Die Battles, eine ganz normale Familie: Die leicht überforderte Mutter Mo, ihr Mann Denys, Tochter Dora, die mitten in der Pupertät steckt und Sohn Peter, der die Prinzessin der Familie ist. Die Autorin, Dawn French, gewährt einen Einblick in deren Familienleben und zeigt, dass hinter der Fassade nicht alles ist wie es scheint...
Das Buch selbst ist schön anzusehen. Das Cover ist zwar recht einfach, aber doch farblich passend und mit Liebe zum Detail, so z. B. durch den gut ausgestalteten Hund. Er soll wohl den Familienhund Poo darstellen. Auch niedlich gemacht sind die Verzierungen und neuerlichen Bilder des Hundes auf den Seitenschnitten des Buches. Allerdings habe ich mich beim Anschauen schon gefragt, warum man diese Verzierungen ausgerechnet auf dem unteren Seitenschnitt und am seitlichen abgedruckt hat: Wenn ich meine Bücher ins Regal stelle, sehe ich genau diese zwei Seiten nicht, also habe ich auch nichts mehr von solchen Spielereien. Warum also nicht auf dem oberen Seitenschnitt? Aber gut, dem Lesevergnügen tut diese Merkwürdigkeit ja keinen Abbruch.
Im Stil von Tagebucheinträgen & gedanklichen Monologen lässt die Autorin nacheinander die einzelnen Familienmitglieder zu Wort kommen. Sie schafft es, durch unterschiedliche Erzählweisen die Charaktere und ihre Eigenarten gut darzustellen. Da wäre z. B. die Tochter Dora mit ihrer saloppen & von Flüchen durchzogenen Redeweise sowie Sohn Peter, der Oscar Wilde liebt und dementsprechend auch seine "erhabenen" Redensarten übernommen hat. Auch wenn Peters Tagebucheinträge durch seinen persönlichen Stil mitunter sehr langatmig und leicht anstrengend zu lesen waren, ist Dawn French's Schreibstil im Großen und Ganzen flüssig und sehr gut zu lesen. Man fliegt förmlich von Seite zu Seite, wenn man sich erst einmal in die Geschichte gefunden hat.
Auch einen gewissen Humor kann man der Autorin zusprechen. "Urkomisch", wie auf dem Buchcover verheißen wird, fand ich persönlich das Buch nun nicht, aber ein paar Lacher hat es mir stellenweise doch entlockt.
Gewundert hat mich anfangs ein bisschen, warum (fast) nie der Ehemann zu Wort gekommen ist - ja, warum noch nicht einmal sein Name gefallen ist. Er wurde immer nur als "mein reizender Ehemann", Vater oder Dad bezeichnet. Durch Erzählungen der anderen Familienmitglieder erfährt man als Leser zwar auch ein wenig über ihn, aber leider nicht, was in ihm vorgeht. Erst ziemlich zum Schluss lässt die Autorin ihn auch einmal zu Wort kommen - und dann gleich mit Pauken und Trompeten. Vorallem durch diesen Schachzug von Dawn French wurde der Vater für mich zum sprichwörtlichen Kleber, der die Familie zusammengehalten hat. Vor seinem Auftritt reagierte er immer nur im Hintergrund, als stiller Beobachter. Zu Letzt aber agierte er und rettete damit wohlmöglich seine Familie vor dem Zerbrechen.
Beim Lesen des Buches habe ich immer wieder gehofft, der in der Buchbeschreibung angekündigte "fiese Betrüger" möge nun endlich auftauchen und ein bisschen Leben in die Familie bringen. Die kleinen Tragödien der Familie, die Streits zwischen Mutter und Tochter sowie Peters Schwärmerei waren zwar ganz nett zu lesen, aber auf Dauer langweilig. Ständig las man von den selben Anschuldigungen Doras oder von Mos Gejammer, wie sehr ihre Familie sie doch nervt - mit der Zeit wurde dies für mich als Leser auch leicht nervig. Als es dann endlich anfing, etwas rasanter und spannender zu werden, war das Buch leider schon fast vorbei. Der fiese Betrüger wurde nicht sehr überraschend und ohne große Schäden auf Seiten der Familie entlarvt und wie durch Zauberei erkannte Mo, was sie eigentlich an ihrer Familie hat. Ende gut, alles gut.
Für mich als Leser war dies etwas enttäuschend. Ich hatte mir mehr erhofft, ein größeres Drama. Wenigstens noch die Reaktion des Ehemanns, wenn er von Mos Fremdgehabsichten erfährt. Aber nichts da, das Buch endet schnell nach Entlarvung des Betrügers - für mich definitiv zu abrupt.
Dawn Frenchs Buch hat zwar Potential, aber leider wurde dies nicht durchgehend genutzt. Es war interessant zu lesen, stellenweise witzig und sogar recht erkenntnisreich, wenn man sich in diesem oder jenem Moment in einer ihrer Figuren wiedergefunden hat. Mehr aber auch nicht. Ich habe mir mehr versprochen von dem Buch und bin etwas enttäuscht. Ehrlich gesagt, am meisten habe ich mich über den Rezepteteil des Buches gefreut - ein schönes Extra. Aber es kann ja nicht Sinn eines Buches sein, dass der Leser den Anhang am besten findet, oder? Von mir daher nur 2 Sterne...