Inhalt
Johannes Pinneberg liebt sein Lämmchen, Emma Mörschel. Nachdem Lämmchen schwanger wurde, steht fest, dass geheiratet wird. Dass sie ihr Lebensglück gemeinsam finden werden – gemeinsam mit dem Murkel.
Die Suche nach eben diesem Glück gleicht einer Odyssee, schwerlich durch immer wieder auftretende Hindernisse der Krisenjahre der 30er.
So zieht das junge Paar zuerst nach Dacherow, wo Pinneberg als Angestellter mit Buchhaltertätigkeiten bei dem Getreidelieferanten Kleinholz arbeitet, da er seine Stelle als Verkäufer bei einem jüdischen Herrenausstatter verloren hatte.
Nachdem ihm auch dort gekündigt wird, da er nicht die Tochter seines Chefs heiraten will, verschlägt es sie nach Berlin, wo sie bei Pinnebergs Mutter Eva zunächst Unterschlupf finden, bevor sie dort zwei kleine Zimmer beziehen können. Jachmann, ein Bekannter der Mutter mit zwielichtem Hintergrund, verhilft Pinneberg zu einem Job in einem Kaufhaus, wo er jedoch eine Verkaufsquote erfüllen muss, um nicht gekündigt zu werden. Diese Umstände setzen ihm massiv zu, sein einziger Halt ist ihm Lämmchen, eine Oase der Gutherzigkeit und Offenheit in der Welt der Skrupellosen, angeführt von den Nazis.
Sein Freund Heilbutt, der ihn schön bei der Kaufhausarbeit unterstützt, bietet der jungen Familie, nachdem Pinneberg auch diesen Job verloren hat, ein Obdach in Form einer Gartenlaube.
Nun ist es an Lämmchen, für ihre Familie mit Nähen ein paar Mark zu verdienen, während Pinneberg sich um Haushalt und den Murkel kümmert.
Hintergrund
Kleiner Mann – was nun? war der Höhepunkt Falladas Karriere. Die Möglichkeit diesen Roman zu schreiben, bekam Fallada von seinem früheren Verleger Ernst Rowohlt, den er im Sommer 1929 auf Sylt wieder traf. Zu diesem Zeitpunkt als Anzeigenschreiber bei einem kleinen Lokalblatt tätig, fiel die Entscheidung nicht schwer und 1930 zog Fallada mit seiner Frau Anna, genannt Suse, nach Berlin, um bei Rowohlt in der Rezensionsabteilung zu arbeiten.
Stillschweigend hatte Rowohlt veranlasst, dass Falladas Arbeitstag pünktlich um 14 Uhr endete - und gab ihm so die Möglichkeit zum Schreiben. Diese nahm er wahr, konnte er doch so den Sorgen um Familie – Sohn Uli wurde 1930 geboren – und Geld entfliehen. So entstand der Roman in nur 16 Wochen (Oktober 1931 – Februar 1932).
Mit dem Erfolg des Romans hörten die Sorgen um das Geld nicht auf – allein die Fragestellung war eine andere. Aus „woher Geld nehmen?“ wurde „wohin mit all dem Geld? Was macht man damit? Wie verwaltet man es?“.
Parallelen
Der Tatsache, dass Kleiner Mann – was nun? viele Parallelen zu Falladas Leben aufweist, widerspricht Fallada zwar nicht, warnt jedoch ausdrücklich davor, allzu viel hinein zu interpretieren.
Wie Pinneberg war Fallada als Angestellter tätig, sogar bei einem Kartoffellieferanten, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde.
Seine Frau Anna gehörte der Arbeiterschicht an und wie Lämmchens Verlobter, musste auch Fallada ordentlich Sprüche einstecken, wenn er auf ihren Vater traf.
Im Gegensatz dazu, fällt auch in diesem Roman, wie schon in vorherigen, auf, dass der Vater des Protagonisten nicht genannt wird. Eine Parallele zum währenden Konflikt um verwehrte Anerkennung zwischen Fallada und seinem Vater ist wohl nicht von der Hand zu weisen.
Er teilt die gleichen Sorgen der Krisenjahre der 30er und übt in keinem anderen Buch solche Kritik an den Nationalsozialisten.
Rezeption
Mit seinem Roman Kleiner Mann – was nun? trifft Fallada den Zahn der Zeit. Den goldenen Zwanzigern folgen die Krisenjahre der 30er, die Arbeitslosenquote steigt rapide und die Nazis sind kurz vor der Machtergreifung.
Sein Buch spiegelt die persönliche Situation des Großteils der Bevölkerung wider und findet dementsprechenden Anklang.
Der somit steigende Popularität ist es auch zu verdanken, dass das Buch nach der Regierungsübernahme der Nazis nicht verboten wurde – es wurde lediglich das Titelbild von George Grosz (s. Abbildung) ersetzt, ansonsten hätte wohl auch Fallada selbst weitere Maßnahmen fürchten müssen.
Heute ist der Roman als Zeitzeugnis zu verstehen, der ungeschönt die Unsicherheiten, Ängste und Nöte der Bevölkerung widergibt.
Neue Sachlichkeit
Kleiner Mann – was nun? ist der Neuen Sachlichkeit zuzuschreiben. Diese zeichnet sich durch ihre nüchterne Betrachtung aus und ist entgegen dem Expressionismus oft mit anderen Medien wie Film, Rundfunk, Varieté und Zeitschriften verknüpft. So brachte auch die Vossische Zeitung einen Vorabdruck des Romans heraus.
Quellen
• Hans Fallada: Kleiner Mann – was nun?. Sonderausgabe Berlin 2012
• Alfred Geßler: Schriftsteller der Gegenwart. Hans Fallada. Leben und Werk. Berlin 1976
• Jürgen Manthey: Hans Fallada. Hamburg 1963