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Ein Haus in der Wildnis
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Ein Haus in der Wildnis

Annie Proulx , Melanie Walz
Fester Einband: 283 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 02.11.2011
ISBN 9783630872483
Genre: Biografie

Rezension:

Vor mehr als sechs Jahren beschloss die kanadisch-amerikanische Schriftstellerin Annie Proulx in der Wildnis von Wyoming in den Vereinigten Staaten ein Haus zu bauen.

Als sie das in der Einsamkeit gelegene Grundstück kaufte, war sie bereits siebzig Jahre alt. Annie Proulx hat darüber ein Buch geschrieben, was nun unter dem Titel “Ein Haus in der Wildnis“ erschienen ist.
Die Planung des waghalsigen Bauprojektes und der kräfteraubende Hausbau sind zwar Knotenpunkt des Buches, doch es ist auch ein sehr persönliches Erinnerungsbuch über ihre Familie, ihre Kindheit, über die Natur und die Beziehung zwischen Mensch und Tier geworden. In ihrer selbstauferlegten Zurückgezogenheit reflektiert sie sehr klug über historische Ereignisse, wie beispielsweise die Geschichte der Indianer. Sorgfältig und akribisch schildert Annie Proulx die Verwirklichung ihres Traums vom Eigenheim und lässt dabei den Leser an ihren Erinnerungen teilhaben. Es ist schon sehr beeindruckend, welche Strapazen die siebzigjährige Autorin auf sich nahm und welche Ausdauer und Kraft sie für dieses Projekt aufbringen musste.
Nicht nur die Suche nach Handwerkern, die bereit waren in dieser völligen Abgeschiedenheit zu arbeiten, auch die für die Gegend extremen Klimaschwankungen, das ungenießbare Wasser aus dem Brunnen, der fehlende Strom und Telefonanschluss und die Unwägbarkeit des Geländes sind nur einige der Hindernisse, die dabei aus dem Weg geräumt werden mussten.

Besonders ergreifend aber sind ihre Beobachtungen über das Verhalten von Wildtieren und die warmherzigen Erinnerungsbeschreibungen aus ihrer Kindheit. Also nicht nur ein Buch für Häuslebauer.

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EisTau
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eis, antarktis, klima, tourismus, expedition

EisTau

Ilija Trojanow
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 29.08.2011
ISBN 9783446237575
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Ein Gletscherforscher, ein Kreuzfahrtschiff, die Antarktis und eine leidenschaftliche Affäre: Ilija Trojanow zieht in seinem neuen Roman „Eis Tau“ alle Register seines Könnens.

Als der Glaziologe Zeno in einem besonders heißen Sommer das langsame Sterben seines Forschungsobjektes erfasst, das Schmelzen eines gewaltigen Alpengletschers, schmeißt er frustriert seinen Job an der Universität hin. Daraufhin heuert er als Fremdenführer auf einem Kreuzfahrtschiff zu einer Antarktisreise an, um den Touristen die dortigen Wunder zu erklären.
Nur allzu schnell begegnet Zeno der Ignoranz, der mangelnden Achtung und der dumpfen Vergnügungssucht der Touristen. Der Wissenschaftler ist auf der einen Seite berührt von der Schönheit der Eiswelten, andererseits beschämt, sich nun als Gletscherforscher und Touristenführer in der Antarktis zu verdingen. Auch Paulina ist von dem ewigen Eis verzaubert und fühlt sich zudem von Zeno magisch angezogen. Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes kündigt alsbald ein Kunsthappening an. Der populäre Künstler Dan Quentin wird mit den Passagieren eine Kunstperformance im Eis inszenieren. Zeno beschließt, etwas gegen dieses großangelegte Spektakel zu unternehmen, ein Vorhaben mit tragischem Ende.

Die Kunstaktion, die eigentlich auf die Gefahren für die unberührte Natur hinweisen soll, ist eine zusätzliche Belastung für die Eislandschaft und ihre Bewohner und ein symbolischer Hinweis auf so manche an rein wirtschaftlichen Interessen orientierte Naturrettungsaktion.
„Eis Tau“ ist zudem eine poetische Parabel über den organisierten Massentourismus und die immer näher rückenden Naturkatastrophen, über die Ausbeutung intakter Ökosysteme durch den Menschen.
Schonungslos und gekonnt wird hier die saturierte Gleichgültigkeit der Touristen und die Erfolgsgier der Medien der Faszination und Erhabenheit der noch relativ unberührten Landschaft der Antarktis gegenübergestellt.

Trojanows Roman besticht durch sprachliche Schönheit und Eleganz, hat ein sehr ernstes Thema zum Inhalt, bleibt unterhaltsam und ist spannend zu lesen. Weil sich die Figuren und Charaktere stets auf dem schmalen Grat zwischen dem Universellen und dem Individuellen bewegen, wird dieses literarische Mahnmal, dass ebenso komische wie ergreifende Passagen enthält, zu einem Buch, dass uns wirklich alle angeht.

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Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein
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travemünde, meer, jugend, kindheit, ostsee

Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein

Maximilian Buddenbohm
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.01.2011
ISBN 9783499626807
Genre: Unterhaltungsliteratur

Rezension:

Maximilian Buddenbohm ist in Travemünde aufgewachsen. Dort umspülten die Wellen der Ostsee das Krisengebiet seiner Pubertät. Die Eltern wurden sehr bald geschieden, Maximilian und seine Mutter nutzten die Ferienwohnung fortan als festen Wohnsitz. Über die Erinnerungen seiner Coming of Age-Epoche in den 1980er Jahren schreibt der Autor leichthändig, witzig und liebevoll. Es ist die Zeit der gelben Telefonzellen, der D-Mark, der vierstelligen Postleitzahlen und der drei großen Fernsehsender. Somit ist diese Jugend eigentlich vielen Jugenderlebnissen in der deutschen Provinz sehr ähnlich. Wenn da das Meer nicht wäre und man dauernd mit Touristen zu tun gehabt hätte. Somit hat der Autor natürlich keinen verklärten Blick auf das Meer, sondern erzählt in kurzweiligen Episoden über die Menschen und ihren Gepflogenheiten. Das ist oft zum Brüllen komisch, manchmal aber auch nachdenklich stimmend. Der Autor, der auf der Blogseite „Herzdamengeschichten“ Einträge veröffentlicht, hat diese Aufzeichnungen bearbeitet und erweitert. "Im Buch muss man langsamer erzählen“.

Maximilian Buddenbohm hat einen außerordentlichen Blick für Situationen, Stimmungen und besonderen Begebenheiten.
„Es fehlt mir nicht am Meer zu sein“ ist eine witzige Ethno-Typologie der Einwohner und Touristen eines Städtchens am Meer, aber auch die Geschichte einer Familie und des Erwachsenwerdens. Erfrischend klar, einfach und direkt wird hier von der Jugend berichtet, die Lust am Erzählen ist mit jedem Satz spürbar.
Pointiert und detailliert schreibt der Autor über die spießbürgerliche Enge, die Schrullen der Menschen und die Erinnerungen seiner Strandjugend.
Warmherzig, lakonisch und unsentimental lesen wir von einer Welt, die es heute so nicht mehr gibt. Maximilian Buddenbohm ist ein veritabler Erzähler rund um das Thema Erwachsenwerden, Jugendsünden und Vergänglichkeit.

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Eine kurze Geschichte des Fortschritts
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nib, gesellschaft, alte kulturen, sachbuch

Eine kurze Geschichte des Fortschritts

Ronald Wright , Monika Niehaus-Osterloh
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 17.01.2006
ISBN 9783498073565
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Aus der Sicht der Paläontologie, ist der Mensch ein Neuling auf der Weltbühne. Dazu kommt, dass im Verhältnis zur Dauer der menschlichen Existenz die Geschichte des Fortschritts eine erstaunlich kurze Zeitspanne einnimmt.
Dennoch haben eben jene 12000 Jahre des Fortschritts das Gesicht unseres Planeten drastisch verändert. Die Ausrottung des Neandertalers, das gnadenlose Abholzen und Versalzen der Ackerböden aufgrund mangelhafter Bewässerungstechniken der ersten Hochkulturen in Mesopotamien, die Überbevölkerung und Ausbeutung natürlicher Ressourcen durch das antike Rom und die Mayakultur bis hin zur Hochkultur der Osterinseln: Dies alles sind plausible Beispiele für das Argument, dass in jeder Hochkultur ein Selbstzerstörungstrieb steckt. Der Autor stellt diesen untergegangenen Zivilisationen unsere eigene gegenüber, der die Möglichkeit zur Selbstvernichtung durch Atombomben und Umweltzerstörung innewohnt. Im Gegensatz jedoch zu früheren Kulturen hat der heutige Mensch im Falle von Misswirtschaft keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Überall holzen wir Wälder ab, fischen Meere leer, bauen, plündern hemmungslos die letzten Ressourcen. Keine Ecke der Biosphäre kann unserem Turbokapitalismus-Müll entkommen. Fortschritt ist ein Mythos, der entfesselt und enthemmt die Menschheit in den Untergang treibt, wenn wir nicht massiv so existenzielle Probleme wie die Überbevölkerung in den Griff bekommen. Da hilft uns auch kein Aufschwung, denn die Wirtschaft hat sich in den letzten hundert Jahren vervierzigfacht. Wrights Buch verdient größte Beachtung! Sicher ist dieses Buch nicht optimistisch, doch öffnet es einem die Augen, denn die Zeit für das Experiment Zivilisation läuft ab.

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Easter Parade
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usa, ehe, familie, schwestern, 50er jahre

Easter Parade

Richard Yates , Anette Grube
Flexibler Einband: 296 Seiten
Erschienen bei btb Verlag (TB), 05.12.2008
ISBN 9783442738748
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Keine der Grimes - Schwestern sollte im Leben glücklich werden, und rückblickend schien es stets, dass die Probleme mit der Scheidung ihrer Eltern begonnen hatten.
So beginnt der bereits vor mehr als dreißig Jahren in Amerika erschienene Roman von Richard Yates. Endlich ist nun Easter Parade auch in deutscher Sprache erhältlich. Sofort wird einem klar, warum Richard Yates eine ganze Generation von amerikanischen Autoren prägte, denn Easter Parade ist noch immer hochaktuell und hat überhaupt nichts von seiner Eindringlichkeit verloren. Pookie ist alleinerziehende Mutter im New York der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Ständig ist sie auf der Suche nach Liebe, wechselt rastlos die Arbeitsstellen und Wohnungen. Sie zerbricht zusehends an den traurigen Begebenheiten und flüchtet in den Alkohol. Somit projiziert Pookie all ihre Träume und Hoffnungen auf ihre beiden Mädchen Emily und Sarah. Sarah heiratet sehr früh und bekommt drei Kinder. Doch das scheinbar perfekte Leben von Sarah wird überschattet von ihrem Mann, der sie regelmäßig schlägt und die Ehe zu einem Gefängnis verkommen lässt. Emily hingegen erlangt ein Stipendium, studiert und macht Karriere. Doch so begehrt Emily auch sein mag, die Fangarme der Einsamkeit schlingen sich immer enger um ihr Leben.
Easter Parade ist ein eindringliches Buch um das Schicksal dreier Frauen. Schnörkellos erzählt Richard Yates mit leisen Tönen und feiner, gelegentlicher Ironie von den Enttäuschungen angesichts zerstörter Illusionen und den uneingelösten Erwartungen, die damit einhergehen. Easter Parade ist somit ein Buch über Lebenslügen, denen man früher oder später immer begegnen wird. Mit großer Anteilnahme und Empathie erzählt der bereits vor fünfzehn Jahren verstorbene Autor herzzerreißend und völlig kitschfrei von den verborgenen Träumen und Hoffnungen der menschlichen Seele.
Richard Yates ist und bleibt das Sprachrohr der Enttäuschten, Ungetrösteten, Verletzten und Vergessenen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Autor endlich die verdiente Anerkennung auch in Deutschland erlangt.

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Ein gerader Rauch
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vietnam, krieg, cia, vietnamkrieg, usa

Ein gerader Rauch

Denis Johnson , Bettina Abarbanell , Robin Detje
Fester Einband: 877 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 23.09.2008
ISBN 9783498032227
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

„Ein gerader Rauch“ beginnt am Abend der Ermordung von J.F. Kennedy. In zwei Hauptgeschichten, die parallel verlaufen, wird zum einen von Colonel Sands erzählt, der in dem Kriegsgebiet Vietnam eine Abteilung aufbaut, deren erklärtes Ziel es ist, den Feind psychologisch zu unterwandern und durch gezielte Desinformation zu zermürben. Zugleich wird das Schicksal eines Brüderpaares geschildert, von denen der eine Bruder in der Heimat als krimineller Säufer endet, während der andere als brutale Kampfmaschine im Dschungel Vietnams wütet und mordet. In diesem vielschichtigen Elaborat existiert aber noch eine unglaubliche Fülle von Geschichten, Menschen und Schauplätzen wie Arizona, Manila, Kuala Lumpur, der Dschungel und die Bordelle Vietnams. Hier landen Menschen, die in den Krieg getrieben werden: ohne Vorbereitung, ohne zu wissen, was sie dort alles an Elend und Schrecken erwartet. Die Unschuld die sie einst besaßen, verlieren sie in dem Krieg, aus dem keiner schadlos herauskommt – wenn überhaupt lebend. Keiner wird sich jemals wieder im zivilisierten Leben zu Hause fühlen.

Denis Johnson beweist mit seinem neuen Roman „Ein gerader Rauch“, dass er zu den wichtigsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur gehört. Es ist nicht leicht, sich in diesem Roman zurechtzufinden, die wechselnden Perspektiven und chronologischen Sprünge verlangen dem Leser viel ab, sind aber notwendig, um das Wesen des Krieges zu charakterisieren. Man muss sich als Leser förmlich den Weg durch das undurchdringliche Dickicht des Dschungels frei schlagen. Dieses komplexe Beziehungsgeflecht, die nicht wirklich nachvollziehbare konstruierte erzählerische Ordnung und das Verschmelzen von biblischen als auch literarischen und symbolischen Verweisen sind Programm und verleihen dem wuchtigen Text eine wilde, halluzinogene Wirkung. Hier wird vom abseitigen Amerika erzählt, von Außenseitern und Einzelgängern, Gestrandeten und Freaks. Denis Johnson führt uns den menschlichen Niedergang seiner Protagonisten erbarmungslos vor Augen und zeigt schonungslos, wie der Krieg den Menschen für immer verändert. Der Autor war selbst Kriegsberichterstatter im Irak-Krieg und daher wirkt dieses Plädoyer gegen Krieg und Gewalt so absolut überzeugend. Trotz seines Umfangs von knapp 900 Seiten ist keine Zeile zu viel und dieses weise und ergreifende Buch ist spannend, mitreißend und
bewegend, wie ein Faustschlag in die Magengrube. Beim Lesen muss man immer an Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und an die Antikriegsfilme „Apokalypse Now“ oder „Die durch die Hölle gehen“ denken. „Ein gerader Rauch“ ist eine gewaltige Metapher für den Irrsinn des Krieges, für den Verlust der Menschlichkeit und das daraus entstehende traumatische Verlorensein. Dennoch schwebt über diesem Buch, das voller Traurigkeit, voller Rätselhaftigkeit, voller Mythen und Symbolik von der unfassbaren Brutalität erzählt, zu der Menschen fähig sein können, eine unzerstörbare Hoffnung. Eine Hoffnung auf Erlösung, Frieden und Sinn.

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Eine besondere Vorsehung
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künstlerin, 2. weltkrieg, mutter, erfolglos, armut

Eine besondere Vorsehung

Richard Yates , Anette Grube
Fester Einband: 389 Seiten
Erschienen bei DVA, 25.08.2008
ISBN 9783421043313
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

„Eine besondere Vorsehung“ ist bereits vor vierzig Jahren in Amerika erschienen und war, wie eigentlich alle Bücher von Richard Yates, seiner Zeit weit voraus. Seine Romane und Erzählungen handeln stets von den unerfüllten Träumen und verlorenen Illusionen der Menschen, von den Verlierern und Außenseitern der Gesellschaft. Er zeigt stets direkt und unangestrengt die Schattenseiten des Lebens in einer kapitalistischen, gnadenlosen Welt - die Kehrseite des Lebens der Menschen, die mit der Gesellschaft mithalten wollen, Ruhm und Anerkennung nacheilen, hohe aber uneingelöste Erwartungen an das Leben entwickeln und dabei von einer Katastrophe in die nächste straucheln.

„Eine besondere Vorsehung“ beschreibt das Leben von Robert, genannt Bobby Prentice und seiner Mutter Alice. Der junge GI Robert besucht im Jahre 1944 noch einmal seine Mutter Alice in New York, ehe er nach Europa in den Krieg ziehen muss. Hier zeigen sich sofort die Spannungen, die zwischen Mutter und Sohn liegen. Eine Nähe zueinander können beide nicht wirklich herstellen. Nun wechselt die Handlung zwischen Roberts Erlebnissen auf den Schlachtfeldern in Frankreich und Deutschland (wo der Autor selbst stationiert war) und den Schwierigkeiten der in Armut lebenden Mutter, die eisern an ihrem Lebenstraum von einer Karriere als Bildhauerin festhält. Robert ist ein Mitläufer, ein unheroischer Soldat, der einfach nur überleben will und seinen einzigen Freund im Krieg verliert. Wie auf das Leben der Mutter, blicken wir auch zurück auf die Kindheit des achtjährigen Bobby, der im Schlepptau von Alice, erdrückt von übertriebener Liebe, jahrelang durch Amerika flieht. Nach der Scheidung von ihrem untreuen Ehemann musste sie sich als Alleinerziehende durchschlagen und lebte dabei dermaßen über ihre Verhältnisse, dass sie vor ihren Gläubigern zu ihrer Schwester nach Texas fliehen musste. Was zur Folge hat, dass die Unterhaltszahlungen eingestellt wurden. Doch Alice hält weiterhin an ihrem mittlerweile lebensbedrohenden Traum vom Durchbruch als Künstlerin fest, deren mühsamer Alltag aus der zermürbenden Arbeit in einer Fabrik besteht, während Robert längst den Glauben an seine Mutter verloren hat, auch wenn er sich dies nicht eingestehen will.

Richard Yates zeigt sich hier wieder als Meister darin, Lebensläufe zu beschreiben, die eben nicht von Glanz und Erfolg erzählen, sondern das beschreiben was weitaus häufiger vorkommt: nämlich die Armut und das Elend der ausgeschlossenen Menschen, auf deren Kosten die Erfolgreichen leben. In einem ruhigen und klaren Ton schildert er das Leben dieser Menschen, völlig frei von Anklage und sozialem Neid. Er zeigt nur auf und bewertet nicht, dabei beschreibt er aber mit einer echten und tiefen Anteilnahme. „Eine besondere Vorsehung“ ist es wohl auch, dass Richard Yates zu Lebzeiten nie so anerkannt wurde, wie er es verdient hätte. Hoffentlich kann er nun seinen längst überfälligen Platz in der Weltliteratur einnehmen!!!

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Englischer Harem
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london, liebe, england, iran, persien

Englischer Harem

Anthony McCarten , Gabriele Kempf-Allié (Übers.)
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.03.2008
ISBN 9783257066401
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Tracy gehört zu den Leuten, die aufgrund mangelnder Bildung und Herkunft von Aushilfsjobs nicht richtig leben können. So dümpelt ihr Leben vor sich hin und in ihren Tagträumen flüchtet sie sich in eine bessere Welt. Als sie wegen ihres verträumten Wesens den Job im Supermarkt verliert, macht sie sich auf in die Stadt, um einen neuen Job zu finden. Dort sieht Tracy eine Anzeige im Schaufenster eines persischen Lokals. Der Besitzer Saanman Sahar, anfangs gar nicht begeistert von Tracys gestylter Erscheinung, lässt sich dazu überreden sie zunächst aushilfsweise einzustellen. Bald jedoch stellt sich Tracy für ihn als absoluter Glücksfall heraus, denn sie ist ehrgeizig, schnell von Begriff, jung und auch noch attraktiv. Mehr und mehr beginnt sich Tracy für den exotischen Sahar zu interessieren. Doch als sie erfährt dass Sahar bereits mit zwei Frauen verheiratet ist, ist es bereits zu spät, denn Tracy hat sich verliebt. Als sie eines Tages mit der Nachricht nach Hause kommt, die dritte Ehefrau von Sahar werden zu wollen, sind ihre Eltern schockiert. Da es ihr absolut ernst ist, stellt sie nun diesen Mann ihren Eltern vor und bringt dabei so manchen Stein des Anstoßes ins Rollen. Denn diese Vielweiberei ruft nun auch die englischen Behörden auf den Plan und die Turbulenzen nehmen ihren Lauf.

„Englischer Harem“ ist eine ergreifende Liebesgeschichte mit satirischen Einlagen und gekonnten Slapstick-Szenen, wie es britischer gar nicht sein kann. Ohne jemals den moralischen Zeigefinger zu erheben, bringt uns der neuseeländische Autor ein Thema nahe, welches mit allerlei Allgemeinplätzen und Ressentiments besetzt scheint. Somit ist das Buch auch ein Roman über das Fremdsein, die Faszination für fremde Kulturen, aber auch die Angst vor dem Unbekannten.
„Englischer Harem“ ist pointenreich, witzig, spannend und voller Überraschungen. Dabei hält der Autor gerne dem Leser den berühmten Spiegel vor Augen und man erkennt, dass man selbst bisher in Schubladen gedacht hat. Messerscharf und klug entlarvt McCarten die gängigen Klischees und durchschaut dabei den äußeren Schein, von dem wir uns ja nur allzu gerne blenden lassen.
Ein Buch, das auf die Bestsellerliste muss!

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