Rezension vom 16.05.2013
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Charlotte Brandon, die Tochter eines Paares, das einst durch seine unerlaubte Heirat einen gesellschaftlichen Skandal auslöste, wird nach dem Tod ihres Vaters von ihrem weichherzigen, aber schwachen Onkel adoptiert. Rasch muss sie erkennen, dass sie in ihrer eifersüchtigen Tante eine Feindin hat, die ihr kein gutes Leben gönnen will. Um das Familienvermögen zu sichern, soll sie wie in ihren Kreisen üblich bald mit einem möglichst reichen Schwiegersohn verheiratet werden. Da lernt sie den gut aussehenden Herrn des Nachbargutes kennen, Captain John Battingfield. Der weltoffene, wissenschaftlich hochinteressierte und sensible Marineoffizier verliebt sich heftig in die so schöne wie gebildete junge Frau, ist aber in einer unglücklichen Ehe gefangen. Obwohl Charlotte und John sich dagegen wehren, entwickeln sie schnell tiefe Gefühle füreinander. Vergeblich versuchen sie, der immer stärker werdenden Zuneigung zu widerstehen, um eine Katastrophe zu verhindern.
Ich bin ein großer Fan von englischen Klassikern und Jane Austen ist meine absolute Lieblingsautorin. Natürlich kenne ich sämtliche Romane aus dieser Zeit und auch die jeweiligen meist sehr gut gelungenen BBC-Verfilmungen dazu. „Pflicht und Verlangen“ von Eva Ruth Landys wurde oft mit Jane Austens Romanen verglichen und prompt liest man auch in der Autorenvorstellung auf dem Schutzumschlag, dass Frau Landys eine starke Vorliebe für englische Klassiker habe.
Ja, die Geschichte erinnert an eine tragische Liebesgeschichte, die auch glatt aus einem authentischen Roman stammen könnte. Eine junge, hübsche, intelligente und emanzipierte Frau mit einer Vorliebe für griechische Geschichte ist arm und eine Waise und deshalb ständig abhängig von Verwandten, die es nicht immer gut mit ihr meinen. Andererseits gibt es den gutaussehenden und gebildeten männlichen Protagonisten Mr Battingfield, der in Charlotte seine Seelenverwandte findet und sich in sie verliebt. Das große Problem: er wurde in jüngeren Jahren in eine Vernunftehe gedrängt, in der er nicht glücklich ist und weshalb er nun nicht mit Charlotte zusammen sein kann. Beide müssen viel durchstehen...
Eine Liebesgeschichte ist immer stark von den Protagonisten abhängig. Ich persönlich muss auch den männlichen Helden in irgendeiner Weise anziehend oder interessant finden, damit ich mit der Geschichte richtig mitfiebern kann und das war hier definitv der Fall! Captain Battingfield ist ein Mann zum Verlieben. Er ist klug und gebildet, attraktiv und dabei aber nicht eitel oder arrogant und er liebt die Natur und seine Heimat. Zudem ist er loyal zu den Menschen, die er liebt und er ist ehrlich. Alles in allem ein Mann, in den man sich auch in der Realität gerne verlieben würde und so macht es so richtig Spaß zu verfolgen wie sich die Romanze zwischen Charlotte und John entwickelt. Auch Charlotte ist eine sehr sympathische Heldin und hat mich immer wieder an Jane Austens Elizabeth Bennet erinnert, die eine meiner absoluten Lieblingsfiguren ist.
Super gefallen hat mir „Pflicht und Verlangen“ vor allem auch deshalb, weil es extrem gut recherchiert wirkt. Man merkt der Autorin an, dass sie sich ausgiebig mit der damaligen Zeit beschäftigt hat und lernt sogar noch sehr viel darüber. Ich habe selten einen so erstklassig recherchierten historischen Roman gelesen und war wirklich begeistert! Hier merkt man, dass Frau Landys ihr ganzes Herzblut in die Geschichte gesteckt hat. Auch was die Sprache angeht hat sie sich bemüht, diese an die damalige Sprechweise anzupassen, auch wenn diese natürlich zwangsläufig vereinfacht werden musste. Also keine Angst: hier muss man sich nicht durch komplizierte Wortwahlen und Satzstellungen quälen ;).
Fazit: „Pflicht und Verlangen“ von Eva Ruth Landys ist eine wunderbare historische Liebesgeschichte im Regency-Stil und Fans von englischen Klassikern werden das Buch lieben, davon bin ich überzeugt. Da es sich hierbei in erster Linie um Belletristik handelt, darf man natürlich nicht erwarten, dass man auch in diesem Roman Jane Austens wunderbaren Humor oder ihren wunderschönen Erzählstil findet. Aber „Pflicht und Verlangen“ ist ein toller und sehr lesenswerter Roman und ich werde in Zukunft definitiv noch mehr von der Autorin lesen!
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