Diskussionsrunde zu "Im Labyrinth der Fugger" von und mit Rebecca Abe

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Teil 2: S. 113 unten - S. 241 (36 Beiträge)

Betty Geröllheimer 10.03.2011, 14:28 Uhr
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36 Ergebnisse
rebecca_abe 29.03.2011, 14:34 Uhr

Hallo Ihr,

Ursula Fugger betete für das Seelenheil ihres toten Kindes im Dom, so behauptet es Pater Canisius. Sie war wohl schon vollkommen weggetreten in der Religion, sodass sie ihre verbliebenen Kinder kaum noch bemerkte.

LG Rebecca

 
goflo07 29.03.2011, 14:15 Uhr

Also ich dachte die Mutter wäre von früh an in der Kirche und bete für das Seelenheil der Kleinen. Jeder trauert anders...Außerdem steht sie ja ziemlich unter den Einfluss von Caninius.

LG Stefanie

 
suse9 29.03.2011, 14:07 Uhr

@goflo07: Findest du, dass die ganze Familie trauerte? Ich hatte so den Eindruck, als wenn nur die Kinder ihr Geschwisterchen beweinen. Wo steckte denn die Mutter bei der Beerdigung? Das fand ich schon ganz schön heftig.
Mir ging es beim Lesen wie dir. Ich war froh, endlich mal wieder einen spannenden historischen Roman und keinen vorhersehbaren in der Hand zu halten. Viel Spaß weiterhin und Liebe Grüße Susanne

 
goflo07 29.03.2011, 13:40 Uhr

So nun habe ich den zweiten Teil durch.
Dieser hat sich wieder recht flüssig lesen lassen. Konnte das Buch gestern abend gar nicht aus der Hand legen so spannend fand ich es.
Ich kann jetzt schon sagen, dass ich froh bin mal wieder einen guten historischen Roman zu lesen. Meine Meinung von historischen Romanen war bis vor kurzem noch:Kennste ein kennste alle. Weil es ja immer irgendwie aufs gleiche hinausläuft.
Das finde ich bei diesem Buch anders!
Auch bekomme ich eine andere Sicht auf die damalige Lebensweise. Z.B. hatte ich in anderen Romanen immer das Gefühl, wenn ein Kind starb dann wurde sich halt damit abgefunden. Das war halt so. Und hier lese ich dass doch die ganze Familie um die Kleine trauert. Anna´s Verhältnis zu Ihren Geschwistern berührt mich sehr. Es hat manchmal fast etwas mütterliches, wenn sie sich z.B. zur kleinen Mechthild ins Bett legt und ihren Duft einatmet.
Bei der Bücherverbrennung habe ich echt mitgelitten. Wo ich doch so fanatisch auf meine Bücher achte. Das tat ja schon in der Seele weh, sich diese wunderbaren Ausgaben im Feuer vorzustellen.

Nun mache ich mich voller Vorfreude an den dritten Teil!

Lg Stefanie

 
kubine 23.03.2011, 08:40 Uhr

@ suse: Ja, ich durfte als erste lesen, war ein harter Kampf. ;-)) Meist lesen wir die Bücher ziemlich zeitnah, so dass Diskussionen darüber nicht ausgeschlossen werden. Wir haben auch meist den gleichen Lesegeschmack, nur hin und wieder gibt es geringfügige Unterschiede.

 
rebecca_abe 22.03.2011, 08:55 Uhr

Hallo Beatrice,

Du meinst ob es mir schwer gefallen ist, die Mutter SO zu beschreiben, weil ich selbst Mutter bin? Nun, ich habe mir Ursula Fugger, wie jede der anderen Figuren "erarbeitet", Mütter und ihr Verhalten spielen in meinen Romanen immer eine große Rolle, das ist irgendwie mein Thema. Ich war auch sofort von Annas Geschichte elektrisiert, weil sie dieses Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, als ich ihre Biografie las. Deshalb habe ich nicht nachgedacht, ob Ursula Fugger mir besonders schwer gefallen ist. Das Schreiben eines Romans ist insgesamt schwer, jedenfalls gehts mir so ;-))) und ich wollte verstehen wie Ursula zu der wurde, der sie war (laut Realität).

LG Rebecca

 
catangeleyez 22.03.2011, 07:08 Uhr

Am Wochenende habe ich den zweiten Teil nun durchgelesen und mit dem dritten angefangen, das Buch fesselt mich, allerdings durchlebe ich auch so einige Phasen, in denen ich mich leicht zwingen muss, weiterzulesen und ab und an überkommt mich Wut über das Verhalten der Mutter, des Vaters und der Oheims.
Zum Lesen zwingen muss ich mich an den Stellen, an denen viel erklärt wird, so zum Beispiel im Kabinett des Vaters, wo Anna erklären soll, wie bestimmte Dinge entstehen und der inzwischen zum Tyrannen mutierte Bruder dabeisitzt, denn Chemie ist nicht so meines und daher muss ich da aufmerksamer lesen. Aber das mag ja nur mir so gehen.
Die Mutter regt mich richtig auf, wie kann man sich nur so verhalten, desinteressiert, abhängig und fanatisch, blind für alles was um sie herum vorgeht und so abhängig von einem Priester, Verblendung macht sich bei ihr breit und Mitgefühl geht ihr total ab. Der angeordnete Exorzismus von Schellebelle tat mir regelrecht weh, wie grausam und auch wie schrecklich für Kinder sowas ansehen zu müssen, weil die Mutter fanatisch wird/ist. Mich würde ja interessieren, ob es Dir, Rebecca, nicht schwergefallen ist, die Mutter so zu beschreiben ?
Der Vater lebt in einer eigenen Welt und irgendwie tat es mir im Herzen weh, dass all diese tollen Bücher durch die Buchverbrennung verloren gingen, er hat wohl nicht eines gerettet ?
Die beiden Oheims sind ja auch ein Fall für sich, der eine desinteressiert, der andere unverheiratet, weil er, sofern ich das richtig gelesen habe, mehr dem eigenen Geschlecht zugeneigt ist, dadurch krank wurde, ständig pleite ist und daher auch Initiator der Geschichte um Anna. Das ist schon sehr abgebrüht, sich mit solchen Machenschaften mehr Geld, Gold und Anerkennung zu erschleichen. Da macht es auch nichts gut, dass die zwei ältestens Jungs "gerettet" werden, im Gegenzug dazu dann die Schwestern "verkauft" an ein Kloster.
Leider gab es für Kellenbenz kein Happyend, ich hätte es mir gewünscht, aber wenigstens ist seine Tochter noch am Leben, auch wenn er, um Schellebelle zu retten, die ihn wohl an seine verstorbene Frau erinnerte, sein eigenes Leben geben musste.
Insgesamt ist mir im zweiten Teil aufgefallen, dass hier schon recht deutlich zu erkennen ist, wie die katholische Kirche zu Reichtum kam, was eigentlich schon recht verwerflich ist.
Insgesamt kann ich sagen, dass ich das Buch wirklich toll finde bisher, es ist facettenreich und beleuchtet aus verschiedenen Perspektiven die damalige Zeit, die hellen und schönen Momente sind jedoch inzwischen den dunklen, tristen gewichen, ich denke, dass wird sich im Laufe des Buches noch verstärken, aber dann wird ein Lichtstrahl am Ende stehen.

LG Beatrice

 
suse9 21.03.2011, 12:47 Uhr

Hallo Rebecca,

ja, es ist ein Wunder, dass 26 Buchstaben das können. Ich staune jedes Mal darüber und freue mich, dass es das gibt. Viele - vor allem Nichtleser - fragen mich oft, warum ich nicht selbst einmal ein Buch schreibe, da ich doch so viel lese. Aber es geht ja nicht darum, ein Wort an das andere zu reihen, sondern um Emotionen so zu beschreiben, dass der Leser sie aufnimmt und begeistert verinnerlicht. Ich bin ein kritischer Leser und immer auf der Suche nach eben diesen Büchern, die mich berühren, zum Nachdenken annimieren. Selbst könnte ich dies nicht vollbringen, umso mehr kann ich staunen über Menschen, die dies zustande bringen. Danke, danke (passt das hier eigentlich in den Abschnitt 2 rein - wohl eher nicht - aber egal :))

LG Susanne

 
rebecca_abe 21.03.2011, 10:31 Uhr

Hallo Susanne,

es freut mich, was Du schreibst!!! Und zu Deinem Mann, sag ihm doch, beim Plotten hat mir mein Mann geholfen, es ist also auch ein bisschen ein Männerbuch, naja, sagen wir, eines für beide ;-)) und geht vielleicht auch deshalb über den typischen Liebesroman, der meist nur Frauen ansprich, hinaus.

Mein Mann ist übrigens DER Meisterplotter, aber er liest selbst keine Romane, nur meine ;-)))

Ist es nicht ein Wunder, liebe Susanne, dass sechsundzwanzig Buchstaben einen zum Weinen oder zum Lachen bringen können? Davon träumt man beim Schreiben, und wenn auch ich heule beim Schreiben oder auch viel lache, dann weiß ich ja noch nicht, ob das den Lesern später auch so geht. Für mich eines der größten und schönsten Komplimente, danke!

LG Rebecca

 
suse9 21.03.2011, 10:17 Uhr

Obwohl ich das Buch schon ausgelesen habe, will ich zu den einzelnen Abschnitten noch meine Kommentare abgeben. Ich habe mir beim Lesen im Zug ein paar Bemerkungen gemacht und hoffe, alle Gedanken noch nachvollziehen zu können. Aber erst einmal zu dem, was hier geschrieben wurde. Eigentlich hat Ani fast das geschrieben, was auch meine Gefühle beim Lesen waren. Wie oft ich zu meinem Mann gesagt habe, wie froh ich bin, endlich mal wieder einen "richtigen" historischen Roman in der Hand zu haben, weiß ich nicht - der Ärmste. Also an dieser Stelle und bestimmt nicht zum letzten Mal, danke Rebecca.

@Kubine: Schön, dass dein Mann auch das Gleiche liest wie du und ich hoffe, dass du "Im Labyrinth der Fugger" als erste lesen durftest :) Lest ihr auch manchmal Bücher parallel? Ich bin in einem lesebegeisterten Elternhaus aufgewachsen und kann mich noch gut an die Diskutiererei erinnern, wer denn jetzt das Buch gerade lesen darf. (Ich habe jetzt zu oft das Wort "lesen" geschrieben, lass das aber mal so stehen - Ausdruck: 5).

Schellebelles und Kellenbenz´ Ende ist grausam und traurig, zeigt es uns doch, dass du als Mittelloser keine Lobby hast. Grausam ist auch, dass Anna völlig ahnungslos in die Kirche ging. Als sie merkte, worauf es hinauslief, hatte sie keine Chance, sich diesem "Spektakel" zu entziehen. Die Kinder wurden gezwungen, sich der Grausamkeit auszusetzen - welch ein Trauma.

Als Kellenbenz während seiner Hinrichtung das Maunzen seiner Bianka hörte, hatte er die Gelegenheit, sich mit seinem Schrei von ihr zu verabschieden. Er wusste nun, dass sie am Leben war und das beruhigte ihn wohl, oder nicht? Ich war mir beim Lesen dieser Stelle nicht sicher, ob ich froh sein sollte, dass er Bianka noch einmal gesehen hatte oder traurig, da er sie zwar gefunden, aber nicht zu ihr gelangen konnte. Sicher ist nur, dass ich das Buch für ein paar Minuten zuschlagen musste.

Was mir auch noch sehr gut gefallen hat, war das Zusammengehörigkeitsgefühl der Geschwister, außer der beiden älteren Söhne. So konnten sie sich oft gegenseitig trösten und Wärme spenden. Sie fangen sich auf und geben sich Liebe in diesem lieblosen Haus.

Auch ich konnte die Veränderung des Haushaltes von einem musischen Ort in einen tristen sehr gut nachvollziehen und fragte mich oft, warum das so sein musste. Ich kenne mich in der Religion nicht sehr gut aus und staunte, dass der Katholizismus verlangt, auf Musik, Lebensfreude und Pomp zu verzichten. So ist es jedenfalls bei mir angekommen. Gut, die Bücherverbrennung konnte ich nachvollziehen. Sie war logisch aus Sicht Canisius´ . Mir blutete auch das Herz und ich fragte mich, warum der Vater dies zuließ. Er ist für mich ein absolut feiger und schwacher Mensch.

Die Bibliothek, ja da wäre ich gerne gewesen, in den Nischen. Wenn ich lediglich an einem Bücherladen vorbeigehe, nehme ich eine tiefe Geruchsprobe. Wie viel schöner muss es sein, in einem Raum voller alter Bücher lesen zu dürfen?

 
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Erstellt von Betty Geröllheimer am 03.03.2011
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rebecca_abe Vor 1 Jahr

Liebe LeserInnen, haben Sie Lust, sich oder jemanden anderen zu fotografieren, wie er oder sie "Im Labyrinth der Fugger" liest und mir das Foto dann zu schicken? Dies würde mich sehr freuen. Alle Teilnehmer bekommen von mir kleine Extras zum Buch, persönlich signiert, zugeschickt. Ihr Foto können Sie gleich auf Facebook veröffentlichen und mit meiner Seite verlinken:http://www.facebook.com/profile.php?id=100000686501923, oder Sie senden mir einen Kommentar im Blog oder eine Nachricht über das Kontaktformular auf meiner Homepage: www.r-abe.de Ich bin gespannt, viele Grüße Ihre RebeccaAbe


rebecca_abe Vor 2 Jahren

Wer mir seine Mailadresse per private Nachricht schickt, den halte ich auf dem Laufenden über Lesungen vor Ort oder eben das neue Buch, LG Rebecca


Betty Geröllheimer Vor 2 Jahren

Setz euch doch dazu, direkt mit Rebecca in Verbindung, vll liest sie ja wieder mit?!


suse9 Vor 2 Jahren

Schicke hiermit meine Bewerbung dafür ab :) Super Idee


mabuerele Vor 2 Jahren

Würde ich gern wieder mitmachen!