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Vampirismus (5 Beiträge)
Hallo,
eine interessante Kombination von Vampirismus und Kriminalroman war das Buch von Fred Vargas "Der verbotene Ort". Eigentlich ist es kein Vampirroman, sondern eher das Psychogramm eines Täters, der die Vampirgeschichten zu sehr verinnerlicht hat. Ich fand das Buch eine anspruchsvolle aber auch unterhaltsame Kombination aus beiden Gebieten.
Vielleicht sollte man den neuen Vampir- und Fantasyromane auch etwas positives abgewinnen. Evtl. werden dadurch gerade junge Menschen zum Lesen animiert, statt nur am Computer oder irgendwelchen Stationen ihre Spiele zu spielen. Als Jugendlicher habe ich auch etliche Karl May Bücher gelesen. Jetzt würde ich viele vielleicht auch als seichte Literatur bezeichnen. Aber ich glaube, dass mich diese Bücher mit zum Lesen gebracht haben, da sie die Phantasie anregen. Es bleibt zu hoffen, dass diese neuen Romane die jungen Leser auch dazu anregen einmal andere Bücher zu lesen. Vielleicht kommt ja jemand darauf zunächst Bram Stoker als Ursprung des Vampirromans zu lesen und merkt dann den sprachlichen Unterschied. Die könnte wiederum dazu führen, dass derjenige sich dann generell eher für "gute" Literatur zu interessieren beginnt. In der heutigen Zeit muss man einfach positiv denken, da es eh schon zu viel negatives Gebrabbel gibt.
Mal eben kurz dazwischen:
Markus Heitz wäre so ein deutscher Autor, der wirklich gute Vampirromane schreibt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er selbst großer Vampir-Fan ist und zudem ein Sachbuch über Vampire veröffentlicht hat. Er hat richtig gut recherchiert und das dann in seine Romane eingebaut. Ich meine er hat den Drahtseilakt zwischen Realität und Fiktion sehr gut hinbekommen. Im Prinzip wirklich so, wie ich mir das wünsche. Legenden, Mythen, Wissenschaft etc.aufgegriffen und dann mit eigenen Ideen vermischt. Und schreiben kann der Bursche wirklich gut!!
Aber es bleibt eben festzuhalten, die Verlage schauen primär nach dem Geld, dass sie verdienen können. Da bleibt es wohl leider nicht aus, dass wir uns auf der Suche nach den guten Büchern erstmal durch einen Haufen Schund arbeiten müssen.
Aber so ist die Philosophie, man geht den Dingen auf den Grund, lernt Wichtiges und Unwichtiges zu unterscheiden und entdeckt Strukturen im Wust der alltäglichen Eindrücke und kann sich deshalb besser in der Welt zurechtfinden und Erkenntnis erlangen... (wenigstens manchmal ;))
Hallo -
vielen dank für eure Antworten. Ich denke, ihr habt beide recht:
Sicher muss Literatur Unterhaltungswert besitzen - sie ist ja auch eigentlich vorrangig dazu da. Sie hätte - so meine zumindest ich - nicht diesen Stellenwert, wenn sie lediglich der Übermittlung wissenschaftlicher Inhalte dienen würde und deshalb nur in Fachbuchhandlungen/-büchereien herumstehen würde und nur zur wissenschaftlichen Recherche/Arbeit zu gebrauchen wäre. Und ja, es ist auch im Genre "Krimi/Thriller" der Trend zum "Kitsch" (wenn man es dort so nennen kann) auszumachen - viele Trittbrettfahrer, wenn ein Thema gut lief, viele Autoren nur mittelmäßiger Qualität. Aber dennoch gibt es in der Kriminalliteratur den einen oder anderen Namen, der mit Hilfe seiner Krimi einen sozialkritischen Gedanken in den Raum wirft und fiktional bearbeitet. So sei gedacht an Mankell oder - zumindest zwischen den Zeilen - Camilleri. Schade finde ich nur, dass von dieser "dümmlich-trivilialen" Literatur der Schauerromane (für Mädchen?) so viele bestimmt werden. Fragt man rum, kennt jeder diese Bücher. Fast jeder hat sie gelesen, weiß davon zu berichten, kann sich positionieren. Schauerliteratur hat an sich eine lange Tradition. Es gibt viele Klassiker, aber die sind - wie der Steppenwolf anmerkte - besser gemacht. So sind Meyrink oder Stoker Klassiker, die eine zu Ende gedachte Story besitzen, bereits Tradiertes aufgreifen. Das Motiv der "verführten Jungfrau" taucht auch bei Stoker auf (ganz besonders empfehlenswert ist die Verfilmung mit Klaus Kinski als Nosferatu). Vielleicht bändeln die modernen Autoren mit dem seicht-schaurigen Motiv des "Verführtwerdens von einem, der einem auch das Leben nehmen kann" an. Dieser ewige Drahtseilakt, dass der Liebhaber auch gerne mal zubeißen könnte, wenn er sich nicht "im Griff" hat, erscheint mir hier das die Handlung umfassende Motiv zu sein, das spannungserzeugend ist.
Schlimm finde ich allerdings bei der aktuellen Vampir-Literatur folgenden Aspekt: die literarische Qualität ist äußerst schlecht. Sprachlich sind die Romane oft ein Graus. Die Story ist vielfach wiederholt, das Ende vorhersehbar, platte Ideen und Charaktere. Oft wirkt der Roman wie billige Zeitungshefte. Und damit der Mist funktioniert, bedarf es einer massiven Werbetrommel, dümmlich-penetrantem Auftritt, unzähligen Flyern, Einspielern, Plastiktüten und eines Leserpublikums, das wirklich NUR noch unterhalten werden will. Und dafür darf dann natürlich auch die Sprache nicht sehr schwierig sein ;-)
Aber offensichtlich machen die Verlage ihr Hauptgeschäft mit dieser Literatur; so hat man 2-3 Flaggschiffe, die jährlich den Umsatz einfahren, hinzutreten 3-8 Autoren des gleichen Genres, die das Interesse der Leser nach ähnlichen Story abdecken, aber den Flaggschiffen nicht den Rang ablaufen.
Anlässlich der Frankfurter Buchmesse habe ich in einem Kulturradio einmal gehört, dass man insbesondere in den USA für wenig Geld unzählige Autoren aufkauft, bzw. viele Titel in den Staaten erstmal "Probe laufen" lässt. Verkaufen sie sich gut, werden sie in unzählige andere Sprachen übersetzt - und auch in Deutschland auf den Buchmarkt gebracht. So wäre es insbesondere für deutschsprachige Autoren schwer, überhaupt einmal einen hiesigen Verlag zu finden, der ihre Titel publiziert, denn die Auflagenzahl fiele verhältnismäßig gering aus und man würde (vielleicht) gerade mal kostendeckend arbeiten.
Ohne Grund sind nicht die meisten der Titel, die in den Buchhandlungen herumliegen, nicht-deutsche Autoren. Schade!
Ich habe mich das auch schon oft gefragt, warum es zur Zeit einen derartigen Überlauf an kitschigen Vampirromanen gibt.
Zunächst denke ich, dass das sicherlich alles ordentlich promotet wurde. Nach Harry Potter musste ein neuer Erfolg her. Was Neues, nicht wieder Zauberei, diesmal eben,... nenen wir's mal, Schauerromantik. Das lutscht sich bestimmt aus, sobald irgendjemand den nächsten Trend festlegt und gut vermarktet. Dann folgen die ersten Trittbrettfahrer und es geht wieder von vorne los.
Man sieht es ja an den Buchläden. Auf einmal stehen da überall Vampir-Themen-Tische. Da klappt einem die Kinnlade runter. Was mich natürlich stört, ist, das das alles keine echten Vampirromane sind. Nur so ein Pseudo-Kram. Da wird mit den verschiedensten Motiven scheinbar wahllos umhergeworfen. Ich mag Vampirromane, in denen auch die Geschichte eingearbeitet wird, also in denen auf den Volksglauben Bezug genommen wird und dann noch eine Prise Fiktion, schon macht das lesen Spaß. Sicher ist auch das keine ernsthafte Weltliteratur... aber ich mag das nun mal.
Allgemein geht der Trend doch einfach immer mehr zur Unterhaltungsliteratur. Viele haben heutzutage keinen Bock auf Lesen, und wenn, dann nur wenn es leicht verständlich ist, spannend, vielleicht erotisch, irgendein Anreiz eben. Alles immer schön trivial halten. Damit hat man Erfolg, warum also noch anspruchsvoll arbeiten? Man kann aber sicherlich auch anspruchsvolle Vampirromane schreiben, nur, würde das jemanden interessieren? Ich denke, leider nicht. Und bevor ich jetzt Gefahr laufe mich komplett zu verhaspeln, höre ich lieber auf. ;)
Aber ein sehr schönes Thema. :)
Hallo,
auch ich habe mich schon gewundert, warum in letzter Zeit diese Blutsaugerromane so im Kommen sind. Ich habe bisher weder die alten Draculabücher, noch diese neuen gelesen. Da bekomme ich bloß Alpträume. Aber ich habe mal einen interessanten Film über Murnaus Nosferatu gesehen. Bei der Figur kommt mir schon beim drandenken das kalte Grausen. Aber ging es in dem Film nicht auch darum, dass sich eine junge Frau fast manisch zu dieser gruseligen Figur hingezogen gefühlt hat? Vielleicht ist es ja auch bei den vielen jungen weiblichen Lesern eine gewisse Sehnsucht nach einer "verbotenen Liebe" (welch Kitsch).
Ob diese neuen Blutsaugergeschichten nun niveauvoll sind oder nicht kann und mag ich auch nicht beurteilen, da ich diese dann auch lesen müsste. Ich z.B. lese gerne Krimis und von denen kann man auch behaupten, dass sie eigentlich nur der Unterhaltung dienen und nur in seltenen Fällen zum Nachdenken anregen. Vielleicht ist es auch wie bei den Phantasieromanen ala Potter oder Herr der Ringe, man kann sich von seinem manchmal eher tristen Alltag in eine Wunschwelt hineinflüchten. Das ist oft auch nciht so schlecht.