Der Klappentext von "Haut" klingt eigentlich recht vielversprechend und mir haben Mo Hayders frühe Romane mit und um Jack Caffery gefallen, vor allem “Der Vogelmann”, der zwar auch mit einer recht abstrusen Geschichte daherkam, aber trotzdem spannend und vor allem gut geschrieben war. Noch dazu spielt “Haut” in Bristol, eine Stadt, in der ich eine Zeit lang wohnen durfte und ich mag es ganz gern, wenn man durch einen Roman oder eine Geschichte an bekannte Orte geführt wird.
“Haut” ist der vierte Roman, in dem Jack Caffery als Hauptfigur auftritt - mittlerweile geht er einem allerdings richtig auf die Nerven - und scheinbar habe ich hier einen Fehler gemacht: Ich habe “Ritualmord” (den dritten Teil) nicht gelesen und auf dieses Buch baut “Haut” angeblich unmittelbar auf. Nun blieben mir jedenfalls viele Dinge in der Handlung völlig undurchsichtig und haben sich erst langsam bis gar nicht erschlossen. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, wenn die Autorin hier ein wenig Hilfestellung gegeben hätte. Sei es ein dem Ganzen vorgeschaltetes Info-Kapitel (“Was vor ein paar Tagen geschah”) oder mehr Hintergrundinfos, in die Geschichte mit eingebaut.
Es gibt aber noch mehr Mängel als fehlende Hintergrundinfos. So bleibt zum Beispiel völlig unklar, welche Motivation den Morden zu Grunde liegt. Natürlich muss man nicht in jedem Psychothriller eine Psychostudie des Täters abliefern, Mo Hayder fängt aber im ersten Kapitel genau damit an und man meint es würde so weitergehen:
"Aber natürlich sind die meisten Männer nicht wie dieser Mann.
Dieser Mann ist völlig anders."
- wie anders erfährt man allerdings nie. Je nun, es geht um Plastische Chirurgie, irgendwie, diffus ...
Im Verlauf der Geschichte verwässern die Morde, Motiv und die detailliert beschriebenen Arbeiten der Gerichtsmedizin zu einer blassen Kulisse für die sozialen Probleme der beiden Hauptcharaktere Jack Caffery und Flea Marley, die beide nicht gerade durch ihre fachliche Kompetenz als Polizisten glänzen. Dummerweise eignen sich auch beide nicht als sympathische Anti-Helden und so bleibt ein schaler Geschmack zurück, wenn die beiden sich eigentlich ähnlich kriminell verhalten wie die gejagten Verbrecher.
Trotz der unausgereiften Handlung sei zur Ehrenrettung des Romans gesagt, dass Mo Hayder eine gute Erzählerin ist. Dank ihres gut lesbaren und dennoch nicht banalen Schreibstils gerät die Geschichte nicht völlig aus den Fugen und die spannenden Momente, die es in diesem Buch durchaus gibt, lassen manchmal hoffen, das Ganze könnte doch noch den richtigen Drift bekommen. Das passiert das zwar nie - aber zwei Sternchen bei LovelyBooks ist “Haut” dann doch noch gerade so wert.