Rezension vom 29.11.2012
(80)
Peter Taler führt seit einem Jahr ein einsames Leben. Nichts mag er zu verändern, nichts kann weitergehen seit seine Frau Laura gestorben ist - erschossen wurde vor der eigenen Haustür. Seit diesem Tag sitzt Peter fest und nur die Hoffnung auf Rache hält ihn am Leben, die Hoffnung auf das Stellen des Täters, der bis heute nicht gefunden wurde. Irgendeinen Hinweis muss es doch geben, irgendetwas war anders an diesem Tag und die ständige Quälerei bei den sich im Kreis drehenden Gedanken "hätte - wäre - wenn": "Er war auch nach über einem Jahr nicht bereit, zur Tagesordnung überzugehen. Er wollte alle Lügen strafen, die sagten, das Leben gehe weiter."
Einen Verbündeten findet er im alten Knupp aus dem Haus gegenüber, der seine Frau bereits vor über zwanzig Jahren verloren hat und seitdem auch an der Trauer fast erstickt, sich seinen Mitmenschen verweigert und nur ein Ziel kennt: die Zeit zurückdrehen und ändern, was nun nicht mehr zu ändern ist - oder etwa doch? Knupp überzeugt Taler von seinem unglaublichen wirkenden Plan ... "Die Veränderung schafft die Illusion von Zeit. Die Wiederholung ist ihr Tod."
Jeder Leser kennt die Verzweiflung, wenn im Leben Dinge geschehen, die sich nicht mehr ändern lassen. Lange braucht man zur Verarbeitung, zum Akzeptieren und viel Kraft für den harten ersten Schritt in die nun neue und nicht immer selbst gewählte Zukunft. Umso verständlicher ist die Verhaltensweise und der Wunsch der beiden Hauptpersonen, die Geschehnisse rückgängig zu machen oder wie Orpheus seine Geliebte aus dem Totenreich zurückzuholen. Ich mag die Art und Weise wie Suter mich nach wenigen Seiten sofort in die Handlung zieht und mir durch seine detailreiche Beschreibung ein genaues Bild der Hauptpersonen vermittelt. Anfangs schien mir das Thema auch sehr gut gewählt, der Verlust von Peter Taler erinnerte mich an die eigene Trauer und das dazugehörige Verarbeiten. Mit den Seiten wurden die Hauptpersonen jedoch immer unsympathischer, der Plan der beiden Männer samt Umsetzung stetig unglaubwürdiger und das Ende war schnell vorherzusehen. Martin Suters Sohn Antonio starb im Jahr 2009 und der Autor kann daher die Auswirkungen eines solchen Verlusts auf einen Menschen nachvollziehen - dieser Teil gelingt ihm sehr gut. Die Einarbeitung in einen Roman ist zwar ebenfalls von der Grundidee her nicht schlecht - die Umsetzung dafür zum größten Teil langweilig und unglaubwürdig. Was noch dazu kommt: der Autor kann es einfach weit besser und hat es in zahlreichen Romanen bereits bewiesen! Sollte man als Leser also nicht soviel Zeit haben - bitte einen anderen Suter lesen!
Mehr
Weniger
6 Kommentare