Der Roman hat mir sehr gut gefallen und ich werde auf jeden Fall noch mehr Bücher von der Autorin lesen!
In dem Roman „Sterneneis“ von Kristín Marja Baldursdóttir geht es um Gunnur, eine Frau mittleren Alters, die mit Hugrún (das Reh), einem 14-jährigen an moderne Technik gewöhnten Mädchen, für drei Tage in ihr Winterhaus geht und dort in völliger Abgeschiedenheit lebt. Die Geschichte erzählt von der Entwicklung der Beziehung zwischen der Protagonistin und dem Reh und vor allem von der Reise in Gunnurs Inneres, in ihre Vergangenheit und Erinnerung, die im Zentrum des Buches stehen und Gunnurs Leben beeinflussen. Im Laufe der Erzählung entstehen viele Höhen und Tiefen, die den Leser mitreißen und in eine raue und schöne Welt im Norden entführen.
Das Buch ist lebhaft erzählt und spannend, es ist lehrreich, regt zum Nachdenken an, und ist tiefgründig und macht Lust auf mehr.
Durch das schön gestaltete Cover tritt der Leser ein in die Welt in Island. Das ehr nüchtern gehaltene Bild zeigt isländische Berge und einen gefrorenen See, auf dem ein Mädchen Schlittschuh läuft. Das Cover wirft Fragen auf, die nur das Buch beantworten kann und es macht den Leser neugierig, denn man möchte wissen, wer das Mädchen ist, die dort scheinbar ganz im Einklang mit sich selbst und ihrer Umgebung ist. Öffnen wir also den hübschen Vorhang und schauen, was sich dahinter befindet!
Die Erzählung lässt keine Wünsche offen. Man kann der Geschichte ohne weiteres folgen und taucht ein in die Welt von Gunnur, ihre Begegnung mit dem Reh und dem Aufenthalt im Winterhaus, der Gunnurs Leben und das des Rehs verändert. Das Buch ist klar in fünf Kapitel gegliedert, die sich flüssig lesen lassen und Bezug zum jeweiligen Titel haben. Die Kapitel dienen gleichzeitig als Spannungsbogen. Das Buch ist fesselnd; hat man einmal damit angefangen, möchte man es bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen. Es ist eine klare Struktur erkennbar, die es dem Leser leicht macht, der Erzählung zu folgen und sich von ihr mitreißen zu lassen. Das erste Kapitel dient als Einführung, das zweite und dritte steigern die Handlung bis zur „Katastrophe“ zwischen dem dritten und dem vierten Kapitel und das fünfte Kapitel dient als Ausklang.
Im Lauf der Geschichte gibt es einen ständigen Wechsel zwischen der Erzählgegenwart und der Erzählvergangenheit, doch es ist keineswegs verwirrend, denn die Wechsel sind eindeutig erkennbar. Das Buch ist aus der Perspektive von Gunnur geschrieben, als fortwährender innerer Monolog, doch wenn e sin die Vergangenheit zu reisen gilt, wird aus der 3. Person erzählt. Der Stil (Monolog) gewährt dem Leser Einblick in Gunnurs Gedanken und so kann man ihre Emotionen und Eindrücke gut nachvollziehen.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und das Buch liest sich sehr schön. Manchmal kommen zwar lange Sätze vor, aber trotzdem beeinflusst dies nicht den Lesefluss. Das Sprachniveau ist angemessen und macht keinerlei Schwierigkeiten beim Lesen. Die Autorin benutzt einige schöne illustrierende Beschreibungen, besonders, wenn es um die Natur geht, die in einem das Bild des Ortes genau erscheinen lassen. Man kann sich so gut in die Geschichte hineinversetzten.
Die Figuren, besonders die Protagonistin, sind tiefgründige Charaktere. Die Autorin schafft es, ihre Figuren mit Leben zu füllen und alles andere als oberflächlich erscheinen zu lassen. Insbesondere bei Gunnur hat man das Gefühl, eine Person vor sich stehen zu haben, die man persönlich kennt. Zwar lernt man sie im Lauf der Geschichte erst kennen, wie das Reh es tut, doch hat man trotzdem einen genauen Eindruck von ihr. Auch die anderen Figuren im Buch sind lebendig dargestellt: Man lernt das Reh kennen, die Mutter, die Geschwister, zahlreiche andere Menschen, und niemand scheint überflüssig oder oberflächlich.
Die im Roman behandelten Themen sind weltnah und regen den Leser dazu an, sich selbst mit ihnen zu beschäftigen. Man kann die Einstellung der Figuren zu bestimmten Themen durchaus nachvollziehen, es bleibt aber trotzdem Raum für eigene Gedanken und Meinungen. Da die Geschichte relativ zeitnah spielt, haben manche Themen auch einen aktuellen Bezug.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Kristín Marja Bandursdóttir mit „Sterneneis“ ein wunderbares und fesselndes Buch geschrieben hat, das viele Vorzüge aufweist und den Leser ins zauberhafte Island und in die unergründlichen Tiefen der Erinnerung entführt. Alles in allem ein lohnenswertes Buch!