Mercy kann Geister sehen. Eines Tages sieht sie auf ihrem üblichen Spaziergang den Geist einer Frau im See. Etwas später trifft sie Claudius, jemand den sie kennen sollte, doch zuerst nicht erkennt. Und ihre Odyssee fängt erst an..
Mit einfachen Sätzen, die sich in dem Kopf des Lesers zu Bildern manifestieren, schafft es Sarah Singleton den Leser als solches zu binden. Man ist gespannt auf jedes weitere Detail. Sie beschreibt die Gemütszustände, die Räumlichkeiten und das Geschehen mit warmen herzlichen Worten, die kein Zweifel daran lassen, das etwas mit den Vergas nicht stimmt. Eine Familie, die den Tag zur Nacht macht und umgekehrt in einem Haus, das auch nicht immer das Gleiche ist.
Mercy hat die Möglichkeit das Rätsel zu lösen, wird ihr doch von Claudius, den sie im Garten trifft, ihre Vergangenheit, wie sie sie kennt, in Frage gestellt. Was war wirklich und warum kann sie sich nicht erinnern. Ihre kleinere Schwester Charity kann sich auch an nichts erinnern. Aber was ist Wahrheit, was ist Trug? Mercy kann durch verschiedene Zeitebenen die Wahrheit herausfinden. Hört sich vielleicht komisch an, ist aber ein wunderschönes Element und absolut nicht merkwürdig, wenn man das Buch liest.
Die Charaktere werden auch nach und nach pointiert bzw. erklärt, wer warum wieso. Alles kommt zur rechten Zeit. Besonders gefiel mir der Vater. Bei seinen ersten raren Auftritten hat man das Gefühl der Gute hat absolut keinen Ein- bzw. Überblick, doch man mag sich täuschen.
Sarah Singleton hat ein modernes Märchen erschaffen, zentral wird das Thema der Trauerverarbeitung aufgegriffen. Wobei es ihr gelungen ist keine Moralpredigt, sondern ein schön verarbeitetes Beispiel anzubringen.
Besonders die im Kopf entstandenen Bilder haben mir supergut gefallen, das Cover nebenbei auch. Einfach, aber gewaltig und spannend, konnte es kaum aus der Hand legen.
Fazit:
Ein modernes Märchen über den Verlust eines geliebten Menschen und die Verarbeitung der Trauer.