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Imperium
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(51)

93 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

kolonialismus, kokosnuss, vegetarismus, südsee, aussteiger

Imperium

Christian Kracht
Fester Einband: 242 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2012
ISBN 9783462041316
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Christian Kracht erweist sich hier als vielleicht genialster Geschichtenerzähler, den ich kenne.
Engelhardt, der Protagonist des Buches, macht sich auf den Weg in die Inselwelt der deutschen Kolonialgebiete im Pazifischen Ozean, die Story spielt hauptsächlich Anfang des vorigen Jahrhunderts, um dort auf einem kleinen Eiland einen vegetarischen Kokosnussorden zu gründen, überzeugt von seiner Idee, die Kokosnuss ist schliesslich in all ihren Bestandteilen von unschätzbarem Wert, macht er das mit grossem Enthusiasmus. Er tut sich allerdings schwer Mitstreiter zu finden. Immer wieder fällt er ernüchtert auf Probanden herein, die sich wahlweise als Gauner, Lügner, Irre, moralische Halunken und Ähnliches herausstellen. Im Laufe der Geschichte wird Engelhardt immer wunderlicher ohne sich dessen bewusst zu werden.
Im Endeffekt scheitert sein Projekt, mittlerweile sind bereits zwei Weltkriege vergangen, und er endet als mehr oder weniger bestaunte Tourismusattraktion.
Soweit in Kürze, natürlich sehr nüchtern und absolut unvollständig, der Inhalt.
Kracht gelingt es, dies alles in eine ungeheuer ulkige Persiflage der damaligen Zeit und Umstände zu komponieren.
Er mixt dazu absolut famos diverse Zutaten.
Ein durchaus nachvollziehbarer geschichtlicher Rahmen wird mit höchst skurilen Details bestückt (Kokosnuss als geradezu göttlich verehrte Frucht). Protagonist mit äusserst amüsanten Schrullen, Verhaltensweisen und Denkmustern (Daumenlutscher, Ohrenschmalzverspeiser, allzu gutgläubige Menschenbewertung).
Handlungsablauf, der sich wunderbar in den geschichtlichen Ablauf einfügt.
Nichtzuletzt, die grandiose Gabe und der Instinkt Krachts für Geschichten und Schreiben.
Das Buch ist ausgezeichnet lesbar. Sprachlich passt sich das Werk geradezu excellent in die Zeit ein
Der Autor schafft es eine Geschichte, die andere Schriftsteller mühelos auf 1000 Seiten ausgewälzt hätten, in abgeschlossener Form, auf unter 300 Seiten zu drücken. Viele sehen darin, ich würde mich dem vorbehaltlos anschliessen, einen ausgesprochenen Autorenqualitätsnachweis.
Abschliessend, als Tupfen auf dem i, besticht das Buch mit einer wunderschönen Haptik und Aufmachung.
Mich drängt es noch etwas zum Skandal den das Buch beim Erscheinen, zumindest für kurze Zeit, ausglöst hat zu erwähnen.
Den Vorwurf des Antisemitismus, der Kracht entgegenschlug, empfinde ich nach Lektüre als geradezu lächerlich.
Inhaltlich erkennt man in dem Buch mühelos und völlig eindeutig eine Persiflage mit einer Vielzahl eingestreuter Ironismen, Zynismen und Scotissen. Ausserdem finde ich es schon fast am Rande der bewussten Rufschädigung aufgrund der Tatsache, dass ein Autor eine Geschichte erfindet, die in einer bestimmten Zeit spielt, das Signet des Antisemitismus anzuheften.
Insgesamt ein Buch, ich habe es tatsächlich bereits zweimal gelesen, das ich, ohne wenn und aber, als eines meiner fünf Lieblingsbücher klassifizieren würde und vorbehaltlos empfehlen kann.

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Ich und Kaminski
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122 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

künstler, maler, kritiker, kunst, freundschaft

Ich und Kaminski

Daniel Kehlmann
Fester Einband: 173 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.08.2003
ISBN 9783518413951
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Meiner Meinung nach der eindeutig beste Kehlmann meiner bislang drei gelesenen (Vermessung der Welt und Ruhm).
Hier hat Kehlmann bereits frühzeitig seine ganze Klasse unter Beweis gestellt.
Er bietet Spannung, Witz, Situationskomik, Tragik, Selbstverliebtheit und natürlich eine famose Schreibe.
Ein Kunststudent und angehender Kritiker macht sich auf in die Berge um beim grossen Maler zu recherchieren und Eindrücke zu sammeln für eine grosse Biographie über den Künstler. Damit erhofft er sich den ganz grossen Durchbruch.
Trotz des hohen Alters und der schweren Hinfälligkeit des Meisters erweist sich dieser als ganz schwer zu knackende Nuss. Einerseits durch die Persönlichkeit, andererseits durch eine Anzahl Vertrauter mit denen sich der Maler umgibt.
Aus dieser ganzen Gemengelage entwickelt sich eine Art Wettlauf mit der Zeit.
Ich war absolut geflusht und würde das schmale Bändchen als prädestiniert für den Einstieg in Kehlmann sehen. Ich persönlich sehr viel eher als "Die Vermessung der Welt".

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In Zeiten des abnehmenden Lichts
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199 Bibliotheken, 11 Leser, 6 Gruppen, 26 Rezensionen

ddr, familie, mexiko, wende, familiengeschichte

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Eugen Ruge
Fester Einband: 425 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 30.08.2011
ISBN 9783498057862
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Das Buch war mein erstes gelesenes Ebook. Im Grunde meines Herzens finde ich das eine ziemlich gruselige Angelegenheit und Zerstörung der jahrhundertelangen Buchkultur.
Ohne Zweifel gibt es aber einen nicht zu bestreitenden Vorteil im nicht benötigten Platz speziell unterwegs.
Inhaltlich hat mir Ruges Buch, eine Familiengeschichte über drei, vier Generationen auf dem ostdeutschen Territorium gut gefallen. Er schafft es, ja fast meisterlich, die recht unterschiedlichen Charaktere sehr präzise, in einer fast schnörkellosen Sprache, flüssig lesbar darzustellen. Immer auch mit einem gut dosierten Schuss Humor dabei. Hier begenen einem beispielsweise die noch geistigen Restbestände der Kaiserzeit in sich tragende Generation oder die kommod eingerichtete Wissenschaftlergeneration der DDR, des gesellschaftlichen Muffs wohl wissend, oder auch die in der DDR-Endphase aufgewachsene Generation mit Ihrem ganzen Aufbegehren innerlich wie letzlich auch äusserlich, da sich mittlerweile die globalen Entwicklungen nicht mehr länger systematisch abblocken liessen.
Gedanken, Gefühle, Empfindungen kennen keine Mauren.
Mir sind während der Lektüre mehrfach die Buddenbrooks in den Sinn gekommen. Ganz sicher ein etwas verwegener Vergleich zumal in Ruges Werk kein klassischer Verfall einer Familie festzustellen ist, womit natürlich ein vergleichbarer Aufhänger fehlt.
Nichtsdestotrotz für mich ein absolut würdiger Buchpreisträger 2011.

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Im Namen der Anklage
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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Im Namen der Anklage

Carla Del Ponte , Chuck Sudetic , Gabriele Gockel , Thomas Wollermann
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 06.05.2010
ISBN 9783596185207
Genre: Biografie

Rezension:

Das Buch einer überaus beeindruckenden Frau (Fehler im Bild: Autor ist natürlich Carla del Ponte. Frau Gockel ist die Übersetzerin). Als Chefanklägerin des Kriegsverbrechertribunals von Den Haag zeigt sie äusserste Konsequenz, Zähigkeit und Härte. Ihre Arbeit bei der Aufklärung der Greueltaten im ehemaligen Jugoslawien hat Massstäbe gesetzt. Sie war hier übelsten Beschimpfungen, ja Bedrohungen ausgesetzt. Eindrucksvoll wie sie in schier endloser Reihung die serbische Führung der Nach-Milosevic Zeit bedrängt kooperativ mit dem Tribunal zusammenzuarbeiten um speziell auch den damaligen Armeechef Mladic dingfest zu machen (was ja bis zum heutigen Tag nicht gelungen ist). Frau del Ponte nimmt auch kein Blatt vor den Mund und geisselt die mangelnde Unterstützung zahlreicher EU-Staaten. Diesen gingen lange Zeit Fortschritte auf diplomatischer Ebene vor Verfolgung übelster Kriegsverbrecher. Man muss bei dieser Gelegenheit nochmal daran erinnern dass es sich um die mit Abstand schlimmste Form des Völkermordes in Europa nach dem zweiten Weltkrieg handelte. Das Buch stellt ein absolutes Muss für jeden geschichtlich Interessierten dar. Definitiv empfehlenswert. Ach ja, der fehlende fünfte Stern ist den teilweisen Überlängen (speziell in der Darstellung der Bemühungen zur Kooperation der ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken) geschuldet. Dies liegt aber sicherlich eher in der Natur der Sache.

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Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
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126 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

schweiz, krieg, afrika, kommunismus, utopie

Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten

Christian Kracht
Fester Einband: 148 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 19.09.2008
ISBN 9783462040418
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Hier zeigt sich das schriftstellerische Können von Christian Kracht. Vor allem weil er eine reichliche Utopie entwickelt. Normalerweise behandeln Werke ja in aller Regel Vorkommnisse oder Umstände, die in irgendeiner Form mit dem Leben des Autors zu tun haben (normalerweise?? Na ja sagen wir sehr oft). Das kann man in diesem Buch nur sehr schwer herausarbeiten (höchstens dass Kracht mal irgendwann selbst in der Schweiz gelebt hat). Er erfindet vielmehr eine Geschichte in so ziemlich jeglicher Nuance (100 Jahre Krieg, die schweizerische Sowietrepublik, halb Afrika als quasi schweizerische Kolonie). Meine nur drei Sterne erklären sich lediglich dadurch, dass mein Intellekt nicht recht ausreicht, was die Botschaft des Buches besagt. Die Konstruktion an sich verdiente durchaus acht Sterne. Der geneigte Buchfan mache sich ein eigenes Urteil. Lesen, auf alle Fälle lesen. Zudem ist es übrigens ein Buch von wunderbarer Haptik (Papier- und Deckelqualität und natürlich die Umschlaggestaltung)

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