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Abserviert
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Abserviert

James M. Cain , Gunter Blank
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Walde und Graf bei Metrolit, 06.03.2013
ISBN 9783849300623
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

In den Siebziger Jahren geschrieben, spielt dieser Roman Ende der Fünfziger Jahre. Joan wurde früh von ihrem Freund schwanger, die beiden mussten, wie damals üblich, heiraten, und sie verlor ihren Mann, weil er betrunken gegen eine Wand fuhr. Jetzt hat sie kein Geld, Strom und Telefon wurden schon abgestellt und die Polizei verdächtigt sie, dass sie am Tod ihres Mannes nicht ganz unschuldig war.

Da hat sie Glück. Sie bekommt einen Job als Kellnerin in einer Bar. Sie ist hübsch, sexy und trägt bei der Arbeit ein sehr offenherziges Kostüm. Das spricht die Männer an und führt zu großen Trinkgeldern. Außerdem interessiert sich Earl, ein reicher, älterer Mann mit Herzproblemem für sie, den sie heiraten möchte. Damit sie ihr Kind wieder zu sich nehmen kann. Doch weiche Knie bereitet ihr nicht Earl, sondern Tom, ebenfalls ein Kunde der Bar. Der hat aber kein Geld.

James M. Cain lässt Joan ihre Geschichte erzählen und wie sie diese erzählt. In der Ich-Perspektive, atemlos, packt sie den Leser, er fiebert mit ihr und weiß doch nicht, was er der Dame glauben darf. Ist sie so naiv oder einfach nur gerissen? Cain lässt die Fünfziger Jahre aufleben, den Sex, der eigentlich Pfui ist, aber gerade deswegen überall präsent, die junge Frau mit dem alten Mann, der sie retten könnte und dem jungen Burschen, der ein Hallodri ist, für den sie aber Gefühle entwickelt, die es eigentlich gar nicht geben dürfte.

Ich weiß nicht, was ich mehr loben soll, den konsequent durchgehaltene Stil der Erzählung, der die junge Frau lebendig werden lässt; den stringent erzählte Plot, der den Leser mit immer neuen Verwicklungen in Bann schlägt oder den Schluss, der eine völlig überraschende, ebenfalls aber glaubwürdige Lösung bietet. "ABSERVIERT wird Sie fesseln und mit seinem unglaublichen Ende schockieren" urteilte Stephen King und er hat ganz sicher recht.

Obendrein enthält das Buch ein sehr gutes Nachwort. Die Leser liebten James M. Cain, er sprach Millionen an, bei der Kritik galt er aber als Mainstream, als Lieferant von grellem Schund, der die niederen Instinkte der Leser bediente. Was beim Lesen natürlich die Frage keimen lässt, wieviele der heutigen Autoren, die von Kritikern aus gleichen Gründen verrissen werden,  in fünfzig Jahren vielleicht als Literaten hochgeschätzt werden.

Dazu findet sich eine ausführliche Schilderung von Charles Ardai, der diesen letzten Roman von Cain entdeckte, wie er die Einzelteile fand und daraus schließlich eine kohärente Fassung zusammenfügte. Das jedenfalls ist ihm bestens gelungen.

Fazit: Ein Pulp-, ein Trashroman der alten Schule, der immer noch zu faszinieren vermag.

Leseprobe: http://www.amazon.de/Abserviert-Roman-James-M-Cain/dp/3849300625#reader_B00BN7YH5I

 

Abserviert, Krimi, James M. Cain, Walde und Graf, März 2013

ISBN-13: 978-3849300623, gebunden, 352 Seiten, Euro 22,99

 

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SOKO im Einsatz
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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

kripo, reale fälle, vermisstenfälle, polizei

SOKO im Einsatz

Ingo Thiel , Bertram Job , Bertram Job
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Ullstein extra, 01.11.2012
ISBN 9783864930126
Genre: Sach-/Fachbuch

Rezension:

Die Suche nach dem Verschwundenen Mirco war eine der größten Fahndunsaktionen der Bundesrepublik. Tausenden von Spuren und Hinweisen ging die bis zu 80 Mann starke Sonderkommission (SoKo) nach, bis der Täter gefasst und die Leiche entdeckt wurden.

 

Ingo Thiel, der Leiter der SoKo, beschreibt in diesem Buch diese Arbeit zusammen mit dem Journalisten Bertram Job. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf spektakulären Ereignissen, sondern auf dem Alltag in einer solchen SoKo. Die vielen verschiedenen Polizisten, jeder hat andere Fähigkeiten und eine andere Persönlichkeit. Von dem, der die pausenlosen Anrufe aus der Bevölkerung entgegennimmt und in den Computer einträgt über die verschiedenen Vernehmer bis zu den Nerds, die am Computer unzählige Daten verknüpfen. So entstand erst eine Fahrtroute, die der Täter genommen haben musste, aus der später anhand tausender Telefonortungsdaten eine herausgefunden wurde, deren Besitzer zu der fraglichen Zeit genau diesen Weg zurückgelegt hatte.

 

So manches Vorurteil wird dabei korrigiert. Etwa, dass Presse und Polizei eher gegensätzliche Ziele verfolgen. Ingo Thiel setzte dagegen auf die Presse, weil er möglichst viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten wollte. Auch wenn dies eine Menge Arbeit bedeutete und manche Spinner auf den Plan rief, von Selbstbezichtigern angefangen bis zum täglichen Kurt, der der Polizei vorschreiben wollte, wie sie ihre Fahndungen organisieren müsse, um Erfolg zu haben.

 

Zwei weitere, weniger bekannte Fälle werden ebenfalls in dem Buch behandelt.

 

In allen Fällen hatte man den Eindruck, dass die Täter fast schon erleichtert waren, wenn sie ihre Taten endlich gestehen konnten. Das setzte viel Einfühlungsvermögung bei der Vernehmung voraus, die Bereitschaft, sich in Menschen zu versetzen, deren Motive zu verstehen, die furchtbares getan hatten und das noch zu begründen versuchten.

 

Das Buch liefert einen guten Einblick in die tägliche Arbeit einer Sonderkommission, bei der, anders als im Krimi, viele kleine Spuren und deren Kombination zum Erfolg führen und nicht die eine, große Entdeckung samt Show-Down.

 

Wer einen Eindruck von der Polizeiarbeit in solchen Sonder- oder Mordkommissionen erhalten will, wird hier fündig. Dazu bietet das Buch auch einen guten Überblick darüber, wieviele sehr unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten an solchen Fällen beteiligt sind. Und man erfährt auch, wie unterschiedlich die Täter sind. Der eine eher unberührt von der Tat, der andere, der erst im Gefängnis Boden unter den Füßen erhält, endlich eine Rolle im Leben findet - und immer wieder mit dem Ermittler telefoniert. Weil er draußen niemand anders hat.

 

 

Leseprobe: http://www.ullsteinbuchverlage.de/media/9783864930126.pdf

 

SoKo im Einsatz, Sachbuch, Ingo Thiel/Bertram Job, Ullstein, November 2012

ISBN-13: 978-3864930126, Tb, 222 Seiten, Euro 14,99

 

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Partials - Aufbruch
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dystopie, partials, jugendbuch, medikament, ungekürzt

Partials - Aufbruch

Dan Wells , Jürgen Langowski
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei IVI, 01.03.2013
ISBN 9783492702775
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

 Das neugeborene Mädchen 485GA18M starb am 30. Juni2076 um 6.07 Uhr morgens. Es war drei Tage alt. Seit dem Zusammenbruch betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines menschlichen Säuglings sechsundfünfzig Stunden. Man gab ihnen nicht einmal mehr Namen. Kira Walker sah hilflos zu, wie Dr. Skousen den winzigen Körper untersuchte. Die gesichtslosen, mit Gasmasken und Overalls geschützten Schwestern – die Hälfte von ihnen war ebenfalls schwanger – notierten die Einzelheiten zu Leben und Tod. Die Glasscheiben dämpften das Wehklagen der Mutter im Flur. Sie hieß Ariel McAdamsund war gerade einmal achtzehn Jahre alt. Die Mutter eines Leichnams. Eine Schwester ging die Messwerte des Thermometers durch. »Körpertemperatur siebenunddreißigzwo bei der Geburt.« Die Worte drangen blechern durch die Maske. Kira kannte ihren Namen nicht. Eine andere Schwester übertrug die Zahlen sorgfältig auf einen gelben Zettel. »Siebenunddreißigzwo um vier Uhr heute Morgen. Dreiundvierzig zum Zeitpunkt des Todes.« Leise bewegten sie sich in dem Raum hin und her, hellgrüne Schatten in einem Land der Toten.

 

Paragen, eine Gentechnik Firma, hat künstliche Menschen (Partials) geschaffen, deren Wunden schneller heilen, die Krankheiten überstehen und im Kampf jedem Menschen überlegen sind. Genmanipulierte Soldaten, die sich hervorragend bewähren. Bis sie sich gegen ihre Schöpfer wenden, in einem Aufstand die Menschheit fast völlig ausrotten mittels eines Virus, gegen den es kein Mittel gibt. Nur einige tausend haben in East Meadow auf Long Island überlebt. Und wenn sie Kinder bekommen, sterben diese nach wenigen Tagen an dem Virus.

 

Der Senat in East Meadow hat ein Zukunftsgesetz erlassen. Das verpflichtet jede erwachsene Frau pro Jahr ein Kind zu bekommen. Irgendwann, so hofft man, wird ein Kind geboren werden, dass nicht gleich nach der Geburt stirbt, sondern immun ist und überlebt. Irgendwann.

 

Kira will nicht so lange warten. Sie ist angehende KRankenschwester, hilft bei den Geburten und erlebt, wie die Babys sterben und die Verzweiflung der Mütter.

 

Sie will etwas tun und beginnt auf eigene Faust nachzuforschen. Und entdeckt etwas. Ein Mittel könnte vielleicht gefunden werden, wenn man sich mit den Partials zusammentun würde. Immerhin ist der Krieg seit vielen Jahren vorbei, Partials und Menschen leben aber nach wie vor streng getrennt in unterschiedlichen Gegenden. Also bricht Kira mit Freunden ins Land der Partials auf. Was streng verboten ist ...

 

Nach "Ich bin ein Serienmörder" hat Dan Wells einen ganz anderen Roman vorgelegt, der in einem düsteren Weltuntergangsszenario spielt. Solche Szenarios hat es schon oft gegeben, doch das Buch wiederholt nicht einfach die gängigen Klischees. Faszinierend, wie der Autor seine Geschichte weiterentwickelt, den Leser immer wieder überrascht, die Dinge in immer neuem Licht erscheinen lässt. Nie kann man sich sicher sein: Jetzt weiß ich Bescheid.

 

Das Buch erzählt aber auch viel über Politik und Macht. Darüber, wie es Menschen verändert, wie die Senatsmitglieder - jeder auf seine Weise - durch die Katastrophe bestimmt werden und wie sie an einmal gewählten Lösungen festhalten.

 

So ist ein spannender SF-Thriller entstanden, der den Leser in Bann schlägt.

 

 

Leseprobe: http://www.piper.de/buecher/leseprobe/partials-i-isbn-978-3-492-96175-2/extract

Homepage des Autors: http://www.fearfulsymmetry.net/

 

Aufbruch: Partials I, Science Fiction, Dan Wells, Piper (ivi), März 2013

ISBN-13: 978-3492702775, gebunden, 506 Seiten, Euro 16,99

 

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Mr. Amazon
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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Mr. Amazon

Richard L. Brandt
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Ambition Verlag, 01.04.2012
ISBN 9783942821117
Genre: Biografie

Rezension:

Amazon steht in der Kritik wegen seiner Leiharbeit. Aber warum ist es überhaupt so groß geworden? Das zeigt dieses Buch

Die einen hassen es, weil es angeblich die deutsche Buchkultur bedrohe, die anderen lieben es, weil es so anwenderfreundlich sei. Aber kalt lässt Amazon niemanden.

Richard Brandt schildert die Entwicklung Jeff Bezos, des Amazon Gründers und die Entwicklung Amazons von der kleinen Start-Up Klitsche bis zu dem Giganten heute. Das ist interessant, weil es so manche Falschmeldung korrigiert und auch daran erinnert, dass vieles, das wir heute für selbstverständlich erachten, von Amazon erfunden wurde und das oft gegen die Mahnungen von Kritikern. Als Amazon seine Leserrezensionen online stellte, erklärte es die Konkurrenz für verrückt, weil es auch negative Kritiken zuließ.

Amazons Gründer Jeff Bezos war von frühester Jugend an ein Nerd, der sich in Computer verliebte, als er den ersten zu Gesicht bekam. Diese Liebe dauert bis heute an. Aber er war auch eine Leseratte, die sämtliche SF-Bücher las, die sie bekommen konnte. Logischerweise studierte er Computing Science, legte eine steile Karriere hin und beschäftigte sich mit der Vernetzung von Computern. Als das Internet entstand, erkannte er sofort die Möglichkeiten, die es bot. Und er wollte das beste und größte virtuelle Kaufhaus schaffen, eines, das kundenfreundlicher war als alle anderen.

Eigentlich hätte er mit jedem beliebigen Produkt sein Projekt starten können, doch er wählte aus drei Möglichkeiten aus, die er kannte: Software, Bücher und Musik. Perfektionistisch, pedantisch wie er war, wog er die Vor- und Nachteile jedes der drei ab und startete mit Büchern. Diese perfektionistische Planung, die fanatische Sucht, auch jedes noch so unwichtige Detail in die Planung einzubeziehen, sollte auch später der wichtigste Grund für Amazons Erfolg sein. Dass er aber Wirtschaftswissenschaft studiert habe und nach deren Vorgaben seinen Erfolg berechnete, stimmt nicht. Ebenso falsch ist die Behauptung, dass er gar keine Beziehung zu Büchern hat. In seiner Jugend war er eine Leseratte und ist mit einer Schriftstellerin verheiratet, die für Toni Morrison gearbeitet hatte.

Im Gegenteil, die Geschichte Amazons ist reich an Beispielen, dass Bezos keinerlei Hemmungen hatte, gegen eherne WIrtschaftsgesetze zu verstoßen und Risiken einzugehen. Die ersten Jahre bis ins Jahr 2000 machte Amazon nicht nur keinen Profit, Bezos verkündete gar, dass dies sein Ziel sein. Er wolle erst das perfekte anwenderfreundliche Kaufhaus schaffen, dann werde der Profit schon kommen. Die Dot-Com Blase 2000 zwang ihn dann doch zu profitsteigernden Maßnahmen wie Massenentlassungen und Einsparungen.

Ein wesentlicher Grund für den Erfolg war auch die Bereitschaft, auf die Kunden zu hören. Kaum eine andere Firma nahm Kundenbeschwerden oder Anregungen so ernst wie Amazon und auch innerbetrieblich war die Bereitschaft, mit neue Ideen zu experimentieren weit größer als üblich.

Kein Wunder, dass in Umfragen Amazon immer wieder die Nummer eins bei Kundenzufriedenheit wurde.

Eine weitere Konstante in Jeff Bezos' Plänen war der Glaube, dass Computeralgorithmen Kunden besser beraten können als menschliche Verkäufer. Darüber wird immer noch heftig gestritten, Fakt ist, dass Amazons "Andere Kunden haben auch gekauft"-Hinweise oft erstaunlich gut funktionieren.

2000 wollte Bertelsmann zusammen mit der amerikanischen Buchhandelskette Barnes und Nobles Amazons Wachstum stoppen. Beide waren damals noch erheblich größer und einflußreicher als der Newcomer, der keine Gewinne machte. Wallstreet-Analysten war klar, wer der Gewinner sein würde: Natürlich Bertelsmann. Sie irrten, übrigens nicht zum letzten Mal. Als Amazon mit dem Lesegerät Kindle auf den Markt kam, hatten schon mehrere Firmen mit solchen Geräten Schiffbruch erlitten. Doch Jeff Bezos wiederholte nicht die Fehler seiner Vorgänger. Der Kindle war passgenau auf die Leser zugeschnitten, Perfektionismus und Liebe zum Detail sorgten dafür, dass er kein Flop wurde wie seine Vorgänger.

Wie sehr Amazons Erfolg darauf beruht, dass es kundenorientiert arbeitet, zeigt sich oft im Detail. Seit vielen Jahren gibt es dort Leseproben - die Konkurrenz hat es bis heute nicht verstanden, wie wichtig dies ist und bietet das nur in Ausnahmefällen an.

Das Buch beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Aufstieg Amazons, die Entwicklung der letzten Jahre ist eher oberflächlich beschrieben. Wer etwas über Jeff Bezos Privatleben erfahren will, wird ebenfalls enttäuscht. Das Buch handelt von Amazon und Bezos' Firmenphilosophie, privates findet sich fast gar nicht.

 Interessant ist natürlich die Entwicklung von Amazon und auch diese Mischung aus Geschäftssinn mit der fast schon fanatischen Vision, dass Software und Vernetzung die Menschen und vor allem die Kunden glücklich machen werde. Ähnliches findet sich bei Apple, Steve Jobs scheint ein Zwillingsbruder von Jeff Bezos zu sein, was seine berufliche Karriere angeht. Die gleiche Hingabe an Details, verbunden mit visionärem Blick auf die neuen Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, Geschäftsinn gepaart mit einer fast religiösen Vision, der man alles hintanstellt. In diesem Punkt irrt das Buch, das behauptet, Steve Jobs habe eine Vision gehabt, Jeff Bezos denke nur an den Profit. Das Buch selbst zeigt das genaue Gegenteil.

Fazit: Wer wissen will, warum Amazon so erfolgreich, so groß wurde, der erfährt es hier. Ein gutes Buch das zeigt, dass Amazon nicht aufgrund irgenwelcher bösen Mächte groß wurde, sondern aufgrund seiner Kundenorientierung.

 

Leseprobe: http://www.ambition-verlag.de/upload/amb12pdf00000843.pdf

 

Mr. Amazon: Jeff Bezos und der Aufstieg von amazon.com, Sachbuch, Richard L. Brandt, Ambition, März 2012

ISBN-13: 978-3942821117, gebunden, 200 Seiten, 24,99 Euro

One Click (englische Fassung), ISBN: 978-1591845850, Tb, ca. 10,00 Euro

 

 


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Rebellen
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68 er generation, freiburg, rebbellion

Rebellen

Wolfgang Schorlau
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 09.03.2013
ISBN 9783462040760
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

»Das Erste, was er von Paul sah, war die Glut seiner Zigarette.
Zunächst dachte er, es sei eines jener selten gewordenen Glühwürmchen, die er manchmal abends von seinem Zimmer aus beobachtete, wenn sie drüben auf der anderen Seite des niederen Buchbaumszaunes ihre Tänze aufführten und so eigenwillige Kurven und Linien flogen, so schnell die Richtung ihres Fluges änderten, dass es ihm nie gelang, ihre Bahnen vorherzusagen. Doch dieses Glühwürmchen leuchtete jäh auf und verlosch gleich wieder. Alexander drückte sich enger an die Wand und schob die Gardine ein wenig weiter zur Seite. Er kniff die Augen zusammen, um durchs Dunkel besser sehen zu können, und drüben auf der Heimwiese verwandelte sich der Schatten in eine Kontur, und die Kontur wurde zur Gestalt, zur Gestalt eines Jungen, kaum älter als er, vielleicht schon dreizehn Jahre alt. Mit dem Rücken lehnte er gegen den Stamm des alten Apfelbaum und rauchte.
Unvermittelt überfiel ihn Neid. Ekelhafter, sündiger Neid. Neid, den er am Samstag würde beichten müssen.«

Alexander ist der Sohn eines Unternehmers in Freiburg, Paul lebt im benachbarten Waisenhaus. Der eine geht auf das Gymnasium, der andere tritt mit vierzehn eine Lehre an. Trotzdem und gerade deshalb werden sie Freunde. Es sind die sechziger Jahre, mit festgefügten Schranken zwischen oben und unten, wer wohin gehört, ist bereits mit der Geburt in Beton gegossen. Aber gleichzeitig die Zeit, in der Jugendliche diese Trennung immer mehr in Frage stellen. So werden Alexander und Paul Freunde, erleben 68 und die Auseinandersetzungen um die Fahrpreise in Freiburg, Demos und Paul genießt die Aufmerksamkeit, die ihm als Arbeiter plötzlich seitens der Studenten entgegenschlägt. Früher war er das Heimkind, mit dem niemand etwas zu tun haben wollte, jetzt prügeln sich die Studentinnen um ihn.

Heute ist Alexander Unternehmer, seine revolutionäre Vergangenheit hat ihm eine Menge beigebracht, das er jetzt nutzen kann. Paul hat das Rebellentum weitergetragen und jetzt ist er tot. Sie haben beide das gleiche Mädchen geliebt und Toni hat sich nie eindeutig für einen von ihnen entscheiden können.

Wolfgang Schorlau schildert die wilde Zeit Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger anschaulich, lässt lebendig werden, warum es damals zu der Jugendrevolte kam und was heute aus den Rebellen geworden ist. Machmal ist es ein bißchen klischeehaft, meist sehr genau geschildert.

Doch die Maoistenphase, die wird nur in wenigen Szenen angerissen. Warum sind diese Rebellen in den stalinistichen KBW eingetreten, haben übelsten Dogmatismus gepredigt und später die dort erlernten Techniken als Neoliberale weiter betrieben. Fast scheint es, sie hätten sich nicht geändert, sondern nur ihren politischen Ansichten einen neuen. cooleren Anstrich verpasst. Sieht man sich an, wieviele Ex-Maoisten heute in Wirtschaft und Politik führend sind, könnte ein Alien glauben, dass Mao kein Revolutionär, sondern ein Management-Guru war.

Romane über die Jugendrevolte rund um 68 gibt es viele, doch kaum welche, die sich mit dieser Mao-Phase beschäftigen. Schorlau ist zu danken, dass er es erstmals anreißt, aber schade, dass es nur am Rande des Romans geschehen ist.

Fazit: Spannender Roman über Rebellen, die in die Jahre und Amt und Würden gekommen sind, auch wenn die Liebe zu Mao und den diversen führenden Parteien der Arbeiterklasse etwas zu kurz kommt.

Leseprobe: https://www.bic-media.com/dmrs/widget.do?layout=singlepage&buyButton=no&clickTeaser=yes&arrowTeaser=yes&https=yes&showLanguageButton=yes&cid=1593026&widgetSource=https://www.bic-media.com/dmra/content/detail/detail-widget.do?cid=1593025&isbn=9783462040760
Homepage des Autors: http://www.schorlau.de/

Rebellen, Roman, Wolfgang Schorlau, KiWi, März 2013
ISBN-13: 978-3-462-04076-0, gebunden, Euro 19,99

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Rauklands Sohn
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schwert, kampf, freundschaft, könig, insel

Rauklands Sohn

Jordis Lank
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Verlagshaus El Gato, 07.03.2013
ISBN 9783943596045
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

„Was hast du getan?“
Der Schrei trieb durch seine bleierne Müdigkeit. Ein Schatten wuchs über ihm, Hände krallten sich in sein Haar und rissen seinen Kopf zurück. Der Schatten war sein Vater.
Ronans Herz pochte so wild gegen seine Rippen, dass es schmerzte. Er konnte sich nicht rühren, es war, als läge eine tonnenschwere Felswand auf ihm. Nichts ergab einen Sinn.
Sein Vater schlug ihm ins Gesicht. „Du bist betrunken!“

Ronan ist der beste Schwertkämpfer rund um das ganze Nordmeer. Doch die Liebe zum Schwert ist die einzige Liebe die er kennt. Dann legt ihn ein Mädchen mit vergiftetem Wein herein und seinetwegen verliert sein Vater, der König von Raukland, eine Schlacht. Der König ist nicht für seine Nachsicht bekannt, er lässt den Sohn auspeitschen und verbannt ihn auf eine einsame Insel im Nordmeer, die bisher noch ein unabhängiges Königreich ist. Das soll er für Raukland gewinnen, sonst verliert er Thron und Leben.

Doch diese Insel namens Lannoch hat strenge Vorschriften. Wer dort herrschen will, muss seine Tauglichkeit in mehreren Prüfungen beweisen. Die erste: Finde einen Freund. Ronans einziger Freund ist sein Schwert und das reicht nicht.

Da wird ein Schiffbrüchiger angespült. Ronan rettet ihn und glaubt, jetzt habe er seinen Freund gefunden. Doch so einfach ist das nicht ...

Ich muss ehrlich sein. Ich bin nicht objektiv, was dieses Buch angeht. Denn ich habe es schon bei der Entstehung ein Stück weit begleitet und die Geschichte hat mich schon damals fasziniert. Spröde wie der Norden liest es sich und fasziniert gerade dadurch. Abenteuer, Schwertkämpfe und ein junger Mann, der seinen Weg finden und lernen muss, dass man mit dem Schwert allein keine Herzen erobert. Eine Coming of Age Geschichte der ganz eigenen Art, ein All-Ager und vor allem ein Buch, das auch Jungen jeden Alters wieder zu Lesen animieren könnte. Das man mit 16 ebenso verschlingt wie mit 60.

Leseprobe: http://www.jordis-lank.de/raukland-trilogie/1-rauklands-sohn/leseprobe/
Homepage der Autorin: http://www.jordis-lank.de/

Rauklands Sohn, Fantasy, Jordis Lank, El Gato, März 2013
ISBN-13: 978-3943596045, Tb, 364 Seiten, Euro 12,90

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Teufelskanzel
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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Teufelskanzel

Thomas Erle
Flexibler Einband: 277 Seiten
Erschienen bei Gmeiner, 04.02.2013
ISBN 9783839213940
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Emmendingen ist ein verschlafenes Städtchen, 20 Kilometer von Freiburg entfernt. Dort lebt der Weinhändler Kaltenbach sein zurückgezogenes Leben, in dem auch nicht viel passiert. Der Besuch der örtlichen Klatschtante ist schon der Höhepunkt des Tages.

Doch dann erzählt sie ihm, dass auf dem Kandel, auch Teufelskanzel genannt, ein Toter liegt. Und den, so schlußfolgern manche, hätten die Kandelhexen erledigt, denn diese "Teufelskanzel" galt schon immer als der badische Blocksberg, an dem sich die Hexen versammeln.

Das weckt Kaltenbachs Neugier. Dass er auf dem Kandel einer geheimnisvollen Schönen begegnet, tut das ihrige dazu.

Der Roman beginnt gemütlich, fast schmerzhaft gemütlich. Kleinstadtleben breitet der Autor gekonnt vor uns aus, nur ab und zu unterbrochen von dem geheimnisvollen Todesfall. Langsam zieht er die Spannung an, eine Achterbahn durch die badische Esoterikszene beginnt, bis es dann zum Showdown kommt. An dessen Anfang hatte ich als Leser einige Probleme, zu ungeschickt stellte sich plötzlich der Protagonist an. Der Schluss hat dann doch noch einige Überraschungen parat.

Fazit: Guter Krimi, der die badischen Provinz lebendig werden lässt

Leseprobe: http://www.amazon.de/Teufelskanzel-Kaltenbachs-erster-Thomas-Erle/dp/3839213940/ref=cmcr-mr-title#readerB00B5CYF5I
Homepage des Autors: http://www.thomas-erle.de/

Teufelskanzel, Krimi, Thomas Erle, Gmeiner, Februar 2012
ISBN-13: 978-3839213940, Tb, 277 Seiten, Euro 9,99

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Der Mossad
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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

spionage, tatsachenberichte, zeitgeschichte, politik, krieg

Der Mossad

Victor Ostrovsky , Einar Schlereth , Einar Schlereth
Flexibler Einband: 439 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 01.07.2000
ISBN 9783442150663
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Er gilt oft als der erfolgreichste Geheimdienst der Welt, für die Juden ist er der Schutz ihres Volkes, der einen neuen Holocaust verhindern soll. Jetzt hat ein Ex-Mossad Agent ausgepackt und schildert, wie sehr dieser Geheimdienst zum Staat im Staat geworden ist, den niemand kontrolliert und der selbstherrlich entscheidet, was den Juden nützt und wer leben darf und wer sterben muss.

Wir alle kennen die Pleiten und Pannen von CIA und BND, wissen, wie die Stasi zur Krake geworden ist. Victor Ostrovsky schildert, dass auch der Mossad längst ein Eigenleben führt, sich seine eigenen Gesetze gibt und vor nichts zurückschreckt. Weil es den Holocaust gegeben hat und weil jeder Jude davon und der Furcht geprägt ist, dass er sich wiederholen könne, findet der Mossad überall auf der Welt freiwillige Helfer - doch die wenigsten sind sich darüber klar, wie dieser Dienst wirklich funktioniert und welche Ziele er verfolgt. Leider auch keine besseren als andere Geheimdienste.

Ostrovskys Buch liest sich spannend und überzeugend, man spürt, dass hier ein Insider spricht. Natürlich dürfte das eine oder andere subjektiv geprägt sein, der Autor hat den Mossad enttäuscht verlassen und ist deshalb wohl kaum in allen Belangen objektiv.

Dennoch ist seine Schilderung eine glaubwürdige Darstellung und vermutlich trifft auch manches, das über den Mossad geschrieben wird, auch auf viele andere Geheimdienste zu. Wer einmal einen realistischen Blick hinter die Kulissen werfen will, wird hier fündig. Auch wenn das Buch mittlerweile zwanzig Jahre alt ist.

Der Mossad, Sachbuch, Victor Ostrovsky, Goldmann, Juli 2000
ISBN-13: 978-3442150663, Tb, 414 Seiten, Euro 9,95

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Kommissar Pascha
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münchen, deutschland, schluss, migration, sonderdezernat

Kommissar Pascha

Su Turhan
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 01.01.2013
ISBN 9783426511916
Genre: Krimi/Thiller/Horror

Rezension:

»Ziemlich genau vor einem Jahr fasste Kommissar Zeki Demirbilek einen Entschluss: Er wollte statt jeden Sonntag nur noch jeden zweiten Sonntag Schweinebraten essen. Zum einen wegen der Kalorien, zum anderen hatte er ein schlechtes Gewissen. Denn dem Münchner türkischer Abstammung war sehr wohl bewusst, mit den Essgewohnheiten gegen die Regeln seines Glaubens zu verstoßen.
Nur, er konnte nicht anders.
Obwohl seine Eltern Fatma und Zülfü ihrer Pflicht nachgekommen waren und ihren einzigen Sohn in die Koranschule schickten, wie es die Tradition verlangte. Bis zum zwölften Lebensjahr lernte Zeki, den Koran zu lesen, und wurde in religiösen Fragen unterrichtet. Dies war ein selbstverständlicher Bestandteil seines Alltags. Bis zu dem Tag, an dem seine Eltern sein Leben auf den Kopf stellten.«

Zeki Demirbilek liebt Münchener Schweinebraten und Istanbul und hat Pascha-Allüren. Außerdem ist er Kommissar der Münchener-Kripo und jetzt soll er das Sonderdezernat für Schwerkriminalität mit Migrationshintergrund leiten.

Und der Münchener Eisbach schwemmt ihm auch gleich eine Leiche zu. Gut, dass die junge Kollegin Kollegin Jale Cengiz mit türkischem Temperament und Berliner Schnauze das Team verstärkt. Sie ist vor ihrem jüngeren Bruder nach München geflohen, der seit dem Wegzug des älteren Bruder die Tugend seiner Schwester bewachen will.

Hinzu stößt die niederbayrische Kollegin Isabel Vierkant, und Pius Leipold, ebenfalls ein Pascha, allerdings das bayrische Modell. Ein wenig erinnert es an Adler-Olsens Thriller um das Sonderdezernat Q, aber Turhan kann mit seinem bayrisch-türkischem Milieu sehr eigene Akzente setzen. Und alleine diese Milieuschilderung macht dieses Buch zu etwas Besonderem, Ungewöhnlichem.

Da ist die Ehefrau des Ermordeten, die in Ganzschleier auf der Polizeirevier erscheint, aber ohne Hemmung über den verblichenen Ehemann und dessen Fehler herzieht - "Er hätte nie geboren werden dürfen!". Da ist Süleyman Güzelogu, Chef einer großen Döner-Kette, dessen Tocher immer wieder in den Jet-Set Postillen auftaucht und deren Eskapaden zu unterbinden er längst aufgegeben hat: Nur Jungfrau soll sie bleiben, das ist ihm wichtig. Denn er will sie mit dem Sohn seines alten Freundes in Istanbul verheiraten und so deren beiden Gesellschaft zu einem internationalen Player machen. Gül ist einverstanden, sie genießt es, die Männer mit ihrem Outfit heiß zu machen, an Sex hat sie aber kein Interesse.

Wie Gül stehen auch die anderen Figuren im Roman zwischen Tradition und Moderne. Nicht, weil sie zwangsverheiratet oder ehrengemordet werden - sonst die übliche Lösung in Krimis -, sondern weil ihnen Familie und Traditionen wichtig sind und sie gleichzeitig auf die eine oder andere Art auch die Moderne schätzen.

Selbst Nebenrollen kann Sur Turhan eindrücklich schildern. Etwa Antonia, die in einem Wellness Puff vor und hinter der Theke arbeitet, mit viel Selbstsicherheit geschult durch ihre Arbeit mit Männern, die auch ein türkischer Kommissar nicht so leicht erschüttern kann.

So gehört dieses Buch zu den wenigen, die gleich zweimal gelesen habe. Und nur eins kann ich dem Buch vorwerfen: Bei der Vielzahl der Personen wäre eine Personenliste zum Nachschlagen sehr nützlich. Doch das ist auch schon das einzige, das ich kritisieren kann.

Mit kurzen Szenen, flüssigem Stil schlägt das Buch den Leser in Bann. Für Fans von Georges Simenon und Friedrich Ani, aber auch für jeden, der einmal andere Milieus erleben will, genau das Richtige.

Hoffen wir, dass das nicht das einzige Buch um Kommissar Pascha und seine Crew bleibt!

Leseprobe: http://www.amazon.de/Kommissar-Pascha-Fall-Zeki-Demirbilek/dp/3426511916/ref=sr_11?ie=UTF8&qid=1360434884&sr=8-1#readerB008CJ6BHW

Kommissar Pascha, Krimi, Su Turhan, Knaur Januar 2012
ISBN-13: 978-3426511916, Tb, 328 Seiten, Euro 8,99

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Spannend schreiben
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2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Spannend schreiben

Christian Schärf , Hanns-Josef Ortheil
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Duden, 01.09.2012
ISBN 9783411754366
Genre: Sach-/Fachbuch

Rezension:

»Wie erzeugt man eigentlich Spannung beim Schreiben?«, diese Frage will das kleine Buch beantworten.

»Die Signalformel ‚spannend‘ zeigt jeweils an, ob ein gebotener Vorgang, eine Situation oder ein Erlebnis in einem rezeptionsästhetischen Sinne ansprechend ist, ob das Gebotene einen hohen Grad von Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen vermag. Damit wird immer auch ein inszenatorisches Moment angesprochen« sagt das Vorwort und bereitet den Leser auf einen Stil vor, der sich vor allem durch Umständlichkeit, der Ersetzung von Verben durch Substantive (Nominalstil) und durch reichlich Passiv auszeichnet. Kurz: Der Stil ist alles andere als spannend, manchmal sehr mühsam zu lesen und der Leser ist entzückt, wenn endlich mal wieder Umberto Eco, Patricia Highsmith oder Raymond Chandler zitiert werden, die zeigen, dass man auch spannend über Spannung schreiben kann.

Selbst in den Übungsaufgaben, die erfreulicherweise im Buch enthalten sind, findet sich dieser Stil: »Versuchen Sie, zunächst ganz vereinzelte, dann immer dichter werdende Anzeichen des Fremdwerdens und der Unheimlichkeit einzustreuen.« Des »Fremdwerdens«, wozu Verben, wenn es Substantive viel umständlicher sagen können?

Wenn es je des Beweises bedurft hätte, dass Stil bei Spannungsliteratur keineswegs nebensächlich ist, dieses Buch hätte ihn geliefert. Dass Nominalstil, Passivkonstruktionen, Hilfsverben statt aktiven Verben der Spannung abträglich sind, findet sich in zahlreichen Schreibratgebern - der Autor dieses Buches behandelt die Sprache aber nur ganz am Schluss und sehr stiefmütterlich.

Dafür wird eine ausführliche Geschichte der Spannungsliteratur geboten, mit Beispielen aus »Dracula«, Edgar Allen Poes Kurzgeschichten, Hofmannsthal und »Sherlock Holmes«. Diese Teile sind denn auch das Interessanteste an dem Buch. Ausführlich wird referiert, welche Elemente in welchen Büchern vorkommen, vom Grauen des Wetters (der Autor liebt das Wort »Grauen« außerordentlich) bis zu den verschiedenen Formen der Labyrinthe in denen sich Ermittler bewegen und verfangen können. Leider fehlt auch hier eine Diskussion darüber, wie ein Autor das alles verwenden kann. So wird Wetter einfach umstandslos als Möglichkeit des Spannungsaufbaus dargeboten. Dass schon Snoopy mit der stürmischen und regnerischen Nacht bei Verlagen und Lesern keine Spannung aufbauen konnte, fehlt im Buch. Bei Schreiben kommt es immer auch auf das »Wie« an, Wetter eignet sich auch heute als Spannungsmoment. Aber die unzähligen Manuskripte, die Lektoren täglich mit einer stürmischen und regnerischen Nacht erhalten, beweisen, dass es kein Mittel ist, das immer und überall funktioniert. Im Gegenteil, es kann zum kräftigen Gähnen beitragen.

Weswegen ich den Eindruck gewinne, dass der Autor sich nicht hat entscheiden können, ob er nun einen Praxisratgeber schreiben wollte oder eine literaturwissenschaftliche Abhandlung. Vieles ist in Stil und Inhalt literaturwissenschaftlich, interessant, aber für die Frage: »Wie schreibe ich spannend?« eher unwesentlich. Der alte Zwiespalt zwischen Theoretikern und Praktikern.

Zeigen lässt sich das am Beispiel des Dialogs. Dieses sehr wichtige Element der Spannungsliteratur behandelt er am Rande mit einem Beispiel von Simenon. Wie man derartige Dialoge aber schreiben kann, das interessiert ihn nicht. Sol Stein hat das in »Über das Schreiben« weit eindrücklicher und praxisrelevanter beschrieben.

Dabei kann Christian Schärf durchaus auch anders. Nicht überall holpert und pumpert die Sprache wie ein bürokratisches Paragraphenwerk, er beherrscht durchaus die Fähigkeit, gut und lesbar zu schreiben. Leider fällt er immer wieder in seine sehr wissenschaftliche Sprache zurück. Eine, die garantiert nicht spannend ist. So verwenden die Autoren bei ihm »die Kunst des Plottings«, dass sie einfach »plotten«, war ihm wohl zu banal. Gut ist eine ausführliche Literaturliste am Schluss, bei der allerdings Sol Steins grundlegendes Buch »Über das Schreiben« fehlt.

Fazit: Ein Schreibratgeber, der sich nicht entscheiden kann, ob er ein literaturwissenschaftliches Werk sein will oder ein praktischer Ratgeber. Weswegen er an »Suspense« von Patricia Highsmith, »Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht« und andere Bücher nicht heranreicht. Auch Sol Stein »Über das Schreiben« und Freys »Wie man einen verdammt guten Roman schreibt« verraten weit mehr über Spannung - was immer man dem Letzteren auch bezüglich Vereinfachung vorwerfen könnte.

Leseprobe: http://www.amazon.de/Spannend-schreiben-Krimi-Mord-Schauergeschichten/dp/3411754362/ref=cmcr-mr-title#reader3411754362
Homepage des Autors:

Spannend Schreiben, Schreibratgeber, Christian Schärf, Bibliographisches Institut, 2012
ISBN-13: 978-3411754366, gebunden, 157 Seiten, Euro 14,95

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Die Gruppe 47
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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

hans werner richter, gruppe 47, eich, nachkriegsliteratur, günther grass

Die Gruppe 47

Helmut Böttiger
Fester Einband
Erschienen bei DVA, 12.11.2012
ISBN 9783421043153
Genre: Biografie

Rezension:

Längst ist die Gruppe 47, geführt von Hans Werner Richter, zum Mythos geworden. Verehrt von den einen, die davon schwärmen, dass damals Literatur noch etwas gegolten habe, verdammt von den anderen, die darin eine Reichschrifttumskammer sehen und eine Hinrichtungsinstitution, die absolute Macht über den Literaturmarkt gehabt hätte.

Helmut Böttiger hat jetzt ein Buch über diese Gruppe, ihre Entstehung und ihre Geschichte vorgelegt.

Hans Werner Richter kam nach dem Krieg aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück. Dort hatte er erstmals mit der literarischen Moderne Kontakt. Deutschland war zwölf Jahre abgeschnitten von allen literarischen Entwicklungen in der Welt, obendrein hatten die meisten Schriftsteller fliehen müssen.

In Deutschland gaben weiterhin die den Ton an, die schon zu Nazizeiten hochverehrt wurden. Man distanzierte sich zwar ein wenig von den "pöbelhaften" Nazis, aber mythisierte fröhlich weiter, wenn auch nicht direkt mit Blut und Boden. Religiöse Schwärmerei, überhaupt das Schwärmerische war sehr beliebt, mit den Realitäten wollte man sich lieber nicht befassen. "Ich habe gesagt, der innerste Sinn aller Kunst [...] mache sie zu einer Trösterin über die Vergänglichkeit des Daseins" proklamierte Rudolf Alexander Schröder 1947.

Richter und eine ganze Reihe anderer wollten weg davon. Sie wollten das Leben nicht verklären, sondern die Trümmer in Deutschland wahrnehmen. Was ihm aber bei einer Tagung der "Mystiker" gefallen hatte: "So was sollte man öfter machen. Manuskripte vorlesen, diskutieren - da kommt was dabei raus." So entstand die Gruppe 47. Zur ersten Tagung kamen weniger als zwanzig Teilnehmer. Keiner davon war berühmt.

Die Gruppe 47 war der einzige Ort, an dem neue Autoren sich von dem Mystizieren der Gegenwart und Vergangenheit absetzen konnten, das damals allgemeine Mode war und vor allem von Friedrich Sieburg und der FAZ apodiktisch vertreten wurde. Sieburg warf Ende der Fünfziger Jahre Walser gar vor, dass früher noch Anstand und Sitte gegolten habe und Walser das verlasse. Wenn man bedenkt, dass "früher" Nazis und Drittes Reich waren und Sieburg dort ein hohes Amt innehatte, eine ziemliche Unverfrorenheit.

Wer glaubt, dass Shit-Storms eine Erfindung des Internetzeitalters seien, der irrt. Als Thomas Mann 1949 den Goethepreis bekam, überschwemmten die Protestbriefe das Rathaus und selbst der hessische Kultusminister sagte sein Kommen ab. Mit einem »labilen«, »goethefremden« Dichter wollte man nichts zu tun haben. Andere distanzierten sich gleich vom »Juden Mann«. Als der Norddeutsche Rundfunk ein Hörspiel von Günter Eich brachte, brach ein ähnlicher Shitstorm los - obwohl es das Wort damals noch gar nicht gab. »Sagen Sie mal, was verzapfen Sie heute wieder fürn Mist im Rundfunk? Es ist zum Kotzen«. Trolle gab es schon lange vor dem Internet und die Rüpelrepublik ist kein neues Phänomen. Als die FAZ es 1957 wagte, ein Gedicht von Eich zu drucken, musste sie eine ganze Seite freiräumen für die Leserbriefe im Stil: »In jüngeren Jahren hatte ich für die Entmündigung und Einweisung Geistesgestörter in Irrenanstalten zu sorgen. Der Herr Eich gehört meines Erachtens zweifelsohne dorthin!«

Die Gruppe 47 wurde so zu einem Fluchtpunkt all derer, die nicht in das wabernd-nebulöse Mythisieren einstimmen wollten. Es war der Einzige. Helmut Böttiger zeigt in seinem Buch sehr gut die gesellschaftlichen Umstände, die die Gruppe bestimmten. Auch Literatur lebt nicht im luftleeren Raum, sondern wächst aus der Gesellschaft, in der sie geschrieben wird.

Eine einheitliche literarische Vorstellung hatte die Gruppe nicht. Richter war ein Vertreter des Realismus, doch er versuchte nie, diese Vorstellung in der Gruppe durchzusetzen. Schon am Anfang gab es Surrealisten, bald folgen die »Formalisten«, die Richter zwar nicht liebte, aber duldete.

Anders als heute oft tradiert wird, war Politik ganz und gar verpönt in der Gruppe. Zwar waren die meisten Teilnehmer Gegner des Adenauerstaats und traten oft auch gegen ihn an - in den Gruppentreffen musste man sich aber auf literarische Diskussionen beschränken.

Da die Gruppe 47 der einzige Ort war, an dem sich neue Autoren vorstellen konnten, wurde sie bald zur Avantgarde. Mit Günter Eich, Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Alfred Andersch und anderen versammelten sich die, die später in die Literaturgeschichte eingehen sollten. Ingeborg Bachmann schaffte es als Fräuleinwunder 1954 auf das Titelblatt des Spiegels. 1958 las Günther Grass aus der Blechtrommel und wurde damit schlagartig berühmt. Zwar gab es nochmal zahlreiche Versuche, diesen »Schmutz und Schund« zu unterbinden, doch die Zeit ging zu Ende. Die Gruppe 47, als kleine Gruppe literarischer Außenseiter gegründet, entwickelte sich langsam zum literarischen Mainstream. Als das literarische Colloquium, entstanden aus dem Umfeld der Gruppe, in West-Berlin Lesungen organisierte, kamen zu Ingeborg Bachmanns Lesung über zweitausend Zuhörer, später mussten die Veranstalter gar die Polizei rufen, weil sie den Andrang nicht mehr bewältigen konnten. In den heutigen Zeiten, in denen jede Kleinstadt Literaturtage veranstaltet, ist es kaum mehr vorstellbar, welche Bedeutung die Gruppe 47 gewonnen hatten.

Als Mitte der Sechziger die Studentenrevolte begann, rechneten sie viele bereits zum Establishment.

Mit der Entwicklung änderten sich auch die jährlichen Gruppentagungen. Anfänglich waren die Gruppentagungen Werkstattgespräche zwischen Autoren. Was heute tausendfach in Internetforen, Literaturhäusern und VHS-Treffen passiert, war damals revolutionär neu. Kritik und Diskussion, das war weder im Führerstaat noch im wilhelminischen Deutschland angesehen, das war ein anglo-amerikanischer Import.

Doch spätestens nach der Tagung 1958 mit der Lesung der »Blechtrommel« interessierten sich die Zeitungen, das Fernsehen und die Verlage für die Gruppe. Vorlesenden Autoren übten sich in Selbstdarstellung, der Autor als Ich-Marke entstand. Das machte Werkstattgespräche unmöglich. Die Tagungen wurden von Journalisten belagert, wer dort reüssierte, dessen Zukunft war gesichert. Immer wieder versuchte Hans Werner Richter und auch Günther Grass die Tagung zurück zum Werkstattstattgespräch unter Autoren zu führen, vergeblich. Junge literarische Wilde straft das Leben damit, dass sie im Alter Mainstream werden.

Böttiger zeigt, wie sich das in den Sechzigern erstmalig entwickelte, Peter Handke und Hans Magnus Enzensberger waren die Ersten, die das begriffen und konsequent umsetzten. Heute verlangt jeder Verlag von seinen Autoren, dass sie in Facebook, Twitter und im Internet ihre Selbstdarstellung betreiben. Was einst einige literarische Autoren begannen, ist heute auch für Genreautoren Pflicht geworden.

So manches aus der Gruppe 47 hat sich später verselbstständig. Etwa die Behauptung, dass »wertvolle Literatur« immer realistisch sein solle; dass Eskapismus etwas Schlechtes sei.
Diese eindeutige Festlegung der Gruppe gab es aber gar nicht und die Realisten, die es in der Gruppe gab, wollten sich damit zum Wabern und Weben der Nach-Nazi-Literatur abgrenzen. Interessant, wie sich Meinungen und Theorien verselbstständigen und später zum Dogma werden. Und auf Dinge ausgedehnt werden - in dem Fall auf Fantasy etc. - die damit nichts, aber auch gar nichts zu tun haben.

Böttigers schreibt stilsicher und flüchtet sich nicht in literarische Verquastheit. Sein Buch lässt die Autoren der Gruppe 47 lebendig werden und wie sich die literarische Szene in den ersten beiden Jahrzehnten der Bundesrepublik entwickelte. Vieles, das wir heute im Literaturbetrieb kennen und für selbstverständlich halten, wurde damals angelegt. So ist das Buch ein Muss für jeden, der schreibt, egal ob literarisch oder Genre, und auch für jeden, der sich für Literatur und Bücher interessiert.


Leseprobe: http://www.amazon.de/Die-Gruppe-47-Literatur-Geschichte/dp/3421043159/ref=sr_11?ie=UTF8&qid=1355231909&sr=8-1#reader3421043159

Die Gruppe 47 - als die deutsche Literatur Geschichte schrieb, Sachbuch, Helmut Böttiger, DVA, November 2012
ISBN-13: 978-3421043153, gebunden, 478 Seiten, Euro 24,99

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Tags: eich, gruppe 47, günther grass, hans werner richter, nachkriegsliteratur   (5)

  

 

Im Visier des Todes
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83 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 33 Rezensionen

fotograf, mord, paris, schwester, thriller

Im Visier des Todes

Olga A. Krouk
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Lyx, 01.09.2012
ISBN 9783802586408
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

»Danke, dass du gekommen bist.« Leah spreizte ihre Finger und strich den Rock über den Knien glatt. Das Stimmengewirr der Trauergäste schien in jeder Diele des Hauses zu vibrieren, als säße sie nicht auf den Treppenstufen, sondern in einem Bienenstock.
Beharrlich starrte Poul auf ihre Hände. Einer ihrer Nägel war abgebrochen. Leider hatte sie noch nicht die Zeit gefunden, ihn in Form zu bringen. Andere Maniküre-Unfälle dürfte sie heute aber erfolgreich gemieden haben.
»Danke, dass du gekommen bist, ich glaube, du bist so ziemlich der Einzige, der nicht fragt, wie ich mich fühle.« Ruhelos, haltlos – selbst nur ein Schall unter fremden Stimmen, bloß ein Nachruf, der in dieser Welt zurückgeblieben war. Ihre Finger bedeckten den Zwillingszeichen-Anhänger. Sie senkte die Hand, schaute zu Poul. Er müsste es verstehen, würde keine Worte brauchen.
Aber vielleicht waren es nur die Schäferwölkchen in ihren Nägeln,die ihn so bannten.
Sie zwang sich zu einem Lächeln.

Leah lebt bei ihrer Mutter, die sie nicht verlassen kann noch will. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Celiné, die die Anfangsstufen einer Modelkarriere erstiegen hatte, ist sie eher ein Mauerblümchen. Oder will so erscheinen.

Aber ihre Schwester ist tot. Dann doch lieber Mauerblümchen. Und mit Liebe wird wohl nichts, sie ist ja längst nicht so schön, wie ihre schöne Schwester. Dafür lebt sie noch. Und dann taucht Kai auf. Der hat ihre Schwester fotografiert und ist ein Shootingstar unter den Fotografen. Leah werden die Knie weich. Nur leider ist der Mann auch der Hauptverdächtige an Celinés Tod. Also besser keine Schmetterlinge im Bauch, sondern kühle Ermittlungen. Vielleicht erfährt sie ja was?

Olga Krouk spinnt ihre Mischung aus Lovestory und Krimi geschickt aus den üblichen Versatzstücken zusammen. Wer allerdings glaubt, dass schon wieder ein blutrünstiger Serienkiller ...

Aber nein, ich will nichts verraten. Nur, dass man auch aus bekannten Teilen etwas völlig neues schreiben kann, spannend, romantisch und auch stilistisch faszinierend. Einfach lesenswert.

Leseprobe: http://www.amazon.de/Im-Visier-Todes-Olga-Krouk/dp/3802586409/ref=sr_1fkmr02?ie=UTF8&qid=1351966257&sr=8-2-fkmr0
Homepage der Autorin: http://www.olgakrouk.de/

Im Visier des Todes, Olga A. Krouk, Lyx, 2012
ISBN-13: 978-3802586408, Tb, 352 Seiten, Euro 9,99 (Tb), 8,99 (Ebook)

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Verteidigung der Missionarsstellung
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59 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

london, wortwitz, bse, wolf haas, simbach

Verteidigung der Missionarsstellung

Wolf Haas
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 01.09.2012
ISBN 9783455404180
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

»Verrate mir bitte nicht deinen Namen«, sagte Benjamin Lee Baumgartner zu der freundlich aus ihrem kleinen Imbisscontainer auf ihn herabblickenden Burgerverkäuferin.
»Ich finde, wenn man den Namen von einem Menschen weiß, ist der Zauber schon zerstört.«
Eine halbe Stunde hatte er ihren Stand umkreist, war am Greenwich Markte kreuz und quer gegangen und hatte darüber nachgedacht, wie er diese Erscheinung im Wunschhineinsprech- und Beefburgerherausreichfenster durch entwaffnendes Ansprechen auf ihre Realität überprüfen könnte.
»Ich hatte nicht vor, dir meinen Namen zu sagen«, antwortete sie.

Benjamin Lee ist skrupelkrank und Halbindianer. Zumindest glaubt er das
Er ähnelt auch dem Häuptling aus »Einer flog über das Kuckucksnest«. Dem sieht er nämlich ähnlich. Obendrein ist er ein Gesundheitsrisiko.
Immer, wenn er sich verliebt, bricht eine neue Seuche aus. Die Kuhekrankheit, wie eine Engländerin sie charmant nennt, die Vogelseuche, die Schweinegrippe. Und dann auch noch diese Ehecseuche, die aus Sprossen stammt. Die hat Benjamin sortiert.

Ein Buch von Wolf Haas kann man nicht realistisch besprechen. Wolf Haas, das ist Karl Valentin mit Loriot vermischt und vergessen Sie nicht die Prise Kafka.
Realistisches, ernsthaftes Erzählen sollte man also nicht erwarten. Angeblich soll das Ernsthafte ja typisch deutsch sein, betonen die typisch Deutschen immer und vergessen die lange Ahnenreihe in der deutschen Literatur, der die Ernsthaftigkeits- und Realitätsgene völlig abhandengekommen sind.
Die Missionarsstellung sollte man also nicht ernst nehmen. Der Autor erzählt sie uns auch gar nicht, jedenfalls nicht so, wie man eine Geschichte erzählt. Er nutzt jede Gelegenheit, um davon abzuweichen. Trotzdem kommt er am Schluss punktgenau im Ziel an. Auch wenn er oft nur über die Geschichte erzählt. So muss sich der Leser die Geschichte selbst aus dem zusammensetzen, was der Autor dem Leser in Bruchstücken mitteilt. Dass Wolf Haas selbst drin auftaucht, wen wundert das noch?
Schon in dem »Wetter vor fünfzehn Jahren« wurde nicht die Geschichte erzählt, sondern über die Geschichte geredet. Und immer, wenn der Leser glaubt: Aha, jetzt habe ich es kapiert, kommt es erstens anders und zweitens sowieso. Deshalb ist auch der Halbhopi ... aber nein, das erzähle ich jetzt besser nicht.
Das gehört nämlich zu dessen Lebenslüge. Lebenslügen haben Haas` Figuren immer im Übermaß. Im Buch werden sie erst nach und nach enthüllt. Außerdem macht sich der Autor über Literatur lustig. Jedenfalls die Literatur, die Beschreibungen von Orten und Landschaften überall einfügen muss, weil sie glaubt, das sei literarisch. Auch wenn es besser wäre, wenn sie es nicht täte. Wolf Haas (der Wolf Haas im Buch, nicht der Wolf Haas, der das Buch geschrieben hat) setzt in seinem Text immer die passenden Merker. [HIER NOCH LONDON ATMOSPHÄRE EINBAUEN. LEUTE. AUTOS. HÄUSER.].
Manchmal fährt er auch Fahrstuhl. Der Text meine ich, eng gepackt fährt er Seite für Seite nach unten.
Womit ich bei dem Problem des Buches angekommen bin. Diesmal übertreibt er ein wenig. Der Text im Fahrstuhl ist originell, aber muss man das über viele Seiten ausdehnen? Dass immer auch geschrieben steht, was der skrupelkranke Benjamin sagen möchte, sich aber nicht traut, ist anfänglich witzig und erhellend. Nach einiger Zeit nervt es, der Leser hat es längst kapiert. So manches in dem Buch wirkt übertrieben, weniger wäre mehr gewesen.
Weswegen es einen gespaltenen Eindruck bei mir hinterlässt. Skurril, originell, das ist auch dieses Buch. Aber an mancher Stelle wirkt es maniriert. Die Qualität des Wetters vor fünfzehn Jahren erreicht es deshalb nicht.

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Neukölln ist überall
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21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

integration, neukölln, berlin, sozialarbeit, überfremdungsängste

Neukölln ist überall

Heinz Buschkowsky
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Ullstein HC, 01.09.2012
ISBN 9783550080111
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Heinz Buschkowski ist Bürgermeister von Neukölln, dem berühmtesten »Problembezirk« Deutschlands. Und er packt aus, nimmt kein Blatt vor den Mund. Lebendig und sachlich schildert er die Probleme seines Bezirks. Dass es dort durchaus »bürgerliche« Viertel gibt, aber eben auch mit Nord-Neukölln Viertel, die immer mehr abrutschen, die sich immer mehr vom Rest der Republik abkoppeln. Kinder, die dort aufwachsen, haben miese Chancen, an den Schulen gibt es kaum mehr deutsche Kinder, die Kinder stammen aus Familien, in denen oft keiner mehr arbeitet und so setzt sich eine verhängnisvolle Spirale in Gang.

Die Deutschen ziehen weg, aber auch die Deutschtürken und alle anderen »mit Migrationshintergrund«, die es sich leisten können. Genau die, die eigentlich Vorbildfunktionen einnehmen könnten. Das Viertel sackt ab, die Arbeitslosenrate steigt, die Einnahmen sinken und viel weniger Kinder schaffen den Schulabschluss oder gar ein Abitur als anderswo. Heinz Buschkowski glaubt nicht, dass das an den Genen liegt oder weil Türken dümmer sind. Er schildert aber minutiös, welche Faktoren dazu führen, dass hier eine Parallelgesellschaft entsteht, mit eigenen Gesetzen, mit Wertvorstellungen, die sich sehr vom Rest der Republik unterscheiden.

Bildung sei das Wichtigste, um diesen Kreislauf aufzubrechen. Das ist nicht neu, das haben schon viele gesagt und geschrieben, aber der Neuköllner Bürgermeister kann es plastisch schildern. Ihm kommt es nicht auf theoretische Ergüsse an, er ist ein Praktiker, erzählt, was er und seine Leute tun, welche Steine ihnen die Politik oft in den Weg legen und was er sich an Vorgaben seitens der Politik wünschen würde.

Zum Beispiel eine Kindergartenpflicht, flächendeckende Ganztagesschulen und keine Herdprämie. Denn die Kinder in diesen Vierteln haben nur dann eine Chance, wenn sie früh die Sprache lernen, wenn sie möglichst früh die Bildung erhalten, die ihnen ihr Elternhaus nicht anbieten kann oder will. Interessant, dass Türken und Deutsche eine überraschende Gemeinsamkeit haben: Beide sprachen sich in Umfragen von Bild und Hürriyet in überwältigender Mehrheit für die Kindergartenpflicht aus, während die Politiker zögern und vielerorts die Kindergärten noch Geld kosten.

Und er möchte endlich auch Sanktionen für die, die sich nicht an die Regeln halten. Raser, die sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, müssen zahlen, Unternehmen, die Umweltauflagen missachten, werden bestraft. Jeder weiß, dass sonst so mancher Egoist (egal ob mit deutschem oder türkischem Gasfuß) durch die Innenstädte donnern würde, so manches Unternehmen seinen Dreck ins Abwasser leiten würde.
Warum soll es bei Eltern anders sein, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken?

In einer Rezension kann ich nur auszugsweise aufzählen, was er alles vorschlägt: Etwa, dass die Eltern das Zeugnis in Empfang nehmen müssen. Kein schlechter Vorschlag und sicher eine Möglichkeit, »bildungsferne« Eltern enger an die Schule zu binden.

Einige Vorschläge sind problematisch. Den Datenschutz aufweichen, damit Polizei, Schule und Sozialamt schneller und besser gewarnt werden, wenn eine Familie auffällig wird? Nicht jeder wird das Gutheißen, aber diskutieren sollte man es schon. Wieweit wollen wir gehen? In Holland wurden damit immerhin Erfolge erzielt.

Nein, Neukölln ist gottseidank nicht überall, wie der Titel suggeriert. Aber es gibt genügend Neuköllns, mehr als uns lieb sein kann. Auch sind »Parallelgesellschaften« nicht erst in den letzten Jahren entstanden, ausgerechnet die USA, die der Autor so lobt, haben bittere Erfahrungen damit machen müssen. Nur dass es in Amerika »Ghetto« heißt, dennoch ähnliche Entwicklungen aufweist, wie die in diesem Buch aufgezählten. Die Ghettoaufstände von Watts und anderswo zeigen, wohin die Fahrt gehen kann, wenn man nicht gegensteuert.

Das Buch liest sich leicht, überzeugend, Buschkowski ist kein Fanatiker wie Sarrazin, auch kein Rassist. Er schildert seine Erfahrungen, schlägt Lösungen vor. Manchmal stellt er sein eigenes Licht unter den Scheffel, das Buch enthält durchaus auch Erfolgsstorys. Etwas die von der Rütli-Schule, die sich von der bundesweiten Horrornachricht zu einem durchaus erfolgreichen Modell wandeln konnte.

Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/product/3550080115/ref=cmcrmtsprodimg
Interviews mit dem Autor:
die Welt: http://www.tagesspiegel.de/politik/neukoellns-buergermeister-im-gespraech-die-fehler-des-klaus-wowereit/7253190-2.html
Cicero: http://www.cicero.de/berliner-republik/buschkowsky-spd-berlin-autobraende-integration-noch-zehn-jahre-bis-london/42793

Neukölln ist überall, Sachbuch, Heinz Buschkowsky, Ullstein, 2012
ISBN-13: 978-3550080111, gebunden, 397 Seiten, Euro 19,99

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Tags: buschkowsky, deutsch, einwanderung, integration, islam, neukölln, rütli-schule   (7)

  

 

Kings of Cool
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82 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

drogen, kalifornien, gewalt, marihuana, o

Kings of Cool

Don Winslow , Conny Lösch
Fester Einband: 351 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 01.09.2012
ISBN 9783518464007
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Ben und Chon sind jung und leben das easy living in Südkalifornien. Ben glaubt, wenn man Gewalt mit Gewalt erwidert, erntet man noch mehr Gewalt, während Chon glaubt, wenn man Gewalt gewaltfrei erwidert, erntet man noch mehr Gewalt. Chon ist bei der Army und muss immer mal wieder nach Afghanistan und Taliban killen. Ihrer Freundschaft tut das keinen Abbruch.

Sie haben sogar ein gemeinsames Unternehmen, nämlich erstklassiges, biologische Marihuana, das sie "Saturday in the park" nennen. Mit großer Fangruppe und funktionierendem Vertriebsnetz. Sie leben mit O zusammen, einem Baywatch Girl, dessen Mutter mittels teurer Kosmetika und noch teureren Schönheitsoperationen jünger als ihre Tochter aussehen möchte.

Das wäre alles normaler kalifornischer Alltag. Doch kalifornischer Alltag, das ist nicht nur easy living. Das ist auch der Krieg gegen Drogen, die amerikanische Drogenpolizei und die Drogenmafia. Die Polizei verlangt, dass die Freunde ab und an einen Händler hochgehen lassen, damit sie öffentlichkeitswirksame Erfolge vorweisen kann. Die Mafia will Geld dafür, damit sie ihr Geschäft in Ruhe lassen. Wir verraten keine Freunde, sagt Chon und Geld zahlen wir auch nicht.

So kommt es, wie es kommen muss. Bens Idee vom gewaltfreien Marihuana Paradies endet in einer Orgie der Gewalt. Und bald stellt sich heraus, dass Südkalifornien eine Vergangenheit hat. Bens Eltern sind als Hippies dort aufgewachsen, erst mit weichen Drogen, make Peace not money, später, in den Achzigern, wurde Money das Zauberwort, dass die Welt am Laufen hält und Drogen waren kein Glaubensbekenntnis mehr, sondern ein Mittel Geld zu scheffeln. Und auch Johns Vater spielt eine Rolle, die ...

Nein, keine Angst, ich verrate jetzt nicht alles.

Don Winslow verknüpft Drogen, Hippies und die Suferszene genial, lässt die amerikanische Vergangenheit der letzten vierzig Jahre lebendig werden und die Geschichte dreier Generationen. Mit kurzen Kapiteln, manche nur eine halbe Seite lang, stilsicher und einem genialen Plot. Manchmal wechselt er für ein, zwei Seiten in den Stil eines Drehbuchs. Was bei anderen Autoren maniriert wirken würde, handhabt er so gekonnt, dass es genau passt.

Und immer wieder schafft er es, auf kürzestem Raum Personen und Szene zu kennzeichnen.

"Friday s ist quasi ein Club für geschiedene Übervierzigjährige. Man holt sich einen Burger, ein Bier und vielleicht auch Nachos und schlägt die Zeit mit dem Versuch tot, eine geschiedene Übervierzigjährige zu finden, die genauso einsam und notgeil ist wie man selbst."

Mit wenigen Sätzen verknüpft er die Geschichte seiner Figuren mit dem amerikanischen Alptraum:

"John entwickelte sich vom kleinen Tacodieb zum erfolgreichen jungen Geschäftsmann und die Vereinigten Staaten machen auf McMurphy in Einer flog über das Kuckucksnest. Die Rede ist von den Jahren 1968 bis 1971.
Has anybody here seen my old friend Martin, has anybody here seen my old friend Bobby, Tet-Offensive, Unruhen in Cleveland, Unruhen in Miami, die Unruhen schlechthin in Chicago, Bürgermeister Daley, Hippies und Yippies, wir setzen die Medikamente ab und wählen Richard Nixon (die Schwester Ratchett der amerikanischen geschlossenen Politikanstalt), der Heidi Bowl, Ed Kennedy auf tödlicher Fummelfahrt, die Chicago Eight, My Lai, I came upon a Child of God: He was walking along the road, Altamont, Janis stirbt, Charles Manson, Kambodscha, tin soldiers and Nixon coming, Angela Davis, Alles was sie schon immer über Sex wissen wollten, Apollo 13, Batik-T-Shirts, Wallekleideer, Attica Prison Riot"

Und dennoch hat mich dieser Don Winslow nicht so beeindruckt, wie [[ASIN:3518463500 Die Sprache des Feuers: Kriminalroman (suhrkamp taschenbuch)]] oder [[ASIN:3518461214 Frankie Machine: Kriminalroman (suhrkamp taschenbuch)]]. Vielleicht, weil die drei jungen Protagonisten etwas zu blass, etwas zu konstruiert wirken? Weil meine Erwartungen zu hoch geschraubt waren ? Ich weiß, das ist ungerecht, denn auch ein durchschnittlicher Don Winslow ist immer noch ein lesenswerter Thriller.

So bleibt als Fazit: Spannendes, lesenswertes Buch, aber sicher nicht das Beste von Winslow.

Leseprobe: http://www.suhrkamp.de/livebooks/Don-WinslowKings-of-Cool/downloads/don-winslowkings-of-coolleseprobe.pdf
Homepage des Autors: http://don-winslow.com

Kings of Cool, Thriller, Don Winslow, Suhrkamp, September 2012
ISBN-13: 978-3518464007, gebunden, 351 Seiten, Euro 19,95

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Bei Tränen Mord
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34 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

callcenter, liebe, mord, krimi, tränen

Bei Tränen Mord

Angelika Lauriel
Flexibler Einband: 278 Seiten
Erschienen bei Gmeiner, A, 09.07.2012
ISBN 9783839212875
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

» Immer wenn ich weinen muss, passiert eine Katastrophe. Kennen Sie das auch?
Ich bin keine Heulsuse, wirklich nicht. Ich, Lucinda Schober, bin eine typische deutsche Singlefrau in den Dreißigern, Sternzeichen Zwilling.
Meine kleine Schwester Kat behauptet ja, dass dieses Sternzeichen der Grund für viele meiner Probleme sei.«

So beginnt Lucys Geschichte, die Manolos und Pralinen kauft, die sie sich nicht leisten kann, vor allem dann, wenn mal wieder ein Kunde sie im Callcenter zur Minna gemacht hat. Wobei letzteres verständlich ist. Sowohl, dass die Kunden genervt sind, wie auch, dass Lucy immer mal wieder in Tränen ausbricht. Denn dieses Callcenter und sein Chef Dürrbier bemühen sich sehr, alle Negativklischees dieser Branche zu erfüllen. Wer einmal dort auf die Liste kommt, wird die Anrufer nie mehr los. Dafür sorgt schon Dürrbier, ein heißer Kandidat für den Titel «Ekel des Jahres«.

Der sammelt genervte Kunden auf speziellen Listen. Und diese Listen muss abtelefonieren, wer dem Chef in die Quere kommt. Lucy gehört immer wieder dazu. Dass die angerufenen Kunden mehr als genervt sind und Lucy beschimpfen, ist kein Wunder. Dass die manchmal in Tränen ausbricht, auch nicht.

Doch plötzlich endet es tödlich. Wer Lucy nervt, der stirbt bald bei einem Unfall. Und der Kripobeamte Frank Kraus schöpft Verdacht. Auch Lucy selbst weiß nicht mehr, ob sie vielleicht schizophren ist und an den Unfällen nicht ganz unschuldig.

Furios und witzig folgen wir der Ich-Erzählerin durch ihren Alltag, ein wenig Chicklit, ein wenig Krimi und sehr unterhaltsam.

Der Gegenpol Frank Kraus, seines Zeichens Kripobeamter und Liebhaber der Fußerotik kann da anfangs nur schwer mithalten. Anfänglich wirkt seine Perspektive sehr mühsam und er selbst wie ein Luschi, ebenso willen- wie emotionslos, der sich von seiner Ex in die Kellereinliegerwohnung abschieben lässt, als die sich einen neuen Lover zulegt. Nur langsam kann er im Buch Statur gewinnen.

Angelika Lauriel hat einen witzigen Genremix aus Krimi und Chicklit vorgelegt, ungewöhnlich auch die Mischung aus Ich-Perspektive und der Perspektive aus der dritten Person. Ebenso ungewöhnlich und unterhaltsam auch die Zwillinge, die in ihrem Kopf um die Herrschaft kämpfen. Die eine Lady Tough, die andere Frau Übervorsichtig.

Ein unterhaltsamer Roman für den Strand oder einen kuscheligen Abend zu Hause.

Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/reader/3839212871/ref=sibdpkd#reader-link
Homepage der Autorin: http://www.angelikalauriel.de.tl/

Bei Tränen Mord, Chicklit Krimi, Angelika Lauriel, Gmeiner, 2012
ISBN-13: 978-3839212875, Tb, 278 Seiten, Euro 9,90

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Mein böses Herz
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322 Bibliotheken, 3 Leser, 7 Gruppen, 79 Rezensionen

halluzinationen, thriller, halluzination, wulf dorn, bruder

Mein böses Herz

Wulf Dorn
Fester Einband: 413 Seiten
Erschienen bei cbt, 24.02.2012
ISBN 9783570160954
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Doro ist sechzehn und zieht mit ihrer Mutter in ein kleines Dorf. Der Vater hat sich gerade scheiden lassen. Und in der Nacht liegt ein verletzter Junge im Garten, der sie um Hilfe anfleht. Doch als die Polizei kommt, gibt es weit und breit keinen Jungen. Die Polizisten glauben ihr nicht. Obendrein erfahren sie bald, dass Doro schon einmal Halluzinationen hatte - als ihr Bruder unter ungeklärten Umständen starb. Seitdem fragt sie sich, was damals wirklich passiert ist. Schlimmer noch: Auch andere fragen sich das. Und als weitere Ereignisse passieren, die den Eindruck erwecken, dass Doro halluziniert, fangen nicht nur die Mitschüler an, an Doros Verstand zu zweifeln. Sondern Doro fragt sich selbst, ob sie sich noch auf sich selbst verlassen kann ...

Langsam, ganz langsam zieht Wulf Dorn die Daumenschrauben in seinem Jugendthriller an. Nie ist der LEser sicher, was wirklich passiert ist, welche Personen ehrlich sind, welche nicht und bis kurz vor Schluß ist nicht mal bei Doro klar, ob das, was sie erlebt hat, eingebildet ist oder nicht. Und ob die schnoddrige Teenagerin nicht doch ein dunkles Geheimnis mit sich herumschleppt, am Tod ihres Bruders mitschuldig war. Dabei will der Leser genau das auf keinen Fall, zu sympathisch ist diese junge Schülerin.

So entstand ein Thriller, der viel an Stephen King erinnert. Kings Romane sind in Kleinstädten von Maine angesiedelt, Doros böses Herz schlägt im ländlichen Schwaben. Wer sagt da, Provinz sei langweilig? Und einmal mehr zeigt sich, dass Jugendbücher nicht nur für Jugendliche interessant sind - aber das wissen wir ja alle spätestens seit Harry Potter.

Mich hat "Mein böses Herz" noch viel mehr gefesselt, als "Trigger", aber das ist sicher Geschmackssache. Stephen King Fans werden jedenfalls hier auf ihre Kosten kommen und die meisten anderen auch.

Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/reader/3570160955/ref=sibdppt#reader-link
Homepage des Autors: www.wulfdorn.de

Mein böses Herz, Jugendthriller, Wulf Dorn, cbt, Februar 2012
ISBN-13: 978-3570160954, gebunden, 416 Seiten, Euro 16,99

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Jungfrau (männlich), gläubig, sucht
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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Jungfrau (männlich), gläubig, sucht

Daniel Morawek
E-Buch Text: 136 Seiten
Erschienen bei null, 04.06.2012
ISBN B00890NJLA
Genre: Sonstiges

Rezension:

Sex ist nicht einfach, schon gar nicht als gläubiger Christ. Denn er bietet nicht nur die höchste Lust, sondern oft auch die höchsten Peinlichkeiten. Vor allem, wenn man noch Jungfrau ist und die Erwachsenen im Bibelkreis zwar gute Ratschläge, aber keine Ahnung haben.

Und dann kommt noch ein Freund aus Schultagen, der jetzt Pornofilmer ist und einem eine Stelle als Toningenieur anbietet. Kein Wunder, dass man dabei in einer riesigen Pappvulva landet.

Daniel Morawek schildert mit viel Empathie den Lebensweg eines jungen Christen, der hin und hergerissen ist zwischen Verboten von vorehelichem Sex und Wünschen, endlich auch ein Mann zu werden. Was andere Entwicklungsromane schamhaft verschweigen, das finden Sie hier.

"Wir sitzen auf Natalies Couch und knutschen. Ich spüre die Erektion in meiner Hose. Darüber wundere ich mich schon lange nicht mehr. Aber ich hoffe, dass sie die Ausbeulung nicht bemerkt. Als ich vorsichtig meine Hose abtaste, spüre ich, dass die Stelle, wo die Genitalien an den Stoff drücken, total durchnässt ist.
Jeden Abend geht das jetzt so. Keine Ahnung, was das für eine Flüssig ist (Schmiermittel?), über sowas redet ja keiner."

Doch, einer redet darüber, worüber Christen (und Sexualaufklärer) eher selten aufklären. Der Autor versteht es, all das mit viel Witz zu erzählen, ohne in den Klamauk zu verfallen. Für Christen, junge Männer und alle anderen ein erheiterndes Buch, das dennoch oder gerade deswegen einigen Tiefgang bietet.

Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/reader/B00890NJLA/ref=sibdpkd#reader-link
Homepage des Autors: http://www.danielmorawek.de/

Jungfrau (männlich), gläubig, sucht, Roman, Daniel Morawek, Create Space, Mai 2012
ISBN-13: , Tb, 136 Seiten, Euro 8,89 (Tb), 4,89 (Ebook)

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Kinder
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(26)

52 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 9 Rezensionen

schule, thriller, kinder, selbstmord, roman

Kinder

Jürgen Seibold
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.02.2012
ISBN 9783492273077
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

»Ein Fragebogen? Na, meinetwegen. Schießt mal los.«
»Das meiste wissen wir ja selbst: Dein Job, Mamas Cateringservice, unser Haus, wann ihr geheiratet habt und so. «
»Wer will das denn alles wissen? «
»Der Moeller. Der will uns doch kennenlernen, das habe ich dir doch gerade vorhin gesagt. «
»Aha, und dazu braucht er den Fragebogen. «

Die Pietschs sind eine glückliche Familie, Mama, Papa und drei Kinder, die in der Schule gut mitkommen. Doch dann erscheint ein neues Lehrerehepaar. Sie wollen mehr aus den Kindern herausholen, Disziplin ist ihr Credo und zunächst haben sie Erfolg

Aber sie haben seltsame Methoden. Herr Moeller stellt einen Jungen vor der ganzen Klasse bloß. Bisher war dieser der Star, jetzt verliert er diesen Status. Schließlich bringt er sich um.

Der jüngste Sohn der Pietschs wird von Mitschülern gemobbt und verprügelt. Wagt aber nichts zu sagen, weil Frau Moeller die Klasse mit ihren seltsamen Methoden im Griff hat und jeder, der aufmuckt, bloßgestellt wird.

Irgendwann dämmert den Eltern, dass mit den neuen Lehrern was nicht stimmt. Doch die Noten in den Klassen verbessern sich, die Kinder arbeiten besser mit und bald versandet der Protest. Zum Schluss stehen die Pietschs alleine da.

Jürgen Seibold hat einen spannenden Thriller geschrieben, ich habe ihn in einem Rutsch durchgelesen (und bin viel zu spät schlafen gegangen). Immer, wenn es scheint, dass die Pietschs doch noch Erfolg haben, können ihre Gegner alles so drehen, dass alle glauben: Pietschs sind schuld. Die Moellers nicht. Seibold hält immer neue Überraschungen bereit.

Natürlich spiegelt er nicht den Schulalltag wieder, aber welcher Thriller erzählt aus dem Alltag? Wer wissen will, wie es an deutschen Schulen zugeht, wird wohl kaum zu einem Thriller greifen, sowenig jemand zu James Bond greift, um etwas über Geheimdienste zu erfahren ;-). Disziplin in der Schule, das Thema der Moellers, spaltet aber auch in der Realität die Geister.

Allerdings hat das Buch auch Schwächen. Seibolds Dialoge klingen oft hölzern, er liebt ausformulierte Sätze, es klingt nicht nach lebendigem Dialog und besonders die Kinder reden öfters nicht wie Kinder. Diese Stellen sind nicht lang, die gut konstruierte Story hält den Leser bei der Stange, aber sie stören dennoch das Lesevergnügen.

Fazit: Spannender Krimi mit einigen Mängeln in Personen und Dialog.

Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/reader/3492273076/ref=sibdppt#reader-link
Homepage des Autors:

Kinder, Psychothriller, Jürgen Seibold, Piper, März 2012
ISBN-13: 978-3492273077, TB, 409 Seiten, Euro 9,99

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Tags: disziplin, eifel, schule, stuttgart   (4)

  

 

Die Zelle
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(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

uwe böhnhardt, zwickau, deutschland brennt, theresienwiese, ausländerhass

Die Zelle

Christian Fuchs , John Goetz
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 05.06.2012
ISBN 9783498020057
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Anfang der Neunziger Jahre brennen Häuser, vor allem auf dem Boden der ehemaligen DDR, aber auch in Westdeutschland. Häuser, in den Ausländer oder Asylbewerber wohnen, sind die Ziele, es kommt zu zahlreichen Morden. Viele Jugendliche in der ehemaligen DDR wenden sich rechtsradikalen Gruppen zu. Darunter drei, Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Bald gehen die Drei dazu über, Bomben zu bauen. Zunächst sind es Attrapen, die sie in Jena auslegen und an Zeitungen verschicken. 19998 hebt die Polizei ihre Bombenwerkstatt aus, doch die drei können fliehen und tauchen unter.

Gesinnungsgenossen helfen ihnen mit Geld, Unterkunft, Pässen weiter. Die drei begnügen sich nicht mehr mit Attrapen, jetzt schießen sie und in Köln lassen sie eine Nagelbombe hochgehen. Ihre Opfer sind Türken, Griechen, alle die, die in ihrem Weltbild "unwertes Leben" sind und die Reinheit Deutschlands gefährden. Bis 2011 bringen sie neun Menschen um, die Morde werden zum Politikum, doch Polizei und Politik versichern unisono, dass es sich nicht um rechtsradikale Täter handele. Sie versteifen sich auf Bandenkriminalität. Dabei haben zwei Profiler unabhängig voneinander Täterprofile entwickelt, die den eigentlichen Tätern sehr nahe kommen. Doch was nicht sein kann, darf nicht sein und die Polizei verfolgt weiter die Spur organisierter Kriminalität, die Politker beklagen, dass die türkischen Gemeinden dichthalten würden und der Polizei nicht weiterhelfen würden. Dass sie nicht weiterhelfen konnten, weil die Täter gar nicht aus den türkischen Gemeinden kamen, auf diese Idee kamen sie nicht.

Das Buch entwirft ein erschreckendes Bild brauner Hilfsgemeinschaften, viele Helfer haben Kontakte zur NPD oder sind dort Funktionäre. Die Opfer werden willkürlich ausgewählt, Bekennerschreiben wurden nicht verschickt, sie wollten Angst und Terror verbreiten und das gelang ihnen.

Gut geschrieben folgt das Buch den Spuren der Täter bis zum bitteren Ende, versucht sie auch zu verstehen, selbst wenn das schwerfällt. Sie sind Menschen, keine Monster, aber genau das macht das Begreifen um so schwerer. Ebenso schwer fällt das Verstehen, warum sich Polizei und Politik so lange weigerten, die Spur des rechten Terrors zumindest als Möglichkeit in Betracht zu ziehen und stattdessen mit tödlicher Starrheit an ihren einmal gefassten Erklärungsmustern festhielten.

Der Hintergrund der rechten Szene bleibt aber blaß, zwar erwähnen die Autoren ab und an politische Statements von CDU Politikern, aber diese bleiben kurze, nichtssagende Schnappschüsse, zur Erklärung können sie nicht dienen. Ein paar der Organisationen, in denen die drei Täter radikalisiert wurden, werden genannt, "Blood & Honour", der "Thüringer Heimatschutz" taucht auf, aber auch sie bleiben blass.

Eine Beleuchtung des Hintergrunds fehlt, wie das zB Stefan Aust in seinem [[ASIN:3442469015 Der Baader-Meinhof-Komplex]] und andere Bücher geleistet haben. Aber die Ereignisse liegen noch nicht lange zurück, auf diesem Gebiet gibt es noch viel weniger Wissen als rund um die RAF. Überhaupt wäre der Vergleich mit der RAF spannend gewesen. Was ist ähnlich, was unterscheidet beide Terrorgruppen voneinander. Der rechte Terror ist ganz sicher ungerichteter, hemmungsloser, er will nicht einzelne Träger der Staatsmacht treffen, er will möglichst viele töten.

Ähnlich ist bei beiden die Abschottung, die dazu führt, dass die Gruppe sich immer weiter radikalisiert, die eigenen Taten nicht mehr reflektiert, dass es nur noch um "die Tat" geht, die die Befreiung bringen wird.

Fazit: Ein gutes, spannendes Buch über den rechten Terror, dem aber ein wenig Hintergrund fehlt.

Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/reader/3498020056/ref=sibdpkd#reader-link
Homepage des Autors: http://www.christian-fuchs.org

Die Zelle – rechter Terror in Deutschland, Sachbuch, Christian Fuchs, John Goetz, Rowohlt, 2012
ISBN-13: 978-3498020057, gebunden, 272 Seiten, Euro 14,95

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Tags: ausländerhass, döner-morde, jena, nsu, rechter terror, uwe böhnhardt, uwe mund, zschäppe, zwickau   (9)

  

 

Der Bogen des Cellisten
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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

spanien, spanischer bürgerkrieg, cello, musik, bürgerkrieg

Der Bogen des Cellisten

Andromeda Romano-Lax , Ulrike Thiesmeyer
Flexibler Einband: 638 Seiten
Erschienen bei bloomsbury taschenbuch, 29.04.2010
ISBN 9783833307232
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Feliz, der Glückliche, soll das Neugeborene heißen, das die Mutter unter so unsäglichen Schmerzen geboren hat und das schon fast tot ist. Doch ein Bürokrat macht daraus Feliu und diesen Namen behält er, der Junge aus einer katalanischen Kleinstadt.

Sein Vater ist in Cuba und alles, was der Junge von ihm erbt ist ein Cellobogen. In einem Konzert erlebt er den berühmten Musiker Al-Cerraz, doch noch mehr fasziniert ihn seine erste Begegnung mit einem Cello. Fortan will er Cello spielen und setzt das gegen alle Widerstände durch. Sogar an den spanischen Königshof führt ihn sein Spiel.

Doch die Zeiten in Spanien sind Königen nicht wohlgesonnen. Der König ist ein Dandy, der vor allem durch einsame Entscheidungen mit furchtbaren Folgen glänzt, eine Diktatur steht vor der Tür, dann eine Republik und schließlich versinkt Spanien im Horror des Bürgerkriegs.

Feliu fragt sich, welche Bedeutung die Musik überhaupt hat. Dient sie nur dazu, Menschen einzulullen? Al-Cerraz, mit dem er bald in einer Haßliebe ein Trio führt, spielt für Franco auf und wird beinahe eine Ikone der Faschisten. Celiu will für die Republik spielen, er mischt sich in die Politik ein und doch kann er nichts bewirken. Die Zuhörer lieben seine Musik, die Mächtigen der Welt laden ihn zu Konzerten ein, aber seine Briefe, in denen er vor dem Faschismus warnt, werden nicht gelesen.

Romano Lax kann uns in die Stimmung der Zeit versetzen, beginnend beim alten Spanien, das seine letzte amerikanische Kolonie, Cuba, verliert; über die Unruhen Anfang des Jahrhunderts, den Schock des ersten Weltkriegs, an dem Spanien zwar nicht teilnimmt, dessen Auswirkungen vor allem auf die Künstler die Autorin gut beschreibt bis hin zu den Gräuel des spanischen Bürgerkriegs.

Das Buch ist kein Geschichtsbuch, auch wenn es meisterhaft versteht, die politischen Ereignisse mit den privaten zu verbinden. Es ist ein Roman über die Musik und die Zeit der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Spanien. Feliu trägt einige Züge von Pablo Casal, ist aber eine eigene Figur und das Buch keine Biografie Casals, der eigentlich Pau Casal hieß, in Deutschland aber überall als "Pablo" bezeichnet wird - selbst seine Autobiografie im Fischerverlag heißt "Pablo Casal".

Wer ein historisch-wissenschaftliches Werk oder ein musiktheoretisches erwartet, wird enttäuscht werden. Alle anderen erwartet eine gut erzählte Geschichte, die dem Leser nebenbei spanische Geschichte und Musik nahebringt - und die alte Frage, welche Bedeutung Musik und Kunst eigentlich haben.

Leseprobe: http://www.berlinverlage.com/bucher/bucherLeseProbe.asp?isbn=9783827006738

Der Bogen des Cellisten, Roman, Andromeda Romano-Lax, Berlin Verlag, 2012
ISBN-13: 978-3833307232, Tb, 640 Seiten, Euro 8,95

  (5)
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Die Gesichtslosen
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(72)

124 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 37 Rezensionen

münchen, rechtsmedizin, gesichtsrekonstruktion, thriller, deutschland

Die Gesichtslosen

Stephanie Fey
Flexibler Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 07.11.2011
ISBN 9783453435865
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Carina gibt den Toten ihre Gesichter zurück. Sie rekonstruiert sie aus den Knochen. Jetzt kommt sie aus Mexiko zurück und schon nimmt ihr Vater wieder Besitz von ihr. Der ist Chef der Mordkommission in München und nimmt selbstverständlich an, dass seine Tochter ihn bei seinen Mordermittlungen unterstützen wird. Doch Carina will sich nicht vor den Karren ihres Vaters spannen lassen.

Doch dann treibt ein Mörder sein Unwesen, der Frauen die Gesichter raubt. Gesichtslos sind auch noch einige andere, die nach dem Ende der DDR untergetaucht sind. Zum Beispiel ein Romeo, der für die Stasi spioniert hat und deshalb ...

Doch das sollten Sie selbst lesen. Es lohnt nämlich.

Erst hatte ich befürchtet: Mal wieder der übliche blutrünstige, durchgeknallte Serienmörder der heutzutage in so vielen Krimis die Lande unsicher macht. Doch weit gefehlt. Ein Roman, der nicht nur Einblick in die Technik der Gesichtsrekonstruktion bietet, sondern obendrein auch die jüngste deutsche Vergangenheit geschickt einwebt, ohne dem Leser jemals mit dem Zeigefinger zu drohen oder wie so manches andere Buch Verschwörungstheorien an den Haaren heranzuziehen. Die dritte Generation der RAF taucht auf, von der niemand weiß, wer sie waren, was sie wollten und ob es sie überhaupt je gegeben hat und natürlich spielt München eine große Rolle.

Stephanie Fey beweist jedenfalls, dass auch deutsche Autorinnen spannende Thriller aus der Gerichtsmedizin schreiben können. Kein Wunder, dass Sebastian Fitzek, Wulf Dorn und auch der berühmte Mordermittler Josef Wilfling von dem Buch gefesselt wurden.

Leseprobe: http://www.amazon.de/gp/reader/3453435869/ref=sibdppt#reader-link
Homepage der Autorin: http://www.stephanie-fey.de/

Die Gesichtslosen, Thriller, Stephanie Fey, Verlag, November 2011
ISBN-13: 978-3453435865, Tb, 368 Seiten, Euro 8,99

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Tags: gesichtsrekonstruktion, münchen, raf, rechtsmedizin, romeo   (5)

  

 

Ulrike Meinhof
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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

raf, deutschland, geschichte, deutscher herbst, ostermarsch

Ulrike Meinhof

Jutta Ditfurth
Fester Einband: 478 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 15.11.2007
ISBN 9783550087288
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Ulrike Meinhof ist umstritten, wie kaum eine andere Persönlichkeit der jüngsten deutschen Geschichte. Mittlerweile gibt es unzählige Literatur über sie, aber Jutta Ditfurth fand, dass diese sehr einseitig sei und hat eine eigene Darstellung von Ulrike Meinhof vorgelegt.

Die Autorin kann schreiben, das Buch liest sich gut und spannend. Und es bringt durchaus einige neue Aspekte, so zum Beispiel zu der NS-Vergangenheit des Vaters und dass die Ziehmutter Renate Riemeck ebenfalls NSDAP Mitglied war. Was diese ihr ganzes Leben lang verschwieg und an der Legende der Widerstandskämpferin strickte.

Sehr gut ist auch die Darstellung der Entwicklung Ulrike Meinhofs in den Fünfziger und Sechziger Jahren. Das Verhältnis zur Ziehmutter war keineswegs so eng, wie das gerne dargestellt wurde. Renate Riemeck vertrat zwar fortschrittliche Pädagogik, dennoch waren ihre Erziehungsmaßnahmen aus heutiger Sicht manchmal barbarisch.

Nichtsdestotrotz folgte Ulrike Meinhof zunächst dem Vorbild Renate Riemecks, sie vertrat die gleichen politischen Meinungen, sie traute sich wie ihre Ziehmutter als Frau in politische Männergesellschaften und übernahm dort erstaunlich schnell und erstaunlich oft Führungspositionen, z.B. In der Kampagne gegen den Atomtod, gegen Widerbewaffnung und in studentischen Gruppen.

Das politische Klima in den fünfziger und sechziger Jahren kann die Autorin gut darstellen und mit der Lebensgeschichte der Meinhof verbinden. Das ist die große Stärke des Buches. Interessant zum Beispiel, wie genau in Ostberlin der Ablauf von Kongressen vorgeplant wurde und die Teilnehmer manipuliert wurden. Wer allerdings glaubt, dass dies nur die SED tat, den enttäuscht Ditfurth. Diese Methode der Manipulation war auch bei der SPD und demokratischen Parteien beliebt. Kein Wunder, dass die antiautoritäre APO später solche Erfolge erzielte.

Doch nach der Mitarbeit bei Konkret, in der Hamburger Polit-Schickeria, später in der APO kam die RAF. Und hier verlässt Ditfurth leider den Kurs ihrer glaubhaften Darstellung. Sie erzählt eigene Versionen der RAF Geschichte, ohne auch nur einmal auf die zahlreichen anderen Darstellungen einzugehen. Statt ihre sehr eigenwillige Darstellungen zu begründen, steckt sie den Kopf in den Sand (pardon: in ihr Buch) und tut so, als gäbe es anderslautende Darstellungen gar nicht.

Ein Beispiel: Bei ihr wird die Situation der RAF in Stammheim in der Form einer Hofberichtserstattung geschildert. Alles sind einer Meinung, eine große Familie und lieb zu einander. Dass es durchaus glaubhafte Darstellungen gibt, die das Gegenteil nahelegen, damit setzt sich die Autorin nicht auseinander. Was natürlich den Schluss nahelegt, dass diese anderen Darstellungen nicht zu widerlegen sind und es tatsächlich schwere Differenzen und persönliche Anfeindungen zwischen der Meinhof und dem Rest der RAF gegeben haben dürfte.

Als Beleg für ihre Friede, Freundschaft, Eierkuchen Sicht zitiert sie ausgerechnet einen der Gefängnisbeamten. Doch mit denen vermieden die RAF-Gefangenen jeden Kontakt, weshalb dieser Beamte auch sagt, dass er zu eventuellen Streitigkeiten gar nichts sagen könne.

Dass Baader die Meinhof angeschrieen und niedergemacht hat, kann auch Jutta Ditfurth nicht leugnen. Doch das sei nicht so schlimm, "das habe Baader auch mit allen anderen gemacht". Tröstlich zu wissen. Wer Leute arrogant niedermacht, sollte daraus eine Gewohnheit machen, dann findet es Jutta Ditfurth gut.

Die Autorin konstruiert auch eine einheitliche Front gegen die RAF, eine Öffentlichkeit, in der nur die Meinung der Gegner bekannt werde. Dass sie allerdings zahlreiche SPiegel Zitate bringt, die sich sehr kritisch mit den Prozessen und Haftbedingungen auseinandersetzen, macht ihre Behauptung nicht sehr glaubhaft. Schließlich musste Regierung und Bundesanwaltschaft die anfängliche Isolationshaft (ja, Ulrike Meinhof war die ersten Monate in Isolationshaft) aufheben - der Druck der Medien und zahlreicher Prominenter war zu groß. In den Siebzigern konnte die Regierung längst nicht mehr so unangefochten gegen Gegner vorgehen, wie noch in den Fünfzigern und Sechzigern, das zeigt selbst Ditfurths Darstellung deutlich.

Ich erspare es mir und den Lesern, weitere Beispiele aus Ditfurths Manipulationen hier aufzuzeigen, wer mag, kann es selbst nachlesen. Der letzte Teil des Buches jedenfalls ist "Goldene Blatt"-Hofberichterstattung aus der RAF Monarchie mit Baader als King und Meinhof als liebliche Farah Dibah, die niemandem etwas Böses will. Ein wenig erinnert es an Sven Kellerhoffs «Die Stasi und der Westen: Der Fall Kurras», der zwar nicht die RAF, dafür aber den Springerverlag heilig sprechen möchte und ebenfalls alles weglässt, was nicht in seine Hofberichterstattung passt. Die Manipulationstechniken sind jedenfalls die gleichen.

Fazit: Die erste Hälfte des Buches liefert nicht nur ein paar neue Facetten zu Ulrike Meinhof, sie ist außerdem eine gutes Zeitkolorit der Fünfziger und Sechziger Jahre. Das letzte Drittel ist Hofberichterstattung. Ob man das lesen will, muss jeder selbst entscheiden.

Homepage der Autorin: http://www.jutta-ditfurth.de/

Ulrike Meinhof, Biographie, Jutta Ditfurth, Ullstein, März 2009
ISBN-13: 978-3548372495, Tb, 480 Seiten, Euro 9,95

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Tags: 68, apo, atomtod, baader, brd, geschichte, isolationshaft, meinhof, ostermarsch, raf, wiederbewaffnung   (11)

  

 

Der zweite Tod meines Vaters
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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

folkerts, buback, raf, generalbundesanwalt, klar

Der zweite Tod meines Vaters

Michael Buback
Fester Einband: 361 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 30.10.2008
ISBN 9783426274897
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Der zweite Tod meines Vaters, Sachbuch, Michael Buback

1977 wird Michael Bubacks Vater erschossen. Er war der Generalbundesanwalt und für die RAF Prozesse zuständig. "Der General muss weg" dekredierte die einsitzenden RAF Spitze und die Gefolgsleute draußen gehorchten. Im April 1977 wurde Buback erschossen; drei RAF Mitglieder, Folkerts, Klar und Sonnenberg wurden als Täter verurteilt.

Michael Buback war überzeugt, dass die Mörder gefasst waren.

Dreißig Jahre später ging es um die Begnadigung von Klar und er wurde gebeten dazu einen Artikel für die SZ zu schreiben. Das tat er. Und die Erinnerung kam wieder hoch an Ereignisse, die längst zurückgetreten waren gegenüber den Problemen des Alltags. Vor allem hatte das Gericht nicht feststellen können, welcher der Täter tatsächlich geschossen hatte. Der Sohn beschäftigte sich wieder mit den Ereignissen von damals. Und die Gewissheit, dass die Täter tatsächlich verurteilt worden waren, schwand schnell.

Zu viele Ungereimtheiten tauchten auf. Verena Becker war mit der Tatwaffe wenig später gefasst worden - doch sie wurde nie wegen der Tat angeklagt, es wurde nicht einmal gegen sie ermittelt. Dabei waren die Indizien, die gegen sie sprachen, weit stärker als die, die gegen die verurteilten Täter sprachen.

Schließlich hat der Sohn dazu ein Buch geschrieben. Und ich hatte einen weiten Bogen um das Buch gemacht. Dabei gibt es mittlerweile in meinem Regal mehr als ein Regalbrett mit Büchern zum Thema RAF. Seit ich vor einigen Jahren den Film «Der Baader Meinhof Komplex» im Kino gesehen habe, lässt mich das Thema nicht mehr los. Doch der Sohn eines Opfers, der sich in die Frage, wer geschossen hat, verbeisst? Verständlich, aber das muss ich nicht lesen.

Was für ein Irrtum. Denn Buback schafft es trotz aller Betroffenheit eine erstaunliche Objektivität zu wahren. Dagegen sieht die Bundesanwaltschaft es gar nicht gern, dass der Sohn sich für die Vorgänge von damals interessiert. Akten werden gesperrt, doch trotzdem tauchen ein Fülle von Hinweisen auf, die darauf hindeuten, dass damals nicht korrekt ermittelt wurde. Ich will diese nicht in allen Einzelheiten auflisten, das findet sich alles detailliert im Buch.

Michael Buback hat sich mit pedantischer Akribie hinter die Ereignisse geklemmt, es wundert nicht, dass er manchen Beamten erheblich genervt haben dürfte. Aber er ist immer fair. Er ist überzeugt, dass damals Verena Becker geschossen hat, listet alles auf, was dafür spricht. Aber er notiert auch, was dagegen spricht. Er weiß, wie sehr seine Texte wirken, als wäre er ein Verschwörungstheoretiker und genau deshalb bringt er auch die Fakten, die gegen seine Thesen sprechen - man merkt, dass er Naturwissenschaftler ist und dass er sich müht, ein objektives Bild dessen zu zeichnen, was er weiß. Schon das hebt seine Ausführungen heraus aus vielem, was zur RAF geschrieben wurde und vor allem dazu diente, die eigenen politischen Vorstellungen zu festigen.

Seine Fixierung auf Verena Becker mag manchmal stören - aber abwegig ist sie nicht. Ebensowenig seine Vermutung, dass Becker schon lange vor dem Mord Kontakt zum Verfassungsschutz hatte und deshalb aus den Mordermittlungen herausgehalten wurde. Bei den rechtsradikalen Morden rund um die NSU haben wir das gleiche Phänomen beobachten dürfen: Die Behörden arbeiten mit fragwürden V-Leuten zusammen. Um diese zu schützen, wird manches vertuscht, Akten werden gesperrte und am Schluss ist der Schaden größer als der Nutzen.

Könnte das auch im Falle des Buback Mordes so gewesen sein? Möglich wäre es. Aber ganz überzeugt es mich nicht, weil das eine derartig massive Vertuschung nötig gemacht hätte, weil dazu derart viele hätten eingeweiht werden müssen, dass es kaum so lange hätte geheim gehalten werden können. Das ist meine Meinung.

Zumal es noch einen anderen Grund geben könnte, warum die Bundesanwaltschaft wenig Interesse daran zeigt, wer die wirklichen Täter waren. 1977 stand die sozialliberale Regierung mit dem Rücken zur Wand. Die CDU warf ihr vor, viel zu lasch gegen die RAF vorzugehen, gar selbst zu den Sympathisanten zu gehören. Der Justizminister wollte schnelle Erfolge, die wollte auch die Bundesanwaltschaft, etwas, mit dem man in der Öffentlichkeit punkten konnte. Hauptsache, die RAF Mitglieder kommen hinter Gitter, nur das war wichtig. Nimmt man hinzu, dass die Bundesanwaltschaft wie die meisten Staatsanwaltschaften chronisch unterbesetzt war, so ist es kein Wunder, dass das Interesse, in jedem Einzelfall die wahren Täter zu ermitteln, nicht sehr groß war und alles, was zusätzliche Arbeit und Zeit brauchte, nur störte. Auch das dürfte den Ermittlungen damals nicht gutgetan haben.

Vielleicht waren es beide Gründe: Der Wunsch, eine Verbindungsfrau zu schützen, geheimzuhalten, dass der Verfassungsschutz schon lange Kontakt zu Verena Becker hielt und der Wunsch, möglichst schnell möglichst viele zu verurteilen? Ich weiß, jetzt füge ich den zahlreichen Vermutungen zur RAF eine weitere hinzu, die auch nicht besser bewiesen ist, als andere.

Was bleibt, ist jedenfalls das Unbehagen. Denn damals, 1977, nahm die RAF ihre Begründung schon lange nicht mehr aus dem Vietnamkrieg und der internationalen Solidarität. Sondern aus den Haftbedingungen der RAF-Mitglieder. Nie hatte sie mehr Einfluss, als mit dem Argument von Isolationsfolter, von ungerechten Prozessen und einem Staat, der angeblich über Leichen ging.

Dass dieser Staat zwar nicht über Leichen ging, aber dennoch in Prozessen reichlich fragwürdig argumentierte, stützte natürlich diese Argumentation. Und das ist das Beunruhigende an Bubacks Buch. Weil es zeigt, dass dieser Staat zwar nicht faschistisch war, wie die RAF behauptete, aber dennoch in seinen Ermittlungen nicht nur der Wahrheit verpflichtet. Insofern waren fragwürdige Ermittlungen nur Wasser auf die Mühlen der RAF.

Eben deshalb ist es so nötig, dies jetzt aufzuklären. Und endlich auch die Akten von Verfassungsschutz und anderer Dienste öffentlich zu machen. Die Aktensperrungen, angeblich, um die Bundesrepublik nicht zu gefähren, lassen schließlich nur immer neue Vermutungen aufkeimen, was da wohl alles vertuscht werden soll. Und wenn etwas den Rechtsstaats gefährdet, dann sind es solche Vermutungen.

Seltsam sind auch die neuen Koalitionen, die sich im Prozess gegen Verena Becker zeigen. Die Bundesanwaltschaft scheint es geradezu als ihre Aufgabe zu sehen, Becker zu verteidigen. Und auch die RAF, für die diese Behörde immer «das System», «die Schweine» waren, scheint an der neuen Koalition durchaus interessiert und fördert das Ganze durch Schweigen. Die Wahrheit scheint beiden nicht sehr wichtig zu sein.

Gottseidank haben sich in diesem Fall auch andere ungewöhnliche Koalitionen gebildet, die weit positiver sind. Dass der Sohn des Generalbundesanwaltes einmal in der TAZ schreiben würde, hätte sich vor dreißig Jahren jedenfalls niemand vorstellen können.

Michael Buback muss man für sein Buch und sein Engagement danken. Er mag in einigen Fällen über das Ziel hinausschießen, aber er legt seine Argumente offen dar und versucht zu allen fair zu sein. Damit hat er den Prozess gegen Verena Becker, der jetzt doch stattfindet, möglich gemacht.

Wir müssen uns nicht nur der Vergangenheit stellen. Obendrein zeigen die Parallelen zwischen den RAF und den NSU Ermittlungen, dass wir daraus auch eine Menge lernen können. Die Probleme von Geheimdiensten, deren Quellen und dem Schutz dieser Quellen, dem oft mehr geopfert wird als vertretbar ist, diese Probleme sind schließlich immer noch existent.

Leseprobe: http://www.amazon.de/Der-zweite-Tod-meines-Vaters/dp/3426782340/ref=cmcr-mr-title
Blog des Autors: http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/author/michael
buback/

Der zweite Tod meines Vaters, Sachbuch, Michael Buback, Knaur, Oktober 2009
ISBN-13: 978-3426782347, Tb, 448 Seiten, Euro 12,95

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Wie der Löwe ins Kinderbuch flog ...
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Wie der Löwe ins Kinderbuch flog ...

Heidemarie Brosche , Antje Szillat , Yayo Kawamura , Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e. V., Volkach, Prof. Dr. Kurt Franz und Dr. Claudia Maria Pecher
Fester Einband: 242 Seiten
Erschienen bei edition zweihorn, 05.10.2011
ISBN 9783935265799
Genre: Biografie

Rezension:

Wie der Löwe ins Kinderbuch flog, Sachbuch, Heidemarie Brosche, Antje Szillat

Max Kruse hatte ein Problem. Seine Mutter wollte, dass er ein Buch schreiben sollte. Für Kinder.

Aber wie das so ist: Auf Befehl ging es nicht. Dass die Mutter drängelte, machte es auch nicht besser.

Bis dann der Satz aufs Papier flog: "Wiebitte hatte die ganze Nacht nicht geschlafen." Und so entstand der Kinderbuchklassiker "Der Löwe ist los."

Max Kruse schildert das in seinem Beitrag. Die Geschichte ist fast so schön, so phantastisch, wie der Löwe, Frau Wißtihrschon und alle die anderen Figuren, die wohl jeder aus der eigenen Kindheit kennt.

Aber es ist nicht die einzige Geschichte. Denn 88 Kinderbuchautoren und Illustratoren schildern hier, wie ihre Geschichten entstehen, wie sie arbeiten, woher ihre Ideen kommen und kamen. Und weil sie eben Kinderbuchautoren sind, tun sie das lustig und leicht verständlich, statt in gelehrten Worten zu schwelgen.

Herausgekommen ist ein buntes Buch mit den unterschiedlichsten Autoren, die ganz unterschiedliche Arbeitsweisen haben. Mancher arbeitet frühmorgens, mancher ist ein Morgenmuffel, der eine geht ins Cafe zum Arbeiten, der andere zieht die eigenen vier Wände vor und auch ihre Ideen bekamen sie auf unterschiedlichste Weise.

Weniger ein Buch, um es auf einen Rutsch durchzulesen, eher etwas zum Blättern, in das man immer wieder gerne hineinliest. Und auch Kinder werden es gerne lesen, denn, wie gesagt, diese Autoren verstehen es leicht und locker zu erzählen und gut illustriert ist das Ganze auch noch.

Leseprobe: leider keine Leseprobe
Homepage der Autorinnen:
http://www.h-brosche.de/
http://www.antjeszillat.de/

Wie der Löwe ins Kinderbuch flog, Sachbuch, Heidemarie Brosche, Antje Szillat, Zweihorn, Oktober 2011
ISBN-13: 978-3935265799, gebunden, 243 Seiten, Euro 19,95

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