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Die französische Kunst des Krieges
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algier, euridice, alexis jenni, frankreich, freundschaft

Die französische Kunst des Krieges

Alexis Jenni , Uli Wittmann
Fester Einband: 620 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 01.10.2012
ISBN 9783630874029
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: alexis jenni, dei französische kunst des krieges, französische literatur, prix d'goncourt   (4)

  

 

Ein Tag zu lang
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frankreich, marie ndiaye, roman, bedrückend, ein tag zu lang

Ein Tag zu lang

Marie NDiaye , Claudia Kalscheuer
Fester Einband: 140 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 01.10.2012
ISBN 9783518423332
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: ein tag zu lang, französische literatur, marie ndiaye   (3)

  

 

Auftritt der Geister
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französische literatur, jean-jacques schuhl, auftritt der geister

Auftritt der Geister

Jean-Jacques Schuhl
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 01.12.2011
ISBN 9783518422281
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Ein Zusammentreffen von Literatur, bildender Kunst und der Welt des Films

Der 1941 in Marseille geborene französische Schriftsteller Jean-Jacques Schuhl ist ein bisher im deutschsprachigen Raum mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt. Seine bisher einzige und mittlerweile auch vergriffene Veröffentlichung in deutscher Sprache ist sein mit dem "Prix Goncourt" ausgezeichneter Roman "Ingrid Caven", der sich, Jean-Jacques Schuhl ist mit der deutschen Schauspielerin Ingrid Caven verheiratet, offensichtlich der Gattin des Autors widmet.

Ein Schriftsteller versucht, einen Roman zu schreiben. In diesem Roman steht ein ungreifbares Mannequin im Mittelpunkt, ebenso wie ein Kardinal und der eigentlich nicht mehr zurechnungsfähige Ex-Freund des beliebten Fotomodells.

Der fiktive Schriftsteller kommt mit seinem Roman (im Roman) aber nicht weiter und verstrickt sich immer heftiger in Widersprüchen, Ungereimtheiten und vermeintlich sinnlosen Verknüpfungen von Ideen, bis er bemerkt, dass die von ihm erfundenen Gestalten und Handlungen offenbar in sein wirkliches Leben eingreifen bzw. dabei sind, das zu tun. Was hier alles auf den verhältnismäßig wenigen Seiten vorkommt, das ist eigentlich schon fast auf gewisse Art und Weise berauschend. Ist der sich in Andeutungen erschöpfende Beginn noch im Stil einer Art "aventure noire" gehalten, geht es bald um eine dubiose Einladung, einen noch geheimnisvolleren Klub.

Fast jeder Versuch, eine Erzählung wirklich in Gang zu bringen, endet in einer wahren Orgie der Beschreibungswut, die nicht ganz zum knappen Umfang dieses Romans passt, der sich doch anstrengender liest, als man anfänglich annimmt.

"Die gewellte Form der dünnen Sohle kontrastierte mit der Strenge des hohen Absatzes. Es war eine Form, die den Fuß sorgsam einhüllt und ihn zugleich verdreht und aufrichtet, der Schuh schwebte in der Luft, in der leeren Transparenz der Glasvitrine. Am Boden der Vitrine lag ausgerollt ein feines Lederstück, Chevreauleder, und daneben, beinahe vergessen, ein Blatt knittriges Papier, aus einem Bestellungsheft ausgerissen ..."

Die Einnahme von Drogen, Gespräche über vermeintlich geplanten Organhandel, ein immer wieder penetrant läutendes Mobiltelefon, Weihnachtskugeln und die ehemalige Nummer 9 Brasiliens, "Sócrates", wechseln sich in weiterer Folge in diesem wahnhaften Romanversuch ab, bis sich der doch immer wieder Fahrt aufnehmende Impetus dieses ersten Teils im spannendsten Moment erschöpft.

Im zweiten Teil begegnet der Autor des Romans des ersten Teils eines Abends einem bekannten Filmemacher, der ihm für eine Neuverfilmung eines Horrorstreifens aus den 1920er-Jahren, "Orlacs Hände", die Rolle des Chirurgen anbietet, der einem Pianisten, der seine Hände nicht mehr verwenden kann, die Hände eines Mörders annähen soll.

Während in diesem zweiten Teil, der die Verwirrung weitertreibt, weil darin alle Ebenen der Wahrnehmung endgültig verschwimmen, immer wieder großartige Passagen auftauchen, die stilistisch überzeugend und erzählerisch ganz fein sind, schweift das Passierende immer wieder ab, was den Erzählfluss doch sehr stört.

Nun spricht ja nichts dagegen, den Erzählfluss immer wieder vehement zu stören, wenn dieser Aspekt der formalen Struktur des Texts erkennbare Gründe hat und einen dem Leser verständlichen Sinn ergibt. Leider ist das in diesem kurzen Roman von Jean-Jacques Schuhl nicht der Fall.

Dazu kommt eine Verschmelzung mit der Filmwelt, die durch konstantes Suhlen in bekannter Gesellschaft, oder mit Namenserwähnungen dargestellt wird. Von Isabelle Huppert, Malcolm Lowry, John Malkovich, William Dafoe, Gabriel García Márquez, Ingrid Caven bis Marlene Dietrich geht das bunte Treiben, das sich oft wie eine Anekdotensammlung eines mittlerweile alten Schauspielers liest, der seine Gäste auf einem Stehempfang mit Ereignissen aus der Vergangenheit unterhält: Damals, mit Marlene Dietrich ... oder als wir damals mit John (Malkovitch) und Jim (Jarmusch) den Strand von St. Tropez unsicher gemacht haben ... Bald mischen sich die fiktiven Figuren des Autors des erstens Teils in die Geschichte ein und erheben Anspruch auf Realität.

So treibt die Erzählung rasch dem Ende zu, was man zufrieden zu Kenntnis nimmt, auch wenn man unbefriedigt akzeptieren muss, dass einem vieles unklar geblieben ist.

Die Übersetzung von Christiane Landgrebe ist, wie immer, ausgezeichnet und stilistisch perfekt.

So ergibt sich am Ende eine etwas durchwachsene Lektüre, die von wirklich starken Passagen und schwachen Episoden geprägt ist, eine Lektüre, die man viel lieber loben als rügen würde, und ein Roman, der möglicherweise von einer zweiten Lesung stark profitieren würde ...

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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Tags: auftritt der geister, französische literatur, jean-jacques schuhl   (3)

  

 

Die Schöne des Herrn
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die schöne des herren, albert cohen, französische literatur

Die Schöne des Herrn

Albert Cohen
E-Buch Text: 897 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 23.05.2012
ISBN B0088486NI
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein episches Meisterwerk

Der anno 1968 erstmals veröffentlichte Roman "Die Schöne des Herrn" des aus der Schweiz stammenden französischschreibenden Erzählers Albert Cohen ist einer der großen (Liebes-)Romane des zwanzigsten Jahrhunderts. "Die Schöne des Herrn" ist auch der dritte und vorletzte Teil der "Solal-Tetralogie", die aus den Büchern "Solal", "Eisenbeißer", "Die Schöne des Herrn" und "Die Tapferen" besteht.

Groß ist der Roman, nicht nur wegen seiner epischen Länge, sondern dank der Vielschichtigkeit der Aussagen, die Albert Cohen vermeintlich hinter der diesen Roman bestimmenden, leidenschaftlichen, zerstörerischen und überdrehten "amour fou" versteckt.

Und das, obwohl man am Anfang dieses fast 900 Seiten langen Romans fast geneigt ist, das Buch bereits nach wenigen Seiten wieder wegzulegen und sich wundert, wieso man sich die Mühe einer Überarbeitung der Übersetzung überhaupt gemacht hat. Fast dilettantisch und altmodisch kommt dieser Anfang daher, getaucht in eine kitschige Sauce. Die Erinnerungen der Genfer-Protestantin an ihre Kindheit, ihren Hund und einen dubiosen Stallburschen, der natürlich für ihr erotisches Erwachen zuständig war, sind eigentlich das, was man einem Schriftsteller raten möchte, nicht an den Anfang seines Romans zu stellen.

Doch dann wechselt Cohen schlagartig die Stimmung, die Perspektive und den Erzählstil. Sofort spürt man, in welch großartigem literarischen Kosmos man sich befindet. Aus dieser Perspektive betrachtet, ergibt der etwas unrunde Anfang doch sehr viel Sinn.

Ariane, aus einer Genfer Adelsfamilie stammend, hat ihre Geschwister und den Vater früh verloren, lebt verarmt, bis sie durch die Erbschaft des Vermögens ihrer Tante reich wird. Obwohl sie der Diplomat Seume aus der Verzweiflung holt und wahrscheinlich vor dem Selbstmord bewahrt, indem er sie heiratet, träumt sie weiter von der großen Liebe. Und die taucht mit dem Erscheinen des französisch-jüdischen Ex-Ministers und Diplomaten Solal auf.

Ariane erinnert sich, während sie in der Badewanne liegt und an das in wenigen Stunden stattfindende Treffen mit Solal denkt, an die erste Begegnung der beiden, an die ersten frivolen "Fruchtküsse". Sie denkt daran, wie Solal sich in sie verliebt hat, hineingesteigert in ihre, wie sie sich erinnert, "gefährliche Schönheit".

Solal, der angesehene Diplomat, der nicht nur bei offiziellen Festen, sondern auch in den Betten der Frauen glänzt, verdirbt sich sein Ansehen im Jahr 1933, als er den Völkerbund wegen Untätigkeit und Wegschauens im Zusammenhang mit den Ereignissen in Deutschland angreift. Man weiß von den Geschehnissen und Verfolgungen der Juden, helfen und eingreifen will man nicht. Er verliert seinen Posten und flieht mit Ariane in den Süden Frankreichs, wo die beiden ihre Affäre weltfremd ausleben. Solal fühlt sich jedoch bald eingeengt und versucht sich zu retten, indem er sich bemüht, seinen Posten wiederzuerlangen.

Im mittlerweile antisemitischen Paris muss er erfahren, dass die Bürger Adolf Hitler statt des jüdischen Sozialisten und Leiters der damaligen Volksfront, Leon Blum, bevorzugen. Enttäuscht, verwirrt und gedemütigt kehrt er zu seiner Geliebten zurück. Und so bewegt sich alles im Kreis weiter.

Albert Cohen zelebriert die verschiedenen Spielarten der Liebe mit allen angenehmen und unangenehmen Nebenwirkungen bis aufs Äußerste. Seine Protagonisten leben die Exzesse, als wäre das Leben eine Theaterbühne, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf Gefühle der Mitmenschen, wie eine zu tief in die Wundertüte greifende Inszenierung.

Enttäuschung und Verzweiflung färben jeden Satz, jede Szene; so wird aus diesem Liebesroman ein großes Lamento auf das grausame zwanzigste Jahrhundert, in dem die Erotik symbolisch im Vordergrund stehend die durchsickernde Botschaft umso stärker wirken lässt.

"Die Schöne des Herrn" ist ein zutiefst psychologischer Roman, der es dem Leser nicht leicht macht, immer wieder auch bewusst schwer macht, fast so, als hätte der Autor den Leser an strategischen Stellen wieder zur Aufmerksamkeit zwingen wollen. Es ist aber auch ein Roman mit großen Kontrasten und viel Sarkasmus, vor allem im Bereich der Beziehung zwischen Frau und Mann. Man meint sogar, dass die diversen beziehungsgestörten literarischen Protagonisten der letzten paar Jahrzehnte möglicherweise noch immer von diesem Roman zehren.

Und während die so leidenschaftlich Liebenden ihre Eifersucht leben, ihre Todessehnsucht projizieren und immer wieder gezwungen sind, sich einzugestehen, dass ihre Erwartungen wieder nicht erllfüllt worden sind, meistert Albert Cohen das Kunststück, einen fast kitschig pathetischen Liebesroman geschrieben zu haben, der nicht nur ein psychologischer Roman in der Nachfolge Dostojewskis und ein Spiegel seiner Zeit ist, sondern, wie wir mittlerweile wissen, in vielen Punkten fast prophetisch drohend in die Zukunft weist.

Absolute Empfehlung.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at Roland Freisitzer; 09/2012)

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Mein Herz in der Enge
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marie ndiaye, mein herz in der enge, französische literatur

Mein Herz in der Enge

Marie Ndiaye , Claudia Kalscheuer
Fester Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 14.04.2011
ISBN 9783518224649
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
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Rosie Carpe
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karibik, marie ndiaye, rosie carpie, französische literatur

Rosie Carpe

Marie NDiaye , Claudia Kalscheuer
Fester Einband: 333 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 22.03.2005
ISBN 9783518416853
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
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Harraga
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boualem sansal, harraga

Harraga

Boualem Sansal , Riek Walther
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Merlin, 11.07.2011
ISBN 9783875362947
Genre: Gegenwartsliteratur

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Der Schwur der Barbaren
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der schwur der barbaren, boualem sansal

Der Schwur der Barbaren

Boualem Sansal , Regina Keil-Sagawe
Flexibler Einband: 468 Seiten
Erschienen bei Merlin, 22.03.2010
ISBN 9783875362800
Genre: Gegenwartsliteratur

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Das Dorf des Deutschen
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algerien, islamismus, nationalsozialismus, ss, schuld

Das Dorf des Deutschen

Boualem Sansal , Ulrich Zieger
Flexibler Einband: 279 Seiten
Erschienen bei Merlin, 12.05.2009
ISBN 9783875362817
Genre: Gegenwartsliteratur

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Die Brücke von Coca
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maylis de kerangal, die brücke von coca, französische literatur

Die Brücke von Coca

Maylis de Kerangal , Andrea Spingler
Fester Einband: 287 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 01.04.2012
ISBN 9783518422922
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Ein verrücktes Brückenprojekt als Ausgangspunkt eines rasanten Romans

Maylis de Kerangals erster ins Deutsche übersetzte Roman versammelt eine internationale Mannschaft in der imaginären Stadt Coca, um dort, angeheuert vom größenwahnsinnigen Bürgermeister, eine Brücke von gigantischen Ausmaßen zu bauen.

Die Palette der angeheuerten Kräfte ist bunt gemischt, Frauen und Männer aller möglichen Herkunftsländer und Charaktere sind dem Ruf der Firma Pontoverde gefolgt. Sie leben und arbeiten, lieben und hassen nun in Coca, das sich in einem ebenso fiktiven Kalifornien befindet, in dem es im Winter unter Anderem Eisschmelze gibt.

Coca soll, so der irre Traum des Bürgermeisters, entstanden bei einer Reise ins ferne Dubai, vom verschlafenen Provinznest zur internationalen Drehscheibe werden. Zuerst muss die Brücke her, eine Brücke, die so riesig sein soll, dass sogar das Flussbett durch Sprengungen erweitert werden muss.

Maylis de Kerangal geht ihren recht flüssig geschriebenen Roman forsch an und führt Figur um Figur ein. Besonders überzeugend ist die Diskrepanz zwischen den Träumen der meisten angeheuerten Kräfte und der tatsächlichen Situation, die für die meisten eher enttäuschend ist.
Bald macht sich auch Unmut in der Bevölkerung breit, die sich massiven Einschränkungen, Umsiedlungen und Veränderungen ausgesetzt sieht.

"Die Bauarbeiten sind in vollem Gang. Zunächst fing es unauffällig, ja, heimlich an, niemand in der Stadt hätte sich vorstellen können, was sich da zu beiden Seiten des Flusses anbahnte, niemand ahnte, was da aus dem Boden wachsen würde ..."

Und während die Natur leidet und die Menschen immer vorsichtiger und skeptischer werden, strömen die Mitarbeiter der Firma Pontoverde nur so nach Coca. Der Widerstand in der Bevölkerung wächst und führt sogar zu einem eher misslungenen Attentat auf den Bauleiter Diderot.

Maylis de Kerangals Prosa ist meist überzeugend, wechselt rasch die Perspektiven und spricht den Leser ziemlich direkt an. Das ergibt eine Nähe, die mitunter etwas anstrengend ist. Die Protagonisten dieses Romans sind alle mit Namen bedacht, die bisweilen zu schrägen, aber nicht ganz nachvollziehbaren Assoziationen führen. Der chinesische Bauarbeiter heißt Mo Yun, möglicherweise eine Anspielung auf den Künstlernamen des großen chinesischen Autors Mo Yan, aber keine wirklich denkbare Kombination im Chinesischen. Die us-amerikanischen Arbeiter heißen Duane Fisher und Buddy Loo und haben "rote Haut, schwarze Haut, gemischtes Blut." Shakira Ourgas hat frappierende Ähnlichkeit mit der Sängerin Shakira, und Summer Diamantis ist für die Herstellung des Betons zur Errichtung der Pfeiler zuständig. Ein Mexikaner namens Sancho Alonso Cameron ist, ebenso wie die Herren Soren Cry und Ralph Waldo, dabei im Theater der Globalisierung, das Maylis de Kerangal hier dem Leser präsentiert.

Intrigen, Liebesgeschichten, Eifersucht, Hass, Starrsinn, Kurzsichtigkeit und Geldgier sind einige der Gewürze, die die Autorin im Sinne ihrer Sache einsetzt. Geschickt wechselt die Erzählung zwischen den verschiedenen Protagonisten hin und her, aber auch die Masse der nach Coca herbeigeströmten Arbeiter ist als eigene Erzählschicht vorhanden.

"Wenn um Mitternacht die Sirene das Ende der zweiten Schicht anzeigt, verlassen die Leute taumelnd das Pontoverde-Gelände, ihre Haut spannt, ihre Augen brennen unter den flackernden Lidern. Die meisten kehren in ihre Unterkünfte zurück, einige steuern das Stadtzentrum an, die Spiel- und Vergnügungszone. Die Junggesellen der Baustelle schätzen diesen Rhythmus, der zwar den Organismus schlaucht und das Nervengefüge durcheinanderbringt - sie stehen um vierzehn Uhr auf, arbeiten von sechzehn Uhr bis Mitternacht, feiern bis zum Morgengrauen-, ihnen aber die Nachtklubs zu den heißen Stunden öffnet."

Maylis de Kerangals Roman ist somit ein vielschichtiges Porträt der verschiedenen Charaktere im Baugewerbe, ein Manifest gegen die Rodung und Unterwerfung der Natur für wahnwitzige Bauprojekte, ein Roman der Globalisierung und nicht zuletzt ein spannend zu lesender Text.

Offensichtlich überzeugend übersetzt, erzählt Maylis de Kerangals Prosa aus einer allwissenden Perspektive distanziert aber trotzdem immer wieder den Leser integrierend fast rastlos gehetzt und entspricht somit perfekt dem gezeichneten Bild dieser schnelllebigen, gewinnsüchtigen, nur auf Profit und Erreichen von Abgabedaten orientierten Gesellschaft. Dieses Bild wird vollendet inszeniert und überzeugt; eine Bemerkung über das Fehlen einer gewissen Tiefe und feiner Gefühlswelten wäre hier allerdings ungefähr so angebracht wie eine Kritik daran, dass Wasser nass ist.

(Roland Freisitzer; 06/2012)
erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at

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Tags: die brücke von coca, französische literatur, maylis de kerangal   (3)

  

 

Im Café der verlorenen Jugend
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paris, frankreich, liebe, boheme, schritsteller

Im Café der verlorenen Jugend

Patrick Modiano , Elisabeth Edl
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 27.02.2012
ISBN 9783446238565
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Auf der Suche nach der verlorenen Orientierung

Der Roman "Im Café der verlorenen Jugend" des 1978 für "Die Gasse der dunklen Läden" mit dem "Prix Goncourt" ausgezeichneten französischen Romanciers Patrick Modiano ist das Porträt der jungen Louki, die allein gelassen und recht einsam aufwächst. Diese Tendenz zieht sich durch ihr ganzes Leben.

Aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet Patrick Modiano das Leben Loukis, die nachts durch die Straßen streunt, die sich verschiedenste Zufluchtsorte sucht, wie zum Beispiel eine Buchhandlung, ein Kino oder auch eine Autowerkstatt. Und so kommen neben Louki selbst auch ein Stammgast ihres Cafés, ein von ihrem Mann beauftragter Detektiv und ihr Mann zu Wort.

"Ich habe mich oft gefragt, ob irgendein Bekannter ihr vom Condé erzählt hatte, bevor sie es zum ersten Mal betrat. Oder ob sich jemand mit ihr in diesem Café verabredet hatte und nicht gekommen war. In diesem Fall hatte hätte sie Tag für Tag, Abend für Abend Stellung an ihrem Tisch bezogen, in der Hoffnung, ihn an diesem Ort wiederzufinden, dem einzigen Bezugspunkt zwischen ihr und dem Unbekannten."

Patrick Modiano erzählt Loukis Geschichte bewusst fragil, fragmentarisch aufgesplittert und möglichst verschwommen, offensichtlich, um das von ihm beabsichtigte Bild erst langsam in der Wahrnehmung des Lesers entstehen zu lassen.

Etwas unvermittelt verlässt Louki den Ehemann und lernt Jeanette Gaul kennen, mit der sie nun viel verbindet. Unter Anderem auch Drogen.

Im Café "Le Conde" gibt sie sich unnahbar und fast farblos, ängstlich und schüchtern und passt somit gut in das Bild der vielen Stammgäste, von denen viele, wie auch Louki, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Sinnsuche und Orientierungslosigkeit als Ausgangspunkt dieses Romans ist, gepaart mit der etwas aufgesetzt agierenden Louki, ein wenig zu wenig für einen wirklich anspruchsvollen Roman, der um gut die Hälfte der Seiten abgespeckt vielleicht als Erzählung funktioniert hätte, auch wenn der Rezensent nicht unbedingt auf eine Identifizierung mit den Protagonisten eines Romans besteht. Zu dürftig und wenig interessant ist die Handlung, zu verschwommen dafür die Prosa. Auch die Wortwahl lässt stilistisch immer wieder Wünsche offen; die Bezeichnung "die Bullen" passt nach Meinung des Rezensenten eigentlich nicht in die Umgebung, da wären wahrscheinlich "die Gendarmen" besser angebracht gewesen. Allerdings ist das wahrscheinlich ein durch die Übersetzung entstandenes Manko.

Auch wenn über den eigentlich recht großzügig bedruckten 158 Seiten permanent ein überzeugender Duft der Melancholie liegt, ist der Text zu aufgebrochen, zu verschwommen, zu blass, zu skizzenhaft und lässt auch den gewillten Leser am Ende etwas ratlos zurück.

Die akribisch genaue Aufzählung der Pariser Gassen, wirklich jede wird namentlich erwähnt, man meint fast, der Autor habe dadurch Zeilen und Seiten gewinnen wollen, hilft dem Lesefluss auch nicht.

"Dann schlenderten wir gegen Norden, und um nicht allzusehr abzudriften, hatten wir uns ein Ziel gesetzt: die Place de la République, aber wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir in die richtige Richtung gingen. Egal, wir konnten immer noch die Metro nehmen und in die Rue d’Argentine zurückfahren, wenn wir uns verliefen. Louki sagte, sie sei oft in diesem Viertel gewesen, während ihrer Kindheit ..."

So bleibt "Im Café der verlorenen Jugend" am Ende wie ein nur leicht durch einen Schleier durchscheinendes literarisches Objekt, das hauptsächlich aufgrund der Beschreibungen der Pariser Szenerien in Erinnerung bleibt. Die gänzlich orientierungslosen Protagonisten nerven mit Verlauf der Seiten immens und verflüchtigen sich dafür aber dankenswerterweise bereits beim Zuklappen der Seiten. Möglicherweise war genau das die Absicht des Autors, wenn ja, dann ist der Roman gelungen ...

(Roland Freisitzer; 06/2012)

(erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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Tags: französische literatur, im café der verlorenen jugend, patrick modiano   (3)

  

 

Die Marie vom Hafen
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die marie vom hafen, georges simeneon, kriminalroman, belletristik, spannung

Die Marie vom Hafen

Georges Simenon , Ursula Vogel
Flexibler Einband: 172 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.11.2005
ISBN 9783257216837
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: belgische literatur, die marie vom hafen, georges simenon   (3)

  

 

Wellenschlag
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belgische literatur, georges simenon, wellenschlag

Wellenschlag

Georges Simenon , Ulrich Hartmann
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 17.03.2011
ISBN 9783257241143
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: belgische literatur, georges simenon, wellenschlag   (3)

  

 

Zum Weißen Ross
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zum weißen ross, belgische literatur, georges simenon

Zum Weißen Ross

Georges Simenon
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 17.03.2011
ISBN 9783257241136
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: belgische literatur, georges simenon, zum weißen ross   (3)

  

 

Karte und Gebiet
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frankreich, kunst, liebe, einsamkeit, kunstmarkt

Karte und Gebiet

Michel Houellebecq , Uli Wittmann
Fester Einband: 414 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 10.03.2011
ISBN 9783832196394
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: französische literaturm, karte und gebiet, michel houellebecq, prix goncourt   (4)

  

 

Bouvard und Pécuchet
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klassiker, bouvard und pécouchet, gustave flaubert, französische literatur

Bouvard und Pécuchet

Gustave Flaubert , Erich W. Swara , Erich Wolfgang Skwara
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 16.09.2010
ISBN 9783458174318
Genre: Literatur vor 1945

Rezension:  
Tags: bouvard und pécouchet, französische literatur, gustave flaubert, klassiker   (4)

  

 

Tante Lisbeth
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klassiker, tante lisbeth, frankreich, paris, honoré de balzac

Tante Lisbeth

Honoré de Balzac , Hugo von Hofmannsthal , Paul Zech
Fester Einband: 639 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.11.2007
ISBN 9783257066173
Genre: Literatur vor 1945

Rezension:  
Tags: französische literatur, honoré de balzac, klassiker, tante lisbeth   (4)

  

 

Tropenkoller
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tropenkoller, afrika, tropen, georges simenon

Tropenkoller

Georges Simenon , Annerose Melter
Fester Einband: 190 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.09.2010
ISBN 9783257241020
Genre: Gegenwartsliteratur

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Die Verlobung des Monsieur Hire
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24 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 4 Rezensionen

paris, frankreich, mord, krimi, die verlobung des monsieur hire

Die Verlobung des Monsieur Hire

Georges Simenon
Fester Einband: 172 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.09.2010
ISBN 9783257241013
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
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Frühes Versprechen
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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

frankreich, romain gary, biografien, mutter, frühes versprechen

Frühes Versprechen

Romain Gary , Gio Waeckerlin Induni
Fester Einband: 415 Seiten
Erschienen bei Schirmer Graf, 01.01.2008
ISBN 9783865550491
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:  
Tags: französische literatur, frühes versprechen, romain gary   (3)

  

 

Drei starke Frauen
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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

afrika, frankreich, liebe, marie ndiaye, prix goncourt

Drei starke Frauen

Marie NDiaye , Claudia Kalscheuer
Fester Einband: 341 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 31.01.2011
ISBN 9783518421659
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Marie NDiayes Roman „Drei starke Frauen“ ist ein gewaltiges, unvergessliches Prosawerk.

Ein spannendes, insistierendes Prosagebilde, für das die 1967 geborene und aus Protest gegen Nicolas Sarkozys Einwanderungspolitik mit ihrer Familie in Berlin lebende Autorin verdienterweise den begehrten Prix Goncourt, den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs erhalten hat.

In drei Teilen portraitiert sie drei starke Frauen, die sich den ihnen auferlegten Zwängen nicht beugen, die ihren eigenen Weg gehen, egal wie hoch der Preis sein mag.

Im ersten Teil ist es Norah, die ihren Vater auf sein Drängen hin in Dakar besucht. Während des Besuchs tun sich unvorhersehbare Abgründe auf. Die Erinnerung an die Vergangenheit wird zu einer Art Flucht, und während Norah immer mehr über die Beweggründe hinter der Aufforderung ihres Vaters erfährt, scheint ihre eigene, mühsam hart erkämpfte heile Welt an Farbe, an Realität zu verlieren. Eine Welt, zusammen mit ihrer Tochter, die schon vor einiger Zeit erste Risse bekommen hat, als ihr Freund mit seiner Tochter bei ihr eingezogen ist. Während sie immer wieder vergeblich versucht, ihre Familie in Frankreich zu erreichen, bleibt der Leser als quasi voyeuristischer Beobachter dieses Prozesses der Entfremdung durch Erinnerung direkt am Ball. Dass Norah ihren Freund mit den beiden Kindern zufällig auf der Terrasse eines Hotels entdeckt, viele Flugstunden von daheim entfernt und diese Situation als gegeben hinnimmt, eröffnet, wie viele andere Momente, einen wiederum neuen Blickwinkel auf die Wahrnehmungsebene dieser Prosa.

Eine weitere, durch das Buch durchgehende Ebene ist die metaphorische, bzw. auch eine Ebene der Symbolik der Vögel. Während es bei Khady die Krähen des Todes sind, wird Rudys innerer Kampf von einem Bussard verfolgt. Norah geht einen ganz anderen Weg, sie wird praktisch zum Symbol per se.

Im zweiten (und längsten) Teil erleben wir Fanta, die zweite starke Frau, ausschließlich aus der Perspektive ihres Mannes Rudy, der als ehemaliger Lehrer nun paranoider, neurotischer und vor allem schlechter Küchenverkäufer ist. Langsam erfährt man mehr über den Grund der Rückversetzung nach Frankreich und des Lehrverbots. Eine Begegnung mit Fanta, die nur durch die wirren Gedanken des Protagonisten möglich ist. Auch hier findet ein Prozess der Erinnerung statt, der sich jedoch ganz anders auflöst, als erwartet.

Im dritten (und kürzesten) Teil erleben wir, wie die junge Witwe Khady aus Geldnot zu den Verwandten ihres verstorbenen Mannes ziehen muss, dort aber, da kinderlos und unvermögend, nur geduldet und missachtet wird, bald aber nicht einmal mehr geduldet wird. Sie wird von ihrer Schwiegermutter auf ein Flüchtlingsschiff verfrachtet, um illegal nach Frankreich zu kommen, wo sie eine entfernte Verwandte aufsuchen solle, die ihr helfen würde. Ihre Flucht verläuft jedoch ganz anders als erhofft.

Drei lose bis gar nicht miteinander verbundene Frauenschicksale, die dank Marie NDiayes präziser Prosa wie ein aus Stein gemeißeltes Ganzes dastehen. Wunderbar, wie fein und genau die unterschiedlichen Stimmen stilistisch wiedergegeben werden. Beeindruckend, wie lebendig und komplex die Figurenzeichnung in „Drei starke Frauen“, wie perfekt konstruiert die Gesamtform dieser drei Teile dieses „Romans“ ist. Ein Roman, der in gewisser Weise auch als Beispiel einer französischen Variante des magischen Realismus gesehen werden könnte.

„Drei starke Frauen“ ist ein großartiger, origineller Roman, der Lust auf mehr Literatur von Marie NDiaye macht und ein mehr als würdiger „Prix Goncourt“ Sieger.
Absolute Empfehlung.

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Tags: afrika, drei starke frauen, französische literatur, marie ndiaye, prix goncourt   (5)

  

 

Der Vize-Konsul
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klassiker, liebe, der vize-konsul, marguerite duras, französische literatur

Der Vize-Konsul

Marguerite Duras
Flexibler Einband
Erschienen bei Suhrkamp, 21.10.1996
ISBN 9783518375174
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: der vize-konsul, französische literatur, klassiker, liebe, marguerite duras   (5)

  

 

Fast ganz die Deine
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liebe, trennung, briefe, frankreich, marcelle sauvageot

Fast ganz die Deine

Marcelle Sauvageot , Claudia Kalscheuer
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.11.2006
ISBN 9783423135108
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: fast ganz die deine, französische literatur, liebe, marcelle sauvageot, trennung   (5)

  

 

Waltenberg
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waltenberg, 2. weltkrieg, spionage, postmoderne, 1. weltkrieg

Waltenberg

Hédi Kaddour , Grete Osterwald
Fester Einband: 741 Seiten
Erschienen bei Eichborn, 30.07.2009
ISBN 9783821857909
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Hédi Kaddour: "Waltenberg"

Ein erzähltechnisches Labyrinth
Hédi Kaddours Debütroman "Waltenberg" ist ein literarisches Labyrinth.

Mit dem Hotel "Waldhaus" im Schweizer Bergdorf Waltenberg als Drehscheibe in diesem Roman, der die Geschichte einer Freundschaft, die Geschichte einer Liebe, die Geschichte zweier Kriege und die Geschichte von vier Menschen, die sich immer wieder begegnen und verlieren erzählt, entwickelt Hédi Kaddour ein detailverliebtes literarisches Labyrinth, das jedoch im Gesamten zu vielschichtig, aufgebrochen und undurchsichtig ist.

Da gibt es den deutschen Schriftsteller Hans Kappler und seine große Liebe, die us-amerikanische Sängerin Lena Hotspur, die so ziemlich jedem männlichen Haupt- und Nebenprotagonisten in diesem Roman hoffnungslos den Kopf verdreht.
Seit dem Ersten Weltkrieg mit Kappler befreundet ist auch der französische Journalist Max Goffard. Michael Lilstein, der Auschwitzüberlebende, glühende Kommunist und Leiter des Aufbaus des ostdeutschen Spionagenetzes nach 1945, der mit all seiner Macht verhindern will, dass Hans Kappler in die Deutsche Demokratische Republik zurückkehrt, rundet das (Haupt-)Protagonistenquartett ab.

"Waltenberg" umspannt gut siebzig Jahre der europäischen Geschichte im zwanzigsten Jahrhundert und erhebt somit quasi den Anspruch, ein europäischer Schlüsselroman zu sein. Ein Porträt des Jahrhunderts.

Hédi Kaddour erzählt, in dem er scheinbar frei zwischen den Zeiten springt, er wechselt Perspektiven, Erzählstränge und vermeintlich irrationale Einschübe wechseln sich teilweise wie in einem offenen Schlagabtausch ab. Allerdings hilft Hédi Kaddour seinen Lesern, indem er jedem Kapitel ein kurzes Resümee voranstellt. Ein Mittel zum Zweck, das gut und hübsch inszeniert in diesem Fall aber unbedingt notwendig ist. So zerfasert ist die Erzähllinie, so rau und versteckt die Entwicklung der Protagonisten, dass man ohne Hilfe des Autors rasch verloren wäre.

"Johann war unerschöpflich, wenn es um die Osterhasen ging, jene Stammhalter der Hasen, die bei unseren Vorfahren, den Heiden, der Frühjahrsgöttin das Geleit gaben, Hasen mit dicken Klöten, riesige Viecher, einen Meter groß, ganz aus rosa Granit, bewacht von Priesterinnen, nach alter Sitte brachten die unfruchtbaren Frauen ihnen Opfergaben dar, aber ich weiß nicht, was für welche, in der Gegend, wo ich herkomme, bringen die Frauen heutzutage ihrem Heiler ein Pfund Butter, eine Flasche Schnaps und einen Schlüpfer mit, der Heiler hängt die Schlüpfer auf dem Dachboden auf, wo er Räucherungen macht, keine Ahnung, ob die Frauen unserer Ahnen Unterhosen trugen, die christliche Kirche hat die Priesterinnen verbrannt, hat ihnen die Klöten abgenommen, und jetzt sollen die Kinder sie auf allen vieren unter den Büschen suchen, na was schon, stell dich nicht blöd, die Schokoladenhasen!"

Der Rezensent hatte oft das Gefühl, eine Art Palimpsest vor sich zu haben, eine Überlagerung der Lebenslinien, die immer wieder an vermeintlich intuitiv gewählten Stellen Episoden aus den Linien der verschiedenen Erzählstränge durchscheinen lassen.

Leider begeht Hédi Kaddour den Fehler, zu viel in seinen Monumentalroman hineinpacken zu wollen, es gibt von der Kriegsgefangenschaft bis zur Politik, von der Liebesgeschichte zum Spionageroman einfach zu viele Zutaten, die dann doch die Luft aus dem sprachgewaltigen, manchmal sehr selbstgefälligen und eitlen Ansatz des Autors lassen, statt diesem die notwendige Stütze für ein großes literarisches Werk sein zu können. Zu mühsam wird es, dem Erzählstrang zu folgen, zu unerheblich, was mit den Protagonisten, deren Lebenslinien sich längst in diesem Irrgarten eines Romans verloren haben, passiert. Somit gehen sehr viele originelle Ansätze und Ideen in diesem Roman verloren.

Ungefähr einhundertvierzig Seiten vor Ende des Romans schreibt Kaddour folgenden Absatz:
"Der junge Lilstein wüsste gern, was vor vierzig Jahren geschehen ist, um seine liebende Erinnerung an Lena mit den Liebeserinnerungen seines Freundes Max Goffard zu verbinden, wenn ich ihm sage, er habe Glück gehabt an jenem Abend, der kleine Wirrkopf, er wird mir nicht glauben."

Ein wenig konnte dieser Rezensent bezüglich des Wunsches nach Aufklärung mit Lilstein mitfühlen, da sich ihm die Frage nach dem Hintergrund der vielen Worte in diesem Roman mit jeder Seite immer präsenter in den Vordergrund gedrängt hatte.

Der Schluss versöhnt ein wenig, aber nicht ganz. Talent, ja, davon wäre bei Hédi Kaddour mehr als genug vorhanden. Schade nur, dass die 741 Seiten "Waltenberg" nicht überzeugen. Vielleicht ist weniger doch manchmal wirklich mehr.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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Tags: 1. weltkrieg, 2. weltkrieg, französische literatur, hédi kaddour, postmoderne, spionage, waltenberg   (7)

  

 

Die Liebe einer Frau
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liebe, paris, schauspielerin, autobiographischer roman, frankreich

Die Liebe einer Frau

Romain Gary , Monika Motsch , Jiang Yang
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Schirmer Graf, 01.08.2009
ISBN 9783865550699
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Die unerträgliche Traurigkeit der Liebe

"Ich stieg aus dem Taxi, und sie lief in die geöffnete Wagentür: Brot, Eier und Milch fielen auf den Gehsteig - und so begegneten wir uns im Nieselregen ..."
... und so beginnt die Geschichte einer einzigen, sehr langen Nacht.

Zwei aus verschiedenen Gründen leidende Seelen treffen sich, begünstigt durch Fortuna, und klammern sich manisch verwirrt aneinander. Keiner der beiden weiß, was ihm der Andere geben kann. Keiner der beiden ist frei für etwas Neues. Beide leben in einer anderen Welt und hoffen, durch eine verrückte Nacht, durch die Nähe, oder eine Umarmung, den kurzen Akt der Liebe mit einem ebenso untergehenden Anderen, den rettenden Strohhalm erwischt zu haben.

Der Flugkapitän Michel, der seiner großen Liebe Yannik ein letztes Versprechen aus Liebe gegeben hat, das er nur mit der Hilfe Lydias halten kann.
Auch Lydia, die ihr Kind und in gewisser Art und Weise auch ihren Mann verloren hat, braucht Michel.
Beide wissen, dass es kein Morgen, keine Zukunft geben kann.

Romain Gary hat mit "Die Liebe einer Frau" einen wunderbaren, kostbaren Roman über eine eigenartige und manische Art der Liebe geschrieben. Einen Roman, der vermutlich autobiografische Züge hat, der gewissermaßen ein Spiegel seiner Beziehung zu Jean Seberg ist, obschon Yannik garantiert nicht Jean Seberg ist und Michel sicherlich nicht Romain Gary.
Die Zusammenhänge sind viel zu subtil, um sie als unbeteiligter Leser wirklich verstehen zu können. Jean Seberg verübte am Tag nach der Premiere der Verfilmung mit Romy Schneider und Yves Montand Selbstmord. Romain Gary folgte ihr anderthalb Jahre später.

Michel versucht weiter, Paris und somit auch Yannik ihrem Wunsch gemäß hinter sich zu lassen, kehrt aber immer wieder zu Lydia zurück. Lydias Wohnung und Arme als Magnet und einzige Möglichkeit.

"Es handelt sich vor allem darum, eine Frau zu retten, nicht wahr? Sie hat Ihnen gesagt: Mach mich zu einer anderen. Nicht wahr? Aber ich habe keine Lust, Ihnen nur zum Wiederkäuen Ihrer Erinnerungen zu dienen ... Ach, entschuldigen Sie. Ich weiß überhaupt nichts mehr ..."

Beeindruckend, wie konsequent Romain Gary seine Handlung vorwärts treibt; das einzige Seitenthema mit dem todessüchtigen Senor Galba, dem Mann mit dem Pudel, entpuppt sich gegen Ende des Romans als ein weiterer roter Faden, der sich um das alles durchpflügende Thema Tod windet.

"Auf Serbisch heißt der Tod smrt. Ich spreche sieben Sprachen, aber die Slawen waren es, die den besten Begriff dafür gefunden haben, mit dem treffendsten Klang ... smrt auf Serbisch, smert auf Russisch, smierc auf Polnisch ... schlangenhaft, reptilartig ... Bei uns im Westen klingt es immer so edel: der Tod, la mort, la muerte, Aber smrt ... Klingt es nicht wie ein erbärmlicher Furz, der sich an einem Bein entlangschleicht, giftiger als ein giftiger Skorpion? Ich finde, dass man im Allgemeinen dem Tod zu viel Ehre erweist."

Lydia und Michel versuchen krampfhaft, die eigenen Leidensgeschichten loszuwerden; Lydia erfährt die Geschichte der großen Liebe Yanniks und Michels, während Michel die Wahrheit über Lydias Kind und Mann in einer beklemmenden und großartigen Szene in der Wohnung von Lydias Schwiegermutter erfährt.

Man folgt gebannt Romain Garys die Verzweiflung der Protagonisten mehr als überzeugend vermittelnden fein instrumentierten Dialogen, merkt schnell, wie fest Romain Gary den Leser in der Hand hat und lässt sich in diesem Kammerspiel um ein Versprechen aus Liebe fallen.

Die Symbolik der letzten Szene macht ein wenig Mut, ganz wenig nur, ist aber wie ein zart leuchtender Lichtstrahl am Ende dieser dunklen Nacht.
Wie sehr dieser Roman autobiografisch ist, werden wir wahrscheinlich nie erfahren, er steht jedoch auch ohne Kenntnis der Hintergrundgeschichte für sich und ist ein beeindruckendes Buch über die Liebe. Über eine besondere, dunkle, verzweifelte und unzerbrechliche Liebe, auch wenn die Umstände es vermuten lassen.

Die Übersetzung und die Ausstattung mit vielen Bildern aus dem Privatarchiv des Sohnes von Jean Seberg und Romain Gary ist vorzüglich.
Romain Garys Roman hallt nach, lässt nicht los und ist eine kleine literarische Sensation.

(erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at,
Roland Freisitzer; 08/2009)

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Tags: autobiographischer roman, die liebe einer frau, französische literatur, glamour, jean seberg, liebe, romain gary   (7)

  

 
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