A. J. Jacobs ist amerikanischer Autor und Redakteur des Esquire-Magazins. Da er nach eigener Aussage in seinem Leben endlich mal was schaffen möchte, beschließt er, die Encyclopaedia Britannica zu lesen. Dieses Nachschlagewerk beansprucht für sich, das Wissen der Menschheit möglichst vollständig zu vereinen. Folglich ist Jacobs' hehres Ziel, der klügste Mann der Welt zu werden. Doch insgeheim wollte er nur seinem Vater eins auswischen. Der kam beim selben Vorhaben nämlich nur bis Borneo.
Die Encyclopaedia Britannica , oder kurz die Britannica, das sind schlappe 33.000 Seiten, 65.000 Artikel und 24.000 Abbildungen verteilt auf 32 Bände. Und Jacobs beschreibt den Weg dadurch von A bis Z. Oder besser gesagt von A'ak bis Zywiec. Und 521 Begriffen dazwischen. Verteilt auf 400 Seiten. Und das auch noch durchaus witzig.
A'ak ist übrigens die Klassische Musik Ostasiens Das ist gut zu wissen. Für den Small-Talk auf der nächsten Party zum Beispiel:
Haydns Wiener Klassik ist mir ein wenig zu populär, da hat A'ak schon einen ganz anderen Anspruch.
Und so geht es weiter. Stichwort für Stichwort. Jacobs pickt bestimmte Begriffe aus der Britannica heraus, zu denen entweder skurrile Informationen und Kommentare gegeben werden oder die ihn Anekdoten aus seinem Leben erzählen lassen. Alles mit einem sehr feinen, hintergründigen und augenzwinkernden Humor gewürzt.
Das Buch bewegt sich auf diese formale Weise mehr oder weniger schnell alphabetisch nach vorne. Drei Handlungsstränge bilden sich dabei nach kurzer Zeit heraus.
1. Jacobs möchte unbedingt in den Mensa-Club (Verein aller Menschen, deren IQ über dem von 98% der Bevölkerung liegt) aufgenommen werden.
2. Jacobs möchte unbedingt bei den Fernseh-Shows Jeopardy und Millionaire (bei uns: Wer wird Millionär) auftreten.
3. Jacobs und seine Frau Julie möchten unbedingt ein Kind.
Bis er alle Ziele erreicht, gibt es jede Menge zum Schmunzeln. Die Aufnahme in den Mensa-Club gelingt ihm nur über den Umweg eines Gutachtens aus dem Gymnasium (Die wörtliche Übersetzung lautet „Anstalt für Leibesübungen mit nacktem Körper“. Jacobs fügt trocken hinzu: Weshalb es sich empfiehlt, den Hometrainer vor Gebrauch gründlich abzuwischen.)
Bei Jeopardy darf er zwar nicht teilnehmen. (Im Rahmen seiner Redakteurs-Tätigkeit interviewt er nämlich den Moderator der Sendung und die Spielregeln schließen Kandidaten aus, die diesem persönlich bekannt sind.) Aber seine Zähigkeit verhilft ihm immerhin nach einer langwierigen Castingprozedur auf den heißen Stuhl bei Millionaire.
Als Höhepunkt muss er im Kapitel Vital Fluid (Körperflüssigkeit) allerdings sein Scheitern an der 32.000$-Frage (Gewinnstufe) beschreiben. Welcher Bestandteil des Blutes wird auch Erythrozyt genannt? Rote und weiße Blutkörperchen stehen neben Blutplättchen und Serum zur Wahl. Seinen Telefon-Joker bringt er durch umständliches Buchstabieren aus dem Konzept und verbockt es dann schließlich selbst, als er sich nach dem Fifty-fifty-Joker für Serum entscheidet und auf 1.000$ zurückfällt.
Macht alles nix, denn mit dem dritten Ziel klappt es auf ganzer Linie. Wird in den ersten zwei Dritteln des Buches beschrieben, wie sich der Freundeskreis rundherum vermehrt während bei den Jacobs der Frust ob der vergeblichen Zeugungsbemühungen wächst
(Stichwort: Mammals (Säugetiere): Beim Elefanten dauert der Geschlechtsakt nur zwanzig Sekunden. Das dürften viele Männer als Erleichterung empfinden.),
so heißt es schließlich unter Sharks (Haie): Während der Menstruation erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Haiangriffs. Noch ein Grund mehr, sich über Julies Schwangerschaft zu freuen.
Glückwunsch!
Das Buch hat mir Spaß bereitet.
Schon es in die Hand zu nehmen, ist eine kleine Freude, hat es doch den Britannica-typischen Goldschnitt am oberen Seitenrand sowie die Britannica-Distel als Reliefdruck auf der Vorderseite. Ein durchaus haptisches Vergnügen.
Auf den ersten Seiten stand ich dem Buch zwar noch skeptisch gegenüber, aber alsbald hat sich auch hier die Freude durchgesetzt. Freude über witzig kommentierte Lexikoneinträge und feine Geschichten zwischen Erfolg und Scheitern im Alltag und wie sich beides die Waage hält bzw. schließlich doch zum Guten neigt. Irgendwie.