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Rezension vom 06.09.2012 (20)
Allgemeines: Am 18. Januar 1974 wurde Cat Patrick in Cheyenne, der Hauptstadt des Bundesstaates Wyoming, geboren. Bereits als 7-Jährige schrieb sie Geschichten und verteilte diese an alle Familienmitglieder. Nachdem sie im Fach Journalismus den Bachelor erreicht hatte, spezialisierte sie sich auf das Fach Öffentlichkeitsarbeit und machte dort ihren Masterabschluss. Mit ihrem Debütroman "Forgotten", welcher am 6. Juni 2011 auf Deutsch im Egmont Childrens Books Verlag erschienen ist, erlang sie erstmals internationale Aufmerksamkeit und Bekanntheit. Ihr zweiter Roman "Die fünf Leben der Daisy West" ist nun seit wenigen Wochen auf dem deutschen Buchmarkt erhältlich. Mit ihren Zwillingstöchtern und ihrem Mann lebt sie heute in der Nähe von Seattle.
Klappentext:
"Daisy, halt durch!", schreit eine Mädchenstimme, aber ich öffne nicht die Augen. Geräusche nehme ich nur noch undeutlich wahr. Die Welt wird zu einem Nichts und bevor ich noch einen weiteren Gedanken fassen kann, bin ich tot.
Daisy ist fünfzehn und schon mehr als ein Mal gestorben. Doch ein Wundermittel namens Revive holt sie jedes Mal zurück und so lebt Daisy waghalsig und riskant. Jeder Tod bedeutet für sie allerdings eine neue Stadt und ein neues Leben, denn das Mittel ist hochgeheim und Daisy ist ein Versuchsobjekt in einem streng abgeschotteten Programm. An ihrer neuen Schule findet sie in Audrey zum ersten Mal eine beste Freundin. Als sie sich auch noch Hals über Kopf in deren Bruder Matt verliebt, lässt sie sich endlich voll auf das Leben ein. Daisy fängt an, das Geheimsystem rund um Revive zu hinterfragen. Doch sie weiß auch: Wenn sie aufbegehrt, könnte ihr nächster Tod endgültig sein...
Meine Zusammenfassung:
Daisy Appleby ist tot - an ihre Stelle tritt Daisy West...
Obschon Daisy bereits einige Male gestorben ist und ein neues Leben mit einer anderen Identität anfangen musste, so ist sie dennoch nicht darauf gefasst, was sie in Omaha, Nebraska, erwartet. Denn kurz nach ihrer Ankunft lernt sie die lebenslustige Audrey und ihren gutaussehenden Bruder Matt kennen, die in charmanter Weise und mit herzlicher Offenheit Daisys introvertierte und auf Vorsicht bedachte Fassade durchbrechen. Und plötzlich tritt etwas ein, womit Daisy nicht gerechnet hätte: sie und das Geschwisterpaar werden Freunde. Allerdings verbirgt Daisy ein großes Geheimnis und als ihre beste Freundin in Gefahr gerät, findet sie sich in einem Gewissenskonflikt wieder, der sie zu verschlingen droht.
Gestaltung des Buches: Eine schlichte, beinahe schnörkellose Gestaltung erwartet die Leser bei "Die fünf Leben der Daisy West". Auf dem Titelbild ist ein durchaus ansprechendes Antlitz einer jungen Frau abgedruckt worden. Ein Teil ihres Oberkörpers wird von einem, auf dem Buchdeckel angebrachten, Heftchen übernommen, welches auf fünf illustrierten und aus dem Buch zitierten Seiten Daisys bisherige Leben aufweist. Innerhalb der Buchdeckel wurde auf dieselbe ungekünstelte Ausstattung acht gegeben, weshalb keine unnötigen Verschönerungen das Auge des Lesers vom eigentlichen Text ablenken. Daher erstreckt sich der Lesegenuss über 45 kurze Kapitel und garantiert einen leichten Einstieg in die Welt der Daisy West.
Schreibstil der Autorin: Die schwere Thematik des Buches verlangt nach Fingerspitzengefühl und Sensibilität. Im Falle von Cat Patrick muss ich gestehen, dass ihre narrativen Fähigkeiten nicht ausgereicht haben dem Kontext die nötige Tiefe zu verleihen. Stattdessen beschreibt sie mit oberflächlicher Leichtigkeit die Handlungsabläufe und verhindert damit zum einen, dass man zu den Charakteren eine Beziehung aufbaut, und zum anderen, dass man das Buch weglegt, da die bündigen Kapitel einen stetig ansteigenden Spannungsbogen aufrecht erhalten. Somit konnte ich bei gewissen Passagen darüber hinwegsehen, dass mir persönlich die einfühlsame Note gefehlt hat, aber im Hinterkopf war der allzu objektive Schreibstil allgegenwärtig. Zudem irritierte mich die häufige Anzahl der grammatikalischen Zeitsprünge, die entweder bei der Übersetzung des Originaltextes übernommen wurden oder aufgrund der Übersetzung erstmalig aufgetreten sind.
Chraktere: In Anbetracht der Tatsache, dass ein derart prekäres Thema auf 300 Seiten gepresst wurde, gab es nicht genügend Entwicklungsmöglichkeiten um sich der subjektiven Entfaltung der Charaktere zu widmen. Somit beschränkte sich die Autorin auf das Wesentliche - nämlich die Handlung. Das Innenleben der Protagonistin bleibt dem Leser weitestgehend verschlüsselt. Obgleich ich ihre Taten nachvollziehen konnte, fand ich sie zu einem gewissen Zeitpunkt ganz und gar naiv, kindisch und leichtsinnig. Daisy ist ein introvertierter Mensch mit einem vorsichtigen Naturell, aber an einer gewissen Stelle, wurde ich das Gefühl nicht los, dass sie wider ihrer Mentalität handelte, was in mir einen Unmut weckte, der bis zum Schluss nicht mehr abzuschütteln war. Matt, der Junge dem Daisy ihr Herz schenkte, und seine Schwester Audrey, die Daisy einen neuen Zugang zu einem normalen Leben ermöglichte, erhalten zu wenig Raum um dem Leser ihre zugewiesenen Rollen glaubhaft zu machen. Selbst Mason und Cassie in den Elternrollen bleiben dem Leser auch nachhaltig nicht im Gedächtnis. Abgesehen von Megan, die ebenfalls dem Programm untergestellt ist, konnte ich zu niemandem eine Beziehung aufbauen. Ein Umstand den ich bedauerlich finde.
Orte & Landschaften: Aufgrund Daisys Lebensweise lernt auch der Leser kaum etwas über die Umgebung oder den neuen Handlungsort kennen. Denn sowohl bei den Charakteren wie hier wurde mit übermäßigen Details gespart, sodass durch den ständigen Ortswechsel von Frozen Hills nach Omaha, Hayes und schlussendlich Alameda für den Leser keine der Städte auch nur ansatzweise an Bedeutung gewinnen konnte. Sobald irgendwelche Lokalitäten eine relevante Beständigkeit hätten aufweisen können, wurde der Leser gedanklich erneut umgesiedelt. Dieser Umstand forderte seinen Tribut: War man von der Handlung noch so sehr gefesselt, beliebten die Figuren und Landstriche sich nur schwach in die Erinnerung des Lesers einzunisten. Eigentlich hatte die Autorin aufgrund der vielen örtlichen Eindrücke die Möglichkeit die lokalen Feinheiten auszuarbeiten, allerdings hat sie diesen Aspekt zu berücksichtigen versäumt. Ob als gewolltes Stilmittel oder unbeabsichtigt, so vermisste ich die persönliche Nuance aller umstehenden Gegebenheiten, damit ich mich der Geschichte hätte öffnen können.
Fazit: "Die fünf Leben der Daisy West" ist eine vielversprechende Geschichte über das Sterben und Leben, deren Umsetzung einige Mängel aufweist und dennoch den Geist des Lesers an- und berührt. Ich poche auf eine Fortsetzung und Steigerung des kreativen Konzepts in Erwartung auf etwas Ungewöhnliches.
Rezension vom 17.07.2012 (27)
Allgemeines: Nach dem sensationellen Erfolg, der Kim Winter mit dem Buch "Sternenschimmer" gelungen ist, folgt nun, anlässlich der Erscheinung des zweiten Bandes ihrer Trilogie, meine Rezension zu "Sternensturm". Die Autorin hat es sich zu eigen gemacht, ihre Geschichte in einer Welt spielen zu lassen, die aufgrund vieler Zukunftselemente in das Genre Science-Fiction anzusiedeln ist. Gepaart mit Frau Winters besonderer Fähigkeit eine emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle im Leser zu wecken und der alles umfassenden außerirdischen Liebesgeschichte, sprechen Kim Winters Werke vor allem die weibliche Leserschaft zwischen 13 bis 16 Jahren an. Über die Autorin selbst weiß man, dass sie 1973 in Wiesbaden zur Welt kam. Sie beendete ihre Ausbildung zur Sozialarbeiterin, engagierte sich im Kinderpflegedienst und arbeitete in einem Waldkindergarten. Weiters fühlt sie sich der Umwelt gegenüber verpflichtet und gibt sich diesem existentiellen Thema auf dieselbe Art und Weise hin, wie sie sich auch mit Begeisterung und großem Bestreben dem Theater gewidmet hat. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Taunus.
Klappentext: WENN NUR DAS BÖSE DICH RETTEN KANN, WÜRDEST DU IHM FOLGEN? Iason hat sich entschieden: für die Liebe, für ein Leben mit Mia. Eigentlich perfekt. Aber plötzlich verschwinden Menschen spurlos aus der Stadt. Und ein unheimliches Flüstern spricht in der Nacht zu Mia. Sie fühlt sich gezogen und weiß nicht wohin. Stimmt es, dass die Entführer in Wirklichkeit hinter ihr her sind? Zweifel keimen auf, ob es Mia tatsächlich bestimmt ist, den Frieden nach Loduun zu bringen. Und bald schon nährt sich der Verdacht, dass sie vielmehr von einer dunklen und gefährlichen Macht gelenkt wird. Als Wächter seines Planeten muss Iason eine folgenschwere Entscheidung treffen und Mia gerät in ein Netz aus Intrigen, in dem sie niemandem trauen kan, am wenigsten sich selbst.
Meine Zusammenfassung: Während auf Loduun weiterhin Lokondras Truppen den Planeten unterjochen wollen, kämpfen Mia und Iason auf der Erde um eine gemeinsame Zukunft. Ihr Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen, bis ihr Glück getrübt wird. Mias Hoffnung in ihr altes Leben zurückkehren zu können platzt jäh als eine flüsternde Stimme in ihrem Kopf ihre Gedanken und Taten zu lenken beginnt – wie es scheint. Zunächst ahnt niemand etwas davon, aber die Situation spitzt sich zu, bis zu jenem unheilvollen Abend, an dem Iason etwas über Mia erfährt, das sie schlussendlich in die absolute Isolation treibt.
Gestaltung des Buches: Wie bei der Gestaltung des Vorgängers "Sternenschimmer" gewohnt, besticht auch "Sternensturm" mit all den kleinen und liebevoll ausgearbeiteten Einzelheiten. Der durchweg feminine Buchumschlag mit seinem verträumten Design, wird weitestgehend durch verzierte farbige Objekte umrahmt. In diesem Fall beherrschen allerlei Rottöne, bis hin zu Violett und Rosarot das Cover. Nebst der außergewöhnlich schmucken äußeren Ausstattung, erblasst die innere Aufmachung im Vergleich mitnichten. Der Planet Girl Verlag hat sich, wie nicht anders zu erwarten, große Mühe gegeben, dem Inhalt und der allgemeinen Erscheinung gerecht zu werden. Daher verzieren alle 48 Kapitelanfänge grauschattierte Sternengebilde und Blätterranken. Insgesamt wurde das Buch in drei übergeordnete Kapitel unterteilt, weshalb auch hierbei verschnörkelte Malereien und kurze Gedichte auf ihre Kosten kommen. Alles in allem steht "Sternensturm" nicht im Schatten seines Vorläufers. Der zusätzliche Index auf den letzten Seiten über Personen, Clans und loduunische Wörter, die im Buch vorkommen, war eine erfreuliche Überraschung.
Meine Leseeindrücke: Zunächst möchte ich anmerken, dass mich die ersten Seiten von "Sternensturm" in keinster Weise überzeugen hatten können. Die Ursache dafür fand sich in der Protagonistin selbst. Während sich Mia im ersten Band von einer jungen Erwachsenen zu einer selbstständigen Frau entwickelt hat, obgleich sie, meiner Meinung nach, von Anfang an nicht gemäß ihres Alters gehandelt hat sondern reifer wirkte, so schien sie in der Fortsetzung ihr mutiges und liebenswertes Wesen vollkommen eingebüßt zu haben. Stattdessen agierte sie manchmal äußerst einfältig, hin und wieder betont kindisch und in gewissen Situationen auffällig hysterisch. Befremdlich war für mich unter anderem auch ihre stark zunehmende Unsicherheit, ihr unvermittelt erwachtes Misstrauen und der ständig variierende Zustand zwischen besessenem Verliebtsein und gezwungener Abweisung. Plötzlich konnte ich mich in Mia nicht mehr hineinversetzen und litt die ersten hundert bis zweihundert Seiten an ihrer Unentschlossenheit und all den neuen Charakterzügen, die mir ihr zuvor beherztes Naturell zuwider machten. Doch Kim Winter besitzt ein besonderes Talent, denn sie schafft es ihre Leserschaft von solchen Widrigkeiten abzubringen, indem sie offenbar wie per Knopfdruck die Spannung erhöht und jede Szene plastisch hervorhebt. Details werden nicht einfach unscharf umrissen, sondern bekommen spezifische malerische Komponente, die jegliche Szenerie der immersiven Welt vor dem Leser wie ein farbenprächtiges Gemälde entfaltet. Dazu beherrscht sie desweiteren, wie nur wenige Autoren es vermögen, mithilfe ihrer ausdrucksstarken Formulierungen eine atemlose Explosion an Emotionen im Leser zu entfachen, die ebenso fesselnd wie verlockend sind, wodurch meine Aufmerksamkeit und jeder Gedanke bis zum Schluss dem Buch und seinem Inhalt galten.
Schreibstil der Autorin: Wie im vorigen Abschnitt bereits vorweg besprochen, ermöglicht die Autorin durch ihre Stilmittel einen umfassenden Einblick in die Gefühlswelt ihrer Protagonisten sowie der baldigen Zukunft einer fiktiven Erde. Ihre unverwechselbare Schreibart, zwischen bilderreichen Schriftkompositionen und inhaltsträchtigen als auch sprachlichen Darstellungen, erschließt einen direkten Zugang in das Leben der Hauptpersonen und bezieht den Leser dort mit ein. Schlussendlich ergeben vielfältige Alleinstellungsmerkmale in ihren Werken ein besonderes Lesevergnügen.
Chraktere: Aufgrund der persönlichen Erfahrung von Frau Winter mit Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis siebzehn Jahren, erwecken ihre Charaktere den Anschein von durchweg glaubwürdigen Persönlichkeiten. Sowohl die Protagonisten ebenso auch alle Nebencharaktere aus dem Tulpenweg besitzen eine subjektive Ausstrahlung und neigen zu unvergleichlichen Eigenheiten, Makeln und Atributen. Diese erlesene Mischung konnte mein Herz umgehend für sich gewinnen und ließ mich einen Blick hinter die Fassaden der Figuren werfen.
Orte & Landschaften: Da die Bewohner der Erde auf einen beengten Raum unter einer Kuppel Schutz vor den Umweltkatastrophen und anderen Gegebenheiten gesucht haben, fällt es in diesem Zusammenhang schwer einen bestimmten Ort zu benennen, der als wesentlicher Schauplatz zu bezeichnen wäre. Dennoch spielen auch im zweiten Band dieser Trilogie der Tulpenweg, Mias Schule und ihre Wohnung eine entscheidende Rolle. Auch die Eishalle und die Polizeistation ist immernoch ein tragender Pfeiler der Geschichte. Hinzu kamen außerdem noch der Austragungsplatz des Endkampfes, das Haus der Wächter und der Strand als zusätzliche Kulissen. Trotz einiger Einschränkungen wird dem Leser ein großzügiger Rahmen an Lokalitäten geboten. Besondere Erwähnung verdient jedoch der Nachbarplanet Loduun, der bisher reichlich Stoff für Spekulationen geboten hat und im dritten Teil möglicherweise jene Beachtung erhalten wird, derer er ein Anrecht hat.
Fazit: 2011 war ich restlos von "Sternenschimmer" begeistert, was verständlicherweise kaum zu übertreffen ist. "Sternensturm" ist eine würdige Fortsetzung, ungeachtet etwaiger Schwächen und den persönlichen Schwierigkeiten mit dem Einstieg. Für alle die schon im ersten Band mit Mia und Iason mitgefiebert haben, gehört "Sternensturm" ohne Zweifel zur Pflichtlektüre!
Rezension vom 15.05.2012 (25)
Allgemeines: Meine heutige Rezension handelt von dem Buch „Memento – Die Überlebenden“ von Julianna Baggott, welches am 26. April 2012 mit 464 Seiten im Baumhaus Verlag, der zur Verlagsgruppe Bastai Lübbe zählt, erschienen ist. „Memento“ ist eine Mischung zweier Genre, denn trotz dystopischer Elemente gehört es, meiner Meinung nach, in die Sparte der postapokalyptischen Endzeitromane. Julianna Baggott ist eine weltweit angesehene Bestsellerautorin und studierte Literatur in North Carolina. In den vergangenen Jahren hat sie sechzehn Bücher geschrieben, von denen vier bisher in deutscher Sprache veröffentlicht wurden. Ihr erster Roman trägt den Titel „Die Kunst der Lüge“. Neben der Schriftstellerei lehrt sie als Dozentin für kreatives Schreiben an der Universität Florida. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Newark.
Klappentext: Eine amerikanische Stadt, neun Jahre, nachdem die Bomben fielen. Majestätisch thront die Kuppel des Kapitols über den Trümmern – in ihr leben die Reinen, Makellosen. Sie wurden auserwählt, eine neue, bessere Menschheit zu begründen, wurden rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Alle anderen kämpfen unten in der zerstörten Stadt täglich ums Überleben.
Auch die 16-jährige Pressia hat es schwer, sich und ihren Großvater durchzubringen. Als sie Bradwell kennenlernt, fühlt sie sich auf merkwürdige Weise zu ihm hingezogen. Doch bald sind die beiden auf der Flucht vor dem Militär. Dabei treffen sie auf Partridge, der aus dem Schutz des Kapitols geflohen ist. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach einer wahrscheinlich tödlichen Wahrheit...
Meine Zusammenfassung: Pressia und ihr Großvater leben in einem Friseurladen, außerhalb der Kuppel des Kapitols, in einer zerstörten und vom Leid geprägten Welt mit mutierten Tieren und bis zur Entstellung degenerierten Menschen. Sie haben keine Zukunft, kämpfen täglich ums Überleben und haben nur einander. Mit ihrem sechzehnten Lebensjahr soll sich dieser Zustand jedoch ändern, denn jedem ist bekannt, dass das totalitäre Militärregime, welches über die Unglückseligen außerhalb der Kuppel wacht, Jugendliche diesen Alters aufspürt und entführt. Was danach geschieht bleibt ungewiss. Durch eine schicksalhafte Fügung trifft sie auf Bradwell, der im Verborgenen gegen das Militär als auch das Kapitol arbeitet. Als Pressia schließlich vor einem Kesseltreiben des Militärs flüchtet und Partridge, einem Reinen aus der Kuppel, begegnet, werden sie Verbündete. Bis Pressia spurlos verschwindet und eine atemlose Rettungsaktion beginnt.
Gestaltung des Buches: Das Buch spiegelt die Atmosphäre des Romans wider. Ein schlichter, dunkler Buchumschlag sorgt für die düstere Stimmung noch ehe der Leser die erste Seite aufgeschlagen hat. Ein blauer Schmetterling auf der Vorderseite symbolisiert die Hoffnung auf einen Neuanfang – ein besseres Leben. Dahinter steigt groß und bedrohlich die Kuppel des Kapitols in die Höhe. Beim Wenden des Covers erlischt die anfänglich aufkeimende Hoffnung, da man über der beinahe schwarzen Kuppel einen weißen, auf dem Rücken liegenden Schmetterling vorfindet. Das düstere Grundgefühl ist somit komplett.
Orte und Landschaften: Die Stadt außerhalb der Kuppel liegt in Schutt und Asche. Das Leben dort ist trist. Es gibt weder genügend Nahrung, noch ausreichend Behausungen. Hygiene spielt keine Rolle mehr. Die medizinische Grundversorgung ist nicht vorhanden. Die Überlebenden siechen dahin, ob nun an Krankheiten oder an den Angriffen des Militärs als auch der Bestien, die die Deadlands bewohnen. Ob sich vergleichbare Städte auf anderen Kontinenten gebildet haben, wird im ersten Band der Trilogie nicht ersichtlich. Innerhalb der Kuppel schützen technische Errungenschaften vor der Asche in der Luft der Außenwelt. In Tablettenform nehmen die sogenannten Reinen ihre Essen auf. Codierungen, eine Art von Operationen, verbessern die körperlichen und geistigen Fähigkeiten bei jungen Männern. Frauen werden davon ausgeschlossen, da diese Codierungen ihre Fortpflanzung verhindern würden. Das System im Kapitol überwacht ihre Über- bzw. Supermenschen und lässt sie im Dunkeln was Aufstände, die Außenwelt und Ähnliches angeht. Aufgrund dieser beiden Extreme, die jedoch neben einander existieren, belohnt die Autorin ihre Leser mit dystopischen und endzeitlichen Komponenten, die letztendlich eine vielfältige Leserschaft ansprechen wird.
Charaktere: Dem Leser fehlt zunächst das Verständnis, die Beweggründe der Protagonisten nachzuvollziehen. Da mehrere Perspektiven Einblicke auf das Geschehen geben, erhält man beim Lesen einen ständig unbedarften und zugleich faszinierenden neuen Blickwinkel aus der Sicht des jeweiligen Protagonisten. Manchmal empfand ich die wenig durchblickenden Emotionen der Hauptcharaktere für zu distanziert sowie unnahbar, allerdings verhalfen jene Attribute mich vor der Gewalt und dem Unheil der Geschichte zu schützen. Deshalb konnte ich mich mit niemanden identifizieren und fand ausschließlich in Pressias Person ein mutiges, liebenswertes Gemüt.
Stilmittel: Dieser nüchterne und fundierte Roman bietet einige Facetten. Fälschlicherweise ist „Memento“ in der Sparte Jugendbuch veröffentlicht worden, doch in meinen Augen wäre es für erwachsene Leser deutlich besser geeignet. Julianna Baggott hat ihren Roman in der Gegenwartsform verfasst. Ihr routiniert puristischer und anschaulicher Schreibstil, ihre Detailverliebtheit, das rasante Tempo und die zueinander geführten Handlungsstränge entwickeln gegen Ende des Buches eine zeichnende Eigendynamik. Die Bilder, welche die Autorin, hervorruft sind lebendig und voller Elan. In diesem Buch begegnen wir ominösen Verschwörungstheorien, großem Elend und viel Unaussprechlichem, in der kein Platz für Romanzen bleibt. Kurze, teils abgehackte Sätze treiben die Handlung voran. Sofern man sich auf das Buch einlassen konnte, wird die Handlung vorhersehbar. Zum einen reduziert das die aufkommende Spannung, zum anderen löst sich der Widerwille des Lesers weiterhin in der Geschichte zu verharren.
Fazit: „Memento – Die Überlebenden“ erstarkt durch seinen epochalen Fingerzeig und weist mit brutaler Aufrichtigkeit auf die Folgen nuklearer Katastrophen hin. Die Allgegenwärtigkeit der Trostlosigkeit und Verzweiflung trug dazu bei, dass ich weder Anteilnahme noch Aversion dem Buch entgegenbringen konnte. Weil „Memento“ als Jugendbuch deklariert wird, wirkten weite Teile der Geschichte unpässlich. Es schien als wären sie Fremdkörper, obgleich die Handlung im Kontext stimmig ist. Ein Buch, das die Gemüter spalten wird und eine Geschichte, die sich hoffentlich niemals bewahrheiten wird.












