Ich bin auf die Autorin durch verschiedene LB-Mitgliedern aufmerksam geworden, da sehr viele von ihrem Werk „Schneewittchen muss sterben“ begeistert waren. In einer Leserunde wurde der Vorgänger vorgeschlagen und ging als Sieger hervor. Ich war richtig gespannt auf dieses Buch, denn schon der Klappentext verspricht ein mehr als spannendes Buch sowie kurze und schlaflose Nächte.
Ein 92-jähriger Holocaust Überlebender wird in seinem Haus mit einem Genickschuss getötet. Bei der Obduktion kommt allerdings heraus, dass der Mann, der vorgab Jude zu sein, ein ehemaliger SS-Mann gewesen ist. Er ist der erste Tote einer ganzen Serie. Alle Spuren führen zur wohlhabenden und einflussreichen Unternehmerwitwe Vera Kaltensee.
Die Verstorbenen waren langjährige Freunde aus alten Tagen. Selbst ehemalige jüngere Bekannte, die lange Zeit in Vera Kaltensees Diensten gestanden haben, werden „plötzlich“ erpresst, gefoltert und verschwinden auf mysteriöse Weise. Doch wer hat die Morde und Verbrechen in Auftrag aufgegeben und ausgeführt? Jeder der Familie Kaltensee hätte ein Motiv. Da wäre z. B. die junge Politikerin Jutta, die unbedingt in ein Führungsamt will. Ein geplantes Enthüllungsbuch eines ehemaligen Vertrauten ihrer Mutter kann sie dabei natürlich nicht gebrauchen. Auch Vera Kaltensee hätte das Motiv, niemand soll etwas über ihre Vergangenheit erfahren. Genauso wie die anderen beiden Kinder Elard und Siegbert.
Die Kripo steht lange Zeit auf dem Schlauch, es scheint nicht richtig vorwärts zu gehen, denn alle Beteiligten geben vor, nichts zu wissen und hüllen sich in Schweigen. Von ihnen Informationen zu erhalten, erweist sich als schwierig. Eine Freundin von Kommissarin Pia Kirchhoff, Miriam, ist gerade in Polen und ist dem Team somit als Nebenermittlerin eine große Hilfe, denn der Schlüssel der Morde liegt in der am Tatort hinterlassenen Zahl 16145, die sie schließlich in das frühere Ostpreußen führt.
Schon am Anfang baut Nele Neuhaus die Spannung hoch auf, die auch während der gesamten Handlung kein bisschen nachlässt. Im Gegenteil, immer wieder neue Ereignisse bauen zusätzlich Spannung auf und zwingen den Leser dazu, das Buch nicht aus der Hand zu legen.
Ich habe das Buch an den Abenden kaum aus der Hand legen können (musste es schlussendlich aber, ich musste am nächsten Tag arbeiten). Nichts ist in dem Buch so, wie es scheint.
Was mir anfangs ein wenig Probleme bereitete, sind die direkt zu Beginn genannten Namen, es waren sehr viele auf einmal, die auch im Laufe der Handlung alle wichtig sind. Für den Anfang war es aber ein wenig zu viel Neues auf einmal. Ich würde daher jedem empfehlen, der sehr schnell Namen durcheinander wirft oder sich Namen nicht so gut merken kann, eine Liste zu machen. Man gewöhnt sich allerdings schnell daran, und die Personen werden auch immer wieder auftauchen, man hat die Namen und die Verbindungen zueinander schnell raus und anschließend keine Probleme mehr, sie auseinander zuhalten.
Ein „angenehmer“ Nebeneffekt war auch, dass man etwas über die Zustände in Ostpreußen im Jahre 1945 lernt. Die Überlebenden erzählen hin und wieder, wie sie die Zeit damals erlebt haben und wie sie schlussendlich aus Preußen flüchten konnten. Ein wirklich wichtiges Thema verbunden mit einem Krimi, hat mir gut gefallen.
Da dies das dritte Buch einer Reihe ist, sei an dieser Stelle gesagt, dass man nicht zwingend die Vorgänger gelesen haben muss. Die beiden Hauptpersonen Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff spielen zwar auch in den anderen Büchern die Hauptrollen, aber wichtiges aus den Vorgängern wird aufgegriffen, so dass man sich mühelos in die beiden Personen hineinfinden kann.
Nach so einem Buch, mit einem Ende vergleichbar mit einem großen und unerwarteten Paukenschlag, bin ich immer noch völlig von den Socken. Ich werde sicherlich in der nächsten Zeit auch noch die anderen 3 Bücher der Taunus-Reihe um Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff lesen.