„Was machst du denn da?“
„Ich hacke Holz.“ Mein Tonfall bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen sachlich und frech. (Verflucht, S. 47)
Die Mutter beim Ausliefern von Brot unterstützen, der kleinen Schwester Einschlafgeschichten erzählen, dem Onkel nicht unangenehm auffallen. Lexi könnte sich durchaus eine spannendere Welt erträumen.
Als ein Fremder eines Nachts um das Dorf schleicht, ist ihr Entdeckerinnengeist geweckt und Lexi weiß auch wo sie mit ihrer Suche nach dem Unbekannten beginnen wird. Beim Cottage der alten Schwestern Magda und Dreska.
Die Schwestern waren schon alt und knorrig als Lexi ein kleines Mädchen war. Es scheint, dass sie seit Anbeginn der Zeitrechnung des Dorfes Near hier waren. Immerdar, mystisch und voller Geheimnisse.
Als Kinder im Dorf verschwinden und nicht wieder zu finden sind, gerät Lexi plötzlich zwischen die Fronten. Während sich die Verdachtsmomente um den geheimnisvollen Fremden häufen, beginnt sie auf eigene Faust nach den Kindern zu suchen.
Aber das Moor teilt seine Geheimnisse nicht gerne…
Victoria Schwab entführt die LeserInnen in ein fiktives Dorf, vielleicht in England im ausklingenden 19. Jahrhundert. Harte körperliche Arbeit schickt sich für Frauen nicht.
Lexi wurde von ihrem Vater untypisch für die Dorfverhältnisse zur Selbstständigkeit erzogen. Sie ist es gewohnt sich schmutzig zu machen und auch harte Arbeiten zu verrichten. Anstatt sich Männern unterzuordnen setzt sie ihren schlauen Kopf ein um sich ihre eigenen Gedanken zu machen.
Ihr forsches und gleichermaßen abschätzendes, nachdenkliches Wesen machen sie zu einer sympathischen Protagonistin.
„Noch nicht“, bremse ich ihn. „Wir können nicht einfach aufs Moor rauslaufen. Wir brauchen einen Plan…(Verflucht, S.196)
Die mystische Komponente, die der Geschichte den Touch von Gruselgeschichten aus Kindertagen verleiht, trägt die LeserInnen rasch mit sich fort, denn der Wind um Near ist ein einsamer Wind.
Victoria Schwab schreibt leichtfüßig, führt die ProtagonistInnen und die LeserInnen durch ihre melancholische Welt voll mit althergebrachten, vergangenen Klischees, gibt ihnen blumige Beschreibungen an die Hand um der Geschichte Leben einzuhauchen.
Für mich persönlich waren die Charaktere zuwenig greifbar und erläuterte Hintergründe zu blass um mich richtig darin zu verlieren. Beim Lesen passierte es mir immer wieder, dass meine Gedanken abschweiften. Manchmal musste ich mich regelrecht in die Geschichte hineinzwingen.
Insgesamt aber ein spannendes Jugendbuch, das die Zielgruppe mit großer Wahrscheinlichkeit begeistern kann.