Blutsommer- ein Titel, der den Leser erst mal zum Nachdenken bringt. Was könnte wohl damit gemeint sein? Und schon nach den ersten paar Seiten wird klar, dass es wohl sehr wörtlich gemeint ist: Reichlich Blutvergießen mitten im Sommer!
Die Sonne lacht, die Vögel zwitschern, was bietet sich da mehr an, als einen schönen Picknick-Ausflug zu machen? Familie Lerch, die einen in das Geschehen einführt, hat zumindest genau diesen Tagesplan. Die Eheleute schnappen sich ihre drei Töchter und starten in den Tag – ein Tag der ein sehr unerwartetes Ende nimmt. Ein weiteres Opfer des Metzgers taucht auf und es wird nicht das letzte sein.
Martin Abel und Hannah Christ reisen extra für den Fall des „Metzgers“ nach Köln um die Polizei in ihren Ermittlungen vor Ort zu unterstützen. Doch recht schnell wird deutlich, dass die Arbeit mit Abel kein Zuckerschlecken wird, nicht für Hannah, die von ihm lernen soll, und auch nicht für die Beamten. Seine Art, mit anderen Leuten umzugehen, ist eher unfreundlich, grob und plump. Trotzdem war er mir irgendwie nicht unsympathisch, vielleicht auch weil die Hoffnung bestand, dass hinter der harten Schale doch irgendwo ein weicher Kern steckt und er seine Gründe hat, sich so zu geben. Hannah Christ ist sehr taff und schlagkräftig, aber dennoch gefühlvoll, der ideale Gegenpart zum unterkühlten Martin Abel.
Die gemeinsamen Ermittlungen waren sehr spannend, man bekommt einen Einblick in die Polizeiarbeit und in die Vorgehensweisen der Fallanalytiker. Erstaunlich fand ich, welche kleinen Hinweise ausreichen, damit Abel so ein komplexes Täterprofil erstellen kann.
Und auch vom Metzger erfährt man als Leser einiges. Immer wieder gibt es eine kleine Reise in die Vergangenheit, in der die Kindheitserlebnisse und damit vielleicht die Gründe seines Handelns dargestellt werden. Sympathisch ist er mir natürlich nicht, aber mich fasziniert, wie man so viele Monate alle an der Nase herumführen kann, ohne dabei deutliche Spuren zu hinterlassen.
Sehr schön finde ich auch, dass der Thriller in Deutschland spielt. Viele Thriller spielen ja eher in Amerika. „Blutsommer“ macht aber deutlich, dass Morde auch in Deutschland passieren, mitten unter uns, vielleicht sogar nebenan und niemand ahnt etwas davon. Die Handlung blieb die gesamte Zeit über sehr spannend und überraschend.
Auch der Schreibstil und die Perspektive haben mir gut gefallen. Das Buch war sehr flüssig zu lesen und gut gegliedert durch die zeitlichen Angaben. Obwohl es einen Dritte-Person-Erzähler gab, hat man etwas über die Gedanken der einzelnen Hauptpersonen erfahren. Das bringt dem Leser die Personen noch mal etwas näher und man kann sich besser in sie hinein versetzen.
Ich kann Blutsommer jedem Thriller-Liebhaber absolut weiterempfehlen, aber Vorsicht, es besteht absolute Suchtgefahr bei diesem rundum gelungenen Werk.