Gedichte und Dichter

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Ein Gedicht für jeden Tag (1794 Beiträge)

Wortwandler
 
Wortwandler 11.03.2008, 17:06 Uhr
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asita
asita 23.08.2010, 10:19 Uhr

Du darfst nicht verzweifeln

Du darfst nicht verzweifeln
Weil ich dich verstoßen
Oder Deine Liebe ließ;
Größre Liebe gibts als meine,
Die Dich trösten wird
Und zärtlicher berühren.
Nicht länger bin ich
Dir vertraut und schön;
Dein Körper kann mich nicht beglücken
Und nicht dein prachtvoll dunkles Haar,
Doch demütige ich Dich nicht;
Man wird Dich wieder zärtlich halten
Mit sanften Tränen trösten Dich;
Dann wirst Du genug geliebt.

Dylan Thomas

 

asita
asita 23.08.2010, 09:38 Uhr

Wo ich wohne

Als ich das Fenster öffnete,
schwammen Fische ins Zimmer,
Heringe. Es schien
eben ein Schwarm vorüberzuziehen.
Auch zwischen den Birnbäumen spielten sie.
Die meisten aber
hielten sich noch im Wald,
über den Schonungen und den Kiesgruben.

Sie sind lästig. Lästiger aber sind noch die Matrosen
(auch höhere Ränge, Steuerleute, Kapitäne),
die vielfach ans offene Fenster kommen
und um Feuer bitten für ihren schlechten Tabak.

Ich will ausziehen.

Günter Eich

 

ChaosQueen13
ChaosQueen13 28.07.2010, 10:15 Uhr

Veränderung

Die Stille in der Luft
unter dem Ast des Echos.

Die Stille im Wasser
unter dem Laub der Sterne.

Die Stille deines Mundes
im Dickicht der Küsse.

Federico García Lorca
Diwan des Tamarit Gedichte. Span.-Dtsch.
9783518220474

 

Arwen2112
Arwen2112 27.07.2010, 22:45 Uhr

Ich träume so leise von Dir

Immer kommen am Morgen schmerzliche Farben,
Die sind wie deine Seele.

O, ich muß an dich denken,
Und überall blühen so traurige Augen.

Und ich habe dir doch von den großen Sternen erzählt,
Aber du hast zur Erde gesehn.

Nächte wachsen aus meinem Kopf,
Ich weiß nicht wo ich hin soll.

Ich träume so leise von dir,
Weiß hängt die Seide schon über meinen Augen

Warum hast du nicht um mich
Die Erde gelassen - sage?

(Else Lasker-Schüler)

 

Atila
Atila 17.05.2010, 21:52 Uhr

(Rainer Maria Rilke, aus: Das Stunden-Buch)

So ist mein Tagwerk, über dem
mein Schatten liegt wie eine Schale.
Und bin ich auch wie Laub und Lehm,
sooft ich bete oder male,
ist Sonntag, und ich bin im Tale
ein jubelndes Jerusalem.
Ich bin die stolze Stadt des Herrn
und sage ihn mit hundert Zungen;
in mir ist Davids Dank verklungen:
ich lag in Harfendämmerungen
und atmete den Abendstern.
Nach Aufgang gehen meine Gassen.
Und bin ich lang vom Volk verlassen,
so ist’s: damit ich größer bin.
Ich höre jeden in mir schreiten
und breite meine Einsamkeiten
von Anbeginn zu Anbeginn.

 

Mnemosyyne
Mnemosyyne 15.03.2010, 17:50 Uhr

RINNT, TROPFEN!

Rinnt, Tropfen! meine blauen Adern verlassend!
O Tropfen aus mir! rinnt, langsame Tropfen,
Rein aus mir fallend, tropft, blutende Tropfen,
Aus Wunden, geschlagen, um euch zu befreien, von wo ihr gefangen wart,
Von meinem Gesicht, von meiner Stirn und Lippen,
Von meiner Brust, von innen her, wo ich verborgen war,
Dringt heraus, rote Tropfen, Bekenntnis-Tropfen,
Färbt jede Seite, färbt jedes Lied, das ich singe, jedes Wort, das ich sage, blutige Tropfen.
Laßt sie eure purpurne Glut fühlen, laßt sie leuchten,
Durchtränkt sie mit euch, schamvoll und naß,
Glüht über alles, was ich geschrieben habe und schreiben werde, blutende Tropfen,
Laßt alles scheinen in eurem Lichte, schamrote Tropfen.

(Walt Whitman)

 

asita
asita 26.02.2010, 18:40 Uhr

Abschied
25. März 2007

Nie war es schwieriger, Abschied zu nehmen, als jetzt.
Doch die Zeit, Lebewohl zu sagen, ist gekommen.

Sag den verbotenen Küssen adieu.
Gib deiner Angst zum letzten Mal die Hand.
Lass die Prinzessin noch einmal deinen Kopf ausgraben.
Schau ihr lang ins Gesicht und liebe ihr Haar und ihr Auge
und den stolzen Schwung ihrer Stirn.
Sieh noch einmal hinein in den Rachen der Kinderträume.
Gib dich noch einmal der Verlassenheit hin
und lass deinen Atem stocken
im Spinnenkessel der Nacht.

Du kannst das Loch nicht mit Wasser stopfen.
Kein Kuss macht den Hunger wett.
Atme aus und ein und öffne die Augen
und jage die Herzvagabunden davon.

Sag: Adieu, die Zeit ist gekommen.
Gib deiner Angst zum letzten Mal die Hand.

Benjamin Stein

 

bixby
bixby 23.02.2010, 20:41 Uhr

Proletarisches Portrait

Eine große junge barhäuptige Frau
in einer Schürze

Das Haar nach hinten gekämmt steht
auf der Straße

Den bestrumpften Fuß mit den Zehen
auf dem Gehsteig

Den Schuh in der Hand. Sie blickt
aufmerksam hinein

Und zieht die Einlegesohle heraus
den Nagel zu finden

Der sie gedrückt hat.

(William Carlos Williams - 1883 - 1963)

 

Geologe
Geologe 16.02.2010, 20:22 Uhr

Zu schwer


Bleib bei mir als wärst du
lang für mich da
lass wachsen dein weisses
in meinem Haar

Lieb mich als ob
das gut für dich wär
als gäben wir
Leben um Leben her

Ertrag mich als trügest
du nicht zu schwer
behüt mich als ob
ich verloren wär

ULLA HAHN

 

Herbstfeder
Herbstfeder 14.01.2010, 19:09 Uhr

Graue Lügen

Graue Lügen
(nicht weiß, nicht schwarz)
verstaubte Gardinen
vor klaren Fenstern
im Haus
nicht konform
chaotisch
gemütlich
warm
Keiner siehts von
draußen
sieht mir grau aus
ich bleibe noch

 
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“Gedichte und Dichter” in Zahlen

Erstellt von Wortwandler am 11.03.2008
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Die neuesten Notizen: 


Chilischoten 23.08.2010, 16:45 Uhr

@CQ13 - "Ausschau" von Christoph W. Aigner geht genau so ins Herz wie die "Die Berührung" die Du neulich hier rein gestellst hast. Einfach schön :-)) Liebe Grüße an die ganze Gruppe

 

The iron butterfly 19.08.2010, 21:41 Uhr

@asita: Danke dir! @maeve: Dein Hafiz hat mich an Cummings erinnert, den ich als zweiten Beitrag heute ergänzen möchte :) LG an ALLE

 

asita 19.08.2010, 08:50 Uhr

@ tib: schön der 'liebesgarten', ;o))

 

Maeve 12.08.2010, 20:25 Uhr

@ChaosQueen13 "Männerwirtschaft" ich habe es 2x gelesen und jedes mal, dachte ich Wisława Szymborska, kennt meinen Mann (lach). Einfach köstlich, danke schön Liebe Grüße Maeve :-))

 

The iron butterfly 11.08.2010, 18:35 Uhr

@arwen: vielen lieben Dank! Mir gefiel dieser Gedanke auch ganz besonders gut...übrigens habe ich mich köstlich über das heimatlose Meerschweinchen amüsiert :) VLG Andrea

 

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