Vollendet hat schon lange bevor er erschienen ist, auf meinem Wunschzettel darauf gewartet, endlich gekauft zu werden. Als es erschienen ist, habe ich es auch direkt gekauft und zeitnah begonnen. Die Idee, die hinter diesem Buch steckt, hat mich schon beim Lesen der Produktbeschreibung fasziniert.
Zitate:
"Auszug aus der Charta des Lebens:
Im Alter zwischen dreizehn und achtzehn Jahren können Eltern ein Kind rückwirkend "abtreiben", unter der Bedingung, dass das Leben des Kindes "streng genommen" nicht endet. Der Vorgang, mit dem das Leben eines Kindes abgeschlossen wird, das Kind aber dennoch am Leben bleibt, wird Umwandlung genannt."
"Nein, nicht wirklich. Den Teil von ihm, der Wörter benutzt, hab ich nicht gekriegt. Ich hab vor allem Gefühle. Manchmal auch Bilder, aber meistens Gefühle. So ein Drang"
Meine Meinung:
Vollendet kommt mit einer wahnsinnigen, dafür interessanten Idee daher. Connor, Risa und Lev, die drei Protagonisten, leben in einer Welt, in der die so genannte Umwandlung einen hohen Stellenwert hat. Eltern können ihre Kinder im Alter von 13 - 18 Jahren umwandeln lassen - ein Vorgang, in dem jeder Teil des Körpers ab- bzw. entnommen wird und in anderen Menschen weiterlebt, so wie in der Charta des Lebens festgehalten.
Weiterleben darf man hier ruhig wörtlich nehmen. So treffen die Kinder auf ihrem Weg auf Cy, welcher Teile des Schläfenlappens eines umgewandelten Jungen in sich hat und nicht immer Herr seiner selbst ist - die Umwandlung hat eben doch Fehler. Auch wenn Cy nur eine Nebenrolle, ist er die interessanteste Figur im Buch gewesen - seine Rolle ist faszinierend und schockierend zugleich.
Connor, Risa und Lev haben alle drei ihr eigenes Schicksal, was auch kurz erklärt wird. Die Idee der drei Charaktere fand ich gut, jedoch hat mir hier die Tiefe gefehlt. Sie sind zwar immer präsent, jedoch wirken sie etwas blass im Angesicht der Umstände. Das mag auch an der neutralen Schreibweise von Neal Shusterman liegen, welche mir leider nicht zugesagt hat. Ich brauche auch etwas Gefühl um mit einer Geschichte warm zu werden.
Die Umwandlung an sich kam leider erst im letzten Viertel zur Sprache. Die Kinder haben Angst und versuchen alles, gar nicht erst in ein sogenanntes Erntecamp zu kommen, in dem sie dann umgewandelt werden. Aber gerade da wurde das Buch für mich spannend. Wie sieht ein Erntecamp aus? Was passiert dort? Wie verläuft eine Umwandlung? Diese Fragen werden beantwortet, ich hätte mir aber 'mehr' gewünscht. Mehr Alltag, mehr Gefühle, mehr über das 'Danach'.
Die 'Charta des Lebens' wurde ins Leben gerufen, weil es nicht genug Organspender gab. Das alleine regt zum Denken an. Die Kinder, welche umgewandelt werden, sind oft Problemkinder, die mit ihren Eltern nicht klar kommen oder gar im Heim sitzen. Eine grausame und noch unvorstellbare Art, Probleme zu beseitigen.
Fazit:
Das Buch hat eine tolle Idee, deren Potenzial leider nicht ausgenutzt wird. Dieses Buch hat mich, bis zum letzten Viertel, leider nicht mitgerissen. Ich bin mir unsicher, ob man dieses Buch gelesen haben muss, da die Schwächen leider nicht unerheblich sind. Fans von Dystopien werden hier sicherlich keinen totalen Fehlkauf haben, als erste Dystopie würde ich dieses Buch jedoch nicht empfehlen. Drei Sterne!