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Panther im Keller
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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

israel, verrat, feindschaft, freundschaft, 1947

Panther im Keller

Amos Oz , Vera Loos , Naomi Nir-Bleimling
Fester Einband: 185 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 08.02.1997
ISBN 9783446185661
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Erez Israel, 1947: Profus, 12 Jahre alt, hat mit zwei Freunden eine Untergrundorganisation gegründet, deren Ziel es ist, die Briten aus Israel zu vertreiben. Doch zufällig lernt er einen britischen Soldaten kennen den er immer wieder trifft, um sich gegenseitig hebräisch und englisch beizubringen. Profus' Sympathien für den Briten verwirren ihn: Es ist der Feind, ihn kann man nicht mögen, nein, man darf es nicht. Und so macht er sich vor, ihn nur zu treffen um ihn auszuhorchen.
Auch wenn durch das Alter des Protagonisten suggeriert wird, es handle sich um ein Kinderbuch, ist es wohl eher für Jugendliche und Erwachsene, denn erzählt wird es von Profus' Jahrzehnte später, der sein außergewöhnliches Interesse an Sprache, Worten und Wissen zum Beruf gemacht hat, was sich in der Schreibweise des Buches niederschlägt (beispielsweise wie er als 12jähriger überlegt, wie erschlagen, verschlagen, beschlagen und übereinanderschlagen zusammenhängen. Oder die 13seitige Beschreibung der Bibliothek seines Vaters, die wie eine Armee dargestellt wird - genial!). Trotz seiner durchaus altersgerechten Träume, Fragen und Interessen (die Untergrundorganisation baut ein U-Boot, das im Lavastrom nach London fahren und dort eine Bombe hochjagen soll ;-)), die mich stets auf's Neue schmunzeln ließen, stellt er sich immer wieder Fragen wie: Wann ist man ein Verräter? Wieso kann der britische Soldat nicht einfach bei uns am Tisch sitzen? Ganz beiläufig taucht auch das Grauen des III. Reiches auf: Wenn erwähnt wird, dass die Familien von Vater und Mutter von Hitler umgebracht wurden. Oder die Schicksale der Nachbarn, die eher am Rande erzählt werden, aber nichtsdestotrotz das Monströse dieser Zeit zeigen. So wechselt man von einer Stimmungslage in die nächste: Man hält bestürzt den Atem an, um dann eine Seite weiter über die Gedanken Profus' zu schmunzeln und im nächsten Kapitel herrliche Beschreibungen wie die über die Bibliothek zu lesen.
Unglaublich gut geschrieben und trotz des zeitweise sehr ernsten Themas einfach schön zu lesen - das war nicht mein letztes Buch von Amos Oz!

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Tags: 1947, amüsant, israel, jugendbuch, traurig, verrat   (6)

  

 

Wassermusik
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(123)

212 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

afrika, niger, mungo park, abenteuer, london

Wassermusik

T. C. Boyle , Werner Richter (Übers.)
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.01.1990
ISBN 9783499125805
Genre: Historische Romane

Rezension:

Mungo Park, der große Afrikareisende, der unbedingt den Verlauf des Nigers erkunden wollte, ist die Hauptperson in diesem historischen Abenteuerroman. Daneben sind Ned Rise, ein schlitzohriger Überlebenskünstler aus London, der immer wieder aufs Neue um seine Existenz kämpft und Ailie, die künftige Frau Mungo Parks, die beiden anderen Protagonisten in diesem Buch. Erzählt werden immer wieder abwechselnd aller drei Leben, beginnend zum Zeitpunkt der ersten Afrikareise Parks.
Boyle hält sich an das Grundgerüst der Informationen, die hauptsächlich durch Mungo Parks eigenes Buch 'Travels in the Interior of Africa' bekannt wurden. Darüber hinaus aber lässt er seiner Phantasie freien Lauf, was diesen Reisebericht zu einer opulenten und außergewöhnlich fesselnden Leküre macht. Boyles schreibt unglaublich bildhaft, sodass man nicht nur Afrikas Gerüche, Städte und Wildnis vor Augen hat, sondern ebenso das dreckige, verwahrloste London der damaligen Zeit. Ein kleines Beispiel: "...Da kommen abrupte Abhänge, Hügel und Täler, Grate und Rinnen, Ciboa-Haine sind dunkle Flecken in den Tälern, und mächtige Tabbas, mit Stämmen so dick wie Big Ben, wachen still auf den Gipfeln. Unter ihren Füßen welkes Guineagras und Ginstergestrüpp voller Kletten und Dornen. Überall lauern Schlangen, Skorpione, Spinnen so groß wie Omelettes...". Boyle übertreibt und dramatisiert, aber es passt zu dieser Zeit und diesen Geschehnissen, wo wohl vieles ins Extreme abglitt.
Wer phantasievolle, ausufernde Literatur liebt, wird mit diesem Buch sicherlich viel Freude haben. AbenteuerliebhaberInnen, die lieber realitätsgetreue Lektüren mögen, sind vermutlich nicht so begeistert.

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Transit
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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

drittes reich, flüchtlingsschicksal, sprecher: peter lieck/ christoph lindert, hörspiel, iii. reich

Transit

Anna Seghers
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, DAV, 01.08.2007
ISBN 9783898136839
Genre: Literatur vor 1945

Rezension:

Frankreich im zweiten Weltkrieg. Ein junger Deutscher flieht aus einem Konzentrationslager nach Paris, wo er zufälligerweise an die Hinterlassenschaften eines Toten gerät, zwischen denen sich unter anderem ein Einreisevisum nach Mexiko befindet. Er reist weiter nach Marseille, wo viele andere Flüchtlinge auf eine Möglichkeit warten, in ein anderes Land zu fliehen. Mit dem Einreisevisum nach Mexiko beginnt er, sich unter dem Namen des Toten die weiteren Transitpapiere zu beschaffen und lernt dabei Marie kennen, die Frau des Verstorbenen.
Das Hörspiel (keine Lesung!) vermittelt überzeugend die Atmosphäre in der damaligen Hafenstadt. Der Ich-Erzähler berichtet nicht nur von seinen vergeblichen aber auch erfolgreichen Bemühungen, die notwendigen Papiere zu besorgen, sondern schildert auch manches Schicksal, das seinen Weg kreuzt. Menschen, die monatelang warten, der Wilkür der Behörden ausgeliefert sind, endlich ihre ersehnten Papiere in den Händen halten und dann doch nicht ausreisen können, weil der Tod schneller war. Oder die, die das letzte benötigte Dokument erst erhalten, wenn das erste schon wieder ungültig ist. Und alle wünschen sich nichts sehnlicher, irgendwohin zu gelangen, wo sie in Sicherheit sind - und vermissen trotzdem ihre Heimat.
Dieses Hörspiel ist wirklich toll umgesetzt und man bekommt eine Ahnung davon, wie grausam es sein muss, auf der Flucht zu sein. Obwohl die Buchvorlage dazu vor fast 70 Jahren geschrieben wurde, glaubt man ein aktuelles Stück Literatur vor sich zu haben. Hörenswert!
Einen Punkt Abzug gibt es für die gelegentlichen zu lauten Hintergrundgeräusche (Kneipe, Straße), die manchmal die eigentlichen Stimmen beinahe völlig untergehen lässt.

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Tags: flüchtlinge, hörspiel, iii. reich, marseille, traurig, verfolgung   (6)

  

 

Dunkle Gewässer
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(20)

34 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

texas, mord, osttexas, skunk, krimi

Dunkle Gewässer

Joe R. Lansdale , Hannes Riffel
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Tropen bei Klett-Cotta, 21.02.2013
ISBN 9783608501315
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Osttexas, in der Zeit der 'Great Depression' (also 1929/30), als es den Menschen so richtig übel ging.
Als Sue Ellen, die 16jährige Ich-Erzählerin, ihren Vater und Onkel zusammen mit ihren FreundInnen Jinx und Terry zum Angeln begleitet, finden sie die Leiche der gleichaltrigen May Lynn, verschnürt und mit einer Nähmaschine beschwert. Doch niemand ist an einer Aufklärung, wie sie zu Tode kam, interessiert und so wird sie kurzerhand verscharrt. Doch ihre Freunde wollen sich damit nicht abfinden, graben ihre Leiche aus und verbrennen sie, um ihre Asche nach Hollywood zu bringen. Dabei entdecken sie, dass May Lynn eine Menge Geld versteckte, hinter dem plötzlich eine Schar von Leuten her ist. Es beginnt eine wilde Jagd entlang dem Fluss Sabine, der die Flüchtlinge samt Asche nach Gladewater bringen soll...
Wow, das ist wirklich Abenteuer pur! 320 Seiten packende Lektüre, die zeitweilig vielleicht etwas überzogen wirken mag (Leiche ausbuddeln, ein Killer der wie eine Figur aus einer Geisterbahn wirkt, jede Menge Tote undundund), aber zum Jargon Sue Ellens und der damaligen Zeit dann doch wieder voll und ganz passt. Die einzelnen Charaktere sind herrlich speziell und nicht das kleinste bißchen klischeehaft: Sue Ellen, tough und mit einem wunderbar trockenem Humor, die kluge, völlig rationale Jinx, die für alles und jeden die passende Entgegnung hat und Terry, der gutaussehende schwule Freund mit einer erstaunlichen Bildung für diesen Landstrich und diese Zeit. Wie diese Drei (und noch ein paar mehr) sich gegen alle Widrigkeiten mit mehr Glück als Verstand durchschlagen, ist einfach großartig zu lesen. Dazu die sehr eindrucksvolle Beschreibung dieser Gegend (man merkt, dass der Autor von dort kommt) - ich bin in diesem Buch förmlich versunken und habe es mehr oder weniger in einem Rutsch verschlungen.
Klasse! Für Freunde von Abenteuerliteratur ein unbedingtes Muss!!!

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Tags: 1930, abenteuerroman, osttexas, packend, spannend   (5)

  

 

Parallelgeschichten
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(10)

25 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

1956, 2000, peterr nadas, unstet, langatmig

Parallelgeschichten

Péter Nádas , Christina Viragh
Fester Einband: 1.723 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 14.02.2012
ISBN 9783498046958
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Ich glaube es kaum, ich habe es geschafft. 1724 Seiten sind gelesen - und die waren nun wirklich keine Wonne. Wer immer sich an dieses Buch heranwagt, der/dem sollte klar sein, dass es sich um keine durchgängige Geschichte handelt. Einzelne Personen bzw. Familien tauchen zwar immer wieder auf, doch stets wird auch die Gelegenheit genutzt, den Spuren anderer Personen zu folgen. Hauptsächlich ereignen sich die Begebenheiten in Ungarn zu Ende der 60er Jahre und kurz oder während des Ungarnaufstandes 1956/57 sowie in Deutschland kurz vor (oder nach) der Jahrtausendwende und während des Dritten Reiches. Die Geschichten springen hin und her und das einzig Verbindende sind insbesondere im ersten und zweiten Teil die Fixiertheit des Autors auf die Beschäftigung mit Geschlechtsorganen und der Verdauungstätigkeit. Ach ja, und die fast durchgehend meist zutiefst unglücklichen Protagonisten, eingebunden in Zwänge und Pflichten die sie nicht wollen. Zudem sind sie fast alle zumindest latent schwul oder lesbisch. So etwas mag im Einzelfall vielleicht schön zu lesen sein, aber über 1724 Seiten wieder und wieder - sorry, das ist einfach nervig.
Falls es so etwas wie einen roten Faden oder einen Mittelpunkt gibt, ist der vielleicht am ehesten bei der Familie Lehr aus Budapest zu finden. Professor Lehr, frührer Berater der Nazis, jetzt der Kommunisten, liegt im Sterben. Seine unglückliche Ehefrau Erna trauert der Liebe zu einer Niederländerin nach, die einzige Tochter wurde verschleppt und tauchte nie wieder auf und Agóst, der einige Sohn, lebt seit seiner Rückkehr aus dem Ausland, wo er als Spion arbeitete, mit seiner momentanen Freundin Gyöngyver wieder daheim. Dazu kommt noch Kristof, der Neffe Ernas, dessen Mutter mit einer Frau nach Paris verschwand und dessen Vater von seinen Genossen hingerichtet wurde. Er träumt von Erlebnissen mit Männern, traut sich aber kaum, diese Träume auch zu verwirklichen. Gyöngyver träumt von einer Karriere als Sängerin, bisher aber recht erfolglos und fühlt sich erstaunlicherweise von Erna angezogen, wie auch andersherum. Dann gibt es noch Agósts Freunde, von denen aus eine Verbindung ins Dritte Reich besteht, die ebenfalls erzählt wird. Ernas Kartenrunde, ein deutsches KZ mit Wärtern und Aufsehern, deren Nachkommen ebenfalls eine Rolle spielen undundund. Dies könnten alles wirklich spannende und unterhaltende Geschichten sein, wenn Nádas nicht so unglaublich langatmig erzählen würde. 50 Seiten über einen Geschlechtsakt, der weder unterhaltsam noch erotisch ist sondern schlicht sachlich technisch und unterkühlt. Seitenlange Pseudobeziehungsgespräche oder Selbstreflexionen, die ohne Ergebnis enden - 700 bis 800 Seiten weniger hätten dem Buch sicherlich gut getan.
Dass Nádas jedoch gut erzählen kann, merkt man auch in diesem Mammutwälzer: Einzelne Kapitel sind packend und fesselnd erzählt und immer wieder kommt es vor, dass man vor Spannung oder Abscheu die Luft anhält. Leider viel zu selten.
Zuguterletzt kann ich nur noch schreiben dass ich hoffe, dass der Autor nicht dieselbe Überzeugung hat, die dieses Buch mir vermittelt. Dass die Menschen grundsätzlich triebhafte Lebewesen sind, die nur durch Zwänge von außen bzw. selbstauferlegte unter Kontrolle zu halten sind. Fallen diese Zwänge weg, bricht das Animalische aus, dass sich ansonsten nur beim Sex oder diesen vielfach beschriebenen Verdauungstätigkeiten einen Weg bahnt. Und dieses Animalische endet dann in einer Katastrophe, wie uns das Schicksal Balters im letzten Kapitel zeigt, oder beispielsweise die Geschichte der Juden im Dritten Reich. Denn machten sich die Nazis nicht frei? Arbeit macht frei?

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Tags: 1956, 2000, deutschland, iii. reich, langatmig, roman, ungarn, unstet, verworren, zäh   (10)

  

 

Heinz Ohff: Der grüne Fürst - Das abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau
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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

england, frankreich, abenteuerlich, biographie, fürst pückler von muskau

Heinz Ohff: Der grüne Fürst - Das abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau

Heinz Ohff
Flexibler Einband
Erschienen bei Piper, 01.01.1998
ISBN B007DV5QRQ
Genre: Sonstiges

Rezension:

Etwas älteren EisesserInnen dürfte die Bezeichnung 'Fürst-Pückler-Eis' durchaus noch geläufig sein - aber wissen sie auch, wer der Namensgeber war? Ein Abkömmling des Hochadels, geboren 1785, Sympathisant der Revolution, Schriftsteller, Reisender, Landschaftsgartengestalter, Dandy, Abenteurer und ein Liebhaber der Frauen – aller Frauen. Casanova dürfte neidisch werden, wenn man ihm von Hermann Pückler-Muskaus Eroberungen berichten würde. Doch dies ist nur ein Aspekt seiner Persönlichkeit, wenn auch kein unwesentlicher.
Heinz Ohff schildert diesen faszinierenden Menschen in derart schillernden Farben und Formen, dass man wie gebannt diesen Lebenslauf verfolgt. Er lässt ihn ebenso durch seine Schriften selbst zu Wort kommen, so dass man sich einen Eindruck von seinen literarischen Fähigkeiten machen kann. Pückler formuliert spitz, mit Witz und Spöttelei, aber spart auch nicht mit Selbstironie, was ihn überaus sympathisch wirken lässt. Auch Zeitgenossinnen und Zeitgenossen kommen zu Wort und so formt sich nach und nach das Bild eines Menschen, der hochintelligent und seiner Zeit weit voraus war.
Eine fesselnde, ausgezeichnet geschriebene Biographie, mit der man nicht nur den Menschen Hermann Pückler-Muskau kennenlernt, sondern zudem viel über die Welt am Anfang und in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfährt.

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Tags: 19. jh, abenteuerlich, amüsant, biographie, england, frankreich, fürst pückler von muskau, italien, literarisch, preußen, spannend   (11)

  

 

Wir sind doch Schwestern
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103 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

familiengeschichte, schwestern, familie, niederrhein, roman

Wir sind doch Schwestern

Anne Gesthuysen
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 01.11.2012
ISBN 9783462044652
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Ein großes Fest steht an: Gertrud feiert ihren 100. Geburtstag, den ihr ihre jüngste Schwester Katty (84 Jahre) auf dem Tellemannshof ausgerichtet hat. Auch die dritte Schwester, die 98jährige Paula ist selbstverständlich mit dabei und neben den Festvorbereitungen gilt es auch, die Folgezeit zu planen. Doch nicht nur Zukünftiges wird besprochen, bei solch langen Lebensläufen kommt natürlich auch Vergangenes mit ins Spiel - und dies sind nicht nur freudige Gespräche. Manch Unausgesprochenes liegt noch zwischen den Schwestern und sorgt so immer wieder für Verstimmung zwischen den Dreien.

Ich tat mich schwer mit diesem Buch und zwar aus unterschiedlichen Gründen.
Sprachlich ist die Lektüre keine Offenbarung, der Satzbau ist zumeist recht einfach gehalten, sodass bei längerem Lesen (mehr als 50 Seiten) Ermüdungserscheinungen auftraten.
Doch wesentlich mehr ärgerten mich zwei der drei Hauptfiguren. Bis zum Ende des Buches gelang es mir nicht, Gertrud und Katty als sympathische Personen zu sehen, ganz im Gegenteil: Während ich zu Beginn zumindest noch von Kattys offener Art angetan war, ärgerte ich mich von Seite zu Seite mehr über sie wie auch über ihre Schwester. Machtbesessen, rücksichtslos, engstirnig und intolerant die Eine; spießbürgerlich, pedantisch, nachtragend und unduldsam die Andere. Von zwei Frauen mit dieser Intelligenz und Kenntnissen hätte ich ein bisschen mehr Selbstreflektion und 'über den Tellerrand hinausblicken' erwartet, auch wenn sie am Ende des 19. bzw. am Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wurden. Statt dessen opfert die Eine für Macht ihre Liebe und stößt eine frühere Klassenkameradin ins Verderben, während die Andere sich über Kleinigkeiten mokiert sowie ihrer ersten und praktisch einzigen Liebe voller Verbitterung hinterhertrauert. Lediglich Paula überzeugt als sympathischer Charakter, die stets Optimistische, die voller Fröhlichkeit und Empathie daherkommt.
Die geschichtlichen Hintergründe, das gesamte 20. Jahrhundert, das von den Schwestern durchlebt wurde, taucht immer wieder in den einzelnen Rückblicken auf, wenn auch für mein Gefühl mehr am Rande. Man erfährt von Adenauer und Heinrich Lübke, die den Tellemanshof besuchten, vom 1. und 2. Weltkrieg, die als Zeit der Entbehrung dargestellt wurden, aber auch nicht mehr oder weniger.
Alles in allem: Na ja.... Wer Familiengeschichten liebt, hat vermutlich schon bessere gelesen als da wären 'Hannas Töchter' oder 'Wilde Schwäne' (dies aber besser im Original). 'Wir sind doch Schwestern' ist nicht völlig schlecht, aber auch nicht wirklich gut - liest man es nicht, hat man nichts verpasst.

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Tags: 20. jahrhundert, deutschland, familie, roman, schwestern   (5)

  

 

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Roman Aus d. Tschech. von Susanna Roth aus dem Nachlaß Gerhard Löwenthal
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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

diktatur, liebe, roman, prag, zürick

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Roman Aus d. Tschech. von Susanna Roth aus dem Nachlaß Gerhard Löwenthal

Milan Kundera
Fester Einband
Erschienen bei Hanser, München, 01.01.1988
ISBN B002XVCWEQ
Genre: Sonstiges

Rezension:

Als Liebesgeschichte wird dieses Buch beschrieben, es gilt das glaubhafteste Liebespaar der modernen Literatur zu entdecken - doch um ehrlich zu sein, empfand ich genau das viel eher als Randgeschichte. Teresa und Tomas sind die Hauptfiguren in diesem Roman und man folgt ihrer zeitweise recht schwierigen Beziehung durch die Zeit. Tomas ist ein notorischer Fremdgänger trotz seiner Liebe zu Teresa, und daran ändert sich auch nichts, als sie die Tschechei verlassen und nach Zürich ziehen. Tomas trifft dort seine 'alte' Freundin Sabina wieder und sie und ihr späterer Geliebter Franz sind das zweite Liebespaar, von dem erzählt wird. All dies wie auch die Rückkehr von Teresa und Tomas nach Prag ereignen sich vor dem Hintergrund des Einmarsches der sowjetischen Truppen in die Tschechei.
Und genau dies ist das eigentlich Thema des Buches: Das Verhalten der Menschen zueinander und sich selbst gegenüber unter den erdrückenden Bedingungen des Lebens in einer Diktatur. Wie verändern sich die Menschen, Werte, Ideale? Kundera wechselt dazu in seinem Buch zwischen einer Art Essay, in dem verschiedene Überlegungen dargestellt werden und der 'normalen' Erzählform, mit der die Geschichten der Protagonisten wiedergegeben werden. Leider nicht chronologisch, sondern immer wieder gibt es Zeitsprünge, so dass es mir nicht gelang, den Figuren wirklich nahe zu kommen. Alles in allem hatte ich häufiger den Eindruck, eine politisch-sozial-philosophisch-psychologische Abhandlung zu lesen als einen Roman. Doch vielleicht ist dieses Buch einfach auch ein Kind seiner Zeit. Vor knapp 30 Jahren waren solche Gedanken vermutlich recht neu und die beschriebenen gesellschaftlichen Situationen hochaktuell und brisant, während sie heute weit entfernt erscheinen.
Wer also eine Liebesgeschichte zum Schmökern sucht, sollte sich eine andere Lektüre wählen.

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Tags: 1968, diktatur, liebe, prag, roman, zürick   (6)

  

 

Finsterau
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60 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 33 Rezensionen

finsterau, mord, krimi, nachkriegszeit, afra

Finsterau

Andrea Maria Schenkel
Fester Einband: 124 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 01.03.2012
ISBN 9783455403817
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Kurz nach dem II. Weltkrieg: In Finsterau, tief im Bayrischen Wald, werden die junge Afra und ihr kleiner unehelicher Sohn mit einem Hackbeil erschlagen in ihrem Zuhause aufgefunden. Daneben sitzt ihr Vater, blutverschmiert, nicht ansprechbar. Die Sache scheint klar: Er hat beide getötet aus Wut auf den losen Lebenswandel seiner Tochter. 18 Jahre später lallt ein völlig betrunkener Hausierer im Gasthaus von Finsterau, er wüsste, dass für einen bestimmten Mord der Falsche verurteilt wurde. Als der Wirt bei dem Zecher ein Bild des hiesigen Staatsanwalts von früher findet, erzählt er dem Juristen von seiner Entdeckung, der den Fall daraufhin noch einmal unter die Lupe nimmt.
Andrea Maria Schenkels Schreibstil ist speziell. Es gibt keinen chronologischen Ablauf, sondern diverse Beteiligte berichten, wie sie damals die Situation erlebt haben. Daneben steuert Afras Geschichte unaufhaltsam auf den grausamen Moment zu und man (also ich ;-)) weiß wirklich bis zum Schluss nicht, wer nun der Täter war. Dieses fast in Dokumentarform erzählte Verbrechen ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Die einzelnen Abschnitte sind recht kurz und jeweils im Stil der erzählenden Person verfasst, so dass ein durchgehender Lesefluss wie beim Lesen eines 'normalen' Romans eher nicht entsteht. Stattdessen ist es mehr wie das Lesen einer Gerichtsakte, was (zumindest für mich) die Spannung dennoch nicht mindert. Durch die Anpassung der Sprechweise an die jeweiligen Personen wirkt das Ganze ausgesprochen authentisch - schade jedoch, dass es kein Glossar gibt. Denn insbesondere bei den Schilderungen von Afra und auch ihrem Vater werden sehr viele, damals wohl gängige, Ausdrücke benützt, von denen ich nur Bahnhof verstehe (Höll, Grand, anhabisch...).
Besonders beeindruckte mich wie es der Autorin gelingt, einem beim Lesen klar zu machen, wie schnell und leicht man die einfachsten Dinge fehlerhaft interpretiert und damit zu einem falschen Urteil kommt. Beispielhaft sind hier die zwei Abschnitte, in denen der gleiche Sachverhalt aus zwei Sichtweisen erzählt wird. Und plötzlich sieht alles, alles ganz anders aus.
Abzug bei der Punktzahl gibt es für den meiner Meinung nach völlig überzogenen Preis bei gerade einmal 110 Seiten ('netto').

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Tags: 1947, bayrischer wald, düster, krimi   (4)

  

 

Imperium
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94 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

kolonialismus, kokosnuss, vegetarismus, südsee, aussteiger

Imperium

Christian Kracht
Fester Einband: 242 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2012
ISBN 9783462041316
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Nachdem ich am Rande den 'Skandal' mitverfolgt hatte den dieses Werk verursachte (an rassistisch und demokratiefeindlich kann ich mich noch erinnern), frage ich mich nicht nur nach dem Lesen der letzten Seite, ob es wohl wirklich dieses Buch war, über das damals so geurteilt wurde. Ja, es handelt von der Zeit des Kolonialismus, als viele Deutsche sich als Herren dieser Welt fühlten und auch so aufführten, sie die Bewohner ihrer Kolonien meist mehr wie Tiere denn als Menschen behandelten. Und auch ja, Christian Kracht beschreibt diese Zeit ausgesprochen detailgenau und bildhaft, aber in keiner Weise als würde er sie glorifizieren oder sogar befürworten.
Es ist die Geschichte des Aussteigers August Engelhardt, der nicht nur vom Vegetarismus sondern auch von der Einzigartigkeit der Kokosnuss nicht nur als Lebensmittel überzeugt ist. Er emigriert nach Neu-Guinea wo er sich mit seiner ganzen Barschaft und entsprechenden Schuldscheinen ein völlig überteuertes Eiland kauft, um dort seinen Traum, die Erschaffung einer Kolonie der Kokovoren, zu verwirklichen.
Kracht beschreibt dieses Leben nebst all den Personen und der Gesellschaft, auf die der Aussteiger trifft, in zumeist ausufernden Satzgebilden so detailliert und anschaulich, immer mit einem leicht ironischen Unterton, wie es bereits die schön gestalteten Umschlagseiten vermitteln. Das Ganze dazu in einer herrlich altmodisch klingenden Sprache, gespickt mit diversen Fremdworten, die der Autor konsequent bis zur letzten Seite durchhält. Unterhaltend fand ich zudem das Auftauchen bekannter historischer Persönlichkeiten, die zwar nie namentlich genannt wurden, aber mit gut fundiertem Halbwissen wohl leicht zu identifizieren sind.
Wie man jedoch dazu kommt, dieses Buch als Abenteuerroman zu bezeichnen, ist mir unverständlich. Die Geschichte wirkt trotz teilweiser wirklich unappetitlicher Abschnitte immer beschaulich und voller Gelassenheit, Action und Spannung sind hier nicht zu finden.
Vier Punkte für eine amüsant zu lesende und unterhaltsame Geschichte.

  (8)
Tags: 1900, amüsant, august engelhardt, historischer roman, kokovaren, kolonialismus, neu-guinea, vegetarismus   (8)

  

 

Sandman - Fables and Reflections (Vol. 6) (New Edition)
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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

graphic novel, spannend, fantasy, the sandman

Sandman - Fables and Reflections (Vol. 6) (New Edition)

Neil Gaiman , Bryan Talbot , Stan Woch , P Craig Russell
Flexibler Einband: 168 Seiten
Erschienen bei Titan Books, 25.11.2011
ISBN 9780857687012
Genre: Sonstiges

Rezension:

The sixth Sandman and until now my personal favourite!
It's not a continous story but rather 8 1/2 strips, including the short 'foreword-history'. More than the half of it base upon true historical incidents and life stories like Emperor Augustus, the French Revolution, Marco Polo etc. The others are predicated on old legends or myths, so throughout the whole readingtime I had the feeling, these are not just phantastic stories but they could have really happen like this. And in every event Sandman plays an important part.
Last but not least the pictures are again impressive as always. For every story there is a certain style (Ramadan - very coloured, like a fairy tale; Soft Places - almost paltry, blank spaces like you expect it in a desert etc.), which accords perfectly with the contents of the different tales.
Fantastic stories, amazing drawings - a great book!

  (4)
Tags: fantasy, graphic novel, spannend, the sandman   (4)

  

 

Das späte Geständnis des Tristan Sadler
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(41)

72 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 30 Rezensionen

freundschaft, homosexualität, liebe, erster weltkrieg, frankreich

Das späte Geständnis des Tristan Sadler

John Boyne , Werner Löcher-Lawrence
Fester Einband: 333 Seiten
Erschienen bei Arche, 29.02.2012
ISBN 9783716026649
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

15. September 1919. Tristan Sadler ist auf dem Weg von London nach Norwich, um dort Marian, die Schwester seines besten Freundes zu besuchen. Dieser kam aus dem Krieg nicht zurück und Tristan will ihr nun die Briefe, die sie ihrem Bruder Will geschrieben hat, zurückgeben. Bei ihrem Treffen erzählt er ihr von seiner ersten Begegnung mit Will im Ausbildungslager, dem Übersetzen nach Nordfrankreich und den anschließenden grausamen Kämpfen dort, wo es nur noch ums nackte Überleben ging.
Sadler berichtet abwechselnd in jeweils ca. 50seitigen Kapiteln vom Zusammentreffen mit Marian und seinen Erlebnissen im Krieg. Es ist die Geschichte zweier junger Männer, die in anderen Zeiten vermutlich wesentlich glücklicher verlaufen wäre. Doch in jenen Zeiten ging es nur noch um vermeintliches Heldentum und Mannsein, über die man damals eine deutlich andere Vorstellung hatte als heute.
Es ist ein Buch voll unerwiderter Gefühle und über die Brutalität des Krieges, die letztendlich zu einem entsetzlichen Ende führen.
Boyd schreibt aus der Sicht Tristans voller Emfindsamkeit, jedoch ohne rührselig oder kitschig zu werden. Man leidet und fühlt mit ihm und selbst während des tragischen Endes empfindet man mit dem Erzähler.
Ein Buch das berührt und die Schrecken des Krieges aus einer anderen Sichtweise aufzeigt.

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Tags: 1. weltkrieg, freundschaft, großbritannien, liebe, melancholisch, nordfrankreich, roman   (7)

  

 

Manja
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(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

rassismus, nationalsozialismus, freundschaft, roman, iii. reich

Manja

Anna Gmeyner , Iris Berben
Audio CD
Erschienen bei Hörkultur Medien, 01.03.2007
ISBN 9783952308745
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Ich muss gestehen, ich hatte leichte Zweifel als ich mit diesem umfangreichen Hörbuch begann. 873 Minuten - und das zu einem solch ernsten Thema. Ist das auszuhalten? Nein, zumindest nicht immer. Doch dies hängt nicht mit der Länge der Lesung oder des Inhalts an sich zusammen, sondern mit der unbeschreiblich eindringlichen Sprache Anna Gmeyners, die kongenial von Iris Berben umgesetzt wurde. Immer wieder musste ich innehalten, um das Gehörte erst einmal zu verdauen.
Fünf Kinderschicksale in der Zeit von 1920 bis 1934 werden geschildert, jedes so individuell wie Menschen nun mal sind. Manja, das 'Ergebnis' einer spontanen Liebesnacht, voller Lebendigkeit und Liebe dem Leben gegenüber, lebt in einer verarmten jüdischen Einwandererfamilie. Und dann die vier Jungen, deren Familien einen Querschnitt durch die gesamte Gesellschaft bilden: die politisch engagierte Arbeiterschaft, das großbürgerliche, reiche Judentum, die liberalen konfessionslosen Intellektuellen und die faschistischen Kleinbürger. Gemein ist ihnen, dass sie Manja lieben, egal wer aus welcher Familie kommt. Es ist eine schöne, wenn auch von Geldsorgen geprägte Kindheit die da erzählt wird. Doch das Unheil des III. Reiches rückt näher und macht auch vor der Freundschaft dieser Fünf nicht halt. Denn Manja und Harry, einer der vier Jungs, sind nicht rasserein...
Gmeyners Sprache ist voller Poesie und doch so genau, dass man das Schrecken und Grauen dieser Zeit förmlich mit den Händen greifen kann. Iris Berben setzt dies in einer fantastischen Art und Weise um. Rauh und hart klingt ihre Stimme, wenn der faschistische Familienvater seinen Sohn zusammenbrüllt, weich und sanft wenn Manja sich um ihre schwache Mutter kümmert. Einfach brilliant!

  (6)
Tags: deutschland, iii. reich, rassismus, roman   (4)

  

 

Der Pakt
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(4)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

iii. reich, spannend, deutschland, spionageroman

Der Pakt

Philip Kerr
Fester Einband: 509 Seiten
Erschienen bei Wunderlich
ISBN 9783805208130
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Basierend auf realen Geschehnissen (II. Weltkrieg, Schlacht bei Stalingrad, Treffen der Großen Drei) wird eine fiktive Story erzählt, die allgemein bekannte Tatsachen und Personen geschickt mit einbezieht. Dadurch entsteht beim Lesen immer mehr das Gefühl, es handle sich eher um eine Dokumentation in Romanform (was der Spannung zugute kommt) statt um einen rein fiktiven Spionagethriller. Aber wer weiß...
Die Story springt überwiegend zwischen deutscher und amerikanischer Seite hin und her und durch die unzähligen Intrigen und Machtkämpfe jeder gegen jeden ist die Verwirrung der Leserin und des Lesers bald groß, wer zu wem gehört. Dazu trägt auch die große Anzahl an handelnden Personen bei, die der Autor meist recht detailliert beschreibt. Für Nicht-Intimkenner des Dritten Reiches dürften die Angaben zu Rang und Einsatzgebiet bald unüberschaubar sein :-). Durch den Protagonisten des Buches, aus dessen leicht zynischer und sarkastischer Sicht der Großteil der amerikanischen Seite erzählt wird, erhält der Roman auch eine witzige Komponente (wobei man aber nicht zuviel erwarten sollte). Für einen Thriller -insbesondere bei dieser Thematik- doch eher ungewöhnlich.
Fazit: Ich fand das Buch durchweg spannend, wobei die letzten knapp 100 Seiten klar der Höhepunkt sind. Um nicht völlig den Überblick über das ,Personal' zu verlieren, habe ich mir die Mühe gemacht, dieses nebenbei in Kurzform festzuhalten. Hat geholfen!
Zum guten Schluß: Der Übersetzer und auch das Lektorat haben ein paar üble Patzer hinterlassen:
S. 97 unten: ein Kind im Ofen für schwanger
S. 165 eher unten: ...dass Cole öfters in Whites ...Haus... übernachtete. Richtig wäre Melon statt Cole.
S. 334, Mitte: ...ein kleiner Mann im weißen Leinenanzug...kam auf mich zu. Der Mann trug einen grauen Hut und einen leichten grauen Sommeranzug...
S. 470, Mitte: Molotow gab zu: Das ist gar nicht schlecht. Sie sind ein verdammt listiger Fuchs, Molotow....". Der ,erste' Molotow müsste Berija heissen.

  (2)
Tags: deutschland, iii. reich, spannend, spionageroman   (4)

  

 

Schuhhaus Pallas
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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

deutschland, familiengeschichte, antisemitismus, judenverfolgung, 2. weltkrieg

Schuhhaus Pallas

Amelie Fried
Audio CD
Erschienen bei DHV - Der HÖR Verlag GmbH, 22.02.2008
ISBN 9783867172455
Genre: Biografie

Rezension:

Völlig überraschend erfährt Amelie Fried, dass Mitglieder der Familie ihres Vaters während des III. Reiches im KZ umgekommen sind. Da ihr Vater bereits verstorben ist, macht sie sich auf die Suche nach weiteren Informationen. Bei ihren Recherchen trifft sie auf Verwandte, die sie bisher nur vom Hörensagen kannte und muss feststellen, dass sie über das Leben ihres Vaters wie auch seiner Familie im III. Reich kaum etwas wusste. Stück für Stück arbeitet sie sich voran, spricht mit noch lebenden Zeitzeugen, fordert Auskünfte ein von staatlichen Stellen, und nach und nach erhält sie ein Bild davon, was ihre Verwandten damals erleiden mussten.
Es ist kein Roman oder keine Biographie im herkömmlichen Sinne. Amelie Fried schildert recht detailliert, wie sie sich um Informationen bemühte und diese erlangte und präsentiert sie dann größtenteils im Originalton, immer im direkten Bezug zu ihrer Familie. Zeitungsartikel, amtliche Verlautbarungen, Rechtsanwaltsschreiben - es ist mehr eine Dokumentation als eine erzählte Historie. Obwohl dieser Teil der deutschen Geschichte sicherlich kaum jemandem unbekannt ist, bleibt der Bericht spannend und vor allem berührend. Denn man erlebt unmittelbar mit, wie aus unpersönlichen Vorgängen plötzlich Menschen aus Fleisch und Blut werden. Die Autorin trägt ihr Buch selbst vor und man glaubt zu spüren, wie nahe ihr das Ganze ging und vermutlich noch geht.
Wer eine durchgängige Familienchronik hören möchte, dürfte enttäuscht werden von diesem Hörbuch. Alle anderen werden jedoch miterleben, wie aus dürren Zahlen, Akten u.ä. eine wahre Familiengeschichte entsteht - ein Stück Zeitgeschichte.

  (3)
Tags: amelie fried, biographie, deutschland, dokumentarisch, ernst, gegenwart, iii. reich   (7)

  

 

Denkanstöße 2010
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philosophie, sachbuch, 2010, wissenschaft, gedanken

Denkanstöße 2010

Lilo Göttermann
Flexibler Einband: 191 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.07.2009
ISBN 9783492254199
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Elf Beiträge aus sechs Themengebieten von namhaften Autoren verfasst - schneller wird man kaum seinen Kenntnisstand vergrößern können, wenn auch die einzelnen Abhandlungen von unterschiedlicher Qualität sind. Während man bei Aufsätzen wie beispielsweise denen über Evolution, Geruchssinn und Stammzellforschung tatsächlich das Gefühl hatte, hier über den (damals) neuesten Kenntnisstand unterrichtet zu werden, liefern die Artikel zu Gerechtigkeit und Tugenden mehr eine Zusammenfassung teils bereits bekannten Wissens. Die Erkenntnisse 'Alter Denker' wie Aristoteles, Platon, Descartes und anderen mehr werden ausführlich dargestellt, wobei die aktuelle Bestandsaufnahme beispielsweise bei Merz leider nicht darüber hinauskommt, dass in unserer Gesellschaft die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit die vorherrschende ist. Die Gründe hierfür werden bedauerlicherweise nicht erörtert.
Dennoch alles in allem ein lohnenswertes Buch. Wie Darwin zu seiner Theorie der Evolution kam, Kepler seine Planetengesetze entdeckte oder der Weg des Islamismus in unsere Vorstädte sind interessante und gut zu lesende Beiträge. Mich persönlich begeisterte am meisten das Kapitel von Werner Jens und Hans Küng: Menschenwürdig sterben, die ihre Einstellung zum Thema Euthanasie aus Sicht des überzeugten Christen darstellen.

  (6)
Tags: 2010, aktuelles, information, sachbuch   (4)

  

 

Der Fall von Madrid
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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

franco, spanien, beziehungen, gesellschaft, literatur

Der Fall von Madrid

Rafael Chirbes
Flexibler Einband: 332 Seiten
Erschienen bei Diana TB, 01.03.2002
ISBN 9783453196049
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Keine Frage, dies ist kein Unterhaltungsbuch im leichteren Sinn. Es ist der Morgen des 19. November 1975. Don José Ricart, ein erfolgreicher Möbelfabrikant, wird 75 Jahre alt. Und am Abend desselben Tages wird Franco tot sein. Doch bis dahin wird man von den Geschichten der Freunde, Verwandten, Bekannten und Angestellten der Familie Ricart gelesen und damit auch viel über das Spanien der damaligen Zeit erfahren haben. Das Spanien, das Franco bis zu seinem Tode diktatorisch regierte, dem es wirtschaftlich zunehmend besser ging, in dem jedoch Oppositionelle brutal unterdrückt und auch hingerichtet wurden.
Jeder Person ist ein Kapitel gewidmet, in dem aus deren Blickwinkel die aktuelle Situation und eine Rückschau auf die davorliegende Zeit beschrieben wird. Man begleitet den erfolgreichen, energischen Don José Ricart bis zu seinem Festtag, der trotz seines Erfolges nicht richtig glücklich ist; seinen Freund, den Geheimdienstler Arroyo, der seine Schwachstelle hinter harter Brutalität versteckt; Don Josés Enkel Quini, ein Student voll revolutionärer Gedanken und Tatkraft; Lurdita, das Hausmädchen der Ricarts, die den Revolutionär Lucio liebt. Undundund - man erhält so ein breites und sicherlich auch glaubwürdiges Panorama des damaligen Spaniens.
Doch ich fand es mühsam zu lesen. Die Seiten haben kaum Absätze, es sind häufig sehr lange Sätze und immer wieder vorkommende Aufzählungen ('Es ging ihm gegen den Strich, den Anzug, die Möbel, das Geschirr auszuwechseln...' oder '...ein abgestochenes Schwein, das Leber, Lunge, Magen zeigt...') verstärken den Eindruck, es handle sich um einen einzigen, ununterbrochenen Gedankenfluss. Man muss voller Konzentration dabeibleiben, was mir zugegebenermaßen gegen Ende immer schwerer fiel.
So fällt mein Urteil zwiespältig aus: inhaltlich informativ und interessant, aber 'lesetechnisch' betrachtet, anstrengend.

  (9)
Tags: 1975, franco, literatur, spanien   (4)

  

 

Und das Meer gab seine Toten wieder
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hamburg, düster, 1931, historisch, pellworm

Und das Meer gab seine Toten wieder

Robert Brack , Marlen Diekhoff
Audio CD: 3 Seiten
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 01.03.2009
ISBN 9783899036541
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Hamburg, 1931. Die englische Kriminalbeamtin Jennifer Stevenson soll im Auftrag der 'International Association oft Policewomen' untersuchen, weshalb die über Deutschland hinaus bekannte und renommierte Leiterin der 'Weiblichen Kriminalpolizei' Josephine Erkens vom Dienst suspendiert und deren Abteilung aufgelöst wurde. Auslöser scheint der Selbstmord zweier Mitarbeiterinnen von Frau Erkens aufgrund von Machtkämpfen innerhalb dieses Bereiches gewesen zu sein. Doch Jennifer Stevens stellt bereits kurz nach ihrer Ankunft fest, dass mehr dahinter steckt. Ihre Arbeit wird massiv behindert und ihr wird klar, dass sie sich inmitten eines Geflechts von Intrigen befindet, die weit über diesen Bereich hinausreichen. Mithilfe von Klara Schindler, einer kommunistischen Reporterin der 'Hamburger Volkszeitung', versucht sie die Zusammenhänge zu erkennen und zu veröffentlichen, wogegen die Hintermänner mit allen Mitteln vorgehen.
Ein reales Geschehen (zwei tote Polizistinnen am Strand von Pellworm) mit einer fiktiven Lösung: Brack gelingt es, eine überzeugende Erklärung für das noch immer ungeklärte Drama zu liefern. Ganz nebenbei vermittelt er uns zudem einen Einblick in eine düstere Zeit, in der ein Funke genügte, das Pulverfass zur Explosion zu bringen: das allmähliche Unterwandern der Behörden durch die Nazis, der Kampf der Kommunisten gegen den immer stärker werdenden Faschismus. Und nicht zuletzt die ersten und schwierigen Versuche der Frauen, Fuß zu fassen in einem Bereich, der bisher ausschließlich Männern vorbehalten war. Selbst eine zarte, auch nur vorsichtig angedeutete Liebesgeschichte fehlt nicht in diesem sachlich und nüchtern erzählten, dennoch überaus spannenden Krimi.
Marlen Diekhoff gibt diesen Tonfall der erzählenden Jennifer Stevenson glaubwürdig wieder, so dass es schwer fällt, vor dem Ende dieses Romans die Stopp-Taste zu drücken.

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Tags: 1931, düster, hamburg, historisch, krimi, pellworm   (6)

  

 

Der gefrorene Rabbi
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65 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 28 Rezensionen

rabbi, judentum, jiddisch, memphis, usa

Der gefrorene Rabbi

Steve Stern , Friedrich Mader
Fester Einband: 495 Seiten
Erschienen bei Blessing, Karl, 10.01.2011
ISBN 9783896674364
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Schon die erste Seite stimmt darauf ein, was einen mit diesem Buch erwartet: Bernie, 15jähriger Couchpotatoe, findet auf der Suche in der Tiefkühltruhe nach einem Stück Fleisch zur Selbstbefriedigung, einen tiefgefrorenen alten Mann in einem Eisblock. Durch einen Stromausfall unabsichtlich zum Leben erweckt, entpuppt sich der knapp 200 Jahre alte Rabbi als ein überaus geschäftstüchtiger Unternehmer, der sich darauf versteht, die Suche der Menschen nach Glück mit einigem Geschick in klingende Münze umzuwandeln. Doch dies dient nur als Rahmenhandlung für die eigentliche Geschichte: Wie Bernies jüdische Vorfahren seit mehr als 100 Jahren sich durch das Leben kämpften und dabei immer den Rabbi im Eisblock dabei hatten. Es geht vom Ghetto in einem russischen Rayon nach Lodz, dann weiter nach New York. Man erlebt die Entstehungsphase Israels mit und die Rückkehr in die USA, nach Memphis.
Stern spannt über diese 100 Jahre einen unglaublich bunten, lebendigen und witzigen Bogen voll mit skurrilen und merkwürdigen Gestalten: Jochebed, die jahrelang als Mann lebte; Schmerl, der bucklige Technikbesessene, dessen Erfindungen nicht immer zum Wohle aller waren; Ruby, der ewige Schweiger undundund. Es ist ein Panoptikum schräger Figuren und Geschehnisse.
Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig: Das Buch ist voll mit jiddischen Ausdrücken, die sich jedoch wunderbar in die Handlung einfügen und damit eine einzigartige Atmosphäre entstehen lassen, die für das damalige jüdische Leben wohl so charakteristisch war. In der gebundenen Fassung soll es ein Glossar geben (war in meiner Ausgabe nicht vorhanden), so dass vermutlich nur wenig unklar bleiben wird.
Lediglich den Schluss fand ich deutlich übertrieben - hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Dennoch: Wer absurde Geschichten mag, wird seine Freude an diesem Buch haben.

  (11)
Tags: 1889-2007, familiengeschichte, israel, jiddisch, lodz, memphis, new york, roman, schräg   (9)

  

 

Aufstand der Fischer von St. Barbara
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roman, frühkapitalismus, anfang 19. jh., aufstand, schwermütig

Aufstand der Fischer von St. Barbara

Anna Seghers , Ulrike Krumbiegel , Matthias Thalheim
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, 30.05.2008
ISBN 9783898137553
Genre: Literatur vor 1945

Rezension:

Irgendwann Anfang des letzten Jahrhunderts: Die Fischer von St. Barbara leben mehr schlecht als recht von ihrer Arbeit. Die Anteile, die sie von Reeder Bredel für ihre Fänge erhalten, reichen schwerlich zum Überleben. Doch Widerstand regt sich kaum, bis Hull auf die Insel kommt. Ihm gelingt es die Männer davon zu überzeugen, nur zu deutlich verbesserten Bedingungen die Arbeit wieder aufzunehmen. Es ist, als ob sie auf einen wie ihn nur gewartet hätten: Schnell sind sich alle einig, auch die aus den umliegenden Dörfern, und geeint treten sie vor die Vertreter der Reederei, um ihre Forderungen vorzubringen. Doch diese sind alles andere als bereit, den Wünschen der Fischer nachzugeben. Die Fronten verhärten sich, es kommt zu Auseinandersetzungen, einer stirbt und langsam beginnt der Bund der Streikenden sich zu lockern.
Die Autorin schildert eine frühkapitalistische Gesellschaft, deren Mitglieder sich ihrem Schicksal scheinbar ergeben haben und vom Leben nichts mehr erwarten, bis es einem Einzelnen gelingt, sie aus ihrer Lethargie zu reißen und auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören.

So elend und trübselig das Leben der Bewohner von St. Barbara wirkt, so trist und grau erscheinen auch die Gegend und das Wetter. Anna Seghers beschreibt diese Welt in bemerkenswert ausdrucksvollen Bildern, die man so schnell nicht wieder vergisst ('Hull verfolgte ... die weiße Narbe die das Schiff dem Meere riss, die wieder heilte und wieder riss, und wieder heilte und wieder riss.' oder 'Dumpf und unbeweglich, bleigrau und regenschwer starrten Himmel und Erde gegeneinander wie die Platten einer ungeheuren hydraulischen Presse.').

Mit Ulrike Krumbiegel als Vorleserin wurde eine gute Wahl getroffen. Die spröde Sprache einzelner Personen (insbesondere Marie) vermittelt sie ebenso überzeugend wie die allgemeine schwermütige Grundstimmung, die dieses Buch beherrscht. Einziges Manko: Es sind viel zu wenig Abschnitte auf den CDs, die zudem auch nur schwierig festzustellen sind. Eine Pause mitten in einer CD ist somit nur unter erschwerten Bedingungen möglich.

  (9)
Tags: anfang 19. jh., aufstand, frühkapitalismus, roman, schwermütig   (5)

  

 

Das Einstein-Mädchen
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147 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 39 Rezensionen

berlin, einstein, albert einstein, amnesie, psychiatrie

Das Einstein-Mädchen

Philip Sington , Sophie Zeitz
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.06.2010
ISBN 9783423247832
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Berlin 1932, eine junge Frau wird bewusstlos im Wald gefunden und mit Amnesie in die Charité eingeliefert. Der einzige Hinweis ist ein Programmzettel von einem Vortrag Albert Einsteins, den man bei ihr fand. Dr. Martin Kirsch, ein dort praktizierender Psychiater, ist von ihr fasziniert und nimmt sich ihres Falles an. Er betreibt intensive Nachforschungen, die weit über ein berufliches Interesse hinausgehen und ihn bis nach Zürich führen. Doch gleichzeitig muss er um seine Stelle als Arzt in der Charité und um sein Leben kämpfen. Und die Geister der Vergangenheit fordern in Gestalt seines verstorbenen Bruders Max zusätzlich ihren Tribut. Als ob all dies nicht genug wäre, beginnt er seine Beziehung zu Alma, seiner Verlobten, in Frage zu stellen. Ist sie wirklich die Richtige?
All dies spielt sich vor dem Hintergrund der Machtergreifung der Nazis ab, die unmittelbar nach der Regierungsübernahme auch Einfluss auf Dr. Kirschs Arbeitsgebiet nehmen. Obwohl er nur für seine Arbeit lebt, findet er sich zu seiner Überraschung plötzlich in einer tragenden Rolle des Psychiatriewesens der Nazis wieder.
Es ist ein bisschen viel, womit sich der gute Dr. Kirsch in diesem Buch beschäftigen muss - neben der Behandlung des Einstein-Mädchens. Man spürt, dass dem Autor diese Themen am Herzen liegen: das sinnlose Töten im Krieg, das rücksichts- und gedankenlose Experimentieren mit Patienten aus psychiatrischen Anstalten, der Umgang mit diesen Kranken im Dritten Reich. Aber auch die Entdeckung der Quantenphysik und die damit verbundene Erkenntnis, dass Wissenschaftler damit ihrer Objektivität beraubt wurden. Sington schildert all dies überzeugend und wohl auch wahrheitsgetreu, doch manche der angerissenen Themen enden (vermutlich aufgrund der Vielzahl) bedauerlicherweise im Nirgendwo.
Dennoch: Es ist ein gut unterhaltendes und ebenso geschriebenes Buch (aber wahrlich kein Thriller, wie der Klappentext behauptet), aus dem man sicherlich auch manches Neue zum Thema Psychiatrie und Quantenphysik erfährt. Leicht zu lesen, aber nie seicht. Und wer weiß, vielleicht war das mit Albert Einstein tatsächlich so...?

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Tags: 1933, berlin, fiktive realität, roman, zürich   (5)

  

 

Die große Angst in den Bergen
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(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

wallis, düster, bergwelt, 19. jahrhundert, hörbuch

Die große Angst in den Bergen

Charles F. Ramuz , Christian Brückner
Audio CD
Erschienen bei Parlando, 14.09.2009
ISBN 9783941004054
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Bis vor wenigen Jahren noch führten Hörbücher ein Nischendasein, doch mittlerweile erscheint kaum ein halbwegs erfolgversprechendes Buch, das nicht gleichzeitig eine Audioversion im Schlepptau mit sich führt. Doch manche dieser Audiobooks sind weit mehr als nur ein Anhängsel einer papiernen Neuerscheinung: Sie sind ein Erlebnis ganz eigener Art. ‚Die große Angst in den Bergen’ von Charles Ferdinand Ramuz ist ein solches Erlebnis.
Zwanzig Jahre, nachdem sich ein schreckliches Unheil auf der Alp Sasseneire ereignete, beschließt die nächste Generation gegen den Willen der Alten, wieder Vieh dort hinaufzutreiben. Und das Unfassbare geschieht erneut: Eine Seuche ergreift die Kühe, die Sennen dürfen die Alp nicht verlassen und das Dorf wird von neuem von furchtbaren Unglücksfällen erfasst.
Was sich für uns rational denkende, moderne Menschen nur als eine Verkettung verhängnisvoller Ereignisse darstellen mag, ist für die Bewohner dieses Dorfes die Heimsuchung des Unbekannten, die Bestrafung dafür, dass sie ein verbotenes Stück Land erneut aufgesucht haben.
Christian Brückner liest diese Geschichte – und wie er sie liest. Stellenweise vorsichtig, zögerlich, fast leise erzählt er, um dann unvermittelt wieder hervorzubrechen mit seiner rauen, etwas heiser klingenden Stimme. All das Grauen, das Unheil, das nur darauf zu warten scheint, über das kleine Dorf hereinzubrechen, hört, nein, man beginnt es zu fühlen, wenn er spricht. Es ist meisterhaft, wie seine Stimme, obwohl unverwechselbar, den unterschiedlichen Charakteren ihre Besonderheit verleiht: den Männern auf der Alp; dem unheimlichen Klu, der etwas zu verbergen scheint; Joseph, dem Liebenden, voller Verzweiflung und Sehnsucht nach seiner Braut; Bartholomä, der trotz Furcht vor dem was da kommen mag, voller Zuversicht an den Schutz seines Papieres glaubt, das er um den Hals hängen hat. Irgendetwas ist da in diesen Bergen, es wartet – und Christian Brückner bringt es einem so nahe, dass es einen schaudert und fröstelt. Schlicht und einfach: GENIAL!

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Tags: 19. jahrhundert, bergwelt, düster, hörbuch, wallis   (5)

  

 

Kartoffelkäferzeiten
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(10)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

jugendbuch, deutschland, jugendliche ab 12, nachkriegszeit, 1948

Kartoffelkäferzeiten

Paul Maar
Fester Einband: 271 Seiten
Erschienen bei Oetinger
ISBN 9783789142017
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Februar 1948: Die knapp 13jährige Johanna lebt in einem kleinen mainfränkischen Dorf zusammen mit ihrer Mutter, Tante und ihren Großmüttern. Das Leben ist geprägt von Mangel und Einschränkung, Essen und Kohlen sind knapp, man kommt gerade so über die Runden. Doch trotz allem ist Johanna glücklich: Sie fühlt sich geborgen in der Sicherheit ihrer Familie und wenn dann ihr Vater noch aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehren würde... Aber Johanna wird älter und selbständiger. Die wohlmeinende Fürsorge insbesondere einer Großmutter erscheinen ihr immer mehr wie ein Käfig: Vorschriften, deren Sinn sich ihr nicht erschließen. Weshalb soll sie nicht mehr mit dem Nachbarsjungen unterwegs sein dürfen? Wieso sind Menschen schlecht nur weil sie anders sind? Als endlich der Vater zurückkehrt und Johanna die Schule beendet, scheint alles möglich zu sein. Doch der Käfig wird noch kleiner als zuvor...
Paul Maar gelingt es überzeugend aus Sicht des Mädchens Johanna ein Bild der Nachkriegszeit zu vermitteln. Trotz aller Knappheit arrangiert man sich, die Menschen halten zusammen und haben gelernt sich an dem Wenigen zu freuen das man hat. Doch der Autor schildert auch die Schattenseiten des damaligen Lebens: die Ablehnung alles Fremden und Unbekannten, die Weigerung der jüngsten Vergangenheit ins Gesicht zu sehen, das Beharren auf überkommenen Traditionen und Gewohnheiten. Johanna lehnt sich Stück für Stück dagegen auf mit Hilfe ihrer Tante und des 'Roten Barons', einem Aussenseiter im Dorf. Und erkennt, dass sie eine Entscheidung treffen muss.
Ein durchweg empfehlenswertes Buch ab ca. 11 bis 12 Jahren.

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Tags: 1948, deutschland, erwachsenwerden, jugendbuch   (4)

  

 

Dem Rad in die Speichen fallen
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england, iii. reich, biographie, lebensweg bonhoeffers, dietrich bonhoeffer

Dem Rad in die Speichen fallen

Renate Wind , Matthias Ponnier
Audio CD
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 19.01.2009
ISBN 9783579076232
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Auch wenn der Eindruck entstehen sollte, hier handle es sich um eine Biographie Dietrich Bonhoeffers: Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung seiner Auseinandersetzung mit sich selbst angesichts seines Glaubens. Natürlich wird auch sein Lebensweg beschrieben, seine Jahre im Ausland, das Kennenlernen von Menschen die sein Dasein deutlich beeinflussen sollten, die seine Vorstellungen, Werte und Überzeugungen auch in Frage stellten. Doch das zentrale Thema ist immer wieder wie sich Bonhoeffer mit seinem Glauben auseinandersetzt. Wie er versucht mit seiner Kirche klar zu kommen und letztendlich doch seinen eigenen Weg geht, trotz aller Schwierigkeiten und Gefahren die dies mit sich bringt. Für ihn steht die Liebe zum Nächsten im Vordergrund, unabhängig von Rasse, Religion oder politischer Zugehörigkeit, ohne jeden Kompromiss. Dietrich Bonhoeffer muss ein sehr beeindruckender Mensch gewesen sein, voll dem Leben zugewandt und dennoch stark in seinem Glauben verhaftet.
Theologische Aspekte werden angerissen, so dass das Buch auch für Jugendliche (ab ca. 13 Jahren, nicht ab 10 wie ich in einer Rezension las) und 'Theologieverächter' :-) durchaus lesenswert ist. Mein Interesse ist geweckt, noch mehr über diesen Menschen und seine Überlegungen zu lesen.

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Tags: berlin, biographie, dietrich bonhoeffer, england, iii. reich, lebensweg bonhoeffers, widerstand   (7)

  

 

Die Bounty
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(3)

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england, fakten, henker, seefahrt, 18. jh

Die Bounty

Caroline Alexander , Peter Franke
Audio CD
Erschienen bei Jumbo Neue Medien, 01.08.2004
ISBN 9783833711503
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Caroline Alexander hat es sich zur Aufgabe gemacht, jede noch so kleine Information, die in irgendeiner Art und Weise mit der Meuterei auf der Bounty zu tun hat, herauszufinden und in ihrem Buch festzuhalten. Diejenigen, die einen oder auch mehrere der zum Teil berühmten Filme zu diesem Thema gesehen haben, werden von der Fülle an neuen, auch recht überraschenden Details verblüfft sein.
Doch genau dies wird zum Problem der Hörbuchfassung: Jede Person, die in irgendeiner Form in der fraglichen Zeit mit der Bounty in Berührung kam, ob Verwandte, Freunde, Rechtsbeistand, Richter und und und, wird bis ins Kleinste beschrieben. Der familiäre Hintergrund, der berufliche Lebensweg, das Private –nichts ist so unwichtig, als dass es nicht vermerkt würde. Im Buch mag man bei Orientierungsschwierigkeiten gegebenenfalls zurückblättern können. In der Hörbuchfassung hat man unglücklicherweise nur ein dünnes Beiheft zur Hand, in dem die Schiffsmannschaft der Bounty verzeichnet ist.
Erschwerend kommt hinzu, dass Peter Franke durch seine nahezu gleichbleibende Sprechweise nicht in der Lage ist, den einzelnen Figuren eine unverwechselbare Identität zu verleihen. Spätestens nach der 3. CD lässt somit die Aufmerksamkeit nach und man ist glücklich, zumindest die Spuren der wichtigsten Personen nachvollziehen zu können (zumindest ging es mir so).
Für Interessierte ist die Aufarbeitung dieses historischen Ereignisses durchaus zu empfehlen - allerdings eher in Buchform.

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Tags: 18. jh, england, geschichtsreportage, kapitän bligh, nüchtern, sachbuch, südsee   (7)

  

 
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