Töchter des Schweigens von Elia Barcelo ist ein Roman der nach dem ersten drittel sicherlich mit vielen großen Romanen mithalten kann und viele politische wie auch gesellschaftliche Problemfelder ankratzt. Wer die ersten 150 Seiten durchhält der kann dannach Spannung erwarten.
7 Freundinen, eine naive Mädchen-Clique mit unterschiedlichen Elternhäusern wurde gemeinsam erwachsen. Sie erlebten gemeinsam das Abitur und ihre Abschlussfahrt und schmiedeten Pläne für die Zukunft - so verschieden wie sie auch waren. Doch alles kam anders und sie gingen meist getrennte Wege. Nach 33 Jahren, in einer ganze anderen Zeit, treffen sie alle wieder aufeinander und sehen was aus ihnen geworden ist.Doch nach dem Tod von Lena, MagdaLena kommt nach und nach ein längst vergessenes und verdrängtes Geheimnis wieder an die Oberfläche.
Schon auf den ersten Seiten fängt Barcelo spannend an, Lena oder MagdaLena wird von Rita oder MargaRita tot aufgefunden. Das lies erstmal eine Menge Spannung erwarten, zumal Barcelo immer wieder zwischen 1974 und 2007 hin und herspringt.
Jedoch flaut die erste aufgebaute Spannung schon nach wenigen Seiten auch wieder ab. Anfangs ist es für den Leser etwas schwierig die einzelnen Protagonisten auseinander zuhalten, zumal alle doch sehr unterschiedlich und auf ihre Art schwierig und extrem sind. Außerdem haben 3 Frauen von früher zu heute ihre Namen geändert. (MagdaLena - MargaRita - MariSole)
Auf den ersten Seiten treffen sie sich nach langen Jahren wieder und man lernt die einzelnen Mädchen / Frauen von ihrer Denkweise, Familie und Vorliebe nur in den Dialogen auf einer "Party" kennen.
Die Extreme machen sie nicht unbedingt sympathisch, so dass der Leser sich auf eine Weise mit den Personen identifizieren könnte. Die Männer sind soweit man liest Mistkerle, gehen fremd, schlagen ihre Frauen verschwinden wegen anderer Frauen. Carmen zeigt sich sehr ordinär und säuft wie ein Loch ...
Barcelo schreibt zum Teil sehr lange Sätze, die einen aufgeweckten Leser benötigen. "...Carmen starrt auf die Wasserkringel, die sie sich auf den Tisch gemalt hat, und sieht im Geist zwei verängstigte junge Mädchen, die sich im Bett aneinanderklammern und auf die gedämpften Schreie horchen, die durch die geschlossenen Zimmertür dringen, auf das Krachen umgestoßener Gegenstände, auf die Flüche ihres Vaters, der zuschlägt und beleidigt, immer wieder zuschlägt und beleidigt, das heftige zuknallen der Wohnungstür und dann die lange Stille, durchsetzt von einem Wimmern wie von einem verschreckten kleinen Tier, bis sie genügend Mut gefasst haben , um auf Zehenspitzen aus dem Zimmer und ins elterliche Schlafzimmer zu schleichen, wo ihre Mutter in einer Ecke kauert und sich ein Auge hält, aus dem rot glänzendes Blut fließt und zwischen ihren Fingern hervorrinnt. ..."
Was man noch sagen kann und sich bewusst machen sollte - 74 war Franco noch Staatschef von Spanien. Er regierte als Diktator und wurde auch El Caudillo (Der Führer) genannt. Und so gab es Anhänger und Gegner, wie auch unter den Familien der Mädchen. Die 70er waren die Zeit der Hippies und Frauenbewegungen. Es gab auch noch Menschen die glaubten, die Frau wäre die Ausgeburt des Schlechten. Und mit diesen Klischees spielt Barcelo gekonnt.
Jedoch schafft sie es einfach nicht den Anfang spannend zu gestalten, die ersten mindestens 150 Seiten ziehen sich wie Kaugummi hin. Man arbeitet bewusst auf ein spannendes Ende hin, aber wann kommt endlich die Spannung. Man quält sich durch die elenden Dialoge der einzelnen Frauen, und lernt sie immer mehr kennen. Der ganze Roman besteht zum größten Teil aus einzelnen Dialogen der Frauen untereinander, wer sie gerade mal mit wem trifft und kleinen Anekdoten.
Einige Teile und Gespräche kann ich nach dem Ende immer noch nicht nachvollziehen, welchen Sinn sie hatten. Dafür werden ein paar Dinge zum Ende ganz lapidar am Rande aufgeklärt.
Für mich kein schlechter Roman, jedoch waren für mich die Durststrecken für Erklärungen ohne Spannung einfach zu lang um dem Roman mehr als ein gut geben zu können. Sie hat eine sehr angenehme jedoch auch anspruchsvolle Art zu schreiben, die den Roman sicherlich für mich auch noch aufwertet.