Rezension vom 08.07.2010
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Carolin Schairers neuer Roman "Marie anderswie" erzählt von der lebenslustigen Kunstgeschichtsstudentin Sarah und der hochintelligenten Molekulargenetikerin Marie. Die beiden treffen sich durch Sarahs Vater, der ein Wiener Forschungsinstitut leitet und seine Tochter bittet, Maries Empfang in Wien so angenehm wie möglich zu gestalten, da er hofft, Marie für sein Institut gewinnen zu können. Sarah und Marie scheinen sich zunächst überhaupt nicht zu verstehen: Marie ist extrem schweigsam, meidet Menschenansammlungen und die wenigen Konversationen verlaufen meist im Sand. Doch bei einem weiteren Treffen kommt es zu zaghaften Berührungen, die den Anfang einer außergewöhnlichen Beziehung darstellen, denn Marie hat das Asperger-Syndrom.
Trotz des Potentials, das in dieser Geschichte steckt, hat es die Autorin nur an einigen wenigen Stellen geschafft, mich als Leserin zu berühren, nämlich dort, wo geschildert wird, wie einsam und unglücklich Marie mit ihrer Behinderung ist. Sarahs Coming-out, die Loslösung von ihrem bisherigen Freundeskreis, die Oberflächlichkeit ihrer bisherigen Freundschaften - diese Themen werden leider zu schnell abgehandelt. Die familiäre Hintergrundgeschichte ist vollkommen vorhersehbar und hätte meiner Meinung nach auch weggelassen werden können. Das Hauptaugenmerk des Romans liegt auf der Beziehung der beiden. Obwohl ich viele Situationen nachvollziehen konnte und aus meinem eigenen Leben kannte, wirkten diese auf mich konstruiert und unnatürlich, was am Schreibstil der Autorin liegt. Mir war leider zu bewusst, dass es sich um einen Roman handelt. Dadurch konnte ich nicht wirklich in der Geschichte versinken, weil ich eher damit beschäftigt war, mich zu fragen, aus welchen Lexika die Autorin ihre Informationen zum Beispiel über Autismus oder Molekulargenetik zusammentrug.
Fazit: eine Geschichte mit großem Potential, die durchaus unterhaltsam und teilweise berührend ist, an dessen Potential die Autorin aber eben leider scheitert. Schade!
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