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Titel: BlackOut - Morgen ist es zu spät
Autor/in: Marc Elsberg
Ausgabe: gebunden
Seiten: 767
Preis: 19,95€
Inhaltsangabe:
Ist Fortschritt ein Rückschritt? - Die Welt, wie wir sie kennen, gibt es bald nicht mehr. Der Countdown läuft.
An einem kalten Februartag brechen in Europa alle Stromnetze zusammen. Der totale Blackout. Der italienische Informatiker Piero Manzano vermutet einen Hackerangriff und versucht, zu den Behörden durchzudringen - erfolglos. Als Europol-Kommissar Bollard ihm endlich zuhört, werden dubiose E-Mails auf seinem Computer gefunden. Selbst unter Verdacht wird Manzano eins klar: Ihr Gegner ist ebenso raffiniert wie gnadenlos. Unterdessen liegt Europa im Dunkeln, und die Menschen stehen vor ihrer größten Herausforderung: Überleben.
Die ersten 3 Sätze:
Wie ein Verrückter riss Piero Manzano das Lenkrad herum, während die Kühlerhaube seines Alfa unbeirrt auf den blassgrünen Wagen vor ihm zuglitt. Er stemmte beide Arme gegen das Lenkrad, glaubte das hässliche Geräusch, mit dem sich zwei Karosserien ineinander verkeilen, schon zu hören. Bremse, schlitternde Reifen, im Rückspiegel die Lichter der Autos hinter ihm, gleich der Aufprall.
Meine Meinung:
Dank lovelybooks.de hatte ich die Möglichkeit, dieses tolle Buch zu bekommen und an der Lesrunde teilnehmen zu können. Das Thema sprach mich sehr an. Und tut es immer noch. Erst wenn der Strom weg ist, merkt man doch, wie sehr man darauf angewiesen ist. Fernsehen, Radio (außer Autoradio und batteriebetriebene Geräte), Computer, Internet, Telefon, Wasserversorgung, Toilettenspülung, Aufzüge, öffentliche Vekerhsmittel, Kühlschränke - wirklich alle Teile des täglichen Lebens sind betroffen.
Das Cover ist wirklich toll gestaltet. Das Schutzcover ist komplett schwarz gehalten und der Titel geschrieben, als wären es Leuchtstoffröhren. Der Kontrast zwischen schwarz und rot strahlt etwas bedrohliches aus. Auf der Rückseite sieht man die nächtliche Welt, wie sie aus dem Weltall ausschaut: Dank der kompletten Beleuchtung in den Städten kann man erkennen, wo Ballungsräume sind. Europa ist sogar noch einen Tick heller dargestellt als der Rest der Welt. Warum ? Es geht um Europa.
Der Einband unter dem Schutzcover ist ebenfalls schwarz gehalten und lediglich auf dem Rücken ist der Titel ebenfalls in roten Lettern mit einem An/Aus-Symbol gedruckt.
Ich finde einen Stromausfall recht romantisch - solange er nicht all zu lange dauert. Bisher habe ich solche nur bei meinen Eltern erlebt. Warmes Wasser gab es nicht (die Ölheizung braucht auch Strom, um funktionieren zu können), dafür funktionierte aber zumindest die Toilettenspülung. Man kann sich mit Kerzen etwas Licht schaffen, liest ein Buch oder kramt wieder die alten Gesellschaftsspiele aus den Schränken heraus. Wer nicht auf Technik verzichten kann, spielt mit einer Handheld-Konsole oder surft mit dem Smartphone im Internet.
Aber stellt euch vor, wenn das alles nicht mehr geht. Die komplette Stromversorgung für ALLE Lebensbereiche abgestellt ? Kein Internet mehr, Mobilfunknetze sind überlastet und brechen auch irgendwann zusammen - selbst Dieselmotoren, die Notstrom liefern, können nicht unendlich lange mit Diesel versorgt werden. Apropos Diesel: Tankstellen funktionieren auch mit Strom, solange ihr Sprit im Tank habt, könnt ihr noch von Glück reden.
Alles unvorstellbar ? Ja, das finde ich auch. Umso besser, dass es dieses Buch gibt, denn es schildert mit erschreckenden Bildern, was passiert, wenn Menschen viel zu lange ohne Strom - und Benzin - sind. Schon am 1. Tag nach dem Ausfall von Strom gibt es Menschen, die andere ausrauben wollen, weil sie auf der Autobahn gestrandet sind und nicht an Benzin herankommen. Ein sehr gruseliger Gedanke.
Noch gruseliger ist der Gedanke, dass Energielieferanten die Situation herunterspielen und immer wieder beteuern, dass der Strom bald wieder hergestellt wird, aber dann doch zugeben müssen, dass sie ratlos sind. Grund ? Es gibt einen Gegenspieler.
Eine Hauptperson, der Mailänder Piero Manzano, ein kleines Computergenie, nutzt sein Wissen und seine akkubetriebenen Laptops, um sich in den Stromzähler einzuhacken, um herauszufinden, was dessen Steuerungscode bedeutet (in Italien und Schweden wurden schon flächendeckend neue digitale "intelligente" Stromzähler - nicht mehr die alten analogen, wie wir sie in Deutschland kennen - eingeführt, die mit Steuerungscodes kontrolliert werden können. Unter anderem gibt es einen Code, mit dem man einen Haushalt vom Stromnetz nehmen kann - vielleicht weil dieser nicht zahlt. Genau diesen findet Manzano und will nachfragen, warum dieser überall eingesetzt wurde, denn dadurch kamen die flächendeckenden Frequenzinstabilitäten zustande, die die Abschaltungen der Kraftwerke zur Folge hatte. Doch keiner will ihm glauben...
Am "Tag 6" im Buch gibt es einen Abschnitt, an dem es mir wirklich kalt den Rücken herunterlief und ich unangenehme Gänsehaut bekam. Manzano wird beschuldigt, den Stromausfall ausgelöst zu haben, wird auf der Flucht angeschossen und nach einigen Stunden gelingt ihm im Krankenhaus erneut - diesmal erfolgreich - die Flucht. Er bekommt mit, wie eine Ärztin bei totgeweihten Patienten die Sterbehilfe anwenden will (sie würden ohne medizinische Versogung - das Krankenhaus wird schon evakuiert, da die Notstromversorgung versagt - elendig sterben) will, wird von ihr entdeckt, dann aber um Hilfe gebeten. Er sitzt am Bett der Patienten, hält deren Hand und wartet bis der Körper aufhört zu leben.
Unendlich traurig und schrecklich zu lesen, aber auch sehr ergreifend !
Zwischendurch hatte ich einen Hänger mit dem Buch, ich konnte mich einfach nicht aufraffen, es weiterzulesen, was ich aber nicht auf das Buch schiebe (generelle Unlust, Müdigkeit...). Dadurch kam es vor, dass ich zwischendurch 1-2 Tage nicht zum Lesen und danach nur wenige Seiten lesen konnte und jedes Mal musste man sich überlegen "wo bin ich stehen geblieben, was ist passiert, welche Informationen liegen aktuell schon vor?", da ja in so gut wie jedem Kapitel ein weiteres Detail zum Aufdecken des Problems hinzukommt.
Schade finde ich, dass nur eine Seite beleuchtet wurde, und zwar von der Seite der Regierungen und Stromversorger ausgehend. Diese haben Notstromaggregate und können somit weitestgehend "normal" arbeiten und agieren. Ich hätte mir gewünscht, dass ab und an auch 2-3 Einblendungen der Bürger (ab und an schwenkt der Erzähler zu der Familie des einen EU-Mitarbeiters) kommen, wie es gerade in der Bevölkerung ausschaut mit den Folgen des andauernden Stromausfalls.
Allerdings schafft es der Autor wunderbar, die prekäre Lage Europas und der USA zu schildern. Wie sehr wir inzwischen auf den Strom angewiesen sind und mit welchen Folgen wir leben müssen, wenn dieser dauerhaft ausfällt. Allein schon von den Kernkraftwerken, die im Buch eine Gefahr darstellen, lässt einem oftmals den Atem anhalten und Gänsehaut entstehen. Wenn gleich mehrere Kernkraftwerke havarieren und in ganz Europa GAU's bevorstehen...
Fazit: Uneingeschränkte Leseempfehlung. Ich lege das Buch jedem ans Herz. Es berührt und rüttelt wach - vielleicht ist es doch gar nicht so verrückt, sich Vorräte anzuschaffen, wie die das BBK vorschlägt ?
5 von 5 Sternchen !