Der Roman "Starters" von Lissa Price gehört wie u.a. "Delirium", "Die Tribute von Panem", "Die Auswahl"/"Die Flucht", "Godspeed" zu der großen Auswahl an sogenannten Zukunftsdystopien,
die der Jugendbuchbereich zurzeit zu bieten hat.
Auch wenn die Hauptfigur Callie anfangs stark an Katniss aus den Panembüchern erinnert, merkt man schon bald, dass die Geschichte einen völlig anderen Weg geht und dabei mindestens genauso gut
ist:
Nach einem verheerenden Krieg, der unter anderem mit einer biologischen Waffe geführt wurde, die alle 30-50 jährigen getötet hat, leben nur noch zwei Altersgruppen;
- Starters, Jugendliche, die, sofern sie keine Großeltern haben, auf der Straße leben und Tag für Tag um ihr Überleben kämpfen mussen, und
- Enders, 60-150 jährige, die unermesslich reich sind und mit der neuesten Technik ein sehr angenehmes Leben führen. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Gruppen ist sehr hoch, die Enders ignorieren die Starters vollkommen und mit ihnen vergessen denschrecklichen Krieg, dessen Folgen nun die Jugendlichen zu tragen haben.
In dieser Welt lebt die Protagonistin Callie.Sie lebt mit ihrem schwerkranken Bruder auf der Straße und versucht verzweifelt ihre Eltern nicht zu vergessen und gleichzeitig für Essen, Unterschlupf und Sicherheit zu sorgen.
Doch dieses Unterfangen wird mit jedem Tag und jeder Nacht schwerer. Dann erfährt die Jugendliche von der (nicht ganz legalen) Firma "Prime Destinations", die Starters unter Vertrag nimmt, und deren Körper, nach einer ausführlichen Schönheitskur, an die Enders vermietet, die damit die Chance haben, wieder Jugendliche zu werden und somit ihrer Eitelkeit freien Lauf lassen können, denn das Einzige was ihrem schönen Leben im Weg steht, ist ihr Alter und die damit verbundenen körperlichen Unannehmlichkeiten. In ihrer Not unterschreibt Callie den Vertrag, der ihr ein riesiges Honorar verspricht.
Die ersten Buchungen verlaufen reibungslos, für Callie ist es leicht verdientes Geld, da ihr Gehirn quasi ausgeschaltet wird und sie "schläft" während der Kunde ihren Körper steuert. Doch bei der dritten Buchung gerät sie an eine Ender, die angebliche böse Machenschaften des Chefs von Prime, den alle nur den "Old man" nennen, verhindern will. Zunächst möchte Callie ihr immenses Honorar nicht aufs Spiel setzen doch wenn wahr ist, was die Ender behauptet, sind viele Starters, nicht nur sie und ihr Bruder, in nahezu tödlicher Gefahr...
Die Autorin baut das Buch sehr clever auf: Der Leser befindet sich vom ersten Satz an mitten im Geschehen und wird gleichzeitig über Rückblenden und Gedanken der Hauptperson
über die grundlegende Situation aufgeklärt. Auch bei ruhigeren Stellen bleibt das Buch spannend. Eine rasante und unvorhergesehene Wende am Ende, lässt den Leser sehnsüchtig auf den zweiten Teil warten, der Gottseidank, auch schon in Arbeit ist!
Faszinierend fand ich zudem, wie Price die zukünftige Technik, sowohl im Alltäglichen, als auch bei den Vermietungen darstellt, sodass die von ihr erfundene Zukunft realistisch und die Vermietungen beängstigend durchführbar erscheinen.
Was mir ebenfalls gut gefallen hat, war die geschickt verpackte Kritik an gesellschaftlichen Zuständen, wie Schönheitswahn (die zu vermietenden Starters werden von den Enders nach Aussehen bewertet), sowie die allgemeine Auffassung, dass ALLES käuflich ist und die moralische Verwerflichkeit und auf wessen Kosten diese Käuflichkeit geht einfach ignoriert wird.
Dieses Buch hat alles was eine Zukunftsdystopie braucht, natürlich darf auch eine kleine Liebesgeschichte nicht fehlen, die allerdings die Geschichte nicht dominiert. Das Geschehen steht im Vordergrund, die Liebesgeschichte rundet es nur ab.
Noch ein Wort zum Cover: Das gesichtlose Mädchen zeigt mit einfachen und schlichten Mitteln, den Verlust der Persönlichkeit, gegen den Callie im Buch ankämpft und ist
damit eine hervorragende Umsetzung des Inhalts.
Insgesamt ein sehr spannendes Buch, das ich nur empfehlen kann!