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Rezension vom 12.06.2013 (1)
Inhalt
Die Welt, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr. Nachdem eine Epidemie den Großteil der Menschheit getötet hat, haben Vampire die Macht über die menschlichen Überlebenden gewonnen. Die Gestalten der Nacht leben in geschützten Städten, behandeln die Menschen wie Sklaven. Nur, wer bereitwillig sein Blut für die Vampire zur Verfügung stellt, kann darauf zählen, mit Essensrationen versorgt zu werden. All diejenigen, die sich allerdings nicht für die Blutspende registrieren, müssen jeden Tag damit rechnen, von den Vampiren zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Eine von ihnen ist die 17-jährige Allison, die seit Jahren auf sich allein gestellt ist. Obwohl sie sich schon vor einiger Zeit mit Gleichaltrigen zusammengeschlossen hat und gemeinsam mit ihnen um das Überleben kämpft, weiß sie tief in ihrem Herzen doch, dass eine Gemeinschaft nicht für Sicherheit sorgt.
Als Allie eines Tages auf der Suche nach Essen von Verseuchten beinahe zerfleischt wird und im Sterben liegt, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung. Der Vampir Kanin bietet ihr an, sie vor dem ewigen Tod zu bewahren und ihr dafür ein ewiges, aber verdammtes Leben zu schenken. Allie nimmt das Angebot an…
Meinung
Viele Leseratten aus Deutschland, die immer wieder gern zu englischsprachigen Büchern greifen, haben den ersten Band der ‘Blood of Eden’ Reihe bereits verschlungen und den Auftakt mit Lobeshymnen überhäuft. Ganz klar, dass ich also um die deutsche Übersetzung nicht drum herum kommen konnte.
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mit ‘Unsterblich – Tor der Dämmerung’ mein erstes Buch von der Erfolgsautorin Julie Kagawa gelesen habe. Aber eins ist ganz sicher; die Autorin hat mich mit ihrem neusten Werk mehr als überzeugt und mich nun sehr neugierig auf ihre ‘Plötzlich Fee’ Reihe gemacht.
Schreibstil
Schon nachdem ich die ersten Seiten der Geschichte gelesen hatte, konnte ich verstehen, dass Julie Kagawa so erfolgreich ist und die Anzahl der Fans immer weiter zunimmt. Wenn die Autorin in ihrer ersten Buchreihe auch nur ansatzweise so eindringlich und fesselnd geschrieben hat, wie es bei der Geschichte um Allie der Fall ist, dann kann Julie Kagawa zu einer meiner Lieblingsautorinnen aufsteigen.
Frau Kagawa versteht sich darauf, eine perfekte Balance zwischen einem mitreißenden Schreibstil, der sehr anschaulich die Schauplätze beschreibt und so eine beklemmende Atmosphäre erschafft, und einer sehr gefühlvollen Sprache zu schaffen. Aufgrund des Schreibstils konnte ich nicht anders als mit der Protagonistin mitzufiebern und mich trotz der mir so fremdartigen Welt, in der sich Allie befindet, mich ihr verbunden und nah zu fühlen. Gleichzeitig habe ich Julie Kagawas Sprache aber auch als sehr bildhaft empfunden. Das heißt, dass bei mir während des Lesens sehr schnell Bilder im Kopf entstanden sind, ohne dass die Autorin in ihrer Geschichte mit allzu ausführlichen Beschreibungen um sich wirft. Obwohl die Welt, in der die Geschichte spielt, eine fiktive ist, konnte ich mir stets vorstellen, wie es in Allies Umgebung aussieht.
Handlung
Der Schreibstil hat mich die sowieso schon sehr eindringliche Handlung noch viel intensiver wahrnehmen lassen. Auch wenn es das eher kindliche Cover nicht vermuten lässt, so ist ‘Unsterblich – Tor der Dämmerung’ an vielen Stellen sehr hart und schonungslos. Schon nach dem Prolog wird einem klar, dass die Geschichte nichts für zarte Gemüter ist. Julie Kagawa schreckt nicht davor zurück, liebgewonnene Figuren tödlichen Gefahren auszusetzen oder sie sogar schlimmeres durchleben zu lassen. Aber seien wir ehrlich, in einer dystopischen Welt, wie sie Julie Kagawa geschaffen hat, wäre es nicht realistisch, wenn die Figuren nicht auch einmal ‘zurückstecken’ müssten.
Bereits von Anfang an hat es mir also sofort die dystopische Welt angetan. Es ist eine äußerst befremdliche und angsteinflößende Vorstellung (und gerade das ist für mich bei einer Dystopie besonders wichtig), dass Vampire über die menschliche Rasse herrschen und eine so enorme Macht über sie ausüben. Stellt euch vor, ihr seid von der Gnade und dem Wohlwollen einer solch gefährlichen Spezies abhängig…
Neben der Atmosphäre in einer Dystopie ist es mir besonders wichtig zu erfahren, wie es für die Figuren der Geschichte sein muss, in der fiktiven dystopischen Gesellschaft zu leben. Mittlerweile habe ich leider schon oft Bücher dieses Genres gelesen, die ihrer Genrezuschreibung nicht gerechnet werden, weil man als Leser kaum einen Blick hinter die Kulisse wagen kann. Doch gerade das ist doch entscheidend wenn man die Figuren des Buchs verstehen und kennenlernen möchte. Julie Kagawa verliert in ihrer Geschichte allerdings keine Zeit und als Leser ist man daher sofort Teil der Gesellschaft.
Auch, wenn das englische Original zuvor schon bis in den Himmel gelobt wurde, muss ich gestehen, dass ich meine Skepsis nicht ganz ablegen konnte. Natürlich hat mich auch der Klappentext sofort neugierig gestimmt, doch habe ich mich gleichzeitig auch gefragt, ob Vampirgeschichten nicht langsam oft genug erzählt wurden. Doch lasst euch gesagt sein, dass Julie Kagawa mit ‘Unsterblich – Tor der Dämmerung’ etwas völlig neues und außergewöhnliches geschaffen hat. Mit diesem Buch erwartet euch keine 0815 (Vampir)Geschichte.
Die Vampire sind in Julie Kagawas Version genau das, was wir VOR der Twilight Saga immer von Vampiren erwartet haben. Monster und Bestien, die (mit auf wenigen Ausnahmen) von ihrer Gier nach Blut getrieben werden. Völlig klar, dass diese Vampire für eine sehr beklemmende und angsteinflößende Stimmung gesorgt haben. Doch Julie Kagawa legt noch einen oben drauf. Als ob nicht nur eine furchteinflößende Spezies reichen würde, nein, sie konfrontiert die Protagonistin und gleichzeitig auch den Leser mit weiteren Schreckensfiguren. Verseuchte, noch gefährlichere Wesen als es die Vampire sind, und Maulwurfsmenschen, die im Dunkeln leben und alles dafür geben würden, um ihre eigene Haut zu retten. So gerät unsere Protagonistin Allie natürlich in allerlei halsbrecherische Situationen und das bereits, bevor die eigentliche Handlung überhaupt begonnen hat.
Figuren
Mit Allie habe ich eine gleichzeitig starke und sanfte Protagonistin kennengelernt. Es ist unheimlich spannend mitzuerleben, wie Allie, egal ob als Mensch oder als neugeborener Vampir, stets auf einem schmalen Grat zwischen der Bewahrung ihrer Menschlichkeit und dem Drang zu Überleben wandelt.
Es ist der männliche Part der Geschichte, nämlich Zeke, der Allie dazu bringt, an ihre menschlichen Eigenschaften festzuhalten. Allie und Zeke gemeinsam zu erleben, ihre Ängste, Träume und Gefühle erfahren zu können, hat für angenehmen Wechsel in der ansonsten sehr brutalen Handlung gesorgt.
Sowohl Allie als auch Zeke sind für mich im Jugendbuchgenre besonders außergewöhnliche Persönlichkeiten. Obwohl sie beide noch im Jugendalter sind, so werden sie aufgrund ihrer gewalttätigen und düsteren Umwelt dazu gezwungen, schnell erwachsen zu werden. Naivität kann in ihrer Welt schnell tödlich enden und die ständige Konfrontation von Verlust, Tod, Hunger und Gewalt veranlasst Allie und Zeke immer wieder dazu, ihre Weltsichten zu überdenken und natürlich auch mit den Lesern zu teilen.
Auch, wenn manche vielleicht kritisch anmerken oder aufschreien, dass eine dystopische Vampirgeschichte keine romantischen Züge benötigt, hat dieser Handlungsstrang die Geschichte für mich besonders authentisch gemacht. Vor allem aber hat es den Figuren ermöglicht, sich immer wieder von einer anderen Seite zu zeigen und mich als Leserin so zu überraschen.
Blick in die Zukunft
‘Unsterblich – Tor der Dämmerung’ ist der Auftakt einer Trilogie. Auf Englisch ist bereits der Folgeband, ‘The Eternity Cure‘, erschienen. Teil 3 soll voraussichtlich im Jahr 2014 auf Englisch erscheinen. Er wird den Namen ‘The Forever Song‘ tragen. Deutsche Erscheinungstermine sind noch nicht bekannt.
In der Anthologie ‘‘Til The World Ends‘ hat die Julie Kagawa außerdem eine Kurzgeschichte veröffentlicht, die die über die Epidemie erzählt, die vor der Handlung von ‘Unsterblich – Tor der Dämmerung’ ausgebrochen ist.
Noch bevor der erste Band der Trilogie im letzten Jahr in den USA erschienen ist, hat sich Palomar Pictures die Rechte für eine mögliche Verfilmung gesichert. Ob das Buch nun wirklich verfilmt wird, steht allerdings noch nicht fest.
Fazit
Julie Kagawa hat mit ‘Unsterblich – Tor der Dämmerung’ etwas Außergewöhnliches geschaffen. Sie kehrt mit ihren Version von Vampiren zu den Wurzeln zurück und zeigt, dass eine Geschichte nicht immer glitzernde und hochromantische Vampire benötigt, um den Leser zu fesseln und gleichermaßen zu berühren. Allies Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite ein absolutes Abenteuer. Sie erzählt von menschlichen Abgründen, der Macht der Hoffnung und der Kraft der Liebe. Der Schreibstil macht es außerdem möglich, sich zurückzulehnen, die Gedanken auszuschalten und sich in einem rasanten und gleichzeitig emotionalen Kopfkino wiederzufinden. ‚Unsterblich – Tor der Dämmerung‘ ist atemberaubend!
Rezension vom 29.05.2013 (1)
Inhalt
Drew ist im zweiten Schuljahr der Vampirakademie Isle of Night angekommen. Dort wird sie als Vampirwächterin, eine Acari, ausgebildet. Bereits in den letzten Monaten sah sich Anneliese Drew allerlei Gefahren ausgesetzt, doch ihr Vampirlehrer Alcantara hat nicht vor, seine junge Schülerin nun zu schonen. Er möchte gemeinsam mit Anneliese auf eine Reise gehen, die unter der Mission, einen entführten Vampir des Clans zu befreien, steht.
Meinung
Nachdem der erste Band der Reihe ein solches Überraschungserlebnis für mich war, konnte ich es kaum erwarten, den zweiten Band in die Hand zu nehmen. Vielleicht war meine Vorfreude dieses Mal ein wenig zu hoch, sodass er mich nicht in dem Maße überzeugen konnte, wie der erste Teil.
Während ich die Sprache im ersten Band zum Teil als sehr vulgär empfunden habe, so hat mir der Schreibstil in ‘Vampire’s Kiss’ unheimlich gut gefallen. Zwar ist die Sprache auch hier immer noch sehr jugendlich, doch ist er definitiv angenehm zu lesen. Ich hatte beinahe das Gefühl, als würde ich mich mit der Protagonistin unterhalten. So ist es beispielsweise eine besonders ansprechende Idee, die Protagonistin Drew noch vor dem ersten Kapitel die wichtigsten Informationen aus dem ersten Band in Form einer Liste erzählen zu lassen. Anneliese Drew spricht den Leser direkt an, bringt ihn auf den neusten Stand, bevor die eigentliche Handlung beginnt.
Der gesamte Sprachstil passt wie die Faust aufs Auge zur Protagonistin Anneliese. Acari Drew ist das perfekte Beispiel für eine ausgelassene und lebensfrohe Protagonistin und so mag sie eigentlich so gar nicht zu diesem düsteren Ort, der Isle of Night, passen. Anneliese ist dafür verantwortlich, dass die Geschichte so wunderbar kurzweilig ist und man sie in einem Rutsch herunterlesen kann. Sie versteht sich darauf, Nebensächlichkeiten, die vielleicht von Natur aus gar nicht so fesselnd sind, zu etwas Besonderem zu machen.
Leider strotzt auch der zweite Band der Reihe nicht mit einer Handlung, die mich ununterbrochen den Atem hat anhalten lassen. Während der erste Teil ab der Hälfte die Kurve bekommen hat, mich schließlich doch überraschen konnte und mich hat über die Schwächen hinwegsehen lassen, so fällt in ‘Vampire’s Kiss – Die Wächter’ leider negativ auf, dass die Autorin ihre Grundidee nicht vollständig ausschöpft.
Obwohl Anneliese sich an einer sehr angsteinflößenden Vampirakademie befindet, so gibt es für den Leser doch nur eine Handvoll Momente, die zu fesseln vermögen. Leider lässt Veronica Wollf ihre Protagonistin immer wieder in nervige Teenieschwärmerein verfallen, die auch im Laufe der Handlung nicht abnehmen wollen und an denen ich mich daher schnell sattgelesen hatte. Wer von Schülern und Lehrern der Isle of Night nicht bei drei auf den Bäumen ist, gerät in Gefahr, Teil von Annelieses stürmischen Gedankengängen zu werden. Es vergeht kein Kapitel, in dem der Leser nicht miterleben darf, wie Anneliese das Aussehen ihrer männlichen Mitmenschen bewertet, sich vorstellt ihnen näherzukommen oder aber sich wünscht, endlich ihren ersten Kuss zu bekommen. Gegen jugendliche Schwärmereien ist absolut nichts auszusetzen. Doch sollten sie nicht im Fokus der Handlung stehen, gerade dann nicht, wenn eine Grundidee so viel Raum für weitaus fesselndere und abwechslungsreichere Momente bietet.
Wenn die Autorin sich darauf besinnt, dass in ihrer Geschichte doch eigentlich sehr gefährliche Vampire vorkommen, erhält die Handlung nach und nach mehr Schwung. So manövriert Veronica Wollf ihre Protagonistin in sehr rasante und für den Leser spannende Abenteuer, die aber leider viel zu schnell erzählt sind.
Bereits am Anfang der Geschichte macht Veronica Wollf dem Leser eine Reise schmackhaft, die Anneliese mit ihrem Lehrer Alcantara, einem angsteinflößendem Vampir, unternehmen soll. Obwohl Anneliese noch eine sehr junge und unerfahrene Acari ist, wird ihr die Ehre zu Teil, eine geheime Mission zu unterstützen. Auf den nächsten 250 Seiten wird der Leser aber dann immer wieder vertröstet und muss auf die angekündigte Reise warten. Bis knapp 70 Seiten vor Schluss habe ich schon gar nicht mehr damit gerechnet, dass die Mission überhaupt noch in diesem Band thematisiert wird. Für meinen Geschmack hätte Veronica Wolff diesem Handlungsstrang viel mehr Aufmerksamkeit schenken müssen, denn schließlich ist die Reise doch das Element, das den zweiten Teil von seinem Vorgängerband abheben soll.
Blick in die Zukunft
‘Vampire’s Kiss’ ist der zweite Band einer Reihe. Der dritte Band ist im August 2012 unter dem Namen ‘Blood Fever‘ auf Englisch erschienen, Teil vier, ‘The Keep‘, folgt im Juni. Deutsche Erscheinungstermine sind noch nicht bekannt.
Fazit
Leider konnte der zweite Band der Wächter Reihe mich nicht mehr in dem Maße überzeugen, wie es der Vorgängerband geschafft hat. ‘Vampire’s Kiss – Die Wächter’ ist nicht so spannend und rasant, wie es die Inhaltsangabe vermuten lässt. Denn dafür verfällt die Protagonistin Anneliese viel zu sehr in jugendliche Schwärmereien, die die Überhand in der Handlung gewinnen. Dafür ist aber der Schreibstil wunderbar leicht und kann bis zum Schluss unterhalten und fesseln.
Rezension vom 19.05.2013 (1)
Inhalt
Als Blaires Mutter nach langer Krankheit an Krebst verstirbt, muss Blaire ihr Leben in ihrer Heimatstadt aufgeben und zu ihrem Vater ziehen. Der lebt jedoch schon seit einigen Jahren bei seiner neuen Familien in einem Luxus-Strandhaus. Doch als Blaire in ihrem neuen Zuhause ankommt, kann sie ihren Vater nicht antreffen. Stattdessen wird sie von ihrem arroganten und überheblichen Stiefbruder in Empfang genommen, der ihr unmissverständlich zu verstehen gibt, dass Blaire nicht willkommen ist. Rush ist so völlig anders als Blaire und doch beginnt sie langsam Gefühle für ihren Stiefbruder zu entwickeln.
Meinung
Nachdem ich von ‘Beautiful Disaster’ so begeistert war, wollte ich natürlich gern einen weiteren Roman aus dem Genre ‘New Adult’ ausprobieren. Dabei ist mir Abbi Glines Reihe ‘Rush of Love’ ins Auge gefallen, die mit einer prickelnden Liebesgeschichte zwischen einem Bad Boy und einem unschuldigen Mädchen lockt. Prickelnd ist die Geschichte allemal und auch die Charaktere wissen zu unterhalten. Trotzdem konnte mich der Auftakt der Trilogie nicht hundertprozentig überzeugen.
Abbi Glines gelingt es sofort im ersten Kapitel eine unterhaltende Atmosphäre zu schaffen. Der Leser lernt eine Protagonistin kennen, die gar nicht so unscheinbar und unschuldig daher kommt, wie man vorher angenommen hat. Blaire ist nicht auf den Mund gefallen, überaus selbstbewusst und bedroht ihre neue Bekanntschaft mit einer Waffe, die sie zum Schutz immer bei sich trägt. Diese zunächst befremdliche Situation entpuppt sich schnell als sehr amüsant und so bekommt man bereits nach wenigen Sätzen einen Einblick darin, was einem die nächsten 200 Seiten erwarten wird.
Nämlich eine Protagonistin, die eigentlich aufgrund eines Todesfalls trauert, aber ihr Leben trotzdem weiterlebt. Abbi Glines belässt es nicht bei einer sehr sympathischen Protagonistin, sondern stellt ihr weitere sehr liebenswerte Charaktere an die Seite, die zusammen mit Blaire herrliche Dialoge führen. Mir hat die Mischung aus nachdenklichen Momenten, die Blaire aufgrund des Erlebten immer wieder durchlebt, und spritzigen Unterhaltungen überaus gut gefallen.
An dieses Schema passt sich auch der Schreibstil der Autorin an. Er ist sehr locker gehalten und versprüht dabei auch immer jugendlichen Charme, ohne dabei zu umgangssprachlich zu wirken.
Abbi Glines bietet im ersten Band der ‘Rush of Love’ Reihe allerlei Handlungsstränge, die aber fließend ineinander übergehen. Nachdem Blaire ihr gutbürgerliches Zuhause verlassen hat und ein neues Leben bei ihrem Vater beginnen möchte, ändert sich ihr Leben schlagartig. Plötzlich finden sie sich in einer Welt von Heranwachsenden mit reichen Eltern wieder, die jegliche Klischees erfüllen. Die Mädchen, die Blaire kennenlernt, lassen es sich gut gehen, indem sie sich jeden Wunsch von den Augen ablesen lassen; sei es von ihren Eltern oder von jungen Männern, die die Herzen der Mädchen erobern wollen. Auch die Jungs lässt die Autorin genauso erscheinen, wie die gängigen Vorurteile es vermuten lassen. Sie nehmen sich, was sie wollen, feiern Partys und führen ein Leben mit teuren Freizeitaktivitäten. Auch, wenn mir diese Klischees bisweilen ein wenig zu viel des Guten waren, so fand ich es doch sehr spannend mitzuerleben, wie sich Blaire in dieser ihr neuen Welt zurechtfindet und wie sie mit Hindernissen, die aus ihren neuen Mitmenschen entstehen, umgeht.
Denn die verwöhnten Jungs und Mädchen legen Blaire allerlei Steine in den Weg. Blaire muss sich immer wieder emotionalen Herausforderungen stellen, die Abbi Glines besonders gefühlvoll beschrieben hat. Gerade daher erscheinen Szenen, in denen Blaire das Glück nur so zufliegt, leider besonders unrealistisch. Für mich ist es beispielsweise heutzutage kaum vorstellbar, dass einem Menschen ein Job geradezu hinterhergeworfen wird. So ist es bei Blaire der Fall.
Natürlich erwartet den Leser in ‘Rush of Love – Verführt’ wie der Titel bereits vermuten lässt eine Liebesgeschichte. Rush ist nicht nur Namensgeber der Reihe, sondern auch der Mann der Begierde. Mit ihm wollte die Autorin sicher DEN Traummann schlechthin erschaffen, allerdings ist Rush bei mir anfangs auf Granit gestoßen. Arroganz in Maßen ist gesund und anziehend, doch Rush hat in meinen Augen den Vogel abgeschossen. In dieser Kombination fand ich auch sein wildes Liebesleben, was er nur allzu offen auslebt, ein wenig abstoßend. Deswegen ist es mir anfangs auch sehr schwer gefallen, die romantischen Gefühle, die Blaire schnell für den jungen Mann hegt, nachvollziehen zu können. Ein umwerfendes Äußeres reicht leider nicht aus, um mich als Leserin um den Finger zu wickeln.
Abbi Glines gelingt es aber trotz der geringen Seitenzahl außerordentlich gut, die Hintergrundgeschichten der beiden Hauptfiguren Blaire und Rush eindringlich und detailliert zu beschreiben. Besonders die Vergangenheit von Blaire, die sich dem Leser nach und nach offenbart, hat mich sehr berührt. Auch Rush lernt man im Laufe der Geschichte immer besser kennen und so war es mir dann auch möglich, seinen mir fremdem Lebensstil nachvollziehen zu können. So habe ich seinen exzessives Sexleben irgendwann akzeptiert und einen völlig anderen Rush erleben dürfen, der mir ans Herz wachsen konnte.
Wo der Schreibstil im Buch eigentlich stets wunderbar zu der gefühlvollen und seichten Geschichte passt, ist die Sprache während der Sexszenen nicht immer ansprechend. Für mich war der Schreibstil an vielen Stellen viel zu plump und alles andere als prickelnd oder gefühlvoll. Auch einige ‘Rituale’, die Blaire und Rush innerhalb ihrer intimen Beziehung miteinander pflegen, hätten für meinen Geschmack von der Autorin nicht beschrieben werden müssen.
Blick in die Zukunft
‘Rush of Love – Verführt’ ist der erste Band einer Trilogie. Der zweite Teil wird am 16. Juli 2013 unter dem Namen ‘Rush of Love – Erlöst‘ auf Deutsch erscheinen. Der letzte Band der Reihe wird im Sommer 2013 auf Englisch veröffentlicht und den Namen ‘Forever too far‘ tragen. Ob der dritte Band auch auf Deutsch erscheinen wird, steht laut Verlag noch nicht fest. Wer immer auf dem neusten Stand der Entwicklung sein möchte, sollte Fan der ‘New Adult’ Seite vom Piper Verlag auf Facebook werden.
Wer nicht genug von Büchern der Autorin bekommen kann, darf sich freuen. Ein Spin-Off zur ‘Too Far’ Trilogie ist bereits auf Englisch auf dem Markt. ‘Twisted Perfection‘ und ‘Simple Perfection‘ (erscheint im Herbst 2013) erzählt die Geschichte von Woods (den wir bereits in ‘Rush of Love’ kennenlernen durften) und Della.
Außerdem hat Abbi Glines auf Facebook verkündet, dass es eine Reihe zu Rushs Bruder Grant geben wird. Der erste Band soll voraussichtlich im Dezember auf Englisch erhältlich sein.
Deutsche Fans dürfen sich auf den Herbst freuen. Denn dann erscheinen im Piper Verlag weitere Bücher der Autorin: ‘Little Lies – Vollkommen verliebt‘ (17. September 2013) und ‘Little Lies – Vollkommen vertraut‘ (12. November 2013).
Fazit
Ich habe ein neues Lieblingsgenre für mich entdeckt; New Adult. ‘Rush of Love – Entführt’ überzeugt mit einer bisweilen sehr prickelnden Liebesgeschichte. Obwohl das kleine Büchlein mit einer sehr tiefgründigen Hintergrundidee besticht, darf man in meinen Augen bei ‘Rush of Love’ trotzdem nicht zu viel erwarten. Die Geschichte erfindet das Rad definitiv nicht neu und erfüllt allerlei Klischees.
Trotzdem wissen sowohl die Charaktere als auch die Handlung wunderbar zu unterhalten und haben mich gerade ab der Hälfte des Buchs zum Schwärmen gebracht. Obwohl mich der Schreibstil größtenteils sehr angesprochen und für mich wunderbar zu der gefühlvollen Geschichte gepasst hat, lief es mir bei einigen Formulierungen, die während der Liebesszenen auftauchen, doch eiskalt den Rücken herunter.








