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Die Frequenzen
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österreichische literatur, junge literatur, roman, graz, familienbande

Die Frequenzen

Clemens J. Setz
Fester Einband: 700 Seiten
Erschienen bei Residenz Verlag im Niederösterreichischen Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H., 01.02.2009
ISBN 9783701715152
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Von Menschen im Standby-Modus und dem Abspritzen in ein Glas mit warmem Aspirinwasser...

Nach seinem gefeierten Debüt "Söhne und Planeten" hat der 1982 in Graz geborene Clemens J. Setz nun seinen zweiten Roman veröffentlicht. Dieser ist nicht nur ein zweiter Roman, sondern gleich ein Wälzer von 714 Seiten. 2008 erhielt er bei den 32. "Tagen der deutschsprachigen Literatur" ("Ingeborg-Bachmann-Preis") für einen Auszug aus "Die Frequenzen" den "Ernst-Willner-Preis".

Selbstbewusst und metaphernverliebt beginnt dieser Roman, der einerseits die Geschichte des Architektensohnes Walter ist, der Schauspieler werden will, andererseits die Geschichte von Alexander, dem Krankenpfleger mit einer eher surrealen Fantasie.

Zwischen diesen beiden Erzählsträngen hin- und herpendelnd, entwickelt Setz sichtlich mühevoll seinen angepeilten Riesenroman. Hie und da gelingen gute Passagen, die Clemens J. Setz jedoch mit traumwandlerischer Sicherheit zunichte macht, bevor sie auch nur irgendwie tragen könnten.
Ein Beispiel ist die Szene, in der Wolfgang und Gabi wieder langsam zueinander finden; da wohnt der Leser einer zerbrechlichen Annäherung bei, um diese dann mit dem Satz: "Sie wachte um vier Uhr morgens auf, ging dann unruhig in der Wohnung umher und stürzte sich, wenn er aufwachte, sofort auf ihn, um sich einen Orgasmus und ein paar blaue Flecken zu holen", literarisch zunichte gemacht zu sehen.

Überhaupt ist diesem Roman eine fast spätpubertäre Fixierung auf den Penis als Spielzeug eigen. Eine fast kindische Erforschung der Sexualität, die nach ein paar hundert Seiten die Toleranzgrenze des Lesers schon gehörig strapaziert hat.
Eine Szene, mit einer Motte, über deren Unsterblichkeit und Religion der Protagonist sinniert, bevor er sie in ein Taschentuch zerdrückt, ist schon fast versöhnlich, wäre dieses Taschentuch mit Mottenleiche nicht einige Seiten später kurzfristig Ziel eines weiteres Samenergusses, der jedoch rechtzeitig in einen (zum Glück der toten Motte und des Lesers) staubigen Pokal umgeleitet werden kann.

Kaum ist man wieder in die Geschichte eingetaucht, tauchen die nächsten peinlichen Sätze auf: "Valerie lehnte sich in ihren Sessel zurück und streckte sich, dabei hob ihr T-Shirt sein schläfriges Lid und präsentierte aller Welt ihren Bauchnabel, an dessen Form und Größe man sehen konnte, dass sie keine junge Frau mehr war. Mein Gott, dachte Walter etwas deprimiert, wie jugendlich sie sich heute wieder vorkommt."

Zu diesem Zeitpunkt ist noch schwer zu entscheiden, ob man ob dieser Konsequenz der Verfehlungen und stilistischen Mängel belustigt lächeln, oder stumm das Lese-Handtuch werfen sollte.

Doch die nächste Fellatioszene naht mit raschen Schritten, man schreibt die Seite 315 und liest das pubertäre Wunschdenken: "Ihre Lippen bewegten sich um meinen Schwanz, als versuchten sie ihn neu zu formen ...", den Rest der Kür überspringe ich bis zum (wie viele waren es schon?) erneuten Kommen, das diesmal literarisch besonders tief angepeilt ist:
"Mein Sperma spritzte Gott weiß wohin, in sie, in (sic!) ihren Kopf, ein entsetzliches, herrliches, Funken sprühendes Sakrileg.
Hat das geholfen?, fragte sie, als es vorbei war.
Was?, fragte ich benebelt.
Sie hätte mich genauso gut fragen können, wie der Innenminister der Ukraine hieß."

Nun ein wenig retour zur Geschichte: Walter entwickelt seine schauspielerischen Fähigkeiten als Teilnehmer einer psychotherapeutischen Gruppensitzung, wähnt dort seine Riesenchance, und Alexanders Fantasiegeflechte flüchten immer tiefer zurück in seine Kindheit, wo ein Riss in einer Mauer große Auswirkungen hat.

Eine geheimnisvolle Tote ist irgendwo vergraben, und Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Die Zauberflöte" muss zwischendurch auch herhalten. Eigentlich gibt es fast nichts, was Clemens J. Setz nicht in dieses Werk eingebaut hat; auch ein Proust'scher Fragebogen wird im Sinne der Entwicklung des Romans eingesetzt, und der Eindruck, der junge Autor will seine literarische Sicherheit mit aller Gewalt vermitteln, wird immer stärker. Man würde ja auch gerne daran glauben, schon allein deshalb, um die restlichen ca. 300 Seiten wirklich auch noch durchzuhalten.

Wären da nur nicht immer diese selbst gestellten Fallen, in die Clemens J. Setz wiederholt tollpatschig hineintapst; "Während ich urinierte, wählte ich mit einer Hand Valeries Nummer. Ich konnte sie bereits so sehr auswendig, dass in meinem Kopf jedes Mal ein schmerzhaftes, gespenstisches Echo entstand, wenn ich sie wählte."
Das Urinieren ist im Übrigen auch eine immer wiederkehrende Konstante in diesem Buch.
Eine wirklich sympathische Gestalt gibt es in diesem Roman doch, Hündchen Uljana, doch leider kann der Roman durch einen Hund auch nicht mehr gerettet werden.

Liest man auf den letzten beiden Seiten im Schlusskapitel "End Credits" folgende Zeilen: "Das große Daumenkino rast seinem Ende zu.
Das Strichmännchen hat sich redlich bemüht, den Daumen des Betrachters zu erhaschen, aber dieser war ihm naturgemäß mindestens eine Seite voraus und trieb das kleine Männchen schnell seinem Ende zu, das nun endlich gekommen ist", so ist man fast geneigt zu glauben, veräppelt worden zu sein.
Wobei gegen eine Veräppelung ja eigentlich nichts einzuwenden ist, solange sie auf hohem literarischen Niveau wie z.B. im "Ulysses" von James Joyce passiert.

Großes Daumenkino waren "Die Frequenzen" sicher nicht.
Das Ende kam auch eindeutig nicht schnell genug.
Ob dieser Roman große, bzw. gute Literatur ist?
Meiner Meinung nach - nein.
Ich erwarte (und wünsche) von Literatur gute Prosa, zündende Ideen, eine originelle Sprache, Seiten, die mich fordern, die mich zwingen, sie zu erschließen; Metaphern und Vergleiche, die logisch sind und nicht: "Sie war eine zarte, filigrane Qualle, die an dieses blaue Sofa gespült worden war und die man nicht berühren durfte, wenn man nicht riskieren wollte, dass sie einem unter den Fingern zu Staub zerfiel."

"Die Frequenzen" ist eine auf Riesenlänge aufgeblähte Kurzgeschichte, fast permanent im Leerlauf, Papier und Seiten fressend, an den Nerven des Lesers zehrend, letztendlich mehr als unbefriedigend, weil das Können des Autors und sein Versuch, einen dicken Wälzer zu schreiben, der wohl komisch, unheimlich, spannend, geistreich und wahrscheinlich auch gewissermaßen erotisch hätte sein sollen, so gelöst nicht in Einklang zu bringen waren.
Vielleicht hatte der Autor genau das als Ziel vor Augen?
Also ein nervtötendes, veräppelnd inszeniertes Scheitern, um sich nach der letzten Seite heimlich und genießerisch ins Fäustchen zu lachen - mag sein.
Sollte es so sein, ziehe ich meinen Hut; Chapeau!

Leider macht das die 714 Seiten rückblickend nicht besser.
Um abschließend noch kurz zu den Schlusssätzen zurückzukehren: " ... und trieb das kleine Männchen schnell seinem Ende zu, das nun endlich gekommen ist."

Gut. Sehr gut.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 03/2009)

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Tags: clemens j. setz, die frequenzen, graz, junge literatur, österreichische literatur   (5)

  

 

Scala Santa oder Josefine Wurznbachers Höhepunkt
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österreichische literatur, franzobel, scala santa, josefine wurznbachers höhepunkt

Scala Santa oder Josefine Wurznbachers Höhepunkt

Franzobel
Flexibler Einband: 393 Seiten
Erschienen bei Piper
ISBN 9783492234214
Genre: Zeitgenössische Literatur

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Tags: franzobel, josefine wurznbachers höhepunkt, scala santa, österreichische literatur   (4)

  

 

Die Wohlgesinnten
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nationalsozialismus, ss, holocaust, krieg, hitler

Die Wohlgesinnten

Jonathan Littell , Hainer Kober
Fester Einband: 1.383 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury, 20.02.2008
ISBN 9783827007384
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Nachdem ich das Buch zugeklappt hatte (auch schon während dem Lesen), fielen mir folgende Wörter ein: billig, voyeuristisch, opportunistisch, klischeehaft, pornographisch und einige andere, die ich hier nicht nennen werde.

Jorge Semprun, ein von mir sehr geschätzer Autor, hat dieses Buch in den Himmel gelobt, ich frage mich nur, wieso?
Ich kann es bei bestem Willen nicht verstehen. Es ist zwar sehr flüssig und großteils eloquent geschrieben, manchmal (eigentlich sehr oft) ziemlich banal in den Wendungen und Formulierungen. Die statistischen Teile sind stilistisch auch eher ein Flop. Sehr vieles (die Verbindung von Homosexualität und Kunst z.B.) beruft sich auf klischeehafte Vorurteile und ist daher weder überzeugend, noch überraschend und interessant.

Dieses Buch hat natürlich (vermeintlich- unterstellen will ich nichts) ein Vorbild, das grandiose und niederschmetternde "Der Tod ist mein Beruf" von Robert Merle, das die Aufzeichnungen aus der Gefangenschaft (und Mitschriften des Psychiaters, der Rudolf Höß betreute) des Rudolf Höß als Ausgangspunkt nimmt. Dieses bewegende und in seiner nichtzelebrierten Kühle des Tonfalls treffende Buch ist bis jetzt unübertroffen.
Jonathan Littells Versuch dagegen scheitert dagegen auf voller Länge.
Als mir also nach dem Zuklappen die oben erwähnten Wörter durch den Kopf gingen, schlug ich das Buch zu und sah dabei zufällig noch einmal die Widmung...

Mit den ca. 1300 Seiten im Hintergrund kam mir die Widmung nun wie eine Verhöhnung vor...

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Tags: die wohlgesinnten, französische literatur, holocaust, jonathan littell, max aub   (5)

  

 

Bunny und Blair
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siamesische zwillinge, england, london, kaukasus, russland

Bunny und Blair

D. B. C. Pierre , Henning Ahrens , DBC Pierre
Fester Einband: 391 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 01.02.2007
ISBN 9783351030964
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: absoluter-flop, amerikanische literatur, brüder, bunny & blair, dbc pierre   (5)

  

 

UC
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dirigent, mord, krausser, zeitreise, zeit

UC

Helmut Krausser , Hans Chr. Andersen
Fester Einband: 477 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, Reinbek
ISBN 9783498035112
Genre: Gegenwartsliteratur

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Tags: dirigent, krausser, mord, musik, ultrachronos   (5)

  

 

Die Möglichkeit einer Insel
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sex, utopie, roman, liebe, michel houellebecq

Die Möglichkeit einer Insel

Michel Houellebecq , Uli Wittmann
Flexibler Einband: 493 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.02.2007
ISBN 9783499243387
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Naja, der Meister H. hat es geschafft ! Ein absoluter Verkaufserfolg, ja, Qualität, leider nein. Während "Plattform" ein wirklich Buch ist, ist dieses Buch (meiner Meinung nach) leider völlig daneben geraten. Michel Houellebecq polarisiert, er spaltet die Leser in ein überzeugtes Dafür oder ein bewusstes Dagegen... Eigentlich hat große Kunst diese Kraft, vielleicht habe ich mit meinem Urteil daher ja unrecht? Mag sein, ich zweifle jedoch, dass diese seichte, populistische, klischeehafte und billige Sex-Klon-Orgie mehr als ein gut verpackter Abfalleimer ist. Die literarischen Mittel sind in diesem Buch (dieses Urteil hat nichts mit den anderen Büchern Houellebecqs zu tun) mehr als beschränkt und zum Teil fast peinlich. Ich hatte oft den Eindruck, als hätte (der Story angelehnt) dieses Buch ein schlecht erzeugter Klon des Herrn Houellebecq (vielleicht Michel 72?) geschrieben. Bleibt nur die Hoffnung, dass der nächste Roman qualitativ wieder an frühere Werke anschliesst.

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Tags: die möglichkeit einer insel, französische literatur, klon, michel houellebecq, sex   (5)

  

 

Das neue Leben
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türkische literatur, türkei, nobelpreis, roman, das neue leben

Das neue Leben

Ingrid Iren , Orhan Pamuk
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 27.07.1998
ISBN 9783446192898
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: das neue leben, nobelpreis, orhan pamuk, türkei, türkische literatur   (5)

  

 

Gier. Ein Unterhaltungsroman
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nobelpreis, zeitgenössische literatur, österreichische literatur, roman, elfriede jelinek

Gier. Ein Unterhaltungsroman

Elfriede Jelinek
Flexibler Einband: 461 Seiten
Erschienen bei Distribooks Inc, 02.01.2002
ISBN 349923131X
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
Tags: elfriede jelinek, gier, nobelpreis, österreichische literatur   (4)

  

 

Die Vermessung der Welt
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humboldt, gauß, wissenschaft, mathematik, abenteuer

Die Vermessung der Welt

Daniel Kehlmann
Fester Einband: 302 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 23.09.2005
ISBN 9783498035280
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Die Vermessung des Erfolgs

Ein Buch mit Verkaufszahlen über einer Million, ein junger Autor, lange auf Platz 1 der Bestsellerlisten, in einem Roman von Thomas Glavinic (Das bin doch ich) hochgelobt, da muß doch was dran sein, oder? Zumindest sollte das Buch gut geschrieben sein, nicht langweilig sein und eine packende Story haben?
Welches Buch (das kein Thriller oder Krimi ist) mit dem Anspruch auf literarischen Wert verkauft sich sonst so gut?
Daniel Kehlmann verkauft sein Thema einfach sehr billig, vordergründiger Effekt steht vor Ernsthaftigkeit und dem Sinn der Sache. Humboldt und Gauß kommen als Witzfiguren daher, was ja, wenn mit Geschmack und Geschick für Feinheiten und Ironie gemacht (was es hier sicher nicht ist), noch nicht verwerflich wäre. Klamauk, der langweilig ist? Hier schon. Die Dialoge sind wirklich öd, langweilig und sprachlich einfach schlecht. Zustände werden nicht beschrieben, sie werden einfach gesagt. (Mit)Denken muß man dabei nicht. Eigentlich traurig, wenn man bedenkt, wie viele tolle Autoren wegen fehlender Vermarktung nicht oder kaum beachtet werden und zum Teil nicht einmal mehr erhältlich sind.

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Tags: gauß, humboldt, junge deutschsprachige literatur, kehlmann   (4)

  

 

Lust
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österreich, nobelpreis, sexualität, lust, pornographie

Lust

Elfriede Jelinek
Flexibler Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 02.01.1992
ISBN 9783499130427
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Ärgerlich...

Elfriede Jelineks Roman "Lust"... eine schwierige Sache.
Die Sprache, bzw. der Erzählstil ist so wirr, dass ein wirklicher Erzählfluss schon im Keim erstickt wird. Ich bin der Meinung, dass mit dieser Verwirrung des Erzählstranges in erster Linie ein frappierender Mangel an Ideen versteckt werden soll. Dieser Roman enthält keine Entwicklungen; die Form entwickelt sich nicht, die Geschichte auch nicht. Die Entwicklung dieser Story hätte eine Erzählung von ca. zehn Seiten wahrscheinlich schon überfordert. Die derbe Sprache und die einfach dummen Metaphern für Geschlechtsteile (die zum Teil in ihrer Vulgarität ekelerregend sind); das ist literarisch gesehen dann zusätzlich nur noch ärgerlich.
Da es hier also (meiner Meinung nach) nicht um die Story geht (ich hoffe es), sondern um eine Aussage/Parabel (?), habe ich mir ständig die Frage gestellt: was will Elfriede Jelinek dem Leser mit diesem Roman sagen? Dass Frauen von Männern als Sexobjekte, bzw. als Objekte zur Befriedigung der groben, gefühllosen männlichen Lust benutzt, bzw. vergewaltigt werden? Eine Aussage, die meiner Meinung nach mehr als nur oberflächlich ist.
Aber gut: muss denn die Aussage eines Romans mit meiner Meinung übereinstimmen?
Nein.
Darf ein Roman widerlich sein? Ekelerregend?
Ja, keine Frage.
Was macht dann den Unterschied aus?
Ganz einfach; ein guter Roman (anonym und getrennt vom Autor- gut natürlich gibt es Autoren, die sich persönlich dazwischenschalten), der seine Protagonisten agieren lässt- zwingt den Leser weiterzulesen, ohne ihm seine Meinung aufzudrängen.
Ein guter Roman fesselt und hinterlässt Spuren, Betroffenheit, Freude und regt zum Nachdenken an.
"Lust" war einfach nur eine ärgerliche Qual. Ich habe mich selten so gefreut, die letzte Seite hinter mir zu haben...

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Tags: jelinek, nie-enden-wollende-anzahl-von-metaphern-für-geschlechtsverkehr, nobelpreis   (3)

  

 
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