Handlung: Die dreizehnjährige Nihal, deren Haare blau und deren Augen violett sind, lebt zusammen mit ihrem Vater Livon, einem begnadeten Waffenschmied, in der Turmstadt Salazar. Ihr sonderbares Aussehen jedoch ist nicht alles, denn Nihal ist auch charakterlich nicht wie die anderen Mädchen im Land des Windes: Nein, anders als diese liebt sie es, zu kämpfen, Feinde zu jagen und mit ihrem Schwert in die Flucht zu jagen. Auch wenn es sich bei diesen Kämpfen anfangs noch um bloße Spiele handelt, die Feinde natürlich nur andere Jugendliche aus Salazar sind und das Schwert aus Holz, ist dies doch das einzige, was Nihal wirklich Spaß macht.
Das Land des Windes ist eines der wenigen noch freien Länder in der Aufgetauchten Welt. Schon seit Jahrzehnten lässt der Tyrann Gebiet für Gebiet in Chaos, Krieg und Tod versinken, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er seine finstere Streitmacht, an deren vorderster Front nicht selten die Fammin stehen, auch auf Salazar loslassen wird.
Nihal ist fest entschlossen, eines Tages eine Kriegerin zu werden, diesem mörderischen Treiben ein Ende zu bereiten und den Tyrannen endgültig zu stürzen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und bevor sie sich auf mächtige Feinde stürzen kann, muss sie erst viele andere Dinge lernen.
So erfährt sie durch die Begegnung mit dem jungen Sennar, dass es nicht nur von Vorteil ist, gut kämpfen zu können, sondern dass auch noch so kleine Zaubertricks das weitere Kampfgeschehen entscheidend beeinflussen zu können. Sie bricht auf zu Soana, einer begabten Magierin, die sie als Schülerin bei sich aufnimmt.
Dann jedoch passiert etwas, was nicht nur Nihals Leben, sondern auch das von Sennar und Soana gehörig auf den Kopf stellt. Und schließlich macht sich Nihal auf den Weg zur Drachenritter-Akademie im Land der Sonne, um ihre Ausbildung zur Kriegerin und Drachenritterin aufnehmen zu können – Nihal, die letzte Halbelfe der Aufgetauchten Welt.
Kritik: Als ich das Buch zum ersten Mal in die Hand nahm, war ich skeptisch. Eine im Kampf sehr begabte und äußerst zielstrebige Protagonistin, die auch noch die letzte Halbelfe der Welt ist… wieder mal Drachen… Zauberer, Magie… ja, ein Tyrann fehlt auch nicht… Wo das wohl hinführen wird?
Tatsächlich sah die Geschichte auf den ersten Seiten auch noch nicht sonderlich vielversprechend aus. Ja, Nihal war gleich zu Beginn eine interessante Persönlichkeit, außerdem hat es mir gefallen, dass endlich mal ein weiblicher Charakter die Hauptrolle für sich beansprucht.
Der Schreibstil jedoch hielt sich anfangs recht knapp. Ich konnte der Geschichte gut folgen, hätte mir aber manchmal mehr Details gewünscht. Einfach ein bisschen mehr Beschreibungen, ein tieferer Einblick in die Gefühlswelt Nihals…
Aber ich hatte keinerlei Probleme damit, weiterzulesen, und so wurde ich für meine Geduld zwar nicht sofort, aber etwa bei der Hälfte des Buches belohnt. Bis dahin besserte sich einiges, es wurde deutlich spannender. Obwohl ich noch nicht einmal fertig gelesen hatte, stand für mich schon fest, dass ich auch den zweiten Band, „Der Auftrag des Magiers“, haben wollte. Und den dritten.
Nihal ist eine starke Persönlichkeit, war es schon immer und wird es sicherlich auch immer sein. Dabei wirkt sie aber keineswegs übertrieben stark, im Sinne von (Beispiel): Halbe Familie wird vor den Augen des Protagonisten brutal niedergemetzelt, Heimat wird abgefackelt, die Welt steht kurz vor dem endgültigen Stillstand, nur die Hauptperson kann dies verhindern – muss sich dafür aber gewaltig zusammenreißen und darf nicht heulen. Hat anfangs Problemchen damit, schafft dann aber alles weitere mit Links… jaja, Happy-End…
Nicht wegklicken! Ich wollte gerade erneut betonen, dass Nihal keineswegs so ist. Troisi hat einen faszinierenden Einblick in das Gefühlsleben der jungen Halbelfe gestattet. Der Leser begleitet sie, versteht sie, fühlt mit ihr in der Zeitspanne von ihrem dreizehnten bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr. Die Zeit in Salazar, der Unterricht bei Soana, die Reise, die Aufnahmeprüfung in die Akademie… Nihal ist stark, ja. Aber sie ist auch verbittert, sie ist rachsüchtig, sie liebt den Kampf und das Metzeln von Feinden, und mit ihrer Leidenschaft fürs Kämpfen stürzt sie sich in den Krieg, erblindet dabei jedes Mal an ihrem Zorn, ohne je zu vergessen, wofür sie kämpft.
Aber weiß sie das eigentlich wirklich? Als sie dem Drachenritter Ido zugewiesen wird und bei ihm lernt, erfährt sie viele Dinge, über die sie bisher nie genauer nachgedacht hatte. Dennoch kann er ihr nicht auf alle Fragen Antworten geben, und so muss Nihal gewisse Sachen selbst herausfinden. Besonders beschäftigen sie die Stimmen, die sie immer dann hört, wenn sie alleine ist. Stimmen, die nach Vergeltung und Rache schreien und Nihal verfolgen, seit sie sich erinnern kann…
Gesamtfazit: Der erste Band der „Die Drachenkämpferin“-Saga von Licia Troisi erfüllt alle Ansprüche, die ein Fantasyleser ihr stellen mag. Eine faszinierende, so noch nicht dagewesene Welt; eine starke Protagonistin; spannende Kämpfe und zu guter Letzt Weisheiten vom guten alten Ido. Auch die Charakterdarstellungen sind stets glaubwürdig, die Entwicklungen derselben gut durchdacht. Und ein Tipp von mir an alle, die es lesen oder lesen wollen: Nicht abschrecken lassen, wenn es anfangs nicht so gut ist, sondern einfach weitermachen. Ihr werdet sehen, es wird besser. :)