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Ein ganzes halbes Jahr
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(299)

707 Bibliotheken, 52 Leser, 0 Gruppen, 142 Rezensionen

liebe, sterbehilfe, will, lou, unfall

Ein ganzes halbes Jahr

Jojo Moyes , Karolina Fell
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Rowohlt TB., 21.03.2013
ISBN 9783499267031
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:


Inhalt:
Lou und Will, zwei Menschen die nicht viel gemeinsam haben. Die 27-jährige Lou ist quirlig und doch ein wenig in ihrem Leben festgefahren. Es hat einen festen Rahmen und Abwechslungen kommen eher selten vor. Als sie ihren Job verliert, sich auf etwas Neues einlassen muss, da kommt es zu einer Wendung, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen wird.
Will war einst ein erfolgreicher Geschäftsmann, bis er durch einen Unfall vom Hals abwärts gelähmt ist. Der ehemals glückliche und lebensfrohe junge Mann fällt in einen dunkles Loch, sein Leben scheint keinerlei Sinn mehr zu machen, ein unerträglicher Zustand, doch dann tritt Lou in sein Leben und plötzlich ändern sich die Dinge.


Meine Meinung:
Nach dem Klappentext und auch nach einigen Rezensionen dachte ich mir, bei dem Buch würde es sich um eine Liebesgeschichte handeln, viel will ich von der Geschichte nicht vorwegnehmen, gesagt sei aber, dass es viel mehr um das Leben geht, mit seinen Schatten und Sonnenseiten, Hindernissen und Glücksmomenten. Zentral dreht es sich um Lou, die als Pflegerin bei Will anfängt, auch aus ihrer Sicht wird die Geschichte erzählt. Wir gehen mit ihrer Skepsis an die Sache ran, fühlen uns aber immer schneller in die Situationen ein, bis es sich einfach nur zu einer einzigartigen Freundschaft verwandelt, die zwischen den Beiden herrscht.

Stark wird in dem Buch thematisiert, welchen Problemen sich Behinderte jeden Tag stellen müssen, es ist manchmal ein extremer Aufwand Situationen zu planen, was einen gar nicht so bewusst ist, was man alles zu bedenken hat. Für einen Außenstehenden ist es ein interessanter, manchmal erschreckender Einblick in eine Welt, die viel zu unbekannt ist. Weiteres und vielleicht noch stärker im Fokus der Geschichte ist das Thema Sterbehilfe. Dieses Thema spaltet, doch dem Buch gelingt es alle Seiten zu beleuchten, besonders gut ausgearbeitet ist die Tatsache, dass man sowohl die Gedanken des „Patienten“ erfährt, aber auch die der Angehörigen. Es ist so,  beendet man das Buch, bleibt die Geschichte im Kopf, verlangt danach, dass man sich damit auseinandersetzt, sich selbst hinterfragt und Antworten sucht, wie man selbst in gewissen Momenten reagieren würde. Sterbehilfe, wer denkt schon darüber nach, wenn er sich nicht in dieser Situation befindet?

Überrascht war ich von dem Humor, der sich in jedem Kapitel vorfinden lässt. Lou, aber auch Will haben eine zynische Seite an sich, die einen den einen oder anderen Lacher entlocken, obwohl es eigentlich ein Thema ist, bei dem es nichts zum Lachen gibt, aber es ist oft Situationskomik, die alles ausmacht. Dieser Witz, neben traurigen Rahmen, es bringt einen in eine Gefühlsachterbahn, weil man nicht weiß, ob man manchmal lachen oder doch weinen sollte, großes Kino, wenn es ein Buch schafft, eine innerliche Zerrissenheit herzustellen.

Oft im Zusammenhang mit „Ein ganzes halbes Jahr“ wird  der Film und das Buch „Ziemlich beste Freunde“  erwähnt, manche sprechen auch von einer Kopie von dessen, aber ehrlich, natürlich gibt es Parallelen, aber in den meisten Thrillern kommen Leichen vor, was letztlich noch lange nicht heißt, sie während gleich gestrickt – es sind zwei Paar Schuhe, gleich ist, dass es hier eine Person im Rollstuhl gibt, die eine Pflegekraft hat. Gefühle und Ausflüge sind aber komplett verschieden.

Fazit:
Dieses Buch lässt sich eigentlich nicht in Worte fassen, es ist ein Gefühlsabenteuer der Sonderklasse, was von allen etwas besitzt: Humor, Tragik, Liebe und Freundschaft. Wunderbar.

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Danke für meine Aufmerksamkeit
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43 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

maus, cordula stratmann, roman, humor

Danke für meine Aufmerksamkeit

Cordula Stratmann
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 09.03.2013
ISBN 9783462045253
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:


Inhalt:
Britta ist eine europäische Hausmaus, aber keine, wie wir sie kennen – Britta kann nämlich mit den Menschen reden, sich mitteilen, was sie auch tut, ansonsten wäre eine Mäuseleben ja arg langweilig. Nach einer schmerzhaften Trennung von Tim, einer chinesischen Reisfeldmaus, findet sie auf der Suche nach einem neuen Zuhause das Mädchen Polly, bei welcher sie letztlich einzieht und so beginnt für sie ihr Abenteuer Familienleben, was aus der Sicht einer Maus doch ganz oft unverständlich und furchtbar kompliziert ist.


Meine Meinung:
Eine sprechende Maus, die versucht die Menschen zu verstehen und ihr Verhalten versucht zu ergründen – die Idee ist wirklich gut gewählt, weil es mich ein bisschen an „Firmin“ von Sam Savage erinnert hat, nur eben in amüsant, wie man es von Cordula Stratmann gewohnt ist. Bei der Umsetzung hängt das ganze Projekt aber ein bisschen durch, die meisten Abstriche kassiert das Buch wohl auf Grund des Schreibstiles. Wie schon beim ersten Buch von Frau Stratmann, kann ich es mir sehr gut vorstellen, es als Hörbuch zu genießen, weil ein Sprecher die Wortkombinationen vielleicht besser betonen kann, liest man sie allerdings selbst, dann erscheint es beinahe so, als würde niemand in der Geschichte ein vernünftiges Deutsch sprechen können. Bei den Kinder ist es eine zu gewollte Jugendsprache und bei den Erwachsenen bleibt es einfach nur eine Katastrophe, wobei gesagt werden sollte, aber der Hälfte des Buches bessert sich dieser Zustand ein wenig, es wird lesbarer, aber es rettet eben kein Buch, wenn eine Hälfte schlechte, die andere akzeptabel ist.

Die Geschichte selbst besitzt nicht viel Tiefgang, da hätte ich mir mehr erwartet, besonders weil das Verhalten der Menschen viele amüsante und spannende Momente bietet, einige werden zwar aufgegriffen, aber immer nur ganz kurz, fast wie eine heiße Kartoffel wieder fallen gelassen, so dass man sich in keine Situation richtig einfühlen kann, es schrammt alles am Emotionsbereich vorbei, keine Beschreibung trifft jemals.

Und auch wenn man sich von der Vorstellung distanzieren sollte, dass es sich hier um ein lustiges Buch handelt (so was las ich), kann ich leider nicht sagen, dass es ein tiefgründiges ist, was es ist, ist eine nette Lektüre für zwischendurch, deren erster Teil die Nerven strapaziert, allerdings mit einem wahrlich beachtenswerten zweiten Teil abgeschlossen wird. Gebe es die ersten 100 Seiten nicht, wäre dort der sprachliche Stil besser, dann könnte man von einem richtig guten Buch sprechen, darin sehe ich keinen Zweifel.

Man darf sich nicht beirren lassen, dieses Buch muss man nicht mögen, weil man Frau Stratmanns Humor mag. So ergeht es nämlich mir, auf der Bühne finde ich sie grandios, aber ich finde, sprachlich bringt sie es nicht rüber, wobei „Danke für meine Aufmerksamkeit“ wenigstens einen Ticken besser als „Sie da oben, er da unten” ist. Wird diese Steigerung eingehalten, dann kann man sich auf ein richtig gutes neues Buch von Cordula Stratmann freuen.

Fazit:
Es strapaziert die Nerven 100 Seiten lang und wird dann zu einer angenehmen kleinen Geschichte, die man gerne mal zwischendurch lesen kann, ob man sie wirklich gelesen haben muss, darüber kann man gerne streiten.

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Silver Linings
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84 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

therapie, silberstreif, football, pat peoples, verdrängung

Silver Linings

Matthew Quick , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kindler, 22.03.2013
ISBN 9783463400815
Genre: Gegenwartsliteratur

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Das Versprechen, das ich meiner Mutter gab (German Edition)
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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

Das Versprechen, das ich meiner Mutter gab (German Edition)

Arwyn Yale
E-Buch Text: 65 Seiten
Erschienen bei Modern Ink Books, 11.03.2013
ISBN B005AIOOSG
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt:
Als Ruma ein Kind ist, verliert sie ihre Mutter auf tragische Weise. Ihr Tod, aber auch die kurze Zeit, die sie miteinander hatten, sie begleiten sie ein Leben lang. In einer Pflegefamilie aufgewachsen, fehlte es immer an Liebe und Geborgenheit, es blieb eine Lücke zurück, eine Lücke, die sie als Erwachsene schließen möchte, damit, dass sie ihren Seelenzwilling sucht. Einen Menschen, der ihr gleicht, mit Gefühlen und Gedanken mit ihr übereinstimmt. Sie fühlt sich alleine und wäre doch nur irgendwo, wo sie verstanden wird und wer könnte es besser als ein Seelenzwilling.

Meine Meinung:
Ruma leidet an Depression, trinkt viel zu viel und verliert sich in ihrem Leben. Grund dafür ist der Tod ihrer Mutter, den sie als Kind erleben musste und nie wirklich verarbeitet hat. Zu Beginn lernt man Mutter und Tochter kennen, erkennt die innige Beziehung, die die Zwei verbindet, umso tragischer ist es dann, als sie auseinandergerissen werden. Als Leser fühlt man die Situation mit und doch, meiner Meinung nach hätte es mehr Potenzial gehabt, die Umstände, besonders die Kindheit in der Pflegefamilie, sie hätten intensiver und umfangreicher beschrieben werden können. Man erfährt zwar später im Buch etwas über die Zeit, trotzdem bleibt sie nur ein schwacher Schemen, der einen nicht wirklich hilft, sich ein klares Bild zu erschaffen.

Hauptaugenmerk im Buch liegt auf der Suche nach dem Seelenzwilling, eine interessante Unternehmung, die einen selbst antreibt, über dieses Thema nachzudenken. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Menschen auf der Welt gibt, der einen gleicht, dessen Zwilling man eben sein könnte? Bei Milliarden von Menschen sollte die Vorstellung nicht so abwegig sein, aber lässt sich diese eine einzige Person so leicht finden? Die Welt ist groß und genau hier setze ich wieder meinen Kritikpunkt – man hätte die Situation ausführlicher ausbauen können, ein bisschen ein ausgedehnteres Verwirrspiel mit dem Leser treiben können. Es war zwar gewollt, aber in meinen Augen nicht komplett ausgereift.

Das Thema „Seelenzwilling“ ist natürlich eigen, dafür muss man sich öffnen wollen – vielleicht einfach wertefrei an die Geschichte machen, dass wäre wohl am besten. Kann man sich auf das Buch einlassen, wird man reichlich belohnt, mit vielen Gedanken zurückgelassen, die einen eine lange Zeit begleiten und überdacht werden wollen. Man will darüber nachdenken, wie es sein könnte, wenn man noch einmal auf der Welt herumläuft. Beinahe will man sich einfach nur noch auf die Suche nach seinem Zwilling machen, denn was gebe es schöneres, als sich blind mit jemanden verstehen zu können, oder würde man sich nicht verstehen, weil man sich ebenso gleich ist. Wie gesagt, es bleiben Fragen im Kopf, die einem zum Nachdenken bringen.

Kritikpunkt am Buch – einzelne Situationen sind unzureichend beschrieben, man hätte aus einigen viel mehr herausholen können. So bleibt man sich selbst überlassen, sich ein Bild im Kopf zu schaffen. Gut, man könnte darauf verweisen, dass man dazu einfach seine Fantasie benötigt, um sich alles vorzustellen, aber irgendwie setze ich es auch voraus, dass ein Autor mir eine Welt schafft, in die ich komplett abtauchen kann – dies gelang mir bei dem Buch nicht immer.

Fazit:
Eine Geschichte, die einem zum Nachdenken bringt und einen noch tagelang verfolgt – nur die Ausarbeitung einzelner Situationen hätte man vielleicht besser umsetzen können.

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Und dann kam Paulette
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45 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

zusammenhalt, frankreich, freundschaft, einsamkeit, traurigkeit

Und dann kam Paulette

Barbara Constantine , Ina Kronenberger
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kindler, 01.03.2013
ISBN 9783463406411
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:


Inhalt:
Ferdinand lebt nach dem Tod seiner Frau und dem Auszug seiner Söhne alleine auf einem großen Bauernhof. Einsamkeit nimmt sein Leben ein, nur sein Kater Lolli leistet ihn Gesellschaft, durchbricht die Stille.
Eines Tages, auf den Heimweg, trifft er auf einen streunenden Hund und stellt schnell fest, dass er seiner Nachbarin Marceline gehört – zu dieser bringt er ihn auch zurück. Ein glücklicher Zufall. Er findet die alte Dame bewusstlos vor, ihr Gasofen hat ein Leck, eine tödliche Gefahr, doch durch sein Auftauchen konnte er schlimmeres vermeiden. Im Haus bemerkt er, dass das Dach völlig undicht ist und entschließt sich letztlich, Marceline anzubieten, doch einfach zu ihm zu ziehen, da er weiß, dass sie sich die Reparaturen niemals leisten könnte. Zweifelnd, aber sich eingestehend, dass sie nicht mehr in ihrem kleinen Häuschen bleiben kann, nimmt sie das Angebot an. Es bleibt jedoch nicht nur bei Marceline und Ferdinand, nach und nach ziehen immer mehr Menschen auf den Hof, bis sie eine einzigartige WG bilden.


Meine Meinung:
Kennt ihr das Gefühl, ein Buch in den Händen zu halten, mit immensen Erwartungen, weil es ein so wichtiges Thema wie Altersarmut und –einsamkeit thematisiert? Was habe ich mir alles ausgemalt, es war ein einzigartiges Bild und dann, dann liest man die Geschichte und ist vollkommen enttäuscht.
Es ist nicht so, dass das Buch schlecht wäre, was mir letztlich einfach fehlte, war die Tiefe, die Eindringlichkeit und das Facettenreichtum der Charaktere. Die Szenarien wirkten auf mich kalt, gräulich und rein auf der Oberfläche beleuchtet. Unterschiedlichste Meinungen las ich zu dem Buch, aber ich muss mich soweit abgrenzen, dass ich sage, nein, mein Herz hat diese Geschichte nicht berührt oder erwärmt. Es war nett zu lesen, keine Frage, aber besonders wertvoll fand ich es jetzt nicht.

Die einzelnen Personen der WG werden einen vorgestellt, ganz unterschiedliche Typen finden sich da zusammen. Von einigen kann man sich ein ziemlich gutes Bild machen, da ihre Geschichte ausführlich beschrieben wird, dazu gehört beispielsweise Marceline, auf der anderen Seite ist da Ferdinand, der konturenlos bleibt, einfach nicht fassbar ist und irgendwie in der Geschichte verloren geht, obwohl er eigentlich noch funktioniert, richtig blass bleibt Muriel, eine Person, die später im Buch auftritt. Hinter ihr steht eine riesige Geschichte, die einfach niemals erwähnt wird. Man kann jetzt natürlich sagen, dass es an dem Leser selbst wäre, seine Fantasie anzuregen, aber wichtig wäre doch, ein gewisses Grundkonstrukt geboten zu bekommen, was hier eindeutig nicht der Fall ist.

Und es ist auch Muriels Geschichte, die letztlich das Buch in den Abgrund reißt. Was es ist, würde das Ende des Buches verraten, aber sagen wir einfach so, auf moralische Ebene ist ein fraglicher Schluss. Eingeschworene WG hin oder her, es gibt Dinge, da sollte man doch eher den logisches Aspekt beachten und nicht frei von der Leber weg agieren.

Fazit:
„Und dann kam Paulette“ war in Frankreich ein großer Erfolg, führte wochenlang die Bestsellerliste an, aber ehrlich gesagt, ich kann es nicht wirklich nachvollziehen. Es fehlt einfach an Substanz, die wichtigen Themen sind viel zu oberflächlich beleuchtet und letztlich ist das Ende mehr als fraglich.
Nett, kann man lesen, aber empfehlen würde ich es jetzt nicht.

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Die Betäubung
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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

krankenhaus, freud, therapie, liebe, verlust

Die Betäubung

Anna Enquist , Hanni Ehlers
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 01.09.2012
ISBN 9783630874005
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:


Inhalt:
Nach dem tragischen Tod seiner Frau Hanna, nahm sich der Psychoanalytiker Drik de Jong eine Auszeit von seiner Arbeit, braucht Zeit, um seine Gedanken zu sortieren, doch irgendwann, da muss man wieder an das normale Leben anknüpfen, weitermachen. Drik nimmt seinen Job wieder auf, widmet sich seinen Patienten und versucht, selbst hilflos gegenüber dem Leben, ihnen eine Perspektive zu geben. Allard Schuurman kommt zu ihm, möchte eigentlich nur die obligatorische Lehrtherapie machen, doch es wird zu einer wahren Zerreißprobe für Drik, denn es sind die Selbstzweifel, die an ihm zu nagen beginnen.

Driks Schwester Suzan, die beste Freundin ihrer Schwägerin, scheint anders mit dem Schmerz des Verlustes umzugehen. Voll und ganz geht sie in ihrer Arbeit als Anästhesistin auf, mag den klaren Rahmen, in den sie ihre Aufgaben zu erledigen hat. Ihre Welt wird auf den Kopf gestellt, als ihr der junge Allard Schuurman als Praktikant zugewiesen wird. Sie verfällt den jungen Mann und setzt damit alles auf eine Karte.

Meine Meinung:
Nach dem Klappentext nach könnte man meinen, es würde sich um ein Buch mit dem Überthema Verlust handeln. Jein, natürlich spielt der Aspekt, dass die beiden Charaktere Ehefrau oder Schwägerin verloren haben, eine zentrale Rolle, aber für mich ist das Buch mehr darauf ausgerichtet, den Arbeitsalltag der beiden zu beleuchten. Hin und wieder kommt es zu kurzen Erinnerungen an Hanna, aber als wirklich dominierendes Thema, so würde ich es nicht bezeichnen.

Es gibt massenhaft Bücher über den Arbeitsalltag verschiedener Berufsgruppen, man kann davon halten was man mag, doch in „Die Betäubung“ wurde genau ein solches Sachbuch in einen Roman umgewandelt. Obwohl ich eher auf Psychologie fixiert bin, mich vor dem Lesen mehr auf diese Teile freute, waren es letztlich doch die Ausführungen über den Arbeitsablauf einer Anästhesistin, die mich gefangen genommen haben. Welche Aufgaben diese Gruppe zu erledigen hat, wie das Ansehen im Krankenhaus ist und noch viel mehr wird dem Leser näher gebracht. Die beiden Protagonisten wechseln sich in der Erzählperspektive beständig ab, so dass man immer weiß, welchen Einblick man als nächstes erhält.

Wie man aus der Inhaltsangabe entnimmt, verzweigen sich die Arbeitsabläufe der beiden Geschwister, gehen soweit, dass sie ins Privatleben hineinspielen und man kann sich schon beinahe selbst ausmalen, wie sehr es eine Herausforderung für Drik wird, in der Therapie Ausführungen über seine Schwester zu erhalten. Diese Zerrissenheit, die er verspürt, nimmt man während des Lesens deutlich wahr, es ist beinahe so, als würde man selbst im Behandlungszimmer sitzen und sich der Situation aussetzen. Während des Lesens fließt eine elektrische Spannung durch die eigenen Venen, die absolut fesselnd ist.

Wir Analytiker sind Geschichtenerzähler, und die beste Geschichte hauen wir dem Patienten um die Ohren. Auf diese Geschichte einigen wir uns im Laufe der Therapie, diese Geschichte wird zu der Wahrheit, an der wir alle Gefühle und Einbildungen festmachen. So kommen Ruhe und Struktur in das Denken des Patienten über sich selbst, und wir können den Abschied vorbereiten.
(Seite 107)


Die Autorin, Anna Enquist, war selbst lange als Psychoanalytikerin tätig, was man aus dem Buch herauslesen kann. Ihr tiefes Wissen, ihre Versiertheit  ist deutlich wahrnehmbar, doch auch die Abschnitte über den Arbeitsalltag einer Anästhesistin sind vollkommen ausgereift recherchiert worden, was in der Danksagung nochmal unterstrichen wird – es war vermutlich eine Arbeit sondergleichen, sich mit dieser Materie so weiträumig auseinanderzusetzen, aber letztlich lässt sich nur sagen, die Mühe hat sich reiflich gelohnt.

Fazit:
Es gibt diese Bücher, denen viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird – „Die Betäubung“ gehört zu diesen. Schade, dass ich nicht schon früher darauf aufmerksam wurde, weil es zu lesen, ist einfach nur fesselnd und energiegeladen. Zwischen Gefühlen hin und her gerissen, hängt man seinen eigenen  Gedanken und Spekulationen nach. Absolute Leseempfehlung!

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Der beste Freund, den man sich denken kann
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58 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

roman, kindesentführung, imaginärer freund

Der beste Freund, den man sich denken kann

Matthew Dicks , Cornelia C. Walter
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury, 01.02.2013
ISBN 9783827011404
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:


Inhalt:
Der 6-jährige Budo ist der imaginärer Freund von dem 8-jährigen Max Delaney. Für einen imaginären Freund ist er schon relativ alt, die meistens überleben den Kindergarten oder die Vorschule nicht, doch Max ist ein besonderes Kind, er braucht Strukturen, es fällt ihm schwer, mit anderen Menschen umzugehen, sortiert gerne Dinge und so hält er sich meistens an Budo, der im treu zur Seite steht. Bei Problemen steht er jederzeit bereit, doch es wird der Tag kommen, an dem Max nicht mehr an Budo glaubt, der kleine Junge verschwinden wird, diesen Moment fürchtet er, doch bis es soweit ist, haben die beiden noch ein ganz besonderes Abenteuer zu erleben.

Meine Meinung:
Erzählt wird das Buch aus der Sicht des imaginären Freundes Budo, der seine Erlebnisse mit Max berichtet, allerdings auch seine eigene Welt beschreibt. Wie es ist, ein imaginärer Freund zu sein, warum manche aussehen wie Löffel, andere wie kleine Haarspangen und wieso er so vollkommene menschliche Züge hat. Einerseits ist es absolut absurd was der Autor da beschreibt und andererseits ist es plausibel, weil die Details mit großer Hingabe ausgearbeitet sind und einen auch als Erwachsenen noch total in den Bann nehmen.

Nach den ersten Seiten stellte sich für mich die Frage, ob es sich hier vielleicht nicht doch eher um ein Jugendbuch handelt, da die Sprache wahnsinnig einfach gewählt wurde, aber es ist natürlich dadurch sehr authentisch, weil Budo eben erst 6 Jahre alt ist. Stilistisch hat es mich ein wenig an „Raum“ von Emma Donoghue erinnert, wo auch ein Kind die Erzählstimme übernimmt.  Es ist ein wenig schwer für mich gewesen, auf Grund dessen in die Geschichte zu finden, weil man sich einfach darauf einlassen, sein Gehirn aus dem Erwachsenenmodus nehmen und in den kindlichen schalten muss. Die Umstellung dauerte bei mir etwas länger, gelang aber so um Seite 150, dann ist man absolut gefangen, eingenebelt von dieser zauberhaften, kindlichen Welt.

Es war auch ungefähr auf Seite 150, wo ich mich zu fragen begann, wohin die Geschichte mich eigentlich lenken möchte. Sicherlich hat man mal die beiden Welten der Jungs kennengelernt, aber dann blieben immer noch gute 300 Seiten übrig, die ich mir zu fühlen nicht hätte wirklich erträumen können, aber da kommt noch was ganz Großes auf den Leser zu. Einiges kann man aus dem Klappentext schon herauslesen, in welche Richtung es aber letztlich geht und was es für alle Beteiligten bedeutet, dass war eine riesige, aber sehr gelungene Überraschung.

So ungefähr ist es, mein Leben. Ich tanze auf zwei Hochzeiten. Ich lebe in der gelben Welt und in der blauen Welt. Ich lebe mit Kindern, und ich lebe mit Erwachsenen. Ich bin nicht direkt ein Kind, aber auch nicht direkt erwachsen.
Ich bin gelb und blau.
Ich bin grün.
Ich kenne mich auch mit Mischfarben aus. 
(Seite 14) 

Braucht man für dieses Buch Fantasie? Ja, oder zumindest die Bereitschaft, sich an seine Kindheit zu entsinnen, egal ob man jetzt einen imaginären Freund hatte oder nicht, man braucht die Wertfreiheit, darf sich nicht an Logik binden, sondern muss sich allen Gegebenheiten öffnen, tut man es allerdings, dann wird man verzaubert, von einer Geschichte, die so leise anfängt, jedoch furios und aufwühlend endet.

Fazit:
Stilistisch ist das Buch ein wenig eigen, sehr kindlich geschrieben, darauf muss man sich einlassen können und vor allem wollen, tut man es aber, dann wird man reichlich dafür belohnt, mit einer Geschichte, die manchmal schon fast ein kleiner Krimi ist.

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Betreutes Wohnen
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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Betreutes Wohnen

Christian Bartel
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.01.2013
ISBN 9783548284118
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:


Inhalt:
Ein junger Mann, der nach dem Abitur unentschlossen ist wie es mit ihm weitergehen sollte. Das Mädchen seiner Träume verschwindet nach Israel und seine Fantasien dahingehend sind somit gestorben. Die Idee den Zivildienst anzutreten, scheint das einzig Richtige zu sein. Die Wahl fällt auf eine Behinderten WG in Köln, in welcher er die unterschiedlichen Persönlichkeiten kennenlernt. Mal liebenswert, verschwiegen oder amüsant anstrengend. Eines haben sie aber alle gemeinsam, auf ihre eigene Weise sind sie besonders, durch ihre Augen bekommt die Welt einen neuen Glanz.

Meine Meinung:
Das Buch legt einen schlechten Start hin: sitzen ein paar Freunde in einem Trabi und nehmen LSD, damit ihre Abiturfeier etwas „besonderes“ wird. Fragwürdig und obwohl es eine Satire, oder zumindest ein humoristisches Buch sein sollte, bin ich bei diesem Thema einfach empfindlich. Nach den ersten Seiten wollte ich das Buch weglegen, weil es mir einfach zu dümmlich war, aber dann war mir klar, man sollte sich nicht vom ersten Eindruck blenden lassen und las erst einmal weiter. Und es wurde tatsächlich besser. Wir begleiten den namenlosen Mann auf den Weg zum Zivildienst, den er eigentlich antritt, weil ihm nichts anderes einfällt. Diese Behinderten WG ist es auch, die den Charme des Buches ausmacht, ohne sie, wäre die Geschichte abgestürzt, weil viel zu überzogen.

Wir haben eigentlich zwei WG’s, die auf der Zivildienststelle und dann der junge Mann, der mit seinem besten Freund Tante Matthes zusammenwohnt. In die Zweite bekommt man zwar nur wenig Einblick, doch was man sieht ist durchaus realistisch, wenn auch die beiden Charaktere ziemlich abstrakt gestaltet sind. Eine Verbindung konnte ich zu ihnen schon herstellen, doch sonderlich intensiv war sie nicht. Anders geht es mir da mit der Behinderte WG, deren Bewohner wachsen einen schnell ans Herz, sind gerade durch ihre Eigenarten liebenswert. Käpt’n Horsti, der den großen Auftritt liebt, oder Günther, der stundenlang eine einzige Sache betrachten kann und ausgeglichen wie ein Zen Meister ist. Ihre Charaktere sind wirklich fassbar.

Vor allem aber ist die Realität für Horsti nur so eine Art Serviervorschlag, und wenn sie ihm zu fad wird, lügt er sich ein Sahnehäubchen obendrauf. Das Problem dabei ist freilich nicht, dass Horsti lügt wie gedruckt, das Problem ist, dass Horsti glaubt, was er sagt. (Seite 160)

„Die Zeit“ schreibt über dieses Buch: „Komisch, schräg, bissig“ zumindest sagt es der Klappentext, aber ehrlich gesagt, keines dieser Worte trifft auf das Buch zu. Lachen musste ich dabei nie, vielleicht mal ein wenig schmunzeln, aber mehr war nicht drin und obwohl meine Erwartungshaltung nach einem humorvollen Buch nicht eingehalten wurde, fühlte ich mich gut unterhalten. Es ist halt einfach eine nette Geschichte, nichts was nachhaltig in Erinnerung bleibt, aber doch während des Lesens schön war.

Ein Kritikpunkt meinerseits wäre die häufige Verwendung von Fremdwörtern. Kann man mir jetzt ankreiden, weil ich zu ungebildet bin, aber Worte wie: mäandert, angegrient, klerikalen, Bravade usw., die wollten mir aus dem Steggreif nichts sagen und nur durch nachschlagen ergaben sie für mich einen Sinn. Es passt einfach nicht zum Gesamtbild des Buches, welches auf lockere und leichte Weise daherkommt und dann hier eine Schwere entwickelt.

Fazit:
Es ist jetzt nicht das humorvollste Buch, aber die Geschichte unterhält einen ganz gut, wenn man die ersten Seiten überblättert und sich von dieser Dümmlichkeit zu Beginn, nicht abhalten lässt.

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Elsa ungeheuer
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43 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

kunst, elsa, den haag, freundschaft, texas

Elsa ungeheuer

Astrid Rosenfeld
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.02.2013
ISBN 9783257068504
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Inhalt:
Ein kleines Dorf. Die Mutter von dem 8-jährigen Karl und dem 10-jährigen Lorenz Brauer ist gerade erst verstorben. Lange galt sie schon als psychisch gestört, der Sprung vom Balkon, ihr Tod, nicht für viele kommt er überraschend. Ihr Vater Randolph Brauer ertrinkt in Trauer, schafft es nicht mehr wirklich, für seine Söhne da zu sein, auch die Ferienpension, die er leitet, lässt er verkommen. Alleine sind sie jedoch nicht, die Haushälterin Frau Kratzler und der in der Pension als Dauergast bekannte Herr Murmelstein, von allen nur Murmeltier genannt, kümmern sich um die Jungen.
Eines Tages kommt die elfjährige Elsa in das Dorf. Ihre Mutter möchte eine Weltreise unternehmen, nur das Mädchen nicht mitnehmen und so bringt sie es zu ihren Verwandten. Sie ist anders, trägt seltsame Klamotten, benimmt sich zickig und versucht alles nur Mögliche, damit sie sich abhebt. Obwohl sie ein schwieriger Charakter ist, entsteht eine Freundschaft zu Karl und Lorenz, eine Freundschaft, die über alle Widrigkeiten bestand findet.
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Meine Meinung:
Nachdem ich den Klappentext las, war ich eher auf einen Roman gefasst, der sich mit der modernen Kunstszene auseinandersetzt, dort sein Hauptaugenmerk gelegt hat. Nie hatte ich erwartet, so intensiv von allen 3 Beteiligten zu erfahren, ihre Kindheit mit ihnen zu durchstehen. Es hat einen interessanten Einblick gegeben, wie eine Begegnung ein Leben bestimmen kann. Die Kinder lernen sich kennen und es ist Karl, der relativ schnell Elsa verfallen ist, sie hat etwas Magisches an sich, was den Jungen in den Bann zieht. Er ist es auch, der die Geschichte erzählt und als Erzähler der Geschehnisse fungiert.
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Untröstlich. Das Wasser schenkte mir keine Ruhe.
Untröstlich. Ich zog mich aus der Wanne.
Untröstlich. Windspiel kauerte neben mir auf den kalten Fliesen.
Stein und Spiegel. Bald höre ich auf. Bald. Nicht heute. Aber bald.
Untröstlich. Das Wort hämmert gegen meine Schädeldecke. Ließ mich das ganze Ausmaß seiner Bedeutung erfassen. Gibt es denn etwas Traurigeres als einen Menschen, den nichts zu trösten vermag?
_Mehr Medizin. Mehr Medizin. _
Schatten zogen vorbei. Wölfe oder Hunde? Meine Fäuste wollen sie vertreiben? Aber Schatten fürchten keine Schläge. (Seite 238)
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Und obwohl das Buch „Elsa ungeheuer“ heißt, ist es gerade Elsa, die einen ab der Hälfte des Buches abhandenkommt. Sie zieht weg, doch wie ein Geist schwebt sie weiterhin über das Leben von Karl. Lorenz ist es eher, der keinen Gedanken an sie verschwendet. Das Leben der beiden hat sich verändert, sie suchen einen Platz für sich – Lorenz entscheidet sich dazu, sich der Malerei zu widmen und nun tritt die im Klappentext erwähnte Kunstszene auf. Dieser „Ausflug“ gibt einen kleinen Einblick, wie die Maschinerie abläuft, was Kunst ist und wie sehr sie davon abhängig ist, dass man sich den Gegebenheiten ergibt. Die Situation wird eine Zerreißprobe, geht darum, wie man einen Menschen systematisch zerstören kann. Während des Lesens fiebert man mit, verteilt seine Sympathien und hofft doch nur auf ein gerechtes Ende.
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Vielleicht ist es leichter, von Toten Abschied zu nehmen, weiß man doch, dass keine Worten, keine Taten etwas daran ändern können: Sie sind weg. Aber bei einem lebendigen Mädchen gibt es Möglichkeiten. Man kann es aufhalten, festhalten. Man braucht nur die richtigen Worte, die richtigen Taten zu finden. Eine Zauberformel? Einen Reim? Einen Tanz? Ich wusste es nicht. (Seite 158)
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Würde man mich fragen, welcher Abschnitt mir besser gefallen hat – Kindheit oder Leben in der Kunstszene, eine Antworte könnte ich darauf nicht finden. Jedes hat seine eigenen Reize besessen, wenn ich auch in dem zweiten Abschnitt ein wenig Elsa vermisst habe, sie wächst einen trotz ihrer Eigenarten irgendwie ans Herz und dann sie zu „verlieren“ ist schade, passt sich allerdings gut in die Geschichte ein, hätte vermutlich gar nicht anders sein dürfen und trotzdem war es ihre Jugend, über dich ich mir ein paar mehr Einblick gewünscht hätte.
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Fazit:
Für dieses Buch lässt sich ganz schwer ein Abschlussresümee finden, weil es eine Wucht an sprachlicher Gewalt ist, die kein Fazit erlaubt, sondern als Gesamtbild gesehen werden muss. Es ist die Geschichte über einen Menschen, der einen eine Zeit lang begleitet hat, der alles verändert und einen dazu bringt, sich seinen eigenen Gedankengängen zu ergeben, während das Leben ohne diese Person weitergeht und doch von ihr abhängig bleibt.

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Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters
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(15)

25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

witz, bruce willis, bruce, briefroman, freundschaft

Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters

Tilman Rammstedt
Fester Einband: 190 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 01.11.2012
ISBN 9783832196868
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Inhalt:
Tilman Rammstedt hat es nicht einfach: Bruce Willis, Hollywoodgröße, reagiert einfach nicht auf seine E-Mails, obwohl er ihm doch eine Rolle in seinem neuen Roman anbietet, aber es wäre nicht Tilman Rammstedt, wenn er nicht Ausdauer an den Tag legen würde und einfach weiterschreibt.
Wo passt der Bankberater in die Geschichte? Ganz einfach, Bruce Willis soll dessen Rolle übernehmen. Klingt nicht sonderlich aufregend, welche Abenteuer soll ein Bankberater schon erleben, nun ja, wenn er seine eigene Bank überfällt und dann sich mit dem Autor auf die Flucht begibt, dann ist da doch viel Stoff für eine skurrile Geschichte gegeben, die man einfach mal Herrn Willis per Mail schreibt, damit er endlich eingreift, sich schließlich doch dazu entscheidet, in der Geschichte mitzuspielen.
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Meine Meinung:
Vermutlich hätte ich nicht zu dem Buch gegriffen, wenn ich davor nicht Tilman Rammstedts „Der Kaiser von China“ gelesen hätte, weil mal ehrlich, Bankberater und das Wort Abenteuer schließen sich eigentlich gegenseitig aus. Meine Idee war, einfach mal zu gucken, wie die Geschichte so gestaltet ist, muss man doch nicht lesen, wenn es einen dann nicht gefällt, aber Herrgott, es hat mir gefallen, besser wie ich jemals erwarten konnte.
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Bruce Willis bekommt die Rolle des Bankberaters angeboten, die Rahmenbedingungen stehen schon und eigentlich würde es nur noch eine Zusage brauchen, aber der Hollywoodstar antwortet einfach nicht auf die E-Mails, so dass er einfach in die Geschichte hineingebaut wird, ob er will oder nicht. Veränderungen könnte er jederzeit anbringen, wenn er nur auf die zig Mails reagieren würde und als Leser hegt man beständig die leise Hoffnung, dass doch mal eine Reaktion kommt, zumindest nur ein kleines Wort, aber es ist eigentlich nicht für die Geschichte notwendig, die funktioniert auch als Selbstgespräch von Herrn Rammstedt einwandfrei.
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Zwischen den Mails, die die Flucht und eben Abenteuer des Bankberaters thematisieren, erfährt man aber auch etwas über die spezielle Beziehung zwischen den genannt und Tilman Rammstedt. Sein Bankberater war nämlich nicht irgendein Bankberater, sonders ein spezieller Freund, berät in zwar in Anlagegeschäften, aber spielt auch in seinem Privatleben eine große Rolle. Für eine berufliche Beziehung verbringen sie schon sonderlich viel Zeit miteinander, aber es passt zum Buch, passt zu dieser seltsamen Geschichte.
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„Ich begleite Sie noch ein Stück“, sagte mein ehemaliger Bankberater manchmal nach einem Termin am späten Nachmittag. Meist brachte er mich dann bis zu meiner Haustür und verabschiedete sich mit einem schüchternen Winken. „Also dann“, sagte er. Wenn ich später durch die Gardinen des Schlafzimmerfensters schaute, sah ich ihn immer noch da stehen. In der linken Hand seine Aktentasche, in der rechten Hand nichts, reglos, als wollte er mit dem Straßenbild verschmelzen, aber das Straßenbild nicht mit ihm. (Seite 32/33, E-Book Ausgabe)
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Ich weiß nicht was für einen Humor man für die Geschichte braucht, aber es ist definitiv einer notwendig. Man sollte skurrile, absurde und nicht absehbare Erzählungen lieben. Wieder einmal rate ich, die Leseprobe zu lesen, damit man nicht enttäuscht es.
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Suche ich einen Kritikpunkt, so finde ich ihn darin, dass das Buch zu dünn ist. Ich glaube, für mich hätte die Geschichte immer weitergehen können, so gefangen war ich in den Ausführungen. Man will diesen Mikrokosmos nicht mehr verlassen, viel zu wohl fühlte ich mich in dieser Welt, die eigentlich nicht existiert, was der Verstand auch weiß, aber doch, es fühlte sich wie die Realität an.
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Fazit:
Man sollte sich nicht täuschen lassen, das Leben eines Bankberaters kann schon ziemlich aufregend sein, besonders wenn Tilman Rammstedt die Finger im Spiel hat und dann auch noch Bruce Willis die Situation retten sollte, wenn auch dieser durch Abwesenheit glänzt. Eine einzigartige Note Humor vervollständigt dieses Buch und macht es zu einem Abenteuer der Sonderklasse.

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Schwarzes Schaf
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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

versprochen

Schwarzes Schaf

Ascanio Celestini , Esther Hansen
Fester Einband: 122 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 23.08.2011
ISBN 9783803132383
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
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Der Winter tut den Fischen gut
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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

leben, schicksal, österreich, tod, arbeitslosigkeit

Der Winter tut den Fischen gut

Anna Weidenholzer
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Residenz, 01.09.2012
ISBN 9783701715831
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Inhalt:
Maria Berrenberger ist 48, Textilverkäuferin, verwitwet und arbeitslos. Jahrelang bestand ihr Alltag daraus, zur Arbeit zu gehen, spät abends nach Hause zu kommen und es sich dort auf dem Sofa, mit ihrem Mann Walter, gemütlich zu machen. Diese Welt gibt es nun nicht mehr, alles scheint zerbrochen.
Sie beginnt zu Vereinsamen, geht nicht zu den Terminen vom Arbeitsamt, wehrt den Kontakt mit ihren ehemaligen Arbeitskollegen ab und auch Besuche bei der Familie unterlässt sie. Sie und Walter hatten niemals Kinder, der Freundeskreis beschränkt – so bleibt sie alleine mit ihren trüben Gedanken und dem Gefühl, versagt zu haben, nicht mehr brauchbar für die Welt zu sein.
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Meine Meinung:
Laut inneren Klappentext hatte ich mir eigentlich ein Buch erwartet, was darauf zielt, verschiedenste Menschen in ihrem Leben zu beobachten. Ihre oft seltsam wirkenden Verhaltensweisen näher zu beleuchten, während man bei der Geschichte stiller Beobachter spielt. So ist es aber nicht, ganz und gar nicht, beobachtet wird, wenn man es überhaupt so nennen will, nur Maria. Hat jetzt meine Erwartungshaltung nicht erfüllt, fand ich ein wenig schade, weil ich mir einfach Geschichten in einer Geschichte erhofft hatte, aber es heißt nicht, dass mir die Umsetzung nicht trotzdem gefallen hat.
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Du sagst: Was schaust du immer in den Himmel, Maria, dort siehst du nichts. Ich sage: Ich sehe die Wolken, ich sehe die Sonne, dann und wann ein Flugzeug, dann und wann ein Vogel, das genügt. Du drehst dich nicht um, ich bleibe zwei Schritte hinter dir. Dort, wo wir stehen, wird der Schnee stärker platt gedrückt als dort, wo wir nur darüber gehen. Der Schnee deckt alles zu, auch deine Spuren, sie werden verschwinden. Tanz mit mir Tango, sage ich, tanz mit mir. Warum flüsterst du, fragst du. Ich habe meine Stimme verloren, ich weiß nicht, wo sie ist. (Seite 91)
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Maria ist einen schon nach wenigen Seiten sympathisch, sie hat etwas an sich, was einen nicht mehr loslässt. Die Verzweiflung darüber, dass sie keine Arbeit mehr findet, sie ist beinahe greifbar. Das Geschriebene ist authentisch, ihre Verhaltensweisen lassen sich nachvollziehen, die Angst vor dem Arbeitsamt, welches sie einfach noch irgendwo hineinquetschen möchte, um sie loszuwerden. Das Gefühl, jeden und allen nur lästig zu sein, an seinen eigenen Wert zu zweifeln, weil einen die Umwelt eben genau dies zeigt – man ist überflüssig, unsichtbar.
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Neben der Arbeitssituation ist es aber auch die Einsamkeit, die das Buch prägt. Mit ihrem Mann Walter hatte sie nie Kinder, dachte aber, mit ihm alt werden zu können. Man richtete sich gemeinsam im Leben ein, brauchte keine anderen Menschen, hatte doch einander, doch dann wird ein Teil des Paares weggerissen und man bleibt alleine zurück. Sieht, wie sehr man sich einigelte, weil man dachte, nicht mehr Menschen zu brauchen, außer dem Lebenspartner. Maria hat Bekannte, aber nach dem Jobverlust, wird sie von diesen meist bedrängt, behandelt wie eine Ausgestoßene, weil man nicht mehr in die Gesellschaft passt, wenn man nicht arbeitet und so distanziert sie sich von ihnen, weil Vorwürfe das Letzte sind, was sie noch braucht, wo sie sich selbst schon gedanklich fertig macht.
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Es gibt Tage, an denen man sich wünscht, es wäre jemand hier, der einem über den Kopf streicht. Egal wie schmutzig die Hände sind, Hauptsache, sie sind groß. (Seite 127)
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Jetzt wäre es das perfekte Buch, nur leider gefällt es mir überhaupt nicht, dass das Buch rückwärts läuft. Man marschiert durch das Buch, bis man in Marias Kindheit angelangt. Ok, ist der Stil, kann man sich damit anfreunden, aber es geht zum Schluss einfach viel zu schnell. Über die Hälfte des Buches befindet man sich in der Gegenwart, dann gleitet man ein wenig in die Vergangenheit ab und am Ende, zack, landet man in der Kindheit. Ging mir persönlich viel zu schnell und außerdem wollte ich doch so gerne wissen, wie Maria ihr Leben in der Gegenwart meistert. Ich sag’s direkt heraus: fand das Ende einfach richtig schlecht. Leider, weil ich ansonsten das Buch liebte.
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Fazit:
Zentrale Themen des Buches sind Arbeitslosigkeit und Einsamkeit, wie sie das Leben eines Menschen prägen, welche Auswirkungen sie haben. Eine eindringliche und beklemmende Beschreibung, die leider in einem schwachen Ende gipfelt.

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Tags: alleinesein, arbeitslosigkeit, ehemann, einsamkeit, gesellschaft, leben, schicksal, tod, verzweiflung, österreich   (10)

  

 

Das Glücksbüro
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64 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

amt, liebe, glück, ordnung, künstlerin

Das Glücksbüro

Andreas Izquierdo
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 01.02.2013
ISBN 9783832162252
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Inhalt:
Albert Glück ist ein Beamter wie er im Buche steht. Trocken, grau, detailverliebt. Seine Welt besteht aus Stempeln, Dienstvorschriften und Formularen, die er alle im Amt für Verwaltungsangelegenheiten vorfindet. Klingt noch nicht sonderlich spektakulär, nur ist es so, dass er im Amt nicht nur arbeitet, sondern auch dort wohnt – schon seit über 30 Jahren. Niemand kennt sein Geheimnis, Albert lebt sein Leben wohl gehütet, jeder Tag gleicht den anderen. Es ändert sich erst, als eines Morgens ein Antrag auf seinem Schreibtisch auftaucht, der nichts beantragt. Geht natürlich nicht, ein Antrag muss für etwas stehen, bearbeitet werden, doch egal wie sehr sich Albert anstrengt, er wird das Formular nicht los. Seine letzte Chance doch Licht ins Dunkle zu bringen: die Antragsstellerin Anna Sugus aufzusuchen, eine Künstlerin. Klingt banal, doch diese Begegnung wird Alberts Leben verändern und nicht nur seins.
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Meine Meinung:
Liest man die Inhaltsangabe, hat man das Gefühl, klingt eigentlich ganz schön langweilig, zumindest ging es mir damit so. Man kann sich kein wirkliches Bild über die Geschichte machen, weil was soll schon an einen Antrag problematisch sein, der nichts beantragt – ab in den Mülleimer, aber so ist Albert nicht, wenn er sich etwas auf die Fahne schreibt, dann, dass er seine Arbeit 100 % erledigt und deswegen bringt in dieser Antrag auch so aus der Fassung. Einerseits ist es amüsant zu beobachten, wie er reagiert, andererseits macht es einen auch sehr zu schaffen, den Albert Glück scheint nur für seine Arbeit zu leben, was traurig ist. Alles ändert sich jedoch, als Anna Sugus, die Antragsstellerin auftaucht. Albert der pingelige Büroangestellte, trifft auf chaotische Künstlerin, da kann es nur zu einer seltsamen Begegnung kommen. Im Klappentext steht „eine ungewöhnlich charmante Liebesgeschichte“, was es ganz gut beschreibt, es macht Freude die beiden zu beobachten, wie sich zwei so verschiedene Menschen doch vereinen können.
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Zugegeben, nach den ersten 100 Seiten war ich versucht, das Buch wegzulegen. Albert wurde als Büroangestellter in allen Facetten beschrieben und es war so langweilig, ist natürlich schlecht für die Geschichte, im Nachhinein passt es aber. Man lernt Alberts langweiliges Leben kennen und wird dann aber auch Zeuge davon, wie er ausbricht, mit Gewohnheiten bricht, obwohl sie angsteinflößend sind, aber man lernt eben auch, dass man manchmal etwas riskieren muss, um glücklich zu werden. Zu Herzen habe ich mir auch eine Empfehlung des Autors genommen: Lest das Buch mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf. Versucht den Verstand wirklich auszuschalten, es ist nicht leicht, keine Frage, aber wenn ihr es schafft, dann werdet ihr eine wunderbare und einzigartige Geschichte erleben.
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Und während ich die richtigen Worte für das Buch suche, kommt immer wieder „magisch“ auf. Beschreiben kann ich es eigentlich nicht genau, weil es so eine Geschichte ist, die nicht in Worte passt, deren Intensität man einfach nicht fassen kann, aber während des Lesens, da hat sich in meiner Brust so ein warmes Gefühl eingenistet, da ist etwas aufgeblüht. Es waren magische Momente die ich erleben durfte, aber nicht erklären kann, was in Ordnung ist, deswegen ist es Magie, weil es unerklärlich ist.
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Man könnte sich jetzt fragen, warum heißt das Buch „Das Glücksbüro“? Weil es das Büro von Herrn Glück ist und es einfach ein schönes Wortspiel ist? Nein, weil es ein Büro ist, was glücklich macht, weil Glück manchmal so einfach zu schaffen ist und man nur mal aus seiner Routine ausbrechen muss, um es zu erreichen. Ich selbst bin ein Gewohnheitstier, bloß nicht wagemutig etwas ausprobieren, aber das Buch, es stiftet einen an, auch mal etwas anders zu machen, keine komplette Drehung, sondern nur ein kleiner Blick über den Tellerrand – es kann einen eine ganz neue Welt eröffnen. „Das Glücksbüro“ macht Mut, es zumindest einmal zu wagen.
Falls jetzt jemand Angst hat, dass es drängender Optimismus ist, da sei gesagt: Nein, es zeigt nämlich auch, dass man genauso verlieren kann, es ist eine Gradwanderung, die man im Buch vollzieht, es ist zwar mehr auf die positive Seite gerichtet, aber man erahnt und spürt vor allem auch die negative, weil wie eine Medaille, alles zwei Seiten hat.
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Fazit:
Eigentlich gibt es keine Worte für das Buch, es ist blanke Magie, die sich während des Lesens ins Herz hineinsetzt und einen nach Beendigung der Geschichte weiter begleitet. „Das Glückbüro“ zeigt, dass es fassbar ist, man durch einen kleinen Ausbruch aus der Routine, Glück erlangen kann.

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Der Kaiser von China
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(27)

42 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

china, roman, familie, großvater, liebe

Der Kaiser von China

Tilman Rammstedt
Flexibler Einband: 202 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 21.07.2010
ISBN 9783499253539
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Inhalt:
Der Großvater hat es sich gewünscht und so soll es sein – eine Reise nach China. Fünf Geschwister, die auslosen, wer mitfahren muss, weil klar ist – alleine kann Opa nicht reisen. Die Wahl fällt auf Keith, der hat aber mal überhaupt keine Lust das Haus zu verlassen und so macht sich der Großvater alleine auf den Weg nach China – mit dem Auto. Die Geschwister bleiben im Glauben gelassen, dass beide gemeinsam verreist sind, nur Keith und Großvater kennen die Wahrheit. Während der eine mit dem Auto quer durch Deutschland fährt, versteckt sich der andere in der Gartenlaube und schreibt Briefe, Briefe aus China und über eine Reise, die niemals stattfand.
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Meine Meinung:
Was es ist, weiß ich nicht genau, aber dieses Buch hat etwas sehr magisches an sich. Skeptisch machte ich mich an die Geschichte, sie klang einladend und doch hatte ich keine Vorstellung, wie man über eine Reise berichten sollte, die nicht stattfindet, aber hier liegt das Talent des Autors. Man liest sich durch die Briefe an die Geschwister, die ein Leben des Großvaters erschaffen, die einen zweifeln lassen. Wirklichkeit oder nur Fantasie? Obwohl mir klar war, dass diese Reise nicht stattfand, konnte ich dies während des Lesens nicht trennen. Für mich waren es keine leeren Postkarten, sondern tatsächliche Erlebnisse die Enkel und Großvater durchmachten. Darin sehe ich die Magie, darin, dass der Autor Grenzen verwischen kann.
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Die Geschichte schließt sich schnell um einen, irgendwas bringt einen dazu, immer weiterzulesen, auch wenn man jetzt nicht sagen könnte, was gerade die Faszination ausmacht. Das Erzählte ist nett und skurril, eine seltsame Idee, aber vordergründig nimmt einen der Schreibstil in Beschlag, der sich in einem Rutsch genießen lässt. Nebenher bleibt immer die Frage offen, ob das Versteckspiel aufrechterhalten werden kann, da es zu, sagen wir, unerwarteten Stolpersteinen kommt, was nur noch mehr Feuer in die Sache bringt.
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Man hat einmal die Situation, dass sich der Enkel in der Gartenlaube versteckt und dann dazwischen wieder einmal eine Postkarte eingeschoben. Von der Reise, die der Großvater tatsächlich unternommen hat, davon bekommt man leider nichts mit, irgendwie hätte mich seine Sicht der Dinge auch interessiert, aber es war Keiths Erzählung, deswegen kann man sich vermutlich eine Ausschmückung in diese Richtung nicht erwarten.
Die Vorkommnisse in China, die, die also nie stattgefunden haben, sind sehr authentisch und lassen entweder auf eine wahnsinnige Recherchearbeit schließen, oder auf die blühende Fantasie dieses Autors – einerlei, es ist grandios, was hier geschaffen wurde.
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Egal wie viel man gelesen hat, welche Idee man hegt, wie es weitergehen könnte, es war ständig anders wie gedacht. Dieses Buch lässt sich nicht erahnen, seine Handlung ist undurchsichtig, sprudelt nur so vor Überraschungen. Ich habe die Geschichte beendet, den Buchdeckel zugeklappt und mich gefragt: Was war das? Skurrilität auf höchstem Niveau.
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Oft wird bei dem Buch das Wort Humor verwendet, was ich nicht ganz unterschreibe, da ich niemals lachen musste. Kopfschütteln wegen Absurdität – ja, mehr aber nicht, wobei, mehr brauchte das Buch für mich auch nicht.
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Fazit:
Absurd und skurril sind wohl die Worte, die das Buch am besten umschreiben. Nicht alle wird die Erzählweise überzeugen, dafür braucht man den Willen, sich auch mal auf etwas Seltsames einzulassen, aber letztlich ist es lohnenswert, wenn man einmal über den Tellerrand schaut.

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Frau Bengtsson geht zum Teufel
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(29)

41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

gott, teufel, humor, hölle, 10 gebote

Frau Bengtsson geht zum Teufel

Caroline L. Jensen , Frank Zuber
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Droemer/Knaur, 01.02.2013
ISBN 9783426226391
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Inhalt:
Frau Bengtsson ist eine typische schwedische Hausfrau, die nicht wirklich durch irgendeine Eigenschaft bestechen würde. Ein unauffälliges Leben sozusagen, allerdings ändert sich die Situation, als sie in der Badewanne ertrinkt, achtunddreißig Sekunden tot ist, um danach wieder quicklebendig zu sein. Ein Wunder? Die Hausfrau beginnt über Gott nachzudenken, welchen Plan er für sie auserkoren hat. Sie liest die Bibel und beginnt mit jedem Abschnitt mehr an den lieben Gott zu zweifeln, sie geht sogar so weit, dass sie den Allmächtigen herausfordert, sich mit dem Teufel verbündet, nur um endlich eine Reaktion von oberster Stelle zu erhalten. Ein skurriles Unterfangen beginnt.
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Meine Meinung:
Die Geschichte beginnt locker und leicht, es ist nicht schwierig, sich in die Gegebenheiten einzuleben. Frau Bengtsson wird einen bald vertraut und man ist gespannt, wie es wohl mit ihr weitergehen möchte. Der Beginn ist also gelungen, nur leider fällt es dann ziemlich schnell ab. Die Hausfrau beginnt sich mit der Bibel auseinanderzusetzen, sie beginnt Psalme zu hinterfragen, piekt sich einzelne Stellen heraus und erörtert sie mit ihrer Nachbarin. Mein Interesse an Religion hält sich in Grenzen und so haben mich diese Abschnitte einfach nur genervt, wobei sie auch niemanden entsprechen werden, der religiös ist, da es im Grunde nur darum geht, alles schlecht zu sehen. Egal was Gott getan hat, er wird auf das Negativste ausgelegt. Mir geht’s gar nicht darum, dass Gott in ein schlechtes Licht gerückt wird, ist mir völlig egal, es hat mich einfach nur wahnsinnig gelangweilt.
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Das Buch sollte vermutlich witzig sein, zumindest war es meine Erwartung, aber der Humor drang nicht zu mir durch. Langatmig ziehen sich die einzelnen Szenen dahin und auch wenn dann der Teufel seinen großen Auftritt feiert, gibt es nichts zu lachen. Der Schreibstil ist gut, lässt sich flüssig lesen, überhaupt keine Frage, nur leider ist neben der Lesbarkeit für mich nicht viel mehr übrig, was das Buch auszeichnen würde.
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Die Idee, wie sich Frau Bengtsson mit dem Teufel verbündet, sie ist originell, obwohl man natürlich kein Moralapostel sein darf, ansonsten wird man schwer zu schlucken haben. Mir fehlt es auch, dass hier irgendwer moralische Bedenken hat. Klar, da ist ein Plan, wie man Gott austricksen möchte, aber ein bisschen mehr Facettenreichtum und Gedankenüberlegungen von Frau Bengtsson hätte ich mir schon erwartet. Gott als Person fehlt für mich gänzlich im Buch. Ich hätte es interessant gefunden, wenn man auch seine Gedanken lesen hätte können, so war es aber sehr einseitig auf dem Teufel ausgelegt.
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Die Charaktere leben von Klischees, was das Buch jetzt auch nicht heraushebt, sondern nur so dahindümpeln lässt. Wären die einzelnen Personen aussagekräftiger, dann hätte es vermutlich eine Menge von der Geschichte retten können, so aber bleiben sie einen nicht in Erinnerung.
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Fazit:
Eine skurrile Idee, leider langatmig und humorlos verpackt.

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Tags: bibel, diebstahl, ehebruch, gebote, gott, himmel, hölle, kanarienvogel, leben, mord, postbote, sünde, teufel, tod, vogel   (15)

  

 

34 Meter über dem Meer
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(38)

74 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

berlin, liebe, wohnungstausch, leben, ella

34 Meter über dem Meer

Annika Reich
Fester Einband
Erschienen bei Carl Hanser Verlag GmbH "&" CO. KG, 01.02.2012
ISBN 9783446238633
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Inhalt:
Horowitz, ein Meeresbiologe der noch nie das Meer gesehen hat, möchte aus seiner gewöhnten Umgebung ausbrechen und hängt deswegen Zettel aus, an denen er anbietet, seine Wohnung zu tauschen.
Ella hat gerade ihr Studium beendet, steht kurz vor ihrer ersten festen Arbeitsstelle und hat das Gefühl, mehr ein Verwirrspiel als ein Leben inne zu haben. Sie stößt zufällig auf die Wohnungstauschzettel und erhofft sich durch diese ungewöhnliche Methode mehr Klarheit für sich, ihre Liebe und ihr Leben.
Die beiden tauschen ihre Wohnung und lernen dadurch nicht nur neue Bekanntschaften kennen, nein, sie kommen sich selbst auch wieder viel näher.
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Meine Meinung:
Die Idee hinter dem Buch klingt durchaus interessant, einfach mal aus deinem eigenen Leben hinausschlüpfen und ein anderes ausprobieren, schauen, ob man vielleicht in einer anderen Umgebung, sich auch ein wenig selbst verändert. Die Charaktere tun es, sie verändern sich stätig im Laufe des Buches, was vermutlich daran liegt, dass sie in ihrer neuen Wohnung, auf Bekannte des anderen stoßen, neue Verbindungen knüpfen, die ihr Leben positiv beeinflussen.
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Was ich ein wenig Schade fand war, dass die Zwei, oder zumindest der Meeresbiologe, der noch nie das Meer gesehen hat, zwar kauzig klingen, aber nicht wirklich so rüberkommen. Ella war nett beschrieben, sie ist einen in ihren großen und kleinen Sorgen schnell vertraut und auch sympathisch, Horowitz dagegen, man liest von seinen Eigenarten, kann sich aber darüber nicht wirklich ein klares Bild machen, weil einfach doch das Facettenreichtum, meiner Meinung nach, nicht wirklich ganz ausgeschöpft wurde. Er bleibt, so eigenen wie er sein mag, relativ farblos und damit ausdruckslos.
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„Glaubst du, dass ich mir was vormache, dass ich mir das Leben schönrede? Wenn das Leben nur das ist, was ich daraus mache, dann ist Schönreden vielleicht gar kein Problem, dann ist es vielleicht sogar das Beste, was man machen kann; aber wenn es doch noch ein anderes Leben gibt, eines, in dem es Wahrheiten gibt, die mit meiner Sicht der Dinge nichts zu tun haben, dann verstelle ich mir das Leben, indem ich es mir schönrede, dann lebe ich daran vorbei – und das ist das Letzte, was ich möchte.“ (Seite 198)
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Ellas Leben dreht sich sehr stark um die Beziehung zu Paul, von der sie selbst noch nicht sicher ist, was sie davon halten kann, das heißt, man hat immer wieder ein paar romantische Elemente eingeflechtet, wobei man mit der Protagonisten auf der Seite steht, nicht zu wissen, wie sich die Geschichte entwickelt. Generell ist es schwierig zu wissen, wohin sich Ella sowie Horowitz entwickeln, weil es immer wieder diese kleinen Überraschungsmomente und Wendungen gibt, die man sich gar nicht erwartet hat. Diese Erzählweise hält die Spannung gut und durchgehend aufrecht.
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Mein Leben fühlt sich an wie die Antwort auf eine Frage, die ich nicht kenne. (Seite 45)
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Neben den positiven und negativen Gesichtspunkten, bleibt mir nur zu sagen, dass die Geschichte nett ist, mehr allerdings nicht. Der Schreibstil ist gut gewählt, lässt einen dranbleiben und wissen wollen, wie die Leben der Zwei sich entwickeln, allerdings ist nichts wirklich so herausstechend, dass es das Buch zu etwas besonderen machen würde. Sicherlich kann man das Buch lesen, so als kleine Lektüre zwischendrin, aber mehr als nett kommt mir dafür letztlich nicht in den Sinn.
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Fazit:
Eine nette, kurzweilige Geschichte, über das ausbrechen aus alten Mustern.

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Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone
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(71)

105 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 10 Rezensionen

autismus, krimi, humor, autist, england

Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone

Mark Haddon , Sabine Hübner
Flexibler Einband: 282 Seiten
Erschienen bei cbt, 06.06.2006
ISBN 9783570302965
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Der 15-jährige Christopher leider am Asperger Syndrom (was im Buch zwar nie eindeutig erwähnt wird, aber durch die Schilderungen doch darauf schließen lässt). Er lebt alleine mit seinem Vater in der Kleinstadt Swindon, seine Mutter ist vor geraumer Zeit verstorben. Sein Alltag ist von Regeln bestimmt, doch besonders die Mathematik hat es dem Jungen angetan, für ihn sind Zahlen viel logischer, als alles andere.
Eines Tages findet er den Hund der Nachbarin ermordet auf, was den Detektiv in ihm weckt, immerhin mochte er das kleine Wesen sehr gerne. So beginnt er zu ermitteln und stößt bald auf Dinge, die sein Weltbild komplett erschüttern werden.
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Meine Meinung:
Die Welt eines Jungen mit Asperger ist schon besonders, so besonders, dass man sich erst einmal einfinden muss in die Gegebenheiten, die auf den ersten Blick so sonderbar anmuten, nach wenigen Seiten aber doch eine große Logik ausstrahlen. Christopher ist einen schon nach wenigen Seiten sympathisch, seine Eigenheiten stehen für ihn, wobei eine wirkliche Verbindung konnte ich nicht zu ihm aufbauen, viel zu konstruiert hat mir der Charakter manchmal gewirkt.
Was gesagt sein soll – hier handelt es sich um einen Roman, oft sind solche Geschichten überspitzt dargestellt und letztlich ist jeder Autismus anders, für mein Empfinden war es aber doch realistisch, wenn auch vielleicht ein wenig zu viel des Guten.
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Der Kriminalfall steht sicherlich zu Beginn im Mittelpunkt, aber das Buch beinhaltet kuriose Wendungen, die ich niemals erwartet hätte, dadurch wird auch geschaffen, dass niemals Langeweile aufkommt, allerdings ist es auch so, die Wendungen mögen interessant sein, aber doch so abenteuerlich, dass es mir schwer fiel, wirklich daran zu glauben. Christophers Handeln konnte ich nicht in Einklang mit seiner Krankheit bringen, es war ein wenig seltsam, wie sehr er die Routine sucht, aber dann genauso abrupt aus ihr ausbricht.
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Das bedeutet, ein Mordopfer wird meist von jemandem getötet, den es kennt, und Elfen bestehen aus Papier, und mit jemandem, der tot ist, kann man nicht mehr reden. (Seite 123)
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Das Buch selbst ist in Tagebuchform geschrieben und in kleine Kapitel unterteilt, was es einem leicht macht, sich durch die Geschichte zu bewegen. Der Schreibstil ist sehr einfach gewählt und einzig die mathematischen Erklärungen sind manchmal ein wenig anspruchsvoll, sogar verwirrend, ansonsten lässt sich das Buch aber gut lesen.
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Mein eigentliches Problem mit dem Buch: in meinem Kopf findet ständig der Vergleich zu „Der beste Tag meines Lebens“ von Ashley Miller und Zack Stentz statt. Beide Bücher beinhalten nahezu das gleiche Thema: Junge mit Asperger versucht Kriminalfall zu lösen. Das Buch von Ashley Miller und Zack Stentz hat mich beeindruckt, gleich gefangen genommen, was ich von „Supergute Tage“ nicht ganz behaupten kann. Christopher bleibt einen fremd, die Wendungen sind zu abenteuerlich und auch die Krankheit ist auch ein wenig zu überspitzt geschildert. Nichtsdestotrotz war es ein nettes Buch, was man lesen kann, allerdings nicht muss.
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Fazit:
Eine abenteuerliche Geschichte, die über den Begriff “nett” leider nicht hinauskommt.

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Ganz normale Helden
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(29)

62 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

familie, internet, london, trauer, realität

Ganz normale Helden

Anthony McCarten
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.09.2012
ISBN 9783257067941
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Inhalt:
Der Tod des jüngsten Sohnes Donny, bringt die Familie Delpe ans Ende ihrer Kräfte. Ein Jahr ist es her, doch die Wunden sind noch frisch. Gemeinsam wird nicht getrauert, nein, jeder versucht für sich alleine mit dem Schicksalsschlag fertig zu werden. Jeff Delpe, einst mal der ältere Bruder, bleibt jetzt als Einzelkämpfer übrig, zieht sich in die Onlinewelt des Rollenspieles „Life of Lore“ zurück. Seine Eltern glauben an geheime Machenschaften, die dort ablaufen und versuchen an ihren Sohn ranzukommen, doch dieser blockt komplett ab. Während sich die Mutter Renata im Internet Hilfe sucht, Trost finden möchte, macht sich der Vater Jim auf den Weg in die Welt von „Life of Lore“, damit er Jeff nahe sein kann. Er taucht in eine virtuelle Realität ein und versucht den verlorenen Sohn wiederzufinden.
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"Meine Meinung:"
„Ganz normale Helden“ ist eigentlich die Fortsetzung von „Superhero“, wobei ich sagen muss, das erste Buch nicht gelesen zu haben, allerdings deshalb auch keinerlei Probleme hatte, der Geschichte zu folgen. Sicherlich ist es ganz interessant zu sehen, wie die Krankheit von Donny die Familie verändert und wie sie letztlich dem Tod entgegensehen, aber zwingend notwendig ist es nicht, beide Bücher zu lesen, sie können auch einzeln für sich stehen.
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Die Geschichte beginnt damit, dass sich die einzelnen Familienmitglieder immer mehr voneinander entfremden. Jeder seinen eigenen Weg sucht, um mit der Trauer umzugehen. Jeff verkriecht sich in der Onlinewelt und ist für seine Eltern nicht mehr erreichbar, je drängender sie auf ihn einwirken, desto mehr blockt er ab, bis es zu einem Eklat kommt, der Junge von zu Hause abhaut, spurlos verschwindet. Auf Grund dessen beginnt sein Vater in der Onlinewelt nach ihm zu suchen, wird auch fündig. Er muss natürlich eine Rolle spielen, will er seinen Sohn nahekommen, darf er nicht zugeben, wer er ist und welche Absicht er verfolgt. So kann man als Leser bei Gesprächen von Vater und Sohn dabei sein, ohne dass der Sohn wirklich weiß, was vor sich geht. Eine spannende Situation, die die verzweifelten Bemühungen des Vaters aufzeigen.
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Jim wird mehr und mehr ans Spiel gefesselt, verliert den Blick für die Realität, entfernt sich mehr von seiner Frau und auch seine Arbeit leidet unter der Suche nach dem Sohn. Er erfährt Dinge über Jeff, die er niemals erwartet hätte, doch je mehr er erfährt, desto weniger scheint er seinen Sohn zu kennen.
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Ich weiß nicht genau, aber die Geschichte ist zwar von der Idee gut gewählt, aber überzeugen konnte sie mich nicht. Nach der Hälfte des Buches war ich versucht, es einfach wegzulegen und es niemals wieder zur Hand zu nehmen, zu gelangweilt haben mich die einzelnen Abläufe, die sich in langatmigen Wiederholungen bündeln. Auch wird die Internetwelt, das Rollenspiel, sehr einseitig beleuchtet. Sicherlich ist im Internet nicht alles koscher, aber da muss man differenzieren, den Blick weitern und nicht nur das Schlechteste von allen annehmen, aber genau dies passiert im Buch. Es sieht das Rollenspiel und seine Nutzer als generell absonderliche Wesen. Braucht die Geschichte vermutlich, ansonsten würde sie nicht funktionieren und trotzdem, es bleibt der bittere Beigeschmack erhalten, dass nur eine Seite der Medaille gezeigt wird.
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Fazit:
Lesbar, streckenweise leider langatmig und in der Ausführung einseitig. Kann man lesen, muss man aber nicht.

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MUH!
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(78)

170 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

indien, kühe, humor, champion, glück

MUH!

David Safier
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kindler, 09.11.2012
ISBN 9783463406039
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Inhalt:
Die Kuh Lolle erwischt ihre große Liebe, den Stier Champion, dabei, wie er sie mit ihrer Kontrahentin Susi betrügt. Schwer geschockt, weiß sie nichts mit sich anzufangen, ist völlig am Boden zerstört. Nicht unbedingt hebt es ihre Laune, als sie erfährt, dass ihr Bauer alle Kühe töten lassen möchte. Sie trifft den Kater Giacomo, der ihr die Geschichte eines Landes erzählt, die beinahe zu schön ist, um wahr zu sein. In Indien seien Kühe heilig, niemand würde ihnen dort ein Haar krümmen. Wen überrascht es da, dass Lotte den Plan fasst, mit ihren Freundinnen Hilde und Radieschen, sich genau auf zu diesen Ort zu machen.
Indien ist ja gleich um die Ecke von Deutschland, dachten sie…
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Meine Meinung:
Machen wir es kurz und schmerzlos: das Buch ist einfach nicht witzig.
Die Idee ist großartig, wohin soll eine Kuh auch schon flüchten, wenn sie bei uns nicht auf dem Teller landen möchte? Indien ist da wohl die erste Adresse und man hätte da viel rausholen können, aber für mich kam alles irgendwie sehr gezwungen rüber.
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Sagen muss ich auch, dass ich „Mieses Karma“ ebenfalls nicht sonderlich witzig fand, nur die anderen Bücher vom Autor haben mir wirklich gefallen, was jetzt kein Garant für alle ist, denen David Safiers erstes Buch gefallen hat, aber eventuell sagt es denen mehr zu.
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Der Schreibstil ist wieder gewöhnt angenehm und lässt einen das Buch flüssig lesen, weshalb ich es letztlich auch beendet habe, weil es schon irgendwie eine nette Geschichte war, die sich gut lesen lässt, aber einfach die Erwartungshaltung an einen lustigen Roman nicht halten konnte.
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Fazit:
Nette Geschichte, die nur leider nicht witzig ist.

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Und Gott sprach: Wir müssen reden!
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(39)

72 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

gott, humor, religion, hans rath, weihnachten

Und Gott sprach: Wir müssen reden!

Hans Rath
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Wunderlich, 06.11.2012
ISBN 9783805250443
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Inhalt:
Dr. Jakob Jakobi ist ein erfolgloser Psychotherapeut, den die Klienten ausbleiben, was ihn abhängig gegenüber seiner Ex-Frau macht, die durch ein Erbe finanziell ausgesorgt hat. Schlimmer könnte es nicht sein, aber absurder auf jeden Fall. Im Krankenhaus trifft Jakob auf Abel Baumann, der selbst von sich behauptet Zirkusartist zu sein, aber auch Gott höchstpersönlich. Gott ist in einer Krise, der mit seiner Schöpfung unzufrieden ist und deswegen den Therapeuten um eine Gesprächstherapie bittet. Wie soll man zu Gott schon nein sagen – Jakobi sagt zu und erlebt das Abenteuer seines Lebens.
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Meine Meinung:
Irgendwo hatte ich in meinem Kopf abgespeichert, dass Hans Rath Autor von humoristischen Büchern ist, weshalb ich genau diese Erwartungshaltung hatte, die sich allerdings nicht bestätigte, also „ Und Gott sprach: Wir müssen reden!“ ist schon ein amüsantes kleines Büchlein, aber es sprüht jetzt nicht so vor Witz, was dem Ganzen aber keinen Abbruch tut.
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Die Geschichte selbst ist einfach gestrickt, allerdings auch sehr spannend, weil man sich selbst immerzu fragt, ob man jetzt tatsächlich Gott vor sich hat, oder wirklich nur irgendeinen Spinner. Zu viele Indizien, die es einen schwer machen, zu entscheiden woran man ist, was dem Buch aber gut tut, so bleibt man dran, verfolgt die Geschichte aufmerksam und gerne.
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Psychologisch betrachtet ist das Ganze natürlich völliger Unsinn, weil zwischen Jakob und Abel keine wirkliche Therapiesituation stattfindet, klar wird ein Leben erzählt, aber die Umstände sind schon sehr absurd. Mit seinem Therapeuten auf einem Dach sitzen und Wein trinken, oder eine gemeinsame Zugfahrt, sind schon Dinge, die man in einer Psychotherapie nicht vorfinden wird, aber gut, die Therapie von Gott ist wohl anders zu führen. Fand ich jetzt auch nicht schade, sicherlich hätte ich mir ein paar mehr therapeutische Aspekte gewünscht, aber ehrlich gesagt, war die Hoffnung darauf schon vor Beginn des Lesens eher gering.
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Die Charaktere, besonders Abel, sie bleiben ein wenig distanziert, zumindest konnte ich nicht gleich eine Verbindung mit ihnen aufnehmen, was aber vermutlich natürlich ist, weil man sich bei Abel sowieso nie sicher sein kann, woran man da eigentlich ist. Jakob andererseits ist einem da schon ein bisschen näher, weil man einen detaillierteren Einblick in sein Leben erlangt und trotzdem bleibt da irgendwie eine unüberbrückbare Kluft.
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In einigen Rezensionen las ich, das Buch sei tiefgründig – würde ich jetzt so nicht unterschreiben, natürlich, gewisse Szenen regen durchaus zum Nachdenken an, aber eine wirkliche Tiefgründigkeit konnte ich nicht entdecken. Mehr ist es ein Wohlfühlbuch, was sich locker und leicht lesen lässt, einen glücklich zurücklässt, allerdings auch schnell wieder vergessen ist.
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Fazit:
Ein unterhaltsames Buch, was in der kalten Jahreszeit das Herz erwärmt.

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Tags: abenteuer, ehe, gott, hilfe, patient, persönlichkeitsstörung, probleme, reise, schöpfung, therapie   (10)

  

 

Ich nannte ihn Krawatte
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64 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

japan, außenseiter, einsamkeit, schuldbewusstsein, salaryman

Ich nannte ihn Krawatte

Milena M Flasar , Milena Michiko Flašar
Fester Einband: 139 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 31.01.2012
ISBN 9783803132413
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Inhalt:
Der junge Taguchi Hiro ist ein Hikikomori, jemand der sich von der Gesellschaft zurückzog und nur noch in seinem Zimmer blieb, ohne jemals Kontakt zur Außenwelt zu suchen. Ein weitverbreitetes Problem und Phänomen in Japan. Die zumeist Jugendlichen halten den Leistungsdruck nicht mehr statt und suchen die soziale Isolation. Jetzt als 20-jähriger lernt er sein Zimmer zu verlassen, sucht Zuflucht vor der lauten Welt in einem nahegelegenen Park.
Ohara Tetsu ist ein 58-jähriger Firmenangestellter, der seine Arbeit verloren hat und es nicht wagt, es seiner Frau zu sagen. Jeden Tag verlässt er pünktlich das Haus, um für seine Frau die Illusion aufrechtzuerhalten, dass alles in Ordnung ist. Sein Weg führt ihn in den Park und somit ist der Anfang einer Geschichte geschrieben, die von zwei Menschen handelt, die aus der Norm gefallen sind und gemeinsam wieder Normalität schaffen.
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Meine Meinung:
Es war eher ein Zufall, dass mir dieses Buch in die Hand fiel, vermutlich hätte ich ohne Empfehlung niemals dazu gegriffen. Die Geschichte klingt simpel gestrickt: treffen sich zwei Japaner auf einer Parkbank und erzählen einander ihr Leben. Allerdings ist die Begegnung, wie sie zueinander finden, eine feine und filigrane Annäherung. Zuerst sind es nur Beobachtungen, nur langsam kommt es zu wirklichen Gesprächssituationen, doch wenn sie da sind, dann hat man das Gefühl, als würden sich Menschen unterhalten, die sich schon jahrelang kennen. Kein Geheimnis scheint zwischen ihnen zu stehen, vermutlich deshalb, weil beide das selbe Schicksal teilen, sie passen nicht wirklich in die japanische, leistungsorientierte Gesellschaft. Stehen abseits. Zuerst jeder für sich, doch dann miteinander.
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Heute begreife ich, dass es unmöglich ist, jemanden nicht zu begegnen. Indem man da ist und atmet, begegnet man der ganzen Welt. Der unsichtbare Faden hat einen vom Augenblick der Geburt an mit dem anderen verbunden. Ihn zu kappen, dazu bedarf es mehr als nur eines Todes, und es nützt nichts, dagegen zu sein.
Als er auftauchte, hatte ich keine Ahnung. (Seite 12)
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In einem Wechsel erzählen die beiden Männer ihre Geschichten, geben einen kurzen Einblick in das eigene Leben, werden dadurch für den Leser mehr als nur facettenreich, nein, nach dem Lesen selbst hat man das Gefühl, beide wahrhaftig zu kennen. Eigentlich, eigentlich sitzt man zusammen mit ihnen auf der Parkbank, ist der stille Zuhörer, der beobachtet, wie die Verbindung der Zwei mit jedem Tag wächst.
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Das Buch spielt in Japan, so werden auch viele japanische Ausdrücke eingebaut, was das Ganz nur irgendwie noch authentischer macht, wenn aber auch gesagt sei, dass die Geschichte im Prinzip überall spielen könnte, weil es in jedem Leistungssystem Menschen gibt, die durch das Raster fallen und sich als Ausgestoßene sehen. Zurück zu den Ausdrücken, es finden sich eine Menge in dem Buch vor, die allerdings im Anhang auch ihre Erklärung finden, bis es dem Leser irgendwie in Fleisch und Blut übergeht, man ein wenig selbst in Japan lebt.
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Herauszuheben wäre die sprachliche Präzision, mit der das Buch geschrieben ist. Man könnte beinahe jeden Absatz anstreichen, so poetisch und wunderschön sind die Worte gewählt, die Gefühle verpackt. Die Faszination an diesem Buch liegt für mich zum großen Teil an dem Schreibstil, allerdings auch an den zwei Protagonisten, die man einfach nur ins Herz schließen kann.
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Fazit:
Es gibt diese kleinen Schätze auf dem Buchmarkt, die man einfach nur in sein Herz schließen kann. „Ich nannte ihn Krawatte“ ist eines dieser außergewöhnlichen Werke.

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Anatomie einer Nacht
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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

grönland, düster, österreichische literatur, amarâq, selbstmord

Anatomie einer Nacht

Anna Kim
Fester Einband: 303 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 01.09.2012
ISBN 9783518423233
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Inhalt:
Amarâq, ein fiktiver Ort in Grönland, ist der Schauplatz einer Nacht, in der sich elf Menschen umbringen. Elf Tote, die keinerlei Verbindungen aufweisen und doch irgendwie miteinander verknüpft sind, dadurch, dass sie alle selbst entscheiden aus dem Leben zu scheiden. Elf unterschiedliche Gründe, elf ganz unterschiedliche Leben, die doch zusammen gehören.
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Meine Meinung:
Was schreibt man zu einem Buch, welches irgendwie an einem vorbeizog und in keinerlei Erinnerung geblieben ist? Amarâq, es scheint eine trostlose Kleinstadt, in der ein Leben nahezu unmöglich erscheint, schön ausgeschmückt wird der Ort bis ins Detail beschrieben, bis man ihn bildlich vor Augen hat, aber ansonsten herrscht leer in diesem Bild. Die Protagonisten sind zwar vorhanden, aber nicht so, dass sie der Leser greifen könnte, mehr fließen sie einen durch die Finger und hinterlassen keinerlei bleibenden Eindruck.
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Eine Vielzahl an Protagonisten kommt im Buch vor und obwohl man zu Beginn eine kleine Übersicht hat, ist es trotzdem ein einzig großes Verwirrspiel und immer wieder ein stätiges fragen, welchen Charakter, mit welcher Geschichte, man jetzt vor sich hat. Neben den Hauptdarstellern tauchen auch immer wieder Personen auf, die mit der Geschichte nicht sonderlich viel zu tun haben, sondern einfach nur als Randfigur auftreten, dadurch aber noch einmal alles durcheinandermischen, bis man dann irgendwann daran verzweifelt.
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Doch darin liegt die Grausamkeit und Gefahr dieser Nächte. Sie federn nicht ab, sie gleichen nicht aus, sondern sie intensivieren, richten den Fokus auf dem Schmerz und betonen ihn, indem sie die Zeit ausradieren, das Vergangene und Zukünftige, und es mit einem Mal ausschließlich die Gegenwart gibt, das Hier und Jetzt. (Seite 235)
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Mit 303 Seiten ist das Buch jetzt nicht dünn, aber durch die Vielzahl der Protagonisten, durch die ganzen Erzählungen der einzelnen Geschichten, sind die Seiten doch schnell aufgebraucht, ohne aber dass man wirklich einer Person nahe gekommen ist. Die Schicksale, von ihnen hatte ich mir kleine psychologische Feinheiten erwartet, aber sie sind wie das Buch selbst, wirr und nicht gleich nachvollziehbar, durch die wenigen Seiten, die man jeden einzelnen gewidmet hat, fühlt man auch mit niemanden mit. Der schnelle Wechsel zwischen den Personen macht es einfach unmöglich, einen emotional irgendwie verfolgen zu können, weshalb letztlich niemand von allen einen berührt, ihre Schicksale am Leser irgendwie vorbeiziehen.
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Sprachlich fällt das Buch durchaus auf, weil es poetisch und verwinkelt ist, doch irgendwann, irgendwann war auch dieser Aspekt einfach nur noch nervig, weil man sich nicht mehr auf die Geschichte konzentrieren konnte, sondern die einzelnen Sätze zerpflücken musst, um irgendwie einen Sinn im Ganzen erkennen zu können.
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Fazit:
Die Autorin wollte so viel, vermutlich zu viel und konnte mich leider mit „Anatomie einer Nacht“ so gar nicht überzeugen.

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Tags: amarâq, dunkelheit, grönland, nacht, schicksal, selbstmord, suizid, verzweiflung, österreich   (9)

  

 

Asoziales Wohnen
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30 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

asoziales wohnen, dirk bernemann, mehrfamilienhaus, liebe, familien

Asoziales Wohnen

Dirk Bernemann
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Unsichtbar, 01.10.2012
ISBN 9783942920148
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Inhalt:
Acht Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus, nichts außergewöhnlich und dann doch, wenn Dirk Bernemann den Menschen einen Alltag auf dem Leib schneidert. Unterschiedlich sind die Bewohner, mal ein alleinlebender Künstler, mal die typische Vorstadtfamilie, aber typisch sind sie irgendwie alle nicht, weil sich jeder anderes der trostlosen Wahrheit stellt, die unweigerlich lauert. Anonym leben die Bewohner unter dem selben Dach und treffen doch aufeinander, weil die meisten Leben doch irgendwie miteinander verwoben sind.
Ein Mehrfamilienhaus irgendwo in der Welt, mit Menschen, die durch ihre Alltäglichkeit bestechen und an deren Leben man für einen kurzen Ausschnitt teilhaben darf. Eine spannende Sache!
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Meine Meinung:
Das Leben im Mehrparteienhaus ist trist, einen positiven Roman darf man sich nun wahrlich nicht erwarten, aber vielleicht ist so genau der Alltag, meistens schwer zu ertragen. Dirk Bernemann hat einen ganz eigenen Stil, weshalb es wohl wichtig wäre, einfach einmal in seine Bücher hineinzulesen, oder zumindest die Texte auf seinen Blog anzuschauen (http://dirkbernemann.blogspot.co.at/).
Ich liebe seinen Stil, mir fällt spontan kein Autor ein, der diese Prätension in seinen Schilderungen unterbringt, der so alltäglich einen Alltag beschreibt, dass es einen beinahe den Atem raubt, weil die Gedanken sind einen irgendwie bekannt sind, aber wer will schon Trostlosigkeit denken, in einer Gesellschaft wo nur noch funktioniert wird.
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Vermutlich wird das Buch die Leser spalten, einigen wird sicherlich die tiefe Trostlosigkeit auf den Senkel gehen, weil es wenig positive Lichtblicke gibt, sie sind schon vorhanden, aber so klein, dass man sie leicht übersieht. Dirk Bernemann ist wie bekannt direkt, was auch vermutlich nicht bei allen auf Wohlgefallen trifft, weshalb es wohl einfach wichtig ist, in seine Texte mal hineinzuschnuppern, aber alles was spalten könnte, liebe ich an dem Autor.
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Die kommt jetzt übrigens rein, die Zeit, setzt sich zwischen Frust und Sibylle auf die Couch und bittet darum, totgeschlagen zu werden. Sieht wieder suizidgefährdet aus, die Zeit. Sie vergeht und verkommt und sie ist immer unterwegs, die alte Uhrenhure. (Seite 134)
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Der Schreibstil ist poetisch und braucht deswegen die gesamte Aufmerksamkeit des Lesers, weshalb es wohl eher nicht ratsam ist, es als Zwischenlektüre zu lesen, sondern sich aufmerksam hinzusetzen, den Text auf sich wirken zu lassen und einfach in eine Welt einzutauchen, die voller Dunkelheit nur so glänzt.
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Obwohl ich alle Bücher von Dirk Bernemann gelesen habe, fand ich, dass keines mehr wirklich mit „Ich habe die Unschuld kotzen sehen“ mithalten konnte und nach „Trisomie so ich dir“, welches ich wirklich furchtbar fand, war die Erwartungshaltung gering, sogar eher nicht vorhanden, aber das Buch hat mich eines Besseren belehrt – eindeutig gezeigt, dass es der Autor drauf hat, ich würde vielleicht soweit gehen und sagen „Asoziales Wohnen“ ist das beste Buch von allen.
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Kritik gibt es auch an dem Buch, aber nicht an der Geschichte, es geht eher um die Lektoratsarbeit , leider strotzt es nur so von Rechtschreibfehler, was schade ist, aber allerdings auch nicht tragisch, weil wenn man wirklich komplett in der Welt versunken ist, dann nimmt man sie nicht unbedingt war, Tatsache allerdings bleibt, sie sind da.
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Fazit:
Ohne viel herumzureden, sage ich es gleich: „Asoziales Wohnen“ ist mein Jahreshighlight 2012.

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Tags: alien, asoziales wohnen, autor, bernemann dirk, familie, hoffnungslosigkeit, liebe, mehrparteienhaus, mädchen, sehnsucht, trostlosigkeit, verzweiflung, wohnhaus   (13)

  

 

Oh. Mein. Gott.
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18 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

gott, meg, rosoff, jugendbuch, liebe

Oh. Mein. Gott.

Rosoff Meg , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 23.08.2012
ISBN 9783100660701
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Inhalt:
Gott heißt eigentlich Bob und ist ein 19-jähriger Teenager, der es liebt zu schlafen und auch sonst eher nicht viel unternimmt, außer an Sex zu denken. Nur einmal, da schuf er in 6 Tagen eine ganze Welt, wobei ihn diese Erfindung heutzutage nur noch langweilt. Sein Interesse gilt jetzt mehr Lucy, dem schönsten Mädchen was er je gesehen hat. Liebe kann Berge versetzen, aber auch die ganze Welt ins Chaos stürzen, wenn es Gott ist, der seinen Gefühlen nachhängt.
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Meine Meinung:
Die Idee klingt ganz nett: ein Teenager als Gott, mit all den Problemen und Sehnsüchten, die halt in der Pubertät aufkommen, doch mehr als eine nette Idee wird es nicht, nein, eigentlich ist es ein komplettes Desaster.
Satiren auf Gott können lustig sein, wenn man eine Gestalt schafft, die irgendwie ansprechend ist, aber Bob ist einfach nur ein egoistisches, arrogantes, man verzeihe mir, Arschloch. Man liest das Buch und hasst ihn mit jeder Seite mehr, weil er sich nur darum kümmert, was ihn betrifft.
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Eine Kostprobe:
Das viele Nachdenken frustrierte ihn. Es gab so viel zu organisieren. Wenn Mr. B eine richtige Hilfe wäre, würde er seinen hektischen Terminplan, bestehend aus kranken Kindern und vergewaltigten Frauen oder was immer gerade das Heulthema der Woche war, für ein paar Minuten vergessen und sich um ich kümmern (Seite 160)
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Und so geht es das ganze Buch dahin, egal mit welchen Schrecklichkeiten die Welt gerade konfrontiert wird, Bob schiebt alles zur Seite, nur damit er wieder im Rampenlicht stehen kann und so gut es gemeint war, aus Gott einen Teenager zu machen, so schlecht ist es gelungen. Das Buch schrammt wirklich auf niedrigstem Niveau dahin, wobei, vielleicht ist es auch einfach nicht meine Kragenweite an Humor.
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Zwischen dieser furchtbaren Geschichte verbirgt sich aber auch eine kleine Schönheit, die der einzige Grund war, weshalb ich das Buch zu Ende las. Es ist die Geschichte um Eck, Gottes Haustier. Bob selbst behandelt es wie den letzten Müll, schlägt es, letztlich wird er bei einem Spiel als Wetteinsatz genommen und verloren. Sein neuer Besitzer will ihn essen, was Bob natürlich auch nicht kümmert, aber da gibt es Estelle. Estelle ist nur eine Nebenfigur, allerdings auch die einzige, die sich für Eck einsetzt. Es entwickelt sich eine herzzerreißende Freundschaft. Und genau diese Nebengeschichte war es, die mich lesen ließ, weil ich wissen wollte, wie alles für Eck ausgeht.
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Fazit:
Eines der schlechtesten Bücher, die ich je gelesen habe, mit einem Hauptprotagonisten, den man einfach nur hassen kann.

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Ein plötzlicher Todesfall
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(211)

479 Bibliotheken, 31 Leser, 3 Gruppen, 64 Rezensionen

england, kleinstadt, drogen, gemeinderat, tod

Ein plötzlicher Todesfall

Joanne K. Rowling , Susanne Aeckerle
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 27.09.2012
ISBN 9783551588883
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Inhalt:
Die Geschichte spielt in der Gemeinde Pagford, ein kleines Dörfchen, in dem jeder noch jeden kennt, so kennt man auch Barry Fairbrother, Mitglied des Gemeinderates, ist umso bestürzter, als man von seinen plötzlichen Todesfall hört.
Neben der Bestürzung wird allerdings auch ein Platz im Rathaus frei, was zwei Parteien auf den Plan bringt. Solche, die Barry Fairbrothers Weg weiterbeschreiten möchten und solche, die genau das Gegenteil erreichen wollen. Ein Krieg bricht unter den Bürger aus, während das Leben weitergeht und seine Schwere für niemanden verliert.
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Meine Meinung:
Was wurde nicht schon alles über das Buch geschrieben, von Lobhymnen bis zu tiefsten Enttäuschungen, alles war dabei. Für mich ist es letztlich ein grundsolider Roman, der sich sehen lassen kann. Was nur jedem klar sein muss, es ist kein Harry Potter, kann es auch gar nicht sein, die Genres sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht, doch wenn J.K. Rowling etwas kann, dann schreiben. Sie versteht es, mit Worten umzugehen, sie in eine melodische Reihenfolge zu geben, so dass es einfach eine Freude ist, ihre Geschichte zu lesen.
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Im Buch findet man zig Charaktere vor, die einen alle einen Einblick in ihr Leben gewähren und zugegeben, zu Beginn des Buches, die ersten 100 Seiten, sie sind zäh, verwirrend und nicht der gelungene Einstieg, aber man findet sich zurecht, irgendwann kann man die Geschichten in die richtige Reihenfolge bringen und ihnen auch folgen. Man sollte dem Buch nur wirklich diese Chance auch geben und sich durchbeißen, denn es lohnt sich.
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Vom Inhalt klingt es jetzt ein wenig politisch, was schon vorkommt, aber nicht in einem Politroman endet, es ist mehr nur ein Nebenstrang, der eingearbeitet wurde und auch eine wichtige Rolle spielt, aber eben nur nebenher. „Ein plötzliches Todesfall“ ist, wie schon oft erwähnt, eher eine Gesellschaftsstudie. Man hat wirklich alle Schichten im Buch versammelt, sei es der Ladenbesitzer oder die Tochter einer Drogenabhängigen. Sie alle spielen eine zentrale Rolle und finden ihren Platz, abwechselnd bekommt man einen Einblick in die unterschiedlichen Leben, lernt dadurch auch die Charaktere lieben, oder eben zu hassen. Die einzelnen Lebensgeschichten sind authentisch beschrieben, passen in das konservative Dorfleben, was man in Pagford vorfindet. Irgendwo las ich, das Buch sei düster und deprimierend, jein, für mich ist es einfach sehr realitätsnah, wenn auch das Hauptaugenmerk auf die negativen Dinge gerichtet ist.
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Kritik gibt es auch, wenn es auch nicht wirklich unbedingt kritisch gemeint ist, so kam es mir doch vor, dass manche Protagonisten besser und intensiver ausgearbeitet waren, als jetzt vielleicht andere, was sich bei mir auswirkte, dass ich einfach Lieblingshandlungsstränge hatte, die ich mit mehr Interesse verfolgt habe als andere. Für eine Gesellschaftsstudie waren mir auch manche Problematiken nicht sonderlich gut ausgearbeitet, andere wiederum schon, es ist einfach ein Kontrastprogramm, manchmal überzeigt eine Lebensgeschichte komplett, manchmal nicht.
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Fazit:
Ein richtig gut geschriebener Roman, der nur minimale Kritikpunkte aufweist und meines Erachtens gelungen ist, sich nicht hinter Harry Potter verstecken muss.

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