Vorweg gesagt: “Ready Player One” ist ein besonderes Buch, ein Buch das sich nicht einfach in eine Schublade stecken lässt und das auf unterschiedliche Weise und aus unterschiedlicher Perspektive gelesen werden kann.
Das Buch spielt im Jahr 2044, die Bibliothek hat auf das Exemplar, was ich gelesen habe das Label „Fantasy, Science Fiction“geklebt, oder ist es ein Thriller oder ist es just another Dystopie? Die sind ja gerade ziemlich angesagt. Was ist das Buch nun? Ich finde, von allem etwas: Dystopie, weil es ein nicht sehr lebenswertes Land (die USA – aber das spielt eigentlich keine Rolle) mit eingeschränktem Zugang zu so elementaren Dingen wie Lebensmitteln und Wohnraum beschreibt. Science Fiction, weil die Avatare der Protagonisten in einem virtuellen Weltraum rumfliegen. Thriller, weil es die Bösen gibt und auch unnatürliche Todesfälle. Ich könnte aber auch sagen: von alldem nichts. Cline geht von heute aus „nur“ 32 Jahre in die Zukunft und knüpft eigentlich an vielen Entwicklungen an, die jetzt schon zu beobachten sind. Vielleicht ist es einfach ein perspektivischer Gesellschaftsroman. Sicher ist: es ist ein großartiges Buch! Faszinierend, spannend, ein Highlight in meinem Lesejahr.
Worum geht es in „Ready Player One“? Wie schon erwähnt spielt es im Jahr 2044 in einer nicht besonders lebenswerten Realität. Wohnraum ist äußerst knapp und teuer, Lebensmittel sind rationiert, die Umwelt ist am Ende, es herrscht Gewalt und Feindschaft unter den Menschen. Kein Wunder also, dass sich fast jeder ein Avatar schafft und das Leben in der virtuellen Welt OASIS genießt. Man kann hier alles tun, was das Herz begehrt und vieles bekommen, was man sich wünscht. Man kann sogar in der OASIS zur Schule gehen.
Schöpfer des Multiplayer Games OASIS ist James Halliday, den seine Entwicklung zum reichsten und mächtigsten Mann der Welt gemacht hat. Als Halliday stirbt, bestimmt er keinen testamentarischen Erben, er lässt vielmehr die ganze Welt um sein Vermächtnis spielen. Kurz vor seinem Tod hatte er in der OASIS ein sog. Easter Egg versteckt. Derjenige, der als erster alle Rätsel löst und das Ei findet, erbt alles. Natürlich setzen direkt Massen von „Jägern“ alles daran, auf die Spur des Eis zu kommen. Und auch hunderte von Mitarbeitern des Konzerns IOI, der größten Konkurrenz von Hallidays Imperium sind hinter dem Egg her. Jahrelang passiert nichts auf dem Scoreboard aber dann taucht ein Name auf – Parzival...
Von diesem Moment an ist Parzival nicht nur Jäger nach dem Egg, sondern auch Gejagter seiner Konkurrenz und einer der prominentesten Avatare der OASIS. Das bedeutet nicht nur höchste Gefahr für Parzival, sondern auch für sein Alter Ego, den Schüler Wade Watts.
In „Ready Player One“ passiert unglaublich viel. Die Geschichte ist temporeich und fesselnd geschrieben, der Einstieg fällt leicht und Clines Erzählweise ist wie ein Sog. Die Storyline erinnert an „Der Herr der Ringe“, nur mit anderen Protagonisten und in einer anderen Zeit. Es geht um Gut und Böse, um Zusammenhalten, um sich nicht unterkriegen lassen, um Freundschaft und ein bisschen auch um Liebe.
Und für alle Menschen meiner Generation gibt es in dem Buch noch ein ganz spezielles Bonbon. Halliday, Jahrgang 1972, baut in sein Spiel ganz viele Reminiszenzen an seine Jugend ein und so stolpert man in einer Geschichte des Jahres 2044 über „Pretty in Pink“, „The Breakfast Club“, „Pac Man“, „Commodore 64“, „They might be Giants“, „New Order“ und viel anderes vertrautes Zeug.
Erscheinungsjahr: 2012
510 Seiten