Zabou1964

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Frostgras
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(33)

82 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

trier, rügen, wahrheit, freundschaft, liebe

Frostgras

Angelika Lauriel
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 01.03.2013
ISBN 9783862652471
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich durch den Kontakt mit der Autorin in einer Leserunde zu ihrem Krimi „Bei Tränen Mord“ und auf Facebook. Die Inhaltsangabe und das Cover von „Frostgras“ haben mich sofort angesprochen, sodass ich auch ihr neustes Werk gerne lesen wollte. Bei „Frostgras“ handelt es sich um einen Jugendroman, der aber auch gut von Erwachsenen gelesen werden kann.

 

Die 18-jährige Julia lebt alleine mit ihrer Mutter in Trier und hat gerade ein Psychologiestudium begonnen. Über ihren leiblichen Vater weiß sie nichts. Ihre Mutter will ihr erst mit 21 Jahren seine Identität preisgeben. Mit dem gleichaltrigen Paul hat sie einen treuen und zuverlässigen Freund an ihrer Seite, den sie bereits aus dem Kindergarten kennt. Bei einer Zugfahrt begegnet sie einem jungen Mann, der sie auf eigenartige Art und Weise anzieht. Als er den Zug verlässt, vergisst er ein schwarzes Notizbuch, das Julia an sich nimmt. Was sie nicht ahnt: Dieses Buch wird ihr Leben entscheidend verändern.

 

Die Autorin versteht es ausgezeichnet, die Gefühle ihrer Protagonisten zu beschreiben, allen voran natürlich Julias Emotionen. Das geheimnisvolle Buch des Unbekannten aus dem Zug ist eine Art Tagebuch mit Gedichten, Gedanken und Zeichnungen. Durch diese erhält der Leser auch einen Einblick in das Gefühlsleben des jungen Mannes. Sehr gut hat mir gefallen, dass zwischendurch immer wieder in der Ichform aus der Sicht von Paul, Julias Freund, erzählt wurde. Julia ist eine Figur, die im Laufe der Geschichte eine interessante Entwicklung durchmacht. Diese war für mich gut nachvollziehbar und sehr gefühlvoll geschildert.

 

Dieser Roman bietet viel Potenzial zum Nachdenken und Diskutieren. Wie weit darf Liebe gehen und wie sollte man mit der Wahrheit umgehen? Der Vermerk auf dem Cover „Herzklopfen und so“ ist etwas irreführend. Hier geht es nicht um eine Liebesgeschichte für Jugendliche sondern um viel mehr.

 

Fazit:

Gefühlvoller Roman für Jugendliche und Erwachsene, der zum Nachdenken anregt.

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Tags: rügen, trauer, trier, wahrheit   (4)

  

 

Flamme von Jamaika
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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Flamme von Jamaika

Martina André
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.03.2013
ISBN 9783499259531
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Martina André zählt zu meinen Lieblingsautorinnen, weil ihre Bücher gut recherchiert und bildhaft geschrieben sind. Deshalb ist jedes neue Werk aus ihrer Feder ein absolutes Muss für mich. Und auch mit „Flamme von Jamaika“ konnte sie mich wieder in ihren Bann ziehen und in ferne Welten entführen.

Zum Glück habe ich mich nicht vom etwas kitschig anmutenden Cover und Titel abschrecken lassen. Aber ich weiß zum Glück, dass in Büchern, auf denen Martina André steht, auch Martina André drin ist. Hier hat sich der Verlag wohl vom momentanen Trend der Love-und-Landscape-Romane beeinflussen lassen. Bei der „Flamme von Jamaika“ handelt es sich übrigens um eine Blume, nach der sich im Roman eine Rebellengruppe benannt hat.

Die deutsche Kaufmannstochter Helena Huvstedt reist 1831 nach Jamaika, um den Plantagenbesitzer Edward Blake zu heiraten. Begleitet wird sie von ihrer Gesellschafterin Maggie. Obwohl sich Edward vor der Eheschließung noch charmant und zuvorkommend gibt, muss Lena schon bald erkennen, dass er im Grunde ein brutales Scheusal ist, der seine Sklaven wie Tiere behandelt und Lena nur heiratet, um Nachkommen zu zeugen. Zudem erscheint bei der Hochzeitsfeier eine Schwarze, die einen Fluch über Lena und die Familie Blake verhängt. Als Lena in der Nacht etwas Ungeheuerliches beobachtet, beschließt sie, zusammen mit Maggie zu fliehen und nach Deutschland zurückzukehren.

Als sie auf der Flucht einer Gruppe Rebellen begegnen, nimmt einer der Männer Lena gefangen, um sie gegen drei zum Tode verurteilte Kameraden auszutauschen. Während der Gefangenschaft kommen sich die beiden näher und Lena muss erkennen, dass die Situation der Sklaven in Jamaika viel dramatischer ist, als sie bisher angenommen hat. Außerdem erfährt sie Dinge über ihren Mann und ihren Schwiegervater, die sie diese hassen lehrt. Doch um den Rebellen zu helfen, muss sie zu Edward zurückkehren.

Martina Andrés einzigartiger Schreibstil hat mich sofort nach Jamaika versetzt. Die Beschreibungen der Landschaft, der Orte und der Figuren haben in meinem Kopf einen Film entstehen lassen, der spannender und farbenprächtiger nicht sein konnte. Zu den Charakteren habe ich sofort Verbindung gehabt, konnte mich z. B. in Lena hineinversetzen und ihre Ängste und Gefühle teilen. Aber auch die Situation der Sklaven und deren Beweggründe zur Rebellion konnte ich nachvollziehen.

Bei der Beschreibung der Liebesszenen geht die Autorin sehr gefühlvoll vor, nimmt aber dennoch kein Blatt vor den Mund. Die Schilderungen der Folterungen und Misshandlungen sind nicht geschönt, aber auch nicht übermäßig blutig. Martina André hat hier ein gesundes Mittelmaß gefunden, dem Leser die Zustände realistisch darzustellen.

Eine gründliche Recherchearbeit ist dem Roman anzumerken. Im Nachwort erklärt die Autorin einiges dazu. Ein Personenverzeichnis sowie ein ausführliches Glossar sind sehr nützlich und liefern weitere Hintergrundinformationen.  

Fazit:

Ich bin vollkommen begeistert von dieser spannenden und authentischen Geschichte.

© Simone Kühlewind

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Feierabend
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(3)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

familiengeschichte, grafeneck, kleinstadt, dieb, schwarzwald

Feierabend

Uta-Maria Heim
Flexibler Einband: 327 Seiten
Erschienen bei Gmeiner, A, 12.07.2011
ISBN 9783839211786
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Die Inhaltsangabe auf dem Klappentext hat mich zu diesem Buch greifen lassen. Er verhieß mir die Auseinandersetzung mit schrecklichen Ereignissen des Nationalsozialismus. Leider wurde dieses Thema jedoch nur sehr am Rande behandelt, sodass meine Erwartungen nicht erfüllt wurden.

Helene ist eine alleinerziehende Mutter, die als Übersetzerin für einen Verlag arbeitet. Ihre Tochter Susanne ist 15 und steckt mitten in der Pubertät. Helenes Freund Marius lebt in einer anderen Stadt und geht einer Beschäftigung nach, die sich dem Leser erst am Ende des Romans erschließt. Dann gibt es noch eine Obdachlose, die in ihrem Leben schon einiges mitgemacht hat. Es wird abwechselnd aus den Perspektiven der drei Frauen erzählt. Die Ereignisse von 1940, nämlich die Tötung von Helenes behinderter Tante Brunhilde im Rahmen der Euthanasieverbrechen, werden nur ganz kurz eingestreut, sodass sich mir als Leser der Zusammenhang mit der Gegenwart erst nach und nach erschloss.

Zu der Protagonistin Helene konnte ich keinerlei Verbindung aufbauen. Ihre Ausführungen schweiften oft ins Philosophische ab. Die Tatsache, dass sie meint, in der alten Praxis, die sie als Büro nutzt, lebe ein jüdischer Psychoanalytiker als Geist, hat mich eher befremdet. Die Darstellungen aus Sicht der Tochter Susanne und der Obdachlosen Una waren für mich schon eher nachvollziehbar. Susanne nabelt sich von ihrer Mutter ab und zieht mit ihrer Clique durch die Stadt. Una versucht, die schrecklichen Erlebnisse ihres Lebens zu bewältigen und ein geregeltes Existenz aufzubauen. Meiner Meinung nach schweift die Autorin zu oft vom eigentlichen Thema ab und bringt zu viele Nebensächlichkeiten ins Spiel. Das hat die Handlung für mich unübersichtlich und zum Teil langatmig gemacht.

Ich würde diesen Roman nicht als Kriminalroman bezeichnen. Die Tat, die vor 70 Jahren begangen wurde, erscheint eher nebensächlich. Lediglich die Auseinandersetzung mit den Geschehnissen in der Gegenwart werden von Mutter und Tochter einige Male angeschnitten. Auch Una betrauert eine nahe Verwandte: ihre Tochter, die im Teenageralter verstarb. Wie es zu deren Tod kam, erfährt der Leser im Laufe der Geschichte.

Einzig durch das sprachlich hohe Niveau vermochte die Autorin mich zu begeistern. Die Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus haben mich zum Nachdenken angeregt. Grafeneck kannte ich bisher nur dem Namen nach. Da ich im Buch auch nicht sehr viel mehr erfahren habe, habe ich im Internet über diesen Ort des Schreckens geforscht.

Fazit:
Zu langatmig und ausschweifend erzählte Geschichte, die meines Erachtens kein Kriminalroman ist.

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Tags: euthanasie, grafeneck, nationalsozialismus, schwarzwald   (4)

  

 

Fast ein bisschen Frühling
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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

liebe, schweiz, basel, bankraub, bankräuber

Fast ein bisschen Frühling

Alex Capus
Fester Einband: 175 Seiten
Erschienen bei Residenz
ISBN 9783701712861
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
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Feuerprinz
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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

fantasy, engil, greif, fremder, elven

Feuerprinz

Birgit Fiolka
Flexibler Einband: 383 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 25.07.2011
ISBN 9783746627229
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:  
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Fummelbunker
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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

bochum, serienkrimi, ruhrgebiet, ruhrpott, krimi

Fummelbunker

Sonja Ullrich
Flexibler Einband: 370 Seiten
Erschienen bei Gmeiner, A, 04.02.2011
ISBN 9783839211199
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Ein neuer Fall für Esther Roloff! Nachdem mir der erste Fall, „Teppichporsche“, sehr gut gefallen hatte, habe ich auch bei diesem zweiten Buch der Reihe sofort zugegriffen. Das Cover ziert eine bunte Neonreklame in Form eines Jokers, was wohl auf ein Spielcasino hinweisen soll. Unter einem „Fummelbunker“ hatte ich mir jedoch eher ein Bordell als ein Casino vorgestellt.

Esther Roloff ist Versicherungsdetektivin in Bochum-Wattenscheid. Ihr Chef Metin ist ein übergewichtiger Türke, dessen Benehmen gegenüber seinen Angestellten oft zu wünschen übrig lässt. Als Esthers Bruder Olaf sie um Hilfe bei der Suche nach einem Kollegen, der wie er bei der WAZ arbeitet, bittet, beantragt sie Urlaub und begibt sich auf die Spuren des verschwundenen Boris Bäcker. Hierzu ermittelt sie im Spielcasino in Lütgendortmund, in dem der Vermisste häufig gespielt hat. Wie sich schnell herausstellt, hatte er Spielschulden, die jedoch kurz vor seinem Verschwinden getilgt wurden. Auf der Suche nach dem Reporter stößt die Detektivin auf einen Bericht, den er offensichtlich nicht für die Westfälische Allgemeine Zeitung verfasst hat. Ist Boris Bäcker einem Mord auf der Spur gewesen?

Wie schon im ersten Band der Reihe ermittelt Esther auf sehr unkonventionelle Art und Weise. Ihre freche und chaotische Art macht sie sehr liebenswert. Auch die anderen Charaktere sind mehr oder weniger skurril, was die Lektüre für mich äußerst amüsant gestaltete. Esthers Beschützer Gregor Pankowiak, eine etwas zwielichtige Gestalt, taucht ebenfalls wieder auf. Über ihn erfährt der Leser einige Hintergründe. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich diese Figur in den nächsten Bänden entwickeln wird.

Der Roman ist in der Ichform verfasst, sodass ich Esthers Gedanken und Gefühle sehr gut nachvollziehen konnte. Zeitlich schließt dieser zweite Teil der Reihe direkt an den ersten an. Besonders haben mir wieder die Beschreibungen der typischen Eigenheiten des Ruhrgebiets, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft ich lebe, und ihrer Bewohner gefallen.

Der Kriminalfall selbst und die Suche im Spielermilieu waren mir allerdings zum Teil etwas zu verworren dargestellt, was die Spannung minderte. Ein an sich unwichtiger Nebenstrang, in dem Esther den Sohn ihres Chefs beschattete, war für meinen Geschmack zu stark ausgebaut. Zudem ließ mich das Ende etwas unbefriedigt zurück. Der Fall wird zwar gelöst, aber die Täter kommen ungeschoren davon.

Fazit:
Trotzdem ist „Fummelbunker“ ein kurzweiliger und amüsanter Krimi. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Fall für die chaotische Esther Roloff.

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Tags: bochum, casino, dortmund, ruhrgebiet, ruhrpott, spielsucht   (6)

  

 

Fliehganzleis
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(31)

46 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 9 Rezensionen

ddr, krimi, münchen, kea laverde, bayern

Fliehganzleis

Friederike Schmöe
Flexibler Einband: 327 Seiten
Erschienen bei Gmeiner, A, 10.07.2009
ISBN 9783839210123
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Aufmerksam geworden auf diesen Krimi von Friederike Schmöe, bin ich durch das Thema. Ich bin sehr interessiert an der deutsch-deutschen Vergangenheit. Das ansprechende Äußere des Paperbacks zeigt einen Kieselstrand. Die Verarbeitung des Buches ist sehr gut und die Papierstärke angenehm dick, was den verhältnismäßig hohen Preis von € 11,90 für mich rechtfertigte.

Im Prolog wird das Ertrinken eines Mädchens im Juli 1968 geschildert. Das neunjährige Kind ist in einem Ferienlager und hat große Angst vor dem Betreuer. Er hatte es gezwungen, ein verlorenes Ruder im See zu finden. Als ein Unwetter hereinbricht, hat das Mädchen keine Chance mehr, sich ans Ufer zu retten.

Diese kurze Vorgeschichte scheint zunächst nichts mit dem eigentlichen Fall zu tun zu haben. Kea Laverde, eigentlich Reisejournalistin, hat keine Lust mehr, dauernd unterwegs zu sein. Deshalb hat sie sich entschlossen, als Ghostwriterin ihr Geld zu verdienen. In dieser Eigenschaft ist die üppige Enddreißigerin zu Gast bei Larissa Gräfin Rothenstayn, um deren Memoiren zu Papier zu bringen. Larissa lebte einst in der DDR, aus der ihr 1975 die Flucht gelang. Eines Morgens findet Kea ihre Auftraggeberin schwer verletzt im Park. Sie wurde niedergeschlagen und hat lebensbedrohliche Kopfverletzungen davongetragen. Schon bald fühlt sich auch Kea in dem Schloss der Gräfin bedroht. Zusammen mit ihrem Freund, dem Münchner Kommissar Nero Keller, begibt sie sich auf Spurensuche und deckt dabei Stückchen für Stückchen die Ereignisse in den 70er Jahren in der DDR auf. Gelingt es ihr, den Attentäter zu finden, bevor sie selbst zum Opfer wird?

Auffallend an diesem Roman von Friederike Schmöe ist die Sprache. Die habilitierte Germanistin nutzt sie, um die charakterlichen Eigenschaften der Protagonisten zu unterstreichen. Die Sicht von Kea Laverde ist als Icherzählung in der Vergangenheit beschrieben. Sie ist geprägt von kurzen Sätzen, die darauf schließen lassen, dass die Journalistin gestresst ist. Zum Teil werden originelle Wortschöpfungen eingebaut – wie z.B. die Bezeichnung „Indianer der WWW-Prärie“ für den Kommissar Keller, der sich auf Internetkriminalität spezialisiert hat. Dies soll wohl unterstreichen, dass es sich bei Kea Laverde um ein Mitglied der schreibenden Zunft handelt. Einige dieser kreativen Formulierungen waren mir jedoch zu krampfhaft um Originalität bemüht.

Die Sicht von Nero Keller wird in der personellen Perspektive beschrieben. Hier ist der Schreibstil wesentlich ruhiger und bedachter, so wie der Kommissar auch der ruhende Pol in der Beziehung ist.

Ereignisse aus der ehemaligen DDR werden in der Gegenwartsform geschildert. Das hat mich etwas verwirrt. Aber ich habe mich recht schnell an diesen Stil gewöhnt.

„Fliehganzleis“ ist bereits der zweite Teil der Kea-Laverde-Reihe. Obwohl ich den ersten Teil noch nicht kannte, bin ich schnell mit den Figuren und deren Lebensumständen vertraut geworden. Mir hat besonders die Idee gefallen, eine Ghostwriterin als ermittelnde Hauptfigur einzusetzen. Das war für mich ganz neu in diesem Genre.

Anfangs war ich, genau wie Kea, verwirrt von der Vielzahl der Figuren. Im Gegensatz zu ihr hatte ich als Leserin jedoch Einblick in die Ereignisse vor fünfunddreißig Jahren in der DDR. So konnte ich miträtseln, war der Journalistin jedoch immer einen winzigen Schritt voraus. Dieser kleine Vorteil des Lesers hat die Spannung nicht beeinträchtigt, im Gegenteil, ich fragte mich stets, wann Kea die Geschehnisse von damals aufdeckt.

Meine Lieblingsfigur in diesem Krimi ist eindeutig Juliane, die 77-jährige Freundin Keas, die ihr mit Weitsicht und absoluter Ehrlichkeit des Öfteren einen Schubs in die richtige Richtung gibt. Alle Nebenfiguren sind anschaulich beschrieben.

Am Ende laufen alle Fäden der Geschichte zusammen und im Epilog klärt die Autorin die noch verbleibenden Fragen auf. Im Nachwort erläutert die Autorin die historischen Zusammenhänge und nennt Quellenangabe ihrer Recherche. Einige Figuren sind real existierenden Personen nachempfunden.

Ich bin sehr gespannt auf weitere Fälle mit Kea Laverde. Zunächst werde ich mir jetzt aber den ersten Teil der Reihe, Schweigfeinstill, besorgen.

Fazit: Fliehganzleis ist ein ungewöhnlicher Krimi auf hohem sprachlichen Niveau, zu dem ich allerdings nicht sofort Zugang fand. Der Roman hat mir interessante Einblicke in die deutsch-deutsche Geschichte verschafft.

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Tags: ddr, ghostwriterin, münchen   (3)

  

 
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