Zum Cover:
Das Cover sagt mir sehr zu. Es ist zwar sehr schlicht gehalten, jedoch hat es den Zweck, den ein gutes Cover erfüllen sollte, erfüllt, denn es zeigt Goldklumpen in der Luft und im Hintergrund viel Rauch, der von einer Explosion stammt. Die Goldklumpen stehen für den Goldmacher, der die Schicksale beider Familien miteinander verknüpft und der Rauch steht für den Krieg, in dem die beiden Jungen aufwachsen und groß werden, und auch den Kalten Krieg, denn während dieser Zeit leben Anton und Franz ja ebenfalls.
Zum Inhalt :
Es ist sehr interessant, die verschiedenen Zeiten hauptsächlich aus der Sicht zweier Charaktere zu sehen, die relativ verschieden aber sehr miteinander verbunden sind und die sich wegen dem ganzen Leben auch stark verändern.
Figuren :
Das Buch wird hauptsächlich aus zwei Perspektiven geschrieben, die des Anton Bluhm und des Franz Münzer. Jedoch beziehe ich mich hier noch auf eine dritte Person, und zwar Hans-Ulrich Hacker, da sozusagen das Bindeglieg zwischen Anton und Franz darstellt und somit auch sehr wichtig für die Geschichte ist.
Anton Bluhm ist ein sehr gut erzogener Junge und wurde mit religiösen Vorstellungen großgezogen. Er glaubt an die Vernunft des Menschen und hat sich schon in frühem Kindesalter ein Lebensziel gesetzt, und zwar die Ausmerzung des Bösen. Diesen Vorsatz gab er sich, als er gehört hatte, dass der Goldmacher die Familie in den Ruin getrieben hatte und sein Vater somit seine Papierfabrik aufgeben musste. Während des zweiten Weltkrieges und danach nimmt er sich vor, ein Buch zu schreiben, nach dem Vorbild des Thukydides. Er nennt es: Den Untergang der Dichter und Denker. Das ist sein Lebensziel. Jedoch verliert er im Laufe seines Lebens dieses Ziel aus den Augen da Familie und Karriere erst einmal im Vordergrund stehen, um ein glückliches Leben zu führen. Am Ende jedoch, nach dem Tod seines besten Freundes Franz Münzer, fängt er an zu schreiben und will sein Werk somit vollenden. Er ist in seinen Beziehungen, die er hatte, immer treu geblieben und ist auch ein sehr emotionaler Mensch. Was man auch merkt ist, dass er sich für seine Ideale einsetzt, zum Beispiel hält er eine Rede darüber, dass man den Kalten Krieg einstellen solle und dass dieser sinnlos sei.
Franz Münzer ist von klein auf ziemlich aggressiv und hat es schwer mit Lernen, was sein Vater aber nicht weiter schlimm findet, da er von Bildung eher nicht so viel hält, da für ihn nur das Geld zählt. Er ist sportlich begabt und den anderen in der Schule im Sport immer voraus, und dort baut er auch seine Aggressivität ab. Er wird, wie viele andere auch, vom hitlerschen Wunderglauben infiziert, im Gegensatz zu Anton, der daran von Anfang an nicht geglaubt hatte, und wird durch diesen Glauben in der Schule besser, da er einen neuen Lehrer erhält, der ihn über die Ziele von Hitler unterrichtet, und somit hat Franz nun eine Motivation, auch für die Schule zu lernen. Als er alt genug ist, wird er in den Krieg eingezogen, und er tut das mit Vergnügen, denn er will Hitlers heilige Mission erfüllen. Nach dem Krieg, als er von seinem Vater erfährt, dass er nie an Hitler geglaubt habe, sondern nur an das Geld, hasst er seinen Vater und konkurriert mit ihm. Er ist, ebenfalls anders als Anton, in seiner Beziehung untreu, denn er ist seit der Nachkriegszeit mit Rosi verheiratet, hatte jedoch zuerst eine Affäre mit seiner Sekretärin, und viele viele Jahre später dann eine weitere mit Luzie Mayer, einer Chefin einer Werbefirma. Als er Anton nach langer Zeit wiedersieht und erfährt, dass die beiden etwas gemeinsam haben, und zwar dass beide Familien unter dem Goldmacher gelitten haben, hängt er sofort an Anton und deren Freundschaft und das ändert sich auch sein Leben lang nicht. Sein ganzes Leben lang ist verfällt er immer wieder dem Wunderglauben, zuerst an das Gold zur Zeit des NS-Imperiums, und später, als er sein eigenes Familienimperium aufbaut, glaubt er an das Geld. Sein Leben endet damit, dass sein Imperium aufgekauft wird, er daraufhin einen Nervenzusammenbruch erleidet, und dann an einer einfachen Grippe stirbt.
Als letztes kommt Hans-Ulrich Hacker. Er spielt, wie er sich selber auch nennt, gerne den "Hund" für Anton, da er ihm alle Informationen und Gegenstände die er benötigt, besorgt. Später arbeiten sie zusammen in der Journalismus-Branche und Anton ist sein Vorgesetzter. Hans benötigt das Gefühl, gebraucht zu werden um zu leben, ansonsten ist für ihn sein Leben fast sinnlos, daher erfüllt er auch so gut den Job, den er bei Anton innehat. Er ist ein sehr guter Freund von Anton und versucht ihn immer vor der Familie der Münzer zu beschützen, da er glaubt, dass die ganze Familie wie der Vater von Franz ist, da dieser ja mit den Nazis unter einer Decke steckte. Er gibt sich immer ziemlich hart, ist aber sehr emotional, zumindest was seine Freundschaft zu Anton betrifft. Außerdem hat er so eine eigentümliche Art, immer eine neue Frisur zu tragen, wenn er einen neuen brillanten Plan hat, der die Firma in Zukunft noch weiter bringt.
Zur Meinung :
Anfangs hatte ich noch keine richtige Lust, das Buch immer wieder aufzuklappen und zu lesen, weil dieses Genre für mich völlig neu ist. Aber so langsam kam ich dann in die Geschichte rein, und ich hatte wirklich Spaß am Lesen, denn ich war wirklich interessiert wie es wohl weitergeht. Der Schreibstil war zunächst auch etwas anders, aber doch einfach genug um sich dann auch wirklich in das Geschehen hineinzuversetzen. Ich finde die Emotionen der Personen auch gut dargelegt, da sie, so ist mein Eindruck, zwar eher wenig beschrieben werden, aber hier gilt das Motto : "Weniger ist mehr", denn die Beschreibungen hinterlassen einen bleibenden Eindruck und man kann sehr gut mitfühlen. Außerdem ist es Gisella Stelly wirklich gut gelungen, die verschiedenen Zeiten, durch die die Charaktere gehen, gut dargestellt wurden, denn es ist wirklich interessant, die Protagonisten durch eine solch wandelreiche Zeit leben zu sehen, da ja in dieser Zeit sich sehr viel verändert hat.
Alles in allem also ein wirklich gutes Buch und auf jeden Fall lesenswert, auch für die, die normalerweise keine historischen beziehungsweise Familienromane lesen.. Gute Arbeit, Gisela Stelly!
Emotionen: ♥♥♥♥♥
Handlung : ♥♥♥♥♥
Cover : ♥♥♥♥♥
Schreibstil: ♥♥♥♥♥
Charaktere: ♥♥♥♥♥
Originalität: ♥♥♥♥♥