, denn die Beschreibungen der Toten sowie der einzelnen Fälle sind sehr genau recherchiert und oftmals nicht fiktiv. Die Ermittlungsarbeit geht langsam voran, doch Thomas entdeckt immer wieder Details, die darauf hindeuten, dass es nicht nur ein Tier ist, das mordet...

Der Protagonist ist ein sympathischer Charakter, der einem sehr schnell ans Herz wächst mit seinem Wissensdurst, seiner Neugierde und seiner Cleverness. Auch wenn es mir zwischenzeitlich etwas weit hergeholt erschien, wie er auf manche Dinge kam - auch wenn der Teufel im Detail steckt - so bleibt er doch die gesamte Zeit über glaubwürdig und realistisch, seine freundliche, zuvorkommende Art ließen mich gern von ihm lesen. Auch Isabelle ist eine interessante Person, sie kann verletzlich sein, aber auch stark und unerschütterlich. Ihre Liebe zu Thomas wirkte von Anfang an ehrlich, genau wie sie selbst. Schade fand ich nur, dass ich nicht mehr aus ihrer Sicht lesen durfte.

Die Nebencharaktere haben mir hier allerdings am besten gefallen - besonders der Syndicus Lafont, der anfangs so verbittert und unfreundlich erscheint, sich aber zu einem echten Vertrauten entwickelt. Jeanne de Vaubernier, spätere Mätresse des Königs und hier eine gute, absolut erfrischende Freundin von Thomas mochte ich sehr. Und auch Bastien und Adrien, eigentlich sympathische und liebenswürdige Figuren, konnte ich gut leiden, aber bei beiden ist man sich nie ganz sicher, woran man ist. Denn hier gilt: Nicht alles ist, wie es scheint...

Nina Blazon führt den Leser geschickt immer wieder auf falsche Fährten, indem sie Thomas zwischendurch falsche Schlüsse ziehen lässt. Ich ahnte zwar etwas, weil mir die präsentierte Lösung zu einfach erschien, dennoch schafft sie es, dass man sich nie ganz sicher sein kann. Die Liebesgeschichte zwischen Isabelle und Thomas gibt dem Roman einen fröhlichen Aspekt, der von den Gräueltaten und den Morden etwas ablenkt. Die beiden passen toll zueinander und sind ein wirklich, wirklich schönes Paar - trotz der Komplikationen -, dennoch ging es mir anfangs etwas zu schnell. Dass Thomas nach einem Treffen schon an nicht anderes mehr denken kann, war mir ein bisschen zu viel des Guten.

Zum Ende hin nimmt die Geschichte noch einmal an Fahrt auf, immer mehr Geheimnisse werden aufgedeckt, immer näher kommt Thomas der Lösung. Das muss er auch, denn Isabelle ist verschwunden und er muss sie finden - wird dabei aber zuerst auf eine falsche Fährte geführt, die ich schon erahnt hatte. Die Autorin schafft es, Fakten und Fiktion so zu vermischen, dass sich ein fesselndes Gewirr von undurchschaubaren Aspekten ergibt. Ich war letztendlich doch überrascht vom Täter und auch vom Ausgang der Geschichte, was mir nicht allzu oft passiert. Besonders interessant ist zum Schluss auch das Nachwort zu lesen, indem sie erläutert, was belegt ist und was ihrer Fantasie entsprang.

FAZIT:
Nina Blazons neuer Roman "Wolfszeit" ist wieder spannend, gefühlvoll und mitreißend, diesmal historisch angesiedelt und beinahe komplett ohne Fantasy [wenn man von einigen Märchen absieht]. Er fesselt durch seine tollen Charaktere, den guten Plot und die überraschende Auflösung. 4,5 Punkte aufgrund von ein paar kleinen Kritikpunkten - und eine volle Empfehlung!

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Tags: bestie, gévaudan, jugendroman, liebe, morde, tote, versailles, wolfshund   (8)

  

 

Watch Me - Blutige Spur
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(4)

18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

thriller, mord, fremder, rendezvous, tatort

Watch Me - Blutige Spur

Brenda Novak , Maria Poets
Flexibler Einband: 428 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.10.2011
ISBN 9783899418293
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:  
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Wind der Zeiten
LOVELYBOOKS-Statistik

(53)

189 Bibliotheken, 6 Leser, 4 Gruppen, 14 Rezensionen

schottland, liebe, zeitreise, fantasy, alan

Wind der Zeiten

Jeanine Krock
Flexibler Einband: 558 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 04.05.2011
ISBN 9783453534001
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:  
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Weil ich euch liebte
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(190)

322 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 109 Rezensionen

thriller, mord, unfall, geld, tod

Weil ich euch liebte

Linwood Barclay , Silvia Visintini
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 20.01.2012
ISBN 9783426510520
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Das Kuvert war zugeklebt. Ich schob den Brieföffner unter die Klappe und schnitt es sauber auf. Dann ging ich zum Schreibtisch zurück und leerte es aus.
Geld. Unmengen davon.
Tausende Dollar Bargeld.
"Heilige Maria Muttergottes", sagte ich laut.
Dann hörte ich den Schuss. Das Bersten von Glas.
Kellys Schreie.
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INHALT:
Als seine Frau Sheila ums Leben kommt, bricht für Glen und seine Tochter Kelly eine Welt zusammen. Diese verantwortungsbewusste, gute Frau soll volltrunken eine falsche Autobahn-Auffahrt genommen und so zwei Menschen mit in den Tod gerissen haben? Glen kann es nicht glauben, auch wenn alles dafür spricht.
Dann kommt eine Freundin von Sheila um, unter genauso mysteriösen Umständen. Und Glen macht sich auf die Suche nach der Wahrheit, die über den Handel mit gefälschten Produkten bis zu Affären und Lügen im Freundeskreis geht - und die ganze Familie bald in große Gefahr bringt...

BUCHAUFMACHUNG:
Durch die tristen Farben des Covers wird gut die Atmosphäre des Thrillers vermittelt. Im oberen Bereich ist die Hälfte eines Frauengesichts zu sehen, aus deren Mund Blut läuft - schade ist hier nur, dass keiner der Toten im Buch auf diese Weise umkommt, vor allem keine Frau. Ansonsten aber weckt die Gestaltung Interesse, wenn sie auch nicht sonderlich originell ist.

MEINE MEINUNG:
Linwood Barclay ist bekannt für seine spannenden, fesselnden Thriller, von denen auch ich mir schon ein paar zu Gemüte geführt habe. Nun ist sein neustes Werk erschienen, das absolut klasse klang - und es auch war. Jedenfalls bis zum doch etwas zu konstruierten Ende...

"Weil ich euch liebte" beginnt mit einem Prolog um zwei Frauen, die eine Shoppingtour unternehmen wollen, die böse endet. Zuerst ist das etwas verwirrend, da es ja eigentlich um Glen gehen sollte, im Laufe des Buches wird das aber noch erklärt. Den Einstieg in die eigentliche Geschichte schafft der Autor mühelos und auf eine verständliche flüssige Weise, die einen sofort in die Geschichte eintauchen lässt. Als Sheila tot aufgefunden wird, kann Glen es nicht fassen: Seine Frau war Alkoholikerin? Doch die Indizien häufen sich, dass etwas anderes dahintersteckt, vor allem, nachdem eine gute Freundin von ihr ebenfalls einen Unfall erleidet und er nach einem Umschlag mit Geld gefragt wird, das Sheila zu übergeben hatte. Doch als Glen sich auf die Suche nach der Wahrheit begibt, bekommt er es auch mit einer tödlichen Gefahr zu tun...

Der Thriller fesselt von Anfang an, auch wenn er auf den ersten 100 in gewisser Weise eher einem Familiendrama ähnelt. Dann allerdings wird klar, dass die Ausmaße der Sache, in die so viele Menschen aus dem Freundeskreis der Garbers reingerutscht sind, größer sind als angenommen und vor allem schwerwiegender. Im Laufe des Buches werden immer mehr Geheimnisse aufgedeckt, immer wieder passiert eine überraschende Wendung und Figuren entpuppen sich als anders als gedacht. So kann man sich nie ganz sicher sein, für wen man nun Sympathien hegt und für wen nicht.

Glen ist ein guter, verständlicher Protagonist mit der richtigen Portion Emotionen und Charakterzüge. Er hat seine schwachen Momente, will aber stark sein für Kelly und vor allem endlich wissen, was da vor sich geht, was ihn menschlich macht. Kelly selbst ist so, wie ich mir eine 8jährige vorstelle - extrovertiert, fröhlich, auch trotz des Todes ihrer Mutter. Aber durch den Schmerz und das Leid, das sie ertragen musste, ist sie auch ein wenig ängstlich, was von Barclay authentisch dargestellt wird.

Viele der übrigen Figuren sind dem Leser von Anfang an etwas suspekt, denn sie scheinen alle ein Geheimnis zu haben...Das Rätselraten gingen mir irgendwann auch etwas auf die Nerven, denn es gibt kaum eine Figur, die nicht in diese Sache verstrickt ist oder nicht wenigstens irgendein anderes Geheimnis hütet. Dennoch sind besonders die Charaktere, die hin- und hergerissen sind zwischen Gut und Böse auch die, die am Interessantesten dargestellt werden und so Frische hineinbringen.

Während Glen immer mehr Dinge aufdeckt, die er vielleicht besser nie hätte erfahren sollen und immer wieder in große Gefahr gerät, entwickelt sich der Thriller langsam aber sicher zu einem echten Page-Turner. Die Cliffhanger an vielen Kapitel-Enden lassen einen das Werk gar nicht mehr weglegen. Ich war gebannt und hing an den Seiten, wenn ich es auch gern gesehen hätte, wäre hier nicht des Öfteren die Perspektive gewechselt worden. So erfährt man zwar mehr über die Motive, allerdings ja nur der Leser, nicht die im Buch agierenden Figuren selbst, was so etwas schade ist.

Die zwei Showdowns zum Ende hin sind spannend und gut ausgearbeitet worden, allerdings vor allem nur die actionreichen Teile. Denn hier ist auch das Manko: Es sind eindeutig zu viele Täter und das auch noch aus allen Ecken und alle mit verschiedenen Motiven, sodass es ein wenig konfus und aus den Fingern gesogen erscheint. Außerdem war mir die eine Person von Anfang an nicht geheuer, weswegen ich mir schnell die Rolle dieser zusammenreimte. So ist der Schluss zwar fesselnd und ideenreich, aber durch die eindeutige Konstruierung der Ereignisse auch ein wenig enttäuschend.

FAZIT:
"Weil ich euch liebte" ist mal wieder ein rasanter, spannender Thriller mit fast ausschließlich tollen Charakteren aus der Feder von Linwood Barclay. Das Werk ist gewohnt flüssig und voller Geheimnisse - von diesen gibt es allerdings zwischendurch ein paar zu viel. Da das Ende leider auch too much auf mich wirkte, ziehe ich einen Punkt ab, empfehle diesen Roman aber trotzdem allen Thriller-Fans, die auf der Suche nach einem sind, der richtig fesselt.

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Tags: mord, thriller, tod, unfall, verlust, verrat   (6)

  

 
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