Stadtbuecherei_Wuerzburg

Stadtbuecherei_Wuerzburgs Bibliothek

111 Bücher, 112 Rezensionen

Zu Stadtbuecherei_Wuerzburgs Profil
Filtern nach
12 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



Sand
LOVELYBOOKS-Statistik

(41)

100 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

afrika, sand, wüste, folter, krimi

Sand

Wolfgang Herrndorf
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 11.11.2011
ISBN 9783871347344
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Im vergangenen Jahr geriet Wolfgang Herrndorf mit „Tschick“ auf die Bestsellerlisten. Seit September 2010 veröffentlicht der Schriftsteller nach Diagnose eines Hirntumors sein Tagebuch. Ergreifend und schwer auszuhalten und dennoch ohne Sentimentalitäten. Nun ist sein dritter Roman „Sand“ erschienen. „Sand“ zeigt Herrndorf auf der Höhe seines Schaffens. Gekonnt breitet der virtuose Sprachartist ein großes erzählerisches Panorama vor uns aus.

Man schreibt das Jahr 1972: Bei den Olympischen Spielen in München nehmen Terroristen des „Schwarzen September“ Mitglieder der israelischen Delegation als Geiseln. In einem Land im Maghreb in Nordafrika, unschwer als Marokko zu erkennen, leben Künstler und Literaten, die berauschende Partys feiern. Des Weiteren bevölkern Agenten, Schmuggler und zynische Geschäftemacher die imaginären Bühnen des Romans.

Zeitgleich werden vier Mitglieder einer internationalen Hippiekommune in einer Oase tot aufgefunden. Zwei Kommissare, Polidario und Canisades, ermitteln halbherzig. Polidario wird täglich von heftigen Kopfschmerzen geplagt (ein Hinweis auf die Erkrankung des Autors?) während sich Canisades dem Zynismus ergibt. Dann gibt es noch einen Koffer voll wertlosen Geldes, eine Vielzahl von Personen in rätselhaften Zusammenhängen und eine Tankstelle, an der sich die Fäden der Handlungen verknüpfen.

Das alles ist in eine Kulturlandschaft der 70er Jahre eingebettet, chaotisch, gewalttätig, korrupt und dekadent.
Herrndorfs Abschweifungen, vertrackte Versatzstücke und Slapstickeffekte im Spiel der Mehrdeutigkeiten und Irrwege fordern den Leser heraus. Gerade weil Erwartungen nicht erfüllt werden und Handlungen ins Ungewisse führen, ist es ein Genuss der intelligenten, gewitzten und wortverliebten intendierten Erzählweise zu folgen. Mit einem Brennglaseffekt geht der Autor bis an die Grenze des Ist-Zustandes der Sprache.
Ist „Sand“ nun ein postmoderner Gesellschaftsroman? Ein exotischer Thriller? Eine gleichnishafte Buchstabendüne? Ein kryptischer Spionagethriller? Ein zerrinnendes Sehnsuchtsjournal?

Auf alle Fälle wohl das Opus magnum" des Schriftstellers.

  (10)
Tags:  

  

 

Small Country
LOVELYBOOKS-Statistik

(33)

54 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

kurzgeschichten, humor, england, small country, nick hornby

Small Country

Nick Hornby , Ulrich Blumenbach , Harald Hellmann , Clara Drechsler
Fester Einband: 158 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.09.2011
ISBN 9783462043211
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Das Umschlagsbild des neuen Buchs mit Erzählungen von Nick Hornby ziert ein Dartpfeil, der in einer Dartscheibe, im sogenannten „Bulleye“ steckt. Und genau so verhält es sich mit den vier Kurzgeschichten: Jede dieser Stories ist ein Volltreffer.

Alles was den britischen Autor auszeichnet findet sich in „Small Country“ wieder. Ganz normale Menschen geraten in absurde Situationen oder nicht ganz normale Menschen in scheinbar gewöhnliche Alltags-situationen, ganz wie man es betrachten will. Hornby erzählt geradeaus ohne um den heißen Brei zu reden.

Er beschreibt die kleinen Absurditäten und Peinlichkeiten des Lebens, ohne dabei selbst peinlich zu werden oder gar sich über seine Figuren lustig zu machen. Inhaltlich sind natürlich wieder die klassischen Hornby -Themen vertreten: Jugend, Fußball, Erwachsenwerden und Popmusik. Diese höchst amüsanten und schrägen Stories überzeugen durch die erfrischende Unbedarftheit und den unbestechlichen Humor.
Des Autors Ideenreichtum scheint unbegrenzt und seine Umsetzung ist immer authentisch, auch wenn manche Begebenheiten fast schon fantastisch anmuten.

In „Small Country“ lesen wir, wie man sich als Mutter fühlt, wenn man ausgerechnet von der Nachbarin erfährt, dass der eigene Sohn in einem Pornofilm mitspielt.
Wie man als Fußball untauglicher Teenie im kleinsten, fiktiven Land Europas mit Hilfe von Schachstrategien doch noch kleine Fußball-Erfolge feiern kann. Wie der Kauf eines uralten Videogerätes einen in die Zukunft sehen lässt und warum das „Weiße Rauschen“ ein erschreckender Hinweis sein kann. Wie es einem muskelbepackten Wachposten ergeht, der im elitären Kunstbetrieb mit einer gewagten Jesusdarstellung konfrontiert wird.
Leider ist man viel zu schnell mit den Erzählungen durch und möchte eigentlich noch weitere Geschichten aus dem absurden Theater des Lebens lesen.

  (4)
Tags:  

  

 

Sterben
LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

35 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

tod, sterben, karl ove knausgard, vater, leben

Sterben

Karl Ove Knausgård , Paul Berf
Fester Einband: 574 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 02.03.2011
ISBN 9783630873510
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

„Sterben“ ist der erste von sechs Bänden eines autobiographisch angelegten Romanzyklus. Der norwegische Autor Karl Ove Knausgard legt Rechenschaft ab, stellt schonungslos sein eigenes Leben vor und lässt glücklicherweise dabei die Hosen an. „Sterben“ widmet sich vorrangig den Kindheits- und Jugenderinnerungen und beschreibt detailliert das schwierige Verhältnis zu seinem Vater und dessen frühen Tod. Gewöhnliches und Ungewöhnliches findet sich hier gleichermaßen. Es ist eine klassische, rebellierend verlaufende Adoleszenzgeschichte von Musik, Pickeln, Bier, dem Anderssein wollen und den ersten sexuellen Beunruhigungen. Das Ungewöhnliche daran ist, mit welchem Mut der Autor sich offenbart, ohne peinlich zu werden und wie er sich den Ungehemmtheiten stellt, die nur allzu oft in späteren Jahren als Banalitäten entlarvt werden. Gerade dieses schriftstellerische Verfahren, Kindheit und Jugend aufrichtig mit der heutigen Individualität und Lebensreife des Autors in Beziehung zu setzen und zu versöhnen, macht den Reiz des Buches aus. Denn dieser Wechsel zwischen unspektakulären autobiografischen Betrachtungen aus der Vergangenheit und der ergreifenden Offenheit, dabei über das Leben in den drastischen Momenten der Gegenwart zu philosophieren, Betrachtungen über den Tod mit einzubeziehen, entwickelt einen unglaublichen Sog.
Die Erinnerungen bilden einen gleichmäßigen Strom, durch dessen Fließen der Autor unterschwellig das Unterbewusstsein des Lesers berührt.
Besonders die Schilderungen und Reflexionen über Kunst, Tod und Vergebung zeigen das Können des Autors. Die kunstgeschichtlichen Betrachtungen zu Edward Munch verdienen besondere Hervorhebung. Die Kunstfertigkeit, mit der der Mittvierziger Knausgard hier sein Leben beschreibt, mit all der Nachdenklichkeit und Verletztheit, weckt Erinnerungen an eigene Erlebnisse; manchmal beschleicht einen das Gefühl, als lese man in seinem eigenen Leben. Die bewegenden Momente, seien sie auch noch so beiläufig, machen deutlich, dass wir die Summe vergangener Erfahrungen sind, dass wir aus Denken, Fühlen, Reden und Handeln das entwickelt haben, womit wir uns heute identifizieren und was zu unserer Wirklichkeit geworden ist: kämpfen, scheitern, aufgeben, sterben, um neu anzufangen. Der Mensch ist geworden, was er erlebt, ist aber niemals fertig; und als Werdender, kann er jederzeit die Richtung und den Blickwinkel seines Lebens ändern.

  (11)
Tags:  

  

 

Skippy stirbt
LOVELYBOOKS-Statistik

(44)

93 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

irland, internat, freundschaft, pubertät, skippy

Skippy stirbt

Paul Murray , Rudolf Hermstein , Martina Tychi , Martina Tichy
Flexibler Einband: 779 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 10.01.2011
ISBN 9783888977008
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Schauplatz ist das katholische Internat Seabrook College in Dublin.
Der übergewichtige Ruprecht teilt sich ein Turmzimmer mit der Daniel, der wegen seiner vorstehenden Zähne Skippy genannt wird. Eigentlich interessiert sich niemand so richtig für die beiden doch während eines Doughnuts Wettessens mit Ruprecht stirbt Skippy gleich zu Anfang des Buches. Soviel sei verraten: das viel zu frühe Ableben des sympathischen Daniel hat ganz andere Gründe. Der Rest des Romans entlarvt nun Seite für Seite die Hintergründe, die zu diesem viel zu frühen Tod geführt haben. Und genau darin liegt die Qualität des Romans: nur vordergründig handelt es sich hier um einen Internatsgeschichte, die vom Erwachsenwerden, von Schülerstreichen und ersten Freundinnen erzählt. Denn irgendwann bleibt einem das Lachen im Halse stecken und das ganze Grauen wird aufgedeckt. Von Unterdrückung und Überwachung katholischer Priester und ihren rigiden Erziehungsmethoden durch Demütigungen und Kränkungen bis hin zu sexuellen Kindesmissbrauch.

Paul Murray rechnet ab und das mit guten Grund.
Dem Autor gelingt eine treffende und detaillierte Schilderung der verheerenden Zustände vieler Schulen und Internate im 21. Jahrhundert. „Skippy stirbt“ ist in drei Teile unterteilt: „Hopeland“, „Heartland“ und Ghostland“ und beschreibt ungeschminkt die Geschichte des Alltags von Schülern eines Internats. Auch wenn der Roman in Dublin spielt und Irlands Weg im Umbruch zwischen Tradition und Moderne, zwischen Identitätsverlust und Neuorientierung zum Thema hat, könnte diese „Coming of Age“ Geschichte durchaus an jedem anderen Ort dieser Welt spielen. Die stimmigen Darstellungen und Zusammenhänge werden klug, warmherzig und drastisch vor Augen geführt.
Paul Murray setzt auf eine direkte und klare Sprache und verliert sich dabei nicht in Andeutungen und unnötigen Ausschmückungen.
Hier wird von schwierigen familiären Verhältnissen, von Drogen, Magersucht und sexuellen Übergriffen genauso direkt und unprätentiös erzählt wie von den Hoffnungen, von Loyalität, erster Liebe und freundschaftlichem Zusammenhalt. Skippy stirbt ist eine spannende Geschichte vom Erwachsenwerden, von Wahrheit und Lüge und der Scheinheiligkeit der Gottesmänner. Ein Roman von satirischer Schärfe und lebensechtem Tiefgang.

  (12)
Tags:  

  

 

Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung
LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

deutsche literatur, short stories, christoph peters, sven hofestedt sucht geld für erleuchtung, erzählungen

Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung

Christoph Peters
Fester Einband: 221 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 22.09.2010
ISBN 9783630873374
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Wie bereits in den Erzählungen „Kommen und Gehen, manchmal bleiben“, die 2001 erschienen sind, gelingt es Christoph Peters in „Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung“ erneut, die Schilderung von außergewöhnlichen Ereignissen realistisch, lebendig und fesselnd zu erzählen. Darin liegt die große Kunst des Erzählers: dem Leser das Unfassbare im Alltäglichen, die geistige Dimensionen der Wirklichkeit zu vermitteln durch die ebenso präzise wie poetische Art der Darstellungen. Peters schreibt mit magischer Kraft und sein fließender Erzählstil entwickelt einen unwiderstehlichen Sog, denn man weiß als Leser nie genau, wohin die Geschichten führen werden. Der Autor beherrscht die kurze Form der Geschichte wie kein Zweiter und das Komische, das Ernste, das Rätselhafte und das Alltägliche finden sich hier als Möglichkeiten der Realität wieder.

Es sind die genauen Beobachtungen, dieses Sichtbarwerden hinter den Dingen, die seine Geschichten auszeichnen. Die Suche nach spiritueller Erkenntnis und Wahrheit ist ein immer wiederkehrendes Motiv in diesen dreizehn ungewöhnlichen Geschichten. Erfreulicherweise benötigt der Autor dabei keinerlei esoterischen Überbau, um die tiefe Sehnsucht der Suchenden zu beschreiben. Es sind diese plötzlichen Richtungsänderungen des Lebens, die Überschreitungen der empirischen Erfahrbarkeit, die einen Moment der Transzendenz spürbar werden lassen. So entstehen in der Wahrnehmung der suchenden Personen Zwischenräume, die erahnen lassen, wo die Erfüllung, Erweckung oder Erleuchtung stecken könnte. Diese Ereignisse und Erfahrungen lassen die Wirklichkeit brüchig werden und können die Wahrnehmung der Welt tiefgreifend verändern.
Alle Protagonisten/Innen suchen daher Halt in den Dingen, die sich nicht wissenschaftlich erklären lassen. Das Mysterium, das heraufbeschworen wird, um die Sinnfrage neu zu erfahren, wird von einem unbestimmten und unzentrierten Bedürfnis nach Glauben und Religiosität voran getrieben.

„Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung“ enthält Geschichten, die trotz der „gehaltvollen Thematik“ mit Leichtigkeit und Humor von den letzten geheimnisvollen Dingen erzählen, die ein jeder Mensch auf der Reise nach innen erfahren kann.

  (6)
Tags:  

  

 

Süßstoff
LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Süßstoff

Christoph Süß , Christoph Süß
Audio CD
Erschienen bei Kunstmann, A, 25.08.2010
ISBN 9783888976964
Genre: Comic & Humor

Rezension:

Ein Sprichwort sagt: „Alles Schöne im Leben hat einen Haken: Es ist unmoralisch, illegal, macht süchtig oder dick“. Nicht so dieser Süßstoff. Nur süchtig machen, das kann er schon. Aber dagegen hilft ja „Quer“ im TV, oder „Orange“ im Radio auf BR2. In kleinen Portionen wird uns der Wahnsinn dieser Welt samstags punktgenau und entlarvend kommentiert. Die Themen sind stets bunt gemischt, von der Münchner Bussi-Bussi-Gesellschaft über Kernkraftdiskussionen bis hin zu Migrationsdebatten. Besonderes Augenmerk hat er dabei natürlich auf unsere Politiker, wo er den Wahnsinn am stärksten ausgeprägt findet. So entlarvt er nur allzu gerne Hohlredner und schubladendenkende Lobbyisten. Philosophisch und ausgeklügelt schaut er dabei hinter die Fassade und denkt so manches politisches Gedankengeschwurbel konsequent zu Ende.
Gelegentlich geht er dabei vom Text zum Lied über, denn Christoph Süß ist nicht nur Moderator, Kabarettist, sondern auch Musiker und Sänger. Dabei verliert er aber niemals die Satire aus dem Blickfeld. Seine bissigen und geistreichen Kommentare zum Weltgeschehen sind nicht laut und effektheischend, sondern tiefgründig und hellsichtig. Mit dieser Zusammenstellung seiner satirischen Radiokolumnen gibt es nun auf siebzig Minuten Länge den besten Süßstoff aller Zeiten in einem Hörbuch. Hier kann man nachhören, was diesen Münchener Kabarettisten auszeichnet und bekannt gemacht hat: ein wunderbar ironischer, kluger Kommentator. Da ist es auch wurscht, wenn die Kommentare aus „BR2 Radio“ aus der Zeit von März 2009 bis Mai 2010 sind und manchmal nicht mehr brandaktuell, aber stimmen tut’s immer noch und wohltuend ist es allemal. Hier gibt’s eben was auf die Ohren! Es lebe der gesunde Menschenverstand.

  (5)
Tags:  

  

 

Schau heimwärts, Engel
LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

32 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

klassiker, amerikanische literatur, jahrhundertroman, thomas wolfe, schau heimwärts engel

Schau heimwärts, Engel

Thomas Wolfe
Fester Einband: 781 Seiten
Erschienen bei Manesse Verlag, 30.03.2009
ISBN 9783717521822
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Thomas Wolfe verfasste, wie auch John Steinbeck, seine wichtigsten Texte in den 20er und 30er Jahren des 20.Jahrhunderts und gilt seitdem neben Hemingway und Faulkner als Wegbereiter der Moderne in der amerikanischen Literatur. Auch Wolfe zählte im Deutschland der Nachkriegszeit zu den meistgelesenen Autoren. Jetzt endlich erschien dieses Frühwerk des damals erst 29-jährigen Thomas Wolfe in einer neuen Übersetzung im Manesse Verlag und hat nichts von seiner stilistischen Brillanz verloren. Thomas Wolfe war ein stark autobiografisch motivierter Autor, was besonders für seinen ersten Roman „Schau heimwärts, Engel“ gilt. Der Roman hat Kindheit und Jugend in einer Kleinstadt im amerikanischen Süden im Visier. Erzählt wird von einem jungen Mann namens Eugene, unverkennbar das Alter Ego des Autors, seinem drängenden Wunsch, Schriftsteller zu werden und dem heillosen Ausnahmezustand seiner Familie. Der quartalssaufende Vater, der als Steinmetz Grabsteine behaut und im Rausch gerne Shakespeare deklamiert; seine Mutter Eliza, ehemals Lexikonverkäuferin, die geschäftstüchtig mit Grundstücken spekuliert. Acht Kinder kommen in der Familie Gant zur Welt und Eugene ist der 1900 geborene Jüngste, Außenseiter und zarter, empfindsamer Poet mit langer Lockenpracht. Er ist voller Lebensdrang und lebt im unversöhnlichen Gegensatz: in der ambivalenten Welt des verschwenderisch lebenden Künstler-Vaters und der eisernen erwerbstüchtigen Mutter. Sämtliche Geschwister sind eine Sippe von Visionären und Scheiternden, die die Welt entdecken wollen und sich in ihr verlaufen. Dank der „entstaubten“ Neuübersetzung kann man dieses Monumentalwerk der Weltliteratur, welches einst die Jugend der 50er Jahre verschlungen hat, heute getrost wiederentdecken. Der Autor zeichnet sich durch eine üppige Bildersprache, wuchtige Metaphorik und einer prallen Lebendigkeit der Dialoge aus. Wolfes elegischer Ton bestätigt ihn als grandiosen Fabulierer. Ergreifend werden hier die allgemeingültigen Befreiungsversuche des jungen Eugene geschildert: aus der Umklammerung der Mutter, dem Würgegriff der Erwartungen des Vaters und dem Versuch, aus der kleinstädtischen Mittelmäßigkeit mittels schmerzhafter Selbsterfahrungen auszubrechen. „Jeder Mensch ist die Summe all dessen, womit er selbst nicht rechnen kann.“ Somit ist das Leben des Eugene zwar ein unwiederholbarer Einzelfall, zeigt aber meisterhaft die stets gültige Rätselhaftigkeit der menschlichen Existenz. Die Zufälligkeit des Lebens muss stets reflektiert und als sinnhaft erfahren werden, was die Grundvoraussetzung eines erfüllten Lebens mit sich bringt. „Schau heimwärts, Engel“ ist vielstimmig angelegt, gibt Alltagsweisheiten zum Besten und kommentiert Krisen und Brüche, an denen der Mensch wachsen kann. Wolfes Stil scheut keine großen Gefühle und versucht stets das widersprüchliche Wesen seiner Figuren aufzuspüren: „Ihre braunen Augen wurden schwarz, als wäre ein Vogel hindurchgeflogen und hätte den Schatten seiner Flügel auf sie gelegt.“
Ein Buch, das einen mitreißt und fort trägt, eine Wiederentdeckung.

  (15)
Tags:  

  

 

So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!
LOVELYBOOKS-Statistik

(54)

92 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

krebs, schlingensief, sterben, tagebuch, christoph schlingensief

So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

Christoph Schlingensief
Fester Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.04.2009
ISBN 9783462041118
Genre: Biografie

Rezension:

Christoph Schlingensief, Enfant terrible, Bürgerschreck, Provokateur, Aktionskünstler und Theaterregisseur machte bisher stets durch außergewöhnlichen Inszenierungen, verstörende Aktionen und provokant-frechen Installationen von sich reden. Im Januar 2008 wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Ein Lungenflügel und ein Teil des Zwerchfelles mussten entfernt werden, Chemotherapie und Bestrahlungen folgten, die Prognose ist und bleibt ungewiss. Nichts in seinem Leben wird mehr so sein wie es einst war. Während dieser langwierigen und schwierigen Prozedur spricht der expressive Autor all seine Gedanken in ein Diktiergerät, auf dass die kreisenden Gedanken, so der stets unangepasste Künstler, endlich ihren Grund finden. Wir begegnen dem bekannten Menschen, seinem egomanischen Größenwahn, seinem Pathos und seiner Empörung, aber auch einem ganz neuen, veränderten Menschen auf der Sinnsuche und der Frage nach Gott. Der Leser folgt gebannt den Höhen und Tiefen, durch welche Schlingensief in Hoffnung und Verzweiflung schreitet. Diese zutiefst persönliche Auseinandersetzung des Menschen mit Leben und Tod, mit Liebe und Hass, mit seinem toten Vater, mit Gott und Jesus, mit der Kunst und der Welt ist unglaublich eindringlich. Die aufgezeichneten Selbstgespräche dokumentieren die Trauer und Verzweiflung, aber auch die kindliche Unschuld des Fragenstellens und die unglaubliche Energie eines Menschen, die er selbst im Schmerz und in der Todesangst noch entwickelt. Am schönsten aber bleibt seine Fähigkeit, auch in der schlimmsten Phase dieser Genese manchmal albern und kindisch zu sein, nie seinen ganz eigenen Galgenhumor zu verlieren. Neugierig, wütend und voller Temperament spricht er all denen, die ein ähnliches Schicksal erleiden müssen, Trost und Zuversicht zu. Ja, er fordert sie regelrecht zur Rebellion auf, Rebellion gegen die Unmündigkeit, gegen das Ausgeliefertsein, gegen die unmenschliche und mechanische Abwicklung schwerkranker Patienten in unserem Gesundheitssystem, gegen die Angstspirale, die uns Menschen immer wieder manipulieren kann. Hier geht es auch nicht um literarische Qualitäten, denn man kann diesen Künstler eigentlich nur bewundern für seine Unerschrockenheit und seinen Mut. Schlingensief rekapituliert und argumentiert, will Autonomie, beschwört sie herauf, weil er sie angegriffen sieht und will sie gleichsam gegen und mit dem Leiden behauptet wissen. Somit ist dieses Buch voll an Emotionen, Geschichten, Aufbegehren, Scheitern und Zweifeln, voller Liebe und Hass, voller Trauer und Wut. Und dies ist alles authentisch, ehrlich und warmherzig. Nicht umsonst hat er diese Krankheitsgefühle in diesem Buch festgehalten und auch als Theaterstück „Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ inszeniert und aufführen lassen.

Kiepenheuer und Witsch Verlag

Frank Paulus

  (9)
Tags:  

  

 

Strangeland
LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

england, alkohol, kunst, drogen, zypern

Strangeland

Tracey Emin , Sonja Junkers
Fester Einband: 238 Seiten
Erschienen bei blumenbar, 25.02.2009
ISBN 9783936738520
Genre: Biografie

Rezension:

Tracey Emin ist eine englische Künstlerin türkisch-zypriotischer Abstammung. Sie studierte am Goldsmith College in London und gehört der Gruppe der „Young British Artists“ an. Mittlerweile ist das Enfant Terrible bekannt für seine autobiografische Kunst. Eines ihrer Werke, namens My Bed wurde 1999 in die renommierte Turner-Prize-Ausstellung aufgenommen. Seitdem provoziert sie gerne das Interesse der Medien. Die Aktionskünstlerin, Schriftstellerin und bekennende Feministin ist seit 1997 Mitglied in der Royal Academy of Arts. David Bowie übrigens verglich sie mit „William Blake als Frau, geschrieben von Mike Leigh“. Jetzt endlich ist ihre Autobiografie, die bereits vor zwei Jahren in England erschien, ins Deutsche übersetzt.
Strangeland erzählt schonungslos, wie Tracey bei ihrer Mutter in ärmlichen Verhältnissen im südenglischen Küstenort Margarete aufwächst. Offen und ehrlich berichtet die Autorin von ihrer harten und verkorksten Jugend, wie sie dabei viel zu früh mit Alkohol in Berührung kam, mit dreizehn Jahren vergewaltigt wurde, sich später mit ihrem Vater, einem Türken aus Zypern aussöhnte, von ihren ersten Erfahrungen mit der Kunst, dem Trauma von zwei Abtreibungen und schließlich ihrem betrunkenen Auftritt im Fernsehen, der sie schlagartig berühmt machte. Tracey Emin schreibt keine durchstrukturierte Erzählung, sondern sie berichtet über sich selbst in lose aneinander gefügten Episoden. Drastisch, erschütternd, aber auch anrührend und zart lesen sich diese Einsichten der Künstlerin, die hier bewusst Bedeutsames neben Banalem stehen lässt. Alles findet gleichzeitig Erwähnung, alles was auch ihre Kunst auszeichnet, kommt zu Wort: eine Sammlung von Leidenschaften, Verlangen und pulsierendem Leben, gepaart mit roher Offenheit. Somit ist dieses Buch auch ein Werk voll Qual und Lust, voll Schönheit und Ekel, aber auch voll Witz und Humor, der sich immer dann über das Leiden hinwegsetzt, wenn das Leben unerträglich zu werden droht.
Tracey Emin ist eine verletzte Seele, deren Sprache, bedingt durch den brisanten und authentischen Hintergrund wütend und vulgär von dem Erlebten erzählt. Wer sich beim Lesen dieser Autobiografie an Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ erinnert fühlen sollte, dem sei nochmals gesagt, dass dieses Buch im Original bereits zwei Jahre vorher erschienen ist.

  (7)
Tags:  

  

 

Superkontinent
LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

erde, erdgeschichte, geologie, plattentektonik

Superkontinent

Ted Nield , Thomas Wollermann , Gabriele Gockel
Fester Einband: 287 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 29.08.2008
ISBN 9783888975264
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Erst seit 1912 besitzt die Geologie genauere Kenntnisse über den gewaltigsten Kreislauf der Natur – den Superkontinentzyklus der Landmassen unseres Planeten.
Unsere Erde verfügt über ein „bewegtes“ Innenleben, dessen Hitze im Erdkern einen Langzeitzyklus plattentektonischer Aktivität mit sich bringt. Dieses Verschmelzen und Auseinanderbrechen geschieht in einem relativ konstanten Zyklus. Einst, als die Dinosaurier lebten, gab es den letzten Superkontinent, den die Wissenschaft als „Pangäa“ bezeichnet; und in etwa 250 Millionen Jahren, für die Geologie ein relativ kurzer Zeitraum, werden die driftenden Kontinente erneut zu einem einzigen gigantischen Superkontinent verschmelzen (Die Geschwindigkeit mit der sich die Kontinente aufeinander zu bewegen, vergleicht der Autor mit dem Tempo unserer nachwachsenden Fuß– und Zehennägel). Natürlich wird bis dahin hier auf der Erde nichts mehr so sein wie es einmal war: das Mittelmeer wird ausgetrocknet sein und der Zusammenprall der Eurasischen Platte mit der Australischen wird eine riesige Gebirgskette entstehen lassen. Auch wenn bis dahin mit ziemlicher Sicherheit der Mensch mit seinen Hinterlassenschaften spurlos von der Erde verschwunden sein wird (angeblich werden die einzigen Zeugen menschlicher Zivilisation die zurückgebliebenen Fahrzeuge und Landefähren auf dem Mond sein), gibt es doch bereits einen Namen für diesen Superkontinent, nämlich Neopangäa!

Neben diesen neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen lässt der Autor Ted Nield vor allem aber auch die Visionäre, wagemutigen Entdecker und Wissenschaftler zu Wort kommen, die zur Aufklärung der Erdgeschichte beitrugen bzw. bis heute beitragen. Aber auch skurrile wissenschaftliche Außenseiter, die Anfang des 19. Jahrhunderts noch den Visionen um unentdeckte oder gar untergegangene Kontinente nachhingen, um ähnliche Tier- und Pflanzenarten auf weit entfernten Landmassen zu erklären, werden hier mitbehandelt. So entstanden die Legenden von „Lemuria“ im Indischen Ozean, von „Atlantis“ im Atlantik und von dem mythischen Kontinent „Mu“ im Pazifik. Sehr unterhaltsam, anschaulich und auch humorvoll taucht der Autor in das Denken früherer Jahrhunderte ein, analysiert aktuelle Messungen und Computerdarstellungen und beschreibt, was unserem blauen Planeten in Jahrmillionen bevorstehen wird. Denn heute verfügen wir über die modernsten Techniken, um uraltem Gestein und den tiefen Spalten auf dem Meeresboden Informationen zu entlocken. So kann man das hochkomplexe System unseres Erdklimas, die Effekte des nicht gleichmäßigen, elliptischen Umlaufs unserer Erde um die Sonne und die Entstehung des Lebens auf der Erde, vor 3,5 Milliarden Jahren nachvollziehen. Das Universum, zum Vergleich, so wissen wir heute ziemlich genau, entstand bereits vor 13,7 Milliarden Jahren.

Ted Nield zeigt aber auch das Dilemma der Wissenschaften auf, nämlich die Tatsache, dass der Mensch mit seinem Gehirn zwar in der Lage ist, diese grandiosen Zusammenhänge zu erkennen, dennoch aber ein kleiner, eigentlich unbedeutender Teil dieser Erdgeschichte ist, aus der wir hervorgegangen sind. Denn nicht die Erde ist Teil unserer Geschichte, sondern wir sind ein Teil der Erdgeschichte. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger!

Kunstmann Verlag € 19,90

Frank Paulus / Stadtbücherei Würzburg

  (6)
Tags:  

  

 

Sieben Seiten der Wahrheit
LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

57 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 3 Rezensionen

liebe, gesellschaftsroman, entführung, trennung, lyrik

Sieben Seiten der Wahrheit

Elliot Perlman , Matthias Jendis
Fester Einband: 861 Seiten
Erschienen bei DVA, 22.02.2008
ISBN 9783421043412
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Die Wahrheit hat nichts zu tun mit der Zahl der Leute, die von ihr überzeugt sind, denn sie ist meist rein subjektiv und liegt immer irgendwo dazwischen. In diesem meisterhaften Buch sind es sieben verschiedene Wahrheiten zu ein und demselben Fall. Simon ist Grundschullehrer, Lyrikliebhaber und ein Verschmähter der Liebe.
Auch nach zehn Jahren hat er noch immer nicht die Trennung von seiner großen Liebe Anna verarbeitet. Anna ist mittlerweile verheiratet und Mutter des kleinen Jungen Sam. Als Simon auch noch die Entlassung aus dem Schuldienst verkraften muss, gerät sein Leben endgültig auf die schiefe Bahn. Er beginnt zu trinken und lebt in einer gefährlichen psychischen Isolation. Auf den Rat seines Vaters hin begibt sich Simon in die Behandlung des Therapeuten Alex Klima. Zufällig begegnet er eines Tages Anna und in ihm regt sich die fatale und irrationale Idee, ihren Sohn Sam zu entführen. Sam wird zwar „nur“ für ein paar Stunden vermisst und umgehend von der Polizei aus Simons Wohnung befreit, doch der mutmaßliche Kidnapper muss sich vor Gericht für diese Tat verantworten. Indem die befragten und beteiligten Personen nach Gründen für die Entführung suchen, beginnen sie auch ihr eigenes Leben zu hinterfragen.
Somit ist dieser gesellschaftliche Roman in sieben Teile unterteilt, in denen das Leben eines jeden Menschen geschildert wird, der direkt oder indirekt mit der Tat zu tun hat.
Eliot Perlman erzählt leichtfüßig und differenziert von der Mehrdeutigkeit menschlicher Beziehungen und den unterschiedlichen Wahrnehmungen darin. Jeder Teil dieses vielschichtigen Buches ist ein klares und emphatisches Psychogramm der einzelnen Personen, das durch die kluge und bewegende Erzählweise absolut fesselt. Der Autor zeigt hierbei ein unglaubliches Einfühlungsvermögen, um die verschiedenen Charaktere glaubhaft und authentisch darzulegen. „Sieben Seiten der Wahrheit“ zeigt gekonnt die unterschiedlichen Ansichten, Gedanken und Gefühle verschiedener Personen zur Entführung Simons auf. Denn die Wahrheit darüber liegt immer im Fokus der Person, die gerade beleuchtet wird: jeder Mensch ist die Summe seiner Entscheidungen und Erfahrungen, die er ein Leben lang mit sich herumträgt. Somit bewirkt dieses glänzende Buch beim Leser sehr viel Selbstreflexion und regt ständig zum Nachdenken an, denn die kraftvollen Personenzeichnungen entlarven dabei eben auch die gesellschaftliche Doppelmoral, an der wir alle teilhaben. Was wir heute als wahr empfinden, kann morgen bereits als Lüge entlarvt werden. Ein Autor, der sich dermaßen in seine von Krisen geschüttelten Figuren, ihre Emotionen, ihre Fantasien, ihre Sorgen und Hoffnungen hinein zu denken versteht und dabei das große Ganze nicht aus den Augen verliert, ist äußerst selten und verdient unbedingt gelesen zu werden. „Sieben Seiten der Wahrheit“ ist emotionaler Zündstoff mit psychologischem Tiefgang.

  (11)
Tags:  

  

 

Slam
LOVELYBOOKS-Statistik

(224)

360 Bibliotheken, 6 Leser, 3 Gruppen, 28 Rezensionen

schwangerschaft, skaten, liebe, teenager, erwachsenwerden

Slam

Nick Hornby , Clara Drechsler , Harald Hellmann
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.01.2008
ISBN 9783462039658
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Sam, gerade mal sechzehn Jahre jung und leidenschaftlicher Skater, lebt mit seiner allein erziehenden Mutter in England. Wenn Sam im Leben nicht mehr weiter weiß, orakelt er mit seinem Skater-Helden Tony Hawk.

Sam hat Tony Hawks Autobiografie bereits unzählige Male gelesen und die Zwiegespräche mit dem Poster von Tony Hawk geben ihm so manchen Überlebenstipp. Irgendwann nimmt Sams Mutter ihn, sie ist gerade mal zweiunddreißig, mit zu einer Freundin, die eine Tochter namens Alice hat. Sam verliebt sich in Alice. Sie hängen fortan wie siamesische Zwillinge aneinander. Tagein und - aus können sie nicht voneinander lassen, bis Sam beginnt sich allmählich zu „entlieben“ und beschließt Schluss zu machen.
Doch Alice wird schwanger und möchte das Kind auf keinen Fall abtreiben. Somit beginnt für alle Beteiligten, eine ereignisreiche Zeit. Sam malt sich die Zukunft aus und das therapeutische Gespräch mit Tony Hawk funktioniert nicht mehr wirklich. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden merkt er, dass es eigentlich albern ist sich mit einem Poster zu unterhalten. Das Skateboard holt er nur noch selten hervor, stattdessen nimmt Sam erstmal Reißaus. Slam ist übrigens beim Skaten(die Bezeichnung Skateboardfahren ist laut Hornby uncool) der Begriff für einen üblen Sturz. Nick Hornby ist mit „Slam“ erneut ein unglaublich witziges Buch zu einem eigentlich ernsten Thema gelungen; Großbritannien hat die höchste Jugendschwangerschaftsrate in Europa.
Wie bereits in „High Fidelity“ und „About a Boy“ platzt hier jede Seite vor Situationskomik aus allen Nähten. Hornby gelingt es, aus der Perspektive des sechzehnjährigen Sam die Sorgen, Ängste und kleinen Lebenslügen eines Teenagers zu schildern. Lebensnah, saukomisch und frech schildert der britische Autor die ersten wackligen Schritte im Leben eines Menschen an der Schnittstelle zum Erwachsenendasein. Beschwingt und leichtfüßig werden hier die großen Fragen des Lebens gestellt, wenn auch manchmal etwas oberflächlich. Dennoch ist „Slam“ pointensicher, unterhaltsam und warmherzig geschrieben und schreit regelrecht nach der nächsten Verfilmung.

Frank Paulus

  (7)
Tags:  

  

 
12 Ergebnisse