Der Inhalt des Romans „Die Plantage“ von Catherine Tarley ist rasch erzählt, auch wenn er gut 800 Seiten hat: Nach den Wirren des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges kehrt die junge Witwe Antonia Lorimer auf ihre zerstörte Plantage in South Carolina zurück mit der Absicht, sie wieder instand zu setzen und zu bewirtschaften. Sie findet einen schwer verletzten Soldaten und nimmt ihn bei sich auf, obwohl sie das selbst in große Gefahr bringt: William Marshall Spencer gehört der britischen Armee an und damit dem Feind.
Dieser Spencer hat Antonias Mann getötet und die Zerstörung ihrer Plantage angeordnet, doch Antonia ahnt von alldem nichts. Sie pflegt Spencer gesund, überlässt ihm Wiederaufbau und Verwaltung der Plantage, wird seine Geliebte und bald auch von ihm schwanger.
Um nicht als Brite erkannt zu werden und Antonia dadurch in Gefahr zu bringen, kehrt Spencer nach England zurück. Dort aber hält es ihn nicht lange. Eine Erbschaft, aber auch das Bedürfnis, sich an den Männern zu rächen, die ihn gegen Kriegsende gefoltert haben, treiben ihn zurück nach South Carolina, wo er dann auch Antonia wiederfindet ...
Das ist jedoch nur die Rahmenhandlung, mit der 800 Seiten ja auch gar nicht zu füllen wären. Die Autorin packt noch jede Menge mit hinein. So wird die Handlung immer wieder aus der Perspektive einer anderen Figur erzählt, mit entsprechenden Rückblicken und Zeitsprüngen. Randbemerkungen zu Geschichte, Wirtschaft und Politik der Epoche fließen mit ein, viel ist die Reden von den Unabhängigkeitsbestrebungen der amerikanischen Kolonien, vom Sklavenhandel, dem Geschäft mit Baumwolle und Reis, von Wirtschaftsmonopolen, derStellung der Frau und und und. Aber auch mit Rache, Gewalt, Sex und Voodoo wird nicht gegeizt.
Und diese Mischungs machts letztendlich; nur sie hilft über die Längen hinweg, über die Widersprüche und die unausgegorenen Charaktere. Da wird zum Beispiel Antonia ständig gelobt als hoch gebildete, mutige und kluge junge Frau. Das muss man dem Leser auch in aller Deutlichkeit so sagen. Sie wirkt nämlich durch die Bank hilflos und kläglich naiv, das kleine Weibchen, das sich gerne von einem starken Mann beschützen lässt. Oder William Marshall Spencer, bei dem sich die Autorin nicht entscheiden konnte, ob sie ihn nun als brutalen Kriegsherrn, nüchternen Verwalter, strahlenden Helden oder verbitterten Rächer dastehen lassen will, sodass er am Ende fast noch „verrückter“ wirkt als der psychopathische, aber wenigstens eindeutig geisteskranke Ober-Bösewicht.
Mit dem großen Südstaaten-Epos, das im Klappentext zitiert wird, hat dieser Roman nur die Schauplätze gemeinsam. Man kann ihn zwar gut lesen, kann es aber genauso gut sein lassen – und stattdessen auf die Vorlage zurückgreifen.