Die englische Studentin Grey kommt nach Tokio, weil sie endlich Klarheit in einer Sache will, die sie schon lange verfolgt: Das Massaker im chinesischen Nanking 1937. Um darüber mehr zu erfahren, trifft sie sich mit Shi Chongming, einem Universitätsprofessor, der sie zunächst schroff abweist, als sie sich nach einer Filmrolle erkundigt, die Gräueltaten aus Nanking aufzeigen soll.
Da sie aber hartnäckig bleibt, muss sie in Tokio bleiben und verdingt sich dort als Hostess in einem Nachtclub. Jason, der dort auch arbeitet, gab ihr die Adresse und Grey wohnt auch bei ihm.
Eines Tages kommen Männer in den Club, Yakuza, und mit ihnen ein Mann namens Fuyuki, ein kränklicher gebrechlicher Greis im Rollstuhl. Dass dieser Mann und seine Krankenschwester Ogawa, die sich um ihn mit einer speziellen Medizin kümmert, sehr gefährlich sind, das ist der Studentin zunächst nicht bewusst. Erst als sie in Erfahrung bringen soll, was es mit Fuyukis Medizin auf sich hat, damit sie auch den Film aus Nanking sehen kann, den Shi Chongming bei sich verbirgt, schweben sie und Jason in großer Gefahr...
Die Autorin erzählt die Geschichte in zwei verschiedenen Sichtweisen. Abwechselnd wird Greys Leben in Tokio und auch die Tagebucheinträge von Shi Chongming, die er in der Zeit der Belagerung durch die Japaner verfasst hat, geschildert. Dabei lässt sich erkennen, dass sich beide Handlungsstränge in gewisser Weise ähneln, auch wenn sie komplett verschieden sind. Beide Handlungen werden eingeführt und enden auf eine grausame Art und Weise.
Desweiteren ist zu bemerken, dass das ganze Buch über eine beklemmende Atmosphäre geschaffen wird, die an manchen Stellen etwas fehl am Platz wirkt, z.B. dort, wo Grey und der Professor im Garten von dem Haus in Takadanobaba stehen und sie sich unterhalten.
Die Protagonistin wird in diesem Buch recht kühl dargestellt und man erfährt erst im Verlauf des Buches, was mit ihr wirklich geschehen ist und warum sie sich gerade für dieses Thema so hartnäckig einsetzt. Es wird berichtet, wie sie in der Psychatrie war und ihr dort jedes Mal eingebläut wurde, wie schlecht und verderbt sie doch eigentlich ist, doch eigentlich handelte sie bevor ihrer Einweisung nur aus dem Grund so, weil sie es nicht besser wusste. Dadurch ist die junge Frau gerade zu schüchtern geworden, was sich auch oft zeigt. Zwischendurch wird immer weiter in die Seele von Grey eingedrungen, bis man wirklich versteht, warum sie so ist, wie sie ist.
Chongming wirkt zunächst wie ein sturer alter Mann, doch auch das hat seine Bewandnis. Nur langsam kann sich Grey ihm nähern und sie versteht zuerst auch nicht, was dieser Mann mit seinen Andeutungen auch im Bezug auf Nanking sagen will, doch das wird nach und nach aufgeklärt, auch, wenn man dessen Tagebucheinträge liest. Ohne diese würde man womöglich nicht verstehen, was er in seinem Leben erlebt hat und was ihn zu dem Mann gemacht hat, der er zu dem Zeitpunkt ist.
Beide Charaktere hatten schwere Schicksalsschläge erleiden müssen, die sie verbindet. Beide verloren ein Kind – und das auf eine ähnliche Art und Weise, doch das kommt auch nur nach und nach zum Vorschein, sodass man sich nur einen guten Überblick verschaffen kann, wenn man das ganze Buch durchgelesen hat.
Besonders dramatisch sind die letzten 50 Seiten, nachdem davor jeweils nur bis zu dieser Stelle hingearbeitet wurde, machte es den Anschein. Man kann aber dort richtig mitfühlen, in welcher Angst die Protagonistin ist, als sie vor Ogawa und ihrem Handlanger aus dem Haus flüchten muss, in dem sie Jason zurücklassen musste und die „Medizin“ an sich nahm. Schockierend war das Schicksal, was Jason erleiden musste und Grey findet diese bizarre Mordmethode auch eine Art auch noch schön.
Zum Schluss stellt sich heraus, dass die Medizin, die Shi Chongming schon seit geraumer Zeit gesucht hat, etwas ist, was er schon vorher wusste und Grey wird für ihre Mühen mit dem Sehen des Films belohnt.
Das Buch beschreibt das zerrüttete Leben zweier Menschen, die damit zurecht kommen müssen, dass sie ihre Kinder verloren hatten, aufgegeben hatten und das aus freien Stücken: Grey aus Unwissenheit, Chongming aus Feigheit.