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Cevdet und seine Söhne
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nobelpreis, ankara, türkische literatur, istanbul, orhan pamuk

Cevdet und seine Söhne

Gerhard Meier , Orhan Pamuk
Fester Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 07.03.2011
ISBN 9783446236394
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

"Cevdet und seine Söhne" ist, obwohl erst jetzt ins Deutsche übersetzt, Orhan Pamuks erster Roman, den er zwischen 1974 und 1978 geschrieben hat.

Obwohl sich Orhan Pamuk sichtlich an Thomas Manns "Buddenbrooks" und Leo Tolstois "Anna Karenina" orientiert, entwickelt er bereits hier eine eigenständige Sprache, einen eigenen Stil, den er in den darauffolgenden Romanen immer weiter in das Reich der poetischen Sprache von "Schnee" oder "Mein Name ist Rot" führen wird.

Cevdet ist Türke und Kaufmann, eine rare Kombination im Istanbul des Jahres 1905. Zu dieser Zeit wird der Handel hauptsächlich von jüdischen und griechischen Kaufmännern beherrscht. Ein türkischer Kaufmann wird zu dieser Zeit noch belächelt. Eine Zeit, die das nahende Ende des Osmanischen Reiches schon erahnen und die nahenden Umwälzungen in Europa bereits spüren lässt. Cevdet flaniert durch die Straßen und beobachtet, sinniert über das Leben und über seine Zukunft nach.

Die Tochter eines einflussreichen aber redseligen und nervigen Paschas ist ihm als Frau versprochen, gesehen hat er sie zweimal, gesprochen einmal. Ein Gespräch, das zwar nur aus "Wie geht es dir? Danke, gut, und wie geht es Dir" bestanden hat, das Cevdet aber von der Gutherzigkeit seiner zukünftigen Frau Nigan überzeugt hat. Hier ist auch ein wichtiger Ausgangspunkt für eine Entwicklung in diesem Roman sichtbar. 1905 ist das gemeinsame Leben von Frauen und Männern auf das Heim und die Familie sowie ganz wenige Berufe beschränkt.
Und so gründet Cevdet sein "Imperium", das ihm und seinen Söhnen in Zukunft ein ruhiges, angenehmes Leben ermöglichen wird.

In "Cevdet und seine Söhne" gibt es immer wieder Figuren, die sich im Sinne einer Reform, eines Andersseins oder aus Lust an der Reaktion als Außenseiter, Querulanten, Nörgler und hoffnungslose Möchtegernphilosophen entpuppen. Diese Riege wird von Cevdets todkrankem Bruder eröffnet, der nach der Scheidung von seiner Frau quasi in wilder Ehe mit einer Armenierin zusammenlebt, einer Frau, die Cevdet einerseits als sinnlich empfindet, andererseits aber aus moralischen Gründen ablehnt.

Dreißig Jahre später beginnt der zweite Teil des Romans. Er beginnt bezeichnenderweise in einem Zug und stellt zugleich einen Freund von Refik, einem der beiden Söhne Cevdets, vor. Ömer, der davon träumt, Eroberer zu sein, im Sinne Rastignacs, als Genie des Ehrgeizes und der Ruchlosigkeit.

Cevdet ist nun Familienoberhaupt und genießt das Leben mit seinen Kindern und seiner Frau.
Man ist als Leser Zeuge eines Bayram-Festes, das Pamuk dafür nutzt, einen Bogen zum ersten Teil zu schlagen und die Beziehungen innerhalb der Familie zu beleuchten. Die beiden Söhne sind verheiratet, der ältere Osman ist bereits der Nachfolger im Unternehmen, während Refik hauptsächlich mit dem Träumen beschäftigt ist. Viel hat sich verändert, die Kleiderordnung ist seit der Machtübernahme Kemal Atatürks viel freier geworden, Frauen und Männer kommunizieren oberflächlich betrachtet locker miteinander, und hie und da gibt es sogar die ersten Beispiele einer Heirat aus eigenständigem Begehren.

Refik und seine Freunde werden hier symbolisch für die diversen Tendenzen der damaligen Zeit beleuchtet.
Während Ömer sich in die studierende und intelligente Tochter eines Abgeordneten verschaut, zugleich aber als strategisch kluger Jungunternehmer in den Norden geht, um am Kuchen des Eisenbahnbaus mitzunaschen, wird er sukzessive mehr und mehr zu dem, der er nicht sein wollte. Sein einziger Ausweg am Ende ist es, die Verlobung sausen zu lassen.
Muhettin, der, wenn er mit 30 noch kein berühmter Poet ist, mit Selbstmord reagieren will, veröffentlicht zwar einen Gedichtband, wird aber kein berühmter Lyriker. Als Mann ohne wirklichen Willen wird er mehr oder weniger durch Zufall Teil der neuen nationalistischen Bewegung, die darauf bedacht ist, die Reformen zu verhindern. Refik flieht vor seiner Frau und aus dem Elternhaus, um sich selbst zu finden und tut das bei Ömer im Norden, quasi als philosophierendes Anhängsel.

Fast überzeichnet ist die Willenlosigkeit und Hin- und Hergerissenheit der jungen Männer, die im Angesicht der großen Veränderungen der Zeit nur träge damit umgehen können und sich nicht trauen, so zu handeln, wie sie möchten. Auch da ist eine Ähnlichkeit mit dem Vorbild Leo Tolstoi zu erkennen. Die Protagonisten zerfleischen sich selbst, doch während sie bei Tolstoi dann beispielsweise doch auf alles verzichten und einem Mädchen in ein Arbeitslager durch ganz Russland nachreisen, ist die größte Auflehnung hier fast die Absage der Verlobung Ömers.

Die Entwicklung der Möglichkeiten der Frauen in diesem Roman ist sehr interessant. Während im ersten Teil noch absolute patriarchalische Strenge geherrscht hat, ist bereits im zweiten Teil eine Veränderung zu spüren, die fast nur mehr durch eifersüchtige Brüder oder rückständige Männer behindert wird. Osmans Frau rächt die Seitensprünge des Ehemanns mit einem eigenen Geliebten, eine Entwicklung, die von beiden mehr oder weniger stillschweigend toleriert wird. Am Ende des zweiten Teils stirbt Cevdet. Damit ist die Bühne des Romans frei für die Kinder und Enkelkinder im abschließenden dritten Teil, der 1970 angesiedelt ist.

Bezeichnend für die Entwicklung der weiblichen Protagonisten ist hier auch, dass Orhan Pamuk die Krankenschwester, die sich in Nigans letzten Tagen um sie kümmert, in ihren Pausen frei zu den Büchern in der Familienbibliothek greifen lässt, was bei Cevdets nunmehr nicht mehr jungen Söhnen doch noch zu einem Aha-Erlebnis führt.

"Cevdet und seine Söhne" ist ein wunderbar informativer und beeindruckender Roman, der sich näher zum Ende hin etwas in ewig lang anmutenden politischen Diskussionen und Gedankengängen verliert, die den Lesefluss etwas trüben. Eine Entwicklung, die aber durch das genialische Ende fast komplett wegradiert wird. "Cevdet und seine Söhne" ist ein grandioser Startschuss in Orhan Pamuks Schriftstellerkarriere und ein immens wichtiger Roman für die türkische Literatur. Er ist aber auch ein Familienroman, ein Generationenroman, ein Entwicklungsroman und ein wunderbares Porträt eines Landes im Wandel der Zeit. Zusätzlich, und das vielleicht sogar mehr als alles Andere, ist "Cevdet und seine Söhne" ein tiefgehendes Gesellschaftsbild und Entwicklungsroman einer Gesellschaft, die in diesem ruhigen mosaikähnlichen Prosafluss porträtiert wird

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 04/2011)

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Das Museum der Unschuld
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nobelpreis, türkische literatur, das museum der unschuld, orhan pamuk

Das Museum der Unschuld

Orhan Pamuk , Gerhard Meier
Flexibler Einband: 577 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 06.08.2010
ISBN 9783596177684
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
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Der Koffer meines Vaters
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nobelpreis, türkische literatur, istanbul, essays, orhan pamuk

Der Koffer meines Vaters

Ingrid Iren , Orhan Pamuk , Gerhard Meier
Fester Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 08.03.2010
ISBN 9783446234925
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Tiefgehende Einblicke in die Welt des Orhan Pamuk

Orhan Pamuks Essayband "Der Koffer meines Vaters" ist ein wunderbares, persönliches und teilweise auch sehr poetisches Buch, das einen äußerst sympathischen und tiefen Einblick in das private und künstlerische Leben des türkischen Nobelpreisträgers von 2006 gewährt.

Die in diesem Buch gesammelten Essays, Reden, Vorworttexte zu türkischen Erstveröffentlichungen und kurze, teilweise autobiografisch inspirierte Prosaminiaturen spannen den Bogen von seiner an seinen Vater und die wichtige Rolle des Vaters im Leben von Orhan Pamuk erinnernden Rede zur Empfangnahme des Nobelpreises für Literatur bis hin zu seinem abschließenden "Paris Review"-Interview.

Dazwischen gibt es Essays und Texte, die in folgende Themengruppen unterteilt sind: Leben, Istanbul, Amerika, Lesen und Bücher, Meine Bücher sind mein Leben, Bilder und Texte, Politik und Staatsbürgerschaft, sowie das bereits erwähnte Interview.

"Wenn ich an meine vierundfünfzig Lebensjahre zurückdenke, habe ich jemanden vor mir, der ständig voller Glücks- und Unglücksgefühle am Schreibtisch sitzt und arbeitet. Ich habe meine Bücher stets sorgfältig und geduldig und mit besten Vorsätzen geschrieben und immer an sie geglaubt. Erfolg, Ruhm und berufliches Glück ... von selbst gekommen sind sie nicht."

Auf ganz wundersame Art und Weise berührt Orhan Pamuk den Leser, wenn er ihn an diesen teilweise sehr privaten Betrachtungen teilhaben lässt. Seine Gedanken zum Aufstehen in stiller Nacht, zum Gefühl, das sich einschleicht, wenn man nicht mehr raucht, zur poetischen Gerechtigkeit, die Bemerkungen über Traum und Schuldgefühl, zur schönsten Uhr und über Frühlingsnachmittage sind funkelnd, geistreich und literarisch von feinstem Schliff, während manche vom Autor selbst illustrierte Miniaturen sich in teilweise sehr reduzierter, direkter, fast naiver Sprache entfalten.

"Wenn ich mit meiner kleinen Tochter Rüya an den Strand gehe, bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Und was will der glücklichste Mensch der Welt am allermeisten? Natürlich weiterhin der glücklichste Mensch der Welt sein. Dazu muss er immer wieder das gleiche tun. Also tun wir immer das gleiche."

Großartige, stille und entrückte Momente haben die drei Istanbul und die beiden Amerika gewidmeten Essays, die, sich kleiner Geschichten bedienend, tief in die Welt der ganz unterschiedlichen und doch viele Ähnlichkeiten aufweisenden Städte New York und Istanbul eintauchen.

Über interessante literarische Essays zu "Tristram Shandy", Victor Hugos Passion für Größe, Albert Camus, zur Romanwelt Thomas Bernhards, zu Ahmet Hamdi Tanpinar und Salman Rushdies "Die satanischen Verse" und der damit verbundenen Freiheit des Autors, führt der Leseweg zum Abschnitt "Meine Bücher sind mein Leben", der den Büchern des Autors gewidmet ist.

Überzeugend und spannend, wie Orhan Pamuk hier seinen Schaffensprozess und die Entstehungsmomente seiner Romane, seine Schaffenswerkstatt quasi wie auf den Präsentierteller legt und dem interessierten Leser einen möglicherweise neuen Zugang zu seinen Romanen ermöglicht. Eine feine, schwarzweiß gehaltene Fotoserie aus Kars begleitet den Essay zu "Schnee"; Fotos, die die Schneewelt von Kars und "Schnee" eindringlich näher bringen. Pamuks differenzierte und komplexe Romanwelt als subtil erklärter Mikrokosmos, das ergibt eine spannende literarische Reise.

Die etwas weniger interessanten Essays dieses Bandes sind die wenigen, die sich mit Politik beschäftigen, was aber nach Meinung des Rezensenten eine Frage der absoluten Unvereinbarkeit von Politik und Kunst in einer so klaren literarischen Form ist. Obschon Orhan Pamuks Gedanken und politische Ansichten bewundernswert und klar nachvollziehbar sind, fehlt ihnen die literarische Motivation, was sie für diesen Band entbehrlich erscheinen lässt.

"Der Koffer meines Vaters" ist ein aufregender und beeindruckender Band, der den Wunsch, weiter in den literarischen Kosmos dieses Autors einzudringen, eindeutig geweckt hat und in dem man jederzeit gerne einzelne oder mehrere Texte wieder lesen möchte.

"Ich weiß, dass ich jetzt, im April 2007, im Alter von vierundfünfzig Jahren, schon mehr als die Hälfte meines Lebens hinter mir habe, aber ich glaube, dass mein bisher zweiunddreißig Jahre währendes Schriftstellerleben erst bei der Hälfte angelangt ist. Vor mir sollten noch einmal zweiunddreißig Jahre liegen, in denen ich Bücher schreiben kann, die meine Mutter und andere Leser überraschen."

Möge dieser Wunsch Orhan Pamuks in Erfüllung gehen.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 03/2010)

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Das dunkle Schiff
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das dunkle schiff, islam, sherko fatah, terror, deutsch-irakische literatur

Das dunkle Schiff

Sherko Fatah
Flexibler Einband: 440 Seiten
Erschienen bei btb, 01.01.2010
ISBN 9783442739073
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:  
Tags: das dunkle schiff, deutsch-irakische literatur, irak, islam, sherko fatah, terror   (6)

  

 

Istanbul
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istanbul, nobelpreis, orhan pamuk, roman, stadtgeschichte

Istanbul

Orhan Pamuk , Gerhard Meier
Flexibler Einband: 431 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 03.09.2008
ISBN 9783596177677
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: erinnerungen an eine stadt, istanbul, nobelpreis, orhan pamuk, türkische literatur   (5)

  

 

Mohammad, der Prophet
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islam, koran, mekka, religion, krieg

Mohammad, der Prophet

Kader Abdolah , Christiane Kuby
Fester Einband: 281 Seiten
Erschienen bei Claassen, 14.10.2009
ISBN 9783546004510
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Der 1954 geborene in den Niederlanden lebende iranische Autor Kader Abdolah hat mit seinem neuesten Roman „Mohammad, der Prophet“ ein farbiges Portrait Mohammads gezeichnet.

Er erfindet zu diesem Zweck einen literarischen Ziehsohn Mohammads, der nach dessen Tod von den Anführern des Islams den Auftrag erhält, Allahs Offenbarungen an Mohammad aufzuschreiben. Dieses Buch wird jedoch von den Auftraggebern abgelehnt und Zayd begreift, dass er das Leben Mohammads nur aufzeichnen kann, wenn er mit allen, die Mohammad kannten, inklusive seiner Familie, seinen Dienern, den Dichtern, Feinden und Freunden, redet und so ein umfassendes Bild entstehen lässt, dass ihm hilft, den Koran neu zu ordnen. Die auf dieser Reise gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen erweisen sich als Schlüssel zum Koran, wie er heute bekannt ist.

Kader Abdolah geht mutig zu Werke, er lässt ein durchaus menschliches Bild Mohammads entstehen. In kurzen Kapiteln verfolgt man so das Leben Mohammads von seiner Geburt bis zu seinem Tod. Auch wenn dieses Buch überlieferte Wahrheiten als Ursprung nimmt, so ist es natürlich trotzdem ein Roman und somit ein Werk der Fiktion.

Man lernt einen prinzipientreuen und kompromisslosen Mann kennen, der zwar Prophet ist, doch auch leidenschaftlich ist; der seine Kinder liebt, der die Frauen liebt und einige, manche sogar sehr jung, heiratet.

Er erzählt von Mohammads Kampf um eine Anhängerschaft, um die Bekehrung der den Götzenbildern und Massenheiligen huldigenden Bevölkerung. Man wird literarischer Zeuge des doch recht blutigen und taktischen Kampfes um Mekka.

Mit Kenntnis des Korans, dessen Interpretation ja (und ich bitte um Verzeihung, wenn ich jetzt etwas Falsches sage) relativ frei ist, bzw. den man sehr unterschiedlich interpretieren kann, lernt man durch Kader Abdolahs Sichtweise viele neue Facetten kennen. Ich denke aber, dass man auch ohne Kenntnis des Korans mit „Mohammad, der Prophet“ eine einzigartige Einstiegsmöglichkeit in die Welt des Islams hat. Eine Chance, verstehen zu lernen, ohne auf Klischees und Vorurteile zu achten. Ein Buch, das in einer Reihe mit Büchern wie Karl-Ove Knausgards „Alles hat seine Zeit“ und José Saramagos „Evangelium nach Jesus Christus“ steht, in dem es gehörig entstaubt und dem interessierten Leser abgesehen vom literarischen Genuss eine alternative, bzw. andere Sichtweise der überlieferten Traditionen vermittelt.

Kader Abdolahs archaisch einfache Sprache und Kenntnis des Korans, den er erst vor wenigen Jahren ins Niederländische übersetzt hat, machen diesen Roman zu einem großartigen Leseerlebnis, absolute Empfehlung.

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Tags: iranische literatur, islam, kader abdolah, koran, mekka, mohammad- der prophet   (6)

  

 

Memed mein Falke
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türkische literatur, yasar kemal, klassiker, teil 1, memed romane

Memed mein Falke

Yasar Kemal , Horst W Brands
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 10.11.2010
ISBN 9783293203501
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags: memed mein falke, memed romane, teil 1, türkische literatur, yasar kemal   (5)

  

 

Stein der Geduld
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afghanistan, krieg, unterdrückung, frau, roman

Stein der Geduld

Atiq Rahimi , Lis Künzli
Fester Einband: 167 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 01.09.2009
ISBN 9783550087868
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Irgendwo in Afghanistan oder anderswo

Für "Stein der Geduld" erhielt der seit 1984 in Frankreich lebende Atiq Rahimi 2008 den begehrten "Prix Goncourt". "Stein der Geduld" ist auch Atiq Rahimis erstes in französischer Sprache geschriebenes Buch.

Karge Sprache dominiert diesen kurzen aber eindringlichen Roman. Prosa, die erzählt, indem sie beschreibt. Ein Zugang, der streckenweise an die Machart eines Filmdrehbuchs erinnert. Man spürt die Qualitäten des Dokumentarfilmers, der Atiq Rahimi auch ist, schon im Ansatz zur Entwicklung und in den beeindruckenden Farben dieses Buches.

"Das Zimmer ist kahl. Schmucklos. Nur an der Wand zwischen den beiden Fenstern hängt ein kleiner Handschar, und über dem Handschar das Foto eines schnurrbärtigen Mannes. Er dürfte um die dreißig sein. Gelockte Haare ... Seine schwarzen Augen glänzen. Sie sind klein, durch eine Adlernase getrennt. Der Mann lacht nicht, sieht aber aus, als hielte er ein Lachen zurück. Das verleiht ihm einen merkwürdigen Ausdruck, den Ausdruck eines Mannes, der sich insgeheim über den Betrachter mockiert ..."

Eine Frau sitzt am Bett ihres bewusstlosen, im Sterben liegenden Mannes. Sie spricht mit sich selbst und damit auch mit ihm. Ihr Kind erscheint von Zeit zu Zeit im Zimmer. Indem sie spricht, erinnert sie sich. Erinnerungen an ihre Ehe sprudeln aus ihr heraus, alle Enttäuschungen, alle Schmerzen, die er ihr durch sein Unverständnis, das sich auch durch seine Rolle als Mann in Afghanistan (oder anderswo) definiert. Eine wahre Anklageflut bricht aus der Frau heraus. Immer wieder klopft der Mullah, nicht immer wird er hereingelassen. All das, während draußen die Kriegshandlungen fortgesetzt werden.

Die unterschiedlichen Verhältnisse zu Schwiegervater und Schwiegermutter sind zwei der wunden Punkte, auch die Unterdrückung durch die eigenen Eltern und die Traditionen in Afghanistan. Der Monolog der Frau ist eine Anklage, ein verzweifelter Hilfeschrei für die Rechte und Würde der Frauen in Afghanistan (oder anderswo).

"Da begriff mein Vater. Er sperrte mich in den Keller. Dort war es ganz dunkel. Ich musste zwei Tage unten bleiben. Er schloss eine Katze mit mir zusammen ein - eine andere herrenlose Katze, die in der Gegend herumstreunte - und verkündete mir voller Genugtuung, wenn das Tier Hunger bekäme, werde es mich zur Beute nehmen. Aber zum Glück war unser Haus voller Ratten ..."

Immer näher rückt man als Leser an das Geheimnis ihrer Ehe. Eine schmerzhafte Erfahrung mit einem jungen Soldaten gibt der Frau Mut, ihrem Mann auch den letzten Rest ihres Geheimnisses zu erzählen.

Atiq Rahimi hat mit diesem Roman einen wirklich eindringlichen, starken Roman geschrieben und zu Recht damit auch den "Prix Goncourt" gewonnen. "Stein der Geduld" wirkt wie ein extrem konzentriertes Kammerstück und ist ein Werk, in dem jeder Satz, jedes Wort sitzt. Ein Roman, in dem es keinen Anflug eines Leerlaufes gibt.

"Stein der Geduld" ist ein kurzes Stück großer Literatur, mit unvergesslichen Szenen und mit einer großartigen Protagonistin.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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Der leere Platz von Ssolutsch
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mahmud doultabadi, iranische literatur, iran, der leere platz von ssolutsch

Der leere Platz von Ssolutsch

Mahmud Doulatabadi , Sigrid Lotfi
Flexibler Einband
Erschienen bei Unionsverlag, 01.11.1996
ISBN 9783293200814
Genre: Historische Romane

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Die Reise
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mahmud doulatabadi, die reise, iranische literatur, iran

Die Reise

Mahmud Doulatabadi
Fester Einband: 126 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 01.06.1999
ISBN 9783293001817
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: die reise, iran, iranische literatur, mahmud doulatabadi   (4)

  

 

Kelidar
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mahmud doulatabadi, kelidar, iranische literatur, iran

Kelidar

Mahmud Doulatabadi , Sigrid Lotfi
Flexibler Einband: 645 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 01.08.1999
ISBN 9783293201453
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags: iran, iranische literatur, kelidar, mahmud doulatabadi   (4)

  

 

Der Colonel
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schah, iran, revolution, familie, düster

Der Colonel

Mahmud Doulatabadi , Bahman Nirumand ,
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag/VM, 01.04.2009
ISBN 9783293004023
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:  
Tags: der colonel, iranische literatur, mahmud doulatabadi, militärdiktatur, schah   (5)

  

 

Die Romantiker
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autobiographie, klassiker, türkische literatur, romantik, nazim hikmet

Die Romantiker

Nazim Hikmet , Hanne Egghardt , Peter Bichsel , Hanne Egghardt
Fester Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 17.09.2008
ISBN 9783518224366
Genre: Literatur vor 1945

Rezension:  
Tags: die romantiker, klassiker, nazim hikmet, türkische literatur   (4)

  

 

Die Mieter des Herrn A.
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klassiker, ankara, türkische literatur, entwicklungsroman, memduh sevket esendal

Die Mieter des Herrn A.

Memduh Sevket Esendal , Carl Koß , Karl Coss , Monika Carbe
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 23.07.2009
ISBN 9783293100152
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Mit Memduh Sevket Esendals 1934 erstveröffentlichtem Roman "Die Mieter des Herrn A." und dieser Erstveröffentlichung in deutscher Sprache ist die bewundernswerte "Türkische Bibliothek" des Unionsverlages um einen wirklich großartigen Beitrag reicher.

"Wir leben auf einer Etage in einem neu errichteten Apartmenthaus, die ein gewisser Ayasli Ibrahim Efendi angemietet hat und zimmerweise weitervermietet. Neun Zimmer liegen hintereinander zu beiden Seiten eines ziemlich dunklen Flures. Am Ende des Korridors befinden sich ein Badezimmer und eine Küche. Mein Zimmer ist gleich rechts, wenn man den Gang betritt."

Mit diesen Worten beginnt die Erzählung des jungen Bankangestellten, der sich soeben von den Ehestreitereien seiner früheren Vermieter gelöst hat und auf ein ruhiges Leben in der neuen Wohnung freut. Memduh Sevket Esendal lässt sich knapp hundert Seiten Zeit, um alle Mieter dieser Riesenwohnung vorzustellen. Hundert kurzweilige, fesselnde Seiten, die herrlich schräge Typen, leidenschaftliche und freizügige Frauen, traditionell zurückhaltende Frauen, Kleinganoven, Opiumhändler, spielsüchtige, ihr Kind vernachlässigende Eltern und ehrliche Männer vorstellen, bevor der Autor die Geschichte dann entwickelt und spannend dem Ende zutreibt.

Hatte der Ich-Erzähler auf ein ruhiges Leben gehofft, so ist er nun Mittelpunkt und Achse in dieser vermeintlich symbolisch als Mikrokosmos für das Gesellschaftsbild des damaligen Ankara stehenden Wohngemeinschaft. Immer weiter in die Geschehnisse hineingezogen, wird er von frivolen Dienstmädchen und arbeitssuchenden jungen Damen umgarnt, von Turan Hanim, der Frau des ruhigen Haki und leidenschaftlichen Spielerin, letztlich zum Glücksspiel und erotisch verführt (die erotische Verführung vom Gatten der Dame geduldet).

Moralische Stützen sind ihm durchgehend der um viele Jahre ältere Hasan Bey, der vor Jahren ein guter Freund des ältesten Bruders des Ich-Erzählers war, sowie der befreundete junge Arzt Fahri.

Als Hasan Bey an einem Herzinfarkt zu sterben droht, lernt er im Krankenzimmer Hasan Beys Tochter Selime kennen und verliebt sich langsam in sie. Beeindruckend, wie Memduh Sevket Esendal hier dem Leser die aufkeimende Liebe zeigt, während der Ich-Erzähler und sich verliebende junge Mann diese Gefühle scheinbar noch gar nicht registriert hat. Mit dem Erscheinen Selimes bewegt sich der Roman zum ersten Mal deutlich aus der Wohnung heraus und erlaubt zusätzliche Schauplätze. Neue Perspektiven eröffnen sich dem Protagonisten, er löst sich von Turan, wächst als Persönlichkeit und durchlebt die Entwicklung zu einem gefestigten, integren jungen Mann.

Ein kurzes Intermezzo ist spät im Roman noch eine kriminalistische Geschichte, die kopflose Leiche eines Mieters der Wohnung, sowie die Verhaftung des Opiumhändlers; Momente der Würze, ohne besondere Beleuchtung und in der Funktion als neues Element vor der Coda einfach perfekt.

Danach ist die Bühne frei für das zärtliche Aufblühen der Liebe Selimes und des Ich-Erzählers sowie die Hochzeit der beiden.

Großartige Figurenzeichnung und eine Schar von Protagonisten, die, man vergesse nicht, dass die Handlung in den frühen Tagen der neuen Republik spielt, berauschend modern und offen sind. Der Autor schenkt uns Protagonisten, die das Bild, das man unter Umständen von der Türkei in den Jahren nach der Gründung der Republik hat, gründlich revidiert, und einen Ich-Erzähler, der sich vehement für das Recht auf Arbeit und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern einsetzt.

" Finden Sie es richtig, wenn Frauen arbeiten?"
"Das hängt von der Lage ab und vom Menschen."
"Also eine Frau in meiner Lage, sollte die arbeiten?"
...
"Auch wenn sie arbeitet, so bleibt sie doch Frau. Und sie verhält sich auch weiterhin wie eine Frau."
"Bleibt sie das? Wie soll sich eine Frau, wenn sie arbeitet, um ihre Familie, um ihre Wohnung kümmern? Ob sie’s will oder nicht, sie wird versuchen, kein Kind zu bekommen ..."
"Wenn ich eine Frau wäre, ich würde es anstreben, meinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen und mit dem Mann meiner Wahl zusammenzuleben!"
"Sie sind eben keine Frau ..."
Worte, die wahrscheinlich nicht nur in der Türkei von 1934 mutig waren.

"Die Mieter des Herrn A." ist ein schillerndes, buntes Gesellschaftsbild; ein Kaleidoskop des damaligen Ankaras, ein Bild einer Gesellschaft im Wandel und ein stimmiges Sittenbild, konzentriert und im kleinen Rahmen der Mietwohnung des Herrn Ayasli vereint.

Glasklare Prosa, die auch in den zärtlichsten Szenen nie kitschig ist, und Szenen, die man einfach aus schierer Lesefreude mehrfach liest, zeigen, welche Entdeckung wir mit dieser späten (und blendend übersetzten) Erstveröffentlichung in deutscher Sprache hier vor uns haben. Der 1883 in Çorlu geborene und 1952 gestorbene Memduh Sevket Esendal, der Zeit seines Lebens in parteipolitischen Ämtern, als Diplomat und als Journalist gewirkt hat, der Russisch und Persisch im Selbststudium erlernt hat, wird hoffentlich auch international endlich die Bedeutung erfahren, die ihm gebührt. Das ist Literatur, die auf einer Höhe mit den besten Autoren seiner Zeit steht und verdient zur wichtigsten und besten Literatur der Türkei zählt.

Ein großes Lob an den Unionsverlag für diese Entdeckung, an das ich gleich unverschämt die Bitte anhänge, die restlichen Werke (weitere zwei Romane und eine unbekannte Anzahl Erzählungen) Memduh Sevket Esendals bald folgen zu lassen.

Absolute Empfehlung.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 08/2009)

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Tags: ankara, die mieter der herrn a., entwicklungsroman, klassiker, memduh sevket esendal, türkische literatur   (6)

  

 

Der Mathematiker
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klassiker, mustafa inan, türkische literatur, mathematik, oguz atay

Der Mathematiker

Oguz Atay , Monika Carbe , Gürsel Aytaç
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 23.07.2009
ISBN 9783293100169
Genre: Biografie

Rezension:

Ein Roman über das Leben des Mustafa Inan

Der 1934 im Norden der Türkei in Inebolu geborene und 1977 viel zu früh in Istanbul verstorbene Oguz Atay ist außerhalb der Türkei fast unbekannt. Nach einem Ingenieurstudium an der Technischen Universität Istanbul war er einige Jahre als Dozent an dieser Universität tätig.
Sein erster Roman "Die Haltlosen" erschien 1972, ein Jahr später "Gefährliche Spiele". "Der Mathematiker" ist Oguz Atays letzter Roman und erschien 1975.

"Der Mathematiker" zeichnet den Lebensweg des Ingenieurs und Mathematikers Mustafa Inan (1911-1967) nach, der schon als Kind mit seinen besonderen Fähigkeiten überraschte und nach einem Promotionsstudium an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich an die Technische Universität Istanbul als Professor zurückkehrte. Später wurde er auch Dekan.

Der Roman beginnt damit, dass ein junger Student aus der Provinz vor den Toren der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Ankara steht und versucht, an die Ergebnisse der Aufnahmeprüfungen zu kommen. Ein sympathischer Professor nimmt sich seiner an und beginnt, ausgehend von einer an diesem Tag stattfindenden posthumen Ehrung für Mustafa Inan, dem jungen Mann Mustafa Inans Geschichte zu erzählen.

Somit hat Oguz Atay das Rad seines Romans auf sehr subtile Art und Weise ins Rollen gebracht. In klarer, poetischer Prosa erzählt Atay die Lebensgeschichte seines ehemaligen Professors. Er beginnt mit Mustafa Inans Kindheit, die mit einem Sturz vom Dach des Hauses seiner Eltern anhebt und bewegt sich über die Schul- und Studienjahre zur Heirat mit Jale hin, um den Bogen elegant via Zürich zurück nach Istanbul zu schließen.

Das tut Oguz Atay auf beeindruckende Weise; er lässt den Leser quasi als Außenstehenden zuhören, wie der Professor Mustafa Inans Geschichte dem jungen Studenten erzählt. Dabei kommen unvermittelt auch andere Stimmen zu Wort. Mitschüler, Studenten, Eltern, Geschwister, Mustafa Inans Frau Jale und viele Andere, die von Zeit zu Zeit ihre Kommentare einstreuen dürfen. Dadurch entsteht ein ständig wechselndes Erzählbild, das die Struktur dieses biografischen, fast dokumentarischen Romans schön auffächert und interessant macht.

Mustafa Inans von Oguz Atay gezeichnetes Bild ist lebendig und bunt, seine Persönlichkeit wird gut und überzeugend vermittelt. Ein wenig zu bewusst überzeugend.

Und das ist der Punkt, der mich persönlich ermüden ließ. Oguz Atay trägt immer wieder etwas dick auf, daher vermeint man als Leser oft, einer literarischen Seligsprechung des in der Türkei berühmten Gelehrten beizuwohnen. Zu gut, zu imponierend, zu leuchtend, zu inspiriert, zu wichtig, zu korrekt kommt dieser Mustafa Inan in seinem Kampf gegen Trägheit und Faulheit des Denkens dem Leser entgegen. Die damit verbundene moralisierende Botschaft, nämlich, dass sich die Gesellschaft nur entwickeln könnte, wenn diese Trägheit und Faulheit abgelegt werden würde ist einfach zu klar, zu brav, zu wenig künstlerisch inspiriert.

Oguz Atay schreibt großartig, seine Prosa ist der rettende Baustein dieses Romans. Atays beeindruckende Satzstrukturen, seine perfekt eingeschobenen Perspektiv- und Zeitwechsel haben mich fasziniert, ich fand mich jedoch bald nur auf Oguz Atays Prosa konzentriert, da mich die lobhudelnde Geschichte, obwohl immer wieder durch fesselnde Abschnitte durchbrochen, nicht bis zum Ende packen konnte.

Um einen Vergleich zu bemühen: Ich würde diesen Roman mit einem genial instrumentierten symphonischen Werk vergleichen, dessen Themen und musikalische Inspiration nicht mit dem perfekten Handwerk im Gleichklang sind.

Sehr gerne würde ich die ersten beiden Romane Oguz Atays lesen, um zu spüren, wie dieser äußerst interessante türkische Autor mit reiner Fiktion umgegangen ist; das schriftstellerische Potenzial ist in "Der Mathematiker" nämlich sehr wohl vorhanden.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 08/2009)

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Der Krieg und die Liebe
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afghanistan, liebe, krieg, flucht, islam

Der Krieg und die Liebe

Atiq Rahimi
Fester Einband: 170 Seiten
Erschienen bei Claassen Verlag
ISBN 9783546003230
Genre: Gegenwartsliteratur

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The Messenger of Athens
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the messenger of athens, griechenland, anne zouroudi, britische literatur

The Messenger of Athens

Anne Zouroudi
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury Publishing Plc, 01.08.2008
ISBN 9780747592754
Genre: Sonstiges

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Kleine Gemeinheiten
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erzählungen, griechenland, griechische literatur, panos karnezis, unglück

Kleine Gemeinheiten

Panos Karnezis
Flexibler Einband: 277 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.06.2007
ISBN 9783423135696
Genre: Zeitgenössische Literatur

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In der Abgeschiedenheit des Schlafs
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persische literatur, fattaneh haj seyed javadi, erzählungen, iranische literatur, in der abgeschiedenheit des schlafs

In der Abgeschiedenheit des Schlafs

Fattaneh H. Seyed Javadi , Susanne Baghestani , Fattaneh Haj Seyed Javadi
Flexibler Einband: 310 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 27.09.2006
ISBN 9783518458112
Genre: Gegenwartsliteratur

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Der sechste Stock eines fünfstöckigen Hauses
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anar, klassiker, der sechste stock eines fünfstöckigen hauses, liebe, liebesroman

Der sechste Stock eines fünfstöckigen Hauses

Anar
Fester Einband
Erschienen bei Dagyeli, J & D
ISBN 9783935597357
Genre: Sonstiges

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Die blinde Eule
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iran, hedayat, einsamkeit, pessimist

Die blinde Eule

Sadeq Hedayat , Bahman Nirumand , Abbas Maroufi , Anneliese Ghahraman-Beck
Fester Einband: 171 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 08.03.2006
ISBN 9783518222485
Genre: Gegenwartsliteratur

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Das neue Leben
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türkische literatur, türkei, nobelpreis, roman, das neue leben

Das neue Leben

Ingrid Iren , Orhan Pamuk
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 27.07.1998
ISBN 9783446192898
Genre: Gegenwartsliteratur

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Die weiße Festung
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türkei, istanbul, historischer roman, orient, sklaverei

Die weiße Festung

Orhan Pamuk , Ingrid Iren
Flexibler Einband: 217 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 06.02.2008
ISBN 9783596177622
Genre: Gegenwartsliteratur

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Zorn
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türkei, zorn, debutroman

Zorn

Murat Uyurkulak , Gerhard Meier , Jens P Laut
Fester Einband: 349 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 01.09.2008
ISBN 9783293100114
Genre: Gegenwartsliteratur

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Rot ist mein Name
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nobelpreis, türkei, istanbul, mord, osmanisches reich

Rot ist mein Name

Orhan Pamuk , Ingrid Iren
Flexibler Einband: 556 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 07.10.2011
ISBN 9783596156603
Genre: Gegenwartsliteratur

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