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CharlieLs Rezensionen
Ein Lied aus der VergangenheitAminatta Forna
(9)
25 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen
Rezension vom 18.05.2012 (10)
<strong>Der Inhalt:</strong>
<em>Sierra Leone</em>,
Adrian Lockheart lässt ein komfortables Leben und eine Familie in England zurück, als er für eine zeitlich begrenzte Periode nach Afrika reist, um dort seiner Arbeit als Psychiater nachzugehen.
Sein Ziel ist es, den Menschen zu helfen und eine bessere Welt zu kreieren. Doch in Afrika prallen verschiedene Kulturen aufeinander und Adrian spürt, dass dieses Volk viele Schrecken hinter sich gelassen hat und noch immer in einem tiefen Sumpf lebt, den ein einzelner Mann nicht überbrücken kann.
Während er sich mit dem jungen afrikanischen Kai anfreundet, der bis an sein Limit kranke Menschen operiert, erzählt Elias Cole, ein im Sterben liegender Mann, Adrian seine Geschichte und es entsteht eine Verbindung zwischen den dreien, derer sie sich vielleicht zu spät bewusst werden…
<strong>Der Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart</strong>
„Ein Lied aus der Vergangenheit“ ist ein Roman, der tief unter die Haut geht und sowohl durch poetische Beschreibungen eines Landes zu überzeugen weiß, als auch durch realistische und dunkle Betrachtungen desselben.
Sicherlich erwartete ich keinen rosaroten Unterhaltungsroman, doch der Inhalt war ein härterer Tobak als ich es mir je vorstellte.
So behandelt dieser Roman zwei gegensätzliche Seiten eines Landes und stellt verschiedene Positionen anhand unterschiedlicher Figuren gegenüber. Hässliches und Schönes beschreibt die afrikanische Autorin Aminatta Forna in ihrem Roman und nimmt ihre LeserInnen mit in eine Geschichte, auf der man die schwüle, dörrende Hitze Afrikas beim Lesen zu spüren glaubt und wunderschöne Momente genießen kann, während das Land gleichzeitig von vergangenen, militärischen Schrecken heimgesucht wird und in Grausamkeit versinkt.
<strong>Ein gigantisches „Puzzle-Bild“</strong>
Dieser Roman hat mich unglaublich beeindruckt. Drei Hauptfiguren erzählen ihre Geschichte und repräsentieren dabei sowohl jeweils eine andere Gesellschaftsschicht als auch ein anderes Alterssemester. Die Beziehungen der Figuren untereinander sind lange Zeit nicht klar, ebenso wenig der Zusammenhang, indem man als LeserIn etwas über ihre Erzählungen und Berichte erfährt. Nach und nach bastelt Aminatta Forna ein Bild, das sich aus unzähligen Puzzle-Teilchen zusammensetzt, die sich im Laufe der Handlung anfügen und immer neue Anknüpfungspunkte bieten. Aminatta Forna hat drei Individuen geschaffen, deren Leben sich um einen gemeinsamen Mittelpunkt dreht, von dem sie gegenseitig nicht wissen, dass dieser überhaupt existiert. Als LeserIn wusste ich, dass es ihn gibt, ansonsten war ich mit den Charakteren dieser Geschichte auf derselben Wissensstufe.
Durch diese Methodik entstand ein enormes Spannungsgefälle, das für sich genommen eine gewaltige Leseerfahrung bedeutet hätte. Doch diese Autorin schuf mehr interessante, lesenswerte und reichlich spannende Nebenhandlungen, große Schauplätze und vergangene Momente, die auf die Auflösung in der Gegenwart hinarbeiteten und jedes Mal aufs Neue in ihrem eigenem Höhepunkt gipfelten.
<strong>Realistische Schilderungen von Härte und Realität</strong>
Mir fehlen die Worte, denn die Härte, die diese Autorin ihren Personen andichtet, ist dermaßen schrecklich und überraschend, dass es seine Zeit braucht, um die beim Lesen heraufbeschworenen Gefühle und Bilder zu verdauen. Noch schrecklicher ist allerdings die Tatsache, dass die Inhalte dieses Romans nicht ausschließlich auf der Erfindungsgabe einer Schriftstellerin fußen, sondern durchaus der Realität entsprechen könnten und somit tiefe Betroffenheit auslösen.
<strong>Mein endgültiges Urteil:</strong>
Ich bin genauso zerrissen, wie es die Figuren in dieser Handlung sind. Es sind zu viele Eindrücke, die so eng miteinander verwoben wurden, dass sie nicht mehr auseinanderzuhalten sind.
Etwas Dichteres und Komplexeres aufeinander aufbauendes habe ich selten gelesen.
Die Schönheit, die diese Autorin in poetischem Stil mit den realen Grausamkeiten eines Landes vereint, sind gleichermaßen niveau- und stimmungsvoll, sowie abstoßend und schwer verdaulich.
Die Figuren erleben enorme Weiterentwicklungen, die sich wiederum nachvollziehbar gestalteten und den Eckpunkten des Romans Halt bieten.
Einige Stellen waren mir etwas zu langatmig und der letzte Teil der Handlung behandelte beinahe ohne Vorwarnung alle Gräueltaten, die diese Erzählung zu bieten hatte, so dass diese den Ausgang sehr dominierten und ich beim Gedanken an dieses Buch einen bitteren Geschmack auf der Zunge habe. Jedoch nicht, weil er so schlecht gewesen wäre, sondern weil er zu gut, zu traurig und zu “abgefahren” war.
Der NachtzirkusErin Morgenstern
(86)
262 Bibliotheken, 19 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen
Rezension vom 13.05.2012 (15)
Der Inhalt:
Der Cirque des Rêves hat nur nachts geöffnet und reist von Ort zu Ort, von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent. Er zieht die Menschen wie magisch an, so dass sich sogar eine Gemeinschaft namens „Rêveurs“ gründet, die sich gegenseitig über das Auftauchen des Zirkus’ informieren und ihre Leidenschaft für diesen intensiven, sowie impulsiven Ort teilt.
Doch niemand ahnt, welche Illusion und Bedrohung unter diesem Schauspiel der Schönheit und Wunder verborgen liegt. Der Zirkus, einst geschaffen als Schauplatz eines Duells, kennt nur einen Sieger und kein Erbarmen. Zwei Zauberer haben sich unfreiwillig mit ihrem Leib daran gebunden und müssen ihn immer erweitern und immer die Oberhand gewinnen. Eine Zwickmühle, die niemand lösen kann. Irgendwann wird einer unterliegen und was passiert dann mit diesen Menschen anlockenden Faszinationen?- Möge der Bessere gewinnen!
Das gewisse ‘Etwas’?
Wieso fühlen sich relativ viele LeserInnen von „Der Nachtzirkus“ bezaubert? Was beschreibt oder hat Erin Morgenstern, was anderen Autoren fehlt?
Die Antwort ist recht einfach. Sie mischt viele unbekannte Variablen, die sie sich wie zufällig immer wieder berühren lässt, und schafft mit zunehmender Handlung immer intensivere Verknüpfungspunkte, die LeserInnen hautnah eine Entwicklung spüren lassen. Versucht haben dies sicherlich schon viele Schriftsteller und einige sind gescheitert. Hingegen Erin Morgenstern überzeugt durch weitere Elemente: Sie kombiniert ihre vielen Charaktere, die in unregelmäßigen Zeitsprüngen aus verschiedensten Blickwinkeln wahrgenommen und durchleuchtet werden mit ihrem feingliedrigem Schreibstil, der dieser Erzählung das Leben einhaucht.
Es betreten nicht nur von Erin Morgenstern erschaffene Figuren den Zirkus. Die Autorin spricht ihre LeserInnen direkt an und das an sich wäre nicht einmal nötig gewesen, um sich dermaßen von der Atmosphäre verzaubert zu fühlen.
Gelegentlich wünschte auch ich mir mehr Klarheit und war diese vermeintliche „Hinhaltetaktik“ leid, doch am Ende ergibt alles einen Sinn und ordnet sich einer recht schlichten Lösung unter, die ich so niemals erwartete. Dieses subtile Finale stellt quasi den Gipfel der zuvor schon herrschenden Authentizität dar.
Der große Gewissenskonflikt
Welche Strategie verwendet diese talentierte Autorin außerdem?
Erin Morgenstern führt ihre LeserInnen in einen Gewissenskonflikt. Dieser äußert sich in den beiden Protagonisten Celia und Marco. Wie bereits erwähnt, werden sämtliche Charaktere aus allen nur erdenklichen Perspektiven gezeichnet und so fiebert man gleichermaßen mit Celia und Marco mit, obwohl das Wesen der Handlung darin liegt, dass die beiden in einem unvorstellbarem Rahmen ein Duell austragen und Feinde sind. Auf diese (manipulative) Art und Weise gibt es kein eindeutiges Abstecken/Eingrenzen von Gut und Böse.
„Der Nachtzirkus“ lebt von seinen Nebenhandlungen mitunter stärker, als von seiner Haupthandlung. Wenngleich ich meistens das Gefühl hatte, dass die Haupthandlung noch peripher präsent wäre, sind es vor allen Dingen die einzelnen Geschichtchen, die verknüpft im größeren „Universum“ mein Leserherz höher schlagen ließen.
Die beste Zirkusgeschichte aller Zeiten?
Leider kann ich inhaltlich nicht „en detail“ schildern, was einen als LeserIn erwarten wird, denn die Wirkung dieses Romans muss sich Schicht für Schicht von selbst entblättern. Allerdings wird nichts Ihre Vorstellungen ausreichend ausfüllen können, was auch nur annähernd der realen Erzählung Erin Morgensterns nahe kommt. Ich erwartete Etwas komplett anderes und bin dennoch positiv überrascht. „Eine Zirkusgeschichte, so etwas langweiliges will mir jemand als spannend verkaufen?“- Ja, das will ich. Selbst Menschen mit Zirkusaversionen könnte dieses Buch gefallen. Denn solch einen Zirkus hat noch niemand betreten. Solch ein Zirkus passt in kein Fantasiereich hinein. Solch ein Zirkus ist einmalig und muss selbst erlebt werden, um das Wirken der gesamten Darbietung und ihre Wunder zu verstehen.
Mein endgültiges Urteil:
Viele autonome Nebenhandlungen, die wie kleine Geschichten ihrem eigenem Tempo folgen, eigenständige Pfade beschreiten und dennoch die Geschichte der Haupthandlung beständig weitertragen, unterfüttern, verzieren und verstehen helfen, bilden zusammen mit atmenden Figuren und einem zu Tränen rührendem Schreibstil einen Roman, der mich durchweg an den Seiten kleben ließ. Meisterhaft. Ich las im Rahmen einer Leserunde dieses Werk, durch die ich wiederum auf ein paar (eher unbedeutende) Logikfehler aufmerksam gemacht wurde. Mich störten sie kein Stück, doch es gibt immer LeserInnen, die so etwas gar nicht vertragen. Deswegen weiß ich auch, dass manche den Schreibstil und den Handlungsverlauf Erin Morgensterns eher als „speziell“ bezeichnen würden und nicht alle mit dieser Art des Geschichtenschreibens konform laufen. Doch eine Leseprobe sollte genügen, um dem Abhilfe zu schaffen.
Die SchattenträumerinJanine Wilk
(37)
104 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen
Rezension vom 30.04.2012 (20)
Der Inhalt:
Francesca die Medici ist die Einzige in ihrer Familie, die noch diesen Namen trägt, der von einer langen mächtigen Ahnenfolge erzählt. Als sie mal wieder für ein paar Wochen ihre Verwandten in Venedig besucht und sich auf einige schöne Tage mit ihrer Cousine freut, ahnt sie noch nicht, dass die finanziellen Probleme der Familie einige Umstrukturierungsmaßnahmen fordern und Venedig sie nicht mit so offenen Armen empfangen wird, wie sie es gewohnt ist.
Denn ein Fluch liegt schon seit vielen Jahrhunderten auf der Stadt und begehrt nun endlich das einzufordern, was ihm zusteht. Francesca leidet unter schlimmen Albträumen, die sich in Italien sogar noch verstärken und zu allem Übel auch noch mit diesem ominösen Fluch in Verbindung zu stehen scheinen. Aber wie soll sie sich, ihre Familie und die Stadt, die sie so liebt, retten, wenn das Böse ihr sowohl bei Tag, als auch bei Nacht auflauert und all ihre Geheimnisse gegen sie verwendet? – Francesca muss sich beinahe ganz alleine gegen unvorstellbare Gefahren wenden, doch eine Alternative bleibt nicht und so riskiert sie mehr als nur ihr Leben, um verschüttete Wahrheiten aufzudecken und die Lösung für all ihre Probleme herauszufinden. Ein Wettlauf gegen die Zeit, denn jede Nacht werden die Träume qualvoller…
Venedig, vom Wasser verschluckt?
„Die Schattenträumerin“ von Janine Wilk ist ein rundum stimmiges Werk. Jedes Detail sitzt, von der Gestaltung, die sich im Buchinneren fortsetzt, über die einzelnen Figuren, das Grundgerüst der Handlung, dem Ort des Geschehens und der Atmosphäre.
So findet man sich im märchenhaften wie gleichzeitig sehr gruseligen Venedig wieder und betrachtet es mehr aus den Augen der Einheimischen. Verwinkelte Gässchen, dunkle Plätze, rutschige Brücken und rundherum das Wasser sorgen für den ultimativen Gänsehautfaktor, wenn die gerade einmal dreizehnjährige Francesca di Medici einem uralten Fluch auf die Spur kommen muss, um ihre Familie und Venedig vorm Untergang zu bewahren.
Dafür verflechtet Janine Wilk historische Fakten mit unserer modernen Zeit und webt so eine intensive Lesereise, die bis in die verborgensten Winkel dringt. Die ehemals wirklich existente Familie „di Medici“ schmiegt sich perfekt in die Handlung und regt zu eigenen Recherchen über den Buchinhalt hinaus an.
Die Brücke zwischen Humor und Gänsehaut
Die Protagonistin ist ein sympathischer Charakter, der für das junge Alter einige Bedrohungen vielleicht zu souverän lösen kann, ansonsten aber authentisch auch die anderen Personen dieses Buches ansteckt und für allgemeine Heiterkeit sorgt. So entstehen trotz der Bedrohungen, die besonders im Schlaf wirken, helle Momente, die mich manches Mal zum Lachen brachten. Mit einer engelsgleichen Sogwirkung rauschte ich durch jede Seite und hatte mit dem bildhaften Schreibstil der Autorin keine Probleme. Die einzelnen Kapitel sind teilweise etwas lang, obwohl sie inhaltlich nicht langatmig, dafür aber „endlos“ scheinen.
„Träum ich oder wach ich?“
Die Trennung von Traum und Realität, Fiktion und Non-Fiktion werden mit fortschreitender Handlung immer unklarer, so dass zunächst nicht immer sofort ersichtlich ist, ob die Figuren gegenwärtig tatsächlich Schaden nehmen können oder nicht. Solche Grenzverwischungen intensivieren die Spannung. Obgleich es weitaus brutalere Szenen in anderen Werken gibt und sich „Die Schattenträumerin“ in diesem Fall durch Zurückhaltung locker auch für Jüngere eignet, war die Spannung und Angst immer wieder beinahe unerträglich, weil Janine Wilk über das Lesen hinaus für atemlose Sekunden und rasantes Herzklopfen sorgt.
Mein endgültiges Urteil:
Venedig droht vom Wasser erobert zu werden und in den Fluten zu vergehen. Gleichzeitig kämpft eine junge Heldin aus der Ich-Perspektive um das Überleben ihrer Familie und das auf höchstem, energiegeladenem Niveau.
Holt die Taschenlampen, das Knabberzeug und eine Kuscheldecke heraus, denn wenn „Die Schattenträumerin“ ‘träumt’ ist niemand vor ihr sicher und gute Vorbereitungen sollten unbedingt getroffen werden.
Ich habe Janine Wilks Werk über alle Maßen genossen und kann diesen Einzelband für alle Semester, die Realität vermischt mit Fiktion und mächtigen Flüchen mögen, dringlichst weiterempfehlen.
Als die Liebe zu Elise kamNatasha Solomons
(26)
55 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen
Rezension vom 21.04.2012 (16)
Du kannst mehr als nur ein Leben leben
WIENER JÜDIN, 19, SUCHT Stelle als Hausmädchen. Spricht fließend Englisch. Ich werde Ihre Gans braten. Elise Landau.[...]
S. 13
Jene Elise, das Mädchen, das ich damals war, würde mich als alt bezeichnen, aber sie irrt sich. Ich bin immer noch sie. Ich stehe immer noch in der Küche und habe den Brief in der Hand und beobachte die anderen – und warte – und weiß, dass sich alles verändern wird.
S. 19
Der Inhalt:
Als die 19-Jährige, jüdische Elise Landau mit mangelndem Selbstbewusstsein, dafür aber einem vorlauten Mundwerk ausgestattet, kurz vorm Ausbruch des zweiten Weltkrieges nach England flieht und fortan als Dienstmädchen schuften muss, ist es ein schmerzhafter Abschied von ihrer Heimat Wien. Angekommen in ihrem neuen zu Hause namens Tyneford, muss sie sich erst mit den merkwürdigen Sitten dieses so konservativen Landes vertraut machen. Während ihrerseits ihre Schwester Margot mit ihrem Ehemann nach Amerika flüchtet, warten Elises und Margots Eltern Anna und Julian weiterhin auf ihr Visum zum Ausreisen. Elise fühlt sich in dem fernen Land mit den fremden Leuten furchtbar alleine und ist von einer stillen Sehnsucht erfüllt. Gleichzeitig bangt sie noch um das Leben ihrer Eltern, denn die Zeiten in Wien werden für Juden immer bedrohlicher.
Doch als sie Kit, den Sohn des Hausherrn Mr. Rivers besser kennen lernt, hat sie endlich so etwas wie einen Freund gefunden und vielleicht sogar ein wenig mehr.
Ein unter die Haut gehender Schreibstil
Stellt euch ein Violinenspiel vor. Ein Musikstück, das beim Augenschließen die Sinne aufblühen lässt, das Blut zum Pulsieren bringt und die Gedanken in zauberhafte Gefilde führt. Gefilde, die in Farbenpracht glänzen, von melancholischen Gewässern getragen werden und einen Ort bilden, indem alles möglich ist, weil der Regenbogen auf Erden herrscht. Ein Ort, der eigentlich nur in Träumen existiert und so unbeschreiblich und einmalig ist, dass man beim Aufwachen nur noch eine stumpfe Kopie in den Gedanken davon finden kann.
Klingt sehr bildhaft, oder? – In diesem bildhaften Stil, nur noch viel besser, kann man sich „Als die Liebe zu Elise kam“ vorstellen. Mit nur einem Blick hatte ich mich in die illustre und romantisch verspielte Covergestaltung, in den Titel und die Figur Elises selbst, verliebt.
Natasha Solomons erzählt in einem Schreibstil, der mir regelmäßig unter die Haut ging. Manchmal zeugte dieser von einem lockeren Ton, manövrierte sich geschickt durch tiefe, melancholische Gewässer, versank in einer Flut aus Schmerz und tauchte in einer hoffnungsvollen Brandung, die sich am Strand bricht, wieder auf. Selten habe ich solch eine kostbare Geschichte lesen dürfen, die mir einen magischen Moment nach dem nächsten bescherte, so dass mir die Worte fehlen, um der Schönheit von Natasha Solomons’ Werk gerecht zu werden.
Die liebe, äußerst liebe Elise
Elise ist ein Charakter, den man lieben lernt und die dem sonst so feingliedrig und zerbrechlich wirkenden Roman Stabilität verleiht. Letztlich lernt man Elise nicht nur lieben, man ist Elise, von der ersten, bis zur letzten Seite und vielleicht sogar darüber hinaus.
Wenn ich den Blick von den Seiten löste, fürchtete ich manchmal, die Wörter würden von den Seiten rutschen und unauffindbar in den Weiten dieser Welt verloren gehen.
Sprache, die soziale Schichten, Authentizität, Intensität und eine brillierende Atmosphäre webt
Abwechslung erfährt die Handlung durch gelegentliche Briefwechsel zwischen Elise und ihren auf die Welt verstreuten Familienmitgliedern. Dadurch bleibt das Weltgeschehen peripher im Gedächtnis und der Roman wirkt durch dieses Mittel tiefer und räumlich uneingeschränkter. Eine weitere Abwechslung bildet Elises Art des Erzählens. Aus der Ich-Perspektive im allwissenden (auktorialen) Erzählstil, bindet sie unkonventionell vergangene Erinnerungen, mögliche Ausblicke und reflektierende Rückblicke ein. Überhaupt ist die Sprache in Natasha Solomons Handlung ein Stilmittel, das sowohl die verschiedenen, zu dieser Zeit in England so wichtigen Standeszugehörigkeiten klärt/ordnet, als auch die Authentizität, Intensität und so brillierende Atmosphäre erzeugt.
Ein Schuss Glück mitten ins Herz
„Als die Liebe zu Elise kam“ ist ein Zeitzeugnis, das die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges einmal aus einer anderen Sicht beleuchtet. Als Deutsche befasste ich mich automatisch mit den deutschen Details dieses Weltkrieges und war dieser Fakten beinahe schon überdrüssig. Natasha Solomons hat mir eine weitere Perspektive in diese Zeit gewährt und somit meinen Geist bereichert. Doch ist dieser Roman mehr als „nur“ ein Zeitzeugnis. Er ist Musik, Liebe und Leben, das ein Glück bei mir hervorrief, in dessen Angesicht ich durch ebenjenes Glück platzen könnte, weil es mich so unerwartet und zielsicher mitten ins Herz traf.
Eine Ewigkeit Elise
Wie alle guten und schlechten Romane, hat man auch in „Als die Liebe zu Elise kam“ irgendwann die letzte Seite erreicht, die für meine einzige Kritik an diesem Roman verantwortlich ist: Obgleich Natasha Solomon alles in diesem rührendem Werk sagte, was es zu sagen gab, war es für mich viel zu schnell vorbei und wenn ich könnte, würde ich Elise bis in die Ewigkeit lesen.
Mein endgültiges Urteil:
Wer eine magische Reise in die Zeit des zweiten Weltkriegs wagen möchte, sollte keine Zeit vergeuden und „Als die Liebe zu Elise kam“ lesen. Ein zauberhafter Funken entzündet sich in dieser Erzählung, der niemals nachlässt und ein unterschwelliges Sehnen hervorruft.
Wer jedoch lediglich einen Unterhaltungsroman sucht, sollte erst einmal von der lieben Elise ablassen; denn der Zeitpunkt der Handlung – der zweite Weltkrieg – impliziert traurige Momente, die neben den glückseligen, leider nicht ausbleiben. Doch diese Traurigkeit gehört dazu und formt „Als die Liebe zu Elise kam“ zu dem Meisterwerk, das es geworden ist.
Dieses Buch hat mich bewegt, wie keines zuvor und wird für immer einen Platz in meinem Herzen haben. Denn eigentlich ist dieser Roman wie ein betörendes Violinenspiel. Einmal gehört, bleibt es immer im Gedächtnis und nun muss ich nur noch meine Augen schließen und höre es. Ich schließe meine Augen und bin dort. In Tyneford und erlebe ein Abenteuer, das von einer „verlorenen Welt“ spricht und all die süßen Verlockungen, kummervollen Erinnerungen und verbotenen Sehnsüchte und Facetten des Lebens umspannt.
TouchedCorrine Jackson
(87)
241 Bibliotheken, 4 Leser, 4 Gruppen, 60 Rezensionen
Rezension vom 06.04.2012 (16)
Alles begann mit einer Berührung
S. 21
Der Inhalt:
Dean, der Mann von Remys Mutter, ist ein Schläger und Remy hat das in ihrem kurzen Leben schon viel zu oft zu spüren bekommen. Als sie nach einem erneuten Wutanfall Deans gemeinsam mit ihrer Mutter Anna im Krankenhaus landet, holt ihr leiblicher Vater Ben sie ab. Ihr Kontakt, bisher unterbunden durch Anna, fiel recht spärlich aus. Remy nahm immer an, er wolle sie nicht, sie sei sein „Fehltritt“ und „großer Fehler“ im Leben, doch bei Ben und seiner Frau und ihrer Halbschwester kommt sie nicht umhin zu bemerken, dass das Leben nicht immer grausam und hart sein muss. Doch die Idylle trügt, denn in Asher findet Remy nicht nur einen Jungen, von dem sie sich wie magnetisch angezogen fühlt; vielmehr ist er zeitgleich ihre größte Bedrohung, denn er weiß von ihrer Gabe andere Menschen zu heilen und scheint zusätzlich ebenfalls über Kräfte zu verfügen, die sich mit den ihren konkurrieren könnten. Eine energiegeladene Mischung, die außer Kontrolle zu geraten droht.
Eine gleichförmige Geschichte mit viel zu häufigen kongruenten Kapiteleinstiegen
„Touched – Der Preis der Unsterblichkeit“ ist ein Buch, was mich zeitweise sehr mitriss und faszinieren konnte. Insgesamt jedoch aus verschiedenen Gründen weniger von sich überzeugte.
Viele Situationen wirken erzwungen, das Tempo manchmal etwas träge und einige Kapitelanfänge fallen durch ihre ähnlichen Einstiege negativ auf. Ein paar Beispiele sind den Kapiteln 14,15,16,17,19 entnommen:
„Nach der Schule fuhr ich zum Lernen [...]“,
„Am nächsten Tag hielt Asher in der Schule[...]“,
„Am nächsten Morgen wartete Asher auf dem Schulparkplatz auf mich.“,
„Nach der SchulebrachteAsher mich nach Hause“
„Am nächsten Morgenholteer mich früh ab [...]“ Weitere Beispiele sind in diesen Kapiteln einsehbar: 3, 8, 11, 22, 25, 26, 27.
Desweiteren ist die Grundlage der Handlung von „Touched – Der Preis der Unsterblichkeit“ eine ziemlich gängige, die wenig Neues bieten kann und mehr auf dem vertrauten Terrain zu überzeugen versucht. Das scheitert leider, denn ein überaus gut aussehender junger Mann, der (natürlich) noch etwas anrüchiges ausstrahlt, bisher alle Mädchen ignorierte und dann (was auch sonst) mit der Neuen, die zeitgleich die Protagonistin ist, etwas anfängt, haut inzwischen weniger, bis gar nicht mehr von den Socken. Zwischen den beiden knistert es sofort, aber es kommt heraus, dass er tatsächlich „anders“/“gefährlich“ ist, was ebenfalls auf seine Familie zutrifft und dass die beiden eigentlich keine Zukunft haben, da noch andere seiner „Art“ es auf sie, (Remy) die Hauptfigur, absehen würden, denn (Wunder, Wunder), sie hat AUCH besondere Fähigkeiten. Die Krönung ist zum Schluss, dass man ununterbrochen darauf wartet, wann endlich seine „Artgenossen“ kommen, damit die Schose endlich sein Ende findet.
Daran wiederum außergewöhnlich gut waren die Hintergründe. Durch „neue Fähigkeiten“ wurde das Bekannte etwas aufgepeppt und es war nicht ganz so banal, wie es zunächst schien.
Ein Ass im Ärmel, das etwas zu früh, bzw. zu oft ausgespielt wurde
Einen Joker hielt Corrine Jackson ebenfalls in der Hinterhand, den sie direkt zu Beginn der Handlung in ihre Geschichte einflocht und der (glücklicherweise) weiterhin für Turbulenzen sorgte und ab und zu etwas Würzung ins Geschehen brachte. Leider arteten auch diese Sequenzen irgendwann aus und mit dem Motto „weniger ist mehr“ wäre Corrine Jackson in dieser Hinsicht vielleicht besser gefahren.
Unverträgliche Unstimmigkeiten in der Hauptperson, die für unsauber verklebte Strukturen sorgt
Ein nächster negativer Punkt auf der Liste ist die Hauptperson selbst. Es gibt in Hauptpersonen widersprüchliche, dennoch nachvollziehbar Gefühle und es gibt Widersprüche, die erscheinen wie aus dem Nichts, als wären sie der Autorin mitten im Schreibprozess eingefallen und dementsprechend unsauber verkleben dann die Strukturen drumherum. Remy ist ein solcher Fall, die nicht einen Gedanken an ihre Mutter verschwendet als sie zu ihrem Vater geht und als es plötzlich „ernst“ wird, so tut, als hätte sie ununterbrochen an nichts anderes gedacht. Aber es ist ja auch verständlich, dass sich eine Person nicht mehr mit der Mutter und ihrem “Schlägerehemann” befasst, sobald ein potenzieller Liebhaber ihr schöne Augen macht. Abgesehen davon, dass es noch mehr Widersprüche in Remy gibt: sie meint von sich selbst, sie sei unglaublich tough und hat es nicht nötig wie eine Jungfrau gerettet zu werden, nur komisch, dass Asher beinahe pausenlos als Clown dienen muss und sie immer aus allen möglichen Situationen errettet.
Der (seltene) Lesesog lud zum Versinken in die Handlung ein
Die Liste hat noch so einige Punkte, die den zum Teil stockenden Schreibstil und Remys und Ashers Beziehung betreffen.
Um langsam zu einem Abschluss zu kommen, muss noch dringend erwähnt werden, dass „Touched – Der Preis der Unsterblichkeit“ neben den Kritikpunkten auch positive Züge besitzt, die andererseits so gut waren, dass ich recht flott durch die Geschichte schwebte und wenn ein Sog da war, ein Lesevergnügen auf höchstem Niveau vorfand. So beginnt beispielsweise die Geschichte extrem prickelnd und hochspannend, wie selten eine andere davor, dass es dann dermaßen abfällt, könnte auch meinen hohen Erwartungen an dieses Werk geschuldet sein.
Mein endgültiges Urteil:
„Touched – Der Preis der Unsterblichkeit“ war nicht übermäßig schlecht, denn neben dem wundervollen Cover und überwiegend doch liebenswerten Figuren, lädt es in eine magische Handlung ein, die mit Energien und Funken aufwartet. Ich hatte durch die Leseprobe nur ganz falsche Vorstellungen und Erwartungen an dieses Jugendbuch gestellt, die komplett anders umgesetzt, mehr eine Enttäuschung durch zahlreiche Unzulänglichkeiten für mich darstellten. Da die Idee und einige Details außergewöhnlich gut sind, aber leider an Wirkung verlieren, weil die Geschichte nicht zu 100 % harmonisch ist und ich statt genoss, mehr zu kritisieren hatte, bleiben in der Endwertung nur noch recht knapp erreichte drei Sterne übrig.
StartersLissa Price
(171)
381 Bibliotheken, 17 Leser, 4 Gruppen, 112 Rezensionen
Rezension vom 06.04.2012 (17)
Deine Zukunft gehört dir…
Der Inhalt:
Seitdem Sporenkrieg, indem die mittleren Jahrgänge der Gesellschaft einfach gestorben sind, gibt es nur noch Enders und Starters. Die jungen Starters haben nichts zu sagen und müssen sich der Willkür der z.T. 150-jährigen Enders aussetzen. So lebt auch Callie mit ihrem kleinen Bruder Tyler und einem Freund, Michael, auf der Straße. Sie kämpfen Tag für Tag und Nacht für Nacht ums Überleben. Sie frieren, hungern und sind ständig auf der Hut vor den Marshals, der Fürsorge. Denn was Fürsorge genannt wird, ist in Wirklichkeit eine grausame Einrichtung für Minderjährige ohne Vormund. Aber der sieben-Jährige Tyler ist schon länger Lungenkrank und wird immer schwächer. Die harten Lebensbedingungen der Straße verschlechtern seinen Zustand beinahe stündlich. Also entschließt sich Callie zu einem folgenschweren Schritt. Sie geht zu Prime Destinations. Einer Firma, die Enders die jungen Körper der Starters zum Vermieten anbieten. Doch ist es wirklich richtig, seinen Körper für Geld zu verkaufen?
Ganz großes Kino über die Spaltung der Gesellschaft
Lissa Price hat mit „Starters“ eine gewaltige Geschichte geschaffen, die in all ihren Formen eine absolute Wucht ist.
Thematisch zunächst eine von vielen Dystopien, entwickelt sich die anfänglich für mich noch schwache Geschichte, bald zu einem großen Höhepunkt, der anschaulich und facettenreich demonstriert, welche Folgen eine Machtkonzentrierung in den falschen Händen bewirken kann. Spannung entsteht im großen Stil. Während in der Hauptperson Callie eine mutige Figur projiziert wird, läuft im Hintergrund ein ganz großes Kino ab, das einen bedeutungsschweren Konflikt zwischen Jung und Alt herbeiführt.
Die Idee dieser Autorin mit der Vermietung von Körpern, durch die so genannte Bodybank und die Spaltung der Gesellschaft in Starters und Enders, provoziert ein Machtgefüge, was in diesem Roman erschreckend harte Fronten beschreibt und verschiedene Gesellschaftsgruppen in eine Situation der Ohnmacht steckt.
„Geld regiert die Welt“?
Obgleich „Starters“ nicht perfekt ist, da mir gerade der Anfang etwas zu unglaubwürdig erschien und die Figuren am Ende nur noch rasch der Ziellinie entgegenzuschreiten scheinen, ist es gesamt genommen jedoch unglaublich faboulös.
Moralische Grundfragen werden angesprochen. Welche persönlichen Rechte sollten jeder Person kompromisslos bleiben, welche Grenzen/Leistungen gibt es, die man mit Geld nicht mehr kaufen können sollte. In „Starters“ erwarten die LeserInnen interessante Denkansätze, die über den Romaninhalt hinaus wirken und eine schillernde Welt, die mit einer armen kontrastiert wird, welche wiederum dafür verantwortlich ist, mich „Starters“ so hoch loben zu lassen.
Morbide, Pervers, wenn der Körper zum Allgemeingut der Gesellschaft wird
Aus der Ich-Perspektive Callies entdeckt man Schritt für Schritt eine Welt, die man nicht immer wiedererkennt und die manchmal unserer viel zu ähnlich scheint. Teilweise wurde ich richtig wütend, weil Lissa Price ihre LeserInnen solange im Dunkeln tappen lässt und dennoch ein gut sichtbarer roter Faden in der Ferne den Weg leuchtet.
Einige Szenarien verleiteten beinahe zum Auflachen, wenn diese ganze Körpertausch-Geschichte nicht so morbide und echt schon pervers wäre.
Dieses Buch ist zum Augenöffnen gedacht und dazu, vielleicht ein wenig aufzurütteln.
Eine kleine Liebelei ist ebenfalls eingeflochten, womit wohl die Ansprüche des Jugendsektors befriedigt werden sollten, ich bin aber der Meinung, dass dieses Buch insgesamt für etwas Ältere angelegt wurde. Denn viele Begrifflichkeiten wurden aus dem Original im Englischen belassen. Für mich eine gute Wahl, denn so wirkte für mich trotz naher Konfliktthemen, dennoch eine gewisse Distanz. Abgesehen davon, ist diese kleine Liebesgeschichte summa sumarum genommen zwar „ersetzbar“, dafür aber nicht so naiv und aufdringlich wie in anderen Jugendromanen, sondern stilvoll und lesenswert.
Mein endgültiges Urteil:
Wenn man nicht weiß, wer sich in welchem Körper verbirgt, wird irgendwie jeder zum Werkzeug einer Macht. Ich habe mich in manchen Momenten gegruselt, was für die Authentizität und Realitätsnähe dieses Romans spricht. Trotz einigen ungeklärten Fragen, die ich zu gerne beantwortet wüsste, hat die Autorin einen erstaunlich zufriedenstellenden Abschluss gefunden.
Eine Dystopie mit Weitblick, in der man einige Parallelen zu unserem Gesellschaftssystem finden kann, letztlich sollte einem aber immer bewusst bleiben, dass gerade dieser Roman lediglich Fiktion ist und wir uns durch solche Horror-Vorstellungen nicht verrückt machen lassen sollten.
Meine Damen und Herren, bitte lassen sie sich von Lissa Price mit ihrem gelungenen Auftakt einer Trilogie in ein neues Zeitalter der modernsten Technik führen und entdecken Sie selbst, was Ihre Grenzen sind. Oder gibt es gar keine?
… Doch dein Körper gehört uns!
Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten BlickJennifer E. Smith
(56)
130 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen
Rezension vom 01.04.2012 (18)
Hadley schließt die Augen, nur einen Moment, und als sie sie wieder aufschlägt, ist das Flugzeug weg.
Wer hätte gedacht, dass vier Minuten alles ändern können?
S. 9
Der Inhalt:
Hadley Sullivan hat zwar seit Monaten gehofft, dass sie die Hochzeit ihres Vaters nicht miterleben muss, dass sie den Flieger jedoch um knappe vier Minuten verpasst, hätte sie niemals ernsthaft gedacht, noch wirklich gewollt. Auf dem Flugplatz begegnet Hadley einem Jungen, der ihr besser gefällt, als ihr lieb ist. Als die Beiden im Flugzeug dann nebeneinander sitzen, sich immer besser kennenlernen und wie alte Bekannte herumblödeln können, spürt Hadley, dass sie diesen Jungen nur ungern wieder ziehen lassen möchte.
Doch auf dem Londoner Flugplatz verlieren sie sich aus den Augen und Hadley muss immer noch zu der Hochzeit ihres Vaters… Aber wozu gibt es schließlich das Schicksal und die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick?
Wie aus einer „Banalität“ ganze Luftschlösser hoch oben zwischen den Wolken entstehen
Jennifer E. Smith hat aus der Ich-Perspektive Hadleys einen sehr anregenden Roman geschrieben, der nicht nur Jugendlichen verdeutlicht, dass es manchmal nur eines Augenblicks bedarf, um ein Leben in eine komplett andere Richtung zu stoßen.
„Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ besticht durch eine beinahe schon als „banal“ zu bezeichnende Situation, die auf der Begegnung zweier Menschen fußt. Diese Banalität wirkte auf mich unglaublich realistisch und bot viel Identifikationspotential, denn es entstand in mir der Eindruck, dass sich solche Begegnungen so oder so ähnlich tatsächlich schon zugetragen haben könnten oder es zukünftig wieder tun werden.
Jennifer E. Smith verzichtet dabei gänzlich auf fehl am Platz wirkende, aufdringliche Poesie oder kitschige Anspielungen. Vielmehr verwendet sie geistreiche und „normale“ Gedanken, die zwischen den Worten viel Freiraum für eigene Überlegungen und poetische Züge lassen. So wirkt eine „gehobenere“ Poesie im Hintergrund, die durch die verhüllten Anspielungen wesentlich mehr Wirkungen entfalten kann. Für mich schienen damit ebenfalls die vermittelten Gefühle der einzelnen Personen noch tiefer und glaubwürdiger.
Eine glaubwürdige Protagonistin, der man gerne „lauscht“ und deren Geschichte Anstöße zum Nachdenken bietet
Die Autorin greift das Leben der Jugendlichen Hadley auf, die sich an einem Schlüsselmoment ihres Lebens befindet. Dabei ist der Handlungsaufbau sehr geschickt als Spannungstreiber verwendet worden. Denn die Rückblenden (Im Präteritum geschrieben) haben gleich mehrere Funktionen:
Eine ist die Unterfütterung Hadleys als Figur, wodurch der Protagonistin mehr Authentizität und Tiefe zugeschrieben werden kann. In der zweiten Funktion schaffen die Rückblenden einerseits Verbindungsstellen aus Vergangenem und aktuellen Momenten (Im Präsens verfasst) und tragen andererseits dafür Sorge, dass quasi mehrere „Geschichtchen“ parallel ablaufen, die am Ende zu einer großen Gemeinsamen auslaufen.
Die beiden unterschiedlichen Tempi grenzen zwar die Vergangenheit vom Gegenwärtigen ab, brachten mich aber auch z.T etwas aus dem Leserhythmus.
Ein Buch zum Weinen und Lachen zugleich
Zusätzlich gliedert sich diese Erzählung in Uhrzeiten, welche sowohl die verschiedenen Ortszeiten (USA und Europa) unterstützt, als auch den LeserInnen einen beständigen Orientierungspunkt in der Handlung selbst ermöglicht. Außerdem greift die Autorin damit nebenher noch die Komponente unserer irgendwie IMMER gehetzten Gesellschaft auf.
Dieses Buch ist wahrlich etwas für all diejenigen, die nicht mehr an die Liebe auf den ersten Blick glaubten und für die, die sich noch einmal in Erinnerung rufen wollen, wie es sein könnte.
Witzige Unterhaltungen, ernste Augenblicke und heitere Stimmungen wirken, verknüpft durch einen roten Faden, der die Haupthandlung markiert, in einem lebendigen, spritzigen und erfrischendem Wechselspiel. Da lief es nicht nur den Buchfiguren heiß und kalt über den Rücken…
Mein endgültiges Urteil:
Ohne Kitsch und scheinbar aus dem Leben heraus erlebte ich eine Geschichte, die sich tatsächlich so zugetragen haben könnte. Die Leichtigkeit dieser Handlung, verbunden mit verschiedenen Schauplätzen, obwohl man sich hauptsächlich mit den zwei Figuren in einem Flugzeug befindet und quasi zwischen den Wolken feststeckt, hat mich schwer beeindruckt
Eine Geschichte zum Träumen, zum Abheben, zum Lachen und zum Weinen. Sehr berührend und sehr tiefgründig. Wenn etwas stirbt, kann aus diesem Moment etwas Neues geboren werden, das hat diese Autorin sehr schön hervorgehoben.
Jennifer E. Smith ist eine grandiose Schriftstellerin, die ein Meisterwerk der versteckten Botschaften und mehrschienigen Begebenheiten schuf, so dass „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick auf vielen Ebenen sein volles Potential ausschöpfte.
Ein brillierender Roman mit Figuren, die nicht nur Jugendliche einmal für eine Flugzeuglänge begleiten möchten, auch Erwachsene dürften sich mit nur einem Blick in dieses Cover und seine durch den Inhalt noch toppende Geschichte begeistern lassen.
Es grenzt schon an Sünde, dieses Buch zu verschmähen!
Smalltown Girls - Der Tod kommt selten alleinJosephine Mint
(57)
97 Bibliotheken, 3 Leser, 5 Gruppen, 44 Rezensionen
Rezension vom 01.04.2012 (16)
Eine Geschichte über die eigene Band, Verrat & Liebe – und eine schreckliche Vision
Der Inhalt:
Seit Charlie ihre beste Freundin Lu aus Versehen wegen Linus versetzt hat, ist alles anders. Aber eigentlich war es das auch schon vorher. Seit Jakobs Tod. Denn Charlie spürt, dass etwas an dem plötzlichem Tod von Lus Bruder nicht in Ordnung ist. Doch Lu möchte nichts mehr von Charlie wissen. Dabei ist es so wichtig, dass Lu ihr zuhört, denn Charlie hatte diese Bilder in ihrem Kopf. Erschreckend reale Bilder, die ihren, Lus und den Tod eines fremden Mädchens zeigten. Obwohl Lu zugibt, diesen „Traum“ ebenfalls gehabt zu haben, leugnet sie die ernst zu nehmende Gefahr.
Allerdings sprechen die Anzeichen eine ganz andere Sprache und ob sie es wahrhaben wollen oder nicht, die Mädchen stecken schon viel tiefer in einer Bedrohung, dessen Tragweite sie noch nicht zu überblicken vermögen und die bald ihr Leben beenden könnte, als sie glauben.
Werden Charlie und Lu sich noch rechtzeitig zusammenraufen und die Prophezeiung abwenden?
Ein temporeicher Einsteig, der sich kontinuierlich steigert und einen tollen Höhepunkt verspricht
„Smalltown Girls – Der Tod kommt selten allein“ ist eine auf drei Bände angelegte Jugendbuchserie, die aus der Perspektive der drei Hauptfiguren je eine spannende, miteinanderverwobene Geschichte erzählen.
Der erste Band hat mich durch seine Spritzigkeit, Authentizität, Würze und lebendigen Figuren positiv überrascht.
Charlie und ihre beste Freundin Lu erleben eine turbulente Zeitspanne, die verbunden mit den „ganz normalen“ Problemen eines jeden Teenagers in mysteriöse, ängstigende und gruselige Situationen abdriftet. Gelungen ist der Autorin Josephine Mint die Mischung aus Leichtigkeit und Fröhlichkeit, die Charlies Wesen eigentlich ausmachen und der dunklen Grundstimmung; denn was harmlos beginnt, steigert sich im Laufe der Ereignisse zu einem ausgewachsenem Horrorszenario, das immer nachvollziehbar, immer rasant und dennoch immer auf dem Boden der Tatsachen bleibt.
Neben einem optisch hervorragendem Cover, was sich perfekt an die Geschehnisse des Romans anschmiegt, überzeugt auch die inhaltliche Komponente und hat mich nicht mehr losgelassen.
So habe ich den Figuren ihre kleinen Eskapaden, das Entdecken der ersten großen Liebe, ihre Streits, ihre Versöhnungen, ihre Ängste, Zweifel, kurz: Ihr ganzes Sein komplett abgenommen.
Eine ausgewogene, kontrastreiche Balance, die mit den Typen von drei verschiedenen Mädchen zu spielen weiß
Durch die verschiedenen „Mädchentypen“ wird es den LeserInnen erleichtert, sich mit mindestens einem Mädchen zu identifizieren und gleichzeitig entstehen schöne Kontraste. Dabei sei erwähnt, dass Charlie derart glaubwürdig, eigentlich zur Identifikation ausreichen sollte.
Kleine Nebenhandlungen und Schauplätze sorgen für Abwechslung, wobei Josephine Mint nie die Haupthandlung aus den Augen verliert und auch in diesem Bereich eine ausgewogene Balance beweist.
Viele Fragen, wenig Antworten
Eine kleine Kritik habe ich trotz allem. Unabhängig davon, ob eine Geschichte als Trilogie geplant ist oder nicht, möchte ich von einen einzelnem Buch bereits überzeugt werden können. „Smalltown Girls – Der Tod kommt selten allein“ hat das geschafft und das Ende besser ausklingen lassen, als ich erwartete. Aber und das ist ein recht großes ‘aber’: Es sind viel zu viele Fragen offen geblieben und große Geheimnisse als Balast in den nächsten Roman „mitgeschleppt“ worden. Ich bin zuversichtlich, dass sich alles noch aufklären wird, aber so wie der „Abschluss“ momentan ist, ist er mir zu unvollständig und „lose“. Das kann einige LeserInnen stören, so wie mich, muss es aber nicht.
Mein endgültiges Urteil:
Josephine Mint ist das Pseudonym für jede der drei Autorinnen, die jeweils einen Band dieser „tödlich guten“ Trilogie schreiben.
Der flüssige Schreibstil, gepaart mit den unkomplizierten Entwicklungen, die dennoch eine gewisse Tiefe vermitteln konnten, halfen mir, mich komplett in „Smalltown Girls – Der Tod kommt selten allein“ hineinfallen zu lassen. Die Handlung ist zwar sehr kurz, dafür knackig und ich bin froh, trotz kleiner Kritik, die mich leider einen gesamten Stern abziehen lässt, mich gemeinsam mit Charlie auf die Reise in ein (für sie) unfreiwilliges gefährliches Abenteuer gemacht zu haben. Fortsetzung, ich komme!
By the time you read this, I'll be deadJulie A Peters
(10)
18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen
Rezension vom 22.03.2012 (20)
SIE BEENDEN IHR LEBEN IN 23 TAGEN
In der Zeit, als sie dastanden und mich beobachteten, wie ich sie beobachtete, betete ich: Bitte, drück mir ein Kissen aufs Gesicht. Pack mich am Hals. Erstich mich. Erschieß mich. Erlöse die anderen von meinem Leiden.
Wieso hast du einen solchen Versager zur Welt gebracht? Warum konntest du nicht zugeben, dass ich hoffnungslos und fett war, und aufhören zu wollen, dass ich dazugehöre? Diese Welt war nicht für mich bestimmt. Ich wurde zu früh geboren, oder zu spät. Zu mangelhaft.
S. 82
Der Inhalt:
Daelyn hat es schon mehrmals versucht und ist jedes Mal gescheitert. Sie hat nur einen Wunsch und der ist es, zu sterben. Deswegen meldet sie sich bei einer neuen Internetseite an, die ihr die Entscheidung am Schluss erleichtern und sie bis zu ihrem Ende begleiten soll. In einem Forum mit verschiedenen Unterthemen können sich die User austauschen und in einer speziellen Rubrik verschiedene Suizidarten mit einem Ranking versehen studieren. Für Daelyn ist es unglaublich lang, doch die einzige Voraussetzung der Seite sind es, 23 Tage zu warten. Doch am Ende ist sie bereit, diese Tage abzuwarten und bis dahin alles zu planen und sich aus dem Leben ihrer Eltern zu löschen. Was sie nicht einplant, ist Santana, der hartnäckig mit ihr in Kontakt tritt. Daelyn wittert eine weitere Falle, sie zu verspotten und ignoriert ihn, aber Santana lässt sich nicht ignorieren und trägt selbst ein schweres Geheimnis, was seinen baldigen Tod zur Folge haben könnte.
Wenn der Tod der einzige Ausweg scheint…
„By the time you read this, I’ll be dead“ behandelt eine Geschichte, die sich mit dem Thema Mobbing und suizidalen Gedanken auseinandersetzt. Solch eine Thematik ist sicherlich weder für den Autor, noch für die LeserInnen leicht zu verarbeiten. Zumindest nicht, wenn es so tief dringt, wie in diesem Werk und es nicht nur als eine „tragische und Mitleiderhaschende“ Story angelegt ist. Mit viel Fingerspitzengefühl baut Julie Anne Peters ein Gerüst, indem sich Protagonistin und LeserIn zeitgleich den Wunden und Erlebnissen ihrer Vergangenheit stellen. Die beim Lesen von mir empfundene Spannung ist dabei dem „Countdownartigen“ Aufbau zuzuschreiben, der mit der Anmeldung auf einer Internetseite, die die Erlösung durch Selbstmord zum Ziel hat, startet.
Eine Protagonistin, die stärker ist, als sie selbst weiß und 23 Tage Zeit hat, um sich für oder gegen das Leben zu entscheiden
So begleitet man Daelyn für 23 Tage, bis sie laut „Durch-das-licht.com“ frühestens bereit sein kann für ihren Tod. Oberflächlich gesehen sind es 23 Tage, die durch eine gelungene Innengestaltung des Buches positiv unterstrichen werden und den Charakter dieser Geschichte unterstützen. Oberflächliche 23 Tage, die zusammen mit den Fragen der Internetseite das gesamte Leben eines Menschen durchleuchten und Daelyn zur Selbstreflexion anregen und damit auch unter der Oberfläche kratzen. Auf diese Art und Weise werden viele Gesichtspunkte angesprochen, die man mehr beiläufig „konsumiert“, weil die Atmosphäre beim Lesen von Anfang bis zum Ende hochgradig gespannt ist und tiefe Betroffenheit auslösen kann, vor allen Dingen aber Empathie.
Die Erzählungen selbst sind aus der Ich-Perspektive Daelyns formuliert, was eine große Authentizität garantiert. Dennoch erhält man Einblicke in den Kummer der Eltern, die nicht verstehen können, warum ihr Kind nicht mehr leben will und alles versuchen, um sie „zurückzuholen“ und wird gleichzeitig mit einem Schicksal konfrontiert, das im Gegensatz zu Daelyn vielleicht keine Wahl für Leben oder Tod haben wird, weil es eine Krebskrankheit hat; obwohl Daelyn von sich selbst ebenfalls annimmt, keine Wahl zu haben. Diese verschiedenen Sichtweisen sind sehr wichtig, um die Geschichte als Gesamtes zu begreifen und sorgen dafür, dass „By the time you read this, I’ll be dead“ trotz des traurigen Themas so unglaublich lesenswert ist.
Ein perfektes Buch in Aufbau, Gestaltung und Inhalt, was zum Nachdenken anregt und Mitgehen animiert
Julie Anne Peters fordert zwischen den Zeilen zum Hingucken und aktiven Mitwirken auf, um unsere Gesellschaft sozusagen besser zu gestalten. Denn wenn man ehrlich ist, hat man nie gewollt, dass sich jemand wirklich das Leben nimmt, nur weil jemand einmal zu viel einen „bösen Scherz“ in diese Richtung machte.
Julie Anne Peters beschönigt nichts und legt mit diesem Jugendbuch eine intensive Lesereise hin, bei der einige an ihre Grenzen stoßen könnten. Die Kunst in diesem Werk ist, dass trotz der subjektiven Einfärbungen Daelyns eine ständige Objektivität durch die Autorin vermittelt wird, da verschiedene moralische Ansichten gegeneinander gestellt werden.
Mein endgültiges Urteil:
„By the time you read this, I’ll be dead“ ist ein Werk, was mich sehr bewegt hat und dass ich ausnahmslos jedem empfehlen kann, wer sich einmal näher mit Suizid und Mobbing auseinandersetzen möchte, einer Grauzone in unserer Gesellschaft, die dringend durchleuchtet werden sollte, weil sie uns alle etwas angeht.
Am Ende lässt einem die Autorin die Wahl und bietet im Anhang Fragen und Kontaktadressen an, die einem helfen das Gelesene zu verarbeiten und auf die eigene Realität anzuwenden, um Anzeichen zu erkennen oder sich selbst Hilfe zu holen.
Der Inhalt ist zudem Jugendgerecht und zeitgleich ebenso gut für ältere Semester geeignet, denn wie gesagt, für dieses Thema ist man nie zu alt, auch wenn es vornehmlich die jüngere Generation betrifft.
Für mich ist Julie Anne Peters Buch eines der besten, die ich je gelesen habe, denn es ist Gefühl, es ist Wahrheit, es ist Schmerz, es ist Scham und es ist Leben und Tod zugleich.
Ich würde meinen Eltern gerne sagen: „Wenn ihr mir helfen wollt, helft mir zu sterben.“
S. 82
AscheträumeMaurizio Temporin
(24)
70 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen
Rezension vom 20.03.2012 (17)
Wenn schwarzer Schnee fällt, wird die Welt zu Asche
Der Inhalt:
Thara hat seit Jahren eine unheilbare "Schlafkrankheit". Tagsüber kann sie sich kaum wachhalten und nur zur Morgen- und Abenddämmerung ist sie so Energiegeladen wie andere Menschen auch. Doch seit neuestem fällt sie manchmal plötzlich in eine Ohnmacht, um sich kurz darauf in einer fremden Welt wiederzufinden. Einer ungemütlichen und bösen Welt, denn sie besteht nur aus Asche. Bis sie Nate in ihr trifft. Thara weiß noch nicht wie, aber es gibt Parallelen zwischen Nates Existenz und Gedächtnislosigkeit in der Welt aus Asche, dem Cinerarium, und ihrer realen Welt. Denn Thara ist ohne Vater aufgewachsen und bekommt immer stärker den Verdacht, dass ihre Mutter, die beharrlich schweigt, ein großes Geheimnis vor ihr verbergen möchte. Eine Zeit lang rätseln Thara und Nate ergebnislos herum, während ihre Gefühle zueinander wachsen. Doch dann schlägt die Welt aus Asche, so scheint es, plötzlich zurück und verfolgt Thara bis in ihre 'richtige' Welt und sie weiß, wenn sie nicht bald alle Geheimnisse der Vergangenheit aufdeckt, ist nicht nur Nate verloren...
Ein schleppender und enttäuschender Einstieg in Maurizio Temporins italienisches Jugendbuch
Hohe Erwartungen führen öfters zu Enttäuschungen und meine Enttäuschung beim Lesen von "Ascheträume" hält sich ebenfalls alles andere als in Grenzen.
Das Cover ist wunderschön, der Titel und der Klappentext versprechen eine mystische und abwechslungsreiche, vielleicht auch einen spannende (wenn es denn nicht zu viel verlangt ist?) Geschichte. Bekommen habe ich zunächst einen mühsamen Einstieg, der mich an eine neutrale Schilderung von Berichten erinnerte. Eine Handlung löste die andere ab und obwohl die meisten Beziehungen zueinander klar waren, fehlten dennoch jegliche Übergänge oder Stimmungserzeuger. Zeitweise dachte ich wirklich, genauso würde ich eine Anzeige für die Polizei auch formulieren.
So werden aus Leseträumen "Ascheszenarien" im Kopf
Überrascht war ich, als sich der Autor nach gut der Hälfte auf einmal der Sinnhaftigkeit eines Romans entsann und ich tatsächlich das Gefühl bekam, endlich eine halbwegs vernünftige Handlung mitzuverfolgen.
Irgendwann kann man ein Werk aber leider nicht mehr retten, wenn vorher die Hälfte schon hinter einer Tür verschlossen wurde, deren Schlüssel man zerstörte. So waren beispielsweise meine Toleranzen gegenüber den Dummheiten der Protagonistin komplett gegen null gesunken. Das führte dazu, dass ich selbst im zweiten Teil dieses Buches an vollkommen normalen Stellen, die ansonsten belächelt werden, beinahe an die Decke ging und 'der Schlüssel' weiterhin verschollen blieb.
Allerdings und das bewundere ich andererseits beinahe schon an Maurizio Temporin: Immerhin blieb er seinem Titel treu, zumindest dem Teil mit der 'Asche', denn träumen konnte ich weniger. Worauf ich hinauswill ist, dass er getreu seiner Welt aus Asche, nicht aufgab und selbst aus der Asche zum Schluss noch etwas recht passables entstand.
'Blumen-Vampire' - Was ist das?
Plötzlich haben zwar sogar Vampire ihren Auftritt und dann auch noch und das war echt der Gipfel, der mich wirklich abschoss 'Blumen-Vampire', (Bitte WIE sauge ich einer Blume "Blut" oder was auch immer, aus den nicht vorhandenen Arterien, Venen und Adern, aus??) aber Maurizio Temporin führt seine LeserInnen weiterhin voller Mut und unerschrocken konsequent durch seine Welt.
Ich sollte mich für die harschen Worte entschuldigen, denn am Ende haben sogar mich gewisse violette und regenbogenfarbene Augen gebannt, die Idee der parallelen Welt aus Asche war doch begeisternd und immerhin: Prolog, vielleicht noch das erste Kapitel und dann noch die letzten Seiten waren wirklich toll und ich könnte mir vorstellen, dass andere einen besseren Zugang zu "Ascheträume" finden könnten. Außerdem gab es gelegentlich kleine Abbildungen, die nicht nur ungewöhnlich, sondern wirklich perfekt in die "Handlung" passten. Ein kleiner Spalt in der Tür könnte schon Wunder wirken. Da die spannende Handlung leider erst auf den letzten Metern anfing, bin ich noch am überlegen, ob ich mich an eine Fortsetzung wagen möchte.
Mein endgültiges Urteil:
Einzig und alleine, weil der Protagonist Nate und die Grundidee mich so überzeugen konnten, kann ich "Ascheträume" niemals die schlechteste Wertung zukommen lassen. Allerdings ist es immer noch weit von einer Empfehlung entfernt.
Die Leseprobe hatte mir extrem zugesagt, entspricht aber absolut nicht dem, was einem später im Gesamtpaket erwartet. Wer also unsicher ist, sollte entweder noch "freundlichere" Rezensionen studieren oder in der Buchhandlung einen näheren Blick ins Buch werfen.
"Ascheträume" besitzt viel Potenzial, das der Autor teilweise durch einen "grottigen" Schreibstil zerstörte und teilweise durch nicht überzeugende Charaktere. Insgesamt kommen noch einige andere Faktoren hinzu, doch die sollen zunächst reichen, ich werde mir den Namen des Autors erst einmal nicht merken, höchstens, um ihm aus dem Weg zu gehen. Das wären dann einmal 2,5 Sterne.



