Entführt, gefangen … verliebt?
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»Der Inhalt«
Für
ein paar Wochen sind die Freundinnen Chloe und Angie in Griechenland
als freiwillige Helferinnen. Kurz bevor sie abreisen, dürfen sie die
Gegend auf eigene Faust erkunden. Doch sie streiten sich und Chloe zieht
eines morgens alleine los, um ihre Freundin nicht zu wecken. Zunächst
geht alles gut, bis sie sich mit verbundenen Augen in einer Limousine
wiederfindet und ein Fremder ihr befiehlt, sich umzuziehen. Sie bekommt
alles nur am Rande mit, doch per Auto und Flugzeug wird sie irgendwohin
verschleppt. Sie steht Todesängste aus und fürchtet das Schlimmste. Ihr
Entführer scheint gelegentlich ganz nett zu sein, doch sie weiß, dass
dies nur eine Maske ist. Aber manchmal, da ertappt sie sich dabei, wie
sie ihn länger anstarrt als schicklich ist und eine Anziehung von ihm
ausgeht, der sie nicht widerstehen kann…
»Intensiv! Tiefes und berauschendes Abtauchen garantiert«
In
“Du liebst mich nicht” bin ich so richtig, richtig tief abgetaucht. Ein
Grund dafür, warum ich es in nur einem Stück verschlang und mich mit
dem Zuklappen der Buchdeckel zunächst ziemlich orientierungslos fühlte.
So versunken und gefangen war ich von dem durch und durch fesselnden
Szenario, das die Autorin Edeet Ravel in ihrem Roman kreiert.
Der
durchweg packende Rausch entsteht durch die interessante
Geschichtsidee, die unglaublich intensiv umgesetzt wurde und mir daher
sehr nahe ging.
Dieses
wiederum wird durch den brillanten Aufbau von “Du liebst mich nicht”
erzeugt. Als Leserin werde ich – genauso wie die Protagonistin Chloe –
in eine neue und unbekannte Situation geworfen, mit der ich klarkommen
musste oder eben nicht. Dadurch wuchs ich eng mit Chloe zusammen und fühlte dermaßen stark mit ihr mit, als wären es meine eigenen Gefühle.
»Ein gelungener Rundumblick«
Bei Entführungsgeschichten kann oft die Problematik einer einseitigen Handlung entstehen, was Edeet Ravel geschickt – auch durch ihren famosen Aufbau – umging, indem ich, zeitgleich und zusätzlich zu
Chloes Bericht in der Ich-Form, Zeitungsartikel, Facebookeinträge und
Tagebuchseiten mitverfolgte. Dieser Rundumblick verleiht “Du liebst mich
nicht” eine größere Tiefe und lässt die Ereignisse insgesamt realer
erscheinen.
Es
erscheint anormal, wie so echt, ehrlich und wahr wirkende Gefühle
zwischendes Entführer und Opfer- entstehen können. Doch wer behauptet,
dass das s.g. Stockholm-Syndrom wirklich nachvollziehbar wäre? Edeet
Ravel hat nichtsdestotrotz eine realistische Beziehung in der Geschichte
verwoben, die Hilflosigkeit, Verlangen und viel, viel Menschlichkeit
ausdrückt.
»Ein dunkler Sog, Herzklopfen und mehr als Unterhaltungswert«
Als
ich “Du liebst mich nicht” zum ersten Mal sah, ahnte ich, dass sich
dahinter eine packende Geschichte verbergen könnte, die am Ende
tatsächlich meinen Erwartungen mehr als gerecht wurde. Generell lese ich
solche Themen gerne, weil sie die Möglichkeiten bieten, sich komplett
in sie hineinfallen zu lassen, sie Herzklopfen garantieren und meistens
über den bloßen Unterhaltungswert hinaus an Abgründen balancieren und
mit vielen Ebenen spielen.
So
verwundert es mich auch nicht weiter, dass ich mich von den Seiten
nicht mehr zu lösen vermochte und dem gigantischen Sog gnadenlos
verfiel.
Zu
gerne würde ich einiges über den/die Entführer schreiben, doch ich
werde nichts verraten und muss darüber leider Stillschweigen bewahren.
Düstere
“Machtworte” lassen sich in Edeet Ravels Roman ebenfalls finden.
Unterschwellige Manipulation, irritierende Elemente und die einzige
Gewissheit am Ende, dass ich nicht mehr weiß, was ich nun glauben soll
und was nicht. Einfach überwältigend.
»Mein Fazit«
Vergesst
den Alltag und lasst euch im wahrsten Sinne des Wortes in eine
bombastische Geschichte entführen, die auf ihrem Pfad gespickt ist mit
intensiven Gefühlen, dunklen Gedanken und verführerischen Augenblicken.
Eine Geschichte, die über das normale “Ich” hinausgeht und mich mit
schier unerträglicher Nachdenklichkeit und Spannung zurückließ.
“Du
liebst mich nicht” ist das perfekte Buch für eine Nacht oder einen Tag,
denn ich kann mir kaum vorstellen, dass man es auch nur einen Moment
zur Seite legen möchte! Eine Delikatesse, die manche eventuell mit
Vorsicht genießen sollten. Brillant, brillant, brillant!
→ Leseprobe!
Ich verspürte einen übermächtigen Wunsch, ihn zu berühren – es war ein körperliches Verlangen wie Hunger oder Durst. S. 187, „Du liebst mich nicht“ – Edeet Ravel © cbt