Rezension vom 22.05.2013
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Lou ist 26, wohnt noch bei ihren Eltern, ist seit fast sieben Jahren mit dem gleichen Mann zusammen und verliert plötzlich überraschend ihren Job als Kellnerin in einem netten kleinen Café. Patrick, der Mann an ihrer Seite, ist so mit Sport beschäftigt, dass er darüber ganz vergisst, mit Lou einen Schritt weiter zu gehen. Lous Eltern haben nicht viel Geld und pflegen außerdem den Opa und füttern Lous Schwester samt Sohn mit durch, so dass jeder Pfennig absolut gebraucht wird. Unmöglich, dass Lou lange arbeitslos bleibt.
Jeder Job, den ihr das Arbeitsamt vorschlägt, ist noch schlimmer als der vorherige, und so geht Lou schließlich zu einem Vorstellungsgespräch für eine Pflegestelle. Sie rechnet damit, dass sie sich um einen gebrechlichen älteren Herren und seine Körperpflege kümmern soll und ist daher reichlich unmotiviert. Doch Will ist nur etwas älter als sie und sitzt schlecht gelaunt im Rollstuhl. Er ist Tetraplegiker, also brustabwärts gelähmt. Lou soll sich lediglich darum kümmern, dass er nicht lang alleine bleibt und tagsüber Zeit mit ihm verbringen.
Will ist anfangs sehr bockig und macht es Lou schwer, Gefallen an ihrer neuen Arbeit und ihm zu finden, doch als Lou schließlich durch einen Zufall herausfindet, warum genau sie von Wills Mutter eingestellt wurde, ändern sich die Bedingungen ihrer gemeinsamen Zeit. Will hat einen Selbstmordversuch hinter sich und möchte in Sterbebegleitung sein Leben beenden. Er verspricht seiner Mutter sechs weitere Monate... Lou steht vor der größten Herausforderung ihres Lebens und verbringt mit Will eine Zeit, die alles verändert.
"Ein ganzes halbes Jahr" ist ein so wunderschönes Buch, dass es gar nicht genug Adjektive dafür gibt. Es ist ein Buch zum Mitfühlen, von Anfang bis Ende. Frustrierendamüsantherzzerreißenderschreckendrealistischtraurig schön... Dies ist eines der Bücher, dem im Laden direkt eine Packung Taschentücher beigelegt werden sollte. Von der ersten Seite an ist man direkt drin in der Geschichte. Man schaut sich nicht erst die Figuren an, um dann zu entscheiden, wen man mag und wen nicht, nein, man wird direkt hineingeschmissen in diese berührende Geschichte, die weit mehr ist als eine Liebesgeschichte.
Es ist eines der wunderbarsten Bücher, die ich je gelesen habe. Eine Freundin hat es mir geliehen, aber dies ist für mich so ein Herzensbuch geworden, dass ich es mir selbst kaufen werde. Ich möchte es im Regal stehen haben, immer wieder sehen und in die Hand nehmen und darin eintauchen. Fünf Sterne sind eigentlich nicht genug.
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