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Schamland
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deutschland, armut, sachbuch, deutsche, jobcenter

Schamland

Stefan Selke
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Econ, 12.04.2013
ISBN 9783430201520
Genre: Sach-/Fachbuch

Rezension:

Wer an die 'Tafeln' denkt, dem fällt zumeist eines ein: Gemeinnützig! Ehrenamtliche verteilen stark verbilligt Lebensmittel an Arme, die der Tafel zuvor gespendet wurden. Eine gute und sinnvolle Idee - wer würde etwas Schlechtes dagegen sagen oder schreiben wollen? Stefan Selke zum Beispiel, Soziologieprofessor und Autor dieses Buches, der schon früher die These aufstellte, dass Angebote wie die Tafeln Armut nicht versuchen zu beseitigen, sondern statt dessen festschreiben. Auch in seinem neuen Werk ist dies das Hauptthema. Er besucht Nutzerinnen und Nutzer dieser Wohlfahrtsangebote, fragt nach, wie es dazu kam und wie es ihnen dabei geht. Es sind ganz unterschiedliche Personen, die er da trifft: eine studentische Kleinfamilie, eine chronisch kranke Frau die noch nicht aufgegeben hat aus diesem System auszubrechen, ein chronisch krankes Rentnerehepaar, die sich in diesem Dasein jetzt mehr schlecht als recht eingerichtet haben. Alle eint sie, dass sie diese Angebote eigentlich nicht wollen, aber aufgrund ihrer Verhältnisse müssen, weil es keinen anderen Weg gibt.
Selke beschreibt nicht nur Zustände, er schildert auch detailliert wie sich der Umgang mit Armen im Laufe der Geschichte verändert hat: von der Entwicklung der reinen Almosenempfänger im alten Griechenland wie auch im Mittelalter, die sich glücklich schätzen durften zu den 'guten' Bedürftigen gezählt zu werden und somit die Gnade von Zuwendungen zu erfahren bis hin zu gleich- UND anspruchsberechtigten Bürgerinnen und Bürgern in der Gegenwart durch das im Grundgesetz verankerte Sozialstaatsprinzip (Art. 20, Abs. 1). Doch diese Entwicklung scheint sich wieder in ihr Gegenteil umzukehren: Ansprüche werden auf ein solches Mindestmaß reduziert, dass Berechtigte gezwungen sind, Angebote von Almosen (und nichts anderes sind Tafeln und weitere Institutionen der Armutsökonomie ja) anzunehmen. Statt Betroffenen zu helfen aus diesen Problemsituationen wieder herauszukommen, wird selbst vom Staat Armut als akzeptabler Dauerzustand dargestellt, der ja durch die vielfältigen (und immer wieder lobend erwähnten wie auch kräftig unterstützten) Freiwilligenangebote durchaus erträglich ist. Was jedoch passiert, wenn (aus welchen Motiven auch immer) sich die Anbieter solcher freiwilligen Dienstleistungen irgendwann zurückziehen, wird aus naheliegenden Gründen nicht thematisiert. Für die Empfangenden, die sich dieser Problematik durchaus bewusst sind, ist dies ein schrecklicher Zustand: nicht nur die Verhältnisse an sich sondern auch die Tatsache, abhängig zu sein vom Wohlwollen einiger Weniger.
Selke vergisst auch nicht aufzuzeigen, dass Armut neben den direkten Kosten (die konkrete finanzielle Unterstützung) auch eine Reihe weiterer Kosten entstehen lässt, die sich nicht nur in Zahlen darstellen lassen. Berufliche Kompetenzen gehen verloren, größere Aufwendungen durch Krankheit, Demokratiedefizite entstehen...
Wer sich konkrete Lösungsvorschläge erhofft, um eine Besserung dieser Situation herbeizuführen, findet diese nur indirekt. Diejenigen, die noch arbeiten können, möchten eine Beschäftigung von der sie auch leben können - eine klare Absage an PolitikerInnen, die gegen Mindestlöhne sind und weiterhin eine Förderung von Mini-, 1-Euro-Jobs, befristeten Beschäftigungen und dergleichen unterstützen. Andere wie Kranke, Rentner, Alleinerziehende eint der Wunsch, nicht als BittstellerInnen auftreten zu müssen - das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im Frühjahr 2010 war ein Schritt in diese Richtung, dem jedoch weitere bisher nicht folgten.
Selkes Verdienst ist es, einer großen Gruppe der Gesellschaft eine Stimme gegeben zu haben, die bisher aus Scham lieber schwieg und sich versteckte. Und trotz seines Status als Soziologieprofessor ist sein Buch gut lesbar und ebenso verständlich - und ganz und gar nicht 'sehr fachlich und wissenschaftlich' wie in einer Rezension vermerkt. Es bleibt zu hoffen, dass viele viele Menschen dieses Buch lesen - und sich etwas bewegt!

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Kein Pfad führt zurück. Aufbruch in ein neues Leben
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indien, tibet, flucht, gegenwart, dokumentation

Kein Pfad führt zurück. Aufbruch in ein neues Leben

Maria Blumencron , Chime Yangzom
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Südwest Verlag, 28.09.2011
ISBN 9783517087207
Genre: Biografie

Rezension:

Sechs Kinder, keines älter als 10 Jahre, werden von ihren Eltern von Tibet aus ins Exil nach Indien geschickt. Gemeinsam mit einem Fluchthelfer, Mönchen und anderen Erwachsenen fliehen sie über den Himalaya nach Nepal und reisen von dort weiter nach Dharamsala. Maria Blumencron, Schauspielerin und Filmemacherin, begegnet dieser Gruppe nachts in den Bergen, als diese gerade die chinesische Grenze überquert hat. Sofort schließt sie alle Kinder in ihr Herz und ist seitdem deren Notfallmutter und Patin, die 'The Six' (wie sie sich später nannten) bis heute begleitet hat.
Maria Blumencron und Chime, eines dieser Kinder und heute 22 Jahre, beschreiben in diesem Buch abwechselnd wie es dazu kam, dass sie sich im höchsten Gebirge der Welt begegneten und wie ihr gemeinsames Leben weiterging. Man erfährt vom Aufwachsen in tibetischen Kinderdörfern, wie groß die Sehnsucht nach Liebe, Zuwendung und Nähe wird und wie sich eine tibetisch-deutsch-österreichische Familie zusammenraufte. Ganz nebenbei nutzt Maria Blumencron die Gelegenheit, ihre 'verkorkste' Beziehung zu ihrer Mutter aufzuarbeiten, was für meinen Geschmack doch eher etwas fehl am Platze war. Die Einschübe der aktuellen Nachrichten aus Tibet sowie die ergänzenden Informationen zum tibetischen Leben fand ich hingegen durchweg von Vorteil. Viel zu schnell sind solche Dinge aus den täglichen Nachrichten verschwunden und geraten dadurch bedauerlicherweise in Vergessenheit. Alles in allem ein berührendes Buch, wobei ich den Schreibstil von Frau Blumencron nicht immer gelungen fand. Ihre humorvollen Ausführungen waren zwar schön zu lesen, doch die manchmal unmittelbar darauffolgende blumige oder fast schon esoterische Ausdrucksweise wirkte nicht sehr passend.

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Tags: chime, china, dokumentation, emotional, flucht, gegenwart, indien, mariablumencron, tibet   (9)

  

 

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Roman Aus d. Tschech. von Susanna Roth aus dem Nachlaß Gerhard Löwenthal
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diktatur, liebe, roman, prag, zürick

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Roman Aus d. Tschech. von Susanna Roth aus dem Nachlaß Gerhard Löwenthal

Milan Kundera
Fester Einband
Erschienen bei Hanser, München, 01.01.1988
ISBN B002XVCWEQ
Genre: Sonstiges

Rezension:

Als Liebesgeschichte wird dieses Buch beschrieben, es gilt das glaubhafteste Liebespaar der modernen Literatur zu entdecken - doch um ehrlich zu sein, empfand ich genau das viel eher als Randgeschichte. Teresa und Tomas sind die Hauptfiguren in diesem Roman und man folgt ihrer zeitweise recht schwierigen Beziehung durch die Zeit. Tomas ist ein notorischer Fremdgänger trotz seiner Liebe zu Teresa, und daran ändert sich auch nichts, als sie die Tschechei verlassen und nach Zürich ziehen. Tomas trifft dort seine 'alte' Freundin Sabina wieder und sie und ihr späterer Geliebter Franz sind das zweite Liebespaar, von dem erzählt wird. All dies wie auch die Rückkehr von Teresa und Tomas nach Prag ereignen sich vor dem Hintergrund des Einmarsches der sowjetischen Truppen in die Tschechei.
Und genau dies ist das eigentlich Thema des Buches: Das Verhalten der Menschen zueinander und sich selbst gegenüber unter den erdrückenden Bedingungen des Lebens in einer Diktatur. Wie verändern sich die Menschen, Werte, Ideale? Kundera wechselt dazu in seinem Buch zwischen einer Art Essay, in dem verschiedene Überlegungen dargestellt werden und der 'normalen' Erzählform, mit der die Geschichten der Protagonisten wiedergegeben werden. Leider nicht chronologisch, sondern immer wieder gibt es Zeitsprünge, so dass es mir nicht gelang, den Figuren wirklich nahe zu kommen. Alles in allem hatte ich häufiger den Eindruck, eine politisch-sozial-philosophisch-psychologische Abhandlung zu lesen als einen Roman. Doch vielleicht ist dieses Buch einfach auch ein Kind seiner Zeit. Vor knapp 30 Jahren waren solche Gedanken vermutlich recht neu und die beschriebenen gesellschaftlichen Situationen hochaktuell und brisant, während sie heute weit entfernt erscheinen.
Wer also eine Liebesgeschichte zum Schmökern sucht, sollte sich eine andere Lektüre wählen.

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Tags: 1968, diktatur, liebe, prag, roman, zürick   (6)

  

 

Das Gegenteil von Tod
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afghanistan, süditalien, reportage, gegenwart, bedrückend

Das Gegenteil von Tod

Roberto Saviano , Heikko Deutschmann , Friederike Hausmann , Rita Seuss
Audio CD
Erschienen bei HörbucHHamburg, 14.07.2009
ISBN 9783899036701
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Wer von Roberto Saviano hört oder liest, denkt mit großer Wahrscheinlichkeit als Erstes an sein Buch über die Camorra. Dieses Hörbuch, das zwei recht kurze Geschichten beinhaltet, hat nur auf den ersten Blick nichts damit zu tun. Denn die Hintergründe sind dieselben, die zum Weiterbestehen dieser Mafiaorganisation beitragen: Armut und die beinahe fatalistische Einstellung zum Leben. "Nimm es wie es kommt und mach das Beste daraus." Kein Hinterfragen, kein Ergründen der Ursachen um diese womöglich zu beseitigen - man macht einfach das Beste daraus.
Wie auch Maria, die 17jährige Verlobte von Gaetano, der mit dem Militär nach Afghanistan geschickt wurde und dort umkam. Saviano beschreibt anhand dieses Einzelschicksals, dass es für viele junge Männer im Süden keine Alternative zum Militärdienst gibt, um so zumindest eine legale Arbeit mit einem gesicherten Gehalt zu haben. Kein Wunder, dass die italienischen Soldaten in den Friedensmissionen größtenteils aus dem Süden kommen und damit auch die meisten Todesopfer 'stellen'. Soldat: die Alternative für diejenigen, die außer der Mafia keine andere haben? Doch nicht nur die jungen Männer sind die Leidtragenden. Denn Maria wird mit ihren 17 Jahren, deren Leben so verheißungsvoll vor ihr lag, eine ewige Witwe bleiben. Gefangen in den Dorftraditionen wird sie weiterhin bei ihren Elten wohnen und für den Rest ihres Lebens schwarz tragen müssen.
Die zweite Geschichte berichtet davon, wie völlig Unbeteiligte zu Opfern der Mafia wurden, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Aber es dennoch niemanden interessiert, wer sie getötet hat und warum und aus lauter Angst alle schweigen. Denn für die Außenstehenden ist alles klar: Wer so getötet wird, gehörte dazu - weiteres Nachfragen lohnt nicht.
Heikko Deutschmann liest dies einfühlsam und mitfühlend vor, aber auch mit entsprechender Sachlichkeit. So grausam sich all dies anhört, es ist die Realität in diesem Teil des Landes.

Das einzig Ärgerliche an diesem Hörbuch ist die Länge. Wohl in weiser Voraussicht wird nirgends (weder im Booklet noch beim Verlag oder sonstwo) die Dauer angezeigt. Vermutlich weil die beiden CDs gerade mal 80 min umfassen und man diese bei etwas gutem Willen auch auf eine CD hätte pressen können. Ansonsten aber hörenswert!

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Tags: afghanistan, bedrückend, camorra, gegenwart, reportage, süditalien   (6)

  

 

Warum ich Terrorist geworden bin
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zeitlos, essay, satire, politik, böse witzig

Warum ich Terrorist geworden bin

Joseph von Westphalen
Flexibler Einband: 59 Seiten
Erschienen bei HAFFMANS VERLAG, 01.01.1989
ISBN 9783251500130
Genre: Sonstiges

Rezension:

In einem satirischen Essay, der erstmalig 1986 erschien, nimmt Joseph von Westphalen speziell die politische Führung ins Visier. Mehr als 25 Jahre alt, lässt sich sein Text dennoch 1:1 auf heutige Verhältnisse übertragen. Die Unzufriedenheit des Volkes mit dem kriminellen Gebaren der Herrschenden sowie von Westphalens eigene Wut über die kriegslüsternen Frauen und Männer an den Spitzen aller Staaten bringt ihn zum Äußersten: Er wird zum Terroristen. Doch da er Gewalt entschieden ablehnt, macht er einen Vorschlag, der durchaus reizvoll klingt ;-)
Viele der in diesem kleinen Minibüchlein mit gerade mal 56 Seiten vorkommenden Personen dürften Menschen unter 30 Jahren kaum noch etwas sagen. Doch die genannten Namen lassen sich mühelos durch die aktueller Persönlichkeiten ersetzen, ohne dass der Essay dadurch etwas von seiner Aussagekraft verlieren würde. Und tauscht man den Militarismus durch Kapitalismus aus, könnte der Text problemlos hochaktuell erneut erscheinen.
Ein wunderbares Stück Satire - und völlig zeitlos!

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Tags: böse witzig, essay, politik, satire, zeitlos   (5)

  

 

Weißer Tod
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afrika, entführung, schweden, kenia, lösegeld

Weißer Tod

Liza Marklund , Anne Bubenzer , Dagmar Lendt
Fester Einband: 378 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 08.03.2012
ISBN 9783550087523
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Annika Bengtzon, Journalistin einer großen Boulevardzeitung in Stockholm, kommt als Erste an den Fundort einer jungen toten schönen Frau. Während sie sich bereits mit Recherchen beschäftigt, ob weitere Morde an anderen Frauen eventuell damit in Zusammenhang stehen, erhält sie die Information, dass ihr Exmann Thomas, mit dem sie wieder zusammenlebt, in Kenia bei einer Dienstreise gemeinsam mit einer Delegation entführt wurde. Halenius, der Vorgesetzte Thomas', steht ihr zur Seite und übernimmt die Verhandlungen mit den Geiselnehmern, die ein utopisches Lösegeld fordern.
Suggerieren sowohl der Titel wie auch der Klappentext, dass es sich bei 'Weisser Tod' in erster Linie um den Mord an einer jungen schönen Frau handelt bzw. Annikas Aufenthalt in Afrika zur Rettung ihres Exmannes, steht stattdessen Annikas Erleben des Entführungsfalles im Mittelpunkt. Ihre Bemühungen, das Lösegeld zusammen zu bekommen; ihre Ängste, wie es ohne ihren Exmann weitergehen soll; ihre Versuche, trotz des Chaos' ihren Kindern ein verlässliches Heim zu bieten. Daneben wird in kurzen Abschnitten aus Thomas' Sicht geschildert, was er durchlebt.
Auch wenn sich dies bei weitem nicht so spektakulär anhören mag wie Titel und Klappentext weismachen wollen, ist die Lektüre durchweg spannend. Man fiebert mit Annika, wenn ein neues Video auftaucht oder eine tote Geisel gefunden wird: Wird Thomas überleben? Aber spannend ist es nicht zuletzt auch, weil Marklund sehr nah an der Realität schreibt und viele gesellschaftliche Missstände mit in ihr Buch hineinbringt. Der Kampf der Presse um Schlagzeilen, der oft genug auf Kosten der Wahrheit oder zumindest der Wahrhaftigkeit geht; die Hintergründe, weshalb es immer wieder zu Entführungen kommt in Somalia und Umgebung; welche Leiden die Menschen dort zu durchleben hatten und noch immer haben; wie die westlichen Staaten sich auf Kosten der Ärmsten verbarrikadieren, um ja nichts abgeben zu müssen; das unaufrichtige Verhalten der Politik, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht. Fast ein bisschen zu viel...
Gesellschaftskritisch, spannend, gut geschrieben - eine empfehlenswerte Lektüre.

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Tags: afrika, annika bengtzon, gegenwart, kenia, krimi, presse, spannend, stockholm   (8)

  

 

Drachensaat
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hörspiel, interview, therapie, busfahrer, esssucht

Drachensaat

Jan Weiler
Audio CD
Erschienen bei DHV Der HörVerlag, 01.09.2008
ISBN 9783867173223
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Dem Anderssein in dieser Gesellschaft wird häufig mit Ignoranz, Gleichgültigkeit und manchmal auch mit Bösartigkeit und Gewalttätigkeiten begegnet, was den Meisten wohl bewusst ist. Doch was soll's? Man selbst ist ja glücklicherweise nicht davon berührt. Und die Betroffenen halten still - noch. Was passieren könnte, wenn sie dies einmal nicht mehr tun, schildert Jan Weiler in seinem Roman bzw. Hörspiel Drachensaat. Vier Personen, die aufgrund ihrer Handlungen außerhalb der Gesellschaft stehen, finden sich in einer Klinik wieder, in der sie nach dem Wunsch des Psychotherapeuten Zens sich klarmachen sollen, dass nicht sie, sondern die Gesellschaft das Problem ist. Seine Behandlung funktioniert - doch völlig anders als von ihm geplant.
Ich kenne das Buch nicht, fand aber die Darstellung als Hörspiel (keine Lesung!) sehr gelungen. Die Charaktere ebenso wie die kleineren Rollen sind wunderbar besetzt, nicht zuletzt auch Jan Weiler als Erzähler Bernhard Schade, einer der Patienten. Ab ungefähr der Mitte des Buches spielen auch die Medien eine nicht unwichtige Rolle, deren Artikel von verschiedenen Personen vorgetragen werden. Diese Beiträge gehen direkt ineinander über, sodass man sofort erkennt, wie völlig gegensätzlich ein und derselbe Sachverhalt dargestellt werden kann.
Ein wirkliche empfehlenswerte 'Hörlektüre', das alles bietet: Ein durchaus ernstes Thema, das durch (nicht übertriebene) Überzeichnung auch amüsant und bis zum Ende spannend ist. Und vielleicht nimmt man die nächsten Nachrichten etwas skeptischer zur Kenntnis...

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Tags: deutschland, gegenwart, humorvoll, hörspiel, kritisch   (5)

  

 

Radikal
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berlin, islam, terrorismus, thriller, anschlag

Radikal

Yassin Musharbash
Flexibler Einband: 397 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2011
ISBN 9783462043389
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Es ist 8.40 Uhr, als in Berlin-Mitte eine Bombe explodiert, die mehrere Menschen tötet. Schnell ist klar, dass das Ziel Lutfi Latif war, der frisch gewählte muslimische Bundestagsabgeordnete der Grünen. Und ebenso schnell scheint klar zu sein, wer dahinter steckt: Al-Qaida, für die Latif ein Verräter war. Doch Latifs Mitarbeiterin Sumaya und der Terrorexperte Samuel haben Zweifel und beginnen auf eigene Faust zu ermitteln. Schnell gelangen sie auf die Spur radikaler Islamhasser, deren Verbindungen bis in die obersten Gesellschaftskreise reichen.
Was Musharbash hier aufzeigt, lässt einen schaudern angesichts dessen, was sich hinter der scheinbaren Wahrheit verbirgt. Radikale verüben Verbrechen und lassen andere Radikale dafür verantwortlich sein, um den Hass auf Dritte zu schüren. Oder werden Erstere doch nur gezielt eingesetzt, um die Ziele der zweiten Gruppe zu erreichen? Nichts ist wirklich klar und eindeutig, und auch die Medien werden eher benutzt, als dass sie tatsächlich zur Aufklärung beitragen. Durch die verblüffende Aktualität (auch angesichts der Ereignisse in Oslo) gewinnt der Thriller noch zusätzlich an Spannung und man fragt sich beim Lesen manches Mal: Ist das wirklich alles nur Fiktion???
Vier Punkte gibt es 'nur' deshalb, weil sich einige wenige Ereignisse doch etwas überstürzt und damit eher unglaubwürdig ereignen. Dennoch: Ein Thriller, den man gelesen haben sollte.

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Tags: berlin, gegenwart, islam, spannend, thriller   (5)

  

 

Clockers
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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

drogen, dealer, new york, usa, drogenmilieu

Clockers

Richard Price
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Harpercollins, 01.07.2001
ISBN 0060934980
Genre: Sonstiges

Rezension:

Obwohl dieser 800-Seiten-Wälzer ausschließlich im Drogenmilieu spielt, ist es kein Krimi oder Thriller im klassischen Sinn. Die beiden Hauptfiguren sind Rocco, Detective, und Strike, ein 'leitender' Clocker, einer der schwarzer Dealer die rund um die Uhr ihren Stoff verkaufen. Als sich in Strikes Umfeld ein Mord ereignet, gerät er in Roccos Visier.
Um einen solchen Plot herum einen 800-Seiten-Roman aufzubauen, würde sicherlich etwas langatmig ausfallen. Doch der Schwerpunkt dieser Geschichte liegt bei der Darstellung der beiden Protagonisten.
Strike, gerade 19 Jahre alt, ist nicht glücklich mit dem was er tut. Immer wieder macht er sich vor, dass er sofort aufhören würde, hätte er genügend Geld beisammen. Doch wann ist genug? Es ist die Furcht vor dem was danach kommt, die Unsicherheit wie er nach dem Drogenjob sein Geld verdienen soll, die ihn daran hindert eine entgültige Entscheidung zu treffen. Und die Angst vor seinem Boss Rodney, der offenbar völlig skrupellos ist.
Rocco, Anfang/Mitte 40, seit 20 Jahren im Dienst, plant ebenfalls auszusteigen, jedoch aus völlig anderen Gründen. Verheiratet mit einer vermögenden Frau und seit kurzem Vater, will er diesen 'Drecksjob' an den Nagel hängen. Doch immer wieder wird ihm klar, dass dieser Job sein Leben ist: das Aufklären von Morden, das Kämpfen für eine bessere Gesellschaft, die gemeinsamen Zeiten mit seinen Kollegen. Und als ein offensichtlich Unschuldiger des Mordes verdächtigt wird, setzt er alles daran, den wahren Täter herauszufinden.
Auch die weiteren Personen in diesem Roman sind überzeugend dargestellt: Strikes Bruder, der unter allen Umständen versucht, in dieser kriminellen Umgebung anständig zu bleiben und beinahe daran zugrunde geht; ihre Mutter, die mit ihren Möglichkeiten versucht, ihre Jungen zu anständigen Bürgern zu erziehen; die Kollegen Roccos, die an (fast) nichts mehr Gutes glauben. Nichtzuletzt ist es der rauhen, teils eher schlichten Sprache zu verdanken, die dem Ganzen einen unglaublich realistischen Klang gibt. Price gelingt es zum einen, das Bild eines Teils der Gesellschaft zu vermitteln, in der es einem dort Hineingeboren fast unmöglich gemacht wird, zu einem anständigen Bürger zu werden. Und zum andern den alltäglichen Kampf der Polizei gegen diese Kriminalität darzustellen, wie auch deren immer wiederkehrendes Scheitern.
Obwohl dieses Buch bereits 20 Jahre alt ist, ist ihm dies zu keiner Zeit anzumerken. Eine noch immer aktuelle und überaus spannende sowie vermutlich realistische Abbildung eines Teils unserer Gesellschaft, den die meisten von uns glücklicherweise wohl nicht kennen.

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Tags: drogenmilieu, gegenwart, new york, roman, spannend   (5)

  

 

Die Attentäterin
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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

israel, terrorismus, tel aviv, araber, palästina

Die Attentäterin

Regina Keil-Sagawe , Yasmina Khadra
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 05.08.2006
ISBN 9783312003808
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Kann man sich etwas Entsetzlicheres vorstellen? Der geliebte Mensch, den man sicher zu Hause wähnte, wird bei einem Bombenatttentat in Stück gerissen. Und als ob dies nicht schlimm genug wäre, erfährt Amin Jaafari, ein hoch angesehener Arzt und arabischer Israeli, dass seine Frau die Attentäterin dieses Anschlags war. Der Mensch, den man liebt und von dem man annimmt, ihn in- und auswendig zu kennen, verrichtet ein Massaker inmitten eines Kindergeburtstags. Für und um Jaafari herum bricht alles zusammen: Seine Liebe zu seiner Frau und ihre Liebe zu ihm scheinen plötzlich nur noch Illusionen und Täuschungen gewesen zu sein. Man verdächtigt ihn der Mitwisserschaft, schlägt ihn zusammen, will ihn von seiner Arbeit verjagen - doch zumindest seine Freunde stehen zu ihm.
Khadra schildert dieses Grauenvolle und kaum zu Ertragende so überzeugend, dass ich immer wieder innehalten musste, weil mir im wahrsten Sinne des Wortes der Atem stockte. Dazu die Verdächtigungen der Israelis ihm gegenüber, die sich nicht vorstellen können, dass er nicht eingeweiht war - ich fühlte mit ihm, wie sich seine sicher geglaubte Welt plötzlich in Nichts auflöst.
Und weshalb nun gemischte Gefühle? Als er sich auf die Suche nach den Hintergründen zu dieser Tat macht, die auch eine Reise in seine Vergangenheit wird, geht dieses Überzeugende verloren. Seine ungezügelten Aussetzer mögen zwar erklärbar sein, doch nachvollziehbar waren sie nicht für mich. Auch dass es ihn mehr schmerzt, dass seine Frau ihn betrogen haben könnte als dass sie als Selbstmordattentäterin handelte, wirkte nicht wirklich glaubwürdig. Hinzu kommen Ungereimtheiten im Text: In Bethlehem besucht er seine Verwandten und übernachtet dort, doch als er zu seiner alten Freundin Kim zurückkehrt, war er offenbar nur einen Tag weg.
Dennoch: Ein lesenswertes Buch, das überzeugend die Entstehung der Spirale von Gewalt und Gegengewalt schildert aus einer Welt, die wir ansonsten nur aus den Nachrichten kennen.

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Tags: dramatisch, gegenwart, israel, naher-osten-konflikt, palästina, roman   (6)

  

 

In Flammen
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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

england, spannend, vorurteile, krimi, 1999

In Flammen

Minette Walters , Sascha Icks
Audio-Kassette
Erschienen bei BMG Wort
ISBN 9783898300759
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Die 93jährige Lavinia Fanshaw und ihre Haushälterin wurden in ihrem Haus in dem kleinen Dorf Sowerbridge brutal ermordet. Sehr schnell fällt der Verdacht auf den arbeitslosen Iren Patrick O'Riordan, dessen Familie schon seit langem im Ort verachtet wird. Lediglich Siobham Lavenham, auch sie Irin, ist nicht überzeugt, dass Patrick der Täter ist.
Was auf den ersten Blick als klassischer Krimi erscheint, erweist sich jedoch vielmehr als eine Gesellschaftsstudie über Engstirnigkeit und Intoleranz, sieht man vom letzten Viertel dieses Hörbuchs ab. Walters zeigt minutiös auf, wie sich Vorbehalte und Vorurteile gegenüber einer Minderheit (hier die Iren) bis zur offenbaren Selbstjustiz immer weiter hochschaukeln ohne dass jemand dagegen einschreitet, sieht man von der Protagonistin Siobham ab. Sie, selbst irischer Abstammung, bekommt die Voreingenommenheit mancher ihrer Nachbarinnen und Nachbarn am eigenen Leib zu spüren und wird so auch zur 'Kämpferin' ihrer eigenen Sache, als sie versucht, Zweifel an der Schuld ihres Landsmannes zu wecken. Dass sie dabei selbst ihren eigenen Vorurteilen zum Opfer fällt, ist ein pikantes Detail am Ende.
Der Aufbau des Romans ist etwas kompliziert, insbesondere wenn man ihn als Hörbuch konsumiert, da zwei Handlungsstränge einander kapitelweise abwechseln: zum einen die gegenwärtigen Ereignisse, zum andern die Geschehnisse rund einen Monat zuvor. Dank Sascha Icks' geglückter Lesung gelingt es dennoch gut, sich schnell zurechtzufinden. Trotz nur geringer Akzentuierung der einzelnen Personen bringt sie es fertig, jede und jeden der Handelnden durch einen individuellen Tonfall darzustellen.
Die Lösung des Falles, die ca. ein Viertel des Hörbuches einnimmt, ist überraschend - vielleicht sogar etwas zu sehr. Dennoch: ein gutes Hörbuch in der der Krimi bis auf den letzten Teil eher eine Nebenrolle einnimmt.

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Tags: 1999, england, krimi, spannend, vorurteile   (5)

  

 

Rost
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38 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 21 Rezensionen

usa, arbeitslosigkeit, freundschaft, gefängnis, armut

Rost

Philipp Meyer , Frank Heibert
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 18.08.2010
ISBN 9783608938937
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Keine zwei Wochen umfasst der Zeitrahmen dieses Buches - doch es reicht um das Leben aller Beteiligten grundlegend zu ändern.
Ein trostloser, heruntergekommener Flecken in den Weiten von Pennsylvania: Isaac, ein zarter junger Mann um die 20, intelligent und wißbegierig, will weg wie seine Schwester, auf nach Kalifornien zum Studieren. Er bricht auf, ohne das Wissen des Vaters doch mit dessen Geld und hofft, dass ihn sein bester Freund Poe begleitet, der im Trailer seiner Mutter ohne Zukunftsaussichten in den Tag hineinlebt. Doch diesem fehlt die Energie für einen solchen Aufbruch, will Isaac jedoch noch ein Stück begleiten. Als sie in einem leerstehenden Gebäude vor dem aufkommenden Regen Schutz suchen, begegnen sie dort drei merkwürdigen Gestalten. Isaacs schlechte Vorahnungen trügen ihn nicht: Während er nach draußen verschwindet, versuchen die Männer Poe zu vergewaltigen. Isaac rettet seinen Freund indem er einen der drei tötet. Kurz darauf verschwindet er erneut ohne jedoch zu erfahren dass Poe wegen Mordes verhaftet wird.
Alle Figuren des Buches mühen sich ab mit der Frage nach dem Sinn des Lebens angesichts der allgegenwärtigen Trostlosigkeit und Düsternis rings um sie herum. Der einzige Lichtblick in diesem freudlosen Dasein ist die beständige Schönheit der sie umgebenden Natur. Während Isaac weiter auf dem Weg nach Westen ist, sich mühsam auf der Straße durchschlägt und beständig mit den Schuldgefühlen kämpft, die ihn seit dem Selbstmord seiner Mutter umtreiben, lernt Poe die harte Realität des Gefängnisalltags kennen. Den Sinn seines Lebens sieht er nun darin, seinem Freund all dies zu ersparen, er will die Schuld auf sich nehmen.
Parallel zur Geschichte von Isaac und Poe beschreibt Meyer den Niedergang der Stahlindustrie dieser Gegend in zwei Dimensionen: Die riesigen nun verlassenen Werke rosten vor sich hin und die Natur holt sich nach und nach wieder was man ihr mühsam abgetrotzt hatte. Im gleichen Maße kehrt auch die Gesellschaft wieder zu ihren Ursprüngen zurück: Nachdem 10.000e entlassen wurden, wird die zivilisatorische Schicht stetig dünner. Immer öfter gilt das Recht des Stärkeren, Gewalt und Diebstähle nehmen zu, das Rechtsbewußtsein im gleichen Maße ab. Isaac bekommt dies auf seiner Reise zu spüren: Als scheinbarer Penner identifiziert, wird er von Jugendlichen ohne Grund (Penner sein reicht) zusammengeschlagen.
Meyer zerpflückt den ‚Amerikanischen Traum’, dass es jede/r durch eigene Kraft nach oben schaffen kann. Er beschreibt wie durch Profitgier ganze Familien zerstört wurden, stolze Facharbeiter mit Stundenlöhnen zu 30 $ zu Verkäufern mit 4,50 $ pro Stunde degradiert wurden, Häuser massenweise geräumt und versteigert und völlig Verzweifelte auch vor dem Letzten nicht zurückschreckten.
Es ist das Porträt einer Gesellschaft die ihre beste Zeit hinter sich zu haben scheint und nur wenig Auserwählten die Möglichkeit bietet, am Leben teilzunehmen, denn: ‚Dass der Durchschnittsbürger keinen Job mehr hat, in dem er gut sein kann, da liegt doch das Problem’.
Meyers Erzählweise ist ungewöhnlich: Durch einen kleinen Kunstgriff gelingt es ihm, die Geschichte sowohl von außen mit Blick auf eine Person zu schildern aber auch deren Gedanken und Emotionen direkt miteinfließen zu lassen. Dies mag zu Beginn etwas verwirren, doch das Prinzip ist schnell zu durchschauen und bringt dem/der Lesenden die Protagonisten überaus nahe. Obwohl jedes Kapitel des Buches einer Person gewidmet ist und damit ständig die Sichtweise wechselt, fällt es nicht schwer dem Fortgang der Geschichte zu folgen.
Wer einen intensiveren Blick auf die heutige Gesellschaft (nicht nur der USA) sucht, ist mit diesem Buch bestens bedient. Als leichte Unterhaltungslektüre ist es denkbar ungeeignet.

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Tags: freundschaft, gegenwart, gesellschaftsroman, usa, wehmütig   (5)

  

 

Die Umarmung des Todes
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51 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

japan, rache, mord, liebe, thriller

Die Umarmung des Todes

Natsuo Kirino , Annelie Ortmanns
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag (HC), 06.05.2003
ISBN 9783442309177
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Was war das jetzt?
Mehr als 600 Seiten japanischer Thriller - aber irgendwie auch nicht.
Ein dickes Buch über vier Frauenschicksale die sich alle ein besseres Leben wünschen - doch das wäre zu wenig.
Eine unglaublich gelungene Mischung aus beidem, die einen zudem in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt - ja, das trifft es wohl besser.
Im Affekt bringt Yayoi ihren Mann um nachdem er ihr gestanden hat, dass er ihre gesamten Ersparnisse verspielte. Ihre drei Kolleginnen aus der Lunchpaket-Fabrik helfen ihr aus Mitgefühl, Solidarität, Geldgier (?) das Verbrechen zu vertuschen womit das Verhängnis seinen Lauf nimmt. Immer tiefer verstricken sie sich in Lügen und Täuschungen.
Dieses Buch ist stellenweise unerhört brutal, es stockt einem der Atem - jedoch nicht weil hier mit Lust entsetzliche, blutrünstige Dinge beschrieben werden. Es ist vielmehr die Nüchternheit mit der dies geschieht, die einen (mich) so fassungslos macht. Scheinbar völlig normale Frauen, die nur der Wunsch nach einem etwas besseren Leben verbindet, lassen alle Normen und Regeln hinter sich um so ihrem Traum etwas näher zu kommen. Doch ihre Schicksale sind so gut beschrieben, dass man diese Frauen zu verstehen und mit ihnen zu fühlen beginnt, sowohl im Guten wie im Schlechten.
Leicht zu lesen, aber nicht ganz so zu verdauen :-)

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Tags: düster, gegenwart, japan, thriller, tragik   (5)

  

 

Kürzere Tage
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63 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

stuttgart, familie, gesellschaft, kinder, ehe

Kürzere Tage

Anna Katharina Hahn
Fester Einband: 223 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 02.04.2009
ISBN 9783518420577
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Selten habe ich den Umschlag eines Buches als so passend empfunden wie bei diesem. Bürgerliche Fassade, doch bei genauerem Hinsehen offenbaren sich kräftige Risse.
Stuttgart, eine gut-bürgerliche Wohngegend. Hier wohnen die Gutverdiener, Familien bei denen die Welt noch in Ordnung zu sein scheint. Judith, verheiratet mit Klaus, Universitätsprof, zwei Söhne, Nur-Hausfrau. Ihre Ängste versucht sie mit Tabletten sowie mithilfe der Anthroposophie in Griff zu bekommen - jedoch nur äußerlich erfolgreich. Leonie, berufstätig, verheiratet mit einem erfolgreichen Mann der mehr für seinen Beruf lebt und zwei kleinen Töchtern ist zerrissen zwischen der Liebe zu ihrem Job und dem Wunsch, mehr für ihre Familie dazusein. Insgeheim beneidet sie Judith um deren scheinbares Idyll. Daneben gibt es Marco, einen 13jährigen Jungen der typisch für die Unterschicht zu sein scheint. Große Klappe, Fehlzeiten in der Schule - doch in Wirklichkeit... Und es gibt Luise, seit über 60 Jahren mit demselben Mann verheiratet. Und noch immer voller Liebe füreinander.
Die Autorin lässt abwechselnd immer eine andere ihrer Hauptpersonen zu Wort kommen. Durch den Wechsel der Zeiten mischt sie geschickt Gegenwart und Vergangenheit, so dass momentane Gedanken und Überlegungen direkt durch entsprechende Rückblicke begründet werden. Die beschriebenen Personen kommen einem auf diese Weise unerhört nahe.
Für Stuttgart-KennerInnen ist das Buch noch zusätzlich ein Genuss: Es gibt eine Vielzahl von Wiedererkennungseffekten. Nicht-KennerInnen haben hingegen vielleicht gelegentlich ein Verständnisproblem. Beispielsweise wenn von einem Elefanten in der Wilhelma die Rede ist, ist der Stuttgarter Zoo gemeint. Aber das sollte der Lektüre keinen Abbruch tun, das Buch ist auf jeden Fall lesenswert.

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Tags: gegenwart, lebensentwürfe, stuttgart, traurig   (4)

  

 

Engel
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7 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

leben am abgrund, roadmovie, drama, amerika, usa

Engel

Denis Johnson , Bettina Abarbanell
Fester Einband: 239 Seiten
Erschienen bei Fest, Alexander, 01.09.2001
ISBN 9783828601673
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Puh, wahrlich kein Buch für trübe Tage. Die betrogene Jamie verlässt mit ihren beiden kleinen Mädchen ihren Mann und fährt mit dem Greyhound-Bus quer durch die USA, um bei einer Verwandten Zuflucht zu finden. Unterwegs lernt sie Bill kennen, einen charmanten Tunichtgut, der sich mit Diebstählen, Überfällen u. ä. über Wasser hält. Sie verlieben sich und reisen gemeinsam weiter, sich immer knapp am Rande des Existenzminimums befindend. Als sie alle bei seiner Familie halt machen, kommt es bei der Durchführung von Bills Plan eines großen Coup zu einer Katastrophe.
Wie schon geschrieben, dies ist wirklich kein Buch für schlechte Tage. Der komplette Roman schildert das Leben am Abgrund bzw. kurz davor, gekennzeichnet durch die ständige Suche nach Geld und Glück, geprägt durch Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Warum man so etwas dennoch lesen sollte? Weil es ein Stück großartige Literatur ist. Johnson gelingt es die ganze trostlose Atmosphäre überdeutlich zu vermitteln, das langsame Abrutschen bis zum Bodensatz der Gesellschaft und die verzweifelten Bemühungen, daraus wieder hervorzukommen.
Bereits 1983 erschien dieses Buch in den USA, doch es wirkt so aktuell wie eh und je.

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Tags: drama, hoffnungslos, leben am abgrund, usa   (4)

  

 

Atmen einstellen, bitte!
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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

innenansichten, 2000, peking, ernst, strittmatter

Atmen einstellen, bitte!

Kai Strittmatter , Roland Koch
Audio CD: 2 Seiten
Erschienen bei Picus Verlag
ISBN 9783854526568
Genre: Sonstiges

Rezension:

Auch wenn dieses Audiobuch nun schon acht Jahre alt ist - es ist noch immer ein Gewinn es zu hören.
Strittmatter, als Korrespondent der 'Süddeutschen Zeitung' in Peking, vermittelt Einblicke in das Leben, die Gefühle und die Gedanken der dort lebenden Menschen. Ernstes wie auch Amüsantes findet hier seinen Platz, Einblicke in die Pekinger Punkszene stehen neben Erinnerungen an das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Die vielfältige Glaubenswelt wird ebenso dargestellt wie die barbarische Vorgehensweise der Regierung mit den traditionellen historischen Gebäuden und deren Bewohner.
Insgesamt sind es 12 Beiträge mit knapp 140 Minuten, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Alltags in Peking auf humorvolle wie auch eindringliche Art und Weise befassen.
Fünf Sterne hätte das Hörbuch verdient - ja, wenn nur nicht der Sprecher wäre. Roland Koch liest weitgehend monoton den Text herunter, von Betonung und/oder Akzentuierung keine Spur. Schade, es wäre sonst perfekt gewesen.

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Tags: 2000, amüsant, china, ernst, innenansichten, peking, strittmatter   (7)

  

 

German Angst
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25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

münchen, thriller, rassismus, beklemmend, gegenwart

German Angst

Friedrich Ani
Flexibler Einband: 555 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 01.01.2002
ISBN 9783426620540
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Außerordentlich realistischer Thriller: Nazis entführen eine Deutsche, um so die Ausweisung ihres nigerianischen Verlobten und dessen 14jähriger krimineller Tochter zu erzwingen. Es entsteht ein Medienrummel ohnegleichen. Ich musste das Buch immer wieder weglegen, weil es einfach unerträglich ist.
Zu diesem Buch gibt es eine Menge Verrisse: Hauptvorwurf: zu klischeebeladen. Meiner Meinung können diese Leute es lediglich nicht akzeptieren, dass ihnen ein Spiegel vorgehalten wird, der ihnen nur zu deutlich zeigt, wie weit verbreitet Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in unseren Landen noch ist.

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Tags: beklemmend, brd, gegenwart, rassismus, thriller   (5)

  

 

Mein deutsches Dschungelbuch
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deutschland, humor, provinz, russland, lustig

Mein deutsches Dschungelbuch

Wladimir Kaminer
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 01.10.2005
ISBN 9783442459452
Genre: Comic & Humor

Rezension:

Endlich, mein erster Kaminer :-) Es soll zwar deutlich bessere Bücher von ihm geben, mir hat das Dschungelbuch dennoch gefallen. In kurzen Geschichten beschreibt er die Städte, Menschen und/oder Erlebnisse, die ihm auf seinen Lesereisen begegnen. Obwohl er sich meist nur wenige Stunden vor Ort aufhält, gelingt es ihm vielfach, das Wesentliche zu benennen (ich denke beispielsweise an Kiel, Osnabrück und Northeim, gilt aber auch für viele andere). Da mir rund drei Viertel der beschriebenen Örtlichkeiten mehr oder weniger gut bekannt sind, muss ich sagen: Der Wiedererkennungswert ist recht hoch - und das steigert die Freude beim Lesen beträchtlich. Allzuviel Tiefgang sollte man nicht erwarten, dazu sind die Geschichten einfach zu kurz.
Zusammengefasst: Menschen, denen die vorkommenden Lokalitäten bekannt sind, werden ihre Freude an diesem Buch haben; für die Anderen mag es etwas dröge sein.

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Tags: deutschland, gegenwart, humorvoll, reisebericht   (4)

  

 

Abraham zwischen den Welten
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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

nonfiction, gegenwart, gesellschaftsbeschreibung, israel

Abraham zwischen den Welten

Thorsten Schmitz , Helmut Berger
Audio CD
Erschienen bei Picus Verlag
ISBN 9783854526506
Genre: Sonstiges

Rezension:

So häufig wie Israel in den Nachrichten erwähnt wird - da meinen vermutlich viele, dieses Land zu kennen, obwohl sie noch nie dort waren. Doch auch nach einem Besuch bieten diese Berichte noch einiges an Überraschungen - Israel wie man es nicht kennt. Schmitz stellt in seinen Reportagen anhand der unterschiedlichsten Menschen die Gesellschaft dieses Landes dar: Abraham, der aus einer orthodoxen Familie in das moderne Leben nach Tel Aviv geflüchtet ist; Dahlia, die ihr ganzes Leben nur der Unterstützung ihrer Familie, ihren Freunden und all denen, die sie brauchen, widmet; Siva Mogos, die mit ihrer Familie aus Äthiopien kam; Familie Dorom, deren Sohn Itama religiös und von Palästinensern ermordet wurde; und und und.
Der Autor erzählt nicht nur deren Geschichten, sondern liefert auch Hintergrundinformationen, die manches, was ansonsten in vielen 'normalen' Zeitungen zu lesen ist, in anderem Licht erscheinen lassen. Das Ganze manchmal ernst, manchmal witzig, aber immer spürt man die Sympathie, die Schmitz für dieses Land hegt.
Helmut Berger liest dies in einer sehr ansprechenden Art und Weise - es macht einfach Freude ihm zuzuhören.

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Tags: gegenwart, gesellschaftsbeschreibung, israel, nonfiction   (4)

  

 

Anleitung zur Langsamkeit
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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

informativ, achtsamkeit, gegenwart, entschleunigung, hilfreich

Anleitung zur Langsamkeit

Brigitte Röthlein , Erik Liebermann
Flexibler Einband: 222 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2007
ISBN 9783492244558
Genre: Ratgeber

Rezension:

Die Autorin bringt eine Menge an (scheinbar) wahren Beispielen für ein nicht so glückliches Leben, die sie mit Hintergründen aus der Wissenschaft anreichert. Das Spektrum reicht dabei über Psychologie, Biologie, Meteorologie und noch einiges mehr, aber immer in leicht verständlicher Form.
Sehr schön finde ich ihre Tipps, die sie im Text immer wieder dazwischenstreut. Sie sind meist kurz gefasst und entsprechend leicht anzuwenden. Bsp.: 'Essen Sie nie im Stehen' oder 'Singen macht glücklich. Wenn Sie das nächste Mal in der Dusche sind oder allein im Auto sitzen, singen oder pfeifen Sie, so laut Sie können.'
Alles in allem, sehr hilfreich und alltagstauglich!!!

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Tags: achtsamkeit, entschleunigung, gegenwart, hilfreich, informativ, lebensratgeber   (6)

  

 
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