Was für ein wunderschönes Buch! Ich muß sagen, daß ich jeden beneide, der noch einmal ganz neu hineintauchen kann. Es steckt voller Weisheit und Tiefe, Humor und Spannung und ist dazu noch so wunderschön erzählt, so schlicht und lyrisch zugleich, daß man die Zeit und alles andere vergißt.
Es ist ein alter Mann, der diese Geschichte seinem Urenkel erzählt, den er zärtlich seinen "kleinen, schlauen Fuchs" nennt. Es ist die Geschichte zweier Clans von Jenischen, jenes Fahrenden Volkes, das ähnlich wie die Sinti und Roma als Underdogs ein Leben am Rande der Gesellschaft fristen. Eine Geschichte geprägt von starken, schalkhaften, humorvollen Menschen, deren Liebe zum Leben, zur Natur und zur Freiheit größer ist als die Demütigungen und Gängeleien der Seßhaften.
Da ist allen voran Frida, die schöne, unbezähmbare junge Frau, der kein Mann gut genug ist, bis sie Lois begegnet. Da gibt sie ihm zu verstehen, daß er der richtige für sie ist, und macht ihm gleichzeitig weis, daß Er derjenige ist, der Sie wählt...
Da ist Luca, der seinen Onkel, den verschollenen Zirkusdirektor, sucht. Und als er ihn findet, reist er mit ihm durch die Lande, zuerst als Kloputzer, später als sein Erbe...
Da ist Maria, die Tochter von Frida und Lois, und Peter, der Sohn von Luca und Anna, die sich ineinander verlieben und zusammen über den Funk - das Lagerfeuer - springen. Doch als die Gestapo vor der Hütte steht, setzt Luca sich zur Wehr - mit schrecklichen Folgen für seinen Clan. Auch Peter wird ins KZ gesteckt. Und auch Maria und ihre Familie brauchen ihre ganze Kraft und Klugheit, um die harte Zeit zu überstehen.
Meine Meinung:
Ein phantastisches Buch! Leise und unspektakulär auf den ersten Blick, doch darin liegt seine Größe. Es ist weise und wertvoll, es ist ein Kleinod. Der Autor gewährt durch kleine sachlich gehaltene Einschübe tiefen Einblick in die Kultur der Jenischen, die mir persönlich bislang völlig unbekannt war - zumindest dieser Name, natürlich kannte ich den Ausdruck Fahrendes Volk oder Tinker, dachte dabei aber an Zigeuner, bzw. Sinti und Roma.
Erschütternd ist es zu lesen, daß diese Menschen sogar noch nach dem 2. Weltkrieg und der NS-Herrschaft drangsaliert wurden, z.B. nahm man ihnen die Kinder weg.
In den Erzählstrecken ( Urgroßvater an "schlauen, kleinen Fuchs" ) liegt aber eine solche Poesie, Weisheit, Kraft, Humor, eine solche unbändige Hoffnung, daß man gestärkt aus der Lektüre hervorgeht. So wunderschöne Sätze stecken darin, daß meine Ausgabe voller kleiner Post-its klebt!