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Rezension vom 12.03.2013 (30)
Sara B. Elfgren/ Mats Elfgren »Feuer»
Auch Ende August, jetzt wo die Schule wieder beginnt, fühlt es sich nicht so an, als wäre der Herbst nahe und könnte dem Landstrich mit seinen kühlen und nebligen Ausläufern baldige Linderung verschaffen. Aber nicht nur für die Natur und Tiere ist genau das bitter notwendig, sondern auch für die fünf verängstigten jungen Hexen, denen vor ein paar Monaten ihre zentrale Bestimmung in einer uralten Prophezeiung zur Rettung der Welt offenbart wurde. Allerdings bedarf es für -Die Auserwählten- weit mehr als eine kühlende Auradusche oder einen starken Heiltrunk, um ihr Selbstvertrauen in ihre starken magischen Kräfte und den Umgang miteinander wieder in‘s Lot zu bringen.
Immer noch bohrt die Konfrontation mit dem Bösen und das geheime Wissen um die wahren Hintergründe der zwei brutalen und hinterhältigen Morde ihrer Mitschüler Elias und Rebekka in ihnen und schwächt sie. Beim Gedanken zurück, wirkt es wie eine flüchtige Berührung mit einer anderen Dimension, jedoch sind diese Ritualmorde ein unwiderruflicher Teil ihrer eigenen Geschichte und Aufgabe geworden. Elias und Rebekka hinterlassen eine klaffende Lücke, nicht nur als Freunde, sondern vor allem als Verbündete und wichtige Elemente im Kampf gegen eine starke dämonische Macht, die in Engelsfors ein Schlupfloch gefunden hat, um die Apokalypse einzuläuten. Schwarze, undurchdringliche Schatten scheinen die fünf stetig aufzulauern und zu beeinflussen, verbotene Gedanken streifen durch ihre Köpfe und Angst vor Übergriffen der Dämonenschar und der drohenden Weltzerstörung sind allgegenwärtige Begleiter.
Nach aussen scheint das Leben in Engelsfors endlich in seinen provinziellen Trott zurück gefunden zu haben, gerade und vor allem, jetzt am Ende des Sommers. Aber Vorsicht! Die unsichtbaren Zeichen stehen längst auf Sturm! Unerwartet und zielgerichtet, keimt und gedeiht rasend schnell eine neue Gefahr auf dem verdorrten Boden der Gemeinde. Eine Initiative, die unbeschreiblich kraftvoll und energiegeladen agiert, die die Menschen zu hypnotisieren scheint, sodass ganz Engelsfors plötzlich in einer positiven Wolke der Abhängigkeit festhängt!
Auf dem alten Friedhof kommt es zwischen Linnéa und Nicolaus‘ Familaris zu einer scheinbar zufälligen und unheimlichen Begegnung. Der angeschlagene Kater lockt sie zielgerichtet zu einem Grabstein, dessen Inschrift fast unleserlich ist. Mit Unbehagen säubert Linnéa ihn, um dann auf einen Namen zu blicken, den sie unmöglich hier zu finden vermutete! Ihr Herz verkrampft sich und der Schreck fährt ihr durch alle Glieder! Niemand kann wissen, dass es mit dieser Entdeckung und dem damit gelüfteten Geheimnis jetzt erst richtig heiß wird, dass aus der Glut ein neues loderndes Feuer entsteht! Endlich wird es für alle fünf Zeit den Platz im Zirkel anzunehmen, denn nur zusammen können sie diesen Kampf gewinnen.
Aber seid auf der Hut, die Dämonen lauern schon!
Mein Fazit:
Die Urban/Dark Fantasy Trilogie geht in die zweite Runde! Mit großer Spannung und Vorfreude habe ich auf den erneuten Abstecher in‘s düstere und vor Magie strotzende schwedische Örtchen im Nirgendwo gewartet. Das Coverdesign ist dem des Vorgängerbands gravierend ähnlich und bildet zusammen mit dem Titel ein harmonisches Ensemble. Es schmiegt sich optisch, tadellos in die gesamte Gestaltung der Reihe ein. Doch mit wachsamen Blick findet man hier schon einen dezenten Hinweis, mit Brisanz zum Verlauf, den ich selber aber auch erst nach Beenden wahrgenommen habe.
Wie bei allen mehrteiligen Buchreihen ist es absolut ratsam, den Vorgänger noch mal aufzufrischen, sollte man die Reihe mit zeitlicher Unterbrechung lesen.
Gerade bei der Engelsfors Trilogie liegt eine nicht zu unterschätzende Gewichtung, bei der Vielschichtigkeit und Präsenz der einzelnen Charaktere und deren familiären, teilweise verflochtenen, Lebensumstände und Beziehungen zueinander. Daher ist es wichtig sich noch mal mit all diesen, scheinbar auf den ersten Blick, recht belanglosen Nebensächlichkeiten vertraut zu machen. Das Anknüpfen und Weiterführen der Handlung, direkt am Ende von „Zirkel“, ist dem Autorenduo ideal gelungen.
Man wirft mit den ersten Kapiteln einen kurzen Blick zurück, betrachtet die vergangenen Vorkommnisse und zeitgleich wird die Geschichte in der Gegenwart vorangetrieben.
Obwohl es sich beim Setting um ein fiktives Fleckchen Erde handelt, ist es der großartigen Atmosphäre und dem charismatischem Schreibstil zu verdanken, dass man sich im Glauben wiegt, dass es auch gut und gerne real existieren könnte. Schon zu Beginn entsteht eine ausgeprägte melancholische und aufgeheizte Stimmung, die den Leser in ein düsteres, geheimnisumwittertes Engelsfors zu entführen vermag. Ein ganz eigenes Gefühl und Bild wallte schnell auf, das den intensiven Beschreibungen von Flora und Fauna, sowie der Stadt und ihren skurrilen Einwohnern geschuldet ist, was es erneut schaffte mich mit sich fortzuziehen und zu begeistern.
Das Buch ist in insgesamt 4 Teile aufgegliedert und innerhalb der beiden ersten, haben die Autoren ihrem gutem Dutzend jugendlicher Hauptfiguren nochmals viel Raum gegeben, um in aller Ausführlichkeit deren Lebensumstände und täglichen Probleme zu schildern. Ich empfand das stellenweise etwas zu langatmig oder auch nervig, denn für „Feuer“ war meine Erwartung, dass es schnell tiefer geht, in die mystische Handlung mit all den aufgeworfenen Geheimnissen und Fragen um die magischen Elemente und Prophezeiung des ersten Teils. Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte irgendwie Startprobleme hat, um ihren Rhythmus zu finden und hoffte inständig, dass die Spannung zurückkehrt!
Typische und altersgerechte Themen, wie Probleme im Elternhaus, der Schule, mit Beziehungen, Sex und Selbstbestimmung sind in einem Jugendbuch definitiv wünschenswert und wichtig. Leider fand ich diese Themen in der ersten Hälfte etwas überstrapaziert und zu fokussiert. Dennoch bin ich sicher, dass sich besonders die Zielgruppe des Genre viel intensiver mit den Problemen der Protagonisten identifizieren kann, als es mir gelang. Was ich in diesem Kontext nicht unerwähnt lassen möchte, weil es mir ausserordentlich gut gefiel, war die Korrespondenz der Protagonisten mit sich selbst. Durch eine unglaubliche und extravagante Idee, die hier genial und absolut passend zur Entwicklung der Handlung umgesetzt wurde, entsteht eine Situation, die alle fünf Mädchen in eine besondere Lage bringt! Sie geraten in ein emotionsgeladenes Spiel mit Identitäten, werden konfrontiert mit der eigenen Wahrnehmung ihres Seins, sowie der konzentrierten und stetigen Reflexion des Wirkens auf andere. Bisher ist mir solch eine tiefgründige Spiegelung von Charakteren noch nicht begegnet. Das fand ich wirklich bemerkenswert umgesetzt und es hat mich nachhaltig beeindruckt!
Doch wie so oft, kommt das Beste zum Schluss!
Wenn man die Hälfte des Buches erreicht hat, fühlt es sich urplötzlich an wie ein Kickstart! Die manchmal langweiligen und fragwürdigen Passagen der ersten Hälfte gehören definitiv der Vergangenheit an, und man wird vom rasanten Umbruch quasi überrumpelt, obwohl man die ganze Zeit nur darauf gelauert hat! Mit voller Wucht bricht der lang ersehnte Thrill, die magischen Momente, aber auch das blanke Grauen und die Angst, über den Leser herein. Auf einmal machen so viele Dinge Sinn und fügen sich wie von selbst zusammen. Hier steigt die Spannung stetig bis zum Ende des Buches an. Immer wieder sieht man sich getäuscht und in Schreckzustände versetzt, ohne jedoch die Hoffnung auf die Auflösung und ein gutes Ende zu verlieren. Einer Aufholjagd gleich, können die letzten 50 Prozent richtig begeistern und den erhofften Nervenkitzel bieten. Aber eine Warnung für zartbesaitete Leser: Man sollte nicht allzu zimperlich sein, denn die eine oder andere blutige und grausame Szene bleibt in einem Thriller wie diesem nicht aus.
Ach ja, und Gevatter Tod ist ein guter, alter Bekannter in Engelsfors, der regelmäßig vorbeischaut und seinen Tribut einfordert...
Kurz gesagt:
Den zweiten Band der Engelsfors-Trilogie „Feuer“ sollte man unbedingt lesen, wenn man den Auftakt schon begeistert zugeklappt hat oder auf der Suche nach einer ganz besonderen Art von Jugendbuchreihe mit schaurigen und magischen Elementen ist.
Brillant geschrieben und mit sehr eigenem, nordischem Charme!
Die Fortsetzung hat zwar leichte Startschwierigkeiten und einige Längen, aber für Jugendliche, die Lesestoff mit Dämonen, Hexen, Magie und Nervenkitzel suchen, goldrichtig. Besonders das Ende hat mich neugierig und in Anspannung zurück gelassen! Nun heißt es wieder ein Jahr lang geduldig sein und auf den Abschluss der Serie warten. Ob meine Erwartungen an das Ende erfüllt werden können?!
Ich vergebe das Prädikat: -atmosphärisches und charismatisches Leseerlebnis-.
Rezension vom 18.02.2013 (34)
Laura Moriarty »Das Schmetterlingsmädchen»
Rezension:
Die drückende Schwüle im Sommer 1922 hält das ländliche Kansas seit Wochen unerbittlich in seinen Klauen. Auch Cora Carlisle leidet darunter. Was würde sie für eine erquickende Aufgabe geben, jetzt wo ihre Jungs die Ferien weit entfernt auf einer Farm verbringen und sie ihrer täglichen Routine im Haus beraubt ist?
Zu diesem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, dass ihr Wunsch bald Gestalt annimmt, denn ein unglaubliches Angebot an die Adresse eines jungen Mädchen ihrer Nachbarschaft, wird umgehend auch einschneidende Veränderungen in ihrer eigenen Lebensgeschichte mit sich bringen. Die Einladung die Louise Brooks aus New York erreicht, offeriert ihr die Chance des Lebens und die Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches! Endlich raus aus dem primitiven und staubigen Kansas und rauf auf die glitzernden und lauten Bühnen der Weltmetropole New York. Sie darf einen Monat lang an der berühmten Denishawn Dance Academy trainieren und ihre Talente zur Schau stellen. Louise ist sich sicher, das ist ihre goldene Eintrittskarte in das Leben, vom dem sie schon immer träumt und für das sie täglich hart arbeitet.
Doch so einfach wie es den Anschein hat, ist es keineswegs. Nicht allein ihre Minderjährigkeit verlangt selbstredend nach einer Aufsichtsperson, sondern auch ihre exzentrische, freizügige und unschickliche Art, lässt die 15 Jährige überall anecken und gibt den Menschen in ihrem Umfeld genug Zündstoff, um sich den Mund zu zerreißen. Von ihr geht ein unerklärlicher Reiz aus und durch ihre orientalisch anmutende Schönheit kann sie dem Gegenüber mit nur einem einzigen Augenaufschlag schon mal alle Sinne vernebeln. Doch hat man dann auch noch das Privileg mit ihr einen Wortwechsel zu führen, ist man sich nicht mehr sicher, dass die oftmals so scharfen und gezielten Provokationen wahrhaftig dem Mund eines derart grazilen Mädchens entspringen können. Was keiner weiß: Louise Brooks ist Meisterin im Manipulieren, Verwirren, Herzenbrechen!
Hier kommt Cora Carlisle in‘s Spiel, die als verheiratete und geehrte Frau eine perfekte Anstandsdame abgibt und in diesem Sommer nichts zu tun hat. Auf Ersuchen von Louises Vater wird Cora als Begleitung für ganze vier Wochen mit Louise nach New York City reisen und sie an der kurzen Leine halten. Immer im Hinterkopf, dass es sich bei Louise um einen extrem talentierten, aber ebenso allürenbehafteten Paradiesvogel handelt, dem es gilt, die Großstadt mit all seinen Gefahren und Verlockungen in nur kleinen Dosen zugänglich zu machen.
Allerdings entschließt sich Cora nicht allein aus diesem zeitlich passendem Angebot für einen Tapetenwechsel und die beschwerliche Reise an die Ostküste. Es eröffnet ihr insgeheim auch die Chance, etwas über ein dunkles und viel zu lange totgeschwiegenes Kapitel ihrer eigenen Kindheit zu erfahren. Nur sie weiß, dass sie eine Fassade wahrt, die ein Geheimnis der ersten Lebensjahre kaschiert. Nach viel zu vielen Jahren des Schweigens bietet sich plötzlich die Möglichkeit, einer blassen Erinnerung unbehelligt im Schutz der anonymen Großstadt nachzugehen.
Als das ungleiche Duo den Zug in Wichita besteigt, wissen beide nicht, dass genau in diesem Moment die Gleise ihrer Lebenswege neu verlegt werden. Sie bleiben auf eine schmerzliche Weise miteinander verbunden, lange über den Tod hinaus...
Mein Fazit:
Mit dem ersten Blick auf „Das Schmetterlingsmädchen“ erhascht man eine Vorahnung der geheimnisvollen, wie auch tragenden Atmosphäre der Geschichte. Dezentes Farbenspiel und ein markantes, fast unnahbares Gesicht, mehr brauchte es nicht, um mich zu verzaubern und zu wissen, dass ich mich auf dieses Buch einlassen möchte. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, welches Erstaunen der wiederholte (spätere) Blick auf das schöne Gesicht hervorrufen würde, ich hätte es wahrscheinlich nicht geglaubt. Denn hier handelt es sich nicht um ein im Grafikprogramm entworfenes Cover, sondern um die aufpolierte Reproduktion eines originalen Fotos von Louise Brooks selbst.
Womit wir auch gleich beim Inhalt wären, von dem ich annahm, dass dieser historische Roman eine gänzlich frei erfundene Handlung hat. Dem Klappentext war nicht zu entnehmen, dass es eine biografische Anlehnung gibt. Da ich mit den Persönlichkeiten dieser Zeit nur wenig vertraut bin, war mir die Grande Dame des Stummfilms, Louise Brooks -besser bekannt als Lulu-, leider kein Begriff. Aber ich habe sie durch das Buch kennengelernt und diese Bildungslücke geschlossen.
Meine Erwartungen an nostalgische Atmosphäre, Lebensart und Konventionen der Goldenen Zwanziger, konnte Laura Moriarty zum größten Teil erfüllen. Man kann im Anhang nachlesen (und merkt es auch während des Lesens), dass die Autorin eine intensive und langwierige Auseinandersetzung mit der Recherche zur Person Louise Brooks und der damaligen Zeit hatte. Im Ergebnis des Romans zahlt sich diese Mühe wirklich aus. Es war eine gelungene Zeitreise mit detaillierten Beschreibungen von Moral, Konventionen, Alltagsdingen und Sprache, die wunderbar authentisch aufzeigt, wie es vor knapp 100 Jahren gewesen sein muss, zu leben und zu lieben. Wie viel im literarischen Lebenslauf von Lulu allerdings der Wahrheit entspricht oder der schriftstellerischen Freiheit geschuldet ist, kann ich nicht beurteilen.
Ich war überrascht, dass die Handlung nicht sofort in der schillernden Metropole NYC startet, sondern weit entfernt im ländlichen Teil der USA. Hatte ich mich doch in Vorfreude auf rauschende Partynächte mit Jazzmusik in glorreichen Etablissements eingestimmt. Diese Erwartung wurde jedoch nicht erfüllt.
Also begab ich mich auf die Suche nach der Geschichte des Schmetterlingsmädchens. Was genau war der gemeinsame Nenner dieser zwei kontrastreichen und authentischen Frauen. Ich war gespannt und traf sie in einer bürgerlich konservativen Umgebung an, fernab der modernen Großstadt, jede mit Wunden einer traumatischen Vergangenheit gebrandmarkt. Zum einen ist da die biedere und farblose Mittdreißigerin Cora, Ehefrau und Mutter aus gut situierten Verhältnissen und andererseits der absolut egoistische und auf das Showbuisness fixierte Teenager Louise aus schwierigen Familienverhältnissen.
Die Figur Cora, obwohl sie die eigentliche Hauptfigur in diesem Roman ist, blieb mir leider in der Gesamtheit zu unscheinbar und glanzlos und konnte niemals mit der Brillanz und der Energie von Louise mithalten. Ihr haftet eine Sensibilität und morbide Zerbrechlichkeit an, die auch durch ihre exponentielle Entwicklung und Sprengung der sich einstmals selbst angelegten Ketten, niemals ganz abgeschüttelt wird. Cora entspricht nach aussen dem typischen Frauenbild der Zeit, lebt jedoch ein fingiertes Leben.
Louise dagegen erscheint auf der Bildfläche, und von ihr geht sofort eine Anziehung und Dominanz aus, die sich noch zusätzlich verstärkt, als sie sich ganz offenherzig als Konventionsbrecher outet und damit stetig Konfrontationen herauf beschwört. Sie ist ein Wirbelwind, der viel Potenzial und Charisma für den weiteren Verlauf erahnen lässt. Ich konnte bis zur letzten Seite nicht genug von Louise bekommen und sie ist mir ganz arg an's Herz gewachsen. Sicher lag das auch in ihrer koketten Art begründet, der vielsagenden Mimik, die die Autorin sehr bildlich beschreibt und den gewagten bis vorwitzigen Dialogen inklusive verbaler Provokationen, mit der sie ganz klar polarisiert.
Beide Charaktere stehen sich zu Beginn sprachlos und regelrecht hilflos gegenüber, finden dann aber ein Arrangement dem jeweils eigenen großen Lebenstraum eine Bühne zu geben. Auch wenn das bedeutet, stetig zähneknirschend Kompromisse eingehen zu müssen. Immer wieder kommt die Diskrepanz zwischen den beiden Frauen und deren verschiedenen Wertvorstellungen, wie auch Moralbewusstsein zum Vorschein und es wird ein wunder Punkt in der Handlung bleiben. Und genau hier liegt die Essenz und die Kraft des Romans. Dem Leser wird nicht nur eine großartige, mitreissende und bewegende Lebensgeschichte angeboten, sondern gleich zwei, die sich noch dazu völlig verschieden entwickeln. Die beiden ungleichen Lebenswege verweben sich zu einer unausgesprochenen Abhängigkeit, ein Geheimnis verbindet ihre Herzen, dass auch lange nach der gemeinsamen Zeit in NYC noch immer der Schlüssel zur verletzten Seele der anderen bleiben wird. Im letzten Teil des Buches verliert sich die gewohnte Engmaschigkeit der Erzählweise und man begleitet beide Frauen nur noch sporadisch weiter. Leider ist mir hier die Sicht auf Louises Leben eindeutig zu kurz gekommen, denn zu viele Fragen zu ihrer Karriere blieben für mich offen.
„Das Schmetterlingsmädchen“ hat es geschafft, dass ich der Geschichte, den großen Gefühlen und ihrer Tragik verfallen bin, denn innerhalb weniger Stunden hatte ich es ausgelesen. Ein Roman, der geschickt mit den Gefühlen der Leser zu spielen weiss und der einen so tief berührt, dass sich Tränen unaufhaltsam ihren Weg bahnen. Ich liebe dieses Buch und möchte gern mehr!
Kurz gesagt:
„Das Schmetterlingsmädchen“ ist ein ergreifender und tief emotionaler Roman, der zwei Frauenschicksale bebildert. Zum Teil werden dabei biografische Lebensstationen einer großen Schauspielerin der Stummfilmzeit nachgezeichnet. Nach drei Büchern der Gegenwartsliteratur wagt sich Laura Moriarty mit diesem Roman erstmals an einen historischen Hintergrund. Ich finde das ist ihr absolut perfekt gelungen. Mich konnte dieses Buch mit Tränen, Gänsehaut, aber auch jeder Menge Momente des Erstaunens und subtil feinherbem Witz restlos für sich gewinnen.
Daher meine absolute Weiterempfehlung, wer Bücher mit Tiefgang, großer Bühne und Einblicken in tragische Schicksale sucht, oder der auf den Spuren der berühmten Schauspielerin Louise Brooks wandeln möchte. Dieses Buch sollte man unbedingt gelesen haben, denn es garantiert großes Kino mit tollen Bildern und bewegenden, nostalgischen Momenten!
Rezension vom 30.01.2013 (53)
Cynthia J. Omololu »Für immer die Seele»
Rezension:
London ist eine der coolsten und aufregendsten Metropolen in Europa!
So steht es zumindest in den Reiseführern geschrieben. Ein Magnet für Shopping Queens und Kultur Interessierte. Tolle Malls, aufregendes Nachtleben, aber auch geschichtsträchtige Bauwerke, Zeugen längst vergangener Jahrhunderte, warten auf Besucher.
So vielfältig und verlockend die touristischen Ausflugstipps auch sind, es könnte für die beiden amerikanischen Schwestern Cole und Kat eher weniger spassig werden.
Ferien in London? Genial! Aber zusammen mit der eigenen Schwester? Unzumutbar!
Die Herausforderung liegt darin, ein Freizeitprogramm zu gestalten das beiden gefällt. Das kommt einer fast unlösbaren Aufgabe gleich, denn Cole und Kat, wie auch ihre Pläne, könnten kaum gegensätzlicher sein. Nachdem Cole eine unerklärliche Sehnsucht und Faszination für historische Gebäude und Sehenswürdigkeiten verspürt, und diese unbedingt besichtigen möchte, macht Kat keinen Hehl daraus, dass sie eigentlich nur an Relikten wie den Kronjuwelen interessiert ist. Sie kann nicht verstehen, warum man in verstaubten Kerkern und zugigen Kammern herumkrabbeln will. Eine ausgiebige Shoppingtour durch die glamourösen Malls im Herzen der Stadt wäre doch viel cooler.
In einem Kompromiss entscheiden sie sich für eine geführte Besichtigung durch den Tower of London und die umliegenden Gebäude. Während sie mit dem Guide auf dem Zeitstrahl durch London‘s Geschichte reisen, ergreift ein unerklärliches Phänomen von Cole Besitz. Die Gruppe macht an einem Platz Halt, an dem im 16. Jahrhundert Hinrichtungen stattfanden und Cole bemerkt eine energetische Schwingung, die sie zuerst nur zu streifen scheint, aber dann ruckartig mit sich zieht. Noch während sich der Reiseführer in ausführlichen Erklärungen verliert, nimmt Cole rasante Veränderungen in ihrer Wahrnehmung und im Körpergefühl wahr. In Sekundenschnelle erwächst um sie herum ein Pulk aus Stimmen, Menschen bedrängen sie von allen Seiten und sie findet sich in einer völlig veränderten Realität des Ortes wieder, an dem sie bis eben friedfertig neben Kat gestanden hat.
Cole fühlt sich wie in Trance, spürt die harten Griffe von Männern an ihren Armen, die sie vorwärts schieben. Sie trägt Kleidung, die unbequem ist und die sie noch nie im Leben getragen hat und spürt bei jedem Schritt ein schweres metallenes Amulett gegen ihr Brustbein schlagen. Nur wenige Meter entfernt, in der Mitte des aufgebrachten Pöbels, erblickt sie voller Schauder eine Bühne. Auf ihr steht ein maskierter Mann mit einem Beil in der Hand. Ihr stockt der Atem, Angst jagt durch ihren Körper! Ein Henker?!
Ohne zu wissen warum, erscheint ihr plötzlich das Gesicht eines völlig fremden Mannes vor ihrem inneren Auge. Connor... dieser Name schiesst ihr durch den Kopf, obwohl sie ihn nicht zuordnen kann. Sofort bricht in ihr ein Gefühlschaos aus, unendlich viel Liebe und Trauer macht sich in ihr breit. Sie weiß nicht was hier geschieht, kennt diesen Mann nicht, und ist erfüllt von Angst und Pein. Hastig umfasst sie ihr Amulett und schließt einen Pakt mit diesem Connor, der ihr so innig vertraut und doch so unendlich fremd scheint. Mit den gemurmelten Worten „Ad vitam aeternam - bis in alle Ewigkeit“ erklimmt sie die hölzernen Stufen zum Schafott...
Mein Fazit:
Ich könnte ausnahmsweise mal ein ganz kurzes und signifikantes Fazit schreiben, etwa wie: Ein für mich perfektes Buch! Aber das lässt soviel Wichtiges ungesagt, was ich unbedingt anbringen möchte, um es anderen Leseinteressenten aufzuzeigen.
Auf der zufälligen Suche nach neuer Lektüre, entscheidet man sich üblicherweise eher intuitiv und aufgrund von Thematik/Gestaltung, innerhalb von wenigen Sekunden, dafür oder dagegen. Daher ist die Aufmachung eines Buches enorm wichtig geworden.
Bei „Für immer die Seele“ sind Titel und Covergestaltung typisch „Jugendbuch“.
Nachdem ich jetzt aber die Handlung kenne, finde ich den Titel nicht aussagekräftig genug und das Cover zu unscheinbar, denn beides hat nicht die Ansprache, diese bedingungslos grandiose und berührende Geschichte zu transportieren. Hier hätte etwas mehr Kreativität gut getan, um dieses ansprechende Buch bei der riesigen Konkurrenz des Genre besser abzuheben. Interessant ist es auch deshalb, weil die Grundidee der Trilogie ein Thema behandelt, das recht selten bzw. neu ist und sich daher nicht vergleichend messen muss und sich abgenutzt oder kopiert anfühlt.
„Für immer die Seele“ war für mich eine absolut neuartige Leseerfahrung zur Aufbereitung der Thematik „Seelenwanderung“ (Reinkarnation, Karma, der Fluss von Energien ohne Raum und Zeit über alle Religionen und Lebensformen hinweg) und liess mich jede Seite begeistert verschlingen Aber nicht nur die Idee hatte es mir angetan, sondern auch der Plot und die Protagonisten waren einfach großartig! Von Anfang an hatte ich starkes Verlangen mich auf diese romantische, spannende und natürlich auch unheimlich mystische(Seelen)-Reise mitnehmen zu lassen und der Lesespass liess keine Sekunde auf sich warten.
Das kalifornische Geschwisterpaar Cole und Kat Ryan, das gerade Kurzurlaub in London macht, ist das Empfangskomitee für den Leser. Man konzentriert sich auf ihr zickiges Duell und wird währenddessen ganz unvermittelt zum Zeugen einer unglaublichen Vision, die Cole fortan fast wahnsinnig macht. Sozusagen ein prickelnder Start! Kurz darauf geht es weiter mit einer turbulenten und vielversprechenden Begegnung, mit nachhaltiger Konsequenz, zwischen Cole und Griffon. Beide verbindet eine intensive Vergangenheit, ohne das Cole davon auch nur den Hauch einer Ahnung hat. Selbst für Griffon ist der Moment des Zusammentreffen unerwartet und das lange erwartete Ende einer schicksalhaften Suche.
In den ersten Kapiteln lernt man die sozialen und familiären Strukturen der Hauptfiguren kennen. So hat man genug Zeit sich mit den wenigen Figuren auf dem Schachbrett eingehend zu beschäftigen und einen Eindruck ihrer Lebens- und Glaubenseinstellungen zu bekommen. Sofort bemerkt man viel Gegensätzliches, nicht nur innerhalb der Familie.
Cole ist das schüchterne und super talentierte Musikgenie, Kat die stylische Fashionqueen mit beruflichen Ambitionen in der Modebranche. Die Eltern sind geschieden, spielen aber der Kinder wegen in der gleichen Liga.
Auch das männliche Aushängeschild der Geschichte, der galante Charmeur Griffon, beglückt uns schon auf den ersten Seiten mit einem kurzen Intermezzo, um dann noch mal in‘s geheimnisvolle Off abzutauchen. Peu a peu tauchen weitere Figuren und Anhaltspunkte, oder besser gesagt, deren Inkarnationen aus längst vergangenen Leben und Zeiten auf, die Cole uns im Zuge ihrer stetig und unerwarteten Visionen aus verschiedenen Epochen aufzeigt. Da man sich die Handlung ausschließlich aus der
ICH-Perspektive von Cole erliest, ist auch immer nur ihr gegenwärtiger Wissens- und Erfahrungsstand dem des Lesers gleichzusetzen. Jedoch entgeht einem beim aufmerksamen Lesen der eine oder andere Wink mit dem Zaunpfahl nicht, der durch andere Protagonisten und visionäre Sequenzen in das zeitlose Durcheinander der verbundenen Existenzen und Reinkarnationen eingebracht wird. Es wirkt dadurch vielschichtiger und interessanter, da ohne diese zusätzlichen Einschübe ein großer Reibungspunkt und Mysteryfaktor in der Geschichte fehlen würde.
Das Zueinanderfinden von Cole und Griffon ist keine platte oder gar zuckersüße Romanze, wie man es vielleicht vermuten möchte, denn Wiedergeburt bedeutet immer auch sich neuen Identitäten und dem eigenen Karma zu stellen. Daher muss man hart kämpfen und Opfer bringen, um an alte Erfolge heranzukommen oder gar neue Ziele zu erreichen. Beide haben einen langen Weg durch viele Jahrhunderte hinter sich gebracht, um sich jetzt und hier wieder zu treffen und ihre Bestimmung zu finden. Ohne zuviel verraten zu wollen, aber es wird zum Ende hin unglaublich dramatisch. In der Interaktion des großen Seelenbündels wird es eine brachiale und kaum vorhersehbare Wendung geben, die mich total überrascht und emotional sehr berührt hat.
Der Schreibstil von C. Omololu ist geschmeidig, packend, treffsicher und ohne kitschige Wortspiele. Emotional ganz unterschiedlichen Situationen verleiht sie durch eine passende Stimmung eine wunderbare Schwere, Sensibilität oder Dominanz. Auch beim Schriftsatz gibt es eine Besonderheit: Die Abschnitte der Visionen sind mit kursiver und deutlich blasserer Schrift gedruckt und setzen sich dadurch augenblicklich ab.
Die unterhaltsame und einfühlsame Botschaft der Geschichte ist klar zu erkennen und regt an, seinen eigenen spirituellen Faden im Leben neu aufzunehmen, zu entknoten oder sich erstmalig mit dem Thema zu beschäftigen. Gerade für Jugendliche erachte ich diesen Punkt wichtig für den eigenen Entwicklungsprozess. Trotzdem bleibt aber immer genug Raum für eigene Ideen und Spekulationen, was ein gutes Buch natürlich anbieten sollte.
Wichtig ist bei einem Auftakt zu einer Buchreihe, dass die Elemente und seine Figuren interessant und prägnant sind, dass man nicht schon alles Pulver im ersten Buch verschießt und genug Entwicklungspotenzial übrig lässt. All das trifft auf „Für immer die Seele“ zu. Daher brenne ich darauf zu wissen wie es weiter geht und sehe ungeduldig dem zweiten Teil entgegen!
Kurz gesagt:
Schon vor dem Lesen hat das Buch aufgrund seines Themas und London als Schauplatz einen unglaublichen Reiz, ja regelrecht Sog auf mich ausgeübt. Dieses Gefühl bestätigte sich dann umgehend als richtig, denn die intensive und sehr emotionale Handlung wurde durch die interessanten und vielschichtigen Charaktere und das Aufgreifen einer neuen Idee für eine Buchreihe zu einem perfekten spirituell-romantischen Leseerlebnis. Ich weiß, dass es auf Ewig eines meiner Lieblingsbücher sein wird!
Wenn man sich also für die Themen wie die UNsterblichkeit der Seele, Wiedergeburt, Karma und Religionen im Allgemeinen interessiert und zudem noch offen ist, für eine wunderbare kraftvolle Liebesgeschichte, die unglaublich tief berührt und beseelt, dann solltet man sich schleunigst dieses Buch zulegen! Es ist der Auftakt der -Für immer Trilogie-.
Meine absolute Kaufempfehlung für Jung und Alt!









