"Incarceron ist ein gewaltiges Gefängnis. Sein Inneres besteht aus gigantischen Metallwäldern, verfallenen Städten und endlosen Weiten. An diesem Ort gibt es weder Freundschaft noch Vertrauen – und es gibt keine Hoffnung auf Entkommen. Doch der junge Häftling Finn hat eine Verbindung zur Welt außerhalb, zu Claudia, der Tochter des Gefängnishüters. Sie ist Finns einzige Chance, aus Incarceron auszubrechen, und er wiederum ist Claudias letzte Hoffnung, dem goldenen Käfig ihres eigenen Lebens zu entfliehen. Doch Finns und Claudias größter Feind ist Incarceron selbst, das seine Insassen wie ein hungriges Raubtier belauert. Denn dieses Gefängnis lebt ..." (Quelle: Penhaligon)
Incarceron ist ein gigantisches Gefängnis und wurde vor über einem Jahrhundert erschaffen, um Verbrecher, politische Extremisten und Andersdenkende einzusperren. Mit ihnen zusammen wurden sieben freiwillige Sapientis, eine Gruppe von Heilern und Gelehrten, die die Gefangenen führen sollten, im Gefängnis eingeschlossen, bevor es für immer versiegelt wurde. Während die Außenwelt denkt, dass Incarceron ein wundervoller Ort ist und dort paradiesische Zustände herrschen, ist es ein Ort voller Gewalt und Barberei, in dem die Menschen um ihr Überleben kämpfen müssen. Die Häftlinge haben sich zu verschiedenen rivalisierenden Clans zusammengeschlossen. Doch jeder Schritt wird überwacht, denn das Gefängnis lebt... Es gibt keinen Weg hinein oder hinaus und niemandem ist bekannt, wo sich Incarceron befindet, denn nur der Hüter weiß wo es ist.
Der junge Finn ist ein Bewohner Incarcerons und ist sich sicher, dass er nicht wie alle anderen im Gefängnis geboren wurde, sondern aus der Außenwelt stammen muss. In seinen Visionen, die ihn immer wieder plagen, kann er die Sterne am Himmel stehen sehen und er ist überzeugt, dass es einen Weg aus dem Gefängnis heraus geben muss. An seinem Handgelenk hat er ein Symbol eintätowiert, welches einen gekrönten Vogel darstellt, doch niemand kann ihm dazu etwas sagen. Erst die nach einem Überfall gefangen genommene Maestra erkennt das Symbol wieder, denn sie hat es schon einmal gesehen. Auf einem geheimnisvollen Kristallschlüssel, der sich im Besitz ihres Clans befindet. Durch Erpressung gelingt es Finn und seinem Eidbruder Keiro, mit dem er zusammen auf Raubzüge geht und der ihn während seiner Visionen beschützt, den Schlüssel in ihre Gewalt zu bringen. Gemeinsam mit dem Sapienten Gildas wollen sie das Unmögliche versuchen... einen Weg raus aus Incarcerion zu finden. Claudia dagegen lebt in der Außenwelt und ist die Tochter des Hüters, einem der einflussreichsten Männer des Landes. Sie lebt in einer Welt, die auf Weisung des Königs äragetreu dem Mittelalter angepasst worden ist. Einer Welt, die von Computern generiert wurde, in der aber technologischer Fortschritt, ja sogar Fotos verboten sind. Als Tochter des Hüters ist Claudia sehr behütet aufgewachsen und wurde schon vor vielen Jahren dem Thronfolger versprochen. Doch da Giles, der Erstgeborene Sohn des verstorbenen Königs bei einem Unfall ums Leben kam, muss sie nun dessen Halbbruder, den nichtsnutzigen, verhassten Caspar heiraten. Kurz vor ihrer Vermählung gelingt es ihr gemeinsam mit ihrem engsten Vertrauten, dem Sapienten, beziehungsweise ihrem Lehrer Jared, in das Büro ihres Vaters einzubrechen, da sie vermutet, dass ihr Vater ihr etwas verheimlicht. Dort findet auch sie einen geheimnisvollen Schlüssel und sehr schnell finden sie heraus, dass es kein normaler Schlüssel ist, denn der Schlüssel lässt sie mit Finn kommunizieren.
"Incarceron" ist ein Buch, das mich auf positive Art überrascht hat. Schon das toll gestaltete Cover, welches hervorragend zur Geschichte passt, und der Klappentext haben mich sehr neugierig auf das Buch werden lassen. Die Idee, ein gigantisches Gefängnis, dass eine eigene Welt darstellt zu erschaffen, war für mich neu und ich finde Catherine Fisher hat sie sehr gut und kreativ umgesetzt. Die Geschichte selbst ist in verschiedene Handlungsstränge, hauptsächlich aber abwechselnd aus der Perspektive von Finn und Claudia, den beiden Hauptprotagonisten geschrieben, so dass der Leser die Geschehnisse im Inneren sowie außerhalb von Incarcerons, verfolgen kann. Anfangs ist es ziemlich verwirrend, da sich neben der Erzählperspektive auch die Welt um die Protagonisten her ändert, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Catherine Fishers Schreibstil ist detailliert, einfach und sehr flüssig zu lesen. Sie hat es geschafft, mit Worten eine düstere, bedrohliche aber auch sehr spannende Atmosphäre zu erschaffen. Ihre Beschreibungen von der Welt Incarcerons sind bildhaft, so dass man beim Lesen das Gefühl hat mit Finn und seinen Kameraden durch Incarceron zu streifen.
Die Charaktere, hier insbesondere Finn und Claudia, sind sehr gut herausgearbeitet und obwohl sie nicht von Anfang an die sympatischsten waren, werden sie es mit der Zeit. Besonders fasziniert hat mich Finn. Er hat keine Erinnerung an seine Vergangenheit und seine Visionen lassen ihn glauben, dass er nicht schon immer in Incarceron lebt. Doch niemand glaubt ihm, da die Geschichten um das Außerhalb inzwischen als Legenden abgetan werden, denn die Bewohner Incarcerons glauben nicht, dass es überhaupt existiert. Claudia ist eine gebildete, zielstrebige und furchtlose junge Frau. Doch auch sie ist eine Gefangene... gefangen in einem goldenen Käfig, aus dem sie auszubrechen versucht. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Jared gelingt es ihr ein unglaubliches Geheimnis zu lüften. Aber auch unter den zahlreichen Nebencharakteren gibt es einige sehr interessante und vielschichtige Figuren, die die Geschichte um Finn und Claudia wundervoll abrunden.
"Incarceron - Fliehen heißt sterben" ist ein sehr spannendes Abenteuer, mit einer ebenso spannenden Idee, die mir überraschend gut gefallen hat. Es gibt einige Wendungen, die extrem neugierig auf die Fortsetzung machen, denn obwohl auf einen Cliffhanger verzichtet wurde, bleiben am Ende einige Fragen ungeklärt. Ich bin sehr gespannt wie es mit Finn und Claudia weitergehen wird.