Kittyzer

Kittyzers Bibliothek

242 Bücher, 123 Rezensionen

Zu Kittyzers Profil
Filtern nach
157 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



After the Wreck, I Picked Myself Up, Spread My Wings, and Flew Away
LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

After the Wreck, I Picked Myself Up, Spread My Wings, and Flew Away

Joyce Carol Oates
Flexibler Einband: 11 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Childrens Books, 01.09.2007
ISBN 0060735279
Genre: Kinder-/Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  

  

 

Beraubt
LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

australien, reue, rache, outback, grippe

Beraubt

Chris Womersley , Thomas Gunkel
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DVA, 25.02.2013
ISBN 9783421045720
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Es dauerte einen Moment, bis sich seine Augen an das Licht gewöhnt hatten, und als sein Sehvermögen zurückkehrte, sah er Sadie mit einem großen Messer in der Faust auf der anderen Seite des Zimmers stehen, ihr Gesicht angstverzerrt. "Ich hab doch gesagt, du sollst mich nicht anfassen", warnte sie ihn mit leiser Stimme.
Quinn hockte reglos da. Dann hob er den Finger, um auf seine eigene Lippe zu deuten. "Du hast ein Stück Orange am Mund, das ist alles."
Doch Sadie war schon verschwunden.
--

INHALT:
Vor zehn Jahren ist Quinn Walker aus seiner Heimatstadt geflüchtet, nachdem er den Mord an seiner kleinen Schwester mitangesehen hat. Doch irgendetwas hat ihn nun zurückgetrieben - ist es die Schuld? Der Schmerz? Der Wunsch nach Rache? Er ist sich nicht sicher, was der Grund für seine Rückkehr ist, und um ihn herauszufinden, muss er bleiben. In den Bergen begegnet er der jungen Sadie, die sich dort seit dem Tod ihrer Mutter versteckt. Langsam baut sich zwischen den beiden Vertrauen auf. Doch die Frage ist: Kann Quinn sie beschützen, obwohl er dies bei seiner Schwester nicht vermochte?

MEINE MEINUNG:

Chris Womersleys Spannungsroman "Beraubt" ist 1919 angesiedelt, als der erste Weltkrieg gerade vorbei ist. Hauptfigur Quinn Walker, selbst im Krieg gewesen, erzählt seine Geschichte bis auf Prolog und Epilog in der personalen Sicht selbst. Der Schreibstil ist rau und karg, bringt aber so auch die Lebensweise zur damaligen Zeit sowie das schroffe Outback Australiens zur Geltung. Die Beschreibungen sind dabei sehr bildhaft, aber auch extrem detailreich, was das ein oder andere Mal etwas ermüdend wirkt.

Quinn ist ein Protagonist mit einer schwierigen Vergangenheit in gleich zwei Aspekten: Nicht nur wurde seine Schwester ermordet und er für den Täter gehalten, er musste auch noch das Grauen und den Tod im Krieg miterleben. So ist er ein Charakter mit Narben, innerlich wie äußerlich. Anfangs etwas ängstlich und beschämt, wandelt er sich zu einem Mann mit Vorstellungen. Dahin bringt ihn die kleine Sadie, ein allein lebendes Mädchen, das auf seinen Bruder wartet. Sie ist eine schwer zu durchschauende Figur und hat seltsame Angewohnheiten, wirkt aber dennoch sehr glaubwürdig. Andere Personen kommen eher spärlich vor, werden dann jedoch immer mit wenigen Sätzen stark charakterisiert.

Wer in "Beraubt" eine Geschichte mit Thrill und Action erwartet, liegt falsch. Der Roman fällt in die Sparte "Spannungsliteratur", und als solche sollte man ihn auch sehen. Er hat seine starken, fesselnden Momente, aber auch seine ruhigen, erzählerischen. Der Autor findet dabei eine überwiegend gute Balance zwischen Beschreibungen und Dialogen. Letztere machen auch das Besondere an dem Buch aus, denn sie sind nicht nur durchdacht und interessant gestaltet, sondern sie wecken in Quinn auch die Erinnerungen, die dem Leser einen Einblick in die Geschehnisse zehn Jahre zuvor geben.

Anders als man es vielleicht erwartet, entsteht kein großes Rätselraten um den Mörder von Quinns Schwester, dieser wird nämlich schon nach etwa 100 Seiten enthüllt. Viel mehr geht es um seine Befreiung von der Schuld, ihr damals nicht geholfen zu haben, sowie um seinen Wunsch nach Gerechtigkeit. Wie er diesen umsetzen möchte, darüber muss er sich erst noch klar werden, und dies macht einen gehörigen Anteil der Spannung aus, ebenso wie die verworrene Beziehung zu der jungen Sadie. Bis zum Ende reißt der Roman, trotz zwischenzeitlicher spärlicher Emotionen, mit und lässt am Schluss durchaus nachdenklich über das Weiterleben der Charaktere zurück.

FAZIT:
"Beraubt" ist, so viel muss klar sein, im Bereich der "Spannungsliteratur" anzusiedeln und hat daher wenig von einem Thriller, auch wenn einem dies beim Klappentext so vorkommen könnte. Der Roman spielt 1919 im australischen Outback und ist ebenso rau wie die damalige Zeit und das Land. Lässt man sich darauf jedoch ein, erwartet einen eine interessante Geschichte mit vielen Facetten. 4 Punkte!

  (0)
Tags: australien, grippe, krie, mord, outback, rache, reue, schwester   (8)

  

 

Ein ganzes halbes Jahr
LOVELYBOOKS-Statistik

(302)

714 Bibliotheken, 53 Leser, 0 Gruppen, 142 Rezensionen

liebe, sterbehilfe, will, unfall, lou

Ein ganzes halbes Jahr

Jojo Moyes , Karolina Fell
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Rowohlt TB., 21.03.2013
ISBN 9783499267031
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Als ich mich hinunterbeugte, um das Kabel aufzurollen, bemerkte ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung und zuckte mit einem leisen Schrei zusammen. Will Traynor war an der Tür und beobachtete mich.
"Courchevel. Vor zweieinhalb Jahren."
Ich wurde rot. "Entschuldigung. Ich habe nur..."
"Sie haben nur meine Fotos angeschaut. Haben sich gedacht, wie schrecklich es sein muss, so zu leben und dann zum Krüppel zu werden."
"Nein." Noch mehr Blut schoss mir ins Gesicht.
"Meine übrigen Fotos sind in der untersten Schublade, falls Sie mal wieder die Neugier überkommt", sagte er.
Und dann drehte er sich mit dem Summton seines Rollstuhlmotors rechtsherum und verschwand.

--

INHALT:
Louisa Clark wohnt mit 26 Jahren noch bei ihren Eltern, hat einen schlecht bezahlten Job in einem Café, einen Sportfanatiker zum Freund, und in ihrem Leben eigentlich noch nichts erreicht. Als sie ihre Arbeit verliert, muss sie sich zwangsläufig eine neue Stelle suchen - und die einzige, die für sie in Frage kommt, ist die als Pflegehilfe bei dem im Rollstuhl sitzenden Will Traynor. Die beiden verstehen sich zu Anfang gar nicht. Doch mit der Zeit beginnen sie sich aneinander zu gewöhnen. Und zeigen sich schließlich gegenseitig die Möglichkeiten auf, die sie in ihrem Leben haben...

MEINE MEINUNG:
Jojo Moyes nimmt sich in ihrem Debütroman "Ein ganzes halbes Jahr" eines schwierigen und - besonders in Liebesromanen - nicht oft verwendeten Themas an, nämlich dem der Behinderung und dem Umgang damit. Die nicht davon betroffene Lou erzählt die Geschichte dabei aus der Ich-Perspektive, wobei sie ein paar Mal von einem anderen Berichterstatter abgelöst wird. Der Schreibstil der Autorin ist sehr einfühlsam und durchzogen von wunderschönen Beschreibungen und Formulierungen, die sich jedoch nie in den Details oder Fakten über die Behinderung verlieren.

Lou ist eine sympathische Protagonistin, in die man sich sofort komplett hineinversetzen kann. Ihr interessanter Modegeschmack und ihre freundliche, witzige Art machen sie interessant, in einigen Belangen ist sie jedoch sehr gehemmt und im Bezug auf ihr eigenes Leben weiß sie lange Zeit nicht recht, was sie eigentlich will. Im Laufe der Handlung macht sie eine deutliche Entwicklung durch und wird zu seinem Menschen, der für seinen Traum kämpft. Will Traynor dagegen ist ein sarkastischer und zynischer Mann, was man ihm bei seinem Leiden kaum verdenken kann. Er stößt andere weg und ist am liebsten für sich allein. Dies ändert sich jedoch, als er und Lou sich näher kommen - sodass er einem mit der Zeit immer lieber wird, bis man ihn am liebsten selbst nie wieder gehen lassen würde.

Aber auch die Nebencharaktere sind so gut ausgearbeitet, dass man bei jedem einzelnen schon nach wenig Zeit das Gefühl hat, ihn persönlich zu kennen. Da sind Wills verzweifelte Eltern, die alles tun für ihren Sohn und sich über die Trauer hinweg selbst nicht mehr ansehen können. Oder Louisas Eltern, einfache Menschen, die es oft gerade so schaffen, über die Runden zu kommen, die jedoch auf ihre eigene Weise immer für alle Familienmitglieder da sind. Ihre intelligente Schwester, in deren Schatten sie schon immer stand. Oder auch Nathan, Wills Pfleger, der auf seine witzige und sympathische Weise alles zusammenhält. Die Figuren sind toll gezeichnet und allesamt einzigartig, was die Besonderheit des Werkes noch unterstreicht.

Denn eines ist "Ein ganzes halbes Jahr" wirklich, nämlich, ich wiederhole mich, besonders. Zwar vielleicht nicht von der Grundidee her, die sehr an "Ziemlich beste Freunde" erinnert, aber dann auf jeden Fall vonseiten der Umsetzung. Diese ist feinfühlig und mitreißend, die einzelnen Komponenten tragen dazu bei, dass man mit dem Lesen überhaupt nicht mehr aufhören will und die emotionalen Momente - ob nun tragisch oder fröhlich - laden zum Mitfühlen ein. Die Liebesgeschichte entwickelt sich dabei extrem langsam, aber im genau richtigen Tempo, und wird niemals zu aufdringlich oder gar kitschig.

Denn im Vordergrund steht doch die Suche nach sich Selbst, das Finden des eigenen Glücks und die Frage: Ist es ein Leben, wenn man in diesem Leben praktisch nichts selbst ausführen kann? Der Autorin gelingt es mit der Wortgewalt ihrer Beschreibungen und ihrer Sensibilität im Bezug auf das gut recherchierte Thema, den Leser immer wieder zum Nachdenken anzuregen - besonders zum Ende hin. Dieses lässt dann sicherlich auch kein Auge trocken und ist noch einmal so mitnehmend, dass man am liebsten aufhören und von vorn anfangen würde, um den Abschied von den Charakteren hinauszuzögern. So oder so hatte ich selbst am Ende das Gefühl, viele gute Freunde gefunden zu haben, die mir sicherlich noch lange erhalten bleiben werden.

FAZIT:
Mit "Ein ganzes halbes Jahr" hat Jojo Moyes definitiv einen Volltreffer mitten ins Herz gelandet. Das Buch berührt, reißt mit und lässt lange nicht mehr los - die Charaktere, die Geschichte und die emotionalen Aspekte sind so wunderbar, dass man das Gesamtpaket einfach lieben muss. Ich bin begeistert und vergebe ganz klare 5 Punkte!

  (2)
Tags:  

  

 

Engelskrieger
LOVELYBOOKS-Statistik

(78)

179 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

engel, liebe, vampire, vergangenheit, erzengel

Engelskrieger

Nalini Singh , Cornelia Röser
Flexibler Einband: 423 Seiten
Erschienen bei Lyx, 01.05.2012
ISBN 9783802585968
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:  
Tags:  

  

 

Nur ein kleiner Sommerflirt
LOVELYBOOKS-Statistik

(34)

107 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

sommerflirt, israel, cbt verlag

Nur ein kleiner Sommerflirt

Simone Elkeles , Eva Müller-Hierteis
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei cbt, 09.04.2013
ISBN 9783570308615
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

"Ich soll dir von deinem Vater ausrichten, dass alle bei mir zu Hause zum Essen sind. Wenn du willst, dann komm mit."
Erst gehe ich ein Stück neben ihm her, doch dann bleibe ich stehen. "Warum hat er mir das nicht selbst gesagt?"
Avi wirft mir einen vernichtenden Blick zu. "Er wollte, dass ich mich bei dir entschuldige, weil ich dich an deinem ersten Abend beim Umziehen beobachtet habe."
"Und?"
"Israelis entschuldigen sich nicht für Dinge, die ihnen nicht leidtun."
--

INHALT:
Amy ist mit ihrem Leben in Amerika eigentlich ganz zufrieden, schließlich kann sie dort all ihre Leidenschaften voll ausleben. Dementsprechend wenig begeistert ist sie, als ihr Vater beschließt, sie für die dreimonatigen Sommerferien zu sich nach Israel zu holen. Amy fürchtet sich nicht nur vor dem fremden Land sondern auch vor Schlangen, Tieren...und Avi, arrogant, gemein - und zum Anbeißen. Während sie sich vehement dagegen wehrt, Israel lieben zu lernen, kommen die beiden sich immer näher, und Amy muss ihre Einstellung noch mal überdenken...

MEINE MEINUNG:
Simone Elkeles konnte in den letzten Jahren viele deutsche Leser mit ihrer "Du oder..."-Trilogie begeistern - auch mich. "Nur ein kleiner Sommerflirt" ist dagegen der erste Band ihrer am weitesten zurückliegenden Reihe und wird nun zum ersten Mal in unsere Sprache übersetzt. Erzählt wird das Ganze dabei ausschließlich aus Amys Sicht, der Schreibstil ist sehr jugendlich, umgangssprachlich und amerikanisch-schnoddrig, woran man sich erst einmal gewöhnen muss.

Protagonistin Amy ist eine Zicke wie sie - buchstäblich - im Buche steht: Arrogant, verzogen und faul. Dabei lässt sie ihre schlechte Laune gern an anderen aus, und Liebenswürdigkeit sucht man bei ihr fast vergeblich. Das ändert sich zum Ende zwar, allerdings hin so abrupt, dass es schon nicht mehr glaubwürdig ist, wodurch ich die gesamte Zeit über nicht mit ihr warm wurde. Avi ist ebenso selbstgerecht, dabei aber immerhin zwischenzeitlich ganz witzig. Allerdings wurde mir seine harsche Art viel zu dürftig erklärt - er bleibt die meiste Zeit über eher blass, besonders, als er sich vom arroganten Schönling in ein liebestolles Lämmchen verwandelt.

Die Nebencharaktere sind dagegen vor allem durch eine Sache in vielerlei Variationen geprägt: Klischees. Da ist die gutmütige, liebevolle Großmutter; die fiese Cousine und Rivalin; das freundliche Mädchen; der Kerl, der auf die fiese Cousine steht...Oh je! Zwar sind einige der Charaktere durchaus sympathisch und entlocken einem des Öfteren ein Grinsen, dennoch kann man sich mit keinem davon identifizieren, da sie alle so schemenhaft gezeichnet sind und vor Stereotypen nur so strotzen.

Vielleicht hätte "Nur ein kleiner Sommerflirt" nicht als Start von Simone Elkeles' "neuer" Trilogie angepriesen werden sollen - so ist Enttäuschung nämlich leider für alle Kenner vorprogrammiert. Die Charaktere können sich auf den 288 Seiten einfach nicht entwickeln, die Geschichte geht viel zu schnell voran und vor allem die Romantik lässt arg zu wünschen übrig. Amy und Avi sehen sich ein paar Mal und haben ein paar Wortgefechte, bevor sie mir nichts, dir nichts anfangen, herumzuknutschen und von der "großen Liebe" zu sprechen. Wo es der Autorin in den neueren Werken gelingt, einen mitfühlen zu lassen und vollkommen zu fesseln, da ist hier nur gähnende Leere.

Zudem stört der Schreibstil extrem: Nicht nur, dass sich die Protagonistin wie eine pubertierende 13jährige benimmt, genauso erzählt sie auch noch! Es kommen Begriffe wie "Matsch-Potato" vor [was in einer deutschen Übersetzung einfach fehl am Platz wirkt] oder der Begriff "sarkastisch" wird in einem völlig falschen Zusammenhang verwendet. Das Werk hat durchaus seine guten Momente, besonders, wenn Amy sich erneut in eine verzwickte Lage bringt und versuchen muss, da wieder herauszukommen. Das alles wird aber leider allzu oft überschattet von schrecklich viel Kitsch, unglaubwürdigen Dialogen oder nervigen Anwandlungen der Charaktere. Sehr schade!

FAZIT:
"Nur ein kleiner Sommerflirt" ist, anders als angepriesen, eben leider nicht die "neue" Serie der Autorin Simone Elkeles, und das merkt man auch. Das Ganze ist wenig ausgereift, die meiste Zeit über sehr nervig und durchsetzt mit ziemlich viel Kitsch. Ich kann an dieser Stelle eher die "Du oder..."-Reihe empfehlen, die ebenfalls bei cbt erschienen ist. Hierfür jedenfalls kann ich nur 2 Punkte vergeben.

  (6)
Tags:  

  

 

Immer wieder das Meer
LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

50 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

liebe, meer, italien, familiengeschichte, eifersucht

Immer wieder das Meer

Natasa Dragnic
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei DVA, 22.04.2013
ISBN 9783421045829
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

"Roberta", sagte er leise und folgte ihr unerschrocken.
"Lass mich in Ruhe! Am besten, du verschwindest wieder und lässt dich nicht mehr blicken, das kannst du ja sowieso am besten!"
"Und ich dachte, am besten kann ich Informationen liefern, die keinen interessieren..."
"Am besten kannst du Witze reißen, die keiner witzig findet!
Robertas Gesicht wurde immer nasser, ihr war kalt, und ihre Beine wurden mit jedem Schritt unsicherer. Der kurze Weg nach Hause kam ihr endlos vor. Bevor sie aber umfiel, spürte sie noch undeutlich Alessandros Arme um sich, die sie hochhoben und sicher in die Wärme brachten.

--

INHALT:
Roberta lernt auf einer Reise, die sie eigentlich mit ihrem Freund macht, den hübschen Alessandro Lang kennen und verliebt sich in ihn. Doch Differenzen zwischen ihnen zwingen sie immer wieder dazu, ihn aufzugeben, während auch ihre jüngere Schwester Lucia sich zu ihm hingezogen fühlt. Und auch das Nesthäkchen Nannina verbindet eine innige Freundschaft zu ihm. Zwischen den sich einst so nahe stehenden Frauen entbrennt eine alles verzehrende Rivalität. An deren Ende heiratet eine von ihnen Alessandro - doch welche? Und werden sie letztendlich wieder zueinander finden?

MEINE MEINUNG:

SCHREIBSTIL

Nataša Dragnić besitzt einen absolut ansprechenden Schreibstil voller Stilmittel, die sie geschickt einsetzt. Oftmals nutzt sie dabei - zum Beispiel für Streitgespräche - die Dialogform. Ihre Beschreibungen sind detailreich und schön formuliert, aber manchmal auch, je nachdem, in welcher Stimmung die erzählende Figur ist, abgehackt und hektisch; dies ist allerdings immer sehr passend. Außerdem bedient sie sich verschiedener Perspektiven und Zeitformen: Einerseits erzählt die Schwester, die Alessandro heiratet, im Präsens vom Tag der Hochzeit, andererseits berichtet eben diese auch im Präteritum von den Schicksalen ihrer Eltern. In den Kapiteln, über denen die Orte angegeben sind, an denen dieses spielt, kommt jede der Schwestern zu Wort, wodurch auf alle eingegangen wird.

CHARAKTERE
Roberta ist die älteste und, laut ihrer Familie, "die Perfekte" - eine Beschreibung, unter deren Druck sie sehr leidet. Sie erlebt einige Schicksalsschläge, deren Auswirkungen dem Leser nicht verborgen verbleiben. Durch ihr Leid ist sie dem Leser möglicherweise am nächsten. Die Mittlere, Lucia, ist eine Frau, die ihrer Einsamkeit mit Sex und möglichst wenig Gefühlen zu entfliehen versucht, was ihr nur selten gelingt. Und Nannina ist lange Zeit die sympathischste Schwester, weil sie so bodenständig scheint, wird jedoch zum Ende hin ein wenig egoistisch. Besonders gefielen mir die verschiedenen Facetten der Eltern, die immer für ihre Kinder da sind; die Begeisterung der Frauen für Alessandro konnte ich dagegen jedoch nicht nachvollziehen, weil man ihn nie wirklich kennenlernt - worin möglicherweise aber auch der Zauber liegt.

STORY
Die Geschichte selbst ist ebenso mitreißend und dramatisch wie nachdenklich stimmen, und manchmal auch geradezu witzig. Die Autorin verlässt sich nicht auf Stereotype, sondern kommt auch mal ab vom Weg - sei es nun, dass gleich zwei Schwestern verheiratete Männer dazu bringen, ihre Ehefrauen zu betrügen, oder dass es eben nicht immer die ganz große Liebe sein muss, um letztendlich [auf welche Weise auch immer] das Glück zu finden. Dabei ist es zwar beinahe etwas seltsam, dass sich tatsächlich alle drei Frauen zu Alessandro hingezogen fühlen, dies wird aber später auch thematisiert. Der einzige Kritikpunkt an der Geschichte ist, dass es meiner Meinung nach doch ein wenig zu viel Dramatik gibt - schon allein die Eltern haben insgesamt gleich drei Krankheiten und auch die Schwestern müssen einiges ertragen, wodurch das Ganze nicht immer komplett glaubwürdig wirkt.

SPASSFAKTOR
Allein die Zankereien der Schwestern unter sich machen dieses Buch aber definitiv lesenswert, und vor allem die Dialoge tragen zum Wohlgefühl bei, weil sie nicht nur aus Phrasen bestehen, sondern immer, egal wie knapp oder lang sie sind, einen Einblick in die Figuren und deren Geschichten geben. Dramen, Familie, Tragödien und Liebe wechseln sich sehr gut ab, wodurch der Leser beinahe die gesamte Zeit über sehr gefesselt ist. Außerdem spielt die Story über seinen so langen Zeitraum, dass einige bekannte Dinge vorkommen - beispielsweise der WM-Sieg Deutschlands 1990. Und auch, wenn ich persönlich sehr schnell wusste, welche Schwester letztendlich den begehrten Alessandro heiraten würde, so gibt das Rätselraten doch noch ein wenig Würze und hält den Spannungsbogen kontinuierlich oben.

FAZIT:
Nataša Dragnićs "Immer wieder das Meer" ist ein schöner, trauriger, nachdenklich stimmender und sehr zufriedenstellender Roman über Familie, Freundschaft und das Leben. Wer nach guter Erwachsenenliteratur sucht, ist hiermit gut beraten! 4 Punkte.

  (1)
Tags:  

  

 

Artikel 5
LOVELYBOOKS-Statistik

(57)

173 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

dystopie, regeln, gewalt, moralmiliz, jugendbuch

Artikel 5

Kristen Simmons , Frauke Meier
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei IVI, 01.04.2013
ISBN 9783492702867
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Plötzlich kehrte Stille ein. Es war, als hätten wir ein unsichtbares Kraftfeld durchquert. Der Lärm der Menge auf dem Platz hielt immer noch an, aber in der Gasse herrschte vollkommene Stille, abgesehen von dem Rascheln einiger Ratten, die hinter einem überquellenden Müllcontainer verschwanden. Ich sah ein oder zwei Leute, die uns nachblickten, als ich fortgeschleppt wurde, aber auch, wenn sich ihre Augen kurz weiteten, wandten sie den Blick furchtsam gleich wieder ab.
Ich war allein mit dem Soldaten.

INHALT:
Seit dem Ende des Krieges drei Jahre zuvor ist nichts mehr, wie es einmal war - viele Städte sind zerbombt und wurden evakuiert und die Macht besitzt nun das Federal Bureau of Reformation. Dieses hat Artikel erlassen, die von der Bevölkerung einzuhalten sind, andernfalls drohen Geldbußen oder sogar der Tod.
Eines Tages stehen Soldaten vor der Tür der jungen Ember - und nehmen sie und ihrer Mutter in Gewahrsam wegen Verstoßes gegen Artikel 5. Denn Ember ist ein uneheliches Kind und damit kein vollwertiger Staatsbürger. Mutter ud Tochter werden getrennt, und das junge Mädchen kommt in eine Schule zur Resozialisierung, wo sie Schikane und Gewalt erwarten. Schnell ist Ember klar, dass sie fliehen muss, koste es, was es wolle...

MEINE MEINUNG:
Kristen Simmons Trilogie-Auftakt "Artikel 5" hebt sich definitiv von anderen Dystopien ab, das wird schnell klar. Schon die oft schonungslose Brutalität, der geringe Romantik-Anteil und das unverkitschte System machen dies sehr deutlich. Zudem bedient sich die Autorin eines gefühlvollen, flüssigen, detailreichen und sehr atmosphärischen Schreibstils, der einem die Ich-Erzählerin Ember schnell näher bringt.

Diese ist anfangs ein eher unsicheres und ängstliches Mädchen, das sich, um nicht gegen einen der Artikel zu verstoßen, eher im Hintergrund hält. Sie beweist zwar von Anfang an Mut, ist aber ansonsten eher etwas naiv und weinerlich. Dies ändert sich im Verlauf der Handlung jedoch stark und aus ihr wird eine starke und sehr sympathische Kämpferin, die man gut verstehen kann. Chase, Embers ehemaliger Kumpel und ihre große Liebe, eingezogen vom Militär und nun zurück, ist ihr Helfer in der Not, aber auch derjenige, der sie immer wieder zurückstößt. Dennoch schließt man ihn als Leser schnell ins Herz, ist doch immer klar, dass er gute Absichten und das Wohlbefinden seiner Lieben im Sinn hat.

Da sich die Story zum größten Teil auf die Suche nach Embers Mutter beschränkt, gibt es recht wenige Nebencharaktere - diese sind aber für ihre wenige Präsenz durchaus glaubwürdig gezeichnet. Einige Figuren, denen man am Anfang begegnet, tauchen später auch noch einmal auf und werden für die Geschichte enorm wichtig. Im Gedächtnis bleibt einem aber wohl am meisten der skrupellose Soldat Tucker, der ohne Rücksicht auf Verluste und mit erschreckender Emotionslosigkeit nur auf sein Weiterkommen auf der Karriereleiter aus ist. Dabei ist er zwar ein wenig klischeehaft gezeichnet, aber seine böse Art macht ihn dennoch sehr faszinierend.

Während das neue System, das in Dystopien ein Muss ist, in anderen Werken dieses Genres oftmals [zumindest anfangs] ein akzeptiertes Gut ist, so ist der Protagonistin in "Artikel 5" doch von Anfang an mehr oder weniger bewusst, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Auch, wenn ihr die Ausmaße nicht komplett klar sind. So dauert es auch nicht lange, bis hier das erste Mal rebelliert wird, und das gefällt. Der Autorin gelingt es überragend gut, Spannung aufzubauen und den Lesern zu fesseln, dabei aber eigentlich immer glaubwürdig zu bleiben - selbst dann, wenn es, vor allem menschlich gesehen, brutal wird.

Und auch die Liebesgeschichte weiß zu überzeugen - denn Ember liebt Chase bereits, als sie ihm wieder begegnet, und so gibt es hier keine überstürzten Gefühle auf den ersten Blick. Stattdessen darf der Leser ein sehr schönes, langsames und kaum kitschiges Herantasten erleben, das in seinem geringen, aber doch romantischen, Vorkommen überzeugt. Auch das Finale wirkt durchdacht und glaubwürdig, dabei bleiben die Spannung und auch ein kleines bisschen Herzschmerz nicht auf der Strecke. Das Ganze mündet in einen neugierig machenden Schluss ohne Cliffhanger, der absolut überzeugt - und ganz sicher klar macht, dass Band 2 ein definitives Muss ist.

FAZIT:
"Artikel 5" ist von der Ausarbeitung her eine Dystopie, an der sich andere Autoren ein Beispiel nehmen könnten - durchdacht, spannend und logisch erzählt Kristen Simmons hier eine Geschichte, die nicht mehr loslässt. Die Romantik spielt dabei eine untergeordnete Rolle, weiß aber dennoch zu überzeugen, und die Charaktere machen glaubwürdige Entwicklungen durch, sodass sie für den Leser verständlich sind. Eine klare Leseempfehlung und sehr gute 4,5 Punkte von mir, hier aufgerundet auf 5.

  (2)
Tags:  

  

 

Auracle
LOVELYBOOKS-Statistik

(61)

142 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

seele, astralkörper, rei, leben nach dem tod, seelenwanderung

Auracle

Gina Rosati
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ars edition, 01.02.2013
ISBN 9783760789071
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Aus dem unteren Stock kommt der Geruch von Kaffee. Ich folge ihm nach unten in die Küche, wo Taylors Eltern um zwei stumme Handys herumschleichen, die auf zwei großen Arbeitsplatten aus Granit liegen. In ihren Auren mischen sich Wut, Sorge und Hoffnung. Wenn ich mich jetzt materialisieren und ihnen erzählen könnte, was mit ihrer Tochter passiert ist, würde ich es tun? Oder würde ich ihnen ihren winzigen Hoffnungsschimmer ein kleines bisschen länger lassen?
Es ist eine lächerliche Frage, denn die beiden können mich ohnehin nicht sehen und Taylor ist nun einmal tot. Trotzdem...
Ich würde ihnen ihr kleines bisschen Hoffnung lassen.
--

INHALT:
Seit sie denken kann besitzt Anna die Fähigkeit des Astralreisens - sie kann ihre menschliche Hülle verlassen und ohne Körper an die verschiedensten Orte reisen. Doch als sie so einmal wieder unterwegs ist, passiert etwas Schreckliches: Schulkameradin Taylor stirbt und deren Seele nistet sich in Annas Körper ein! Annas einzige Hilfe ist Rei, ihr bester Freund, doch Taylor versucht indessen, diesen zu verführen...

MEINE MEINUNG:
Gina Rosatis "Auracle" handelt vom Astralreisen und bedient sich da eines nicht ganz neuen, aber doch noch relativ frischen, Handlungsstranges: Dem der Inbesitznahme des eigenen Körpers durch eine andere Person. Hierbei wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur erzählt, der Schreibstil ist jugendlich und gut zu lesen. Ein wenig albern fand ich jedoch die strikte Vermeidung von Schimpfwörtern - gibt es irgendwelche Jugendlichen, die nicht damit um sich schmeißen? In einer Tour muss das ja nicht sein, aber diese Lösung ist meiner Meinung dafür eher wenig glaubhaft.

Protagonistin Anna ist sympathisch und nett, durchaus ein Charakter zum Identifizieren und insgesamt jemand zum lieb haben. Ihre sensible, aber zumeist fröhliche, Art bringt einen des Öfteren zum Lachen - nur ihr schwieriger Hintergrund kommt meiner Meinung nach in ihrer Persönlichkeit nicht genug zum Tragen, wenn man bedenkt, welche Rolle dieser im Laufe der Handlung noch spielt. Ihr bester Freund Rei zeichnet sich vor allen durch seinen übergroßen Beschützerinstinkt aus, der manchmal ein bisschen nervt. Ansonsten aber ist er ein ruhiger, liebevoller Junge, den man aufgrund seiner freundlichen Art gut leiden kann.

Die zickige Taylor, eingebildet und von sich selbst überzeugt, ist der typische Antagonist, den man nicht leiden kann und zum Teufel wünscht. Auch wenn mir ihr Charakter als ichbezogene, hübsche Schnepfe manchmal etwas zu übertrieben erschien, so erfüllt dies doch seinen Zweck: Man hofft, genau wie Anna, dass sie schnellstmöglich wieder aus deren Körper verschwindet. Die sonstigen Figuren sind recht interessant und durchaus glaubwürdig gestaltet, besonders der wütende Seth, bleiben aber die meiste Zeit über eher blass.

Gina Rosati versteht es, durch verschiedene Handlungsstränge Spannung aufzubauen und den Leser zu fesseln. Es gibt nämlich nicht nur das Problem, dass Annas Körper von einer anderen Person besetzt worden ist und dass das junge Mädchen sich in seinen besten Freund verliebt, sondern auch familiäre Probleme, die Polizei, ein paar Intrigen und eine Gerichtsverhandlung spielen eine größere Rolle. Zwischenzeitlich wird das alles ein wenig viel auf einmal, insgesamt halten sich die verschiedenen Aspekte aber gut die Balance. Und auch die Liebesgeschichte ist durchaus niedlich und romantisch, nimmt aber vor allem keinen allzu großen Platz ein. Störend ist hierbei nur, dass Anna sich mehr oder weniger erst verknallt, als sie bemerkt, wie durchtrainiert Rei ist...

Fesselnd ist der Roman also fast durchweg, und auch die Astralreisen tragen da ihren Teil zu bei. Annas Ausflüge an wunderschöne Orte sind nett zu beobachten, ebenso ist es auch ihre Entwicklung vom eher unsicheren Mädchen zu einer starken jungen Frau, die sich etwas zutraut. Schade fand ich allerdings, dass auf die Auren, die sie sehen kann, wenn sie nicht in ihrem Körper ist, nicht weiter eingegangen wird. Darüber kann man aber hinwegsehen, denn der Autorin gelingt es ansonsten, gut zu unterhalten. Gegen Ende wird das Spannungslevel noch einmal angehoben und die Probleme letztendlich insgesamt nicht überraschend, aber auf jeden Fall zufrieden stellend zu lösen, sodass letztendlich ein positives Gefühl bleibt.

FAZIT:
"Auracle" von Gina Rosati besitzt keine übermäßig originelle Grundidee, aber sehr interessante Ansätze, wenn auch einige Thematiken sehr klischeehaft sind. Die Charaktere selbst laden durchaus zum Mitfühlen ein und der Roman ist die meiste Zeit über recht spannend - ein sehr nettes Buch für Zwischendurch eben. 3,5 Punkte!

  (0)
Tags:  

  

 

Partials - Aufbruch
LOVELYBOOKS-Statistik

(67)

182 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 51 Rezensionen

dystopie, partials, jugendbuch, medikament, ungekürzt

Partials - Aufbruch

Dan Wells , Jürgen Langowski
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei IVI, 01.03.2013
ISBN 9783492702775
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Hinter ihnen explodierte die Brücke in einer riesigen und so gleißenden Feuerkugel, dass Kira sogar hinter dem Lastwagen die Augen schmerzten. Die Fahrbahn erbebte, Autos flogen durch die Luft, und die Druckwelle stieß den Lastwagen, der seinerseits die Flüchtlinge über den Asphalt schob, drei Meter weiter. Kira ließ das Funkgerät fallen und hielt sich die Ohren zu. Als die Druckwelle nachgelassen hatte, torkelte sie aus der Deckung und sah sich um.
Zwanzig Meter vor ihnen, dicht vor dem nächsten Träger, war die Brücke verschwunden.

INHALT:
Einst wurden die Partials geschaffen, Supersoldaten, um für die Menschen einen Krieg zu gewinnen und die Welt besser zu machen. Doch dann richteten sie sich gegen ihre Schöpfer und richteten fast die gesamte Art zugrunde. Nur noch wenige tausend Überlebende haben es sich nun auf Long Island eingerichtet. Doch auch wenn seitdem kein Partial mehr gesichtet wurde, so gibt es doch noch ein anderes Problem: Aufgrund einer Krankheit können keine Kinder mehr nach ihrer Geburt überleben. Die junge Kira sieht die einzige Chance darin, einen Partial zu finden und das Geheimnis seiner Immunität zu lüften - doch damit begibt sie sich in große Gefahr...

MEINE MEINUNG:

Dan Wells konnte mich mit seinem Debüt "Ich bin kein Serienkiller", das vor einigen Jahren erschien, nicht überzeugen. "Partials" geht nun aber in eine gänzlich andere Richtung, nämlich die der Dystopien, was sehr anspricht. Dabei verfolgt der Autor zwei unterschiedliche Ansätze - es geht nicht nur um ein neues System, das das Volk unterdrückt, sondern ebenso um eine Krankheit, die die Vermehrung der Menschen verhindert. Erzählt wird die Geschichte dabei aus der personalen Sicht der 16-jährigen Kira, der Schreibstil ist anschaulich und mit medizinischen Details gespickt, die so gut wie nie verwirrend werden.

Kira ist eine angenehm erwachsen wirkende Protagonistin, dafür, dass sie noch so jung ist. Das mag auch daran liegen, dass die Menschen in dieser Dystopie sehr früh Verantwortung für sich selbst übernehmen mussten und müssen. So erscheint Kira von Anfang an sehr reif und nachdenklich, nur wenn das Gespräch auf Familie kommt, wird sie recht unsicher. Die übrigen Charaktere, wie ihr Freund Marcus, oftmals mit einem frechen Spruch auf den Lippen; ihre Schwestern; der zur Abwehr gehörende Jayden oder der sympathische, wenn auch überwiegend emotionslose, Samm gehören zur Geschichte dazu und tragen oftmals einen wichtigen Teil dazu bei - allerdings blieben sie mir alle, auch Kira manchmal, seltsam fern, weswegen ich mich nicht immer in das Werk hineinfinden konnte.

Die Story selbst ist interessant und das System wohlüberlegt und wirklich gut aufgebaut. Zwar gibt es die typischen Elemente, diese werden aber gut mit neuen Ideen verknüpft. Dan Wells gestaltet seinen Roman medizinischer als es viele sonstige Dystopien sind. Diese Details sorgen dafür, dass das Ganze sehr glaubwürdig wirkt. Allerdings gibt es besonders im ersten Drittel sehr viele Längen. Hauptperson Kira kehrt oft zu ihrem Ausgangspunkt zurück oder beginnt ihre Gedankengänge, die sie wenige Seiten zu vor hatte, erneut. Die Figuren müssen natürlich eingeführt werden, dies geschieht allerdings etwas zu ausführlich, wodurch man als Leser anfangs nicht wirklich gefesselt ist.

Dies ändert sich, als die Suche nach einem Partial für die Forschung nach einem Gegenmittel beginnt. Die Action kommt hier nicht zu kurz und es wird zwischendurch wirklich mitreißend, besonders, als im Laufe der Handlung immer mehr Geheimnisse aufgedeckt, aber auch neue Fragen aufgeworfen werden. Es gibt ein paar überraschende Wendungen und bis zum nervenaufreibenden Schluss bleibt der Spannungsbogen überwiegend im oberen Bereich. Abgeschlossen wird der 1. Band der Trilogie mit einem zufriedenstellenden Ende ohne Cliffhanger. Da aber viele Fragen offen bleiben und eine neue Reise bevorsteht, wird definitiv die Neugierde geweckt.

FAZIT:
Teil 1 der "Partials"-Reihe von Dan Wells, "Aufbruch", überzeugt besonders im medizinischen Bereich mit den Fakten und insgesamt mit den Geheimnissen, deren Lösung man unbedingt wissen möchte. Die Figuren blieben mir persönlich aber zu fern und der Beginn war mir zu langatmig, um das Buch als wirklich gut beschreiben zu können. Lesenswert ist es jedoch definitiv - und vom Nachfolger erhoffe ich mir eine deutliche Steigerung. 3,5 Punkte!

  (1)
Tags: dystopie, krankheit, medikament, partials, reise, suche, unterdrückung   (7)

  

 

Verflucht
LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

68 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

liebe, moor, hexen, dorf, spannung

Verflucht

Victoria Schwab , Julia Dr. Walther
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.04.2013
ISBN 9783453534315
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Ich nehme den südlichen Weg, der sich um den Dorfplatz herumwindet und den Dreska zuvor auch gegangen ist. Es ist ein kurviger Pfad, deshalb werden ihn die Männer niemals wählen, und wenn ich mich ein bisschen beeile, schaffe ich es vielleicht vor ihnen zu den Schwestern.
Während ich am Rand des Dorfes entlang renne, sehe ich Cole vor mir, wie er mit leuchtenden Augen aus dem Dunkel des Moores auftaucht, bis der Wind durch ihn hindurchfährt und er sich auflöst, wie Rauch.
Ich schiebe den Gedanken beiseite und wende mich nach Osten.

--  

INHALT:
Ein junger Fremder taucht in Lexis Heimatdorf auf, und zeitgleich damit verschwinden Kinder auf mysteriöse Weise aus ihren Betten. Die Bürger sind sich des Schuldigen sicher, doch Lexi hat Zweifel. Was, wenn die einst gefürchtete Hexe von Near wieder auferstanden ist und nun erneut ihr Unwesen treibt? Gemeinsam mit Cole macht sie sich auf die Suche nach Antworten und den vermissten Kindern - kommt dabei aber nicht nur ungeahnten Gefühlen, sondern auch einigen großen Geheimnissen, auf die Spur...

MEINE MEINUNG:
Victoria Schwab nimmt sich in ihrem Fantasy-Roman "Verflucht" dem Thema der Hexen an, wobei sie auch das Misstrauen der Menschen gegenüber Fremden zu einem wichtigen Aspekt macht. Das Buch spielt in einem vergangenen Jahrhundert, was an vielen Details deutlich wird, das genaue Datum wird aber nie genannt. Der Schreibstil ist dabei flüssig und gut verständlich, verwoben mit schönen, detailreichen Beschreibungen und kein bisschen altmodisch, weswegen auch Leser, denen das Genre Historie nicht zusagt, mit diesem Buch durchaus richtig beraten sind.

Lexi ist eine recht sympathische Protagonistin mit einer großen Willenskraft und sehr viel Mut. Zwischenzeitlich erschien sie mir allerdings fast schon zu perfekt - sie wird gleich von zwei Jungen umworben, kann Spuren lesen, ist ausdauernd und kämpferisch...So mag man sie zwar, aufgrund ihrer kaum vorhandenen Fehler kann man sich aber wenig mit ihr identifizieren. Der Fremde, Cole, ist eher mysteriös und schweigsam, seine interessante Geschichte erfährt man circa nach der Hälfte des Buches. Er scheint ein netter Junge zu sein und seine Art ist liebevoll und freundlich, komplett überzeugen kann jedoch auch er nicht, weil er zu blass bleibt.

Im Gegensatz dazu gefielen mir die Hexen-Schwestern Dreska und Magda ausnehmend gut, die eine Hilfe für Lexi und im Grunde auch ihre einzigen Vertrauten sind. Die beiden sind unglaublich alt, aber dennoch schlagfertig, dabei geheimnisvoll, gelassen und irgendwie herrlich schrullig. Schade ist jedoch, dass man insbesondere die Freunde von Lexi nicht wirklich kennen lernt, weil diese nur in Ansätzen - beste Freundin, besitzergreifender Junge - charakterisiert werden. Und auch die Hexe von Near bleibt einem sehr fern, weil sie selten auftaucht und eher im Verborgenen bleibt.

Die Story rund um Hexen und ein Dorf voller misstrauischer Bürger zieht dagegen von Anfang an in den Bann. Victoria Schwab versteht es, den Leser schnell zu fesseln und in ihre Welt hineinzuziehen. Dabei lässt sie die phantastischen Elemente einfließen, statt sie dem Leser andauernd vor Augen zu halten, was sehr erfrischend ist. Die Geschichte lebt insbesondere von der Sage um die Hexe von Near, den Kinderreimen und Gedichten. Große Geheimnisse gibt es nicht zu entdecken, eher sind es die Hintergrundinformationen, die für Spannung sorgen. Allerdings hatte ich manchmal das Gefühl hat, dass kaum etwas wirkliches passiert, außer, dass die Figuren zwischen dem Dorf, dem Haus der Schwestern und dem Hexenwald permanent hin und her laufen.

Die Liebesgeschichte selbst ist ganz niedlich, aber nicht wirklich mitreißend. Zum Glück nimmt sie jedoch auch keinen großen Teil ein, wird nur an einer Stelle kurz etwas kitschig und hält sich ansonsten angenehm im Hintergrund. Die Anziehung zwischen Cole und Lexi geht, wie so oft, etwas zu schnell, dies ist aber zu verzeihen. Weniger schön fand ich, dass der groß angekündigte Showdown so schnell wieder vorbei ist; es gibt keinen großen Kampf oder wenigstens ein paar Enthüllungen über die Motive. Stattdessen wird das Finale auf 2 Seiten abgehandelt, bevor es in einen fröhlichen Schluss mündet, der zwar sehr liebenswürdig ist, aber nicht über die leise Enttäuschung davor hinweghelfen kann.

FAZIT:
Victoria Schwabs "Verflucht" hat eine tolle Grundidee, in der die Sage um eine schon längst verstorbene Hexe zu neuem Leben erwacht. Leider wirken viele der Figuren jedoch eher blass, und obwohl der Roman fast durchweg spannend ist, enttäuscht besonders der Schluss, der definitiv zu schnell abgehandelt wird. Von der Autorin möchte ich mehr lesen, hier allerdings hätte noch etwas gefeilt werden können. 3,5 Punkte, hier abgerundet auf 3.


  (1)
Tags:  

  

 

Enshadowed
LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Enshadowed

Kelly Creagh
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Simon & Schuster, 28.08.2012
ISBN 9781442402041
Genre: Sonstiges

Rezension:

Leaning back again, Isobel shut her eyes and, releasing a sigh, rested the back of her head against the tomb.
More than anything, it felt as if she'd been delivering a final speech. Her last words to herself.
For herself. For the girl she'd once been but could never again resurrect, the girl her father had been so afraid of losing and had lost anyway.
But, Isobel thought with a bleak and sad smile, what better place to bury what was dead than in a cemetery?

--

INHALT:
Isobels große Liebe Varen ist in seiner eigenen Traumwelt gefangen, nachdem sie den einzigen Weg dorthin zerstört hat, im Glauben, er sei bereits wieder in der Realität. Ihre einzige Möglichkeit ist es nun, Reynolds zu finden, den Mann, der zwischen den beiden Welten hin- und herwechseln kann. Doch dunkle Wesen verfolgen sie - und außerdem ahnt sie nicht, dass Lilith noch immer intensiv daran arbeitet, Varen in ihren Bann zu ziehen...

MEINE MEINUNG:
Kelly Creaghs "Nevermore" konnte mich letztes Jahr mit seiner melancholischen, düsteren und phantastischen Art absolut begeistern, sodass "Enshadowed", da es auf Deutsch nicht übersetzt wird, nun unbedingt im Original her musste. Die Grundstimmung im 2. Band ist von Anfang an um einiges dunkler, zwischenzeitlich beinahe schon depressiv, womit man umgehen können muss. Erzählt wird das Werk wieder aus der personalen Sicht von Isobel, wobei sowohl im Prolog als auch im Epilog eine andere Figur zu Wort kommt. Der Schreibstil ist gewohnt schnörkellos schön und vor allem eindringlich - es ist, als wäre man dabei.

Isobel hat sich stark verändert, was sehr schnell klar wird. Sie ist nicht mehr das fröhliche Cheerleader-Mädchen vom Anfang - mittlerweile ist sie eine Außenseiterin, deren große Liebe verschwunden ist, während sie ihn als Letzte gesehen hat. Sie konzentriert sich hauptsächlich auf die Frage, wie sie zu Varen kommt und wirkt oftmals sehr traurig, dabei bleibt sie aber stets nachvollziehbar. Das exakte Gegenteil ist da ihre beste [und einzige] Freundin Gwen, die einen mit ihrer fröhlichen und hilfsbereiten Art immer wieder für sich einnehmen kann. Sie ist der eindeutige [und ebenfalls fast einzige] Lichtblick und lockert das Geschehen immer wieder auf.

Isobels Eltern sind seit der Halloween-Nacht, die sie laut einer Lüge bei Gwen verbringen wollte und in der Varen verschwand, überfürsorglich und lassen ihr kaum Freiheiten. Die Sichtweisen der beiden werden gut deutlich und sind, obwohl sie Isobels Leben noch schwerer machen, durchaus nachvollziehbar - nur ihre Mutter schien mir zwischenzeitlich etwas zu sehr dagegen, während mir der Vater regelrecht leid tat. Varen selbst taucht nur in wenigen Szenen auf, es wird aber deutlich, dass er sich definitiv zum eher düsteren Bereich hin entwickelt, was einem mitunter regelrecht Angst und Bange werden lässt. Ist für ihn ein Happy End möglich?

Der Autorin gelingt es auch dieses Mal wieder, den Leser zu fesseln und völlig in die Welt eintauchen zu lassen, die Protagonistin Isobel selbst noch zu verstehen versucht. Bösartige oder in Rätseln sprechende Nocs, undurchschaubare Helfer und zu viel wissende Ex-Freunde sind da nur ein paar wenige Probleme, die für einiges an Verwirrung sorgen, weil man nie weiß, wem man trauen kann. Immer wieder geschehen mysteriöse Dinge, von denen viele nicht erklärt werden können - was für einiges an Spannung sorgt. Gleichzeitig wird allerdings auch zu viel Zeit auf die Frage verwendet, wie Isobel nach Baltimore kommen soll, um dort Reynolds zu treffen. Dadurch kommen das ein oder andere Mal Längen auf, die nicht hätten sein müssen.

Schade ist besonders für Fans von Varen, dass er hier kaum Platz findet. Dies ist zwar logisch, da Isobel schließlich auf der Suche nach ihm ist, dennoch fehlt er, machte er doch eigentlich einen großen Teil des Reizes aus. In Sachen Romantik geht es hier also nicht voran, irgendwie ist das aber auch wieder erfrischend. So wird sich darauf konzentriert, dass es irgendwie gelingen muss, Varen aus der Traumwelt zu befreien, egal, was es kostet. Auf diese Weise wird es auf den letzten 100 Seiten noch einmal richtig spannend; so spannend, dass man das Werk keine Sekunde mehr weglegen will - bis zum wie schon im Vorgänger schockierenden, entsetzt zurücklassenden Cliffhanger am Schluss, der gleichzeitig perfekt und doch unfassbar ärgerlich ist...

FAZIT:
"Enshadowed" von Kelly Creagh ist nicht ganz so gut wie "Nevermore", kann aber wieder durch die Figuren und den wunderbaren Schreibstil punkten. Varen fehlt ein wenig, kommt aber hoffentlich in Band 3 wieder öfter vor - dieser soll aber wahrscheinlich erst im Sommer 2014 erscheinen. Jetzt heißt es also: Lange, lange warten. Bis dahin gibt es von mir weiterhin eine Empfehlung für die gesamte Reihe; auch auf Englisch, denn dieses ist nicht schwer und gut zu lesen. 4 Punkte für den 2. Teil!

  (1)
Tags:  

  

 

Because of you
LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

liebe, scheidung, leben, colby, freundschaft

Because of you

Sarah Dessen , Gabriele Kosack
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.06.2012
ISBN 9783423782685
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Ich versuchte, mich so klein wie möglich zu machen, doch genau in dem Moment, als er vorbeilief, sah er zu mir. Bitte, geh einfach weiter, dachte ich und richtete meine gesammelte Aufmerksamkeit auf das karierte Hemd eines Mannes, der vor mir herlief.
Doch Eli war ganz offenkundig sehr anders als sein Bruder, zumindest wenn es darum ging, Signale zu deuten. Und vor allem, darauf einzugehen. Keine unflätigen Bemerkungen, nichts, kein Wort. Im Gegenteil, er würdigte mich nicht mal eines zweiten Blickes, sondern ging seelenruhig vorbei.

--

KLAPPENTEXT:
Ziellos läuft Auden jede Nacht durch Colby, eine Kleinstadt am Meer, wo sie ihren Vater und seine neue Frau besucht. Sie schläft nicht mehr, seit sie als Kind wach blieb, um die Streitereien ihrer Eltern zu verhindern. Bei ihren Streifzügen trifft sie auf Eli, Einzelgänger und Nachtwanderer wie sie. Mit ihm holt sie ihre verpasste Kindheit nach, aber auch Elis Seele ist verwundet...

MEINE MEINUNG:
Sarah Dessen greift - wie immer in ihren Büchern - auch in "Because of you" ein wichtiges Thema auf, das sie dem Leser feinfühlig und anschaulich nahe bringt. Dieses Mal geht es um Scheidung, um Selbstfindung, Egoismus und Familie. Sie erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive der jungen Auden, die, bevor sie aufs College geht, einen Sommer bei ihrem Vater und dessen neuer Frau und Tochter verbringt. Dabei ist der Schreibstil wie immer flüssig zu lesen und sehr bildlich, sodass man sich schnell in das Geschehen fallen lassen kann.

Auden ist anfangs ein sehr schwieriger Charakter, bei dem man des Öfteren die Augen verdreht. Zur Selbstständig- und Zielstrebigkeit erzogen, ist ihr liebstes Hobby das Lernen, Freizeitaktivitäten kennt sie kaum. Sie fühlt sich anderen Menschen überlegen und sieht sich selbst, sobald sie jemandem Hilfe anbietet, als die reinste Samariterin - was ziemlich nervt. Sie macht jedoch etwa ab Mitte des Buches eine nachvollziehbare Entwicklung durch, wodurch man sie schließlich auch ins Herz schließt. Eli, den sie auf den dunklen Straßen Colbys trifft und der ebenso ein Nachtaktiver ist, ist einem dagegen vom ersten Moment an sympathisch. Er ist witzig, freundlich und absolut gutmütig, wenn ihn auch Schuldgefühle plagen wegen einer Sache, die ihn seit einem Jahr nicht mehr loslässt.

Anstrengend wie Auden sind allerdings wieder ihre Mutter und ihr Vater. Die eine kühl, unnahbar und abschätzig; der andere egoistisch, egozentrisch und insgesamt ein ziemliches Ekelpaket. Letzteren konnte ich besonders wenig leiden, beide Charaktere werden aber dennoch sehr lebendig gestaltet. Am besten gefielen mir aber definitiv Maggie, Leah und Esther, drei Mädchen, mit denen sich Auden im Laufe der Zeit anfreundet und die für einige witzige Gespräche sorgen, sowie die Kumpels Adam und Wallace, die einen ebenfalls immer wieder zum Lachen bringen.

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt und nicht überragend originell, aber doch sympathisch. Das Problem bei Sarah Dessen-Büchern ist eben leider, dass sie sich alle auf die ein oder andere Art ähneln: Protagonisten haben Probleme, entwickeln sich weiter, es gibt eine Liebesgeschichte und zum Ende hin einen Wendepunkt. Dennoch gelingt es der Autorin sehr gut, einen mit dem Schreibstil und der tollen Dialoge zu fesseln. Zudem beschreibt sie auch die Selbstfindung, die Art der Veränderungen und die Wichtigkeit von Familie und Freunden wunderbar authentisch und glaubwürdig.

Die Liebesgeschichte ist nicht besonders intensiv und eher weniger romantisch, aber Auden und Eli passend zueinander, weshalb man gern von ihren gemeinsamen Aktivitäten liest - die übrigens keinesfalls mit denen anderer Paare zu vergleichen sind, was sehr gefällt. Ansonsten gibt es noch eine gehörige Portion familiäre Probleme, die aber gut gelöst werden, sowie Witz, Tiefe und ein wenig Ernsthaftigkeit. Und wie immer wurde auch hier ein kleines Schmankerl für Fans der Bücher der Autorin eingebaut - wer "About Ruby" vor diesem Werk hier gelesen hat, wird das kleine Detail schnell entdecken. Einfach schön!

FAZIT:
Sarah Dessen hat mit "Because of you" mal wieder einen tollen Jugendroman geschrieben, der zwar witzig und unterhaltsam ist, aber auch berührt und an einigen Stellen in die Tiefe geht. Das einzige Problem ist leider die Vorhersehbarkeit, darüber kann man allerdings hinwegsehen. Wie jedes ihrer Bücher definitiv lesenswert. 4 Punkte!

  (4)
Tags:  

  

 

Deine Augen, dein Tod
LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Deine Augen, dein Tod

William H. Richter
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Fischer FJB, 01.02.2013
ISBN 9783841421456
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

"Ochee chornya...", flüsterte Wally.
"Was?", flüsterte Ella zurück. "Was heißt das?"
Dunkle Augen, dachte Wally, ohne es laut auszusprechen. Dunkle Augen, genau wie meine.
In der Ferne waren Polizeisirenen zu hören. Die beiden Männer gaben die Suche auf und liefen ostwärts die 87th Street entlang von der Bank weg, wo Wally und ihre Crew zusammengekauert, atemlos und zitternd saßen.
"Sie werden zurückkommen", sagte Wally. "Wir können nicht mehr hierbleiben."

--

INHALT:
Obwohl sie von einer liebevollen Familie adoptiert wurde und behütet aufgewachsen ist, ist die junge Wally zu einer wütenden, trotzigen Jugendlichen geworden, die auf der Straße lebt. Als sie Informationen über ihre leibliche Mutter erhält, macht sie sich auf die Suche. Doch sie ist nicht allein - ein Mann ist hinter ihr und ihrer Familie her, und er besitzt die gleichen Augen wie sie...

MEINE MEINUNG:
Drehbuchautor William Harlan Richter hat sich mit "Deine Augen, dein Tod" zum ersten Mal ans Schreiben eines Buches gewagt und sich dabei das Genre des Jugendthrillers ausgesucht. Der Roman sticht vor allem durch seine russische Hintergrundthematik aus der Masse hervor. Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich aus der personalen Sicht der Hauptfigur, zwischenzeitlich kommen allerdings auch ein Kommissar und ein Killer zu Wort. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und überzeugt besonders bei den Umgebungsbeschreibungen, wirkt allerdings für Straßenkinder und Verbrecher manchmal etwas zu geschliffen.

Wally ist mit ihrer Dickköpfigkeit und ihrem Trotz ein typischer Teenager, ihr Wunsch nach Freiheit lässt sich sowohl mit ihrem Straßenleben als auch mit ihrer Identitätssuche gut verbinden. Dabei ist sie zwar durchaus unkonventionell gestylt - sehr ungewöhnlich für einen Roman aus dem Young Adult-Bereich -, dennoch wirkt sie glaubwürdig, mit ihrer klaren Ausdrucksweise ist sie eine Figur zum Identifizieren. Ihre Freunde, die sie ihre "Crew" nennt, stehen ihr immer zur Seite und helfen, wo sie nur können, auch wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Die drei sind sympathisch und tragen zur Story bei, bleiben allerdings nicht lange im Gedächtnis.

Bei den Nebencharakteren sticht besonders die verzweifelt um ihre Tochter kämpfende Adoptivmutter Claire hervor, die zwar - verständlicherweise - voller Sorge, gleichzeitig aber auch eine eindeutige Kämpfernatur ist, die für ihre Familie alles tut. Detective Atley, der den Fall einer ermordeten Freundin von Wally bearbeitet, erlangt die Sympathien des Lesers durch seine beherrschte, ruhige und freundliche Art, mit der er versucht, den Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Der Bösewicht ist wirklich böse und das gefällt gut, weil er auch mal brutal wird und so realistischer rüber kommt - allerdings ist er etwas zu einseitig gezeichnet. Sein Partner ist da noch etwas authentischer, weil man sie bei ihm nie sicher sein kann, was er nun im Schilde führt. Insgesamt sind die meisten Figuren gut, aber nicht überragend, gezeichnet.

Die Geschichte selbst ist aufgrund der Wichtigkeit des Schauplatzes - die Straßen New Yorks - etwas Besonderes. William Richter kennt sich in diesem Gebiet definitiv aus und kann die Suche und vor allem die actionreichen Szenen so authentisch darstellen. Als Jugendthriller ist das Werk blutiger und brutaler als viele andere aus dem Genre, dennoch hat das Ganze so seine Längen. Vor allem, wenn Protagonistin Wally erneut breit und lang davon erzählt, weshalb sie auf der Straße lebt und weshalb sie sich mit ihren Freunden so verbunden fühlt wie einer Familie. Eine kleine Liebesgeschichte gehört ebenfalls zur Story, hält sich aber sehr im Hintergrund und geht anders aus als gedacht. Die Romantik ist so aber irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes, was unentschlossen scheint.

Wallys Suche nach ihrer echten Mutter gestaltet sich aufgrund vieler Gegenspieler äußerst schwierig - durchaus gut dargestellte Verfolgungsjagden und einige Schießereien bleiben also nicht aus. Diese wissen zu fesseln und können mitreißen, wirkten auf mich manchmal allerdings, als wären sie krampfhaft eingebaut worden. Zum Ende hin gibt es viele plötzliche Enthüllungen, von denen mich zwei sogar wirklich überraschen konnten. Als der Autor dann allerdings plötzlich einen weiteren Bösewicht regelrecht aus dem Hut zaubert, wird das Ganze arg unglaubwürdig, und dass gleich mehrere wichtige Figuren umkommen empfand ich als übertrieben. So hat man das Gefühl, dass der Schluss einige Längen im Mittelteil ausbügeln sollte, dabei aber nur den selben Fehler gemacht wurde wie er in vielen anderen Jugendthrillern vorkommt: Zu viel zu wollen und zu wenig zu schaffen.

FAZIT:
"Deine Augen, dein Tod" ist William Richters Debüt und zumindest zu Anfang durch angenehme Härte und einen originellen Hintergrund recht interessant. Dann allerdings wird das Ganze sehr zäh und verirrt sich am Ende auch noch in ein paar Ungereimtheiten. Hier hätte mehr draus gemacht werden können! 3 Punkte.

  (1)
Tags:  

  

 

Wo die Nacht beginnt
LOVELYBOOKS-Statistik

(46)

171 Bibliotheken, 19 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

london, schottland, hexenverfolgung, zeitreise, frankreich

Wo die Nacht beginnt

Deborah Harkness , Christoph Göhler
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 01.03.2013
ISBN 9783764504670
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Marcus nahm ihre Finger. Er drückte die Lippen auf ihren Handrücken und blickte ihr dabei tief in die Augen. "Bis morgen. Und schließen Sie gut hinter mir ab. Sie wollen doch nicht in Schwierigkeiten kommen." Dr. Whitmore trat rückwärts aus dem Raum, schenkte ihr ein letztes Lächeln und verschwand leise pfeifend aus ihrem Blickfeld.
Phoebes Hand bebte. Dieser Mann - dieser merkwürdige Mann mit den blendend blauen Augen und den unverschämten Manieren - hatte sie geküsst. An ihrem Arbeitsplatz. Ohne ihre Erlaubnis.
Und sie hatte ihm nicht einmal eine Ohrfeige verpasst, die letzte Waffe wohlerzogener Diplomatentöchter, wenn sie sich unerwünschten Avancen erwehren müssen.
Sie steckte bereits in Schwierigkeiten. 

-

INHALT:
Gemeinsam mit dem Vampir Matthew, ihrem Ehemann, ist die Hexe Diana in die Vergangenheit zurückgereist, um das mysteriöse Manuskript Ashmole 782 in ihren Besitz zu bringen, bevor ihm die ersten drei Seiten entnommen werden können - denn von diesem Buch und den fehlenden Blättern erhoffen sich alle magischen Wesen die Antworten auf ihre existenziellen Fragen. Doch Matthew ist in dem frühen Jahrhundert ein anderer, was nicht nur Schwierigkeiten in ihrer Beziehung mit sich bringt. Und damit nicht genug: Neider, missgünstige Freunde und Feinde drohen ihr Glück zu zerstören...


MEINE MEINUNG:
Deborah Harkness konnte letztes Jahr mit ihrem Debüt "Die Seelen der Nacht" triumphieren und eine große Menge an Lesern völlig begeistern, weil sie Wissenschaft und Fantasy mit einer unglaublichen Leichtigkeit verbindet. Mit "Wo die Nacht beginnt" wagt sie sich nun in die Gefilde der Zeitreisen. Erzählt wird die Geschichte dabei wieder aus der Ich-Perspektive von Diana, wobei ab und an ein unterstützendes Kapitel aus der personalen Sicht einer anderen Figur eingeschoben wird. Der Schreibstil ist ebenso flüssig wie im Vorgängerband und kann besonders mit den schönen, detailreichen, aber niemals ermüdenden, Beschreibungen beeindrucken.

Diana ist noch immer eine absolut sympathische Protagonistin, mit der man sich sowohl in den leichten als auch in den schweren Momenten identifizieren kann. Sie ist dickköpfig und mutig, kann aber auch verletzlich und liebevoll sein. Zwischendurch wirkt sie etwas zu gutmütig, darüber kann man aber leicht hinwegsehen. Matthew ist zwar im 15. Jahrhundert in der Tat ein anderer, da er sich, wie damals üblich, Frauen gegenüber oft als Bestimmer sieht, dennoch sieht er seine Fehler ein, was ihn - obwohl er es eigentlich nicht ist - so menschlich macht. Er ist so ein Charakter, dem man einfach alles verzeihen muss und der aufgrund seiner Ecken und Kanten noch liebenswürdiger wird.

Viele der in Band 1 auftauchenden Figuren nehmen im Nachfolger nun eine Statistenrolle ein, dafür lernt man eine Menge neuer Personen kennen - vor allem historische Persönlichkeiten, die noch heute eine Bedeutung haben. So trifft man den etwas chaotischen William Shakespeare sowie den von Eifersucht gequälten Christopher Marlowe, aber auch die Queen selbst kommt nicht zu kurz. Matthews Neffe Gallowglass wurde mir der liebste - etwas gewalttätig und seinem Onkel treu ergeben, aber in erster Linie hilfsbereit und witzig. Alle Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und nie nur schwarz oder weiß, was wunderbar mitzuerleben ist.

In der Geschichte selbst gelingt es Deborah Harkness wieder mit absoluter Brillanz, Fakten und Fiktion so miteinander zu verbinden, dass sie eine fesselnde, mitreißende Geschichte ergeben. Nicht nur wurde hier zu vielen bekannten Charakteren recherchiert, sondern Gebäude, Umgangsformen und Kleidung werden ebenfalls genau wiedergegeben. Und auch in Sachen Fantasy geht es hier einige Schritte voran - denn nachdem Diana jahrelang durch einen Bann daran gehindert worden war, ihre Kräfte zu gebrauchen, kann sie nun endlich lernen, richtig zu hexen. Dabei kommt sie auch ihrer eigentlichen Bestimmung auf die Spur, einer Bestimmung, die allerdings wieder einige Gefahren birgt. Langeweile? Fehlanzeige!

Obwohl ich ansonsten eigentlich kein Fan von Zeitreise-Geschichten bin - da sich Paradoxa einfach partout nicht vermeiden lassen und daher immer wieder nicht zu beantwortende Fragen auftauchen -, so gelingt es der Autorindennoch wunderbar, einen darüber hinwegsehen zu lassen, weil der Rest so unglaublich stimmig ist. Denn neben den Intrigen, den Gefahren und den phantastischen Elementen kommt auch die Romantik nicht zu kurz. Die Beziehung zwischen Diana und Matthew gestaltet sich zwar schwierig, die beiden halten aber wunderbar zusammen und sorgen weiterhin für einiges Kribbeln. Bis zum Ende bleibt der Spannungsbogen kontinuierlich oben, dann endet das Werk in einem offenen, aber nicht zu reißerischen Schluss, nach dem man am liebsten sofort weiterlesen würde - gerade weil es eben kein Cliffhanger ist, jedoch noch wichtige Fragen beantwortet werden müssen. Jetzt heißt es: Warten auf Band 3!

FAZIT:
Deborah Harkness gelingt es auch im 2. Band ihrer "All Souls"-Trilogie, "Wo die Nacht beginnt", wissenschaftliche Fakten, Fantasy und Romantik zu einem wahnsinnig spannenden, fesselnden und mitreißenden Roman zu verbinden. Zwar kann auch sie die Zeitreise-Paradoxa nicht auslöschen - das Phänomen erklärt sie aber so glaubwürdig, dass man darüber gern hinweg sieht, und die wunderbaren Charaktere überwiegen diesen Aspekt außerdem. Daher 5 Punkte und eine dringende Empfehlung!

  (3)
Tags:  

  

 

Sixteen Moons - Eine unsterbliche Liebe
LOVELYBOOKS-Statistik

(115)

258 Bibliotheken, 10 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

liebe, fantasy, magie, gatlin, hexen

Sixteen Moons - Eine unsterbliche Liebe

Kami Garcia , Margaret Stohl , Petra Koob-Pawis , Margaret Stohl Inc.
Flexibler Einband: 557 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 05.01.2012
ISBN 9783453529090
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:  
Tags:  

  

 

Blueprint Blaupause
LOVELYBOOKS-Statistik

(33)

52 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

klavier, jugendbuch, klon, hamburg, iris

Blueprint Blaupause

Charlotte Kerner , Charlotte Kerner , Cornelia Niere
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 10.10.2008
ISBN 9783407741028
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  

  

 

Dark Destiny
LOVELYBOOKS-Statistik

(92)

268 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

dystopie, liebe, joy, neél, jennifer benkau

Dark Destiny

Jennifer Benkau
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei script5, 18.03.2013
ISBN 9783839001455
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Mein Sichtfeld reichte nur noch bis zum Ende meiner Arme. Alles andere versank in grauem Nichts und erinnerte mich an meine Albträume.

Jemand fasste mich am Arm. Sagte etwas. Unverständlich. Ich grinste die Gestalt an. Erkannte eine Frau. Und schloss die Augen. Ich spürte noch, wie ich zur Seite kippte und gegen einen Körper stieß, mehr bekam ich nicht mehr mit.

--

INHALT:

Beim Chivvy der Percents, das Joys Chance zur Flucht sein sollte, wurde ihr geliebter Néel von ihrem eigenen Clan gefangen genommen - und gefoltert, was sie nicht verhindern konnte. Dann erfährt sie von seinem Tod, und sie weiß, dass sie nicht mehr bleiben kann, denn ihre Freunde sind nicht länger ihre Freunde. Sie macht sich auf die Suche nach Antworten auf die Fragen, die ihr keine Ruhe lassen wollen. Doch vor allem will sie noch immer nicht ihre Hoffnung auf Frieden aufgeben. Auf Frieden zwischen Menschen und Percents. Und auf Frieden in ihrem Herzen...

MEINE MEINUNG:

"Dark Canopy" von Jennifer Benkau konnte letztes Jahr viele, viele Bücherfans begeistern, nun schließt sie mit "Dark Destiny" direkt an die Geschehnisse aus Teil 1 an und zeigt uns wieder einmal, was für ein Schreibtalent sie besitzt. Es dauert nicht lang, und man fühlt sich Ich-Erzählerin Joy wieder genauso nahe, erlebt ihre Ängste mit und auch ihre Glücksmomente. Zwischenzeitlich wird dieser Schreibstil unterbrochen von Kapiteln aus der Sicht einer weiteren Person in der dritten Person, die auch deren Gefühle deutlich machen.

Die vergangenen Ereignisse haben Joy zu einer verzweifelten und gefährlich furchtlosen Frau gemacht, die um jeden Preis die Antworten auf ihre Fragen haben möchte. Noch immer kann sich der Leser perfekt mit ihrer starken, aber manchmal auch verletzlichen, Art identifizieren, auch wenn ihre Gedankengänge nun verständlicherweise noch etwas düsterer sind. Am meisten hat sich allerdings wohl Néel verändert: In gewisser Weise ist er gebrochen, was schon am Anfang schnell klar wird. Dennoch ist er ein Charakter, den man einfach lieben muss, weswegen man mehr als alles andere auf ein gutes Ende für ihn hofft.

Weitere altbekannte Charaktere lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten, und besonders das Wiedersehen mit Joys ehemaligem besten Freund Matthial ist eine Geduldsprobe. Er will alles richtig machen und tut dabei so viel Unrecht, dass es nur schwer zu ertragen ist. Figuren wie der frohe, hilfsbereite Graves oder der kleine Edison lockern das Geschehen auf, während die blinde, verbitterte Alex oder Matthials ängstlicher Bruder Josh eine frustrierende Grundstimmung verbreiten. Die Persönlichkeiten könnten unterschiedlicher nicht sein, werden dabei jedoch nie schwarz-weiß gezeichnet, sondern wirken  immer authentisch und glaubwürdig.

Anfangs mag "Dark Destiny" für diejenigen, bei denen Band 1 schon eine Weile her ist - wie bei mir - etwas verwirrend sein, da es sich nicht mit Erklärungen aufhält. Im Laufe der Handlung werden aber immer wieder Informationen eingestreut, die beim Verstehen helfen. Spannend ist das Werk von der ersten bis zur letzten Seite, denn nicht nur formiert sich der Widerstand der Rebellen gegen die Percents, auch muss Joy mit ihren eigenen Problemen und Ängsten fertig werden. Es passiert viel, aber es wird nie unübersichtlich, und die Autorin versteht es hervorragend, den Leser mitzureißen und ihm schließlich auch eine gut durchdachte Erklärung dafür zu liefern, wie es zur Herrschaft der Soldaten über die Menschen kommen konnte.

Dies hier ist jedenfalls ein Buch, bei dem man viele, sehr viele, ja, Unmengen Tränen vergießt - Tränen des Glücks, Tränen der Freude, Tränen des Verlustes und letztendlich auch Tränen darüber, dass es zu Ende ist; auch wenn es noch so passend und noch so wunderbar geschrieben sein mag. Machen wir uns nichts vor: Abschied ist schwer. Und besonders  schwer ist der Abschied von Joy, von Néel, von allen, die dazu gehören und von einer ganz besonderen Geschichte. Aber es ist gleichzeitig auch ein guter Abschied, denn er gibt Hoffnung, selbst wenn er auf die ein oder andere Weise traurig ist. Besser geht es eben einfach nicht.

FAZIT:

Jennifer Benkau versteht es beinahe schon unverschämt gut, den Leser so mitzureißen und mitfühlen zu lassen, dass dieser nicht anders kann, als das ein oder andere Mal aus den verschiedensten Gründen in Tränen auszubrechen. "Dark Destiny" ist, genau wie der Vorgänger, unglaublich dramatisch, spannend, durchdacht und allgemein in allen Belangen perfekt. So müssen Dystopien sein! Von mir ganz klare 5 Punkte und eine unbedingte Empfehlung.

  (5)
Tags:  

  

 

Wo Milch und Honig fließen
LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

religion, england, familiengeschichte, glaube, drama

Wo Milch und Honig fließen

Grace McCleen , Barbara Heller
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DVA, 11.03.2013
ISBN 9783421045461
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Später sannen wir über den Sündenfall nach, der vor sechstausend Jahren passiert ist, zweitausend Jahre von uns zu Jesus, sagte Vater, und viertausend von Jesus zu Adam, und ich sann über die Frage nach, warum ich wieder Bittergemüse essen musste, und sagte gar nichts. Aber mein Gesicht schien etwas zu sagen, denn Vater sagte: "Tausende von afrikanischen Kindern wären froh um dieses Essen." Ich wollte gerade sagen: "Dann wünschte ich, wir könnten's ihnen schicken", da hörten wir im Flur Glas splittern.

INHALT:
Die zehnjährige Judith ist Tochter eines religiösen Zeugen Jehovas und in Sachen Sprachvermögen für ihr Alter so weit fortgeschritten, dass sie eine höhere Klasse besucht - doch beide Aspekte wirken sich wenig positiv auf ihr Leben aus: Sie und ihr Vater werden beschimpft und beleidigt, sie selbst unter ihren Schulkameraden ausgeschlossen. Zuhause baut sie sich aus weggeworfenen Dingen ein "Land der Zierde", in dem sie nicht allein ist. Als ihr ein Mitschüler etwas Schlimmes androht, wünscht Judith sich, dass die Schule wegen Schnee ausfällt, und spielt genau das in ihrer Modellwelt nach. In der Nacht schneit es tatsächlich, und das Mädchen hat sein erstes Wunder bewirkt. Doch nicht aus allem gut gemeinten entsteht auch Gutes...

MEINE MEINUNG:
Grace McCleens "Wo Milch und Honig fließen" ist schon von der Erzählweise her etwas besonderes. Protagonistin ist die zehnjährige Judith, die aus der Ich-Perspektive im Präsens ihre Erlebnisse mit dem Leser teilt. Dabei wird perfekt auf die naiven, unerfahrenen Gedanken eines Kindes eingegangen, sodass dieser Aspekt sehr authentisch wirkt. Gleichzeitig ist das junge Mädchen für sein Alter so weit fortgeschritten, dass Themen wie Religion, Mobbing, Schuld oder Tod nicht selten mit einfließen, auch wenn gleichzeitig ebenfalls auf eher kindliche Problematiken wie Einsamkeit oder gemeine Klassenkameraden eingegangen wird.

Judith ist eine gleichwohl niedliche wie intelligente Protagonistin, die, obwohl sie durchaus philosophische Fragen stellt und recht erwachsen scheinende Gedankengänge hat, immer authentisch wirkt. Ihr Leben ist nicht einfach, besonders, weil sie sich in ihre eigene Fantasiewelt zurückgezogen hat - denn durch ihre religiös erzogene Art und ihre Wortwahl wirkt sie auf viele Menschen seltsam. Ihr Vater sorgt für sie und lehrt sie seine eigene Sichtweise im Hinblick auf Gott und die Bibel, ist dabei allerdings nicht sonderlich liebevoll. Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit und wird später dezent thematisiert. Er macht wohl die größte Wandlung von allen durch; seine Handlungen sind nicht immer nachvollziehbar und gleichzeitig sind sie es doch, aufgrund seines schweren Schicksals kann man sich der Sympathien für ihn auf jeden Fall aber nicht erwehren.

Eine Helferin in der Not wird für Judith schließlich ihre neue Lehrerin, die sich für sie einsetzt, mit ihr spricht und immer versucht, sie aufzumuntern. Man erfährt nicht viel über sie, da sie allerdings sozusagen Judiths einzige Freundin wird, schließt man sie schnell ins Herz. Sonstige Figuren wie der Mobber Neil, der dem Mädchen das Leben zur Hölle macht, oder der ungläubige Mike, der dennoch ein Freund des Vaters ist, machen das Buch aufgrund ihrer Vielschichtigkeit besonders, denn nicht alles ist, wie es scheint. Viele der Figuren entpuppen sich im Laufe der Geschichte anders als man es erwarten würde, was klasse zu beobachten ist.

Das Thema Religion selbst ist sehr dominant und sowohl für Atheisten als auch für Christen auf verschiedene Art und Weise sicherlich schwer zu verdauen: Für Atheisten, weil besonders das erste Drittel aus vielen Bibelzitaten und religiösem Denken besteht, auch, wenn Judith des Öfteren humorvoll damit umgeht; für Christen, weil der letzte Teil des Buches dann doch eher sehr kritisch wird. Lässt man sich auf das Ganze allerdings erst einmal ein, erwartet einen eine fantasievolle, an manchen Stellen bedrückende, dafür aber auch in vielerlei Hinsicht schöne Geschichte von Mut, eigenem Denken, Mobbing und der Kraft der Gedanken.

Ob man nun wie Judith daran glaubt, dass Gott zu ihr spricht und ihr hilft, Wunder zu vollbringen, oder ob man eher der Meinung ist, dass das alles sehr passende Zufälle sind, bleibt einem selbst überlassen. Klar ist aber, dass der Fortgang der Geschichte einen nicht unberührt lässt, denn Judiths Probleme wachsen mit ihren Wundern, so sehr, dass sich schließlich sogar ihr sonst so in die Bibel vertrauender Vater Gedanken darüber macht, ob das Leben so weitergehen kann. Die Entwicklung sowohl der Story als auch der Figuren ist wunderbar zu verfolgen und mündet in einem schönen, gut durchdachten Ende, das den gesamten Roman sehr passend ausklingen lässt.

FAZIT:
"Wo Milch und Honig fließen" von Grace McCleen ist von der Grundgeschichte her sehr religiös und daher anfangs etwas schwergängig. Mit der Zeit aber lernt der Leser die wunderbare junge Judith kennen, die man in ihrer kindlichen Naivität mit dem gleichzeitigen Scharfsinn nur ins Herz schließen kann, ebenso, wie die Geschichte selbst zu berühren vermag. 4 verdiente Punkte für dieses besondere Buch!

  (8)
Tags:  

  

 

Adorkable
LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

58 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

twitter, michael lee, dork, blog, adorkable

Adorkable

Sarra Manning
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ars edition, 01.01.2013
ISBN 9783760789583
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  

  

 

Wir sind verbannt
LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

22 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

epidemie, krankenhaus, impfstoff, verzweiflung, selbstjustiz

Wir sind verbannt

Megan Crewe , Birgit Salzmann
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Fischer KJB, 01.02.2013
ISBN 9783596854530
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

"Mom ist mal kurz weggegangen", antwortete ich. "Was ist denn los?"
Er seufzte, und einen Augenblick dachte ich, er würde es mir nicht sagen. Im Hintergrund hörte man andere Stimmen murmeln, doch ich konnte keine davon richtig verstehen. "Dad...", fing ich an.
"Ich weiß noch keine Einzelheiten", sagte er da plötzlich ganz ruhig, "und hier reißen sich gerade alle ums Telefon, so dass ich im Moment nicht lange sprechen kann. Aber die Regierung ist zu dem Schluss gekommen, dass das Gebiet hier ein zu großes Risiko darstellt. Sie riegeln die Insel ab."
--

INHALT :
Als Kaelyn auf die Insel ihrer Kindheit zurückkehrt, hat sie eigentlich vor, sich mit ihrem ehemaligen besten Freund Leo zu vertragen. Doch dieser fährt aufs Festland, bevor sie den Mut dazu findet - und sie will auf seine Rückkehr warten. Doch dann greift eine schreckliche und extrem aggressive Krankheit um sich: Erst juckt es, dann kommen Niesen und Husten hinzu, gefolgt von einem drastischen Herabsetzen der Hemmschwelle - und schließlich dem Tod. Die Menschen um Kaelyn herum sterben. Und als die Insel abgeriegelt wird, fragt sie sich, ob sie Leo je wiedersehen wird...

MEINE MEINUNG:
Nach ihrem Debüt "Der Geist an meiner Seite" wagt sich die amerikanische Autorin Megan Crewe mit "Wir sind verbannt" ins Gefilde der Jugendthriller rund um eine Epidemie und deren Ausmaße. Der Schreibstil ist dabei sehr flüssig zu lesen und lässt den Leser durch die Ich-Perspektive an Kaelyns Gefühlswelt teilhaben. Der Roman selbst ist in Form eines Briefes an ihren besten Freund gehalten, weshalb diese ihn bzw. den Leser des Öfteren mit "Du" anspricht. Dies trägt dazu bei, dass man sich beinahe wie mittendrin fühlt, wodurch eine Identifikation mit den Figuren von Anfang an möglich ist.

Kaelyn ist eine absolut sympathische Protagonistin, die man schnell ins Herz schließt. Sie ist oftmals eher ruhig, besonnen, und hilfsbereit, kann aber auch stark und dickköpfig sein, wenn es darauf ankommt. Sie besitzt einen ausgeprägten Beschützerinstinkt und fast schon ein Helfer-Syndrom, dies wirkt aber beinahe nie übertrieben. Im Laufe der Handlung lernt sie den jungen Gav kennen, den man als Leser ebenso schnell lieb gewinnt. Die beiden sind sich in mancherlei Hinsicht sehr ähnlich und passen daher toll zusammen. Er ist ebenso eine Helfer-Natur wie sie und ein absoluter Gutmensch, trotzdem ist er nicht perfekt sondern im Gegenteil sehr menschlich, was ihn lebendig macht.

Kaelyns Familie besteht außer ihr aus ihrem schwulen Bruder Drew, der zwar seinem Vater gegenüber etwas zornig auftritt, für seine Verwandten aber eine deutliche Liebe hegt; ihrem viel beschäftigten Vater, der sich unglaublich um die Menschen auf der Insel sorgt; und ihrer ängstlichen, fürsorglichen Mutter. Besonders nahe kommt man aber ihrer kleinen Cousine Meredith, die sich zuckersüß und kindlich-naiv jedem einen Weg ins Herz bahnt. Nach einiger Zeit kommt es für die Protagonistin ansonsten sozusagen zu einer Zweckgemeinschaft mit Tessa, Leos Freundin, die sich aber bald zu einer guten Freundschaft entwickelt, da die beiden sich wunderbar ergänzen. Keine der Figuren ist schwarz-weiß gezeichnet oder sonderlich klischeehaft, weshalb man gern von ihnen liest.

Die Geschichte selbst ist natürlich nicht überragend neu: Irgendwo bricht eine Epidemie aus, es kommt zu Massenpaniken, Toten, Selbstjustiz und allerlei anderen Problemen. Trotzdem gelingt es der Autorin wunderbar, die Geschichte spannend und glaubwürdig rüberzubringen. Die Fakten sind gut recherchiert, der Krankheitsverlauf durchdacht und neuartig; viel dreht sich darum, ein Mittel zu finden und irgendwie zu überleben. Der Spannungsbogen hält sich beinahe kontinuierlich in der Höhe, auch, weil immer wieder schlimme Dinge passieren. Anders als in vielen anderen Werken werden hier auch Familie und Freunde der Protagonistin nicht verschont, was das Ganze noch viel authentischer macht.

Einige Wendungen sind natürlich vorhersehbar und etwas stereotyp, darüber sieht man bei der spannungsgeladenen Atmosphäre aber meistens gern hinweg. Eine Liebesgeschichte gibt es hier auch, allerdings nicht ganz so wie erwartet. Außerdem ist diese eher ruhig und spielt sich im Hintergrund ab, weshalb sie zwar für Lichtblicke und einige kleinere romantische Szenen sorgt, sich aber nicht plötzlich als Hauptaspekt herausstellt. Es geht eben um den Überlebenskampf, und dieser ist erschreckend und mitreißend gestaltet. Bis zum Ende spitzt sich die Lage immer weiter zu, neue Probleme tauchen auf, der Leser wird in Atem gehalten - bis das Werk beinahe abrupt, aber nur beinahe, in einem absolut gut gesetzten, wenn auch anstrengenden, Cliffhanger endet, der eines auf jeden Fall bedeutet: Band 2 muss her!

FAZIT:
"Wir sind verbannt" von Megan Crewe ist ein gut recherchierter und spannender Thriller um eine Epidemie, der vor allem mit den Figuren punktet. Die Liebesgeschichte hält sich im Hintergrund und die Story selbst überzeugt auch, war mir allerdings zwischenzeitlich etwas zu klischeehaft und vorhersehbar. So gibt es von mir sehr, sehr gute 4 Punkte - und ich freue mich auf Band 2, der im Herbst auf Deutsch erscheint.

  (3)
Tags: epidemie, impfstoff, krankheit, mord, selbstjustiz, tod, überleben   (7)

  

 

Im Pyjama um halb vier
LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

liebe, chat, wahrheit, pn, nachrichten

Im Pyjama um halb vier

Gabriella Engelmann , Jakob M. Leonhardt
E-Buch Text: 237 Seiten
Erschienen bei Arena Verlag, 10.01.2013
ISBN B00B58BGPO
Genre: Sonstiges

Rezension:

BEN: Weihnachten ist bekanntlich das Fest der Liebe - wieso müssen sich Familien dann ausgerechnet an den Festtagen immer streiten?
NERDINATOR: Ist ein Schreibfehler in der Bibel. Muss heißen: Fest der Hiebe...
TOM BOMBADIL: Oder Fest der Diebe? Mir raubt meine Familie an Heiligabend nämlich immer den letzten Nerv.
NELLYROSAROT17: Hoffentlich steht auf eurem Wunschzettel an oberster Stelle: HIRN. Liebe und Streit sind keine Gegensätze. Solltet ihr mal drüber nachdenken.
--

INHALT:
Lulu ist auf der Suche nach Ben Schumann, dem besten Freund des Typen, in den sie total verknallt ist. Sie findet auch einen Ben - dieser lebt allerdings in einer völlig anderen Stadt und hat mit dem, dem sie schreiben wollte, nichts zu tun. Doch wider Erwarten entspinnt sich aus dem anfänglichen Missverständnis eine Internet-Freundschaft, denn beide sind neugierig auf die jeweils andere Person. Sie geben sich Ratschläge, lachen und chatten miteinander - und fühlen sich einander plötzlich seltsam nahe, obwohl sie sich doch eigentlich gar nicht kennen...

MEINE MEINUNG:
Von Gabriella Engelmann hört man aufgrund ihrer Märchen-Reihe sehr viel und wer sie bei Facebook verfolgt, weiß, dass sie dort immer präsent ist und wunderbar sympathisch auf die Leser eingeht. Schon allein deswegen wollte ich ihren neuen Roman, in Kooperation mit Jakob M. Leonhardt entstanden, mögen. Verfasst ist "Im Pyjama um halb Vier" gänzlich in Chatsprache, denn die Hauptfiguren lernen sich im Internet kennen und verbringen auch ausschließlich dort ihre Zeit gemeinsam. Und das war leider mein Problem...

Lulu ist ein recht mutiges und freches junges Mädchen, in Jungs-Sachen jedoch gänzlich unerfahren, weshalb ihr die Bekanntschaft mit Ben grade recht kommt. Sie wirkt durchaus sympathisch und ihre Ausagen sind oft nachvollziehbar, manchmal erschien sie mir aber auch egoistisch, weil sie auf Bens Probleme einfach nicht eingeht. Er widerum ist irgendwie widersprüchlich: Einerseits ist er absolut nett und richtig lieb, hilft ihr, wo er nur kann, andererseits stößt er sie zurück und wird abweisend. Das Ganze klärt sich am Ende, war für mich aber nicht ganz glaubhaft. Nebenfiguren gibt es ansonsten nur, wenn eine der beiden Figuren eine Frage oder ähnliches postet, charakterisiert werden diese Nebencharaktere allerdings nicht wirklich.

Wenn man mit e-Mail-Romanen und ähnlichem nichts anfangen kann, ist auch dieses Buch nichts für einen. Die Figuren unterhalten sich recht umgangssprachlich und kommunizieren beinahe ausschließlich über das Internet. Gefühle und Gedanken werden also erzählt und nicht beschrieben, was mich persönlich sehr störte. Vor allem aber sind die Gespräche oftmals einfach unglaubwürdig. Einerseits unterhalten sich Ben und Lulu über jugendliche Dinge wie Sex, Freundschaft und Aussehen, andererseits philosophieren sie dann über Vertrauen oder den Sinn des Lebens. Die Statusmeldungen der beiden, auf die andere antworten, fand ich dann wiederum zwar unterhaltsam - allerdings ist es wenig authentisch, dass die Personen da Namen haben wie "Nellyrosarot17", obwohl so etwas auf Facebook nicht möglich ist [da dort Vor- und Nachname gefordert werden]. Hier bin ich wohl kleinkariert, Authenzität ist mir aber einfach wichtig.

Die Gespräche der beiden Protagonisten sind sicherlich an der ein oder anderen Stelle ganz unterhaltsam, fesseln konnte mich das Ganze aber nicht. Irgendwie passiert zu wenig; die beiden geben sich Ratschläge, treten ewig auf der Stelle, streiten sich circa 4 Mal und verlieben sich ineinander, ohne, dass dies für den Leser sonderlich nachvollziehbar wäre. Und auch eine große Enthüllung kurz vor Ende konnte mich nicht überzeugen - denn diese passt nicht zu einigen vorher getroffenen Aussagen. Genau zu diesem Punkt stellt eine der Figuren später auch eine Frage, diese wird jedoch einfach nicht beantwortet. Und so lässt sich der Roman zwar schnell lesen, mitzureißen und am Ende auch zufriedenzustellen, gelingt ihm allerdings nicht.

FAZIT:
"Im Pyjama um halb Vier" ist ein reiner e-Mail- bzw. Facebook-Roman und meiner Meinung nach muss man ein Fan davon sein, um letztendlich begeistert sein zu können. Die Gefühle werden eben nicht beschrieben, sondern erzählt, die Figurencharakterisierungen lassen sich nur aus den Nachrichten entnehmen und eine Enthüllung am Ende passt mit vielen vorhergegangenen Aussagen nicht zusammen. Für mich leider ein eher enttäuschendes Leseerlebnis. 2,5 Punkte, hier abgerundet auf 2.

  (4)
Tags: beziehung, chat, email, facebook, hilfe, liebe, probleme, ratschläge, rollstuhl, teenager   (10)

  

 

Flamingos im Schnee
LOVELYBOOKS-Statistik

(32)

76 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

liebe, krebs, familie, jugendbuch, maine

Flamingos im Schnee

Wendy Wunder , Karin Diemerling
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 11.03.2013
ISBN 9783442313235
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Sie kramte gerade nach ihrem Schlüssel, als ihr jemand auf die Schulter tippte.
"Willst du den Flamingo nicht bezahlen?"
Mist, dachte Campbell, doch bevor sie "Welcher Flamingo?" sagen konnte, merkte sie es schon. Es fühlte sich an wie Angst, nur stärker. Sie spürte einen kalten Luftzug, und ihr linker Arm begann, heftig zu zittern. Ihr Kopf schien sich mit Luft zu füllen wie ein Ballon. Ein Elektroschock schoss durch ihre Wirbelsäule, ihr wurde schwindelig, und sie verlor das Gleichgewicht. Als wäre sie vom Blitz getroffen worden.
Dann wurde alles schwarz.
--

INHALT:
Campbell hat Krebs und sich nach jahrelangem Kampf aufgegeben. Doch ihre Mutter macht es ihr nicht so leicht - sie hat alles für sie getan und sieht es nicht ein, das jetzt zu unterlassen. Von einem Kumpel hat sie von der Stadt Promise in Maine gehört, in der Wunder wahr werden sollen. Kurzerhand packt sie ein paar Sachen und zieht mit Campbell und deren Schwester Perry dorthin. Und tatsächlich: Es schneit im Juni, Regenbogen entstehen ohne Regen und eine Schar Flamingos landet viel zu weit im Norden. Campbell glaubt an Zufälle. Bis sie dem jungen und gut aussehenden Asher näher kommt und merkt, was Glück ist...

MEINE MEINUNG:
Bücher über Krebs und den Umgang damit in Verbindung mit einer jugendlichen Selbstfindungsgeschichte sind in letzter Zeit recht groß im Kommen. Wendy Wunders "Flamingos im Schnee" schlägt da in der ein oder anderen Hinsicht jedoch einen phantastischen Weg ein und überzeugt so mit einer in vielerlei Hinsicht neuen Idee. Überraschend ist, dass die Geschichte personal aus Campbells Sicht erzählt wird und nicht, wie gewohnt, aus der Ich-Perspektive. Der Schreibstil ist jugendlich, aber nicht umgangssprachlich, und kann mit wunderschönen Beschreibungen trumpfen.

Campbell ist eingangs eine etwas schwierige Person. Sie hat schon lange Krebs und dementsprechend keine Hoffnungen mehr auf Heilung, vor allem, seit ihr die Ärzte genau dies mitgeteilt haben. Sie glaubt nicht an Wunder und vermiest mit ihrem Pessimismus des Öfteren die Stimmung. Gleichzeitig ist sie jedoch herrlisch sarkastisch und ihre Wandlung im Laufe der Handlung sehr nachvollziehbar. Nachbar und baldiger Love Interest Asher ist stereotyp gut aussehend und muskulös, besitzt aber lange Haare - was mir sehr gefiel. Er ist anders auf eine sehr interessante Art und wird nicht in den Vordergrund gestellt. Seine freundliche, hilfsbereite Art sowie seine witzigen Sprüche machen ihn definitiv zu einem sehr sympathischen Charakter.

Campbells Mutter ist eine entschlossene und kämpferische Frau, die es allerdings mit ihrer Entscheidung, ihrer Tochter in Hinsicht auf deren Krankheit keine Wahl zu lassen, manchmal etwas übertreibt. Dennoch ist sie mit ihrer absoluten Liebe für ihre Kinder eine sehr liebenswürdige Person. Schwester Perry ist diejenige, die immer zurückstecken muss und dies auch mal deutlich macht. Ihre Rolle ist schwierig, aber sehr authentisch dargestellt. Und auch Figuren wie die emotionale, peinlich-lustige Großmutter oder Ashers Tante füllen das Buch mit Leben und sorgen oftmals für halbe Lachanfälle, weil die Kommentare wunderbar trocken und komisch sind.

Die Geschichte selbst ist einerseits berührend traurig - auch wenn Campbell nicht viel über ihre Krankheit spricht - und andererseits sehr skurril. Die Protagonistin beschließt irgendwann, den Wundern nachzuhelfen und stellt einiges an; klaut einen Esel und Tomatenpflanzen oder rettet ein Flamingobaby. Diese Ereignisse sorgen für einige Lacher, gleichzeitig gelingt es der Autorin aber sehr gut, auch die düsteren Seiten aufzuzeigen: Cams Schmerzen, den Verlust ihres normalen Lebens und den Tod einer guten Freundin sowie ihr eigenes ihrer Meinung nach unmittelbar bevorstehendes Ende. Während ich für die ersten 100 Seiten noch etwas brauchte, gewöhnte ich mich danach schnell an die Figuren und den Erzählstil, sodass ich mich voll hineinfallen lassen konnte.

Die Liebesgeschichte zwischen Asher und Campbell entwickelt sich sehr langsam und kommt erst ab circa Seite 200 wirklich zum Tragen. Die meiste Zeit über ist sie eher ruhig, aber sehr gefühlvoll und dabei absolut glaubwürdig. Alle Charaktere entwickeln sich auf ihre Weise weiter, was zum Teil auch an den zauberhaften Ereignissen liegt, die Wendy Wunder des Öfteren einbindet und mit denen sie aufzeigt, dass es immer etwas gibt, wofür es sich zu leben lohnt. Bis zum Schluss trägt man ein Lächeln auf den Lippen, auch dann, als es eigentlich nichts mehr zum Lächeln gibt. Bei mir flossen so einige Tränen; sensible Leser sollten sich also Taschentücher bereitlegen. Und dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen - denn eines ist sicher: Dieses Buch ist ganz sicher absolut lesenswert!

FAZIT:
Wendy Wunder ist mit "Flamingos im Schnee" etwas sehr Besonderes gelungen, das verzaubert, zum Lachen bringt und tief berührt. Die ersten 100 Seiten ziehen sich etwas, dann jedoch reißt das Werk mit und lässt einen die verschiedenen Charaktere lieb gewinnen. 4 und eine große Empfehlung!

  (5)
Tags: familie, freundschaft, krankheit, krebs, liebe, tod, wunder, zufall   (8)

  

 

Engelsblut
LOVELYBOOKS-Statistik

(132)

279 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

engel, liebe, erzengel, vampire, fantasy

Engelsblut

Nalini Singh , Cornelia Röser
Flexibler Einband: 412 Seiten
Erschienen bei Lyx, 01.11.2011
ISBN 9783802585951
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:  
Tags:  

  

 

Die Seele der Elben
LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Seele der Elben

Susanne Gerdom
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.02.2011
ISBN 9783492267762
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:  
Tags:  

  

 

Dämonenbraut
LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

vampir, dämonen, spannung, dämonenbraut, fantasy

Dämonenbraut

Christina Fischer , Oliver Schuck
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Art Skript Phantastik, 01.07.2012
ISBN 9783981509205
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Konnte ich mir diesen Luxus erlauben, zu glauben? Gerade als ich den Mund zu einer Antwort öffnete, donnerte etwas gegen den Kombi. Mein Schrei erschreckte auch Anna. "Verdammt, was ist los?"Erschrocken blickte ich mich um, dann sah ich Schwingen über Klauen und Krallen und erstarrte."Dämonen", flüsterte ich und baute gleichzeitig meinen Schutzschild auf. "Halte durch", rief Anna. "Sie haben es schon gespürt. Bash und Richie laufen gerade aus dem Haus."Ein erneutes Rumpeln, ich wurde auf den Beifahrersitz geschleudert, und dann brach die Scheibe.

--

INHALT:
Sophie ist eine Dämonenbraut, ein A-Normalo, und zwar aufgrund eines Virus', das vor 60 Jahren beinahe die gesamte Menschheit infizierte, die nun aus Werwölfen, Hexen, Vampiren und ihresgleichen besteht. Mit einem Tropfen ihres Blutes ist Sophie in der Lage, Dämonen aus einer anderen Dimension rufen, die ihr zur Hilfe verpflichtet sind. Diese Fähigkeit kann sie gut gebrauchen, denn in ihrem Job als Agentin wird sie zu einem Fall gerufen, der ihr alles abverlangt: Ein schwarzer Hexenmeister begeht Ritualmorde an mächtigen A-Normalos und scheint nicht zu stoppen zu sein. Gezwungenermaßen muss Sophie die Hilfe des attraktiven Samuel annehmen - doch kann sie ihm wirklich trauen?

MEINE MEINUNG:

SCHREIBSTIL
Christina M. Fischer besitzt einen beinahe durchweg flüssigen Schreibstil, der insbesondere bei den Beschreibungen der Kämpfe und phantastischen Wesen ein großes Verständnis für Worte und das Schreiben zeigt. Das eher schludrige Lektorat verhindert allerdings, dass man sich richtig wohlfühlt, denn Wortwiederholungen, Rechtschreibfehler, fehlende Buchstaben oder verworrene Sätze sind des Öfteren zu finden. Wird da noch einmal drüber gegangen, so kann sich der Stil sicherlich noch ein Stück besser entfalten.

CHARAKTERE
Sophie ist eine interessante Protagonistin: Mit ihrem Dickkopf und ihrer Stärke ist sie sympathisch, gleichzeitig kann sie auch Schwäche zeigen sowie Hilfsbereitschaft und Liebe, wodurch sie sehr lebendig wird. Hexenmeister Samuel hegt starke Gefühle für sie und ist äußerst liebevoll und beschützend, aber auch seine Liebe zu seiner Tochter bringt den Leser dazu, ihn ins Herz zu schließen. Figuren wie Sophies schlagfertige und beste Freundin Anna, ihre dämonischen Helfer Bash und Richie oder ihr Partner Julius bereichern die Geschichte. Manchmal allerdings werden es so viele Charaktere, dass diese nur noch schwer auseinander zu halten sind, was für den Leser äußerst verwirrend werden kann.

STORY
Von einer Virus-Epidemie, die einen Großteil der menschlichen Bevölkerung zu phantastischen Wesen mutieren lässt, habe ich bisher noch nicht gelesen. Die genauen Vorgänge werden nicht erklärt, die Geschehnisse selbst aber glaubwürdig dargestellt. Der Fall, an dem die Hauptcharaktere arbeiten, ist interessant zu verfolgen, weil es immer wieder - auch grausame - Morde gibt und Sophie sich mit ihren Helfern auf die Suche nach dem Täter machen muss. Dabei kommt es  währenddessen immer wieder zu Probleme mit Freunden, mit der Liebe oder mit ihrer Gabe. Zwischenzeitlich ist das Ganze dadurch etwas überfüllt aufgrund der vielen Handlungsstränge, meistens wird die Balance aber gut gehalten.

SPASSFAKTOR
Durch die vielen Ereignisse und die interessante Idee kommt es nur auf den ersten Seiten des Romans zu einer kleinen Flaute, danach nimmt die Spannung kontinuierlich zu. Auch die Romantik kommt nicht zu kurz, nimmt aber keinen allzu großen Platz ein und wirkt daher nicht übertrieben. Die Figuren harmonieren wunderbar und die originelle Geschichte macht absolut Spaß. Einzig und allein, dass ein Charakter vom Anfang ab circa Seite 120 keinen einzigen Auftritt mehr hat, störte mich etwas - da aber noch einige weitere Fragen, besonders bezüglich des traurig-schön-gemeinen Endes, offen sind, könnte ich mir gut eine Fortsetzung vorstellen, weshalb dieser Punkt nicht allzu stark ins Gewicht fällt.

FAZIT
"Dämonenbraut" von Christina M. Fischer ist sicherlich nicht perfekt, aber für Fans von Indie-Büchern absolut einen Blick wert. Die Story ist total originell und die Charaktere interessant gestaltet, nur wird das Ganze manchmal etwas zu viel. Da einige Fragen am Ende offen bleiben, ist eine Fortsetzung möglich und vor allem wünschenswert, wobei darüber bisher noch nichts bekannt ist. 4 Punkte!

  (2)
Tags:  

  

 
157 Ergebnisse