Rezension vom 15.04.2013
(8)
Es war schon immer ihr Traum gewesen fliegen zu lernen. Fliegen wie ein Vogel, frei sein, alles hinter sich lassen vor allem den Leistungsdruck und die bürgerlichen Zwänge. Im Jahr 1929, der Zeit des aufstrebenden Nationalsozialismus eher ein schwieriges Unterfangen. Da musste man als Frau schon sehr stark sein, um seine Ziele durchzusetzen. Eine Portion Glück gehörte natürlich auch dazu. Luise Anding, Tochter eines modernen und gerechten Pfarrers, wächst in einer fränkischen Kleinstadt auf, wo sich die Bürger ihrer Spießbürgerlichkeit hingeben. Die Lehrer noch ihre Macht auf die Schüler ausspielten. Luise geht zunächst Ihren Weg, der ihr vorgezeigt ist. Ein Kompromiss, ihrem Vater zuliebe. Nur weg aus der Enge, die einem die Luft zum Atmen nimmt.
Ewald Arenz beschreibt auf so feinfühlige Art das Seelenleben von Luise, das man schnell in der Geschichte gefangen ist. Seine Wortwahl ist der damaligen Zeit angepasst und man kann sich die Schauplätze wunderbar vorstellen. Während Luise in einer Propellermaschine fliegt, stockt einem so manches Mal der Atem, so sehr hat man das Gefühl, man sitzt mit in dem Flugzeug. Alles ist authentisch erzählt.
Authentisch könnte die Geschichte durchaus sein, denn es hat sich sicherlich einiges so oder so ähnlich in der damaligen Zeit zugetragen. Zunächst schafft sie es, ihren Weg zu gehen und sie macht sich einen Namen in der großen Stadt. Aber die politischen Entwicklungen und Zwänge, die der Nationalsozialismus den Menschen aufdrängt zwingt sie zur Umkehr. Beängstigend die Stimmung, während die Jahre vergehen und mittlerweile die Menschen in den Konzentrationslagern verschwinden. Luises Angst um ihren Vater, der sich nicht verbiegen lässt. Oder ihr Jugendfreund Georg, der sich im Widerstand organisiert hat. Es gibt nur noch schwarz oder weiß, gut oder böse.
Ein hervorragendes Buch. Es war ein Glück, dass ich an dieser Leserunde teilnehmen konnte und somit auf den Autor erst aufmerksam wurde. Es wird nicht mein letztes Buch sein von ihm.
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