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Wakolda
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lucia puénzo, argentinische literatur, südamerika, wakolda

Wakolda

Lucía Puenzo , Rike Bolte
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 01.08.2012
ISBN 9783803132468
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: argentinische literatur, lucia puénzo, südamerika, wakolda   (4)

  

 

Stadt der Clowns
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short stories, erzählungen, kurzprosa, die stadt der clowns, südamerika

Stadt der Clowns

Daniel Alarcón , Friederike Meltendorf
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 01.08.2012
ISBN 9783803132451
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: daniel alarcón, die stadt der clowns, erzählungen, kurzprosa, short stories, südamerika   (6)

  

 

Das spröde Licht
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das spröde licht, tomas gonzalez, südamerikanische literatur

Das spröde Licht

Tomás González , Rainer Schultze-Kraft , Peter Schultze-Kraft , Tomas Gonzalez
Fester Einband: 171 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 21.09.2012
ISBN 9783100266057
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: das spröde licht, südamerikanische literatur, tomas gonzalez   (3)

  

 

Der Literaturkongress
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der literaturkongress, césar aira, argentinische literatur, cesar aira, südamerika

Der Literaturkongress

César Aira , Klaus Laabs
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Ullstein HC, 01.09.2012
ISBN 9783550088872
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Ein kleines Meisterwerk

Der 1949 im argentinischen Coronel Pringles geborene César Aira ist, auch wenn das anhand der im deutschsprachigen Raum erschienenen oder gar derzeit erhältlichen Bücher nicht offensichtlich ist, einer der ideenreichsten und produktivsten Schriftsteller überhaupt. Von vielen bedeutenden Kollegen, wie Roberto Bolaño und Carlos Fuentes hochgelobt, konnten seine Bücher den ihnen gebührenden Erfolg noch nicht verbuchen. Insgesamt knapp an die fünfzig, (dreißig behauptet der Einband dieser Ausgabe), Romane hat er geschrieben, die derzeit lieferbare Zahl kann an einer Hand abgezählt werden.

Ein Grund dafür mag sein, dass César Aira literarische Texte schreibt, die, wenn überhaupt, am ehesten dem surrealen Realismus zugerechnet werden könnten. Seine Texte folgen aberwitzigen formellen Konzepten oder doppelbödigen Handlungssträngen und scheuen auch nicht davor zurück, auf realistischer Ebene als absolut unglaubwürdig dazustehen.

Ein weiterer Grund ist aber auch der, dass man sich, nicht immer, aber oft, am Ende eines César Aira-Romans die Frage stellt: Was wollte mir der Autor hiermit mitteilen? Wenn man darauf nicht unbedingt eine definitive Antwort haben muss, steht dem Genuss der Kunst von César Aira nichts mehr im Weg.

"Der Literaturkongress" ist, wie bereits andere Romane des Autors, ein mehr oder weniger abstraktes Textkunstwerk.
Im Prolog erfährt der Leser, wie ein exzentrischer Wissenschaftler und fruchtbarer Schriftsteller, der auch als Übersetzer tätig ist, auf dem Weg zu einem Literaturkongress in Venezuela durch unerklärbares Geschick einen alten Schatz, der "eines der Wunder der Neuen Welt, Erbstück von namenlosen Piraten, touristische Attraktion und ungelöstes Rätsel" sein soll, hebt und somit für sich beansprucht. Er ist plötzlich reich, was ihm natürlich gut tut, da er ein Jahr finanzieller Sorgen hinter sich hat. Die Verlagsbranche ist im Niedergang, und sein "durch unangreifbare künstlerische Integrität geprägtes literarisches Schaffen" hatte ihm bisher weder die gebührende Anerkennung, noch finanziellen Gewinn bereitet.

Und so macht er sich auf zum Literaturkongress in einem entlegenen Tal in Venezuela, die Taschen prall gefüllt mit Geld.

Den Literaturkongress verschmäht der Protagonist, der, wie sich herausstellt, César Aira heißt; er genießt die Tage am Hotelschwimmbecken, sinniert über die Perfektion verschiedener Körper und lässt den Leser nebenbei wissen, dass er eigentlich an der Weltherrschaft interessiert sei, zuerst aber, und im Hinblick auf die angestrebte Herrschaft, seine bisherigen Erfolge im Klonen von Insekten und Tieren am Versuchsobjekt Mensch ausprobieren möchte. Ein berühmter Mann, ein Genie soll es sein, denkt er. Einige Momente nach der Entscheidung sieht er bereits den Auserwählten vor sich: Carlos Fuentes.

Er schickt eine Klonwespe aus, um eine geeignete Zelle von Fuentes zu ergattern, und damit nimmt das Unglück seinen Lauf.

Ein am Flughafen der Stadt inszeniertes Schauspiel des Autors mit einer etwas absurden Abhandlung der Adam-und-Eva-Thematik, eine aufkeimende Romanze mit der hübschen Nelly, die über das Tal hereinbrechende Tragödie, ein ebenso surreal-absurder Rettungsversuch und ein definitiv überraschendes, originelle Ende sind die weiteren Zutaten dieses überaus unterhaltenden literarischen Spiels, das César Aira hier seinen Lesern bietet. Spannend auch, wie der Autor immer wieder die Perspektiven wechselt und auf die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten des Texts hinweist (der ja im Original gar nicht übersetzt ist). Diesen Hinweisen nachzugehen ist auch sehr lohnenswert, weil man dadurch viele kleine versteckte Botschaften und Hinweise, aber ebenso Sackgassen findet.

Trockene, knappe und auch witzige Prosa wechselt mit grandiosen Sätzen ab; wer Zuneigung für Borges und Vian empfindet, wird auch hier am Ende des nur 108 Seiten kurzen aber dennoch abwechslungsreichen Romans zufrieden auf seine Kosten kommen. Die Übersetzung von Klaus Laabs ist treffend gelungen und äußerst überzeugend.

Augenzwinkernde Hommage an den Literaturbetrieb, sehr viel Selbstironie, ein blendendes Gespür für das Absurde, eine Hauch von Eros, eine grandiose formale Konstruktion und 108 Seiten literarisch höchstwertiger Unterhaltung: All das ist "Der Literaturkongress".

Bleibt zu hoffen, dass sich der Ullstein Verlag weiterhin den Werken César Airas widmet und den deutschsprachigen Lesern diesen wunderbaren Autor zugänglich macht.
Absolute Empfehlung.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at Roland Freisitzer; 10/2012)

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Tags: argentinische literatur, cesar aira, césar aira, der literaturkongress, südamerika   (5)

  

 

Nackt schwimmen
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carla guelfenbein, chilenische literatur, nackt schwimmen, südamerika

Nackt schwimmen

Carla Guelfenbein , Angelica Ammar
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 01.08.2012
ISBN 9783100278265
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:  
Tags: carla guelfenbein, chilenische literatur, nackt schwimmen, südamerika   (4)

  

 

Die Naziliteratur in Amerika
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nationalsozialismus, roberto bolano, die naziliteratur in südamerika

Die Naziliteratur in Amerika

Roberto Bolaño , Heinrich von Berenberg , Roberto Bolano
Flexibler Einband: 258 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 08.11.2010
ISBN 9783596187669
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: die naziliteratur in südamerika, roberto bolano   (2)

  

 

Das Dritte Reich
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bolano, strategiespiel, spielen, spanien, spiel

Das Dritte Reich

Roberto Bolaño , Christian Hansen
Fester Einband
Erschienen bei Hanser, Carl, 29.08.2011
ISBN 9783446236103
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Die Geburtsstunde eines großen Autors

"Das Dritte Reich" ist ein früher, aus dem Nachlass veröffentlichter Roman von Roberto Bolaño. Das fertige, auf der Schreibmaschine gefertigte Manuskript stammt aus dem Jahr 1989 und zeigt bereits Ansätze und Ideen, die in späteren Romanen des Autors zur Vollendung gebracht wurden. Es ist nicht bekannt, ob Roberto Bolaño im Falle einer Veröffentlichung noch die Chronologie der Tagebucheinträge wie zum Beispiel im späteren Roman "Die wilden Detektive" verändert hätte, oder eben nicht. Nichtsdestotrotz ist "Das Dritte Reich" ein wichtiger und interessanter Roman, der gewichtig von der Geburtsstunde eines großen Autors zeugt.

Udo Bergers Leidenschaft ist das Brettspiel, genauer gesagt, das Spielen von Strategiespielen, oder noch genauer, des Spiels "Das Dritte Reich". Ein Strategiespiel, das die militärischen Bewegungen des Zweiten Weltkriegs den Spielenden überlässt und auch auf internationaler Ebene, zumindest in der fiktiven Welt dieses Romans, gespielt wird.

In Form eines Tagebuchs, eine Romanform, die Roberto Bolaño einige Jahre später in "Die wilden Detektive" zur Vollendung führen sollte, erzählt Udo Berger penibel genau von seinem Urlaub mit seiner Freundin Ingeborg in einem Küstenort in Spanien.

Bereits die Genauigkeit der Tagebucheinträge weist auf den Fanatismus des Protagonisten hin. Udo Berger ist nämlich hauptsächlich von verschiedenen taktischen Möglichkeiten des Spiels angetan, die er für eine besonders wichtige internationale Partie und für eine Fachzeitschrift perfektionieren und in allen Varianten ausprobieren will, aber auch von der Hotelbesitzerin, die offensichtlich seit seiner Jugend in seinem Kopf spukt.

Udo und Ingeborg treffen in einer Disko auf ein junges, äußerst gegensätzliches Paar, das sie für den Rest des Urlaubes mehr oder weniger begleitet. Die aufregende Hanna und der Alkoholiker Charly ziehen Udo und Ingeborg trotz aller Unvereinbarkeiten an, man trinkt gemeinsam, badet gemeinsam; und lernt gemeinsam schließlich "den Verbrannten" kennen, der sich in Folge zu einem der wichtigsten Protagonisten entwickelt. Aus dieser Konstellation sondert sich Udo immer stärker ab, bis er den Großteil seiner Zeit im Zimmer über dem dort aufgelegten Spiel verbringt.

Sobald Roberto Bolaño alle Protagonisten eingeführt hat, beginnt man zu spüren, auf wie vielen Eben hier gleichzeitig Abläufe stattfinden. Meisterhaft, wie nebensächlich verpackt hier die Dramen des Lebens ablaufen, während Udo immer tiefer in seinem Spiel versinkt.

Als Charly dann spurlos im Meer verschwindet, wird der Verbrannte zum Gegenspieler Udos. Auch hier, systematisch, jeden Abend um die gleiche Uhrzeit, neurotisch genau, erscheint der Verbrannte, um Udo ein würdiger Gegner zu sein.

Die verschiedenen Handlungsebenen berühren sich immer wieder, laufen knapp aneinander vorbei, klären auf und lassen doch vieles im Dunklen. Der Mann der Hotelbesitzerin, an einer unbekannten Krankheit in der Einsamkeit seines Zimmers leidend, ist bis knapp vor dem Ende eine unsichtbare, unbekannte Figur, deren Einfluss auf den Roman nicht erkennbar ist, obwohl man tiefgehende Verstrickungen vermutet.

Und so spielt Roberto Bolaño virtuos mit seinen Lesern, während sich die akribischen Tagebuchaufzeichnungen vom grauen, gelangweilten Geplänkel zur spannenden, fast die Grenzen der Übersicht sprengenden aufregenden Lektüre entwickelt.

Nach Charlys Verschwinden bleibt Udo mit vielen offenen Fragen im Hotel zurück, während sich Ingeborg ein paar Tage später zurück nach Deutschland begibt. So kann sich Udo auch effizienter seinen Annäherungsversuchen an die Hotelbesitzerin widmen.

Während der im Grunde nicht unsympathische, wenngleich etwas asoziale Udo daran arbeitet, die Taktik der Deutschen Wehrmacht zu perfektionieren und einen Sieg gegen die Alliierten, mittlerweile vertreten durch den Verbrannten, zu erringen, als hätte es die Geschichte nie gegeben, lösen sich die Trennwände zwischen den Handlungsebenen langsam auf, und Udo merkt, dass hinter dem Verbrannten eine ihm unbekannte Macht steht. Bald ist die Ebene des Bösen nicht mehr klar definierbar, da sich die Spielzüge und die Realität soweit ineinander verzahnen, dass am Ende nicht mehr genau erkennbar wird, ob sich das Böse auf dem Spielbrett oder in Udos Erlebnissen entfaltet.

Und so entsteht ein sich jeglicher Moralisierung entziehender Textfluss, der sich, vom Autor nie einer Bewertung unterzogen, frei nach Georges Bataille zur Schuldigkeit bekennt und im Bösen verharrt und das Wesentliche dadurch in sich selbst, als Literatur per se, findet. Ein Wesenszug, der sich bis zum Ende durch das Werk dieses großen, viel zu früh verstorbenen Autors zieht.

Ein großartiger, früher, wichtiger Roman, in einigen Punkten natürlich noch nicht auf dem Niveau von "Die wilden Detektive" und "2666", aber ein äußerst faszinierender, wenn auch zu Lebzeiten unveröffentlichter Debütroman.

(Roland Freisitzer; 09/2011)

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Der Traum des Kelten
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kongo, historischer roman, roger casement, peru, kolonialismus

Der Traum des Kelten

Mario Vargas Llosa , Angelica Ammar
Fester Einband: 444 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 01.09.2011
ISBN 9783518422700
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Auf den Spuren von Roger Casement

Dieser Roman des Literatur-Nobelpreisträgers von 2010 widmet sich der interessanten Persönlichkeit des Roger Casement, der Abenteurer im Kongo, Diplomat, Kämpfer für die Rechte der Indios, irischer Nationalist und britischer Verräter war.

Der Roman beginnt damit, dass der für Verrat am Vaterland zum Tode verurteilte Roger Casement 1916 im Londoner Pentonville Gefängnis in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet. Der einstmals gefeierte und geachtete, ja sogar mit dem Titel "Sir" ausgestattete Casement ist nun zum Geächteten geworden. Er ist für den Verrat an England zum Tode verurteilt. Pikante Details aus seinem Privatleben sickern täglich an die Presse durch, die weiter für schlechte Stimmung gegen ihn sorgen. Er wartet auf die Entscheidung über sein Gnadengesuch. Die meisten seiner Freunde, wie beispielsweise Joseph Conrad, weigern sich, das Gnadengesuch zu unterstützen.

Während Roger Casement auf diese Entscheidung wartet, erinnert er sich zwischen Besuchen von ihm nahestehenden Verwandten, Freunden und des Aufsehers an sein Leben.

Er erinnert sich an seine Kindheit in Ulster, mit einem protestantischen Vater und einer katholischen Mutter, an seine Zeit im belgischen Kongo, wo er die ersten Beweise für die Unmenschlichkeit des Kolonialismus findet. Er sieht das Unrecht, das der einheimischen Bevölkerung angetan wird, die von den weißen Kolonialherren als Sklaven und Aggressionsobjekt ausgenutzt wird. Er beginnt, gegen das Unrecht tätig zu werden, und findet bald seine Rolle im Leben, nämlich die des Retters, des ohne Rücksicht auf eigene Verluste kämpfenden Ehrenmannes. Korruption und Ausnutzung sind ihm ein Dorn im Auge.

Nach einer Zeit in Afrika und der Rolle des britischen Konsuls in Brasilien widmet er sich der Aufklärung von Grausamkeiten gegen die Ureinwohner Perus. Er riskiert weiter sein Leben im Kampf um Gerechtigkeit.

Eine nicht unwesentliche Rolle spielt die immer stärker werdende Tendenz zur Homosexualität, die allerdings durchgehend fast eine zweifelhafte Rolle spielt, da unklar ist, wie weit die Tagebucheinzeichnungen Casements mit der Realität übereinstimmen, oder wie weit sie Wunschdenken des Iren sind bzw. waren.

Der Teil in Peru ist der, nach Meinung des Rezensenten, literarisch stärkste Teil des Romans, da hier Mario Vargas-Llosa anscheinend den freiesten Zugriff auf die vorhandenen Fakten gewählt hat. Hier entwickelt sich vor der Kulissen schier unfassbarer Niedertracht eine spannende Erzähllinie, die im unbefriedigenden Sumpf der Bürokratie verebbt.

Während seiner verschiedenen Reisen beginnt Casement eine starke Position als Nationalist im Dienste Irlands zu entwickeln, das er auch als Opfer eine Kolonialmacht sieht. Mit dieser immer stärker werdenden Tendenz zum Nationalisten ist es unausweichlich, dass er, auf der Suche nach Alliierten, in Deutschland fündig wird. Als das Projekt auffliegt, wird Roger Casement verhaftet und zum Tode verurteilt.

Mario Vargas-Llosa hat sich für diesen Roman eine besonders ergiebige wahre Geschichte ausgesucht, die er allerdings, möglicherweise im Bestreben, einen realitätstreuen Roman zu schreiben, zu sehr faktisch erzählt, um die Fiktion per se zünden zu können. Speziell im ersten und auch im dritten Teil des Buches hat man oft das Gefühl, eine Biografie zu lesen, die zwar ein eloquenter und gewiefter Erzähler erzählt, die allerdings relativ fantasielos an der Wahrheit entlang wandert und wenig Raum für das Wesen der Fiktion erlaubt.

Mario Vargas-Llosa ist ein großartiger Schriftsteller, zu dessen treuen Anhängern sich der Rezensent zählt, der den Nobelpreis für Literatur 2010 verdient erhalten hat. Ein Schriftsteller, dessen politisches Engagement wunderbare Romane wie "Der Krieg am Ende der Welt", "Das Fest des Ziegenbocks", "Gespräch in der Kathedrale" und "Maytas Geschichte" hervorgebracht hat. "Der Traum des Kelten" ist allerdings, obwohl stilistisch frei von Mängeln, als Roman misslungen, weil er es nicht schafft, den Leser wirklich in diese Geschichte eintauchen zu lassen. Er reißt nicht mit und lässt, bis auf Episoden aus dem zweiten Teil, den Leser kalt zurück.

Ein als Biografie interessantes Buch ist es allerdings geworden, schön zu lesen, gut übersetzt; ein großer Roman ist "Der Traum des Kelten" leider nicht.

(Roland Freisitzer; 10/2011)

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Tags: der traum des kelten, mario vargas llosa, südamerikanische literatur   (3)

  

 

Die Republik der Frauen
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politik, emanzipation, hass, freiheit, vulkan

Die Republik der Frauen

Gioconda Belli , Lutz Kliche
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 01.05.2012
ISBN 9783426199152
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Was passiert, wenn ein Vulkan für das männliche Geschlecht ungünstige Gase absondert ...

Ein Land, in dem alle Männer von staatlichen Positionen ausgeschlossen sind, sogar vom Sicherheitsdienst der Präsidentin, ist der Schauplatz des Romans der nicaraguanischen Lyrikerin und Autorin Gioconda Belli.

Ausgelöst durch einen Vulkanausbruch, der gewisse giftige Gase freigesetzt hat, die bei Männern einen Rückgang des Testosterons bewirken und sie harmlos und träge machen, hat die "Partei der erotischen Linken (PIE)" die Wahl gewonnen und die Macht im fiktiven drei Millionen Einwohner Staat Farges in Südamerika übernommen.

Im Zuge der Veränderungen im Land übernehmen die Frauen alle Positionen, Männer verschwinden völlig aus der Verwaltung des Landes, sogar die Polizei und der Sicherheitsdienst werden von Frauen geführt und geleitet. Die entlassenen Männer dürfen sich eine Zeit lang bei vollem Bezug als Hausmänner betätigen. Eine ebenso große Herausforderung also für die Frauen und die Männer.

Durch diese Verdrehung der Realität schafft Gioconda Belli einen idealen Ausgangspunkt für einen pfiffigen und klugen Roman über die möglichen Auswirkungen einer solchen Situation. Eine Situation, auf die die meisten Männer, überzeugt durch die positiven Veränderungen, wohlwollend und unterstützend reagieren. Da das giftige Gas mit der Zeit nachlässt, gibt es bald aber auch Gegner der Präsidentin und ihrer Partei.

Mit einem Attentat auf die Präsidentin, das sie ins Koma versetzt, beginnt der Roman.

Aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet Gioconda Belli gekonnt und überzeugend, wie es zu dieser politischen Lage gekommen ist, welche Vorteile dieses System mit sich gebracht hat, aber auch, welche Nachteile diese Politik des Ausschließens gezeitigt hat.

Gioconda Belli lässt den Leser an den Gedanken der sich im Koma befindenden Präsidentin teilhaben, die sich in einem Raum mit Dingen wähnt, die sie im Laufe ihres Lebens verloren hat. Das ist ein besonderer Kunstgriff, welcher der Autorin eine wirkliche interessante Möglichkeit gibt, das Leben Vivianas aus immer dichter werdenden Puzzlefeldern zusammenzusetzen.

Die männlichen Figuren kommen leider etwas unausgereift und etwas holzschnittartig daher, eindeutig auf persönliche Vorteile pochend, ich-bezogen, aggressiv und fordernd, was aber, wie sich bald herausstellt, von der Autorin bewusst so gewählt ist, um die Erkenntnisse der Männer besser darstellen zu können, die nun elementare tägliche Erledigungen der Frauen als einschneidende Veränderung erleben.

Die Autorin spielt durchgehend auch mit symbolischen Situationen, wie der lesbischen Ministerin, die das Ministerium für unbegrenzte Freiheiten leitet.

Während sich die unverbesserlichen Männer darüber echauffieren, wie mühsam es ist, täglich über das Familienmenü zu entscheiden und dieses auch noch zu kochen, Wäsche zu waschen und andere Tätigkeiten zu verrichten, die bisher ohne wirkliche Anerkennung von den Frauen verrichtet wurde, beginnen einige einsichtige Exemplare der Gattung Mann zu verstehen, dass das Problem in der täglichen Routine zu finden ist, welche die Energie nimmt, etwas für sich selbst zu tun.

Da Gioconda Belli aber eine wirklich große Schriftstellerin ist, gelingt ihr diese Satire um veränderte Macht- und Familien- und Sozialverhältnisse ausgezeichnet. Machtverhältnisse, die doch darauf hinauszielen, dass am Ende das Gemeinsame, das Freie und von Vorurteilen losgelöste Gemeinschaftliche im Mittelpunkt steht. Sie sucht für ihre Protagonisten eigene Stimmen, zeichnet kluge Charakterstudien und fügt am Ende alle funkelnden Ideen in ein sehr überzeugendes Ganzes zusammen.

Auch wenn die Maßnahmen drastisch erscheinen, also quasi Vergeltung der Unterdrückung mit einer gespiegelten Unterdrückung, zeigt Gioconda Belli Möglichkeiten auf, die, auch wenn sie bewusst utopisch erscheinen, unter geringfügigen Veränderungen und Auslegungen für eine Verbesserung gewisser politischer Strukturen tauglich sein könnten.

Gioconda Bellis Roman "Die Republik der Frauen" stellt ein perfektes Beispiel für Literatur aus Lateinamerika dar, funkelnde Gedanken und eine sehr überzeugende Variante des "Magischen Realismus".

Absolute Empfehlung, speziell auch, aber nicht nur, für jene Männer, die noch immer der Meinung sind, dass Windeln wechseln, Wäschewaschen und Kochen Tätigkeiten sind, die aus der Tradition heraus einfach von ihren Frauen verrichtet werden sollen.

(Roland Freisitzer; 06/2012)

(erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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Tags: die republik der frauen, gioconda belli, südamerikanische literatur   (3)

  

 

Unendlichkeit in ihrer Hand
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unendlichkeit in ihrer hand, gioconda belli, südamerikanische literatur

Unendlichkeit in ihrer Hand

Gioconda Belli , Elisabeth Müller
Flexibler Einband: 301 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 16.03.2012
ISBN 9783426503942
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: gioconda belli, südamerikanische literatur, unendlichkeit in ihrer hand   (3)

  

 

Geschichte der Haare
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argentinische literatur, geschichte der haare, südamerika, alan pauls

Geschichte der Haare

Alan Pauls , Christian Hansen
Fester Einband: 223 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 16.03.2012
ISBN 9783608939583
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Von der Unausweichlichkeit des Haarwuchses

Argentinien hat die Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts mit großartigen, genialen und vor allem vielen höchst originellen Autoren beschenkt.
Alan Pauls ist Argentinier und ein höchst origineller und sprachmächtiger Schriftsteller, dessen Romane in deutscher Sprache seit einigen Jahren in ausgezeichneten Übersetzungen im Klett-Cotta Verlag erscheinen.

"Geschichte der Haare" ist nach "Geschichte der Liebe" der zweite Teil einer Trilogie, deren dritter Teil von Finanzen bzw. von Geld handeln soll.
Dem Titel entsprechend geht es in diesem Roman in erster Linie um das Haar. Oder auch um Haarwuchs. Oder auch die verschiedenen Möglichkeiten, mit den Haaren umzugehen. Waschen, schneiden, legen, rasieren, kämmen, mit Gel in Form bringen, sowie föhnen, oder die Verwandlung von glattem Haar zu einer prächtigen, möglicherweise auch blondierten Afro-Mähne.

Natürlich geht es, wie in der argentinischen Literatur der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, um viel mehr. Zum Beispiel um die Politik.

Aber zurück zum Anfang des Romans ...
"Kein Tag vergeht, an dem er nicht an seine Haare denkt. Stark schneiden oder wenig, ruckzuck abschneiden, waschen lassen, gar nicht mehr schneiden oder raspelkurz, sich ein für alle Mal eine Glatze schneiden. Eine endgültige Lösung gibt es nicht."

Buenos Aires. Ein heißer Sommertag. Ein Mann betritt einen menschenleeren Friseursalon, und während er sich zurücklehnt und der sanfte Druck des warmen Wasserstrahls ihn zu berauschen beginnt, schläft er ein.

Er landet gedanklich in den 1970er-Jahren, den Jahren der aufkommenden Afro-Mähne und der blonden Kräuselhaare der höheren Kinder Argentiniens. Rebellion, zumindest im Bereich der Haarmode, ist überall angesagt. Dass andere Rebellionen, zum Beispiel jene, die gegen die einen gewaltigen Rechtsruck machende Regierung, zur blutigen Niederschlagung und dem Beginn der brutalen Militärdiktatur 1976 geführt haben, ist natürlich in diesem Zusammenhang kein Zufall. Auch wenn Alan Pauls auf ganz subtile Weise nie die Ereignisse erwähnt, ja nicht einmal die Diktatur beim Namen nennt.

Durch die teilweise ins Absurde rutschende Rückschau und eine selbstzweifelnde, in Gedanken verlorene Prosa, die sich zusätzlich vermeintlich in teilweise extrem langen Schachtelsätzen zu verlieren scheint, zeichnet der Autor, immer an der Haarlinie entlang, ein beklemmendes surreales Bild einer grauenhaften Zeit.

Der paraguayische Celso, "affektiert wie ein zweitklassiger Musicalstar" und Boxer, ist der einzige Friseur, der die ständig im Mittelpunkt des Geschehens stehenden Haare des namenlosen Protagonisten zur Zufriedenheit desselben schneiden darf. Nach einer wenig ruhmreichen Episode verliert er seinen Arbeitsplatz und schneidet privat weiter.

Von Che Guevaras Skalp bis hin zum kahlgeschorenen Schädel reichen die assoziationsreichen und haarigen Szenen, die doch fein im Hintergrund das blutige Geschehen erahnen lassen. Die Liebe zum Haar hat den jungen Protagonisten so in Beschlag genommen, dass dieser die um sich herum einstürzende Welt gar nicht oder nur entfernt wahrnehmen kann. Somit wird der Held zum passiven, ja, fast blinden Zeugen, der sich den Vorwurf der Feigheit doch irgendwie gefallen lassen muss.

Im letzten Drittel des Romans taucht dann noch ein nur "Kriegsveteran" genannter Protagonist auf, der sich natürlich auch bei Celso rasieren lässt, Drogen verkauft und durch seine Geschichte neue Perspektiven auf das bisher Erzählte öffnet.

Alles in allem ist Alan Pauls kurzer Roman "Geschichte der Haare" eine spannende und originelle Auseinandersetzung mit einem sehr dunklen Kapitel der argentinischen Geschichte. Ein Buch für nebenbei ist es natürlich nicht. Alan Pauls fordert, nicht unähnlich wie vielleicht Mircea Cărtărescu, der ja auch in seiner Trilogie ebenso ein ganz dunkles Kapitel der Geschichte seines Landes aufarbeitete, aber doch ganz anders, mit seiner ausgezeichnet von Christian Hansen übersetzten Prosa die Aufmerksamkeit und Hingabe des Lesers.

Dem, der diese Aufmerksamkeit und Hingabe bereit zu geben ist, sei dieses Buch eindringlich empfohlen.

(Roland Freisitzer; 07/2012)

(erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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Tags: alan pauls, argentinische literatur, geschichte der haare, südamerika   (4)

  

 

Drei weiße Särge
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kolumbien, drei weiße särge, südamerika, antonio ungar, südamerikanische literatur

Drei weiße Särge

Juan Antonio Ungar , Susanne Lange
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 01.08.2012
ISBN 9783100880055
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: antonio ungar, drei weiße särge, kolumbien, südamerika, südamerikanische literatur   (5)

  

 

Die Werkstatt der Wunder
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die werkstatt der wunder, jorge amado, brasilien, südamerika

Die Werkstatt der Wunder

Jorge Amado , Karin von Schweder-Schreiner
Fester Einband: 431 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 24.07.2012
ISBN 9783100015440
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: brasilien, die werkstatt der wunder, jorge amado, südamerika   (4)

  

 

35 Tote
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kolumbien, drogen, gewalt, verlust, bogota

35 Tote

Sergio Álvarez , Marianne Gareis
Flexibler Einband: 545 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.03.2011
ISBN 9783518462508
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: 35 tote, bogota, drogen, gewalt, kolumbianische literatur, kolumbien, sergio alvarez, südamerika   (8)

  

 

Die geheime Geschichte Costaguanas
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kolumbien, die geheime geschichte costaguanas, abenteuerroman, juan gabriel vásquez, joseph conrad

Die geheime Geschichte Costaguanas

Juan Gabriel Vásquez , Susanne Lange
Fester Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 15.02.2011
ISBN 9783895610066
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: abenteuerroman, die geheime geschichte costaguanas, joseph conrad, juan gabriel vasquez, juan gabriel vásquez, kolumbianische literatur, kolumbien, südamerikanische literatur   (8)

  

 

Brennender Zaster
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argentinien, argentinische literatur, überfall, flucht, brennender zaster

Brennender Zaster

Ricardo Piglia , Leopold Federmair
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 27.04.2010
ISBN 9783803126351
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: argentinische literatur, brennender zaster, ricardo piglia   (3)

  

 

Die unterirdische Schlacht
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argentinien, deserteure, falkland krieg, argentinische literatur, falkland-krieg

Die unterirdische Schlacht

Rodolfo Enrique Fogwill , Dagmar Ploetz
Fester Einband: 189 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 14.09.2010
ISBN 9783498021283
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: argentinische literatur, die unterirdische schlacht, falkland krieg, rodolfo enrique fogwill   (4)

  

 

Der Hass der Liebenden
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der hass der liebenden, argentinische literatur, adolfo bioy casares, krimi, silvina ocampo

Der Hass der Liebenden

Silvina Ocampo , Adolfo Bioy Casares , Petra Strien-Bourmer , Heinrich Steinfest
Fester Einband: 188 Seiten
Erschienen bei Manesse Verlag, 15.09.2010
ISBN 9783717522126
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Mord in einem abgelegenen Hotel an der argentinischen Atlantikküste

"Der Hass der Liebenden" ist der einzige gemeinsame Roman des schillernden argentinischen Schriftstellerehepaars Silvina Ocampo und Adolfo Bioy Casares.
Der in den 1930er-Jahren entstandene Kriminalroman ist ein Musterbeispiel der damals noch jungen Gattung des Kriminalromans. Ob Silvina Ocampo und Adolfo Bioy Casares Agatha Christies ab 1920 veröffentlichte Romane mit Hercule Poirot als Protagonisten zum Zeitpunkt der Entstehung von "Der Hass der Liebenden" kannten, sei dahingestellt, der Protagonist dieses Romans könnte jedoch Hercule Poirots argentinischer Zwillingsbruder sein.

Abgesehen davon weist dieser Roman eine weitere Ähnlichkeit mit Agatha Christies Romanen auf. Eine in sich geschlossene Gesellschaft, die in einem Hotel zwar nicht eingeschneit, aber durch einen Sandsturm abgeschnitten die Nachwirkungen eines Mordes erlebt. Ocampo und Casares tauchen die Krimihandlung jedoch in eine äußerst wirksame surrealistische Tinktur und erreichen so, dass die Konzentration auf den kriminalistischen Verlauf fast zur Nebensache wird.

Zum Personal dieses Romans gehören der misanthropische Dr. Humbero Huberman und die Schwestern Emilia und Mary, die eine Musikliebhaberin, die andere Krimiübersetzerin. Auch die unterschiedlichen männlichen Begleiter der Schwestern sind locker in das Geschehen verwickelt, der eine, Dr. Cornejo, der freundliche Gesichtszüge und immerhin profundes Wissen über Meteorologie hat, und der andere, ein eher junger und dunkelhäutiger, in seiner Ausdrucksweise und Erscheinung vulgär, der natürlich nicht besonders geistreich auf Dr. Huberman wirkt.
Auch ein mysteriöser Junge, Miguel, ist mit von der Partie.
Das Hotel wird von Hubermans Vetter Esteban und seiner Frau Andrea geführt.

Das Anwesen selbst ist ein im Sand versinkendes Gebäude, dessen Fenster sich durch die von außen angewehten Sandmassen nicht mehr öffnen lassen und mit einem Kellergeschoss, das wie eine Art Gruselkammer vom Feinsten scheint.

"Wir waren in diesem Haus eingeschlossen wie in einem Schiff am Meeresboden oder, genauer gesagt, wie in einem U-Boot, das sich in den Grund gebohrt hat. Ich hatte das Gefühl, die Luft verringere sich auf beängstigende Weise. Überall fühlte ich mich derart unwohl, dass es im Zimmer der Toten auch nicht schlimmer sein konnte."

Knapp vor dem Mord erleben alle Hotelgäste ein surreal-absurdes Abendessen, das darin gipfelt, dass Mary Emilia gegen ihren Willen zum Musizieren zwingt. Mit bewusst dramatischer Geste inszenieren Ocampo und Casares in der Mordnacht einen sich permanent steigernden Sturm, der von gegen die Wände peitschendem Regen begleitet wird.
Am Ende des Sturms steht der lapidar formulierte Satz: "Am nächsten Morgen war Mary tot."

Nun verschwindet der somit als verdächtig geltende Miguel, und das Duo Raimundo Aubry, der Kommissar und Doktor Cecilio Montes, der Polizeiarzt, betritt die Szene. Interessanterweise hat das Duo Aubry - Montes keine Probleme, das Hotel zu erreichen.
Aus dem Duo wird mit Dr. Huberman rasch ein Trio, das sich in endlos scheinenden, durch viel Essen und Trinken begleiteten Gesprächen dem Versuch widmet, des Rätsels Lösung zu finden.

"Der Hass der Liebenden" ist ein Kriminalroman der vornehmen Haltung, der seine Charaktere oft steif, lachhaft und fast wie Karikaturen wirken lässt. Es ist auch ein Roman der Anspielungen, die großteils durch Fußnoten aufgeklärt werden. Und so ist man bald vom Absurden dieses Roman gefesselt, der sich des Kriminalromans locker bedient, um ein geistreiches, witziges Spiel mit den hier bereits klischeehaft lächerlichen Formeln einer noblen Mörderjagd zu inszenieren.
Über den Ausgang dieser Mörderjagd schweigt der Rezensent im Interesse der Leser bewusst ...

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 01/2011)

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Tags: adolfo bioy casares, argentinische literatur, der hass der liebenden, krimi, silvina ocampo   (5)

  

 

Gespenster
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gespenster, argentinien, césar aira, silvesternacht, argentinische literatur

Gespenster

César Aira , Klaus Laabs
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 08.09.2010
ISBN 9783550088247
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Jahreswechsel mit Gespenstern - Ein literarisches nature morte ...

César Airas bereits 1990 im Original veröffentlichter, aber erst anno 2010 erstmals ins Deutsche übersetzte Roman "Gespenster" beginnt am Morgen des 31. Dezember mit der Begehung eines noch unfertigen Wohnhauses durch die neuen Wohnungseigentümer. Dieser Tag ist eigentlich als Tag der Schlüsselübergabe geplant, doch wie es im Baugewerbe so ist, wird es nicht dazu kommen, da das Haus und die Wohnungen noch nicht fertig sind.

Während die Wohnungseigentümer ihr neues Domizil inspizieren und sich Gedanken zur Einrichtung und Fertigstellung machen und die chilenische Familie, die momentan am Dach beim noch nicht fertigen Schwimmbecken zwecks Bewachung der Anlage wohnt, die Vorbereitungen zur Silvesternacht trifft, turnen nackte Männer dreist und übermütig zwischen den Leuten. Diese Männer, die durch den Baustaub nur von Kindern und ganz wenigen Personen, wie Patri, der post-pubertären Tochter der chilenischen Familie, gesehen werden können, sind Geister.

"In diese ihm aufmerksam lauschende kleine Gemeinde, diese zum zweiten Mal verheirateten Eheleute mit gemeinsamen Glücksvorstellungen, waren zwei Individuen eingesickert, zwei Männer, die nackt waren, die Haut mit Kalkstaub bedeckt. Auch sie hörten genau zu, aber nur, um alle Augenblicke in ein lautes, wildes Gelächter auszubrechen. Mehr noch als Gelächter war es ein ungeheures Geheul voll übertriebenem Sarkasmus. Da keiner sie hörte oder sah, plätscherte das Gespräch im höflichen, entspannten Rhythmus weiter. Die beiden brüllten lauter und, wie wenn sie miteinander wetteiferten ... Ihre Zehen standen weit auseinander, wie bei den Wilden, und sie benahmen sich wie unartige Kinder. Es waren aber Erwachsene ... Ein zufällig vorbeikommender Bauarbeiter, mit einem Eimer voll Schutt unterwegs zu dem Brett, das den Container hinaufführte, streckte die Hand aus, die er frei hatte, ergriff im Vorbeigehen umstandslos den Schwanz von einem der beiden und zog daran. Das Glied dehnte sich zwei Meter lang, dann drei, dann fünf, dann zehn, bis hin zum Bürgersteig. Als er es wieder losließ, schnallte es mit einem Peitschenknall seltsamer Harmonien zurück, Töne, die auf den unverfugten Fliesen, auf den marmorlosen Treppen und in den hohen aufzuglosen Schächten widerhallten wie die tiefste Saite einer japanischen Harfe."

Aus diesem Zitat ist ersichtlich, dass César Airas Gespenster, die er in diesem Roman so wichtig zeichnet, keine beängstigenden Wesen, keine Verursacher von Albträumen sind oder sein sollen. Diese Gespenster sind Schelme, Clowns, freche Wesen, die aber im Grunde trotz der virtuosen Verbindung einer realistischen Erzählung, die den Silvestertag der chilenischen Familie im Mittelpunkt hat, mit einem surrealistischen Handlungsstrang bzw. einer quasi surrealen Parallelwelt, eigentlich ein symbolisches Spiegelbild, oder eine Projizierung des Unterbewusstseins der Protagonisten selbst sein könnten.

Das Unverständnis der Eltern und Patris Wunsch, Silvester mit den Geistern zu verbringen, zeichnet eine weitere Ebene der Wahrnehmung und des Auslebens bzw. der Angst des Auslebens der eigenen, meist im Verborgenen schlummernden Wünsche und Begierden.

César Airas Prosa ist geschliffen scharf und springt oft innerhalb von Sätzen bzw. Absätzen innerhalb der Handlung und der Handlungsstränge umher. Die Ebene der Handlung ist wenig bis mäßig aufregend, da bis auf einen Mittagsumtrunk und die Vorbereitungen auf bzw. die Silvesterfeier nicht viel passiert.

Was diesen Roman so spannend macht, ist César Airas Virtuosität in der Beobachtung seiner Figuren und die Einbindung der abstrakt-surrealen Momente in die nie vorhersehbare Entwicklung. So ist der Leser nach einhundertneunundsechzig literarisch spannenden Seiten zusammen mit den Protagonisten des Romans begeistert im neuen Jahr und wundert sich nur, wie dieser César Aira das gemacht hat. Sehr beeindruckend.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 10/2010)

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Tags: argentinische literatur, buenos aires, césar aira, gespenster, südamerikanische literatur   (5)

  

 

Gewaltige Hölle
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Gewaltige Hölle

Guillermo Martínez , Angelica Ammar
Fester Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Eichborn, 26.08.2010
ISBN 9783821861159
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: argentinien, argentinische literatur, buenos aires, erzählungen, gewaltige hölle, guillermo martinez, guillermo martínez, kurzprosa, short stories, südamerika   (10)

  

 

Die Wildnis des Lebens
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argentinien, short stories, argentinische literatur, horacio quiroga, die wildnis des lebens

Die Wildnis des Lebens

Horacio Quiroga , Angelica Ammar
Fester Einband: 428 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 01.09.2010
ISBN 9783100631022
Genre: Literatur vor 1945

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Der Flug der Königin
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der flug der königin, argentinische literatur, tomas eloy martinez, peron, tomas eloy martínez

Der Flug der Königin

Tomás Eloy Martínez , Peter Schwaar ,
Fester Einband: 281 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.09.2003
ISBN 9783518414743
Genre: Zeitgenössische Literatur

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Der Tangosänger
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argentinische literatur, tomas eloy martinez, der tangosänger, tomas eloy martínez

Der Tangosänger

Tomás Eloy Martínez , Peter Schwaar ,
Flexibler Einband: 238 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 24.01.2007
ISBN 9783518458334
Genre: Zeitgenössische Literatur

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Sittenlehre
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argentinien, argentinische literatur, sexueller missbrauch, martin kohan, buenos aires

Sittenlehre

Martín Kohan , Peter Kultzen
Fester Einband: 246 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 16.08.2010
ISBN 9783518421826
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Martín Kohans dritter Roman "Sittenlehre" ist ein an Konzentration und Strenge kaum zu überbietendes literarisches Meisterwerk.

Schauplatz ist das Elitegymnasium Colegio Nacional, ein Gymnasium, das bis vor wenigen Jahren nur für Knaben zugelassen war und Schüler, die das Schuljahr nicht positiv beenden, ausschließt. Man schreibt das Jahr 1982, Militärpräsenz und Falklandkrieg gehören zum Alltag.

Menschenverachtende Disziplin und Härte gehören zu einem Schulalltag, an dem das Lachen eines Schülers für die ganze Klasse mit einer Woche täglich eine Stunde nachsitzen enden kann. Eine Stunde, die natürlich nur zu bestimmten Zwecken genutzt werden darf. Für die Disziplin sorgt eine Gruppe von Aufsehern und Aufseherinnen.

María Teresa, die noch mit ihrer Mutter wohnt, ist Aufseherin am Colegio Nacional und hat neben der ihr täglich in der Schule gestellten Aufgaben keine weiteren Freuden im Leben. María Teresas Bruder, der gerade seinen Militärdienst ableistet, erscheint während dieses Romans entweder als Anrufender, oder als Absender skurriler Postkarten, die entweder nur wenig Sinn, oder wenig, bis gar keine Worte enthalten.
María Teresas Mutter scheint in der Welt ihres Fernsehapparats zu leben. Auch sie scheint keine weiteren Freuden im Leben zu haben.

María Teresas Drang nach Disziplin und Ordnung ist ihr große Stütze im Leben. Als sie einmal an einem Schüler Tabak riecht, vermutet sie, dass dieser Schüler heimlich auf der Knabentoilette raucht und entschließt sich, von jetzt an geheim auf der Knabentoilette Wache zu schieben. María Teresas Aufenthalte auf der Knabentoilette werden immer häufiger, und so verschieben sich bald die Grenzen zwischen (unnötigem) Zweck und absurder Übertreibung. Großartig, wie Martín Kohan hier die Psyche der Aufseherin beleuchtet, wie er die Entwicklung ihres Verdachts zu einem Drang, zu einer Obsession zeichnet.

Mit dem Wandel zur Obsession vollzieht sich in "Sittenlehre" auch ein Wandel ins Grotesk-Absurde. Ein Wandel, der neue Facetten mit sich bringt und neue Ebenen öffnet.
Ein Wandel, der die sozial unterentwickelte Erzieherin in die Falle des Oberaufsehers tappen lässt und der den Überwachungsstaat ad absurdum führt.

"Sittenlehre" ist ein dunkler, böser und großartiger Roman. Martín Kohan ein extrem eigenständiger Autor abseits der Mainstreamliteraturschiene, der die Tradition der argentinischen Literatur auf höchstem Niveau weiterführt. Absolute Empfehlung.

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Tags: argentinien, argentinische literatur, buenos aires, martin kohan, martín kohan, sittenlehre   (6)

  

 

Lumpenroman
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rom, italien, prostitution, sex, verbrechen

Lumpenroman

Christian Hansen , Roberto Bolaño
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 16.08.2010
ISBN 9783446235465
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: chilenische literatur, italien, liebe, lumpenroman, porno, roberto bolano, sex, südamerikanische literatur, trash   (9)

  

 
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