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El_Wursto 25.06.2011, 15:33 Uhr
Ich hatte vor Kurzem das Buch "Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel : Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen" in der Hand. Den Text (vielleicht auch die Idee) schrieb Michael Schmidt-Salomon, einer der wohl bekanntesten Religions-(Gott-)Kritiker. Ich fand die Idee, Kinder bereits gegenüber der Religion gegenüber aufgeschlossener und mündig zu machen, gut, aber die Umsetzung befremdete mich: so versuchte das Buch, alle drei großen Weltreligionen quasi zu entlarven, indem ihre "Schwachpunkte" offen gelegt wurden. Bei den Juden durften Ferkel nicht den Tempel betreten und bei Missachtung wurde mit der Sintflut gedroht; der katholische Priester erschreckte die zwei kleinen Gesellen mit dem ans Kreuz genagelten Jesus und dem Hostienverzehr, das zum "Menschenfressen" wurde; und der Imam verschreckte mit 5x waschen und Beten. Die Quintessenz an die Kinder sei: "Wer Gott kennt, dem fehlt etwas" oder "Und die Moral der Geschicht': Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht!". Das Groteske in den Geboten aller Religionen wurde derart in Szene gesetzt, das jeweils Rabbi, Priester und Imam weit aufgerissene Münder und erzürntes Gesicht erhielten. Sie "entstiegen" dem Buch förmlich!
Zwar bin ich selbst kritischer Christ, aber muss die Vermittlung von Religion in dieser Form passieren? Muss man Kinder von Religion quasi "abraten" - denn diesen Eindruck vermittelt das Buch. Spielerisch lernen, mit Religionen und ihren Ideen umzugehen, dem ist doch der Vorzug zu geben. Kinder sollten frei jeder Wertung - außer bei Gewalt und Unterdrückung bestimmter Gruppen - im Bezug auf Religion erzogen werden. Sie sollte in der "Freiheit des Geistes" selbst entscheiden können, was sie denken und woran sie glauben, oder sehe ich das falsch? Aggressiver Atheismus ist - meiner Meinung nach - auch nicht die Lösung auf die Probleme unserer Zeit, auch im Politischen.
Religion und Religionskritik hat - auch philosophisch betrachtet - eine lange Geschichte. Meiner Erinnerung nach hat spätestens seit der Aufklärung und der offen artikulierten Theodizée-Frage (Kant, Kleist) - die Kirche war kein Hemmnis mehr vor einer offenen Diskussion - eine bewusste Kirchenkritik (= Religionskritik) begonnen. Und: Philosophie hat die Religion nie ersetzen können? Warum?
Ich bin gespannt auf eure Ideen!
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