"In den Schuhen meiner Schwester" war mal wieder so ein Buch, von dem ich mir eigentlich nicht viel versprochen hatte. Ich hatte vor ein paar Jahren die Verfilmung mit Cameron Diaz und Toni Collette gesehen, um genau zu sein, hatte ich nur die erste halbe Stunde geschaut, jedenfalls hat mir der Film überhaupt nicht zugesagt. Weswegen ich nun noch einmal zum Buch gegriffen habe, kann ich gar nicht sagen (war es Cameron Diaz auf dem Cover?). Bereut habe ich es auf jeden Fall nicht.
Rose und Maggie sind Schwestern, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Rose ist erfolgreiche Anwältin in einer Kanzlei in Philadelphia, während Maggie zwar reihenweise Männer abschleppt, sich jedoch von einem Gelegenheitsjob zum anderen hangelt, da sie ja niemand als TV-Moderatorin einstellen will. Als Maggie mal wieder ohne Job und Bleibemöglichkeit ist, quartiert sie sich einfach bei Rose ein. Die hält ihre Schwester für eine Schnorrerin und will sie alsbald wieder los werden
Die beiden Schwestern scheinen keine Gemeinsamkeiten zu haben, bis auf ihre Schuhgröße. Schon in ihrer Kindheit waren die beiden verschieden und haben sich nie wirklich verstanden. Ihre Mutter starb bereits früh, ihr Vater zog mit den Kindern um, heiratete erneut und sorgte dafür, dass Maggie und Rose nie mehr an das dunkle Geheimnis der Familie ihrer Mutter erinnert würden. Nun in der Gegenwart geschieht der endgültige Bruch, als Rose ihren Lebenspartner mit Maggie in flagranti erwischt. Ein Ereignis, das alles auf den Kopf stellt. Für Rose und Maggie beginnt nun die einschneidenste Zeit ihres Lebens und auch die Vergangenheit klopft wieder an die Tür.
Obwohl "In den Schuhen meiner Schwester" ein eher an Frauen gerichtetes Buch ist, fand ich die Lektüre trotzdem angenehm und mich einigermaßen auch zu Recht. Klar, Schuhe sind für Frauen ein Thema für sich. Da ich mich im großen Schuh-Universum nicht allzu gut auskenne, also nicht unbedingt weiß welche Marke in ist und wie teuer manche Schuhe verkauft werden, gingen einige Buchpassagen eher unbeteiligt an mir vorbei. Doch der "Chick-Talk" konzentriert sich auf wenige Seiten und vorallem auf den Beginn des Buches. Das Schuh-Thema wird allgemein nicht wirklich konsequent durchgezogen, was aber der Geschichte nichts ausmacht.
Die Geschichte ist insgesamt stimmig und nimmt schon auf der ersten Seite Fahrt auf. Nach der Hälfte des Buches fällt die Spannungskurve jedoch leicht ab, da man nun bereits in etwa ahnt, wohin das Ende zusteuert. Doch hat mir gut gefallen, dass es trotz der leichten Thematik, keine heilen Familienverhältnisse gibt und jeder seine eigenen Probleme hat. Ein wenig Tiefgang haben die Charaktere schon. Der Buchtitel und das Cover hätten ja auch auf einen leichten Shopping-Roman schließen lassen können, in dem nur Klamotten gekauft und Frappuccinos geschlürft werden. So ist das Buch nicht.
Die Unterschiede zwischen den beiden Protagonisten Maggie und Rose sind zwar ziemlich klischeehaft und leicht überspitzt, doch stört das nicht wirklich. Beide Charaktere sind einem sofort sympathisch und man schließt sie ins Herz. Auch Maggies unreife Art gewisse Dinge zu betrachten, hat man(n) ja doch lieb. Trotzdem weiß sie ihre Reize gekonnt einzusetzen und ist kein Dummchen. Die restlichen Charaktere des Buchs bleiben eher blass, sind aber auch nur Staffage. Maggie und Rose genügen voll und ganz.
Weswegen ich dieses Buch nun besonders ans Herz lege, ist wegen des Schreibstils von Jennifer Weiner. Die Amerikanerin schreibt nicht so platt wie bei manch andere Genrevertreterin, sondern in clever konstruierten Sätzen. Teilweise schwingt eine gekonnt eingesetzte Portion Ironie durch die einzelnen Kapitel. Die Sprache in diesem Buch wirkt einfach frisch und man glaubt die Freude der Autorin am Schreiben zu erspühren.
Am Ende war ich ziemlich zufrieden damit, dass ich dem Buch nach dem schlechten Filmerlebniss noch eine Chance gegeben habe. "In den Schuhen meiner Schwester" ist ein leichter Roman über Familienbande, der sich im Stil ein wenig von der restlichen Genre-Masse abhebt.